Titel: Jones, Beschreibung eines senkrechten Ofens zum Troknen des Kornes.
Autor: Jones, Jak.
Fundstelle: 1824, Band 14, Nr. XXIII. (S. 88–97)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj014/ar014023

XXIII. Beschreibung eines senkrechten Ofens zum Troknen des Kornes. Von Hrn. Jak. Jones, zu Holborn.

Aus den Transactions of the Society for the Encouragement of Arts, Manufactures, et Commerce im Repertory of Arts, Manufactures and Agriculture. April 1824. S. 272.

Mit Abbildungen auf Tab. III. (Im Auszuge.)

Hr. Jones erhielt für diese Mittheilung die große goldene Medaille.

Ein sicheres Verfahren, Korn schnell zu troknen, ist nicht bloß für den Landmann, den Kornhändler und den Müller, sondern selbst für die Menschheit wichtig, zumahl in nassen Jahren, wo die Ernte nie anders als feucht auf den Kornspeicher gebracht werden kann, und dadurch so sehr an Werth verliert. Die Hize, die sich in den feuchten Kornhaufen entwikelt, macht nicht bloß das Getreide auswachsen, wodurch das Mehl zersezt wird, und die nahrhaften Theile desselben verloren gehen, sondern sie macht auch den unteren Theil des Haufens verschimmeln, wodurch das Mehl stinkend und übelschmekend wird. Korn kann nur troken mit wahrem Vortheile aufbewahrt werden, und die Kornbehälter der Alten, in welchen das Getreide Jahrhunderte lang vollkommen gut erhalten, aufbewahrt blieb, beweisen, daß sie dasselbe nur gehörig getroknet, aufspeicherten. Um das Getreide aber in nassen Jahren zu troknen, blieb bisher kein anderes Mittel, als die gewöhnlichen Troken-Oefen, und da diese theils nicht zahlreich genug sind, theils zu langsam troknen, so mußten zuweilen selbst die Malz-Darren in Requisition gesezt werden. Bei jedem größeren Kornboden sollte ein Troken-Ofen vorhanden seyn, theils um das Korn, während es auf demselben aufbewahrt wird, vor dem Erhizen zu sichern, theils um dasselbe zum Verführen auf Schiffen, wo es nicht umgeschaufelt werden kann, tauglicher zu machen. Auch der Müller hat einen solchen Troken-Ofen nöthig, wenn er schönes und gutes Mehl bereiten, und verhindern will, daß dasselbe sich an die Steine anhängt und sich klümpert. Verständige Müller troknen wenigstens immer den Weizen, wenn sie wissen, daß das aus |89| demselben bereitete Mehl auf dem Wasser verfahren werden soll, indem feuchtes Mehl die Entwikelung jener Insecten, die demselben so sehr nachtheilig sind, nur zusehr begünstigt.

Der gewöhnliche Troken-Ofen ist zu bekannt, als daß er einer umständlichen Beschreibung bedürfte. Nur für diejenigen, die ihn noch gar nicht kennen, und zur Vergleichung mit dem neuen, unten angegebenen, Troken-Ofen, will ich hier bemerken, daß er aus einer Art von Flöz besteht, welches aus Bridgewater-Ziegeln (großen, vierekigen, flachen Ziegeln), die mit einer Menge kleiner Löcher versehen, oder aus Eisen? Platten, die auf ähnliche Weise durchbohrt sind, oder aus einem Gitterwerke von geflochtenem Drahte aufgeführt ist, und auf eisernen Tragbalken ruht, die von einer Mauer zu der anderen laufen. Unter diesem Flöze (in England Ofen-Kopf, Kiln-head genannt) sind vier Bogen aus Ziegelsteinen hingebaut, die zusammen eine Art von umgekehrter Pyramide bilden, deren größere Basis so breit als das Flöz ist, und in deren kleineren Basis, die auf niedrigen Mäuerchen ruht, wird in einer Entfernung von 5–6 Fuß von den Ziegeln, ein Feuer aus Cokes, Kleinkohlen (culm) oder irgend einem anderen schiklichen Brenn-Materials angeschürt. Die erhizte Luft und die Dämpfe steigen in den pyramidenförmigen Raum über demselben auf, verbreiten sich ungleichförmig an der unteren Flache des Flözes, dringen durch die Löcher in demselben, und durch die Zwischenräume zwischen den Körnern, die in bedeutender Dike auf demselben aufgeschichtet sind. Auf diese Weise wird die untere Schichte dieser Körner nothwendig bedeutend erhizt, und die Feuchtigkeit aus derselben verjagt. Nach einiger Zeit, die nach dem verschiedenen Zustande des Kornes bemessen wird, wird dieses mit einer großen hölzernen Schaufel umgeschaufelt, um die unteren getrokneten Körner herauf, und die oberen hinab auf das erhizte Flöz zu bringen, wo man es solang liegen läßt, bis es, je nachdem es mehr oder minder feucht war, entweder wieder umgeschaufelt, oder gänzlich von dem Ofen weggeschafft werden kann. Nach dem verschiedenen Grade von Feuchtigkeit muß das Korn 8–9 Stunden lang auf diesem Ofen liegen, und nach Hrn. Tull's Bemerkungen muß es sogar zuweilen 12 Stunden lang auf dem Ofen bleiben. |90| Auf den alten Oefen, deren ich mich vor Erbauung des neueren, unten beschriebenen, bediente, mußte dasselbe im Durchschnitte, 7 1/2 Stunden lang liegen bleiben, und während dieser Zeit werden nicht mehr als 4 1/2 Quarters, in Einem Tage also 14 1/2 Quarters, getroknet.

Die Unvollkommenheiten dieses Verfahrens sind so auffallend, daß es unbegreiflich ist, wie man denselben nicht durch kräftigere Mittel abzuhelfen getrachtet hat: denn die einzigen Abänderungen, die man getroffen hat, bestanden in der Art der Heizung, damit das Korn weniger üblen Geruch und Geschmak von der Flamme bekam. Nur bei einer Mühle zu Wapping hat man eine Vorrichtung angebracht, durch welche das Korn mittelst einer hin und der bewegten, und sich immer drehenden. Hake umgekehrt wird, für welche Vorrichtung Hr. Barchard auch von der Gesellschaft belohnt wurde.

Es ist offenbar, daß eine Schichte Kornes von mehreren Zoll Dike nicht an allen Stellen in einer kurzen Zeit gleichmäßig erhizt werden kann, und daß alle Feuchtigkeit, welche aus den zunächst an dem erwärmten Boden gelegenen Körnern durch die erste Einwirkung des Feuers in Dampfgestalt ausgetrieben wird, an den kalten, näher an der Oberfläche gelegenen und der Luft ausgesezten, Körnern sich verdichten und an denselben sich absezen muß; daß dadurch folglich an der oberen Schichte das Uebel verdoppelt wird, indem, solang als dieselbe nicht umgekehrt wird, (außer man läßt das Korn außerordentlich lang liegen) auch nicht ein Atom der früheren, wie der neu hinzugekommenen, Feuchtigkeit aus derselben fortgejagt wird. Und wenn diese Schichte umgekehrt wird, so muß sie wieder lang liegen bleiben, um vielleicht das Doppelte ihrer ursprünglichen Feuchtigkeit zu verlieren, während welcher Zeit dann die bereits getrokneten, und jezt oben liegenden, Körner wider die Feuchtigkeit von den unten liegenden Körnern einsaugen, wodurch folglich viele Zeit unnüz verloren geht, wie mein Ofen zeigen wird. Ich kann zwar nicht sagen, ob und was für eine verderbliche chemische Wirkung auf das Korn, das solang in feuchter Hize gehalten wird. Statt hat; es scheint mir aber, daß, in je kürzerer Zeit das Troknen vollbracht werden kann, desto weniger Nachtheil von demselben zu |91| besorgen ist, und daß, je länger das Korn in diesen Oefen bleibt, die durch unmittelbare Einwirkung des Feuers geheizt werden, desto mehr dasselbe von den widrig riechenden und schmekenden Ausflüssen des Feuers einsaugt, was bei Oefen, wo das Troknen nur mit warmer Luft allein geschieht, nicht zu besorgen ist, Es ist ferner offenbar, daß man durch das Umschaufeln seinen Zwek nie vollkommen erreicht, auch wenn dasselbe mit aller Aufmerksamkeit geschieht, was indessen selten der Fall ist, indem es immer eine unangenehme Arbeit bleibt. Es werden, in Folge der Unebenheiten des Bodens, auf welchem die Körner liegen, bei aller möglichen Aufmerksamkeit immer einige Körner ungerührt bleiben, und viele werden wieder auf das Flöz kommen, die bereits darauf lagen, und so zum Nachtheile der ganzen Masse, übertroknet werden. Man sieht täglich die Folgen dieses Troknens auf dem Korn-Markte, wo mitten unter Körnern, die so feucht von dem Ofen kamen, als sie auf demselben aufgeschüttet wurden, andere Körner darunter vorkommen, die ganz verbrannt sind, wodurch dann die Güte des Mehles gar sehr leiden muß.

Daß die hier angeführten Nachtheile unserer gewöhnlichen Korn-Trokenöfen wirklich so Statt finden, wie ich hier angegeben habe, wird jeder, der sie kennt, bestätigen, und mit mir ein Mittel zur Beseitigung derselben wünschen.

Ich wurde im Spatjahre 1821 zu Esqu. Joh. Snook 19), Besizer großer Mühlen zu Bedhampton bei Hants, berufen, um Mittel zu versuchen, den so eben angeführten Nachtheilen an den dortigen Troken-Oefen abzuhelfen. Obschon ich damahls mit diesem Gegenstande noch ganz und gar nicht vertraut war, sah ich doch gar bald ein, daß die ältere Troknungs-Methode auf falschen Grundsäzen beruhte, und schlug daher, statt irgend eines Verbesserungs-Versuches an den alten Oefen, einen ganz neuen Ofen und ein ganz neues Verfahren vor, wodurch ich alle Bedingungen zur vollkommnen |92| Troknung des Kornes, die, wie es mir schien, in Verdünnung der Schichte des Kornes, welches getroknet werden sollte, in gleichförmiger Temperatur, ein Durchzug einer großen Menge warmer Luft und in ununterbrochener Umkehrung der Körner bestehen, zu erreichen hoffte. Meine Vorschlage wurden angenommen, und im Junius des vorigen Jahres in's Werk gesezt. Schon der erste Versuch bewies die Vorzüge der neuen Methode vor der älteren: denn der neue Ofen arbeitete, im Vergleiche mit dem alten, wie 6: 1; ein Resultat, welches die sanguinischsten Erwartungen übertraf.

Fig. 5. zeigt den Ofen im Aufrisse. Fig. 6. im senkrechten Durchschnitte nach der Linie, ab. Fig. 7. im horizontalen Durchschnitte nach der Linie ed. Fig. 8. im verticalen Durchschnitte den Feuerherd nach der Linie ef. Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände in jeder Figur. Der Körper des Ofens besteht aus zwei concentrischen Cylindern. AA und BB, welche oben und unten durch zwei concentrische Kegel CC und DD geschlossen sind. Der äußere Cylinder und die Basis seiner Kegel hält 6 Fuß 2 1/2 Zoll im Durchmesser, und ist 8 Fuß hoch; der innere Cylinder und die Basis seiner beiden Kegel hält 6 Fuß im Durchmesser und ist 7 Fuß hoch. Auf diese Weise entsteht ein Ringraum zwischen dem äußeren und innern Cylinder von 1 1/4 Zoll Weite, und diese Cylinder sind Eisenplatten, die in jedem □ Fuß 2,300 kleine Löcher besizen. Der ganze Ofen ruht auf 5 Säulen von Guß-Eisen, E, E, E, E, E, welche 6 Fuß, 6 Zoll hoch, und oben an einem starken eisernen Ringe befestigt sind, der die Basis des Cylinders umfängt. Von dem obern Ende dieser Säulen steigen längs den Seiten des unteren Kegels fünf lange Bolzen, g, g, g, g, g, herab, welche durch eben so viele Ohren in dem Ringe aus Guß-Eisen H, laufen, der den Hals des unteren Kegels umgibt. Aus demselben Ringe H, treten fünf Stüzen, I, I, I, I, I, hervor, welche durch die Mitte der Säulen laufen, und durch ein Riet zu jeder Seite befestigt sind. Die Säulen sind von der hier angegebenen Höhe, damit man den Weizen in Säke paken kann, indem dieß unter gewissen Umständen die beste Methode ist; in einer Mühle hingegen, wo ein Heber bei Händen ist, oder wo man den Weizen auf den Boden kann auslaufen lassen, kann |93| man den ganzen Ofen niederlassen, und ich würde immer eine so große Länge der Cylinder empfehlen, als die Höhe des Kornbodens gestattet, indem in diesem Falle das Korn eine desto größere Streke niederzufallen hat, sich also desto schneller bewegt, und folglich sich auch desto mehr umkehrt. Der Körper des Ofens (die Cylinder) wird sowohl innenwendig als außen mittelst eisernen Reifen, k, k, k, gestüzt, und der Zwischenraum zwischen den Cylindern durch eine Menge kurzer Stüzen gestämmt. Wenn der Ofen in Thätigkeit ist, wird der oben erwähnte Ringraum mittelst der Eingußröhre, W, gänzlich mit Weizen aus dem Kornboden ausfüllt. Dadurch wird, sobald man den Weizen unten bei X auslaufen läßt, immer hinlängliche Nachfüllung erhalten. Bei X befindet sich ein Regulator, welcher nach der zur Veränderung der Feuchtigkeit nöthigen Zeit eingerichtet ist.

An der Vorderseite des Ofens ist ein Raum L, M, N, O, P ausgeschnitten, in welchem sich der Feuerherd, L, M, O, P, wo y das Schürloch ist, und RR Oeffnungen mit Thürchen sind, durch welche man die Züge reinigen kann. S, ist die Aschengrube und sind die Stangen des Rostes. In Hinsicht auf die Durchschnitte wird man bemerken, daß hier senkrechte Luftzüge angebracht sind, um welche die Flamme und die Hize des Feuers rechts und links zieht, bis beide den Schornstein erreichen, welcher beinahe mitten durch den Ofen aufsteigt. Der Zug der Flamme ist durch die Richtung der Pfeile angedeutet; auf ihrem Durchzuge nach dem Schornsteine erhizte sie die Platten welche die Seiten der Luftzüge bilden, mächtig genug, um eine stete Einströmung von heißer Luft durch dieselben in den Körper des Ofens zu unterhalten. Da der ganze Herd innerhalb des Ofens eingeschlossen ist, so ist er, außer an der Vorderseite, überall mit einer dünnen Lage von Korn umgeben, und da er vollkommen abgeschlossen ist, so kann nichts von seiner Hize entweichen, ohne vorher den gehörigen Dienst geleistet zu haben. Der dreiekige Raum oder die Oeffnung unmittelbar über dem Herde dient zu einem doppelten Zweke; der erste vorzüglichste ist, den Weizen, so wie er niederfällt, abzuleiten, damit er dem Feuer nicht zu nahe kommt, und nicht davon gesengt wird; der Zwek besteht darin, daß |94| man nöthigen Falles bequem in den Ofen kann. Man wollte anfangs ein freies offenes Feuer anwenden, von Cokes oder Klein-Kohlen; dann würde ein Schornstein überflüssig gewesen seyn, und alle Hize wäre benüzt worden, was bei einem Schornsteine ungewöhnlich ist, indem immer einer Hize durch denselben entweicht. Man fand aber einen geschlossenen Feuerherd vorzüglicher, indem man dadurch mit einem gewöhnlichen Brennmateriale die erwünschte Wirkung erhält, bloß durch die strahlende Hize der Eisen-Platten, und durch einen Strom von warmer Luft ohne den Weizen der Einwirkung der Ausflüsse des Brenn-Materiales auszusezen: und so entstand dieser Ofen. Das Vordertheil des Feuerherdes wird von den Köpfen der beiden vorderen Säulen getragen und das Hintertheil des Ofens von dem Pfeiler g, dessen oberer Theil in einem Stiefel in einem Tagebalken quer über den Grund des Feuerherdes befestigt ist, während der unter Theil dieses Pfeilers in einem Becher in dem Durchschnitte eines eisernen Kreuzes steht, welches in dem oben erwähnten Ringe, II, ruht. Das Gewicht des Feuerherdes, beinahe 15 Centner, wird demnach von den Bolzen, g, g, getragen, welche von den Köpfen aller Säulen herabsteigen. Dieses Gewicht hätte sich vielleicht vermindern lassen; ich wollte es aber lieber zu schwer, als zu leicht, indem ich mit Vergnügen sehe, daß das Troknen desto regelmäßiger geschieht, je größer das Gewicht des Metalles an dem Feuerherde ist, indem auf diese Art durch Unaufmerksamkeit beim Heizen die Temperatur der ganzen Masse weniger schnell leidet, man mag zu viel oder zu wenig Feuer gegeben haben20).

Aus dieser Beschreibung und Figur wird man den Bau dieses Ofens leicht einsehen, und es wird nur weniger Worte bedürfen, um die Arbeit in demselben zu beschreiben. Nachdem |95| das Feuer angezündet wurde, läßt man den Weizen aus der Kornkammer hinein, und hält unten den Regulator für einige Minuten geschlossen. Wenn der Ringraum gefüllt ist, so ist der einzige Weg, durch welchen die in dem oberen Theile des Ofens enthaltene warme Luft entweichen kann, der durch die Löcher des Eisenbleches und durch die Zwischenräume zwischen den Körnern, und da die Hülle, welche diese Körner bilden, sehr dünn ist, so zieht die Luft sehr schnell durch, und nimmt folglich die Feuchtigkeit mit, und führt diese mit äußerster Schnelligkeit ab. Hinsichtlich der Bewegung oder des Umkehrens, welches hier Statt hat, sind vielleicht einige Worte nöthig. Es ist offenbar, daß die größte Hize oben in dem Kegel seyn muß, wo der Weizen hineinkommt: hier findet sich aber der Weizen auch in steter auseinander fahrender Bewegung; hier wo die Hize am größten ist, ist die Bewegung am schnellsten, und wird allmählich langsamer, wie die Temperatur sich vermindert, bis der Weizen endlich den Cylinder erreicht, wo die Bewegung gleichförmig wird. Hier würde der Weizen vielleicht in Masse hinabsizen (vorzüglich wenn der Ofen, wie man anfangs wollte, aus glattem Eisen verfertigt wäre); allein die Rauhigkeit, die durch die in dem Eisenbleche durchgeschlagenen Löcher entsteht, kommt hier sehr gut zu Statten, indem der kleine Widerstand, den sie darbiethet, an den an ihr niedersinkenden Körnern eine stete, langsame, rollende, innerliche Bewegung unterhält, wodurch jedes einzelne Korn derselben Temperatur bloßgestellt wird. Das Korn läuft dann wieder in den unteren Kegel zusammen, und erhält dadurch wieder eine sich drehende und mengende Bewegung, wie in dem oberen Kegel, und kommt endlich unten bei dem Regulator heraus entweder in Säke, oder auf den Boden, wie man es haben will. Man sieht ein, daß die Ausdünstung anfangs durch einen so bedeutenden Grad von Hize, als man mit Sicherheit anwenden kann, in hinlänglicher Stärke erregt, und dann durch eine allmählich abnehmende Temperatur, so wie das Korn gegen den Regulator hinabsteigt, gelinde unterhalten werden muß; so wie einleuchtend ist, daß das Korn nicht die ganze Zeit über, während es sich im Ofen befindet, demselben Grade von Hize ausgesezt zu bleiben hat, wenn man bedenkt, daß an jedem einzelnen |96| Korne die Oberfläche desselben durch die hohe Temperatur der Luft, welcher dasselbe anfangs ausgesezt war, schnell abgetroknet wird, und diese Oberfläche dann die Feuchtigkeit aus dem Innern des Kernes schnell einsaugt. Wenn die außere Oberfläche bereits hinlänglich erwärmt ist, so läßt sie diese eingesogene Feuchtigkeit in Dampfe-Gestalt fahren, und dieser Dampf wird von dem durchziehenden Strome warmer Luft begierig aufgenommen, indem dieser sich desto leichter mit dem Nasser vermengt, je höher seine Temperatur ist. Ich bin gewiß, daß man einen höhern Grad von Temperatur mit aller Sicherheit dann anwenden kann, wenn die Körner beständig in Bewegung sind, als es nicht möglich wäre zu wagen, wenn die Körner in Ruhe blieben, indem derjenige Theil, welcher unmittelbar ausgesezt ist, zu stark ausgetroknet würde. Während der Ofen im Gange ist, hat auch eine Art von Reinigung des Kornes Statt, wodurch man Staub, Unkraut und Insekten und anderes Fremdartige beseitigen kann, was bei dem Aufspeichern sehr wohl zu Statten kommt. Die Operation geht an diesem Ofen so schnell von Statten, daß, die zwei lezten Tage, bevor ich denselben verließ, vier Bushel und ein halber in 5 1/2 Minuten vollkommen getroknet durchgingen: dieß gibt 29 Load oder 145 Quarters für einen Tag21). Dieß läßt sich nur dadurch erklären, daß der Wasserdampf auf Ein Mahl gänzlich weggeführt wird, ohne daß sich etwas davon auf anderen Körnern absezt, und durch die große Menge und Schnelligkeit der Bewegung der warmen Luft, die ununterbrochen zwischen den Körnern durchströmt, und alle Feuchtigkeit augenbliklich wegnimmt, so wie sie in Dampf verwandelt wird: denn die Temperatur in dem Ofen, soweit ich mit dem Thermometer hineinreichen konnte, betrug nicht über 94° „(F., + 27, 56 R).“ Ich kann die Unvollkommenheiten und Nachtheile des gewöhnlichen Troken-Sistems nicht deutlicher zeigen, als wenn ich sage, daß das Korn im Durchschnitte nicht länger als eine halbe Stunde in diesem neuen Ofen zu bleiben nöthig hat, während es in den alten Oefen nicht weniger als 7 1/2 Stunde |97| zur Troknung braucht. Vergleicht man diesen Ofen mit den gewöhnlichen Müller-Ofen, so zeigen sich folgende Vortheile desselben: der horizontale Raum, den er einnimmt, beträgt nicht mehr als 1/30 desjenigen, den die gewöhnlichen Müller-Oefen wegnehmen, die eben so viel Korn troknen; man erspart alles Schaufeln beim Fülley, Umkehren und Entladen, welches bei den gewöhnlichen Oefen nothwendig ist; das Korn wird hier stets in ununterbrochener Umdrehung erhalten, und zwar ungleich besser als durch die Schaufel, indem kein Körnchen in Ruhe bleibt; man braucht ohne Vergleich weniger Brenn-Material, ungefähr ein halbes Bushel auf das Load, und gemeine Steinkohle ist hier besser als Kleinkohle (culm), welche weniger Flamme gibt, und mehr kostet; das Troknen geschieht mehr gleichförmig, und, was mehr als Alles ist, die Menge Kornes, welche in diesem Ofen in gleicher Zeit getroknet wird, ist sechs bis sieben Mahl größer als in den gewöhnlichen Oefen. Denn der alle Ofen, den ich abbrechen ließ, troknete im Durchschnitte (wie oben angegeben wurde) vierzehn und ein halbes Quarter des Tages; aus einem anliegenden Certificate „(welches wir als bloßes Zeugniß hier weglassen)“ ist aber das Mittel 95 Quarters; folglich 95 : 14, 5 :: 6, 5 : 1; oder, wenn wir obiges Verhältniß wollen gelten lassen, wie 10 : 1; denn 145 : 14, 5 :: 10 : 1. Dieser Vortheil ist für den Kornhändler sehr wichtig, indem man bei schneller Aenderung des Kornpreises oft sehr schnell das Korn verfahren muß, durch das gewöhnliche Ofentroknen aber sehr aufgehalten wird, und dadurch oft allen Gewinn verliert.

Pächter können diesen Ofen, bei kleineren Besizungen, auch im Kleinen für ihre Wirthschaft benüzen; an großen Oefen zeigt sich aber der Vortheil derselben am Deutlichsten; und die Auslage steigt nicht immer im geraden Verhältnisse der Größe. Die Anwendung dieses Ofens zur Malzbereitung ist eben so leicht als offenbar: man müßte nur, weil die Entwikelung der Keime die Halbflüssigkeit der Körner bei ihrer Bewegung zum Theile hemmt, bedeutende Veränderungen im Detail anbringen.

|91|

Hr. Snook stellte Hrn. Jones ein sehr vortheilhaftes Zeugniß über den von ihm zu High-Holborn errichteten neuen Troken-Ofen aus. Esqu, E. F. Hawes, zu Crowborough-Lodge, Cast Grimstead, ertheilte ihm ein ähnliches Zeugniß. A. d. Ueb.

|94|

Da der Herd über den Boden bedeutend erhöht ist, so mußte man auf ein Mittel denken, bequem denselben erreichen zu können. Man hat daher eine Art von Bühne ungefähr 4 Fuß 6 Zoll hoch auf Böken errichtet, die an den beiden vorderen Seiten eingebolzt sind. Auf dieser Bühne steht der Mann, der das Feuer zu besorgen hat. Wenn, wie ich oben bemerkte, der ganze Ofen niederer herabgebracht werden kann, so ist diese Bühne überflüssig. A. d. O.

|96|

Ein Quarter ist 3 Bushel, oder 5/8 Wiener Mezen. A. d. U.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: