Titel: [Wie man die alkoholischen Producte aus verschiedenen Früchten einander ähnlich machen kann.]
Autor: Cadet-De-Vaux,
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. XXI. (S. 59–60)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/ar016021

XXI. Wie man die alkoholischen Producte aus verschiedenen Früchten einander ähnlich machen kann. Von Hrn. Cadet-De-Vaux.

Aus Baron Férussac's Bulletin des Sciences technologiques in Gill's technical Repository. Oct. 1824. S. 282.

Wenn man Früchte, die an Zukerstoff reich sind, der geistigen Gährung unterwirft, und destillirt, so erhält man ganz verschiedene Producte; alle diese Producte können jedoch einander beinahe ähnlich gemacht werden.

Als Beispiel will ich hier Kirschenwasser von der besten Sorte anführen.

Ich hatte in einem Jahre, wo die Pflaumen sehr gut geriethen, dieselben einem Gährungs-Processe unterworfen, und da ich den daraus erhaltenen Wein nicht verkaufen konnte, so destillirte ich denselben. Der Zwetschgen-Branntwein (Koetsch), den ich daraus erhielt, war indessen sehr schwach, und sowohl dem Geschmake als der Güte nach weit unter dem Kirschen-Wasser. Ich rectificirte diesen Zwetschgen-Branntwein mit Milch, und erhielt dadurch aus demselben das beste Kirschen Wasser.

Als ich die Milch in die Blase goß, gerann die Milch auf der Stelle, und der käsige Bestandtheil derselben zog alles flüchtige Oehl des Zwetschgen-Branntweines an sich. Die hierauf daraus abgezogene geistige Flüßigkeit machte das Wasser, wenn es demselben zugegossen wurde, nicht mehr, wie ehevor, weißlich; sie hatte allen unangenehmen Geschmak verloren, und ist, mit einem Worte, Kirschenwasser geworden24).

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Ich nahm etwas von diesem Kirschwasser mit mir nach Colmar, und zeigte es dem dortigen Präfecten, der es für ächtes Kirschwasser hielt, und dasselbe sehr gut fand. Nachdem ich ihn 8 Tage lang auf diesem Glauben ließ, entdekte ich ihm meinen gegen ihn verübten Betrug, und er fand dieses Verfahren, aus Zwetschgen-Branntwein Kirschenwasser zu bereiten, so wichtig für sein Departement, wo das Kirschen-Wasser vier Mahl theurer verkauft wird, als der Zwetschen-Branntwein, daß er dasselbe alsogleich den Bewohnern seines Departements durch den Druk bekannt machen ließ.

Heil den Departements, deren Präfecte Zöglinge unserer polytechnischen Schule sind; sie sind den Wissenschaften nicht fremd geblieben, und bemühen sich daher auch die Wohlthaten derselben überall zu verbreiten.

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Das Kirschenwasser erhält seinen charakteristischen Geschmak von dem innern Kerne der zerstampften Kirschensteine; die fleischigen Theile der Kirschen geben bloß den Weingeist. Mehrere andere Kerne, z.B. die der Pfirsische, bittern Mandeln u.m.a. geben reinem (entfuselten) |60| Weingeist gleichfalls den Geschmak der Kirschenkerne, was bei den Zwetschenkernen der gleiche Fall ist. Die Milch ist ein treffliches Entfuselungs-Mittel, mit dem die deutschen Liquör-Fabrikanten längst bekannt sind; ihre Wirkung ist bloß Einhüllung und Absonderung des Fuselöhls, das bei sehr vorsichtiger Feuerung zurük bleibt, keineswegs eine Umänderung des Zwetschenwasser in Kirschenwasser. Dasjenige Oehl, was dem Weingeist, den eigenthümlichen Körnergeschmak gibt, geht mit dem Weingeist über. D.

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