Titel: Gay-Lussac's Unterricht über die Prüfung des Kalk-Chlorüres.
Autor: Gay‐Lussac, Joseph Louis
Fundstelle: 1824, Band 14, Nr. CI. (S. 422–433)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj014/ar014101

CI. Unterricht über die Prüfung des Kalk-Chlorüres. (oxidirt salzsaurer Kalk). Von Hrn. Gay-Lussac.

Aus den Annales de Chemie et de Physique. Junius. 1824. S. 162.

Mit Abbildungen auf Tab. VIII.

Die Ungewißheit, die bisher in Bestimmung Desjenigen herrschte was im Handel unter dem Namen Kalk-Chlorür vorkommt, und folglich auch in Bestimmung des Werthes desselben, wodurch seine Anwendung so sehr vermindert wurde, hat uns veranlaßt einen Unterricht über dasselbe herauszugeben. Wir wollen diesen in zwei Abschnitte theilen, und in dem ersten die Grundsäze entwikeln, auf welchen die Prüfung des Kalk-Chlorüres beruht, und in dem zweiten das Instrument beschreiben, welches wir Chlorometer nennen, und die nothwendigen Handgriffe angeben, um diese Prüfung mit hinlänglicher Genauigkeit für den Bedarf der Künste, die sich derselben bedienen, anzustellen.

I. Abschnitt.
Grundsäze, auf welchen die Prüfung des Kalk-Chlorüres mittelst des Indiges beruht.

Das Chlor zerstört, wie man weiß, die vegetabilischen Farben, und bildet mit ihren Grundstoffen neue Zusammensezungen. Um dieser seiner Eigenschaft willen, die es sowohl im gasförmigen Zustande, als in Auflösung im Wasser oder in Verbindung mit einem Alkali besizt, wird es sowohl beim Bleichen als beim Druken angewendet. Dieselbe Menge Chlores zerstört in jedem dieser drei Zustande dieselbe Menge Färbestoffes, und da es, wenn es mit einem Alkali verbunden ist, Gebundenheit erhält, beinahe nicht mehr riecht, sich weit besser aufbewahren |423| und transportiren läßt, auch einen großen Grad von Concentration erhalten kann, so ist der Vortheil einleuchtend, den man gewinnt, wenn man dasselbe unter dieser Form bereitet.

Pottasche, Sode und Kalk, im äzenden wie im kohlensauren Zustande, verbinden sich sehr gut mit dem Chlore. Die Verbindung mit der Pottasche, wie sie im Handel vorkommt, und mit Sode ist in Frankreich seit länger Zeit unter dem Namen eau de javelle bekannt; die Verbindung mit dem Kalke hat den Namen oxigenirt kochsalzsaurer Kalk (muriate oxigéne de chaux) erhalten; man drükt sich aber genauer aus, wenn man die erstere, wie es jezt allgemein geschieht, mit dem Namen Pottasche-Chlorür oder Sode-Chlorür, (chlorure de potasse ou de soude), leztere mit den Namen Kalk-Chlorür (chlorure de chaux) bezeichnet.

Die Pottasche- Sode- und Kalk-Chlorüre sind sehr wenig beständig; man kann selbst die beiden ersteren nur im flüßigen Zustande mit einer großen Menge Wassers erhalten. Wenn die Pottasche, z.B., sich im Zustande concentrirter Auflösung befand, und man Chlor in dieselbe gelangen läßt, so bildet sich alsogleich Pottasche-Chlorür: dieses Chlorür würde sich aber durch die Kraft der Auflösbarkeit großen Theiles bald zersezen, und in chlorsaure Pottasche und Potassium Chlorür umwandeln. Da diese lezteren beiden Verbindungen nicht die Eigenschaft besizen die Farben zu zerstören, so muß man suchen sie zu vermeiden, und das einzige Mittel ihrer Bildung zuvorzukommen ist, die Pottasche sehr verdünnt anzuwenden, z.B., höchstens 125 Grammen auf ein Litre Wasser.

Kalk hat nicht, wie Pottasche oder Sode, die Unbequemlichkeit das Chlor in Chlor-Säure zu verwandeln. Man kann folglich den Kalk in Masse anwenden, um ihn mit dem Chlor zu verbinden.

Vollkommen trokener Kalk verschlingt has Chlor nicht, verbindet sich aber schnell mit demselben wenn er im Zustande eines Hydrates ist, d.h., so viel Wasser enthält, als er in feuchter Luft aufnehmen kann um zu zerfallen, und sich in Staub zu verwandeln. Als Hydrat angenommen bildet er, nach Welter, ein basisches Chlorür, und überschreitet diesen Punct nicht. Dieses Sud-Chlorür besteht aus

|424|
2 Verhältnißzheilen Kalk = 2 × 35,603 = 71,206;
2 –––––––––––– Wasser = 2 × 11,2435 = 22,487;
1 –––––––––––– Chlor = –––––––– = 44,2653.
––––––––
137,9583.

Mit Wasser verdünnt zersezt es sich alsogleich; die Hälfte Kalkes schlägt sich nieder, und die andere Hälfte bleibt in der Auflösung mit allem Chlor verbunden, und bildet folglich ein neutrales Chlorür.

Es gibt also zwei Verbindungen des Chlores mit dem Kalke, ein Sub-Chlorür und ein neutrales Chlorür. Das Sub-Chlorür erhält man, wenn man das Kalk-Hydrat mit Chlor sättigt, und das Chlorür, wenn man das Sub-Chlor im Wasser auflöset, oder den in dieser Flüßigkeit verdünnten Kalk mit Chlor sättiget.

Das neutrale Chlorür, welches wir geradezu Chlorür nennen wollen, ist höchst auflösbar; man kann es jedoch zur Kristallisation bringen, und in kleinen Prismen erhalten. Seine Auflösung zersezt sich, dem Zutritte der Luft bloß gestellt, nach und nach; ein Theil des Kalkes verbindet sich mit der in der Luft enthaltenen Kohlensäure, und das mit demselben enthaltene Chlor entwikelt sich. Man kann diese Zersezung des Chlorüres dadurch verzögern, daß man immer überschüßischen Kalk in der Auflösung desselben aufgelöst erhält. Aus diesen Eigenschaften des Chlorüres erhellt der Vortheil, den man dadurch erlangt, daß man bloß basisches Chlorür erzeugt; es läßt sich als solches viel leichter aufbewahren und transportiren.

Die Menge Chlores, welche mit dem Wasser oder mit einer Basis verbunden ist, läßt sich auf verschiedene Weise des stimmen: man gab aber in den Werkstätten, wo die Prüfung schnell geschehen muß, dem Verfahren des Hrn. Descroizilles den Vorzug, welches sich auf die Eigenschaft des Chlores gründet den Indigo zu entfärben. 1 Theil Indigo in 9 Theilen concentrirter Schwefelsäure aufgelöst, und mit 990 Theilen Wasser verdünnt, gibt die gefärbte Flüßigkeit, deren man sich allgemein bedient um den Gehalt des Chlores zu bestimmen.

Unter gleichen Umständen entfärbt das Kalk-Chlorür eine seiner Menge angemessene Menge dieser Flüßigkeit; unter verschiedenen Umständen aber erhält man sehr verschiedene Resultate. |425| So wild, wenn man Chlorür in Indigo gießt, und diese Operation nicht sehr schnell geschieht, weit weniger Chlorür zur Entfärbung nöthig seyn, als im entgegengesezten Falle. Das Minimum an Indigo-Auflösung, welches das Chlor entfärben kann, erhält man, wenn man sehr langsam den Indigo in das Chlorür gießt, und das Maximum, wenn man gleichfalls sehr langsam das Chlorür in den Indigo schüttet. Wiederholte Versuche haben bewiesen, daß das sicherste Verfahren um beständig gleichförmige Wirkungen zu erhalten, welche man mit Sicherheit vergleichen kann, darin besteht, daß man schnell Indigo-Auflösung in die Auflösung des Chlorür gießt, oder umgekehrt diese in jene. Wir werden später die Verfahrungs-Weise angeben.

Wenn der im Handel vorkommende Indigo rein wäre oder wenn man denselben wenigstens immer von gleichem Gehalte bekäme, so würde die Menge seiner Auflösung, die man bei jedem Versuche anwendet, die correspondirende Menge Chlorür anzeigen; da aber der Indigo von sehr verschiedener Beschaffenheit ist, so kann man die Resultate der Proben mit verschiedenem Indigo nicht unter einander vergleichen. Um diese Unsicherheiten zu beseitigen, haben wir, nach dem Beispiele des Hrn. Welter, als Einheit der entfärbenden Kraft jene Kraft des reinen und trokenen Chlores angewendet, welche dasselbe unter einem Druke von 0m 76 bei 0° Temperatur96) äussert. Wir nehmen nun. was immer für einen Indigo, aber von der besten im Handel vorkommenden Sorte, und bereiten aus demselben eine solche Auflösung, daß das Chlor genau zehn Mahl sein Volumen entfärbt: diese Auflösung nennen Wir Probe-Tinctur (teinture d'épreuve). Grad (degré) nennen wir jedes Volumen der entfärbten Probe-Tinctur und theilen den Grad in 10 Theile.

Wenn man demnach 10 Gramme Kalk-Chlorür in Wasser so auflöst, daß man Ein Liter dieser Auflösung erhält, so zeigt die Zahl der Volumen Judigs oder der Grade, die von einem Volumen dieser Chlorür-Auflösung zerstört werden, die Zahl der Zehntel Litres Chlor, welche diese enthält. Folglich wird |426| ein Kilogramm Kall-Chlörür, dessen Gehalt auf obige Weise bestimmt wurde, und z.B. 7° 6 oder 76 Centimen wäre, 76 Litres Chlor enthalten. Jeder Grad ist also so viel, als 10 Litres in einem Kilogramme Chlorür. und jedes Zehntel 1 Liter. Nimmt man das basische Kalk-Chlorür als vollkommen rein an, und so wie wir es oben angegeben haben, so hält es im Kilogramme 101 Lines, 21 Chlor.

Der Grundsaz, den wir angenommen haben, schien uns seiner Einfachheit und Bestimmtheit im Ausdruke wegen in der Chlorometrie den Vorzug zu verdienen, er kann derselbe bleiben, man mag was immer für ein Mittel zur Messung der Stärke des Chores anwenden.

Man erhält, im Allgemeinen, eine größere Präcision mit einer schwachen Chlor-Auflösung, die z.B. 4 bis 5 Grade zeigt, als mit einer sehr gesättigten Auflösung. Wenn man also, bei einem ersten Versuche, finden sollte, daß das Chlorür 10° um Vieles überstiege, so müßte man derselben ein bekanntes Volumen Wasser zusezen, z.B. zwei Mahl so viel als jenes der Auflösung. Man würde hierauf die Prüfung vornehmen, und die gefundene Zahl der Grade verdreifachen, um den wahren Gehalt des Chlorüres zu finden.

Prüfung des Braunstein-Oxides.

Das Braunstein-Oxid, dessen man sich zur Bildung des Chlores bedient, ist von sehr verschiedener Reinheit, und es ist folglich wichtig den Grad der lezteren zu kennen.

Hr. Berthier hat seine Analysen mehrerer Arten Braunstein-Oxides in den Annales de Chemie et de Physique T. 20. S. 344. (Polytechn. Journ. B. IX. S. 243) bekannt gemacht. Da die Menge Chlores. welche diese Arten liefern, den Werth derselben bestimmt, so haben wir, nach diesem Grundsaze, folgende Uebersicht derselben entworfen:

1 Kilogramm reinen Braunsteines liefert 0 K. 7964 Chlor.
––––––– Krettnischen ––– 7525
––––––– Calveron (Aude) ohne Kalkstein ––– 7658
––––––– Calveron, mit Kalkstein ––– 5724
––––––– Périgneux (Dordagne) ––– 5179
––––––– Romanèche (Saone de Loire) ––– 4692 bis 0,5135
––––––– Laveline (Vosges) ––– 4648
|427|
1 Kilogramm Pesillo (Piémont) schwarz ohne
Kalkstein liefert 0 K. 4426 Chlor.
––––––– Pesillo mit Kalkstein ––– 3320
––––––– St. Marcel in Piemont ––– 2789 bis 0,3098.

Diese Resultate bestimmen wenigstens annäherungsweise den Werth dieser verschiedenen Arten von Braunstein; um aber den Werth irgend einer Art von Braunstein zu bestimmen, ist es nöthig denselben zu prüfen, was auf folgende Weise leicht geschehen kann.

Reines Braunstein-Peroxid besteht aus Braunstein 3 Gr. 5578
Sauerstoff 2 0000
–– ––– –––––
5 5578

und kann 4 gr., 4265 Chlor erzeugen, oder 1 Litt., 3963 bei einer Temperatur von 0° und unter einem Druke von 0m, 76°; folglich würden 3 Gr., 980 desselben 1 Litte Chlor, und 1 Kilogramm 251 Litr. 23 Chlor liefern.

Man nimmt also 3 Gr. 980 Braunstein-Oxid von derjenigen Art, die man prüfen will, behandelt sie bei gelinder Hize mit Hydrochlor-Säure, und fängt das sich entwikelnde Chlor in etwas weniger als einem Litre Kalkmilch auf; gegen das Ende der Operation kocht man die Hydrochlor-Säure, um das Chlor aus den Gefäßen in die Kalkmilch übergehen zu machen, und sezt dem Kalk-Chlorür so viel Wasser als nöthig zu, um das Litte voll zu machen. Der Gehalt dieses Chlorüres wird genau den Gehalt des Braunstein-Oxides geben.

Die Güte eines Braunstein-Oxides hängt nicht bloß von der Menge Chlor ab, welche dasselbe liefern kann, sondern auch von der Menge Hydrochlor-Säure, die man anwenden muß, um das Chlor zu erzeugen. Diese Operation ist aber zärtlich, und der niedrige Preis der Hydrochlor-Säure macht sie überflüßig. Wir wollen nur bemerken, daß das Braunstein-Peroxid öfters kohlensauren Kalk enthält, und Schwerere und Eisen, welche die Hydrochlorsäure zum Theile umsonst zersezen; daß ferner, da der Braunstein nicht immer im Zustande des Peroxides sich befindet, die Menge Hydrochlorsäure, welche er fordert, in diesem Falle nicht mehr mit der Menge des erhaltenen Chlors in Verbindung steht.

|428|

II. Abschnitt.
Beschreibung des Chlorometers und der Verfahrungs-Weise bei Prüfung des Kalk-Chlorüres.

A, Kleine Wage.

B, Gewicht von 5 Grammen.

C, Mörser zum Pulvern des Kalk-Chlorüres. Wenn man das Kalk-Chlorür pülvert, so ist man eines genaueren Erfolges sicher, indem sich öfters Klümpchen in demselben befinden, die sich nur langsam auflösen.

D, Gloke mit einem Fuße, die bis zu dem Striche m mit gegenüberstehenden Pfeilen, 1/2 Litre enthält. Die Oberfläche des Wassers muß mit diesem Striche übereinstimmen, und nicht der obere Rand, der durch die punctirte Linie angezeigt ist.

E, Rührer, zum Rühren der Auflösung des Chlorüres, und zu gleichförmiger Verteilung des lezteren: man stößt und hebt ihn abwechselnd in der Auflösung auf und nieder, ohne ihn aus derselben herauszuziehen.

E, Kleines Maß oder Pfeifchen von 2 1/2 Kubik-Centimetern, welches bei dem Chlorometern, wovon hier die Rede ist, immer dasselbe bleiben muß. Es dient zur Messung der Kalk- Chlorür-Auflösung. Um dieses Pfeifchen zu füllen, senkt man dasselbe bis über den Strich, n, in das Chlorür, durch welchen sein körperlicher Inhalt bestimmt wird, oder man läßt das Chlorür in demselben durch Saugen aufsteigen. Nachdem es sich gefüllt hat, legt man den Zeigefinger, der weder zu naß noch zu troken seyn darf, auf die obere Oeffnung desselben, zieht es aus der Flüßigkeit, und stellt sein unteres Ende auf den Rand der Gloke, wie man in G, sieht, oder auf den Druk gehörig anzubringen weiß, und dem Stiele des Maßes zwischen den Fingern eine leichte abwechselnde kreisförmige Bewegung zu geben versteht, so senkt sich die Flüßigkeit langsam hinab, und wenn der untere Theil der concaven Linie, der sie schließt, in der Ebene des kleinen Pfeiles ist, stellt man den |429| Ausfluß dadurch, daß man etwas stärker drükt, und leert es in das große Trinkglas H97).

H, großes Trinkglas zur Mischung der Probe-Tinctur mit dem Chlorür.

Dieses Glas muß auf ein Blatt weißes Papier gestellt werden, indem man auf diese Weise leichter die Veränderungen, die der Indigo an seiner Farbe durch das entfärbende Chlor erleidet, bemessen kann.

I, Kännchen zur Messung der Probe-Tinctur. Jede grössere Abtheilung oder jeder Grad hält eben so viel Flüßigkeit, als das kleine Maß F, und ist in 5 Theile getheilt, was für die Anwendung in Fabriken zureicht; zur Berechnung hingegen müssen die Fünftel in Zehntel verwandelt werden. Man füllt das Kannchen mit der Probe-Tinctur bis auf 0°, was sehr leicht ist; man gießt etwas mehr Probe-Tinctur hinein, als man braucht, und läßt das Ueberflüßige, Tropfen für Tropfen, durch den Schnabel abfließen, dessen Ende mit einer leichten Lage von Wachs oder Talg bedekt seyn muß, damit man die Tropfen desto sicherer fallen lassen kann.

K, eine Röhre, die eben so, wie das Kännchen, aber in umgekehrter Richtung, in Grade getheilt seyn muß. Sie dient zur Aufnahme der Probe-Tinctur, die man schnell in die Chlorür-Auflösung schütten muß. Um mit Bequemlichkeit das nöthige Volumen der Tinctur zu erhalten, bedient man sich der an ihrem unteren Ende verdünnten Röhre L. Man nimmt das Ueberschüßige derselben dadurch weg, daß man die Röhre mehr oder minder tief eintaucht, und mit dem Zeigefinger auf die obere Oeffnung drükt, ehe man sie herauszieht. Was abgehen sollte, ersezt man, indem man auf dieselbe Weise mit der Röhre in der Flasche schöpft, welche den Indigo enthält.

|430|

Bereitung der Indigo-Auflösung und der Probe-Tinctur mit dieser Auflösung.

Man nimmt eine bestimmte Menge durch ein seidenes Sieb durchgesiebten Indigs, sezt sie in eine Retorte mit 9 Mahl so viel concentrirter Schwefelsäure, und hizt sie in einem Wasserbade bis zur Siedehize sechs bis acht Stunden lang. Man verdünnt hierauf einen Theil dieser Indigo-Auflösung mit einer hinlänglichen Menge Wassers, so daß Ein Volumen Chlor genau zehn Mahl so viel derselben, dem Volumen nach, entfärbt, was dann die Probe-Tinctur gibt. Die allereinfachste und zugleich hinlänglich genaue Weise eine Flüßigkeit zu bereiten, die ihr Volumen-Chlor enthält, ist. 3 Gr. 980 in schönen Nadeln kristallisirtes Braunstein-Peroxid zu nehmen, dasselbe mit Hydrochlorsäure zu behandeln, das Chlor in Kalk- Milch aufzufangen, und deren Volumen nach der Operation auf 1 Litre zu reduciren, wie bei der Prüfung der Braunstein-Arten angegeben wurde. Wenn man aber mit aller möglichen Genauigkeiten wollte, müßte man das Chlor im gasförmigen Zustande bereiten, und dasselbe vom Wasser verschlingen lassen, in welchem etwas Kalk vertrieben wurde, wobei die Temperatur, der Druk und die Feuchtigkeit desselben in Rechnung gebracht werden müßte.

Wichtige Bemerkung.

Da die Probe-Tinctur nach und nach durch das Licht entfärbt wird, muß man sie gegen lezteres wohl bewahren, was am besten dadurch geschieht, daß man sie in steinernen Krügen aufbewahrt. Zum Gebrauche des Chlorometers kann man sich einer gläsernen Flasche von 1/2 Litre bedienen, jedoch mit der Vorsicht, dieselbe nicht den Sonnenstrahlen auszusezen. Am besten ist es, diese Flasche in einem Kasten aufzubewahren.

Verfahren bei Prüfung des Chlorürs.

Man nimmt aus der Masse des zu prüfenden Chlorüres mehrere Muster, und mengt sie, um die mittlere Güte desselben zu erhalten; wiegt 5 Gramme dieser Mischung ab, zerreibt sie in einem Mörser mit einer hinlänglichen Menge Wassers, um daraus eine klare Brühe zu erhalten, verdünnt sie noch |431| mit einer neuen Menge Wassers, und gießt sie in die Gloke von 1/2 Liter ab. Um diese Operationen ohne Verlust an Flüßigkeit zu vollenden, stüzt man den Rand des Mörsers gegen den Stössel, wie die Figur D zeigt. Man zerreibt noch ein Mahl den Rükstand des Chlorüres, der im Mörser zurük geblieben seyn mochte, verdünnt, gießt ab, und wiederholt diese Operationen so lang, bis alles Chlorür zerrieben ist, und nichts mehr von demselben in dem Mörser zurük bleibt. Man wäscht diesen aus und gießt das Wasser in die Gloke. Man ergänzt das Volumen eines halben Line, welches die Chlorür-Auflösung haben muß, schüttelt die Flüßigkeit gehörig, um sie vollkommen gleichförmig zu machen. Nun füllt man das Kännchen mit Probe-Tinctur bis auf o, und gießt aus demselben in das Glas H weniger als man vermuthet, daß durch eine Maße Chlorür entfärbt werden muß, z.B. 5°.

Nun nimmt man mit dem Pfeifchen F eine Maß Chlorür, und läßt sie schnell in die Tinctur fließen, indem man in die Röhre bläst: während dieser Zeit wird die Mischung gerührt. Wenn die Tinctur vollkommen entfärbt wurde, so sezt man alsogleich aus dem Kännchen soviel zu, als nöthig ist um diese Flüßigkeit etwas grünlich zu färben. Die Menge dieser Probe- Tinctur, welche in dem Kännchen fehlt, wird das Maß des Inhaltes des Chlorüres, vorausgesezt, daß die Menge der Tinktur, welche man zum zweiten Mahle zusezte, nicht sehr bedeutend ist, und nicht drei Zehntel Grad beträgt.

Wenn aber diese zum zweiten Mahle aus dem Kännchen zugegoßene Menge Chlorüres mehr als drei Zehntel Grad beträgt, z.B. 1°2, so muß man den Prüfungs-Versuch wieder von vorne beginnen. Man füllt das Kännchen mit Tinctur, und gießt eben soviel davon in das Glas, als in dem vorigen Versuche entfärbt wurde, und selbst noch einige Hundertel mehr. Man sezt die Operation übrigens auf die oben angegebne Weise fort. Der Probe-Versuch hat nur dann den höchsten Grad von Genauigkeit erreicht, deren er fähig ist, wenn die Probe-Tinctur unmittelbar, wie man das Chlorür in dieselbe bringt, die angezeigte Farbe annimmt, ohne daß es nothwendig wird neuerdings Tinctur aus dem Kännchen zuzusezen.

|432|

Durch diese auf einander folgenden Operationen kommt man dem wahren Chlorür-Gehalte so nahe als möglich: indessen glauben wir nicht, daß man für mehr als 1/50 überhaupt bürgen kann. Das hier angegebene Verfahren wird vielleicht complicirt erscheinen; wir glauben aber hier nur bemerken zu müssen, daß jede der verschiedenen Operationen in zwei, drei Minuten vollendet ist; daß, wenn man schon vorher den Gehalt des Chlorüres beiläufig kennt, zwei Operationen hinreichen; und daß endlich, zum Fabrik-Gebräuche, schon eine einzige Operation genügt. Wo es sich aber darum handelt, den Gehalt des Kalk, Chlorüres mit Genauigkeit zu kennen, damit man den Werth desselben darnach bestimmen kann, darf man, wie wir vermuthen, weder Zeit noch Sorgfalt sparen.

Dasselbe Verfahren läßt sich unmittelbar auf Prüfung einer Chlor-Auflösung in Wasser anwenden; indessen ist es besser, wenn man damit anfängt, daß man etwas gepulverten lebendigem Kalk zusezt, um dasselbe in Chlorür zu verwandeln. Das sogenannte eau de javelle, welches gleichfalls ein Chlorür ist, wird durchaus auf dieselbe Weise geprüft.

Die Röhre k, die zu dem Chlorometer gehört, dient zur Prüfung des Chlorüres, indem man schnell den Indig in das Chlorür gießt. In dieser Hinsicht sucht man zuerst mit dem Kännchen, wie viel man Tinctur braucht, um eine Maß Chlorüre zu sättigen.

Man fängt den Versuch damit wieder an, daß man in die Röhre k eben so viel Tinctur bringt, als entfärbt wurde, und selbst noch etwas mehr, und gießt sie schnell in eine neue Maß Chlorür; man sezt noch soviel von der Tinctur, als fehlen sollte, zu, um die grünliche Farbe zu erhalten, und fängt den Versuch wieder von vorne an, indem man in die Röhre eben so viel Tinctur bringt, als in dem vorhergegangenen Versuche entfärbt wurde. Der Gang dieses Verfahrens ist genau derselbe, wie bei dem ersteren; da aber bei gleichen Resultaten hier noch die Röhre K und das Pfeifchen L nöthig ist, so glauben wir nicht, daß dasselbe den Vorzug verdient98).

|425|

Am hundertgrädigen Thermometer?

|429|

Wenn dieses Maß undurchsichtig geworden ist, gibt man demselben seine Durchscheinenheit dadurch wieder, daß man es in Hydrochlorsäure oder in Eßig taucht. A. d. Ueb. (Es legt sich nämlich der flüßige Chlorin-Kalk so fest an das Glas an, daß es seine Durchsichtigkeit ganz verliert, welche nur durch Anwendung von Säuren wieder hergestellt werden kann. D.)

|432|

Diese Prüfungsart sezt schon einen gewandten Experimentator voraus. So wie wir den vom Hrn. Verfasser beschriebenen Apparat aus Paris |433| erhalten, werden wir von unsern Versuchen, welche wir nach unsern Maßen angeben werden, nachträglich mittheilen und die geräthschafte auf deutschen Glashütten für Liebhaber derselben anfertigen lassen. Ueber diesen Gegenstand vergl. man auch polyt. Journal. B. 4. S. 477. D.

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