Titel: Unterricht über die Blizableiter.
Autor: Poisson,
Lefèvre-Gineau,
Girard,
Dulong,
Fresnel, Augustin Jean
Gay‐Lussac, Joseph Louis
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. XXXVII. (S. 145–178)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/ar016037

XXXVII. Unterricht über die Blizableiter, abgefaßt in Auftrag des Ministeriums des Inneren in Frankreich von einer Commission, bestehend aus den HHrn. Poisson, Lefèvre-Gineau, Girard, Dulong, Fresnel und Gay-Lussac, als Berichterstatter, und von der Académie royale des Sciences den 23 ten April 1823 gutgeheißen.

Aus den Annales de Chemie et de Physique. Julius-Heft. 1824. S. 258.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Die Unglüksfälle, welche vergangenes Jahr der Bliz, indem er mehrere Kirchen traf, herbeiführte, bestimmten S. C. den Minister des Inneren, den schon seit langer Zeit gemachten Vorschlag, diese Gebäude durch Blizableiter zu schüzen, ausführen zu lassen, und veranlaßte ihn die königl. Akademie der Wissenschaften einzuladen, einen Unterricht abzufassen, dessen Hauptzwek darin bestünde, die Arbeiter bei dem Baue und dem Sezen der Blizableiter zu leiten. Die Akademie beauftragte die Section der Physik mit der Abfassung dieses Unterrichtes, welchen leztere jezt der Akademie zur Gutheißung vorlegt.

Indem wir den Absichten Sr. Exc., so viel wir können, zu entsprechen suchen, glauben wir vorher in Kürze an die Grundsäze erinnern zu müssen, auf welchen die ganze Einrichtung der Blizableiter beruht, theils um diejenigen, denen die Aufsicht darüber ertheilt werden wird, hierüber aufzuklären, theils um diese Grundsäze selbst, weil sie nicht bekannt genug, und doch sehr nüzlich sind, zu verbreiten. Der Unterricht besteht daher aus zwei Theilen, aus einem theoretischen, und aus eitlem praktischen, welche jedoch Heide von einander |146| getrennt sind, und wovon man sich in jedem einzeln unterrichten kann.

Theoretischer Theil.

Grundsäze in Hinsicht auf die Wirkung des Blizes oder der elektrischen Materie und der Blizableiter.

Der Bliz ist eine plözliche Ausströmung der elektrischen Materie, womit eine Gewitterwolke beladen war, quer durch die Luft, in der Gestalt eines großen Lichtstreifens.

Die Schnelligkeit der Bewegung der elektrischen Materie ist ungeheuer; sie übertrifft weit jene einer Kanonenkugel, welche, wie man weiß, bei ihrem Austritte aus der Kanone, beiläufig 600 Meter (1,800 Fuß) in einer Secunde beträgt.

Die elektrische Materie durchdringt die Körper, und bewegt sich mit sehr ungleicher Schnelligkeit durch die Substanz derselben.

Den Namen Leiter (Conducteur) legt man jenen Körpern bei, welche die elektrische Materie leiten, oder durch die Theilchen, woraus sie bestehen, schnell in ihr Inneres eindringen lassen: dergleichen sind die calcinirte Kohle, das Wasser, die Pflanzen, die Thiere, die Erde, je nachdem sie mehr oder weniger Feuchtigkeit enthält, die Salzauflösungen, und vorzüglich die Metalle, welche in dieser Hinsicht alle übrigen Körper übertreffen. Ein Cylinder aus Eisen, z.B. leitet, in derselben Zeit, wenigstens 100 Millionen Mahl mehr elektrische Materie, als ein gleicher Cylinder aus reinem Wasser; und dieser beiläufig 1000 Mahl mehr, als ein mit Meersalz gesättigtes Wasser.

Jene Körper, welche die elektrische Materie nur schwer in ihre Theilchen eindringen lassen, und in welchen sich dieselbe nicht mit Leichtigkeit bewegen kann, werden Nicht-Leiter (non-conducteurs) oder isolirende Körper genannt; dergleichen sind das Glas, der Schwefel, die Harze, die Oehle, die Erde, die Steine, die Ziegel, wenn sie troken sind, die Luft und die luftförmigen Flüßigkeiten.

Unter den Leitern der Elektricität befindet sich jedoch keiner, der der Bewegung der elektrischen Materie nicht einigen Widerstand entgegensezte. Dieser Widerstand, welcher sich in |147| jedem Theile des Leiters wiederholt, nimmt mit der Lange desselben zu, und kann daher größer werden, als jener eines schlechteren, aber kürzeren, Leiters.

Die elektrische Materie erleidet auch mehr Widerstand in einem Leiter von kleinem Durchmesser, als in einem von einem größeren: man kann die Unvollkommenheit der Leitungsfähigkeit in den Leitern dadurch ersezen, daß man den Durchmesser derselben gehörig vergrößert, die Länge aber verkürzt. Der beste Leiter für die elektrische Materie ist jener, welcher derselben, im Ganzen, weniger Widerstand leistet, und welchen sie mit der größten Schnelligkeit durchläuft.

Die Grundtheilchen der elektrischen Materie besizen eine zurükstoßende Kraft, welcher zu Folge sie einander zu fliehen, und sich in dem Raume zu verbreiten streben. Sie haben gar keine Verwandtschaft zu den Körpern; sie werfen sich ganz auf die Oberfläche derselben, wo sie eine sehr dünne Schichte bilden, welche nach außen durch die Oberfläche der Körper selbst begränzt ist; sie werden nur durch den Druk der Luft auf der Oberfläche der Körper zurükgehalten, und üben gegen diesen ebenfalls einen Druk aus, welcher an jedem Puncte mit dem Quadrate ihrer Zahl im Verhältnisse sieht. Wird dieser leztere Druk größer, als der erste, so entweicht die elektrische Materie in die Luft, entweder als ein unsichtbarer Strom oder in der Form eines Lichtstreifens, welchen man elektrischen Funken nennt.

Die unter der Oberfläche eines Leiters gebildete Schichte elektrischer Materie enthält nicht an jedem Puncte der Oberfläche dieselbe Zahl von Grundtheilchen, oder ist nicht gleichmäßig dicht, ausgenommen an der Kugel; an einer Umdrehungs-Ellipsoide ist diese Dichtheit an dem Ende der großen Achse größer, als an dem Aequator, und zwar im Verhältnisse der großen Achse zur kleinen; an der Spize eines Kegels ist sie unendlich. Im Allgemeinen ist, an jedem Körper von irgend einer bestimmten Form, die Dichtheit der elektrischen Materie, oder ihr Druk auf die Luft an den spizigen, oder sehr gekrümmten Theilen größer, als an den flachen und wenig gerundeten.

Die elektrische Materie trachtet immer sich in den Leitern zu verbreiten, und sich in denselben in's Gleichgewicht zu sezen; |148| sie vertheilt sich unter dieselben nach ihrer Form, und vorzüglich nach der Größe ihrer Oberfläche. Daraus erhellt, daß, wenn man einen mit derselben beladenen Körper mit der ungeheuren Oberfläche der Erde in Verbindung bringt, derselbe einen kaum merklichen Theil davon an sich behalten wird. Ei ist also, um einen Leiter seiner elektrischen Materie zu berauben, hinreichend, wenn man denselben mit einem feuchten Boden in Verbindung sezt.

Wenn man, um die elektrische Materie eines Körpers in die Erde zu leiten, derselben verschiedene Leiter darbiethet, von welchen der eine vollkommner ist, als der andere, so wird sie immer den ersteren vorziehen; sind die Leiter aber nicht sehr verschieden, so theilt sie sich unter alle, und zwar in dem Verhältnisse, als sie mehr oder weniger davon aufzunehmen im Stande sind.

Ein Blizableiter ist ein Leiter, welchen die elektrische Materie des Blizes allen ihn umgebenden Theilen vorzieht, um sich auf die Erde zu begeben, und sich in derselben zu verbreiten; gewöhnlich besteht er aus einer Eisenstange, welche auf den Gebäuden, die er schüzen soll, errichtet wird, und sich, ohne irgend eine Unterbrechung, bis in das Wasser oder in den feuchten Boden fortpflanzt. Diese äußerst innige Verbindung des Blizableiters mit dem Boden ist unumgänglich nothwendig, wenn er die elektrische Materie des Blizes in demselben Verhältnisse an den Boden abgeben soll, in welchem er sie erhält, und wenn er die ihn umgebenden Gegenstande vor den Angriffen des Blizes schüzen soll. Es ist bekannt, daß der auf die Oberfläche der Erde gelangte Bliz daselbst keinen hinlänglichen Leiter findet, und daß er solange in dieselbe eindringt, bis er eine hinlängliche große Unzahl von Canälen gefunden hat, um ganz zu verlaufen. Er läßt sogar öfters auf mehr als Meter (30 Fuß) Tiefe sichtbare Spuren seines Durchganges. Es geschieht auch, daß, wenn der Blizableiter in seiner Continuität irgendwo unterbrochen ist, oder wenn er nicht vollkommen genau mit einem feuchten Boden in Verbindung steht, der Bliz, nachdem er denselben getroffen hat, ihn verläßt, um auf einen anderen benachbarten Körper überzugehen, oder daß er sich wenigstens zertheilt, um schneller in den Boden zu gelangen.

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Der erste Umstand ereignete sich vor einigen Jahren in der Umgegend von Paris. Es bildete sich zufällig in dem Leiter eines Blizableiters eines Hauses ein Zwischenraum von beiläufig 55 Centimeter (20 Zoll), und der Bliz durchdrang, nachdem er die Stange des Blizableiters getroffen hatte, das Dach, und begab sich auf eine Rinne von Eisenblech.

Die HHrn. Rittenhouse und Hopkinson erzählen im 4ten Bande der American Philosophical transactions ein merkwürdiges Beispiel für den zweiten Fall, oder den Nachtheil, welcher daraus entsteht, daß man keine vollkommene Communication zwischen dem Blizableiter und dem Boden herstellt. Der Bliz hatte einen Blizableiter getroffen, denn die Spize desselben war tief geschmolzen, und es war, der Besichtigung des Bodens zu Folge, erwiesen, daß ein Theil vermittelst des Leiters bis in den Boden drang; allein der andere Theil, welcher nicht schnell genug auf demselben Wege auf den Boden gelangen konnte, zerstörte das Dach, und begab sich von der Stange des Blizableiters auf eine kupferne Dachrinne, deren Lauf er verfolgte, und welche, da sie eben voll Wasser war, das Ausströmen desselben auf den Boden sehr begünstigte.

Ehe der Bliz ausbricht, bringt die Gewitterwolke, durch Ihren Einfluß, alle, unter ihr, auf der Oberfläche der Erde befindlichen Gegenstände aus ihrem natürlichen Zustande; sie zieht auf den äußeren Theil derselben die ihrer Natur entgegengesezte Elektricität heraus, und stößt die von gleicher Natur in das Innere des Bodens zurük. Jeder Körper befindet sich also in einem Zustande von elektrischer Anschwellung, und wird, von seiner Seite, wieder ein Mittelpunkt der Anziehung, zu welchem der Bliz zu gelangen sucht; durch diesen Mittelpunkt geht das Resultat dieser besonderen Anziehungen, welches er schlägt, wenn er fällt.

Damit nun aber die elektrische Materie, welche durch den Einfluß der elektrischen Materie einer Gewitterwolke auf einem Körper hervorgebracht wird, und damit folglich auch ihre Anziehungskraft schnell auf den höchsten Grad gebracht wird, ist es unumgänglich nothwendig, daß dieser Körper ein guter Leiter, und vollkommen mit einem feuchten Boden in Verbindung sey.

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Die in den, auf der Oberfläche der Erde befindlichen Körpern, durch den Einfluß der Gewitterwolke entwikelte elektrische Materie häuft sich nach und nach in denselben an, und zwar in dem Verhältnisse, als sich die Wolke ihrem Zenithe nähert, und vermindert sich ebenfalls in dem Verhältnisse, als sie sich davon entfernt. Ein Mensch, welcher z.B. einer dieser Körper wäre, würde, bei dieser allmähligen Veränderung der elektrischen Materie, keine besondere Empfindung wahrnehmen, obgleich er stark elektrisirt seyn könnte; wenn sich aber die Wolke augenbliklich entladen würde, so könnte er, ohne vom Blize getroffen zu werden, durch den plözlichen Rüktritt seiner elektrischen Materie in den Boden, eine sehr lebhafte Erschütterung erleiden, welche vielleicht stark genug wäre, um ihn zu tödten.

In dem Augenblike, wo ein Gegenstand auf dem Puncte steht, vom Blize geschlagen zu werden, ist er, wenn er in vollkommner Verbindung mit einem feuchten Boden steht, so sehr elektrisirt, daß feine elektrische Materie jener der Wolke entgegeneilen, und einen Theil des Weges zwischen der Wolke und dem Gegenstande machen kann. Dieß veranlaßte wahrscheinlich einige Leute, welche diese Beobachtungen gemacht zu haben glauben, zu der Meinung, daß der Bliz, statt vom Himmel auf die Erde herab zu fallen, sich zuweilen von der Erde gegen den Himmel erhebe. Was nun immer an dieser Meinung, welche übrigens nicht erörtert zu werden verdient, seyn mag, so bleibt die Theorie, und die Wirksamkeit der Blizableiter in jedem Falle doch dieselbe.

An einem Blizableiter, welcher vollkommen mit dem Boden in Verbindung steht, und sich, statt zugerundet zu seyn, in eine sehr spizige Spize endet, kann sich an der Spize die elektrische Materie, unter dem Einfluße einer Gewitterwolke, so anhäufen, daß sie durch den Druk der tust nicht mehr daselbst zurüfgehalten werden kann, und daher in einem beständigen Strome entweicht, welcher in der Dunkelheit zuweilen durch einen, an der Spize befindlichen, leuchtenden Büschel sichtbar |151| wird, und welcher gewiß einen Theil der elektrischen Materie der Gewitterwolke neutralisiren muß.72)

Die Anziehung, welche die elektrische Materie, die in einem, in eine Spize sich endenden, Blizableiter enthalten ist, auf jene der Wolke ausübt, wird jedoch nicht größer seyn, als wenn derselbe an seinem Ende zugerundet wäre; sie wird sogar ehe schwächer seyn; wenn aber das Ausströmen der elektrischen Materie an der Spize sehr schnell werden kann, so wird der Bliz ehe zwischen der Gewitterwolke und dem Blizableiter ausfahren, und zwar in einer größeren Entfernung, als wenn dieser an seinem Ende zugerundet wäre; zu diesem Schluße führen wenigstens die elektrischen Erfahrungen.

Die vortheilhafteste Form für einen Blizableiter scheint also offenbar die eines sehr spizigen Kegels zu seyn. Unter übrigens ganz gleichen Umständen ist die Wirksamkeit eines Blizableiters um so größer, je höher er sich in die Luft erhebt.

Bei den berühmten Versuchen des Hrn. de Romas, Präsidial-Assessors zu Nèrac, und bei den neueren Versuchen des Hrn. Charles, welche darin bestanden, unter einer Gewittere Wolke einen Drachen 2–300 Meter hoch steigen zu lassen, brachte die Schnur des Drachens, in welche ein Metalldraht eingesponnen war, und welche sich in. eine Seidenschnur endigte, einen so beträchtlichen Strom von elektrischer Materie auf die Oberfläche der Erde, daß er darüber erschrak, und daß es unklug gewesen wäre, sich denselben auszusezen73): da nun die |152| Wirkung eines Blizableiters auf die elektrische Materie einer Gewitterwolke, bis auf die Starke, dieselbe ist, wie jene eines Drachen, so wird seine Wirksamkeit, nicht bloß um die ihn umgebenden Gegenstände vor dem Bilze zu schüzen, sondern auch um die elektrische Materie aus der Gewitterwolke zu ziehen, und sie zu paralisiren, um so größer seyn, je höher er sich in die Luft erheben wird.

Die Entfernung, auf welche ein Blizableiter seine Wirkung mit Kraft ausdehnt, ist nicht bekannt, und hängt übrigens auch von vielen Umständen ab, welche schwer zu würdigen sind; allein, seitdem man Gebäude mit denselben bewaffnet hat, haben uns mehrere Beobachtungen gelehrt, daß Theile dieser Gebäude, welche mehr als 3–4 Mahl soweit von der Stange des Blizableiters entfernt waren, als diese lang warf, |153| vom Blize getroffen wurden. Man glaubt, und dieß war auch die Meinung des Herrn Charles, der sich viel mit diesem Gegenstande beschäftigte, daß nämlich ein Wetterableiter einen Raum, der mit einem Durchmesser, welcher der doppelten Höhe desselben gleich ist, beschrieben wird, gegen allen Blizschaden sicher vertheidigen kann. Nach dieser Regel richtet man auch die Blizableitet auf.

Wenn die elektrische Materie von einem Körper auf den anderen über, und durch einen hinlänglichen Leiter durchgeht, so gibt sie diesen Durchgang durch kein auffallendes Zeichen zu erkennen; wenn sie aber durch die Luft fährt, oder durch irgend einen anderen nicht leitenden Körper, so trennt sie die Theile von einander, und zerreißt sie; sie erscheint dann als Lichtstrahl, und läßt ein mehr oder minder bedeutendes Geräusch |154| hören. Da der leere Raum, welchen sie bildet, indem sie die Luft aus einander treibt, sich nicht mit eben jener grossen Geschwindigkeit schließt, mit welcher die elektrische Materie sich bewegt, so hat diese Zeit die entferntesten Theile der Leiter zu verlassen, um sich in diesen Raum zu stürzen, der selbst ein Leiter ist, und durch denselben zu entweichen. Aus diesem Grunde entladet ein Leiter sich durch die Luft eben so gut, wenn es einen Funken gibt, als durch die augenblikliche Berührung eines Leiters in Berührung mit dem Boden.

Ein elektrischer Strom, mit oder ohne Licht-Entbindung, ist immer mit Wärme verbunden, deren Intensität von jener des Stromes abhängt. Diese Hize reicht hin, um einen hinlänglich dünnen Metall-Draht glühen, oder schmelzen zu machen, und denselben zu zerstäuben; sie erhöht aber kaum die Temperatur einer Metall-Stange, weil die Masse derselben zu |155| groß ist. Durch die dem elektrischen Strome eigene Hize, so wie durch jene, welche sich aus der von dem Blize aus ihrer Stelle vertriebenen Luft entwikelt, sezt der Bliz so oft die von ihm getroffenen Gebäude in Brand.

Man hat noch kein Beispiel, daß der Bliz eine Eisenstange von 13 bis 14 Millimeter (6 Linien) im Gevierte, oder einen Cylinder von diesem Durchmesser, geschmolzen, oder auch nur rothglühend gemacht hätte75). Um einen Wetterableiter zu errichten, wird es also hinreichen, eine Eisenstange von diesem Durchmesser zu nehmen. Da aber die Stange desselben sich |156| auf eine Höhe von 5 bis 10 Meter (15 bis 30 Fuß) in die Luft erheben muß, so würde sie bei einer solchen Dike nicht Stärke genug an ihrer Basis besizen, um dem Winde zu widerstehen, und man muß derselben an dieser Stelle eine weit grössere Dike geben.

Was den Leiter an dem Blizableiter betrifft, so ist eine Eisenstange von 16 bis 20 Millimeter (7 bis 9 Linien) im Gevierte hinreichend. Man kann denselben sogar dünner nehmen, und sich bloß eines Metall-Drahtes bedienen, wenn derselbe nur dort, wo er auf die Oberfläche der Erde gelangt, mit einer Metall-Stange von 10 bis 13 Millimeter (5 bis 6 Linien) im Gevierte, die in Wasser oder in einen feuchten Boden eintaucht, in Verbindung gebracht ist. Der Draht selbst würde allerdings sicher vom Blize zerstäubt werden; allein er würde demselben seine Richtung bis in die Erde angewiesen und ihn gehindert haben, sich über die in der Nähe befindlichen Körper zu verbreiten. Es ist übrigens immer besser, dem Leiter eine solche Dike zu geben, daß er von dem Blize nimmermehr zerstört werden kann, und wir schlugen nur deßwegen einen Metall-Draht zu demselben vor, um die Kosten bei Errichtung der Blizableiter zu vermindern, und dieselben selbst für minder Bemittelte anwendbar zu machen.

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Das Krachen des Blizes verursacht gewöhnlich großen Schreken, und doch ist die Gefahr bereits vorüber, wenn man dasselbe hört; selbst dann ist die Gefahr, getroffen zu werden, schon vorüber, wann man den Bliz gesehen hat; denn derjenige, der vom Blize getroffen werden mußte, hörte und sah nichts mehr von dem Schlage, der ihn traf. Das Krachen (oder Donnern) folgt immer erst auf den Bliz, und zwischen dem Erscheinen des Blizes und dem darauf folgenden Donner verlaufen soviele Secunden, als der Ort, wo der Bliz geschlagen hat, von dem Orte, wo man sich befindet, vielmahl 340 Meter (174,5 Tolsen) weit entfernt ist.

Der Bliz schlügt öfters auf einzeln stehende Bäume, indem diese sich auf eine bedeutende Höhe in die Luft erheben, und mit ihren Wurzeln tief in die Erde eindringen, also wahre Blizableiter sind: allein ihr Schuz ist denjenigen, die ihn unter denselben suchten, so oft schon tödtlich geworden. Denn die Bäume lassen den Bliz nicht schnell genug durch sich in die Erde fahren, und sie sind schlechtere Leiter als Menschen und Thiere76). Wenn der Bliz durch sie bis zu ihren Wurzeln gelangt, vertheilt er sich daselbst unter die Leiter, die er findet, oder überspringt auch in der Eile seines Ausströmens einige derselben. Man sah ihn öfters alle Thiere tödten, die sich unter einen Baum geflüchtet hatten, und zuweilen auch nur eines derselben77). Auch das Wasser ist ein schlechterer Leiter, als die Thiere, wahrscheinlich im Verhältnisse der |158| Salze, welche die thierischen Säfte in sich führen, und man kann Thiere unter Wasser vom Blize erschlagen lassen.

Ein Blizableiter hingegen ist, wo er anders mir der Erde in vollkommener Verbindung steht, ein sicherer Schuz gegen den Bliz; der Bliz wird denselben nie verlassen, um einen in der Nähe desselben befindlichen Menschen zu schlagen: indessen ist es, bei der Gefahr, daß eine Unterbrechung an demselben, oder die Verbindung mit der Erde nicht vollkommen seyn könnte, klüger, sich von demselben entfernt zu halten.

Auf dem Lande und selbst in den Städten läutet man bei Annäherung des Gewitters öfters die Gloken, um, wie man sagt, das Gewitter zu zertheilen; man sucht sich selbst in Kirchen und Thürmen vor dem Blize zu retten: allein diese Gewohnheit hat, wie man aus Erfahrung weiß, öfters die traurigsten Folgen. Es ist gewiß, daß der Bliz öfters in jene Thürme schlägt, in welchen man läutet, als in jene, in welche man nicht läutet78), und in dem ersteren Falle sind vorzüglich die Menschen, welche läuten, der größten Gefahr ausgesezt, von dem Blize getroffen zu werden, wegen der Seile, die sie in den Händen halten, und die den Bliz auf sie hin leiten können. Auch die Kirchen sind ein nicht viel sicherer Zufluchtsort, als die Thürme, theils weil diese, nachdem sie den Bliz wegen ihrer Höhe auf sich hergeleitet haben, denselben nicht immer in die Erde leiten können, und daher die Kirchen |159| selbst der Wirkung desselben bloß stellen, theils weil viele in der Kirche versammelte Leute einen starken Leiter bilden, auf welchen der Bliz sich lieber, als auf andere Gegenstände, wirft. Die Klugheit befiehlt demnach, so lange Thürme und Kirchen nicht durch Blizableiter geschüzt sind, sich während eines Gewitters nicht in denselben zu versammeln, und, um nur ein auffallendes Beispiel der Gefahr anzuführen, welche bei Versammlungen in Kirchen während eines Hochgewitters Statt hat, wollen wir unsere Leser an den Bericht der Unglüksfälle erinnern, welche den 11 ten Julius 1819 zu Chateauneuf-les Moustiers sich durch das Einschlagen des Blizes ereigneten, und die Hr. Frencalye, General-Vicar zu Digne, der Academie roy des Sciences in einem Schreiben erzählte. Dieser Bericht findet sich in den Annales, T. XII. p. 354 79).

Man weiß, daß, wenn der Bliz in ein Haus fährt, er sich vorzüglich auf die Schornsteine zu werfen pflegt, theils weil diese gewöhnlich die höchsten Theile an einem Hause sind, theils weil sie mit Ruß ausgekleidet sind, welcher ein besserer Leiter ist, als das trokene Holz, und Bau- oder Baksteine. Die Nachbarschaft eines Schornsteines ist folglich in irgend einer Abtheilung des Gebäudes am wenigsten sicher vor dem Blize; es ist besser sich in einer den Fenstern gegenüber befindlichen Eke, entfernt von allem bedeutenden Eisengeräthe, aufzuhalten.

Die Wirkungen des Blizes gehören unter die mannigfaltigsten und, dem Anscheine nach, sonderbarsten; sie lassen sich jedoch alle leicht durch gewisse allgemeine Thatsachen erklären, deren Zusammenstellung hier von einigem Nuzen seyn kann.

Der Bliz, oder, was dasselbe ist, die elektrische Materie besizt, in Folge der Zurükstossungskraft ihrer Grundtheilchen, eine mechanische Kraft, welche stark genug ist, dieselbe den Widerstand der atmosphärischen Luft und der Flüßigkeiten überwinden zu lassen, und die nicht leitenden festen Körper zu spalten oder zu zertrümmern.

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Der Bliz wählt immer den besten Leiter, wo die elektrische Materie leicht ausströmen kann, z.B., durch eine Metall-Stange, bringt sie keine merkliche Veränderung an dem Leiter hervor. Wenn der Leiter nicht Leitungskraft genug besizt, wie z.B. ein Metalldraht, so zerstäubt sie denselben in Dampfform, zerplazt in der Luft, und bildet sich einen leeren Raum, den sie mit Leichtigkeit durchläuft. Wenn der vom Blize getroffene Körper kein Leiter, oder nur ein unvollkommener Leiter ist, oder wenn er der Trennung seiner Theile einen bedeutenden Widerstand entgegensezt, so schlägt der Bliz zwischen der Luft und der Oberfläche dieses Körpers, welche er auf seinem Durchgange mehr oder minder tief beschädigen wird. Man sieht daher öfters Leute vom Blize getroffen, ohne daß sie davon getödtet wurden, weil der Bliz auf ihren Körpern hingleitet, ohne tief in denselben einzudringen80). Einige bleiben durch Bedekung ihres Körpers mit Seide, wodurch sie vollkommen isolirt werden, und die elektrische Materie von dem Eindringen abgehalten wird, vor dem Blize vollkommen gesichert.

Wenn der Bliz aus der Luft auf ein Metall schlagt, und umgekehrt aus dem Metalle auf die Luft, so wird dadurch öfters eine Schmelzung des Metalles ander Stelle, wo der Bliz eintrat, oder heraustrat, veranlaßt, indem die Wirkung daselbst, da die elektrische Materie durch den Druk der Luft angehäuft wird, verstärkt wird. Aus diesem Grunde bemerkt man zuweilen Spuren von Schmelzung an den Kanten, Grathen, und selbst an den Flächen diker metallischer Leiter an jenen Stellen, wo der Leiter unterbrochen ist, und wo der Bliz schlägt.

Wenn der Bliz von einem Leiter dort, wo dieser aufhört Leiter zu seyn, abfährt, und in einen nicht leitenden Körper dringt, so zerschmettert er gewöhnlich den lezteren, und bereitet sich einen leeren Raum, durch welchen er mit Leichtigkeit fährt. Auf diese Weise fallen die in einer Mauer eingemauerten Metall-Stüke |161| heraus, nachdem der Bliz sie ihrer Stüze beraubte, und werden von der Luft, die den leeren Raum ausfüllt, den er zurükließ, und die dadurch in Bewegung geräth, hinausgeschläudert.

Wenn Theile der metallischen Leiter durch ein, wenig oder gar nicht leitendes, Mittel unterbrochen werden, besucht der Bliz nach und nach alle diese Theile, die auf seinem Wege liegen, und die seinem Ausströmen den mindesten Widerstand in den Weg sezen, indem er, nach und nach, von jedem dieser Theile angezogen wird. Er ist unsichtbar an den Theilen der metallischen Leiter, wird aber sichtbar, insofern er von dem einen auf den anderen schlägt, und bildet einen Lichtstreifen, der ununterbrochen scheinen wird, wenn die Unterbrechungen der Leiter sich in einem gehörigen Verhältnisse gegen ihre Längen befinden.

Der Bliz ist immer mit Wärme verbunden; er macht metallische Leiter von kleinem Durchmesser glühend, schmilzt sie, und verflüchtigt sie; Metall-Stangen von 12–20 Millimeter (5 bis 9 Linien) im Gevierte haben aber nichts Aehnliches zu befahren. Es wäre also unklug, sich sehr dünner Leiter zu bedienen, wenn man den Bliz durch entzündbare Körper leiten wollte; man muß sich vielmehr hinlänglich diker Leiter bedienen, damit sie sich nicht stark erwärmen.

Durch die Wärme, die dem Blize eigen ist, und durch die Wärme, die sich aus der Luft entwikelt, oder aus den Körpern, welche er durchfährt, indem er die Theilchen derselben zurükschlägt, entzündet er alle Körper, welche einer schnellen Entzündung fähig sind, wie Heu, Stroh, Baumwolle etc. Seltener werden dichtere Körper von demselben entzündet, wie Holz, außer wenn dieses wurmstichig ist, er mag nun dieselben zerreißen, oder über ihre Oberfläche hingleiten, weil die Wirkung desselben zu augenbliklich ist. Aus diesem Grunde läßt es sich begreifen, warum der Bliz leichte Kleider entzündet, die Haare absengt, und doch auf dem Körper desjenigen, über dessen Oberfläche er weggleitete, oft nicht die geringste Spur oder Empfindung einer Verbrennung zurükläßt. Aus |162| einer ähnlichen Ursache verdampft er öfters die Vergoldung an einem vergoldeten Holzgeräthe, ohne das Holz selbst anzuzünden.

Der Bliz tödtet die Thiere, theils indem er die Organe und das Gefäß-System verlezt, theils indem er das Nerven-System lähmt; die Fäulniß geht an Thieren, welche vom Blize getroffen sind, sehr schnell von Statten: übrigens aber so, wie an allen eines plözlichen Todes gestorbenen Thieren. Das Gerinnen der Milch81) und das Verderben des Fleisches, welches zur Zeit, wo Gewitter am Himmel stehen, weit leichter geschieht, als zu anderen, scheint eines Theiles der höheren Temperatur zuzuschreiben zu seyn, die dann herrscht, und anderen Theiles den elektrischen Strömungen, welchen die Körper ausgesezt sind, die, wie man weiß, die Zersezungen sehr begünstigen.

Praktischer Theil.

Detail bei der Aufrichtung der Bliz-Ableiter.

Ein Blizableiter ist eine Metall-Stange, ABCDEF, (Tab. III. Fig. 1.), die, sich über ein Gebäude erhebt, und von demselben, ohne irgend eine Unterbrechung, bis in das Wasser eines Brunnens, oder in eine feuchte Erde herabsteigt. Den senkrechten Theil, BA, welcher sich über das Dach in die Luft erhebt, nennt man Stange; und jenen Theil, BCDEF, welcher von dem unteren Theile, B, derselben bis auf die Erde herabsteigt, den Leiter.

Von der Stange.

Die Stange ist eine vierekige Eisenstange, BA, welche sich an ihrer Spize verdünnt, und eine Pyramide bildet. Auf eine Höhe von 7 bis 9 Meter (21 bis 27 Fuß), die gewöhnliche Höhe einer solchen Stange auf einem großen Gebäude, rechnet man 54 bis 60 Millimeter (24 bis 26 Linien) im Gevierte für die Basis derselben. Man würde ihr daselbst 63 Millimeter |163| (28 Linien) Dike geben, wenn sie sich auf 10 Meter (30 Fuß) erheben müßte.82)

Da das Eisen, der Luft und dem Wasser ausgesezt, sehr leicht rostig wird, so würde die Spize sich sehr bald abstumpfen. Um diesem Nachtheile abzuhelfen, schneidet man von dem Ende der Stange, AB, (Fig. 2) eine Länge, AH, von ungefähr 55 Centimeter (20 Zoll) ab, und bringt an der Stelle derselben eine kleine, kegelförmige, messingene Stange an, die an ihrem Ende vergoldet ist, oder sich in eine kleine Platinna-Nadel, AG von 5 Centimetern (2 Zoll) Länge endet83). Die Platinna-Nadel wird, mit gewöhnlichem Silberlothe auf die Messingstange aufgelöthet, und, damit sie nicht von derselben los werden kann, was zuweilen ungeachtet aller Löthung geschieht, verstärkt man die Befestigung mittelst eines kleinen kupfernen Stiefels, wie Fig. 3 denselben zeigt. Die kupferne Stange vereinigt sich mit der eisernen mittelst einer Doppelschraube, eines Schraubenzapfens, der sich in beide einschraubt; dieser Zapfen wird zuerst in der kupfernen Stange mittelst zweier unter einem rechten Winkel eingelassener Nieten befestigt, und dann in die eiserne Stange eingeschraubt, in welcher er wieder mittelst eines Nietes befestigt wird (Siehe C in Fig. 4). Man kann ohne allen Nachtheil die Platinna weglassen, und statt derselben sich mit der kegelförmigen, messingenen Stange begnügen, und, wenn es allenfalls die Orts-Verhältnisse nicht erlaubten, so braucht auch diese nicht vergoldet zu seyn. Das Kupfer wird durch die Luft nicht tief unter seiner Oberfläche verändert, und, wenn man auch annimmt, daß seine Spize nach und nach stumpfer wird, so verliert der Ableiter darum doch nichts an seiner Wirksamkeit.

Da eine Stange von der oben angegebenen Größe schwer von einem Orte auf den anderen zu bringen ist, so schneidet |164| man sie in zwei Theile, AI, und, IB, (Fig. 2) ungefähr bei einem Drittel oder zwei Fünfteln ihrer Länge, von der Basis an gerechnet, ab. Der obere Theil, AD, (Fig. 4) fielt sich genau, mittelst eines pyramidenförmigen Zapfens, DF, von 19–20 Centimeter (7 bis 8 Zoll) in den unteren Theil, EB, ein, und ein Niet hindert das Auseinanderweichen dieser beiden Theile. Man muß indessen so viel möglich trachten die Stange nur aus einem Stüke zu verfertigen, indem sie dann desto stärker ist84).

An der Basis der Stange, ungefähr 8 Centimeter (3 Zoll) vom Dache, ist ein Aufsaz, (MN), Fig. 4 auf dem Körper der Stange selbst aufgeschweißt; er dient das Regenwasser, welches längs der Stange herabrinnt, abzuleiten, und zu hindern, daß es nicht in das Innere des Gebäudes einsikert, und das Holz des Daches faulen macht85).

Unmittelbar über diesem Aufsaze wird die Stange auf eine Streke von ungefähr 5 Centimeter (2 Zoll) rund, um ein Halsband, welches sich mittelst eines Gewindes öffnet, O, aufzunehmen. Dieses Halsband ist mit zwei Ohren versehen, zwischen welchen man das eine Ende des Leiters des Blizableiters mittelst eines Bolzens einspannt, P, unter der Stange, zeigt dieses Halsband im Grundrisse. Statt dieses Halsbandes kann man auch einen vierekigen Bügel, Q, anbringen, der die Stange dicht umschließt, und den Fig. 5, Q, im senkrechten Aufrisse, Fig. 6, R, im Grundrisse darstellt, zugleich mit der Art, wie er mit dem Leiter verbunden ist. Man kann auch noch, zur Ersparung |165| der Arbeit, einen Zapfen, T, (Fig. 7), statt des Halsbandes anschweißen, dabei aber Acht geben, daß die Stange an diesem Theile, wo sie am meisten Widerstand zu leisten hat, nicht geschwächt wird: das Halsband oder der Bügel ist daher vorzuziehen.

Die Stange des Leiters wird auf dem Dache nach Umständen angebracht. Wenn sie auf einem Schlußbalken, B, Fig. 7 und 8, befestigt werden soll, bohrt man ein Loch in das Holz, in welches man den unteren Theil der Stange einsezt, und mittelst mehrerer Zäume an demselben, wie die Figur zeigt, befestigt. Diese Art, die Stange einzusezen, ist sehr dauerhaft, und muß, wo es die Ortsverhältnisse erlauben, jeder anderen vorgezogen werden.

Wenn man die Stange auf dem Balten in A aufsezen muß (Fig. 8), so macht man ein vierekiges Loch in demselben von der Größe des unteren Theiles der Stange, und befestigt oben und unten mit vier Bolzen, oder mit zwei gebolzten Bügeln, welche den Balken umfassen und schnüren, zwei Eisenplatten, die ungefähr 2 Centimer (9 Linien) dik sind, und deren jede ein Loch hat, welches mit dem in dem Holze angebrachten Loche correspondirt. Die Stange stüzt sich mittelst eines kleinen Aufsazes auf die obere Platte, gegen welche man sie mittelst einer Schraubenmutter, die sich auf dem Ende der Stange gegen die untere Platte aufschraubt, drükt: Fig. 9 zeigt eine dieser Platten im Grundrisse. Könnte man sich aber auf den Verbindungs-Balken, CD, stüzen (Fig. 8), so müßte man an die Stange zwei Ohren anschweißen, welche die oberen und die Seitenflächen des Hauptbalkens umfassen, und bis zu dem Verbindungs-Balken herabsteigen, auf welchem man sie mittelst des Bolzens, E, befestigt.

Müßte der Blizableiter auf einem Gewölbe aufgestellt werden, so könnte man denselben in drei oder vier Füße oder Gegenhälter auslaufen lassen, die man, wie gewöhnlich, mit Blei in das Mauerwerk einläßt.

Von dem Leiter des Blizableiters.

Der Leiter des Blizableiters ist, wie gesagt, eine eiserne Stange, BCDEF, (Fig. 1) oder B'C'D'E'F', welche von dem |166| Fuße der Stange ausläuft, und sich in die Erde begibt. Man gibt dieser Stange 15 bis 20 Millimeter (7 bis 8 Linien) im Gevierte; 15 Millimeter (7 Linien) sind aber wirklich hinreichend. Man verbindet diesen Leiter mit der Stange gehörig, indem man ihn mittelst des Bolzens zwischen den Ohren des Halsbandes, O, Fig. 4, einspannt; oder man läßt ihn in eine Gabel, M, (Fig. 6) sich enden, welche das Schwanzstük, N, des Bügels umfaßt, und bolzt dann die beiden Stüke zusammen.

Da der Leiter nicht aus einem einzigen Stüke bestehen kann, so verbindet man mehrere Stangen an ihren Enden mit einander. Die beste Weise, wie dieses geschehen kann, ist in Fig. 10 dargestellt. Er wird mittelst gabelförmiger Stüzen 12 bis 15 Centimeter (5 bis 6 Zoll) hoch über dem Dache, parallel mit demselben, getragen, und damit das Wasser nicht an dem unteren Ende dieser Stüzen in das Gebäude eindringt, gibt man denselben folgende Gestalt.

Statt sich in eine Spize zu enden, sind sie mit einem Fuße versehen, Fig. 11. 12, welcher von einer dünnen, 25 Centimeter langen und 4 breiten, Platte, an deren Ende die Stange der gabelförmigen Stüze unter einem rechten Winkel mit der Platte aufsteigt (Fig. 11), oder unter einem Winkel, welchen das Dach mit der Senkrechten bildet (Fig. 12). Der Fuß schiebt sich unter die Dachziegel oder Schieferplatten ein; zu größerer Sicherheit nimmt man aber auch, statt des Dachziegels oder statt der Schieferplatte, auf welche der Fuß zu liegen käme, eine Bleiplatte, und nagelt diese und den Fuß der Stüze auf eine Unterlage auf. Der Leiter selbst wird mittelst eines eingenieteten Stiftes in jeder Gabel fest gehalten, und diese Gabelstüzen stehen ungefähr 3 Meter weit von einander.

Nachdem der Leiter sich unter das Gesimse des Gebäudes (Fig. 1) hereingebogen hat, ohne dasselbe zu berühren, legt er sich an die Mauer, an welcher er bis in die Erde hinabsteigen muß, und woran er mittelst Haken fest gehalten wird, die man zwischen den Steinen befestigt oder eingelassen hat. Nachdem der Leiter bis auf D oder D' auf die Erde herabgekommen ist, biegt er sich in derselben, 50 bis 55 Centimeter |167| (18 bis 20 Zoll) unter der Oberfläche, in einer auf die Mauer senkrechten Richtung DE oder D'E', und verlängert sich in dieser neuen. Richtung 4 bis 5 Meter weit (12 bis 15 Fuß), und senkt sich dann in einen Brunnen, EF, oder in eine Grube, E'F', die 4 bis 5 Meter (12 bis 15 Fuß) tief (wenn man nicht früher auf Wasser kommt, wo man dann nicht so tief graben dürfte) in die Erde gegraben ist.

Das in die Erde eingegrabene Eisen, welches mit Erde und Feuchtigkeit in Berührung kommt, bedekt sich mit Rost, welcher nach und nach bis in die Mitte desselben eindringt, und es endlich zerstört. Man vermeidet dieses Verderbniß, indem man den Leiter in einer Rinne, DE, und, D'E', laufen läßt, die mit Kohlen ausgefüllt, und in Fig. 13 in größerem Maßstabe vorgestellt ist. Man baut diese Rinne auf folgende Weise.

Nachdem man in die Erde einen Graben von 55 bis 60 Centimeter Tiefe gezogen hat, legt man eine Reihe von Ziegeln flach auf den Boden desselben, und stellt an den Rändern dieser Ziegel zu beiden Seiten eine Reihe anderer Ziegel auf ihren Kanten auf. Auf die auf dem Boden dieses Grabens flach gelegten Ziegel schüttet man eine Lage Kohlen (Bäker-Lösch, braise de boulanger) 3 bis 4 Centimeter (1 bis 1 1/2 Zoll) hoch auf, legt den Leiter DE auf dieselbe, und füllt die Rinne weiter mit Kohle aus, worauf man sie mit einer Reihe flach gelegter Ziegel schließt. Man kann diese Rinne auch aus Dachziegeln, Steinen oder aus Holz verfertigen. Man weiß aus Erfahrung, daß Eisen, auf diese Weise von Kohlen umgeben, dreißig Jahre lang sich gut erhält. Die Kohle gewährt aber nicht bloß den Vortheil, das Eisen unter der Erde vor Rost zu bewahren, sondern sie erleichtert auch, insofern sie, nachdem sie ausgeglüht wurde (weßwegen man Bäker-Lösch empfahl) die elektrische Materie sehr gut leitet, das Ausströmen des Blizes in die Erde.

Der Leiter dringt, wie er aus der Rinne heraustritt, durch die Mauer des Brunnens, in welchen er hinabsteigen muß, und senkt sich in das Wasser wenigstens 65 Centimeter (2 Fuß) tief bei dem niedrigsten Wasserstande. Um das Ausströmen der elektrischen Materie aus dem Leiter in das Wasser zu begünstigen, läßt man das Ende desselben gewöhnlich in zwei bis drei Wurzeln auslaufen. Wenn der Brunnen sich innerhalb des |168| Gebäudes befindet, so durchbohrt man das Gemäuer des lezteren unter der Erde, und leitet durch diese angebrachtete Oeffnung den Leiter nach dem Brunnen durch.

Wo kein Brunnen, in welchen man den Leiter des Wetter-Ableiters hinableiten könnte, vorhanden ist, gräbt man mit einem Erdbohrer von 13 bis 16 Centimeter (5 bis 6 Zoll) im Durchmesser ein 3 bis 5 Meter (9 bis 15 Fuß) tiefes Loch, und läßt den Leiter in dasselbe mit der Vorsicht hinab, daß er überall von der Wand dieses Loches, welches man mit obigem Bäkerlösch rings um die Stange ausfüllt, gleich weit entfernt ist: man drükt die Löschkohlen so fest, als möglich, ein. Wenn man aber bei Errichtung eines Blizableiters keine Kosten scheut, so rathen wir eine weitere Grube, E'F', Fig. 1, wenigstens 5 Meter tief auszugraben: es sey dann, man träfe früher auf Wasser; das Ende des Leiters in mehrere Wurzeln auslaufen zu lassen; dieselben, wenn sie nicht in Wasser tauchen, mit Kohlen zu umhüllen, und selbst den Leiter mittelst eines hölzernen Gehäuses mit Kohlen zu umgeben.

In einem trokenen Boden, wie z.B. in einem Felsen, gibt man dem Spalte, der zur Aufnahme des Leiters bestimmt ist, wenigstens zwei Mahl so viel Länge als in gewöhnlichem Boden, und selbst noch mehr, wenn es möglich wäre dadurch in einen feuchten Grund zu gelangen. Wenn die Ortsverhältnisse es nicht gestatten, dem Spalte mehr Länge zu geben, so bringt man Querspalte an, wie in A (Fig. 17. 18 auf Tab. II.), und legt in diese kleine, mit Kohlen umgebene, Eisenstangen ein, die man mit dem Leiter in Verbindung sezt. In jedem Falle muß das Ende des lezteren in ein weites Loch sich senken, sich daselbst in mehrere Wurzeln vertheilen, und mit Lösch oder mit ausgeglühter Kohle bedekt werden.

Ueberhaupt muß man auch in dem feuchtesten Orte um das Gebäude Graben für die Leiter der Blizableiter ziehen, dieselben daher an den niedrigsten Orten anbringen, und nach denjenigen Stellen leiten, wo das Regenwasser Pfüzen bildet; damit sie immer feucht bleiben. Man kann nicht sorgfältig genug seyn, um dem Blize ein leichtes Ausströmen in die Erde zu verschaffen; denn davon hängt die Wirksamkeit der Bliz-Ableiter vorzüglich ab.

|169|

Da die Eisenstangen, welche den Leiter bilden, wegen ihrer Steifheit einige Schwierigkeit darbiethen, wenn sie den Umrissen des Gebäudes sich anschmiegen sollen, so gerieth man auf die Idee, sie durch Metall-Strike zu ersezen, welche, abgesehen von ihrer Biegsamkeit, auch noch den Vortheil besizen, die Absäze zu vermeiden, und dadurch die Möglichkeit einer Aufhebung der Stätigkeit zu vermindern. Man vereinigt 15 Eisendrahte zu einer Lize, und bildet aus vier solchen Lizen den Strik, welcher dann 16 bis 13 Millimeter (7 bis 8 Linien) im Durchschnitte erhält. Damit der Strik nicht durch Luft und Nässe leidet, wird jede Lize einzeln getheert, und der hieraus gebildete Strik eben so sorgfältig mit Theer überzogen86). Man befestigt den Strik an der Stange des Blizableiters auf dieselbe Weise, wie der Leiter, als Stange, an derselben befestigt wird; d.h. man kneipt den Strik mittelst eines Bolzens stark zwischen den Ohren des Halsbandes, B, (Fig. 15) ein, welche etwas hohl und innenwendig mit einigen Spizen versehen sind, um den Strik besser umfassen und halten zu können. Die Stüzen auf dem Dache, welche diesen metallenen Strik tragen, enden sich, statt in eine Gabel, in einen Ring, O, Fig. 12, durch welchen dieser Strik läuft. Nachdem er bis auf zwei Meter (6 Fuß) über der Erde herabgekommen ist, verbindet man denselben mit einer Eisenstange von 15 bis 25 Millimeter (6 bis 9 Linien) im Gevierte, welche das Ende dieses Leiters bildet, wie man an C, (Fig. 16) sieht; denn dieser Strik würde in der Erde bald durch Rost zerstört seyn. Man versichert, daß Metallstrike, welche ans obige Weise gebildet wurden, während dreißig Jahren keine Veränderung erlitten haben. Da es indessen unbestreitbar ist, daß gehörig verbundene Eisenstangen weit weniger zerstörbar sind, so rathen wir, wo es nur immer möglich ist, dieselben den Metall-Striken vorzuziehen. Sollten Ortsverhältnisse die lezteren durchaus nothwendig machen, so könnte man Kupfer- oder Messingdraht hierzu verwenden, der weit weniger zerstörbar ist, und der, da er zugleich ein besserer Leiter ist, nur Strike von 16 Millimetern (16 Linien) im |170| Durchmesser nöthig machen würde. Vorzüglich auf Thürmen sind Metall-Strike sehr brauchbar, weil sie sich leicht anbringen lassen.

Wenn ein Gebäude, auf welches man Blizableiter sezt, etwas bedeutendere Metall-Massen in oder auf sich führt, z.B. Bleiplatten, welche das Dachwerk bedeken, metallene Dachrinnen, lange eiserne Stangen zur größeren Befestigung irgend eines Theiles des Gebäudes, so wird es nöthig seyn, alle diese Theile mit dem Leiter des Blizableiters zu verbinden: es reichen aber in diesem Falle Eisenstangen von 8 Millimeter (3 Linien) im Gevierte zu, oder ein Eisendraht von demselben Durchmesser. Wenn diese Verbindung der Metalle nicht Statt hätte, und der Leiter dadurch einige Unterbrechung erlitte, oder nicht freie Verbindung mit der Erde hätte, so wäre es möglich, daß der Bliz den Blizableiter niederschmetterte, und sich auf die Metall-Massen würfe. Mehrere Unfälle haben bereits aus dieser Ursache Statt gehabt, und wir haben im Anfange dieses Unterrichtes zwei Beispiele hiervon ausgeführt87).

Blizableiter auf Kirchen.

Der Blizableiter, über dessen Errichtung wir hier im Detail gesprochen haben, und den man als Vorbild hier aufgestellt hat, läßt sich auf alle Arten von Gebäuden, auf Thürme, Kuppeln, Kirchenthürme und Kirchen mit sehr leichten Abänderungen anwenden.

Auf einem Thurme muß die Stange des Blizableiters 5–8 Meter (15 bis 24 Fuß), nach dem Umfange der Platform88), hoch seyn: 5 Meter sind für die kleinsten, 8 für die größten hinreichend.

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Da die Kuppeln und die Kirchtürme gewöhnlich hoch über die, benachbarten Gegenstände emporragen, so hat ein Blizableiter auf ihrer Spize einen großen Vortheil voraus, und zieht weit her den Bliz an, darf daher auch, um sie zu schüzen, nicht so hoch seyn, als auf niedrigen Gebäuden, die ein sehr weit ausgedehntes Dach haben. Ueberdieß ist es auf der anderen Seite unmöglich, Stangen von 7 bis 8 Meter (21 bis 24 Fuß) auf Kirchtürmen und Kuppeln ohne sehr bedeutende Ausgaben gehörig zu befestigen, und man muß schon aus diesem Grunde allein hier Verzicht auf Stangen von dieser Länge thun. Wir rathen demnach auf diese Gebäude, vorzüglich auf solche, deren Spize sehr schwer zugängig ist, nur sehr dünne Stangen von 1 bis 2 Meter (3 bis 6 Fuß) über dem Kreuze, in welches sie sich gewöhnlich enden, anzubringen. Da diese Stangen dann sehr leicht sind, so wird es auch leicht, sie an der Spize des Kreuzes gehörig zu befestigen, ohne daß die Figur des lezteren dabei litte, und ohne daß die Bewegung der Windfahne, die das Kreuz gewöhnlich darstellt, dadurch erschwert würde.

Es scheint uns selbst, daß, sobald man nur einige Schwierigkeiten bei Errichtung dieser Stangen auf einer Kuppel oder auf einem Kirchthurme finden sollte, man die Stangen gänzlich weglassen kann. Es ist, um diese Gebäude vor dem Blize zu schüzen, genug, wenn man, wie in dem Falle, wo man eine Stange an dem Kreuze anbringen könnte, eine innige Verbindung zwischen dem Fuße des Kreuzes und der Erde veranstaltet. Diese Vorrichtung, die sehr wenig kostet, und doch zugleich die größte Sicherheit gewährt, wird immer für die Thürme kleiner Pfarrgemeinden auf dem Lande sehr vortheilhaft seyn. Fig. 23 stellt einen Kirchthurm mit einem Blizableiter ohne Stange vor, dessen Kreuz mittelst eines |172| von dem Fuße desselben auslaufenden Leiters in Verbindung mit der Erde sieht. Fig. 24 zeigt einen Kirchthurm mit einer Stange auf dem Kreuze.

Wenn eine Kirche durch ihren Blizableiter am Thurme nicht geschüzt ist. so wird es nöthig seyn, sie mit Stangen von 5 bis 8 Meter (15 bis 24 Fuß) Höhe zu versehen, so wie wir dieselben für abgeplattete Gebäude angegeben haben89).

Blizableiter für Pulver-Magazine und Pulver-Mühlen.

Die Einrichtung der Blizableiter für Pulver-Magazine und für Pulver-Mühlen weicht nicht wesentlich von derjenigen ab, die wir als Vorbild eines Blizableiters für jedes Gebäude gegeben haben; nur muß man hier die Aufmerksamkeit verdoppeln, um auch die mindeste Unterbrechung des Leiters zu vermeiden, und keine Kosten sparen, um zwischen der Stange des Wetterableiters und der Erde die vollkommenste Verbindung herzustellen. Da jede Unterbrechung des Zusammenhanges einen Funken gibt, so würde der Pulverstaub, der überall herumfliegt, und sich überall, sowohl innen, als außen an dem Gebäude absezt, sich leicht entzünden, und seine Flamme dem Pulver selbst mittheilen können. Aus diesem Grunde ist es daher sehr klug gethan, wenn man die Stangen nicht unmittelbar auf den Gebäuden selbst anbringt, sondern auf Masten, die 2 bis 3 Meter weit davon entfernt sind (Fig. 26. Tab. II.). Es ist genug, wenn man der Stange selbst 2 Meter Lange gibt; die Maste müssen aber hoch seyn, um mit ihrer Stange wenigstens 4 bis 5 Meter über das Gebäude emporzuragen. Man wird auch sehr gut thun, wenn man die Blizableiter hier mehr als irgend anderswo vermehrt: denn hier sind Unglüksfälle am verderblichsten. Wenn das Pulver-Magazin sehr hoch, z.B. ein Thurm wäre, so würden sich nicht leicht Maste anbringen lassen, |173| und zu kostbar werden, wenn man sie fest genug machen soll. Man muß in diesem Falle sich begnügen, das Gebäude mit einem doppelten Leiter, ABC, (Fig. 27) ohne Stange zu versehen, und man kann denselben aus Kupfer verfertigen. Dieser Leiter, dessen Einfluß sich nicht über das Gebäude hinaus erstrekt, kann den Bliz nicht aus der Ferne herziehen, gewährt aber doch den Vortheil, das Gebäude vor den Verheerungen desselben zu schüzen, wenn es davon getroffen wird, so daß selbst diejenigen, welche die Blizableiter verwerfen, weil sie glauben, daß diese es sind, welche den Bliz in ein Haus einschlagen machen, in das er sonst nie geschlagen hätte, keinen gegründeten Einwurf gegen die hier getroffene Vorkehrung zu machen im Stande sind. Auf dieselbe Weise kann man auch ein gewöhnliches Magazin, oder irgend ein anderes Gebäude mit Blizableitern versehen (Fig. 28). In Ermanglung von Blizableitern schüzen hohe Bäume, in einer Entfernung von 5 bis 6 Meter von den Wänden der Gebäude gepflanzt, dieselben hinlänglich gegen das Einschlagen des Blizes.

Blizableiter für Schiffe.

Auf einem Schiffe (Fig. 29) ist die Stange des Blizableiters bloß ein Stük Kupfer, AC, (Fig. 4. Tab. 1), wie dasselbe dort an dem Vorbilde eines Blizableiters beschrieben wurde. Diese Stange ist auf einer runden Eisenstange, CB, (Fig. 30) aufgeschraubt, welche in das Ende, I, der Spize des Topmastes eingezapft ist, und eine Windfahne trägt. Eine an dem untersten Theile dieser Stange mit ihr verbundene Eisenstange, MQ, läuft längst der Spize des Mastes herab, und endet sich in einen Haken oder in einen Ring, Q, an, oder in welchem der Leiter des Wetterableiters befestigt ist, der hier ein Metall-Strik ist. Dieser wird stellenweise an einem Tauwerke, gg, (Fig. 29) festgehalten, und nachdem er in einem Ringe, b, welcher an der Ruste, (dem Segel-Spanner, parte-hauban) befestigt ist, durchgelaufen ist, vereinigt er sich mit einer Metall-Stange, oder mit einer Metall-Platte, welche mit dem Kupferbeschlage des Schiffes in Verbindung steht. Auf Fahrzeugen, die nicht sehr lange sind, bringt man gewöhnlich nur einen Blizableiter auf dem höchsten Maste an; auf |174| anderen errichtet man gewöhnlich einen zweiten auf dem hintersten Maste (Fockmaste, Misaine). Fig. 29 stellt den einen wie den anderen dieser Maste dar; indem der Blizableiter auf beiden auf dieselbe Weise angebracht sind.

Allgemeine Anordnung der Blizableiter auf einem Gebäude.

Man nimmt, allen Erfahrungen zu Folge, an, daß die Stange eines Blizableiters einen Umfang um sich her, welcher mit einem Halbmesser von der doppelten Länge derselben beschrieben ist, hinlänglich zu beschüzen vermag. Nach dieser Regel würde demnach ein Gebäude von 20 Meter (60 Fuß) Länge oder Gevierte, um geschüzt zu seyn, nur eine einzige Stange von 5–6 Meter (15 bis 18 Fuß) Höhe nöthig haben, wenn diese in der Mitte desselben (Fig. 14 und 17) errichtet ist. In Fig. 17 ist der Leiter ein Metall-Strik.

Nach derselben Regel würde ein Gebäude von 40 Meter (120 Fuß) durch eine Stange von 10 Meter (30 Fuß) hinlänglich geschüzt seyn, und man errichtet wirklich solche Bliz-Ableiter. Es wäre indessen besser, statt einer einzigen Stange zwei derselben von 5 bis 6 Meter (15 bis 18 Fuß), zu errichten, und diese so zu stellen, daß der Raum um sie her überall gleich vertheilt ist. Dieß könnte dadurch geschehen, daß man jede 10 Meter (30 Fuß) weit von dem Ende des Gebäudes errichtet, und folglich jede 20 Meter (60 Fuß) weit von der anderen (Fig. 18). Eben diese Regel befolgt man bei drei und bei noch mehreren Blizableitern.

Die Blizableiter auf Thürmen und Kirchtürmen müssen allerdings, wegen ihrer bedeutenden Erhöhung, eine größere Wirkungs-Sphäre besizen, und mehr in die Ferne wirken, als wenn sie minder erhöht stünden: allein, erstrekt sich diese Wirkung, wie man dieß bei Stangen von 5 bis 10 Metern angenommen hat, auch auf eine Entfernung, die der doppelten Höhe ihrer Spize über den Gegenständen, über welche sie emporragen, gleich ist? Es ist möglich, daß sie sich selbst noch weiter erstrekt; allein, da wir hierüber durch die Erfahrung bisher nichts wissen, so erfordert es die Klugheit, auch die Kirchen mit Blizableitern auszustatten, und anzunehmen, daß der Blizableiter auf dem Thurme nicht im Stande ist, einen |175| Umfang hinlänglich zu beschüzen, der als Kreis mit einem Halbmesser, welcher der doppelten Höhe des Thurmes über dem Dache der Kirche gleich ist, beschrieben wird. Wenn also der Blizableiter eines Kirchthurmes sich 30 Meter über das Dach einer Kirche erhebt, so wird er dasselbe nicht 30 Meter weit von seiner Achse zu schüzen vermögen; und wäre das Dach noch länger, so würde es nothwendig, Blizableiter auf demselben so anzubringen, wie wir es für weniger erhöhte Gebäude angeordnet haben.

Allgemeine Anordnung der Leiter der Wetterableiter.

Obschon wir bereits viel über die Nothwendigkeit der Bedingung, eine ununterbrochene Verbindung zwischen der Stange des Wetterableiters und der Erde herzustellen, gesprochen haben, so zwingt uns die Wichtigkeit derselben hier noch ein Mahl daran zu erinnern. Sie ist in der That von der Art, daß, wenn man sie vernachläßigte, die Blizableiter nicht nur viel von ihrer Wirksamkeit verlieren, sondern selbst gefährlich werden könnten, indem sie den Bliz an sich zögen, und doch nicht im Stande wären, ihn in die Erde zu leiten. Die übrigen Bedingungen, von welchen wir hier noch sprechen müssen, sind allerdings weniger wesentlich als diese leztere; sie verdienen aber nicht minder berüksichtigt zu werden.

Man muß immer den Bliz von der Stange des Blizableiters auf dem kürzesten Wege nach der Erde gelangen lassen.

Nach diesem Grundsaze wird man, wo man zwei Blizableiter auf einem Gebäude errichtet, welche nur einen gemeinschaftlichen Leiter erhalten, was in der That zureichend ist, die beiden Theile dieses Leiters, welche noch jeder einzelnen Stange besonders angehören, oben an dem Dache in einem Puncte sich vereinigen lassen, welcher von jeder dieser Stangen gleich weit entfernt ist. Von diesem Puncte aus wird dann eine eiserne Stange von derselben Dimension, wie bei einem einzelnen Bliz-Ableiter, hinreichen, und beiden als gemeinschaftlicher Leiter dienen. (Siehe Fig. 13 und 19.)

Wenn drei Blizableiter auf einem Gebäude stehen, so ist es klüger, denselben zwei Leiter zu geben. (Fig. 20). Ueberhaupt fordert jedes Paar Blizableiter seinen besonderen Leiter.

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Die Zahl der Blizableiter auf einem Gebäude mag, was immer für eine seyn, so kann man sie alle wechselseitig dadurch für einander haften machen, daß man zwischen dem untersten Theile der Stange eines jeden mittelst Eisenstangen von gleichem Durchmesser mit ihren Leitern eine vollkommene Verbindung herstellt. (Siehe Fig. 20, 21, 22.)

Wenn die Ortsverhältnisse es gestatten, so wird man die Leiter der Blizableiter auf jener Seite eines Gebäudes anbringen, von welcher die Gewitter an diesem Orte am häufigsten herzukommen pflegen. Diese Seite wird dann auch am meisten vom Regen durchnäßt, und dadurch ein, wenn gleich unvollkommner Leiter, und zwar in dem Verhältnisse der nassen Wasser-Schichte, die sie bedekt. Wenn der Leiter des Blizableiters nicht in der innigsten Verbindung mit der Erde stünde, so wäre es möglich, daß der Bliz denselben verließe, und sich auf die durchnäßte Wand würfe. Ein anderer Grund hierfür ist auch noch dieser, daß die Richtung des Blizes durch jenen des Regens bestimmt werden kann, und daß noch überdieß die nasse Wand, als Leiter, den Bliz vorzugsweise vor dem Blizableiter auf sich hinführen kann. Diese Bemerkung ist vorzüglich bei Kirchtürmen wichtig, und muß hier nothwendig berüksichtigt werden.

Beobachtungen über die Wirksamkeit der Blizableiter.

Eine fünfzigjährige Erfahrung über die Wirksamkeit der Blizableiter beweiset, daß, wenn sie mit der gehörigen Sorgfalt aufgerichtet wurden, sie die Gebäude, auf welchen sie sich befinden, gegen den Bliz schüzen. In den vereinigten Staaten von Nord-Amerika, wo die Gewitter viel häufiger und viel schreklicher sind, als bei uns, ist der Gebrauch derselben allgemein und Nationalsitte geworden; eine ungeheure Menge von Gebäuden wurde dort vom Blize getroffen, und man weiß kaum zwei, die dadurch nicht vollkommen gegen die Verheerungen desselben geschüzt worden wären. Die ganze Welt weiß, daß jene Theile eines Gebäudes, welche von Metall sind, vorzüglich vom Blize getroffen werden, und diese Thatsache allein schon beweiset die Wirksamkeit der Blizableiter, welche nichts anderes als Metall-Stangen sind, die nach unseren bisherigen theoretischen |177| und praktischen Kenntnissen über Elektricität; auf die vortheilhafteste Weise vorgerichtet werden. Die Furcht, daß der Bliz auf Gebäude, welche mit Blizableitern versehen sind, häufiger fällt, ist nicht gegründet; denn die Wirksamkeit derselben erstrekt sich auf eine zu geringe Entfernung, als daß man glauben könnte, sie würden den Bliz einer Wolke bestimmen, sich dorthin zu wenden, wo sie aufgestellt sind. Es scheint vielmehr, in Folge der Beobachtung, gewiß, daß Gebäude, welche mit Blizableitern versehen sind, nicht öfter, als vorher, vom Blize getroffen werden, wo sie deren noch keine hatten. Ueberdieß würde die Eigenschaft eines Blizableiters, den Bliz häufiger anzuziehen, auch die Eigenschaft in demselben voraussezen, den Bliz der Erde mit Leichtigkeit mitzutheilen, und dann würde, hierdurch, durchaus kein Nachtheil für die Sicherheit der Gebäude entstehen.

Wir haben den Gebrauch spiziger Enden an den Blizableitern empfohlen, indem sie vor den an ihren Enden zugerundeten Blizableitern den Vortheil voraus haben, unter dem Einfluße der Gewitterwolke, ununterbrochen einen Strom elektrischer Materie von entgegengesezter Beschaffenheit im Vergleiche mit derjenigen, die in der Wolke enthalten ist, in die Luft auszuströmen. Dieser Strom muß höchst wahrscheinlich nach der Wolke hin sich richten, und diese zum Theile neutralisiren. Dieser Vortheil ist durchaus nicht zu vernachläßigen; denn man braucht nur das Vermögen der Spizen, und die Versuche von Charles und de Romas mit einem fliegenden Drachen unter einer Gewitterwolke zu kennen, um sich zu überzeugen, daß Blizableiter mit einer Spize, wenn sie mehr vervielfältigt und auf höher gelegenen Orten angebracht wären, die elektrische Materie in den Wolken und das häufige Niederschlagen der Blize auf die Oberfläche der Erde wesentlich vermindern müßten.

Wenn indessen auch die Spize eines Blizableiters durch den Bliz, oder aus was immer für einer Ursache abgestumpft worden wäre, muß man nicht glauben, daß derselbe, darob, auch seine Kraft das Gebäude zu schüzen, auf welchem er sich befindet, |178| und das er sichern soll, verloren hat. Dr. Rittenhouse erzählt, daß, nachdem er öfters mit einem trefflichen Reflexions-Teleskope die Spizen der Blizableiter zu Philadelphia, (wo Blizableiter sehr häufig sind) untersuchte, und nach denselben sah, er viele getroffen hat, die gänzlich geschmolzen sind, obschon er nie gehört hat, daß die Häuser, auf welchen sie sich befinden, seit der Schmelzung derselben vom Blize getroffen wurden. Dieß würde aber bei einigen derselben, wenigstens während einer gewissen Zeit gewiß geschehen seyn, wenn ihre Blizableiter aufgehört hätten, ihre Schuldigkeit zu thun; denn man weiß aus einer Menge von Beobachtungen, daß, wenn der Bliz einmahl an irgend einem Orte eingeschlagen hat, er nicht selten wieder an demselben Orte einschlägt.

Um den Nuzen, den man von Errichtung der Blizableiter ziehen kann, so viel möglich zu vervielfältigen, und die Erfahrung, die man an einzelnen Orten machen kann, für das allgemeine Beste zu benüzen, wünschen wir, daß Se. Exc. der Minister des Inneren, nachdem sie die Ausführung einer schon lange geforderten Maßregel befohlen hat, deren Nüzlichkeit sie selbst fühlt, die Orts. Obrigkeiten einladet, ihr treulich alle Aufklärungen über Blizschläge auf Gebäude, welche mit Bliz-Ableitern versehen sind, zu verschaffen. Diese Berichte können die Quelle wichtiger Verbesserungen werden, und dazu beitragen, daß, indem sie die Vortheile eines so einfachen und sicheren Vorbeugungs-Mittels bekannt machen, dasselbe auch mehr allgemein eingeführt wird90)

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Diese elektrischen Feuer zeigen sich auch an anderen Körpern, nicht bloß an Blizableitern. Sie erscheinen auf dem Meere auf den Schiffen häufiger, als auf der Erde, und sind dort unter dem Namen St. Elme's-Feuer, Castor und Pollux etc. bekannt. Bei sehr heftigen Gewittern, sah man sie zuweilen an einem Ende der großen Rahstange, in Gestalt einer feurigen Junge, die stark knisterte, und von Zeit zu Zeit Schläge, wie Petarden, hören ließ.

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Der Versuch des Hrn. de Romas, ist so wunderbar, und so interessant in Hinsicht auf den Beweis der Wirksamkeit der Blizableiter, daß wir ihn erzählen zu müssen glauben.

„Der Drache war 7 1/2 Fuß hoch und 3 Fuß breit. Die Schnur war ein Bindfaden von Hanf, in welchem ein Eisendraht eingesponnen war; an diese Schnur befestigte Hr. de Romas eine trokene |152| Seidenschnur, und sezte durch eine besondere Zurichtung seines Apparates den Beobachter in den Stand, alle Versuche, die er zwekmäßig fand, ohne irgend eine Gefahr für seine Person, anstellen zu können.

Mittelst dieses Drachen zog er den 7ten Junius, 1753, gegen 1 Uhr Nachmittags, nachdem sich derselbe an einer Schnur von 780 Fuß Länge, unter einem Winkel von beiläufig 45 Graden mit dem Horizonte, 550 Fuß hoch über die Erde erhoben hatte, aus seinem Leiter Funken von 3 Zoll Länge und 3 Zoll Dike, deren Knistern man bei 200 Schritte weit hörte. Beim Ausziehen dieser Funken hatte er die Empfindung, wie wenn Spinnengewebe über seinem Gesichte wären, obwohl er über 3 Fuß weit von der Schnur des Drachen entfernt war; er glaubte daher, daß er nicht mehr mit Sicherheit so nahe bleiben könnte, und hieß alle, die sich in der Nähe befanden, sich zurükzuziehen, und entfernte sich selbst beiläufig um 2 Fuß.

„Da er sich nun in Sicherheit glaubte, und Niemanden mehr um sich hatte, so richtete er seine Aufmerksamkeit auf das, was in den Wolken vorging, die sich unmittelbar über dem Drachen befanden; allein er bemerkte nirgendwo Blize, und auch nicht das geringste Geräusch von Donner; es fiel auch gar kein Regen. Der Wind, der aus Westen blies, und ziemlich stark war, erhob den Drachen wenigstens um 100 Fuß höher, als er vorher stand.“

„Als Hr. de Romas hierauf die Augen auf die, 3 Fuß über der Erde an die Schnur des Drachen befestigte Röhre von Eisenblech richtete, sah er 3 Strohhalme, von welchen einer beiläufig einen Fuß, der zweite 4–5 Zoll, und der dritte 3–4 Zoll lang war, |153| sich ganz gerade in die Hohe erheben, und, wie Marionnetten, keilförmig unter der Röhre von Eisenblech herumtanzen, ohne sich untereinander zu berühren. Dieses kleine Schauspiel, welches mehrere Personen der Gesellschaft sehr ergözte, dauerte beinahe 1/4 Stunde, worauf dann ewige Tropfen Regen fielen; er hatte übrigens noch immer die Empfindung von Spinnengewebe auf dem Gesichte, und vernahm zugleich ein beständiges Geräusche, welches dem eines kleinen Schmiede-Blasbalges ähnlich war. Dreß war ein neuer Beweis von der Zunahme der Elektricität, und gleich im ersten Augenblicke, wo Hr. de Romas die Strohhalme hüpfen sah, wagte er, bei allen seinen Vorsichtsmaßregeln, nicht mehr Funken auszuziehen, und bath die Zuschauer neuerdings sich etwas zu entfernen.“

„Gleich darauf erfolgte die dritte Scene, welche Hrn. de Romas, wie er versicherte, zittern machte. Der längste der Strohhalme wurde von der Röhre aus Eisenblech angezogen, worauf drei Explosionenfolgten, deren Geräusch jenem des Donners sehr ähnlich war. Einer aus der Gesellschaft verglich es mit der Explosion der Raketen, andere mit dem Schmettern eines großen irdenen Topfes, der sich aus dem Pflaster zerschlägt. Gewiß hörte man es mitten in dir Stadt, ungeachtet des Lärmes, der dort immer Statt hat.“

„Das Feuer, welches man bei der Explosion bemerkte, hatte die Gestalt einer Rakete von 8 Zoll Länge und 5 Linien im Durchmesser; der sonderbarste und unterhaltendste Umstand aber war, daß der Strohhalm, welcher die Explosion verursacht hatte, die Schnur des Drachen erfolgte. Jemand aus der Gesellschaft sah ihn, in der Entfernung von 45–50 Faden, abwechselnd angezogen und abgestoßen |154| werden, mit dem besonderen Umstande, daß man jedes Mahl, so oft er von der Schnur angezogen wurde, Feuerblize sah, und ein Krachen hörte, welche beide jedoch viel schwächer waren, als bei der ersten Explosion.“

„Es ist zu bemerken, daß man von dieser Explosion an, bis au das Ende der Versuche, gar keinen Bliz sah, und kaum Donnern hörte. Man roch Schwefelgeruch, welcher dem der elektrischen Feuer-Ströme, die von dem Ende einer elektrisirten Metallstange ausgehen, sehr nahe kam. Um die Schnur bemerkte man einen leuchtenden Cylinder von 3–4 Zoll im Durchmesser; und da dieß am Tage war, so zweifelte Hr. von Romas nicht, daß, bei der Nacht, diese elektrische Materie 4–5 Fuß im Durchmesser gehabt haben würde. Nach Beendigung der Versuche entdekte man in dem Boden, genau unter der Röhre von Eisenblech, ein Loch von großer Tiefe, und 1/2 Zoll Breite, welches wahrscheinlich von den heftigen Schlägen herrührte, die die Explosionen begleiteten.“

„Diese merkwürdigen Versuche endigten mit dem Herabfallen des Drachen, indem der Wind plözlich von Osten kam, und ein heftiger, mit Hagel gemischter, Regen fiel. Als der Drache herabfiel, blieb die Schnur an einem Balken hängen, und wurde kaum losgebracht, als der, der sie hielt, einen solchen Schlag in seinen Händen, und eine solche Erschütterung in seinem ganzen Körper empfand, daß er dieselbe auslassen mußte; die Schnur gab, indem sie auf die Füße mehrerer anderer Personen fiel, auch diesen einen, jedoch viel schwächeren Schlag.

|155| Die Menge elektrischer Materie, welche dieser Drache bei einem anderen Versuche aus der Luft angezogen hat, ist wirklich erstaunlich. Den 28 ten August 1756 sah man Feuerströme von Einem Zoll in der Dike, und 10 Fuß Länge aus demselben fahren. Dieser ungeheure Schlag, der vielleicht eben so große Verheerungen angerichtet haben würde, als irgend einer, von welchem man in der Geschichte liest wurde mit Sicherheit an der Schnur dieses Drachen auf einen nahe daran angebrachten Leiter abgeleitet, und der dadurch erzeugte Knall glich jenem einer Pistole: Hist. de l'Electricité p. Priestley. Französ. Uebersez. 11. Bd. S. 205.

Charles, der ähnliche Versuche, wie de Romas, anstellte, nur weit zahlreicher, erhielt zuweilen noch außerordentlichere Wirkungen, und er zweifelte, wie er sagte, nicht, daß er die ganze Gewitterwolke entlud.

Es läßt sich, nach diesen Beobachtungen, nicht zweifeln, daß Wetterableiter, auf sehr hohen Thürmen, wie auf dem 437 Fuß hohen Thurme zu Straßburg, angebracht, eine große Menge elektrischer Materie den Gewitterwolken entziehen, und selbst den Donnerschlägen vorbeugen müßten. Ja es ist selbst erlaubt zu glauben, daß, wenn die Wetterableiter über der Oberfläche Frankreichs sehr vervielfältigt würden, sie der Bildung des Hagels vorbeugen könnten, welcher, nach Volta, ein wahres elektrisches Phänomen zu seyn scheint74). A. d. O.

|151|

Vergleiche polytechn. Journ. Bd. XIII. S. 329, wo der sel. Hofrath v. Froidvaux zu Wien als der erste Physiker aufgeführt ist, welcher Blizableiter gegen den Hagel empfahl, und unsere Litteratur der Paragrandini. A. d. Ueb.

|155|

Wir haben mehrere Stangen an Blizableitern gesehen, die vom Blize getroffen wurden, und deren Ende bis aus eine Tiefe von 3 bis 4 Millimeter geschmolzen war (bis lauf 1,3 bis 1,8 Linie). Indessen kann die Schmelzung auch noch weiter eindringen, und Franklin führt in einem Schreiben an Landriani ein Beispiel an, das um so merkwürdiger ist, als es sich an seinem eigenen Hause zutrug. |156|

„Ich fand“, schreibt Franklin, „bei meinet Rükkehr nach Philadelphia, die Zahl der Wetterableiter sehr vermehrt, indem sich die Nüzlichkeit derselben als Schuzmittel der Gebäude gegen den Bliz durch mehrere Proben erwiesen hat. Unter anderen ward auch mein eigenes Haus von einem sehr starken Blizschlage getroffen. Als die Nachbarn dieses gewahr wurden, liefen sie auf der Stelle herbei, um Hülfe zu leisten; der Bliz hat aber durchaus keinen Schaden angerichtet, und sie fanden nur meine Familie über die Heftigkeit der Erschütterung sehr erschroken.

Als man im vorigen Jahre das Gebäude um etwas vergrößerte, mußte man den Blizableiter abnehmen. Bei der Untersuchung desselben fand sich, daß die kupferne Spize, welche, als man ihn aufsezte, 9 Zoll Länge, und an ihrer stärksten Dike ungefähr ein Drittel Zoll im Durchmesser hatte, beinahe ganz geschmolzen, und nur wenig mehr davon an der Stange übrig war. Die Zeit hat also dem Erfinder selbst einigen Nuzen von seiner Erfindung gebracht, und das Vergnügen erhöht, anderen nüzlich geworden zu seyn.“ A. d. O.

|157|

Ein Beweis, daß der Bliz an den Bäumen nicht Ableitung genug in die Erde bekommt, ist, daß er dieselben abschlägt, oder beinahe immer gänzlich zersplittert: was nie geschehen würde, wenn sie bessere Leiter wären. Der Bliz läuft gewöhnlich zwischen der Rinde und dem Splinte, weil hier die meiste Feuchtigkeit und zugleich der mindeste Widerstand sich findet. A. d. O.

|157|

Eines traurigen Falles dieser Art, der vor wenigen Jahren am Einflusse der Isar in die Donau Statt hatte, erinnert sich der Uebersezer. Ein armer Landbader sah bei einem Hochgewitter einen Bauer mit seinen Pferden unter einige Bäume geflüchtet. Er ging von der Straße weg, um den Bauer vor der Gefahr zu warnen, in welcher sich begeben hatte, und in dem Augenblike, wo er ein Pferd am Zaume ergriff, um es von dem Baume hervorzuziehen, fiel der Bliz, und schlug den wohlmeinenden Rothgeber-todt. A. d. Ueb.

|158|

Es scheint selbst, daß der Bliz häufiger auf jene Thürme fällt, in welchen man läutet, als auf jene, in welchen man nicht läutet. Im Jahre 1718 meldete Hr. Deslandes der Académie roy. des Sciences, daß, in der Nacht vom 14 ten auf den 15 ten April dieses Jahres, der Bliz auf der Streke von Landerneau bis St. Pol-de Leon in Bretagne in 24 Kirchenthürme schlug; daß diese Kirchenthürme gerade diejenigen waren, in welchen man läutete, und daß der Bliz diejenigen verschonte, in welchen man nicht läutete; daß in der Kirche zu Guesnon, die ganz zerstört wurde, der Bliz zwei Personen unter vier, die läuteten, erschlagen hat. (Histoire de l'Acad. roy des Sciences, 1719.) A. d. Orig. (Und doch konnte einer der Abgeordneten an dem lezten baierischen Landtage, (freilich einer derjenigen, denen das Wetterläuten Geld trägt) mit der Idee sich befassen, das Wetterläuten in Baiern wieder einführen zu wollen.) A. d. Ueb.

|159|

Ein anderes Beispiel ist dem Uebersezer seit mehr dann 40 Jahren bekannt, wo der Bliz um 11 Uhr am Stephans-Tage in die Stephans-Kirche zu Wien während des großen Festes einschlug, als eben die Kirche mit Leuten vollgepfropft war. A. d. Ueb.

|160|

Eine wahre Schinderei, die der Bliz an einigen Individuen neulich sich erlaubte, findet sich in Schweigger's Journal Bd. IX. S. 129, und aus diesem auch im Edinburgh phil. Journal. Octob. 1824. S. 305 von Hrn. Dr. Tilesius zu Mühlhausen beschrieben. A. d. Ueb.

|162|

Und das Sauerwerden des Bieres, das schon die Brauer des Mittelalters bei Gewittern bemerkten, und daher Eisenstangen über die Braupfannen legten. A. d. Ueb.

|163|

Die vortheilhafteste Weise eine pyramidenförmige Stange zu verfertigen, ist, Eisenstüke an einander zu schweißen, deren jedes ungefähr 80 Centimeter (2 1/2 Fuß) lange ist, und die gegen ein Ende hin immerdar abnehmen. A. d. Ueb.

|163|

Statt der Platinna-Nadel kann man auch eine Nadel aus dem gewöhnlichen Münzsilber nehmen, welches aus Einem Theile Kupfer un- 10 Thelen Silber besteht. A. d. Ueb.

|164|

Man verfertigt den hohlen Theil, EG, (Fig. 4), welcher den pyranmidalen Zapfen, DE, aufnimmt, auf folgende Weise. Man rollt ein starkes Eisenblech zu einem Cylinder auf, und schweißt diesen bei G, mit der Stange, BG, zusammen: hierauf kann man mittelst einer Doke von der Form, welche der Zapfen erhalten soll, und wiederholten Hizens denselben leicht an seinen Rändern vereinigen, und ihm sowohl innerlich als äußerlich die verlangte pyramidenförmige Form geben. A. d. Ueb.

|164|

Um den gehörigen Aufsaz zu bilden, löthet man auf die Stange einen eisernen Ring auf, und hämmert ihn dann auf dem Ambosse kreisförmig aus, indem man die Ränder desselben so nach abwärts neigt, daß man einen sehr abgeplatteten abgestuzten Kegel erhält. A. d. Ueb.

|169|

Welcher aber durch öfteres Waschen mit Wasser sorgfältig von aller Holzsäure befreit worden seyn muß. A. d. Ueb.

|170|

Wir verdanken Hrn. Mérot, einem sehr geschikten Blizableiter-Verfertiger, mehrere Details über die Errichtung der Blizableiter: er hat uns auf unser Ersuchen die Resultate seiner Erfahrung auf eine zuvorkommende Weise mitgetheilt. A. d. O.

|170|

Die französischen Thürme enden sich meistens in eine Plateforme, und man sieht nur wenig so spizige Thürme in Frankreich, deren man in Deutschland so viele trifft. Es wird nicht bloß in ästhetischer, sondern auch in staatswirthschaftlicher, Hinsicht wünschenswerth, daß diese Thürme |171| einmahl abgeworfen würden, indem die jährliche Unterhaltung dieser ekelhaften Zahnstocher aller 4 Winde, die oft die schönste Landschaft und den niedlichsten Fleken entstellen, in Baiern allein dem Lande zwischen 8–10000 fl. jährlich kostet. Möchten doch alle Blize in diese Zahnstocher fahren, wenn unser Bau-Geschmak unedel genug bleiben kann, sie nicht bloß zu dulden, sondern sogar zu erhalten. A. d. Ueb.

|172|

Fig. 25. Tab. III. zeigt die Stange eines mit Luxus verfertigten Blizableiters, dergleichen man zuweilen auf Gebäuden sieht. Er trägt eine Windfahne in Form eines Pfeiles, die sich auf Kugeln dreht, um die Bewegung so leicht wie möglich zu machen, und die Richtung des Windes nach feststehenden, gegen N, S, O und W, gerichteten, Linien anzuzeigen: an ihrer Basis befindet sich ein Aufsaz von beliebiger Form. A. d. O.

|178|

Wir finden so eben diese interessante Abhandlung auch schon in den Annals of Philosophie Dezbr. 1824. S. 427 in das Englische übersezt. A. d. Ueb.

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