Titel: Jean le Grand's, Verbesserung der gegohrenen Flüßigkeiten.
Autor: Grand, Jean
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. XX. (S. 57–58)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/ar016020

XX. Verbesserung „(oder vielmehr Vergiftung)“ der gegohrenen Flüßigkeiten und der verschiedenen daraus erhaltenen Producte, in Folge einer von einem im Auslande wohnenden Fremden ihm gemachter Mitheilung und eigener Entdekung: eine neue Erfindung für das Königreich („England“), worauf Jean le Grand, Essig-Fabrikant in Lemon-Street, Goodman's Fields, Middlesex, den 15. Jäner 1824 sich ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts and Sciences. Sept. 1824. S. 135.

Um jenen Weinen und Weinessigen, welche nicht aus Trauben erhalten werden21), die Eigenschaften eines Trauben-Weines |58| oder Essiges zu ertheilen, schlägt der Patent-Träger die Anwendung der Weinsteinsäure, Citronensäure und Sauerkleesäure 22) vor, welche er der gegohrnen Würze oder Flüßigkeit vor oder nach oder während der Essiggährung zuzusezen räth, und zwar entweder in krystallisirtem Zustande, oder in Wasser aufgelöst, oder mit Wasser verdünnt.

Diese Säuren können auch, entweder untereinander gemengt oder einzeln, allen Arten geistiger Flüßigkeit zugesezt werden, um dieselben durch Säuerung in einen Essig zu verwandeln, der dem Traubenessig ähnlich ist.

Eden diese vegetabilischen Säuren können einzeln oder mehrere zugleich der Essigsäure oder jeder Art von Essig zugesezt werden, um die Stärke derselben zu vermehren, oder denselben die Eigenschaften des Trauben- oder Frucht-Essiges zu ertheilen23).

|57|

In England gibt es eine Menge british Wine-Manufactures, die Seite Wein unseres Maßes, d.h. etwas, was für Wein verkauft wild, aber wahres Gift ist, für 8 Shill. verkaufen. A. d. Ueb.

|58|

Diese Weine werden aus einem Absud von Rosinen, Feigen, Zuker oder anderen Zuker enthaltenden Vegetabilien gewonnen. Dem Absud wird Weingeist, etwas dieser Säuren und Hefe zugesezt und in einem unverspundeten Faß an einem warmen Orte der weinigen Gährung ausgesezt, im übrigen hernach wie Traubenwein behandelt. Viele unserer Weinfabrikanten sind so unvorsichtig, daß sie zu diesem Kunstgetränk (das mit etwas Traubenwein vermischt wird) nicht entfuselten Branntwein nehmen, und da trifft sich oft, daß der Wein nach Branntwein schmekt. Wie sehr die Sauerkleesäure in Menge genossen, als Gift wirkt, weiß jeder Chemiker, nicht bloß jeder Arzt. Während des Aufenthaltes des Uebersezers in London starb ein Gentleman, der sich einen kühlenden Trank mit Sauerkleesalz bereiten wollte, an den Folgen dieses Labetrankes! A. d. Ueb.

|58|

Daß der Lordkanzler das königliche Siegel unter eine solche wahre Verfälschung der Lebensmittel, unter eine so schreiende Giftmischerei druken konnte, wird Niemanden befremden, der das Unwesen des Patent-Wesens in England kennt, und weiß, daß man, wie einst ein sehr achtbares Mitglied des Parliamentes sagte, von dem Lordkanzler für einige Shillings ein Patent erhalten kann, alle Unterthanen Sr. K. Majestät in die Luft zu sprengen oder in's Meer zu versenken. Daß aber der Redacteur des London Journals gegen eine solche Giftmischerei nicht seine Stimme erhebt, und dieselbe seinen armen Landsleuten sine lux et crux vorreitet, zeigt, wie wenig man in England die ersten Elemente der Hygiene und der medicinischen Polizei kennt. A. d. Ueb.

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