Titel: Shenton's, Verbesserung an Seiden-Spinnmaschinen.
Autor: Shenton, W. V.
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. LXXV. (S. 338–343)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/ar016075

LXXV. Verbesserungen an Seiden-Spinnmaschinen. Von Hrn. W. V. Shenton zu Winchester130).

Aus den Transactions of the Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce im Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. Jänner 1825. S. 80.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Die einzige Bereitung, welche die rohe bei uns eingeführte Seide erhalten hat, ist diese, daß sie von den Coccons abgehaspelt wird, und da der einzelne Faden, den die Seidenraupe spinnt, außerordentlich fein ist, so ist es nothwendig, die Faden von 5 bis 7 solchen Coccons unter einander zu verbinden, um einen Faden von der gehörigen Stärke aus denselben zu bilden. Die auf diese Weise erhaltene rohe Seide ist, obgleich zusammengesezt, doch immer noch zu fein, um zu Zeugen verarbeitet zuwerden: es müssen daher vorläufig zwei, drei oder vier Faden zu Einem verbunden werden, ehe man denselben jene Zwirnung geben kann, die man technisch das Organsiniren (organizing)131) nennt.

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Die Maschine, durch welche die bestimmte Anzahl von Faden verbunden wird, ist die Tramm-Maschine (tramming engine), die auf mannigfaltig verschiedene Weise gebaut seyn kann, in jedem Falle aber folgende wesentliche Eigenschaften besizen muß. Die Seide muß, 1tens, leicht und ohne alle Verwikelung von den Abwinde-Spuhlen abgehaspelt werden können; 2tens, müssen die Faden einen geringen, aber gleichförmigen Grad von Spannung erhalten, während sie von den Abwinde-Spuhlen auf die Aufwinde-Spuhlen laufen, damit der zusammengesezte Faden vollkommen flach wird, was nicht der Fall seyn würde, wenn irgend einer der zu verbindenden Faden ganz schlaff wäre, wo die anderen straff gespannt sind; 3tens, daß die Aufwinde-Spuhle auf der Stelle still steht, so bald irgend einer der zu verbindenden Faden bricht; ein Zufall, der nicht selten Statt hat: ohne diese Vorsicht würde ein Faden von verschiedener Dike entstehen, wenn nämlich ein oder der andere der zu vereinigenden Faden ausbliebe.

Das Vereinigen dieser Faden, das Trammen, geschieht auf den besten Spinn-Mühlen auf folgende Weise:

Die Abwinde-Spuhlen (deren Zahl von zwei bis vier spielt, je nachdem der zu bildende Faden mehr oder minder dik werden soll) kommen auf eben so viele senkrechte Spindeln: die senkrechte Stellung erlaubt den Faden die Spuhlen zu verlassen, ohne daß die Spuhlen selbst sich bewegen oder drehen. Etwas über den Spuhlen laufen die Faden einzeln zwischen zwei Läppchen von Tuch oder Filz, welche, durch ihre Reibung, dem Faden den gehörigen Grad von Spannung gewähren, und ihn zugleich von allem Staube, oder anderem leichten Stoffe reinigen. Jeder Faden läuft dann durch das Auge seines eigenen Fall-Drahtes, und aus diesem in das Auge des Leiters, wo sich alle Faden vereinigen, und von welchem der zusammengesezte Faden auf die Oberfläche der Aufwinde-Spuhle gelangt, so wie diese nämlich sich dreht. Jeder Fall-Draht besteht aus einem Stüke unter einem rechten Winkel aufgebogenen Drahtes, dessen senkrechter Schenkel ungefähr 2 |340| Zoll lang ist, und sich in ein Aug endet, durch welches der Faden läuft. Der horizontale Schenkel ist beiläufig 4 Zoll lang, und endet sich gleichfalls in ein Aug, durch welches ein Stift geht, der alle vier Fall-Drahte verbindet, und eine Achse bildet, um welche jeder sich frei bewegen kann. Jeder Faden senkt sich bei seinem Durchgange durch den Fall-Draht etwas, und da er sich in einem Zustande von mäßiger Spannung befindet, so hält er sich in einer Höhe von ungefähr einem halben Zoll, oder etwas mehr über jener Lage, in welche er sonst niedersteigen würde. Wenn daher ein Faden bricht, so fällt der Fall-Draht alsogleich, und schlägt an die Kante eines Draht-Rahmens, der sich um eine horizontale Achse dreht, und so vorgerichtet ist, daß das Gewicht des Fall-Drahtes unmittelbar sich gegen jene Seite neigt, welche es berührt, und folglich die entgegengesezte Seite in die Höhe hebt. Auf dieser entgegengesezten Seite befindet sich ein Schweif von Draht, welcher, wenn er in die Höhe gerichtet wird, in eine Art von Zahn-Rad eingreift, das an der Spindel der Aufwinde-Rolle angebracht ist, und folglich diese still stehen macht. Sobald der gerissene Faden angeknüpft ist, wird er wieder durch das Auge des Fall-Drahtes gezogen, und hält dasselbe über dem Rahmen: das entgegengesezte Ende des Rahmens erhält dann das Uebergewicht, der Schweif oder Sperrkegel tritt aus dem Zahnrade, und die Aufwinde-Spuhle fängt auf der Stelle wieder an sich zu drehen.

Diese Vorrichtung ist zwar sehr einfach und wirksam, hat aber zwei Nachtheile: daß der Faden gewöhnlich dicht an den Läppchen bricht, von welchen er gehalten wird, und daß Mühe und Zeit daran verloren geht, bis man den Faden aus denselben hervorzieht, um ihn wieder anzuknüpfen; 2tens, daß, wo weniger als 4 Faden getrammt werden, die leeren Fall-Drahte weggenommen werden müssen; denn sonst würden sie, da sie nicht gestüzt sind, den Schweif in die Höhe kehren, und die Umdrehung der Aufwinde-Spuhle hindern.

Die Vorrichtung, durch welche Hr. Shenton die oben erwähnten Nachtheile beseitigt, sind auf der V. Platte dargestellt, wo

Fig. 9. dieselbe von dem Ende, und Fig. 10, im Vogel-Perspective |341| darstellt: dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände und Theile in beiden Figuren.

aa. ist die Achse, welche die Aufwinde-Spuhlen, ff, mittelst der hölzernen Walzen, dd, in Bewegung sezt. Sie haben die gehörige Länge, um für eine Reihe auf einander folgenden Spuhlen zu passen, und unter jeder befindet sich eine Walze. Die hölzerne Achse, auf welcher die Aufwinde-Spuhle sich befindet, führt eine darauf befestigte bleierne Achse, e, welche, bei ihrem Gewichte, bloß durch Berührung bewegt wird. Diese Achse ist in Fig. 11, besonders dargestellt. pp, sind zwei in der bleiernen Walze, e, befindliche Stifte. s, ein anderer Stift oder Haken, welcher die Spuhle anhält, indem er unter dem Bügel, t, derselben eingreift; Fig. 11 und 12. So wie die Aufwinde-Spuhle sich dreht, zieht sie die Faden von zwei, drei, vier Spuhlen, g, g, g, g, je nachdem man die Zahl derselben vorher bestimmt hat, und, damit die Reibung derselben vermindert wird, sind die hölzernen Stifte, u, u, u, u, auf welchen sie aufgezogen sind, durchbohrt, und reiten auf einem Drahte, v; diese Stifte sind am Grunde, so wie die Augen, die die Drahte halten, zugerundet, und gestatten gerade so viel Reibung, als nöthig ist, die Faden ausgespannt zu erhalten. In Fig. 13 sind sie besonders dargestellt. Wenn nun einer dieser Faden bricht, so ist es nothwendig, daß die Aufwinde-Rolle augenbliklich stehen bleibt. In dieser Hinsicht ist ein Kurbel-Draht, m', mit einem Fänger, n, und einem feststehenden Winkelhebel, o, in der Nähe einer jeden Walze. Auf dieser schwingen sich vier leichte Fall-Drahte, k, k, k, k, ganz frei, und ihre Augen hängen an den Faden, die ihre einzige Stüze sind. Fig. 14, zeigt diese Drahte in einem Viertel ihrer natürlichen Größe. Wenn nun irgend einer dieser Faden brechen sollte, wird der Fall-Draht, der an den Faden hing, auf den Winkelhebel, o, fallen, und den Draht, m, brechen, so daß der Fänger, n, vorwärts rükt, Fig. 16, und den Stift, p, der Walze, e, fängt, wie Fig. 15 zeigt, und dadurch dieselbe augenbliklich still stehen macht. Sobald der Faden wieder angeknüpft ist, legt man den Daumen auf die Schweife, w, der Fall-Drahte, und bringt dadurch den gefallenen in die Höhe, zieht dann den Faden durch das Auge, und indem man das |342| Ende, m, der Draht-Kurbelzurük dreht, wird der Fänger abgezogen, und die Arbeit geht wieder fort. Es sind ferner zwei Spar, Einschnitte, xx, angebracht, in welche man die Spuhle bringen kann, um sie außer Gang zu sezen, während man den Faden anknüpft, und sie doch frei bewegen zu können, bis man sie wieder in ihre Stelle zurükbringt. Indem die Faden die Spuhlen, g, g, g, g, verlassen, laufen sie einzeln über eine Glas-Stange, i, und durch die Augen der Fall-Drahte, und sammeln sich hierauf, indem sie durch das Auge des Leitungs-Drahtes, b, ziehen. Um die auf diese Weise gesammelten Faden gleichförmig über die Spuhlen zu verbreiten, erhält die Stange, cc, eine abwechselnde Bewegung hin und her, welche sich auch den darauf befindlichen Leitungs-Drahten, l, mittheilt. Dieß geschieht mittelst eines Stiftes, r, der in eine schiefe oder spiralförmige Furche des Blokes, b, eingreift, welcher an dem Ende der Achse, a, befestigt ist. Die schiefe Richtung dieser Furche steht mit der Länge in Verhältniß, in welcher die Seide auf der Spuhle vertheilt werden soll, und läßt daher diese Stange in dieser Länge, während jeder Umdrehung der Walze, sich hin und her bewegen, d.h., da die Spuhle vier Mahl kleiner ist, als die hölzerne Walzen, dd, während die Spuhle sich vier Mahl umdreht.

Die Stangen, hhhh, welche die Abwinde-Spuhlen stüzen, sind so gestellt, daß die Spuhlen einen rechten Winkel mit dem Faden bilden, wenn er von der Mitte derselben auf die gläserne Stange läuft.

Es ist am Besten, die vier Augen der Fall-Drahte so einzurichten, daß sie parallel mit der Glas-Stange liegen, da dann die Schwingungen, welche sie den Faden ertheilen, mehr gleichförmig, seyn werden.

Fig. 16 und 17, zeigen die verzinnten eisernen Beschläge, welche unter den Stangen bei, y, herumgewunden sind, um den Kurbel-Draht zu stüzen.

Fig. 18, zeigt, wie die Leitungs-Drahte gekrümmt, und an der Stange, welche sich hin und her schiebt, befestigt sind.

qq, in Fig. 10, sind zwei Drahte, welche sich schieben lassen. Man wird bemerken, daß dort, wo man vier Faden trammet, dieselben zurükgezogen, wo aber nur zwei Faden getrammt |343| werden, dieselben vorwärts geschoben sind, um die zwei Fall-Drahte zu stüzen, die nicht gebraucht werden, und dadurch ihrer Wirkung auf den Kurbel-Draht vorzubeugen.

Fig. 19. zeigt die Weise, wie die hölzernen Walzen auf die Achse aufgenietet sind, indem mittelst des Meissels an den Winkeln, zz, ein Läppchen ausgeschnitten ist. Fig. 1 und 2 sind ein Schuz-Gestell (Quardrail).

Fig. 9 und 10 sind in einem Sechstel, die übrigen in einem Viertel der wirklichen Größe dargestellt.

Hr. Shenton erhielt für diese Mittheilung die silberne Vulcan-Medaille. – Wir haben zwar im ganzen südlichen Deutschland keine einzige Seidenzeug-Manufactur von Bedeutung; und es wird auch schwerlich eine in Aufschwung kommen, so lange man so weise ist, italiänische, französische, österreichische Seiden-Fabrikate gegen einen unbedeutenden Zoll einführen, und, während man diesen Zoll als Finanz-Quelle betrachtet, ungeheuere Capitalien jährlich dafür aus dem Lande gehen zu lassen. Da man in England gegenwärtig den Einfuhrs-Zoll auf den Wein und einige andere Artikel herabsezt, so führt man dieß als Beweis der Notwendigkeit freier Einfuhr an. Allein man kennt, wenn man dieses Beweises sich bedient, die bisherigen ungeheueren Auflagen auf den Wein, so wie die fürchterlichen Giftmischereien, die man sich in England mit dem Weine erlaubt, und endlich die Stimmung des Volkes, und die daraus entstehende unvermeidliche Nothwendigkeit nicht, die Weintaxe in England herabzusezen. A. d. Ueb.

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Französisch: organsiner. A. d. Ueb.

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