Titel: Dejean's Versuche auf Erhaltung des Getreides und Mehls.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1824, Band 15, Nr. XV. (S. 79–104)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj015/ar015015

XV. Uebersicht aller Versuche, welche auf Vorschlag des Hrn. Grafen Dejean zur vollkommenen Erhaltung des Getreides und Mehls angestellt wurden.

Aus den Annales de l'Industrie et étrangerê. März 182439).

Wenn die Erfahrung nur zu oft die scheinbar gegründetsten Theorien entkräftet, und die Resultate die man von ihnen zu erwarten sich berechtigt glaubt, nicht bestätigt, so werden doch zuweilen alle Voraussezungen auf die bestimmteste Weise die auf den |80| Gesezen einer gesunden Physik beruhen bestätigt. Bezieht sich dieses glükliche Zusammentreffen noch auf irgend einen allgemein nüzlichen und wichtigen Gegenstand, so ist es auch wohl erlaubt, es als ein großes Glük zu betrachten, wenn man ohne Anstand zu den vorausgesehenen Resultaten gelangt, und zulezt seine Bemühung mit dem vollständigen Erfolge gekrönt sieht.

Der Erfolg von dem sich's hier handelt ist dieser Art.

Man sieht leicht ein, daß es nuzlos seyn würde, wenn man sich bestreben wollte die Wichtigkeit bemerkbar zu machen, die die Erhaltung des Getreides und dessen Aufspeicherung, in Jahren des Ueberflusses, wo es natürlich wohlfeiler ist, um es in Mißjahren wieder in Circulation sezen zu können, dem allgemeinen Wohle gewährt; aber ein wesentlicher Punct auf den man die allgemeine Aufmerksamkeit nicht genug lenken kann, ist, daß alle, bei einet ähnlichen Epoche in Frankreich und vorzüglich in dem nördlichen zu diesem Zweke vorgeschlagene Mittel, nur theilweise die erforderlichen Bedingungen zu einer vollkommenen Erhaltung in Beziehung auf Oekonomie, Reinheit der eingeschlossenen Masse, und vorzüglich der Länge der Zeit erfüllt haben, so daß man auf die Erhaltung hätte sicher bauen können.

Das Verfahren von dem hier die Rede ist, vereinigt nun in vollem Masse alle Vortheile der früher Vorgeschlagenen in sich, besizt keinen ihrer Nachtheile, und diejenigen die sich mit dieser Behandlung vertraut machen wollen, werden nachdem sie dieselbe gelesen haben, ohne Bedenken erklären, daß diese Behauptung durchaus frei von Uebertreibung und Partheilichkeit sey, weil sie auf unverwerflichen Thatsachen beruht.

Der Hr. Graf Dejean, General Director der Verpflegungsanstalten, verfiel im Jahre 1819 auf den glüklichen Gedanken eine vor fünfzehn Jahren von dem Hrn. Champy, damahls Administrator des Pulvers und Salpeters, zur Abtroknung zur See beschädigten Pulvers und zu anderen Versuchen, deren Aufzahlung hier zweklos wäre, angewandte Methode, unmittelbar zur Aufbewahrung des Getreides und des Mehls in Anwendung zu bringen. Dieser Chemiker hatte Behälter von verschiedenem Durchmesser mit Bleiplatten ausschlagen lassen, in die er sehr zerfließbare Substanzen mit solchen die er allmählig troknen wollte, brachte, um die Abtroknung bei dem nöthigen |81| Grade zu unterbrechen, oder auch wohl, wenn es nöthig war, auf einen äußersten Punct zu bringen: alle seine Versuche gelangen nach seinen Wünschen.

Indem der Hr. Graf Dejean alles, was chemisch war, von diesen Versuchen trennte, erkannte er, daß sie alle nothwendige Bedingungen darbieten, um zu dem Ziele zu gelangen, das man bisher nur unvollständig erreicht hatte, und entschloß sich Versuche anzustellen, wovon das Resultat ihn in den Stand sezen konnte, der Societät ein Verfahren vorzulegen, das alle bisher angewandte Verfahrungsarten übertrifft.

Er erhielt hierauf von dem Kriegsministerin die Genehmigung und die nöthigen Fonds, um zu dem Versuche zu schreiten; es gefiel ihm seinen Aid de Camp seiner Unternehmung beizugesellen, dem er seine Instructionen ertheilte, und den er mit der Leitung der Arbeiten in Beziehung auf die Construction dieser neuen Art Silos, die man angelegen wollte, beauftragte. Während vier aufeinander folgenden Jahren trug alles dazu bei, den günstigen Erfolg, den man erwartete, und auch endlich erreichte, voraussehen zu lassen; da aber eine schwere Krankheit dem Hrn. Grafen Dejean nicht erlaubte, die umfassende Uebersicht seiner Arbeit bekannt zu machen, so beehrte er den nämlichen Offizier mit dem Auftrage, die Herausgabe zu besorgen. Derselbe wird sich deßhalb bemühen, diesen Auftrag bestmöglichst, zwar mit lebhaftem Bedauern hinsichtlich des Beweggrundes, der ihm dieselbe zutheilt, aber mit allem Eifer, dessen er fähig ist, zu erfüllen, in der Hoffnung hierdurch Demjenigen, der ihn seit mehr als fünf und zwanzig Jahren mit seinem Wohlwollen beehrte; einen schwachen Beweis seiner Erkentlichkeit zu geben.

Man hat bereits (1820) die Beschreibung der im Locale der Militarverproviantirungs-Anstalt vorgenommenen Arbeiten zur Verfertigung luftdichter Gefäße, die zu den beabsichtigten Versuchen dienen sollten, bekannt gemacht, allein, da es hier die Absicht ist, die Gesammt Arbeiten darzustellen, so wird es nothwendig sie summarisch zu wiederholen.

Die gesunden Getreide-Substanzen von guter Qualität und solche endlich, wie sie gewöhnlich in Jahren des Ueberflußes sind, enthalten keinen Grundstoff durch den das Verderben bestimmt wird; der Wechsel der Wärme, der Kälte, der Trokenheit |82| und Nässe sind die Ursachen, die mit Schnelligkeit zusammen wirken, um die Veränderung ihrer Beschaffenheit hervorzubringen, und diese Veränderung ist immer eine gänzliche Zerstörung, wenn sie nicht das Keimen, die Quelle ihrer Fortpflanzung, bezwekt. Man kann wohl diesen verderblichen Einflüßen zuvorkommen wenn man sie in dünnen Schichten an gehörig gelüfteten Orten aufschüttet und sie häufig umwendet; allein diese beschwerliche, kostspielige, mit einer noch theuerern Manipulation verbundene Methode gestattet nicht, sich dieses Mittels zu bedienen, wenn es sich um eine gewisse Zeitdauer handelt; und weil die atmosphärische Luft alle Ursachen des Verderbens der Körner in sich trägt, so muß man diese der Berührung mit derselben entziehen. Hierauf beschränkt sich die Frage; man kann dazu aber auf keine untrüglichere Weise gelangen, als wenn man die Körper in eine absolut undurchdringliche, mit einem Worte, in eine hermetische Hülle einschließt; wozu die metallischen Substanzen die einzigen sind, die diese Bedingungen unter allen Verhältnissen auf die genügendste Weise erfüllen.

Man hat nun drei bleierne Kübel oder Recipienten verfertigen lassen, wozu die Bleiplatten auf Stein gegossen wurden, und zwei Milimeter Dike halten. Man gab ihnen die Cylinderform, theils um dadurch die größte Inhaltsfähigkeit bei der kleinsten Oberfläche zu erhalten, theils um zu bewirken, daß durch den gleichförmigen Druk der Körner diese Cylinder ihre Form nicht verändern. Das Zusammenlöthen wurde mit einer noch größern Sorgfalt bewerkstelligt, als bei Gefäßen, die zur Aufnahme irgend einer Flüßigkeit bestimmt sind: denn die Flüßigkeit würde die Fehler der nicht gut gelötheten Stellen angezeigt haben, was bei den Körnern nicht der Fall seyn konnte. Ihre Höhe, gleich ihrem Durchmesser, war zwei Metres 17 Centimetres und von der erforderlichen Dimension, um zwei Cubicmetres oder achtzig Hectolitres zu fassen, mit denen man den Versuch anstellen wollte. Durch das Hineinschütten und Zusammenrütteln des Getreides vor dem Verlöthen des Dekels, wurde dieses Maaß, wie man voraussehen mußte, um drei bis vier Hectolitres vermehrt.

Diese Kübel wurden in ganz verschiedene Localitäten gestellt, um ihren Inhalt allem möglichen Wechsel äußerer Einflüße |83| auszusezen, wenn das versuchte Verfahren nicht geeignet wäre sie vor allen zu schüzen.

Der eine Kübel wurde in dem ersten Stokwerke in der zur Mischung der Mehle bestimmten Kammer, vor einem der Mittagssonne ausgesezten Fensterstoke aufgestellt, wo er vier Sommer nach einander der direkten Einwirkung der Sonnenstrahlen bloßgestellt war.

Der andere wurde in freier Luft, unter einer von allen Seiten offenen Scheune angebracht, die ihn bloß gegen unmittelbare ungestümme Witterung schüzte, ohne ihn allen Einflüßen derselben zu entziehen, die er während desselben Zeitraums zu ertragen hatte, in welchem man zwei ausserordentlich strenge und einen äußerst feuchten Winter zählte.

Der dritte wurde endlich in dem, unter den Oefen der Proviant-Anstalt befindlichen Keller aufgestellt. Diese Oefen sind immer in Thätigkeit, weil täglich 24 Stunden lang darinnen gebaken, und dadurch eine so große feuchte Hize hervorgebracht wird, daß das Thermometer an gewissen Stellen beständig 36° Rèaumur über 0 zeigt, und man daselbst nicht einige Augenblike verweilen kann, ohne eine für viele Menschen unerträgliche Beängstigung zu empfinden; selbst die Dielen und anderes Holzwerk, aus dem das Gerüste gebildet war, das zum Einschütten des Getreides diente, war schon vor Abfluß der vier Jahre, die der Versuch dauerte, im gänzlich zerstörten Zustande.

Als die Kübel eingefüllt waren, wurden ihre Dekel mit derselben Sorgfalt wie die Seitenwände eingelöthet.

Die Kufe im ersten Stokwerk enthielt 84 Hectoliter, im Gewichte 6.425 Kilogramme Waizen guter Qualität vom Jahre 1818, in den Umgebungen von Provins gebaut.

Die auf ebener Erde enthielt 82 Hectoliter, 50 Liter, im Gewichte 5,993 Kilogramme, 10 Decagramme zweiter Qualität vom Jahre 1819, geerntet in der Gegend von Dammartin.

Die im Keller enthielt 85 Hectoliter, 50 Liter im Gewichte 6,231 Kilogramme, 40 Decagramme erster Qualität der Ernte von 1819.

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Man hatte gleich anfänglich die Zeit, während welcher die Getreidekörner in diesen verschiedenen Stellungen bleiben sollten, auf vier Jahre festgesezt; da es indessen äußerst interessant seyn mußte über ihren Zustand in verschiedenen Perioden wenigstens nach der Analogie, zu urtheilen, so stellte man neben jedem Kübel drei Gefäße von Blei, jedes einen Hectoliter haltend und mit demselben Getreide wie das in der Kufe angefüllt; jedes derselben wurde von Jahr zu Jahr geöffnet. Man wird sogleich das Resultat dieser allmäligen Versuche kennen lernen.

Man stellte überdieß, in die nachtheiligste Localität, in den Keller, sechs Gefäße von demselben Maaße, wie jene, wovon eben die Rede war, von denen drei, wurmstichiges Korn aus den Reserve-Proviantmagazinen der Stadt Paris, und die andern drei, Mehle von verschiedener Beschaffenheit enthielten; nämlich ein Hectoliter Mehl zweiter Qualität, ein Hectoliter Mehlgrüze, und eines endlich von Grobmehl, aus Korn von 1819 gemahlen.

Dieß war der allgemeine Stand der im November 1819 getroffenen Anordnungen: man wird nunmehr den jährlichen Fortgang der Versuche beschreiben.

Im Monat November 1820, am Ende des ersten Jahres, schritt man40) nachdem man sich überzeugt hatte, daß kein |85| zufälliges Ereigniß statt gefunden hatte, und nachdem man, die durch den hygrometrischen und veränderlichen Zustand der Luft, und die Abwechslung der Temperatur erzeugten Veränderungen, und endlich die Oxydation des größten Theils der Oberfläche des Metalles vorgemerkt hatte, zu der Oeffnung eines der drei neben jeden großen Kübel hingestellten kleinen Gefäße von einem Hectoliter Inhalt, und der sechs in den Keller gestellten von demselben Maaß-Inhalt, von denen drei wurmstichiges Korn, und die übrigen drei Mehl enthielten.

Das des ersten Stokwerks, welches Waizen guter Qualität von 1818 enthielt, zeigte bei seiner Oeffnung das Metall mit so vollkommenem Metallglanze, als ob es so eben vom Guße käme, was mit seinen äußern Ansehen auf das Auffallendste contrastirte; das Korn hatte keinen Geruch und nicht die geringste Veränderung erlitten41).

Das zu ebener Erde, welches Waizenkorn zweiter Qualität vom Jahre 1819 enthielt, zeigte in seinem Innern das Metall eben so glänzend, wie das Vorhergehende. Dieser Umstand war zur Vormerkung wesentlich: aber da er sich ausdauernd und in dem nämlichen Grade, in allen Localitäten und zu allen Perioden, selbst bei Oeffnung der großen Kübel am Ende des vierten Jahres, vorfand, so wird davon keine Erwähnung mehr gemacht werden. Das Korn sah vollkommen gut erhalten aus, und hatte bloß einen schwachen milchartigen Geruch, der von den Sachverständigen der schlechten Qualität des Kornes von 1819 und dem Umstände zugeschrieben wurde, daß es eingeschlossen ward, ehe es vollständig eingetroknet war; übrigens verlor sich dieser Geruch, sobald das Korn einige Stunden hindurch der freien Luft ausgesezt worden war.

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Das Gefäß im Keller, welches Walzen erster Qualität von 1819 einschloß, bot dieselben Resultate dar, wie das Vordergehende die Sachverständigen schrieben diese Wirkung natürlich der nämlichen Ursache zu; das Korn verhielt sich, nachdem es aus dem Gefäße genommen worden, in dem es enthalten war, auf die gleiche Art.

Nach Ergebung dieser Thatsachen, schritt man zur Untersuchung der Mehle und des wurmstichigen Getreides.

Dieses letztere wurde genau in dem nämlichen Zustande angetroffen, in dem es ein Jahr vorher, bei der Einschließung, gewesen war. Die Kornwürmer hatten das Korn nicht weiter beschädigt; ein großer Theil sogar lebte nicht mehr, und alles läßt vermuthen, daß diejenigen, die noch lebten, sich nicht von dem Puncte entfernt haben müssen, auf dem sie damals waren, als sie in das Gefäß gebracht wurden, so daß sie, wenn man sich so ausdrüken darf, während der ganzen Zeit ihrer hermetischen Einkerkerung von allen ihren Functionen suspendirt waren. Man weiß, daß sie unter andern Umständen sich ganz anders verhalten, und daß diese Insekten sich immer in Masse nach der Gegend zu wenden, wo sie sich mehr oder weniger mit der atmosphärischen Luft in Verbindung zu sezen hoffen können.

Man kam endlich zur Untersuchung der Mehle; sie gewählte die befriedigendsten Resultate. Das Mehl zweiter Qualität und Griesmehl, wurden vollkommen gut erhalten befunden, und die genaueste Besichtigung konnte weder bei dem einen, noch bei dem andern, die geringste Spur von Veränderung entdeken. Was des aus dem Korn von 1819 gewonnene Rohmehl betrifft, so hatte es einen, dem der Körner dieses Jahrgange ähnlichen Geruch, zeigte keine Spur von Verdorbenheit, und hatte sich blos auf dem Boden des Gefäßes, in einer Dike von drei bis vier Fingern zusammengeballt, ohne deßwegen den mindesten Grad der Erwärmung angenommen zu haben.

Die Sachverständigen schrieben diese Wirkung dem Umstand zu daß es unmittelbar, nachdem es von der Mühle gekommen war, eingeschlossen wurde, und erklärten, daß es mit diesem Princip des Verderbens, in jeder andern Lage als die |87| der hermetischen Einschließung, die es selbst gegen dieses geschüzt hatte, unfehlbar zu Grunde gegangen seyn würde.

Dieß war der Stand der Dinge am Ende des ersten Jahres, der außerdem, durch einen Zufall, eine weitere Thatsache darbot, die anzuführen wesentlich ist, weil sie der Theorie, auf die dieses Verfahren gegründet ist, zur Stüze dient.

Einer der, mit der Bestimmung des Maaßes und Gewichtes der Körner beschäftigten Arbeiter fand auf dem Boden eines der, mit wurmstichigem Getreide angefüllten Gefäße einen Ballen zusammen geknäulter Körner, beiläufig von der Größe eines mittelmäßigen Apfels, der alle Merkmale der Verschimmelung an sich trug. Alsobald untersuchte man die metallische Hülle sorgfältig, und entdekte an dem Boden eine kleine Oeffnung ungefähr von dem Durchmesser einer diken Steknadel. Durch diese hatte die Feuchtigkeit Eingang gefunden, um eine kleine Quantität Körner anzusteken, welche gewißermaßen die Wunde vernarbte, und das Uebel verhinderte sich weiter zu verbreiten. Der Bleigießermeister machte die Bemerkung, daß dieser Fehler von ihm bei der Verschließung der Gefäße bemerkt worden sey, und daß er ihn mit einem Kreuze bezeichnet habe, damit er verbessert werde, daß aber die Unachtsamkeit seiner Arbeiter denselben glüklicher Weise übersehen habe.

Eine vollkommen gleiche Thatsache ergab sich später und unter ungleich wichtigeren Verhältnissen, weil sie in dem Augenblik der Oeffnung des in dem Keller angebrachten Kübels Statt fand, wie man bei der Beschreibung der leztern Operation sehen wird.

Es ist demnach hinreichend erwiesen, und außer allem Zweifel gesezt, daß die hermetische Verschließung die unerläßliche Bedingung zur Erhaltung des sich selbst überlassenen Getreides des sey: was aber eben so wesentlich ist, daß sie zu allen Zeiten und bei allen Methoden, welcher man sich auch bedient haben mochte, immer das einzige Princip dieser Erhaltung gewesen sey, und daß jedesmahl, wo Beschädigungen stattgefunden haben, diese immer im umgekehrten Verhältnisse mit dem Grade ihrer Vollkommenheit gestanden seyen42).

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In der That, was ging in älteren Zeiten, und was geht noch täglich im Innern der, beständig troknen oder der Durchseicherung |89| wenig ausgesezten, in den Felsen ausgehauenen oder an hochliegenden Orten bloß aufgegrabenen Vorrathskammern (Silos) vor? Was ereignet sich in den Gruben aller Art, deren conservirende Eigenschaft man seit einiger Zeit untersucht, und die man mit gehauenen Steinen, Mauersteinen, Ziegeln, mehr oder weniger undurchdringlichem Kitt, Mastix, endlich mit Stroh ausschlägt? Der hermetische Verschluß bildet sich nach Verlauf einer gewissen Zeit, und ersezt die Unzulänglichkeit der angewandten Materialien; er zeigt sich immer auf Kosten einer gewissen Quantität, welches unglüklicher Weise immer die an der Oberfläche befindliche ist, und der Ueberrest erhält sich unbeschädigt unter ihrer schüzenden Hülle.

Nach diesem Grundsaze ist erklärbar, daß man zu Metz, während einer Belagerung im Jahre 1578, in einem unterer dischen Gewölbe eingeschlossene Haufen Kornes sah, das sich mittelst einer durch Verschimmelung der Körner an der Oberfläche entstandenen, undurchdringlichen und natürlichen Hülle sehr viele Jahre hindurch ohne zu verderben gut erhielt; und noch jezt nimmt man in einigen Handlungshäusern in Hamburg nur zu diesem natürlichen Mittel seine Zuflucht, um diese Lebensmittel auf unbestimmte Zeit in gutem Zustande zu erhalten. Zur Zeit, wo sie niedrig im Preise stehen, werden sie in diken Haufen in sorgfältig versperrten Behältnissen, von denen man alle Thiere, welche es auch seyn mögen, entfernt zu halten sucht, aufgeschüttet. Wenn die Zeit der Ablieferung kommt, begeben sich der Empfänger und der Eigenthümer in das Magazin, wo man die auf der Oberfläche gebildete Kruste wegbricht, sich von dem Zustande des Korns im Innern überzeugt, und den Preis bestimmt: indessen muß, wie leicht zu errathen ist, der zerstörte Theil, der keineswegs unbedeutend ist, den Werth, desjenigen erhöhen, den er vor dem Verderben geschüzt hat43).

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Nach allem Vorhergehenden sollte es scheinen, daß man von nun an berechtigt wäre, den Vorzug des metallischen Verschlusses vor allen Andern auszusprechen; der einzige Einwurf, der gegen seine Anwendbarkeit gemacht werden konnte, würde den Aufwand betreffen, den er verursachen dürfte, und von dem noch nicht die Rede war; man wird später sehen, daß dieser Einwurf von selbst verschwindet; wir wollen jedoch zuvor auf die Darstellung der weitern Versuche übergehen44).

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Ende Novembers 1821 wurden, wie im vorigen Jahre, drei neue Gefäße von einem Hectoliter geöffnet. Ihr Zustand zeigte weder von außen noch von innen eine merkliche Verschiedenheit von denen, die man das erstemahl beobachtet hatte.

Das Korn des Gefäßes der Mischungskammer45) war in sehr gutem Zustande, ohne irgend einen Geschmak, und hatte durchaus keine Veränderung erlitten.

Das in der Scheune46) hatte keine Veränderung erlitten, und gab nur einen schwachen, milchigen Geruch von sich: die bei der voriges Jahr stattgefundenen Oeffnung anwesenden Personen haben gefunden, daß dieser Geruch, der sich sogleich entweder durch den Luftzug, oder durch die bloße Berührung mit der Luft verlor, viel weniger stark war, als das vorige Jahr.

Das im Keller schien von einer etwas dunklen Farbe, es besaß denselben Geruch, der in der Mitte (des Gefäßes) etwas stärker war als gegen die Wände hin, er verschwand aber noch leicht bei dem Zutritte der Luft47).

Noch ein Jahr später, zu Ende des Novembers 1822, wurde eine ähnliche Besichtigung vorgenommen und bestätigte aufs Neue:

Daß das Waizenkorn guter Qualität von 1818 in der Mischungskammer gut erhalten war, durch die Hand lief, keinen üblen Geschmak hatte, und ganz das Ansehen eines vollkommen gesunden Getreides zeigte.

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Daß der Waizen zweiter Qualität 1819 in der Scheune sich ganz frisch anfühlte, nichts desto weniger durch die Hand lief, daß seine ursprüngliche Qualität nicht verändert war, daß er in dieser Hinsicht weder verloren noch gewonnen hatte, daß er sich in einem befriedigenden Zustande der Erhaltung befand.

Daß das, aus dem Keller gekommene Waizenkorn erster Qualität, etwas weniger durch die Hand lief, jedoch aber keinen Geruch halte, und sich im Zustande gut erhaltenen Getreides befand.

Und daß im Allgemeinen die Farbe aller dieser Körner auf keine Weise verändert war.

Endlich erschien der festgesezte Termin zur Oeffnung der großen Kübel, und es war am 25ten November 1823, wo man zu diesem Geschäfte schritt.

Man fing damit an, den Dekel des Kübels in der Kammer des ersten Stokwerkes abzunehmen48). Das Getreide, das er einschloß, hatte keine merkliche Zusammenrüttelung erfahren, und zeigte das Ansehen eines gut erhaltenen Korns. Nach diesem schlizte man den Kübel nach seiner ganzen Höhe, und ungefähr in einer Weite von 40 Centimetern auf, wodurch das Korn sich leicht auf dem Boden der Kammer auszubreiten vermochte, und man sehen konnte, in welchem Zustande sich alle Schichten befanden. Das Getreide war durchaus troken, lief durch die Hand, hatte keine Veränderung, und befand sich in einem vollkommen gut erhaltenen Zustande.

Von da begab man sich zu dem Kübel in der Scheune49), auf welchem man etwas Wasser fand, das vom Dache herabgelaufen war; sein Dekel wurde mit der nämlichen Sorgfalt abgenommen, und das Korn zeigte keine Zusammenrüttelung; man bemerkte indeß, daß der Fall irgend eines schweren Körpers ein Loch von 25 Millimeter in diesen Dekel gemacht hatte, daß eine Quantität Wasser in das Innere des Kübels eingedrungen war, und daß sich bloß an dieser Stelle bis zur Tiefe |93| eines Zolles, eine kleine Anzahl zusammengeballter Körner vorfand. Diese der Vormerkung werthe Wahrnehmung war die einzige, die einigen Unterschied zwischen dem Zustande dieses und des vorhergehenden Kübels begründete; übrigens befand sich das Getreide durch und durch in dem befriedigendsten Zustande der Conservation.

Hierauf stieg man in den Keller hinab, und da bemerkte man, wie bereits früher erwähnt wurde, daß durch die Wirkung des zerstörenden Einflußes des Locals alle Hölzer, welche zu dem im Jahre 1819, um den Kübel anfüllen zu können, erbauten Gerüste gebraucht worden, in dem Zustande einer vollkommnen Fäulniß sich befanden: man nahm den Dekel sorgfältig ab, seine ganze Oberfläche stand mit der des Korns in Berührung, und das Erste, was man beobachtete, war, daß sich, weil die Löthung einer ungefähr gegen die Mitte des Dübels hin befindlichen Naht an mehreren Stellen schadhaft war an jedem dieser Puncte eine Zusammenballung von Körnern von der beiläufigen Breite und Höhe eines Zolls gebildet hatte, im Ganzen derjenigen ähnlich, die man so eben in der Scheune gefunden, oder jener, die im Monat November 1820 am untern Theile eines der, mit wurmstichigem Korn angefüllten Gefäße bemerkt worden war.

Was das Getreide des Kübels50) betrifft, so befand sich dieses in einer eigenthümlichen und sehr merkwürdigen Lage: die außerordentliche, in den obern Schichten nach stärker als in den untern wirkende, und durch das Gewölbe, von welchem er nur wenig entfernt war, auf den Dekel reflectirte Hize des Locals, hatte den obern Theil des Korns trokner gemacht, als es in dem Augenblike war, wo man es verschlossen hatte, die Feuchtigkeit gegen den untern Theil zurükgedrängt, und den Mittlern in seinem natürlichen Zustande gelassen. Ungeachtet dieser Eigenthümlichkeit, wurde das Ganze in einem sehr befriedigenden Zustand der Erhaltung befunden, der an jenen erinnerte, in dem es vier Jahre vorher war; und die Grade von Trokenheit und Feuchtigkeit seiner verschiedenen Lagen verschwanden, nachdem es einige Stunden gelüftet wurde.

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Es ist fast überflüßig anzuführen, daß zu allen Zeitpuncten, wo diese Versuche statt fanden, die Vergleichung der ursprünglichen Gewichte und Maaße der Körner mit jenen, die sie damahls hatten, als die Verbalprocesse darüber verfaßt wurden, keine oder nur eine so unbedeutende Differenz, zeigten, daß sie die Mühe nicht lohnte, welche die mindeste Berechnung veranlaßt hätte51).

Dieß ist der Inbegriff der Thatsachen, die dazu beitragen müssen, dem Verfahren des Hrn. Grafen Dejean nicht nur den Vorzug vor allen andern zu geben, sondern es auch als das einzige zu betrachten, was künftighin anzuwenden ist. Es genügt sie darzustellen, um alle unbefangene Beobachter die im Stande |95| sind, Schlußfolgen zu ziehen und ohne Vorurtheil passende Vergleichungen zu machen, zu überzeugen. Was ungläubige Starrköpfe, befangene Leute und solche betrifft, bei denen zu viel Recht zu haben großes Unrecht ist, so glaubt man ohnehin nicht, sie zu einer Ansicht bekehren zu können, die sie nicht zu theilen, im Voraus entschlossen waren.

Wir haben im Vorhergehenden anschaulich gemacht, daß die verschiedenen Methoden, die man in Anwendung hätte dringen können, alle mehr oder weniger große Inconvenienzen mit sich führten, eine mehr oder weniger große Quantität Körner zum reinen Verluste zerstörten, und endlich ihre erhaltende Kraft nur eine veränderliche Zeitdauer hindurch bewahrten, deren Gränzen man, ohne zu viel zu behaupten, nicht einmahl zu bestimmen vermochte Die metallische Einschließung läßt keine Einwürfe zu, denen man nicht siegreich antworten könnte: sie bewahrt treulich das Ganze der ihr anvertrauten Getreid- und Mehlquantitäten und alle Zeugen unserer Versuche waren genöthigt darin übereinzustimmen: vier in dem Keller der Proviant-Anstalt zugebrachte Jahre wiegen Jahrhunderte des Aufenthaltes in jeder Localität auf, welche es auch immer sey. Welche Besorgnisse, welche Vorsichtsmaßregeln ersinnt man nicht bei Erbauung von Silos, um sie gegen alles zu schüzen, was sie zu fürchten haben! Und was hat man in der Proviant-Anstalt gethan? Man hat sich einzig nur, oder fast nur von der Undurchdringlichkeit des Metalles überzeugt, und sich übrigens allen möglichen Wechseln der gefährlichsten äußern Einflüße getrost überlassen.

Das mit seiner metallischen Hülle bedekte Korn kann daher als in einem ähnlichen Zustande, wie eine sorgfältig in ihrem Gehäuse verschlossene Schildkröte, befindlich angesehen werden: vergebens verschworen sich die vereinigten Elemente gegen sie, das Feuer allein ist es, was sie zu fürchten haben. Das Korn genießt aber noch eines Vortheils, den es nur allein besizt; denn der Bruch des Gehäuses führt den Tod des Thieres herbei, während, wenn man eine zufällige Ursache annimmt, die eine Störung der Continuität des Metalles verursacht, die vereinigte Thätigkeit der Luft und des Getreidekorns streben, diesen Unfall wirksam gutzumachen.

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Man darf nicht erwarten, in dieser Uebersicht bestimmte und umständliche Vorschriften über die Ausführung des von dem Hrn. Dejean vorgeschlagenen Verfahrens zu finden; denn es bedürfte einer besondern kleinen Abhandlung über diesen Gegenstand, um alle möglichen Falle vorauszusehen, und sich auf die kleinsten Details einzulassen. Man wird sich deßhalb, ohne etwas Wesentliches auszulassen, darauf beschränken genügende Angaben über die Wahl der Localitäten, welche demselben zusagen, über die Natur der Materialien, welche es fordert, und die Kosten, welche es verursacht, zu liefern.

Hinsichtlich der zu wählenden Lokalitäten zeigt sich, wie man zur Genüge gesehen hat, keine Schwierigkeit, wie schleckt sie auch immer seyn mag, so paßt sie vollkommen dazu, oder ist ihm wenigstens indifferent. Indessen wird man sich wohl in Acht nehmen, Keller vor allen andern Pläzen hiezu zu wählen, im Gegentheile, wird man sich ihrer nur in jenen Fällen bedienen, wo es unmöglich ist, es anders zu machen, und dieses lediglich wegen der Geschäfte des Auf- und Abladens, die an solchen Orten fast immer sehr anstrengend sind. Man muß sich auch hüten, irgend ein Stokwerk zu gebrauchen: die Masse der Körner und ihrer Hülle würde es meistens nöthig machen, die Dielen zu stüzen, und dieß wäre eine Auslage mehr, deren Vermeidung gut ist. Man muß sich daher an den Gebrauch der Zimmer zu ebener Erde halten, und Sorge tragen, sich aus einem ökonomischen Beweggrunde vorzüglich solcher zu bedienen die vermöge der geringen, zwischen ihren drei Dimensionen der lange. Breite und Höhe obwaltenden Differenz, dem kubischen Inhalte am nächsten kommen: man wird sich deßwegen hüten müssen, solche zu gebrauchen, die von mittelmäßiger Hohe sind und eine viel beträchtlichere Länge oder Breite haben, weil in diesem Falle, ihre Oberfläche sich in einem stärkern Verhältnisse als ihre Inhaltsfähigkeit vergrößern, und die Kosten sich nach dem nämlichen Verhältnisse richten würden. Die Behältnisse zu ebener Erde bieten gemäß ihrer Lage die Möglichkeit dar, einen öder mehrere Trichter bequem an der obern Deke anzubringen, und den Ort der Oeffnung zum Abladen nach Willkühr zu bestimmen; sie erlauben jeden Augenblik eine Aufsicht, sezen der Anbringung der innern Bekleidung wenig |97| oder keine Schwierigkeiten entgegen, und vereinigen überhaupt alle Bequemlichkeiten, die man wünschen kann.

Was die Bekleidung betrifft, so ist ihre Construction einfach und ganz gewöhnlich: sie erfordert keine andere Bedingung als jene, welche zu jeder Zeit bei der Verfertigung der zur Aufnahme von Flüßigkeiten bestimmten Gefäße nothwendig war: überall, wo die Arbeiter eine Löthung zu machen verstehen, und überall, wo Wasserbehälter erbaut worden sind, wird man im Stande seyn sie herzustellen; und einige in den nothwendig erachteten Zwischenräumen in die Mauer eingesezte Klammern, um die Seitenwinde festzuhalten, machen fast alle nothwendigen Vorbereitungen aus; übrigens muß man der Erfahrung der Arbeiter und ihrer, oder vielmehr der Einsicht derjenigen, in deren Diensten sie stehen, die Sorge überlassen, alle die kleinen Schwierigkeiten, die sich ergeben können, zu beseitigen, und gewiß wird diese Aufgabe nicht schwer zu lösen seyn.

Die Wahl des zur Verarbeitung bestimmten Metalles ist nicht gleichgiltig; zu dünn würde es die erforderlichen Bürgschaften seiner Dichtigkeit und Undurchdringlichkeit nicht gewähren; und zu dik würde es eine mißliche Vermehrung der Kosten verursachen: um diesen Inconvenienzen zu begegnen, ist Blei von gutem Korn, zur Dike von zwei Millimetres auf Stein gegossen, zum Gebrauche vorzuziehen, weil es dichter und härter als das in Sand gegossene Blei ist, und dieses leztere auch nicht so dünn gegossen werden kann. Es würde ein Irrthum seyn zu glauben, daß man demselben mit Vortheil gewalzte Bleiplatten von gleicher Dike substituiren könne; dieses Metall wirft beim Schmelzen ziemlich oft Blasen, die man am gegossenen Blei immer wahrnehmen und wegbringen kann, welche aber das Strekwerk so verbirgt, daß man sie nicht wieder bemerkt; die Ränder der Blasen legen sich übereinander ohne zusammengeschmolzen zu seyn und die Undurchdringlichkeit hört auf52).

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Was die Kosten betrifft, so sind sie sehr leicht zu bestimmen, weil sie sich nach genauen, der Veränderung nicht unterworfenen Angaben regeln, wie aus Folgendem zu ersehen ist.

Das Quadratmeter des auf Stein gegossenen Bleis von der Dike zweier Millimetres wiegt nicht unter 22 Kilogrammen, und steigt nicht über 27: wir wollen es immer zu einem Gewichte von 25 Kilogrammen als Mittelgröße, annehmen, um den Kalkul eher mit zu großer Genauigkeit als mit unzuverläßiger Nachsicht zu ziehen.

Der Preis dieses Bleis im unverarbeiteten Zustande ist 90 Centimen das Kilogramm.

Der Werth der Verarbeitung, der Löthungen, der Neben-Arbeiten und Ausgaben, kann, nach den Berechnungen der erfahrensten Werkmeister, auf den fünften oder vierten Theil des Preises des rohen Metalles steigen; wir wollen ihn, aus dem nämlichen Grunde, der uns zur Richtschnur diente, als wir die Mittelgröße des Gewichts des Quadratmeters bestimmten, auf das Drittel erhöhen.

Hiernach wird das Kilogramm verarbeiteten Metalls im Preise auf einen Franc 20 Centimen zu stehen kommen.

Endlich ist es ein sehr wesentlicher Punct, dessen Wichtigkeit man nicht zu sehr hervorheben kann, um die Aufmerksamkeit aller Personen, welche dieser Gegenstand interessirt, darauf zu lenken, daß das Kilogramm dieses Metalls dem Eigenthümer in allen Fällen einen innern Werth von 75 Centimen sichert, d.h. ihn in den Stand sezt, früh oder spät 62 vom Hundert aller Summen, die er wird ausgegeben haben, zu realisiren.

Unter was immer für Umständen wird sich jedoch die Schäzung auf eine einfache Berechnung zurükführen lassen, die keinen Schwierigkeiten unterliegen kann.

Um das Ganze der vorhergehenden Angaben mit einem Male überbuken zu machen, hat man die beigefügte Tabelle entwerfen zu müssen geglaubt, in welcher man, nach der in der ersten Columne bezeichneten Anzahl kubischer Metres, auf einander folgend bestimmt hat:

1. die Inhaltsfähigkeit in Hectolitres;

2. in metrischen Centnern;

3. die metallische Oberfläche;

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4. das Gewicht des zu verwendenden Bleies;

5. die gesammte Auslage;

6. den auf das Hectoliter treffenden Werth;

7. den innern Werth des Metalles.

Synoptische Tabelle,
um als Anleitung bei Berechnung der durch die Errichtung metallischer Fruchtbehälter verursachten Kosten zu dienen.

Textabbildung Bd. 15, S. 99

Bemerkung. Man wiederholt hier noch einmahl (und zwar, weil man vor allem den Vorwurf vermeiden will, als wollte man die Sache zu seinem Vortheile darstellen, und in der Theorie genaue Angaben geben, die in der Ausführung höhere Kosten, als die in dieser Tabelle berechneten, mit sich führen würden): man soll bei der Construction von Fruchtbehältern, die man anlegen wird, darauf Bedacht nehmen, sich von der kubischen Form so wenig als möglich zu entfernen, um bei der kleinsten Oberfläche die größte Inhaltsfähigkeit zu gewinnen, und sich folglich von der in dieser Tabelle berechneten Auslage nicht zu entfernen.

Das unvermeidliche Loos der nächsten Neuerungen ist, in dem Augenblike Widersacher und Gegner zu finden, wo ihre Urheber es versuchen, sie der Gesellschaft vorzulegen; man muß indeß jene, welche auf die Masse unbestreitbarer, in dieser |100| Uebersicht zusammengestellter Thatsachen ihr Augenmerk richten, aufrichtig fragen, ob man wohl erwarten konnte, daß die Entdekung, welche uns beschäftigt, beurtheilt und verworfen werden würde, ehe sie noch öffentlich bekannt gemacht wurde? Dieses ist jedoch der Fall gewesen.

In einem der Gesellschaft zur Aufmunterung der National-Industrie im lezten Monat August erstatteten, und im Bulletin für den September Nro. 231 hierauf abgedrukten Berichte, durchgeht der Berichtsteller53), indem er besonders von den im Spital St. Louis errichteten Silos handelt, und sie wegen Beschaffenheit der gebrauchten Materialien, allen andern vorzuziehen rühmt, alle bisher zur Aufbewahrung des Getreides vorgeschlagenen Methoden, erörtert die Unbequemlichkeit jeder einzelnen, und sagt, indem er von den, im Local der Proviant-Anstalt angestellten Versuchen redet, daß die Oeffnung der Gefäße, wie man erwarten mußte, bewiesen habe, daß das Getreide sich wohl erhalten hätte, daß aber diese kostbare Methode, welche deßwegen weder von den Grundeigenthümern noch von dem Handelsstande gewählt werden würde, nicht als ein allgemein anwendbares Mittel vorgeschlagen werden könne.

Hier waltet schwerer Irrthum ob; um mit der Genauigkeit der Thatsachen zu harmoniren, war es gerade das Gegentheil, was man hätte sagen sollen.

Was hat wohl diesem Irrthume seine Entstehung gegeben? Man kann nur eine Muthmaßung aufstellen: Zweifels ohne hat der Herr Berichterstatter geglaubt, es sey die Absicht des Erfinders, die Aufbewahrung von Getreide und Mehl in Gefäßen nach kleinem Maßstabe zu empfehlen; in diesem Falle allein ist seine Meinung richtig und gegründet. Allein wenn er sich die Mühe genommen hätte, Personen zu fragen, die im Stande waren ihm Aufklärungen zu geben, so würde man sich bestrebt haben, sie ihm mit allen Details, die er wünschen konnte, mitzutheilen. Er hielt es nicht für rathsam es zu thun, er urtheilte ab..., und unter diesen Verhältnissen hat man, wie in allen |101| ähnlichen, um denjenigen zu begünstigen, der kein Recht dazu hatte Gerechtigkeit dem verweigert, der sie verdiente.

Uebrigens ist es vielleicht nicht zweklos, das Verfahren, von welchem dieser Bericht speciell handelt, mit dem des Hrn. Grafen Dejean zu vergleichen, und diese Paralelle besonders aus dem Gesichtspuncte der Kosten zu ziehen, weil in dieser Hinsicht ohne alle Widerrede dem leztern der Vorzug gebührt.

Die zwei im Hospital St. Louis gemachten Gruben haben 4,711 Fr. gekostet;
sie faßten 260 Hectoliter; folglich treffen auf das Hectoliter
18 Fr. 10 Cent.
Man führt in dem Berichte an, ohne es zu beweisen, (indessen will man diese
willkührliche Annahme gelten lassen,) daß durch Reduction der Gruben auf
eine einzige ein Eigenthümer sie mit möglichster Sparsamkeit um die Summe
von 2,500 Fr. herstellen könne. In diesem Falle werden die Kosten für das
Hectolitre noch betragen
9 Fr. 60 Cent.
Die Herstellung eines 3 Kubikmeter oder 270 Hectoliter haltenden metallischen
Fruchtbehälters kommt zu stehen auf 1,620 Fr., was auf das Hectoliter macht
6 Fr.
Eine der zu St. Ouen von Hrn. Ternaux in der Erde gemachten Gruben, die
192 Hectoliter faßte, und die man als die wohlfeilste Methode betrachten kann,
kostete 1,227 Fr., es treffen daher auf das Hectoliter
6 Fr. 40 Cent.
Endlich kündigt der Bericht an, daß an das Ministerium des Innern von einem
Unternehmer eine Vorstellung eingereicht worden sey, worin er sich verbindlich
gemacht habe, im Hospital St. Louis mit den geeigneten Materialien eine 670
Hectoliter Getreide haltende Grube, um die Summa von 3,465 Fr. 23 Cent.
herzustellen, was für jedes Hectoliter macht
5 Fr. 17 Cent.
Sieht man auf die vorherstehende Tabelle, so wird man finden, daß die Kosten
bei dem |102| Verfahren des Hrn. Grafen Dejean, in einem beinahe
ganz ähnlichen Falle, sich für das Hectoliter nicht höher belaufen, als auf
4 Fr. 50 Cent.

Die vereinigten Vortheile dieses Verfahrens sind daher folgende:

Die Gewißheit einer vollkommnen und dabei integralen Erhaltung;

die nicht beschrankte Dauer dieser Erhaltung;

die Differenz des Kostenbetrags von 5 Francs 17 Centimen, auf jedes Hectoliter, zu 4 Fr. 50 Centimen;

endlich die Möglichkeit in jedem Augenblike, wo man es für zuträglich hält, 62 vom Hundert der Herstellungskosten wieder zu erlangen!

––––––––––

So oft es sich darum handelt, eine neue und nüzliche Wahrheit aus Licht zu bringen, begreift man leicht die Bedenklichkeiten, die derjenige erfahren muß, der sich nur auf scheinbare Hypothesen oder unerwiesene Theorien stüzen kann; ist es aber, auf die in dieser Uebersicht angeführten authentischen Thatsachen gestüzt, nicht natürlich und erlaubt, zu schließen:

Daß es endlich eine Methode gibt, Getreide und Mehl eine unbestimmte Zeit lang aufzubewahren, die so sehr befriedigt, daß sie nur wenige oder gar keine Vervollkommnungen zu wünschen übrig läßt.

Daß die Grundeigenthümer und die Pächter im Stande sind, ein glükliches Gleichgewicht in ihren Geschäften mit aller Sicherheit herzustellen, wenn sie sich zu einem Verfahren entschließen, das, klug angewandt, die veränderlichen Wechsel zwischen Wohlfeilheit und übermäßiger Theurung des Getreides in einen standhaften Mittelpreis verwandeln wird;

Daß der Handel, sowohl im Innern als nach Aussen, sich seinen Speculationen mit einer bisher unbekannten Sorglosigkeit wird überlassen können, weil das Resultat seiner Berechnungen sich niemahls mit dem möglichen Falle des Verderbens der Waaren compliciren wird.

Und was noch weit wichtiger ist, daß die Regierung, sich dieses Verfahren aneignend, nicht fehlen kann, hierin, bezüglich auf den Dienstzweig der Victualien, wesentliche Verbesserungen |103| zu finden, die bisher nur Hoffnungen waren und sich nun in Gewißheiten verwandelt finden werden.

Daß man die drei Ministerien des Innern, des Kriegs und der Marine nicht dringend genug auffordern könne, auf diesen Gegenstand alle Aufmerksamkeit, die er verdient, richten zu wollen.

Daß das Erstere von demselben bald den glüklichsten und vortheilhaftesten Gebrauch machen könnte, sey es in den unermeßlichen Räumen des Vorrathsmagazins der Stadt Paris, wo das zur Konsumtion der Hauptstadt nöthige Mehl eine gewisse Zeit hindurch mit aller Sicherheit einmagazinirt werden könnte, oder durch Anordnung der Herstellung metallischer Speicher in einigen großen Städten, um die Anwendung derselben zu popularisiren.

Daß die beiden andern Ministerien, durch Verwendung der entbehrlichsten Theile ihrer Militärgebäude, unermeßliche Ersparnisse an den, durch den Ankauf von Victualien-Vorräthen für Besazungen oder zur täglichen Konsumtion der Truppen verursachten Ausgaben erzielen könnten.

Daß das Kriegs-Departement insbesondere im Stande ist, durch deren Anwendung, den Inconvenienzen zu begegnen, die aus der durch einen bevorstehenden Krieg nothwendig gemachten Anhäufung von Lebensmitteln auf verschiedenen Puncten entstehen, welche unnüz werden, und mit Verlust verlauft werden müssen, wenn der Krieg nicht ausbricht oder wenn er früher aufhört als man glaubte.

Daß das Departement der Marine sie mit großem Vortheil zum Transport von Mehl nach den Kolonien u.s.w. wird anwenden können.

Aber wer würde die verschiedenen Umstände alle aufzählen können wo man in den Fall gerathen dürfte, zu diesem Verfahren mit Nuzen Zuflucht zu nehmen? Und ist es nicht Zeit diese Uebersicht zu schließen, bloß den herzlichsten Wunsch noch aussprechend:

Möchte diese glükliche Anwendung der einfachsten Natur-Geseze und einer gesunden Physik, einzig durch die uneigennüzige Liebe für das allgemeine Wohl eingegeben, nicht das Schiksal neuer Erfindungen erfahren, die, ungeachtet ihres unbestreibaren |104| und anerkannten Verdienstes, nur mit hoffnungsloser Langsamkeit dahin kommen, die Hindernisse zu überwinden, die böser Wille und Schlendrian ihnen um die Wette entgegensezen und möchte sohin die Gesellschaft, in dem möglich kürzesten Zeitraume, alle ihr untrüglich verheißenen Vortheile daraus ziehen.

––––––––––

„Der unterzeichnete General-Lieutenant Graf Dejean, Pair von Frankreich, sieht sich, nachdem er vorstehenden Umriß und Bericht mit der größten Aufmerksamkeit durchlesen hat, verpflichtet, dem Hrn. Ritter St. Fare Bontemps für die Sorgfalt und Genauigkeit zu danken, die er auf deren Redaktion verwendet hat, und bestätigt sie ihrem ganzen Inhalte nach.“

„Graf Dejean.“

Zusaz.

Unter Beziehung auf die in diesem Journal bereits mitgetheilten bewährten Getreide, Aufbewahrungs-Methoden finden wir uns veranlaßt, der in N° 38 des Kunst- und Gewerbblattes vorgeschlagenen zu erwähnen. Es heißt S. 252 „wohl ausgepichte Pakfäßer, mit Blech ausgetäfelte Verschlägt etc., scheinen manches voraus zu haben. Und warum sollte es unmöglich seyn, Getreide in Säken aufzubewahren? – Säke können sehr leicht luft- und wasserdicht gemacht werden, und hättest bei gleichen Kosten vieles voraus.“

Wir waren bisher bemüht, Alles, was auf Aufbewahrung des Getraides Bezug hat, in diesem Journal mitzutheilen, weßhalb wir, der Vollständigkeit wegen auch diese, sehr ins Breite gezogene, Abhandlung in einiger Vollständigkeit mittheilen zu müssen glauben. Wir machen bei diesem Anlasse unsere Leser auf die Abhandlungen im Bd. V. S. 223. IX. S. 329. X. S. 123. XI. S. 127. XIII. S. 255. XIV. S. 80. aufmerksam. D.

|84|

Die Personen, in deren Gegenwart diese verschiedenen Operationen vorgenommen wurden, waren die HH. Graf Dejean, General-Lieutenant, Pair von Frankreich, und Director der Militär-Verpflegungs-Anstalten bis Ende 1820; Graf Andreossy, General-Lieutenant, und Director der Militär-Verpflegungs-Anstalten seit Anfang 1821; Graf v. Lasteyrie; Baron Ternaux, Mitglied der Deputirten-Kammer; Baron Joinville, Militär-Intendant der ersten Division; Gautier, Administrator der Verpflegungs-Anstalten; Chaper, deßgleichen; Quin, deßgleichen; Godart, General-Inspector der Militär-Verpflegungs-Anstalten; Marchand Feillette, deßgleichen; Alexander, deßgleichen; Bagieu, Director der Verpflegungs-Anstalten der ersten Division; Beinod, Specialagent des Pariser Victualien-Marktes; Benier, Adjunct des Specialagenten; Busche, Director der Reserve-Proviant-Magazine in Paris; Cheville, Controleur der Getreide- und Mehl-Halle; Petiet, Administrator des Fourage-Magazins zu Paris; Jourdain, Adjunct des Herrn Petiet; St. Fare Bentemps, Bataillons-Chef, |85| mit der Leitung der Arbeiten beauftragt; Carrette, Capitain des Geniecorps, der die Aufsicht über die Gebäude der Militär-Verpflegungs-Anstalt hat; Barbier, hydraulischer Maschinist und Bleigießer; Delaneuville, Militär-Unterintendant; Duverger, deßgleichen; Latrobe, deßgleichen.

|85|

Es ist von Wichtigkeit darauf aufmerksam zu machen, daß die, in den verschiedenen, von den HH. Militär-Unterintendanten aufgenommenen Protocollen, ausgezeichneten Gutachten von Sachkundigen alle übereinstimmend ausgefallen sind.

|87|

Sehr richtig! und doch gibt es Leute, die dieses Gesez der Natur umstossen, und troz ihrer eigenen darin gemachten Erfahrung, ein unnatürliches |88| dagegen aufstellen wollen. Diese Bemerkung stüzt sich auf eine im XIV. Bd. S. 87 unsers Journals befindliche Note, über einen in Augsburg zwekwidrig angestellten gänzlich mißlungenen Versuch, Getreide aufzubewahren. Hr. Reg. Rath Morell spricht uns (in N°. 37. des Kunst- und Gewerbblattes), weil wir die Dreustigkeit hatten, das Kind beim Namen zu nennen, die nöthige Einsicht ab seinen Versuch zu würdigen, was uns veranlaßt den Versuch in der stattgefundenen Art, hier in Kürze mitzutheilen. Nach einem, im April dieses Jahrs vorgelesenen Protocoll, wurde im April 1823 ein 7 1/2, Schuh daher, 8 Schuh breiter und eben so langer aus fichtenen Holzbrettern erbauter, innerhalb durch eine Kreuzwandung in vier Fächer abgetheilter, oben mit einem Dekel und unten bei jeder Abtheilung mit einem Schieber versehener Kasten zum Versuch bestimmt. Der Kasten wurde in einem Gewölbe, in dem Erdgeschoß neben der Reitschule in der königl. Referenz, dessen Fenster zugemauert waren, auf ein Gestelle gesezt, und mit folgendem Getreide gefüllt: Die Abtheilung N°. I. und II. mit Roggen von den Jahrgängen 1818 und 1819, welcher schon stark vom Wurme angegriffen war, und obgleich vor dem Einfüllen auf einer Mühle gereinigt, doch noch Spuren vom Wurme zeigte. Die Abtheilungen N°. III. und IV. wurden mit gesundem Roggen vom Jahre 1822 gefüllt. Jede Abtheilung faßte etwas über 14 baierische Schäffel. Nach dem Einfüllen wurde der Dekel auf den Kasten genagelt, und das Gewölbe unter Schloß und Siegel gelegt. Nach Ablesung des Protocolls, von dem das Vorstehende der wesentliche Inhalt ist, erklärten wir in Gegenwart der anwesenden Regierungs-Mitglieder, Güterbesizer, Kaufleute u.s.w. im Voraus den Versuch für „verunglükt, und fügten bei, daß selbst, wenn das Getreide nicht verdorben wäre, was aber unmöglich sey, doch der Versuch kein befriedigendes Resultat gewähren könne, indem bloße Jahres-Frist für die Güte einer Aufspeicherungs-Methode, die sich im Durchschnitte wenigstens für einige Jahre bewähren müßte, keine hinreichende Sicherheit leiste.“ Hierauf wurden das Gewölbe und der Kasten geöffnet, und der Befund war folgende: Das Getreide hatte sich in den vier Abtheilungen um einige Zolle gesezt, und da weder dessen Aussenwandung, noch innere Abtheilung und Dekel luftdicht gefügt war, so fand man, wie voraus gesagt, den gesunden Roggen von dem wurmigen ergriffen, mit starkem moderigem Geruch und rauhem Griff. Ein Gläschen mit Eßigsäure bewirkte nach seiner Oeffnung in dem Aufbewahrungs-Gewölbe eine dichte Wolke; ein Beweis der Beschaffenheit des Gases, das sich aus dem verdorbenen Roggen entwikelte. – Alles dieß sind Thatsachen, die nur wieder durch Thatsachen, keineswegs aber durch Phrasen, widerlegt werden können. D.

|89|

Ein anderes Beispiel dieser Art ist bei den Feldzügen Massena's in der Schweiz vorgekommen; man fand in mehreren Städten Magazine von Getreide, das auf diese Art aufbewahret worden war, und dessen vollkommen gesunder innerer Theil dazu diente, unserer Armee sehr gutes Brod zu liefern.

|90|

Noch ein anderer Einwurf könnte in der Folge erhoben werden, auf den schon im Voraus zu antworten zwekmäßig seyn möchte. Aber, wird man sagen, wenn man annimmt, daß das Gefäß, welches die Körner oder das Mehl einschließt, nicht vollkommen mit diesen Substanzen angefüllt sey, und dieser Fall könnte sich häufig ergeben, könnte die eingeschlossene Portion Luft nicht mehr oder weniger beträchliche Beschädigungen veranlassen? – Die durch die früher angeführten Versuche bestätigten Thatsachen antworten alle verneinend auf diese Frage. In der That muß, weil das Getreide, obgleich es mit einer größern specifischen Schwere als das Wasser versehen ist, nur 75 oder höchstens 80 Kilogramme das Hectoliter, und das Mehl gar nur 50 wiegt, während das Wasser 100 schwer ist, jedes gegebene Getreide-Maaß, wie voll es auch seyn mag, einen großen Theil seines Volumens, wenn es Getreide, und einen noch größeren, wenn es Mehl ist, Luft enthalten. Dieses Gas bleibt daher unschädlich, und eine unbestimmte Zeit hindurch in Berührung mit diesen Substanzen, ohne die geringste gegenseitige Einwirkung zu veranlassen. Es würde durchaus dasselbe seyn, wenn der obere Theil des Gefäßes, und zwar in einem beliebigen Verhältnisse seines Rauminhalts, Luft statt der Körner enthielte. Diese Wahrheit hat sich übrigens in dem vorliegenden Versuche bewährt gezeigt, was man jedoch ohnedieß voraus vermuthete. Die zur Aufnahme des Mehls bestimmten Gefäße enthielten, da sie vorher nicht abgeeicht wurden, alle mehr als ein Hectoliter Mehl, und da dasselbe plump hinein geschüttet wurde, so fand es sich zusammen gerüttelt, was einen Zwischenraum von wenigstens vier Fingern zwischen den Oberflächen der Dekel und des Mehles ließ, das nichts desto weniger vollkommen gut erhalten war: das Zusammenrütteln wurde noch durch die Beschwerlichkeit, die Gefäße in den Keller und wieder heraufzubringen, ziemlich verstärkt. Das Luftquantum wurde dadurch nicht vermehrt, sondern bloß ausgedehnt: auch entstand während der Oeffnung ein Luftstoß von außen nach innen um das Gleichgewicht wieder herzustellen, und der eingeschlossenen Luft gleiche Dichtigkeit mit der Atmosphäre zu geben. Die eingesperrte Luft wird demnach immer ganz unthätig seyn, in so fern man eine |91| genaue Schließung voraussezt; denn wenn man einen Fehler der metallenen Hülle an der Stelle annimmt, wo sie mit den Körnern nicht in Berührung steht, werden die allmähligen Ein- und Ausströmungen, die durch die Wirkung des Temperaturwechsels entstehen, die Zufälle herbei führen, die nur zu sehr bekannt sind, und die man deßhalb sorgfältig zu vermeiden sucht.

|91|

Waizenkorn guter Qualität von 1819.

|91|

Waizenkorn zweiter Qualität von 1819.

|91|

Interessant wäre, es gewesen, bei diesen Versuchen auch darauf Rüksicht zu nehmen, ob das Samenkorn bei der hermetischen, Jahre andauernden Verschließung auch seine Keimfähigkeit beibehalten habe oder nicht. Selbst bei einer bloß auf ökonomische Zweke berechneten Erfindung der Art wäre diese Frage nicht ganz gleichgültig gewesen.

A. d. Ueb.

|92|

Waizen guter Qualität von 1818.

|92|

Waizen zweiter Qualität von 1819.

|93|

Waizenkorn erster Qualität von 1819.

|94|

Bei weitem nicht das nämliche gleiche Verhältniß wurde zwischen dem Gewichte des zur Verfertigung der Kübel in die Proviant-Anstalt gebrachten Bleies und dessen Trümmern nach den Versuchen beobachtet, indem die Differenz wenigstens gegen 200 Kilogramme auf 1,600 betrug! Dieser unverhältnißmäßige Abgang mußte der Gegenstand einer gerichtlichen Untersuchung werden, die nicht lange dauerte, weil der Bleigießermeister, auf den einfachen Vorhalt der Thatsache, kein Bedenken trug zu erklären, daß der Abgang des Metalls wahrscheinlich nur in dem übel angewandten Vertrauen seinen Grund habe, das er seinen Arbeitern schenkte. Die Verwaltung der Proviant-Anstalt, wo alles Genauigkeit und Redlichkeit ist, wo diese Eigenschaft durch den würdigen Chef, der sie leitet, eingeflößt wird, hatte geglaubt, daß es, um das Quantum der zu diesen Arbeiten verwendeten Materialien zu bestimmen, hinreiche, das Gewicht des Bleies und der Lothung, bei deren Ablieferung, und das Gewicht des Restes, der zur Verarbeitung nicht gebraucht wurde, zu bemerken, leztere Quantität von der ersteren abzuziehen, und die Differenz als das Totalgewicht des verarbeiteten Metalls anzunehmen. Um aber auf diese Methode bauen zu können, hätte man Vorsichtsmaßregeln, die man nicht für nothwendig halten konnte, ergreifen, beständig die kleinste und herabwürdigendste Aussicht auf die Arbeiter ausüben, sie bei jedesmahligem Herausgehen, wie man es in den Münzstätten zu machen pflegt, durchsuchen, endlich sich mit ihnen, ohne Unterlaß, so benehmen müssen, wie es ihre Herren in den gewöhnlichen Werkstätten machen. Es ist freilich unangenehm, sich gezwungen zu sehen, die Immoralität einer ganzen Klasse von Arbeitern öffentlich zu bezeichnen, aber es ist, unter diesen Verhältnissen, unerläßliche Pflicht es zu thun, damit alle Menschen, die gezwungen sind, sich ihrer zu bedienen, im Stande sind, jener auszuweichen.

|97|

Damit sind wir mit dem Hrn. Berichterstatter nicht einverstanden, indem man mit eben der Sorgfalt das Blei, welches Blasen geworfen hat, vor dem Walzen beseitigen kann. Gerade durch das Walzen wird, das Blei dichter, und gegen Luft undurchdringlicher. D.

|100|

Der Herr Gras von Lasteyrie. A. d. Ueb.

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