Titel: Uebersicht üb. den gegenw. Zustand der Industrie in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. LXXXIII. (S. 383–391)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/ar016083

LXXXIII. Uebersicht über den gegenwärtigen Zustand der Industrie in Frankreich.

(Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale. N. 245. Seite 326. Im Auszuge.)

Metall-Arbeiten.

Eisen. Im Jahre 1806 hatte Frankreich ein einziges Eisenwerk (zu Creusot) wo man verkohlte Steinkohlen, oder Cokes, anwenden gelernt hatte. Der Reverberir-Ofen mit Steinkohlen geheizt, (das sogenannte affinage, anglais) war in Frankreich vor dem J. 1819 nicht bekannt, und wurde damahls zu Vienne betrieben, und nur zu Grossouvre (Dptt. de Cher) kannte man die Strekwerke statt des elenden Hammers. Gegenwärtig besizt Frankreich an 20 solche Eisenwerke nach englischer Art (die Hrn. Labbé und Boigues fréres zu Fourchambault (Dptt. de la Niévre) haben allein 10 Reverberir-Oefen) und die jährliche Eisenerzeugung auf diesen 20 Eisenwerken schäzt man auf Eine Million metrischer Zentner, wodurch Frankreichs Bedarf beinahe gedekt ist.

Die ganze Eisenhüttenkunde in Frankreich ist auf dem Punkte einer gänzlichen Umwälzung. Man macht jezt sehr weiches Eisen zu Clairvaux am Jura, bloß dadurch, daß man dem spröden Gußeisen eine gewisse Menge von dem Erze zusezt, aus welchem das spröde Eisen erhalten wurde. Im Departement de l'Isére erkennt man den Werth des Verfahrens á la Catalane. Hr. Aubertot zu Vierzon (Dptt. de Cher) heizt seine Reverbir-Oefen mit der Hize, die bisher, an seinen Hochöfen umsonst verloren ging. Man zählt in Frankreich ungefähr 350 Hocköfen und 98 Catalanen. Die Hochöfen erzeugen ungefähr 145,000 metrische Centner Gußeisen und 640,000 geschlagenes Eisen; die Catalanen ungefähr 150,000 metrische Centner geschlagenes Eisen.151) |384| Gußeisen. Der Hr. Marquis de Louvois erzeugte auf seinem Gußwerke zu Ancy le Franc (Yonne) ein sehr mildes und hammerbares Eisen, das sich feilen, mit dem Grabstichel bearbeiten, bohren und drechseln läßt und eine Politur wie Stahl, annimmt. Die Hrn. Derosne und Vertel zu Grace-le-Dieu (Doubs) verfertigten Küchengeschirr aus Gußeisen und innenwendig glasirt, welche dem gewöhnlichen Feuer, so wie den Säuren und dem Fette widerstehen. Sie haben im Großen Dr. Schweighäuser's (zu Straßburg) Verfahren ausgeführt, wofür derselbe im J. 1818 von der Société de l'Encouragement den Preis von 2000 Franken erhielt. Die Hrn. Waddington (Gebrüder) zu St. Remi- sur Avre (Eure et Loir), Risler und Dixon zu Cernay (Haut Rhin gießen in grünen Sand jedes Maschinen-Stük aus Eisen; Hr. Maßzer zu Paris verfertigt gedrehte und polirte Mörser, Säulen zu Wagen etc; Hr. Dumas ebendaselbst, gießt Löffel, Meßer, Gabeln, Schnallen für Sattler-Arbeit, Medaillons, Zierrathe und Bijoux so schön, wie in Preussen etc.

Stahlarbeiten. Vor dem Jahre 1786 kannte man in Frankreich nur den Cäment-Stahl und den Guß-Stahl des Auslandes, und noch im Jahre 1806 wurde kein einziges Muster von Gußstahl zur Ausstellung eingesendet. Erst im J. 1809 gelang es der Société d'Encouragement diesen Zweig der Industrie zu weken, als sie Hrn. Poncelet-Raunet zu Lüttich den Preis von 4000 Francs für Guß-Stahl zuerkannte. Im J. |385| 1819 schien die große Aufgabe der Stahl-Fabrikation in Frankreich gelöset, und heut zu Tage wird soviel Stahl in Frankreich erzeugt, als es zu seinem Gebrauche sowohl, als für den Handel bedarf. Die erste Stahl-Fabrik in Frankreich war jene de la Berardiére bei St. Etienne unter Leitung des Hrn. Beaunier; dann kam jene der Hrn. Jackson Vater und Sohn, zu Outrefurens, (Loire) seit 1820, die gegenwärtig allein wöchentlich 15,000 Kilogramme Gußstahl erzeugt.

Schwarzes Eisenblech. Die Fabrik zu Imphy (Niévre) verfertigt Bleche von 2 Meter 4 Décimeter (7 1/2 Fuß Länge) und 1 Meter 65 Centimeter (5 Fuß) Breite, und 0,0067 Dike, die 202 Kilogramme wogen. Die Bleche von Pont-Saint-Ours sind so dehnbar, daß sie sich von demselben Punkte aus nach entgegengesezten Seiten biegen lassen, und die mannigfaltigsten Formen annehmen.

Weiß-Blech. Noch im J. 1806 war die Fabrication des weißen Bleches in Frankreich ziemlich weit zurük, und das ehemahlige Dptt. de l'Ourthe (in welchem ein Hr. Delloye zu Huy im J. 1809 den Preis der Société d'Encouragement mit 3000 Franken erhielt) gehört jezt nicht mehr nach Frankreich. Indessen haben die Weiß-Blechfabriken in Frankreich in den Departements de la Moselle, de la Haute-Saône, de la Niévre, de l'Oise et des Vosges so sehr zugenommen, „daß das ausländische Weiß-Blech aus dem französischen Handel beinahe gänzlich verschwunden ist.“

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Drahtziehereien. Man hat in Frankreich die Zange aus den Drahtziehereien verbannt, und die Kunst des Drahtziehens hat bedeutende Fortschritte gemacht; allein noch fehlt es an Eisendraht zu Nadeln, auf dessen Verfertigung die Société d'Encouragement Preiße ausgeschrieben hat, Glükliche Versuche hat bereits Hr. Peyret zu Valbenoite (Loire) und Hr. Primcis, a l'Aigle, gemacht. Lezterer brachte einen Draht aus Gußstahl zur Ausstellung, den er 1000 Meter lang ohne alles weitere Anlassen zieht. Im Kupferdrahte haben die Hrn. Billette und Gardon, welcher leztere den Preis der Société d'Encouragement mit 2000 Franken erhielt, „Frankreich von dem Tribute des Auslandes befreit.“

Eisengeräthe und Werkzeuge. a) Sensen und Sicheln. Deutschland versah bisher allein Frankreich mit Sensen und Sicheln. Im Jahre 1794 und 95 fing die Commission d'Agriculture et des Arts an, Versuche anstellen zu lassen, dieses Tributes los zu werden. Im Jahre 1802 erschienen die ersten Sensen bei der Ausstellung; im Jahre 1806 kamen Sensen aus den Departemens des Vosges, du Jura, du Haut Rhin, du Doubs, de la Moselle et des Hautes Alpes; allein der Stahl war noch nicht gut genug; wie man in Frankreich besseren Stahl machen lernte, ging es mit der Sensen-Fabrikation so schnell empor, daß, während in den Jahren 1816 und 17 jährlich nur 72,000 Sensen in Frankreich erzeugt wurden, im Jahre 1819 eine einzige Sensenschmiede, deren |387| 50,000 erzeugte, und aller Bedarf an Sensen in Frankreich jezt vollkommen gedekt ist, und „diese Sensen stehen den deutschen in nichts nach.“ Zwei Fabriken, die des Hrn. Ruffié zu Toix (Ariége) und die des Hrn. Garigou, zu Toulouse, liefern, jährlich allein 140,000 Sensen von der besten Qualität.

b) Raspeln und Feilen. Vor 40 Jahren konnte man gar keine oder nur sehr schlechte Feilen (trés-imparfaites) in Frankreich verfertigen. Hr. Raoul stellte zuerst in den Jahren 1798, 1801 und 1802 gute Feilen bei der Ausstellung auf, und war damahls der Einzige, der sie liefern konnte. Die im Jahre 1806 aus den Dèpartaments d'Indre et Loire, du Calvados, de l'Ourthe, und von der Ecole des arts et Métiers (damahls noch zu Compiegne) zur Ausstellung eingesandten Feilen waren noch nicht so, wie man sie verlangen konnte. Im Jahre 1819 erst bemerkte man, daß die Feilen in dem Maße besser wurden, als man den Stahl veredelte, und jezt verfertigt man in Frankreich nicht nur soviel Feilen, als man im Inlands braucht, sondern man führt selbst Feilen aus. Man verfertigt sie bloß aus freier Hand. Vorzüglich lobte die Jury im Jahre 1823 die Feilen der HHrn. Rémond zu Versailles, Saintbris zu Amboise, Coulaux zu Molekeim (Bas-Rhin) und Musseau und Schmidt zu Paris. (Und wir können mit Ueberzeugung die Feilen des Hrn. S. Albrecht in Kriegshaber bei Augsburg empfehlen. D.)

c) Sägen. „Die Verfertigung der Sägen ist eine neue Eroberung der französischen Industrie.“ Sie datirt sich erst von den Zeiten der Verbesserung des Stahles her. Die besten sind die des Hrn. Coulaux zu Molsheim; er liefert allein jährlich 14,000 Duzend Sägeblätter von bedeutender Größe, und 39,760 Duzend kleinerer und Uhrfedern. Auch die HHrn. Peugeot und Salin zu Hérimoncourt (Doubs) liefern gute Sägen.

d) Nadeln. Seit Frankreich das Roer-Departement verlor, fehlt es an diesem Artikel; und die Société hat bekanntlich |388| einen Preis von 3,000 Franken zur Aufmunterung ausgeschrieben, welchen wahrscheinlich die HHrn. Vanhoutem und Sevin de Beauregard zu Aigle (Orne) gewinnen werden.

e) Karden. Man verfertigt sie in Frankreich gut, wie die französischen Tücher zeigen. Hr. Hache-Bourgois zu Louviers hat auf seinen Karden Nro. 48 auf einem □ Zoll 360 Eisendraht-Zähne. Auch die superfeinen Karden der HHrn. Scrive, Gebrüder, zu Lille, sind sehr gut.

f) Weber-Kämme. Die HHrn. Bonnand, Laverrieré und Boudot zu Lyon hatten bei der Ausstellung einen Kamm ohne Band, für Seidenstühle, der auf einer Länge von 19 Zoll 3 Lin. 2021 Zähne hatte. Sie verfertigen jährlich über 7,000 Kämme von verschiedener Länge aus Kupfer, Eisen und Messing. Auch die HHrn Jappy, Gebrüder, zu Beaucourt, (Haut-Rhin) verfertigen sehr gute Kämme.

g) Ahlen. Im Departement de la Meurthe sind zwei Ahlen-Fabriken, deren eine jährlich 600 000 Stüke für die Schuster etc., die andere 1,500,000 liefert. Noch vor wenigen Jahren mußte Frankreich alle Ahlen aus dem Auslande holen.

h) Drahtgewebe. Die Wichtigkeit dieser Gewebe für Siebmacker, Papiermacher etc. ist bekannt. Die Fabrikation derselben hat sich in den Départemens du Bas-Rhin, de la Seine, de la Charente-Insérieus, du Nord sehr vervollkommnet Hr. Stammler zu Straßburg hat neulich ein Gilet aus Draht zur Ausstellung nach Paris gesendet.

i) Nägel. Man verfertigt sie jezt von allen Sorten in den Départemens de la Meurthe, du Jura, de la Somme. Hr. Fontaine zu Anthie, liefert allein jährlich 300 metrische Centner.

k) Schlosser-Arbeit. Die Schlofferkunst hat jezt in Frankreich einen sehr hohen Grad von Vollkommenheit erreicht, vorzüglich die sogenannte höhere Schlosserkunst (haute serrurerie) in geheimen Schlössern etc. Was uns aber vorzüglich freuen darf, ist, daß die französischen Schlosser (wie Hr. Leyris zu Paris) bereits anfangen, Fensterrahmen aus geschlagenem Eisen, statt aus Holz, (in England hat man sie aus Gußeisen) zu verfertigen. Man darf nun auch in Deutschland erwarten, daß wir Fenster erhallen werden, die gehörig schließen, was wenigstens in Baiern sehr noth thut.

l) Verschiedene Eisengeräthe. Man überzeugt sich auch in Frankreich täglich mehr und mehr, daß es besser ist, eine Menge Hausgeräthe, die man bisher aus Holz hatte, aus Eisen verfertigen zu lassen.

Polirter Stahl. Jede Facette-Stahl an einer Stahl-Perle wird gegenwärtig auf ein Mahl vollendet: ehevor konnte dieß nur durch zwei Operationen geschehen. Die HHrn. Frichot und Provent zu Paris gelten gegenwärtig für die ersten Stahlkünstler in Frankreich.

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Messerschmid-Arbeiten. Seit der Verbesserung des Stahles in Frankreich haben diese Arbeiten an Vollkommenheit gar sehr gewonnen. Die ausgezeichnetesten Messerschmiede in Frankreich sind die HHrn. Sir Henry, Pradier, Gavet, Cardeilhuc zu Paris, und Madame Degrand-Gurgey zu Marseille, die zuerst Platinna mit dem Stahle bei ihren Säbeln verband. Ihre Arbeiten werden im Oriente sehr geschäzt, und ihre Schabeisen ziehen die Gärber selbst den englischen vor. Im Jahre 1780 waren zu Thiers in Auvergne an 10,000 Arbeiter an den dortigen Messerschmieden; gegenwärtig sind ihrer nur 5,000.

Schwertfeger. Hr. Bréant lehrte damascirten Stahl bereiten, und zeigte, daß die orientalischen Damascenerklingen nichts anderes als Guß-Stahl sind, der reicher an Kohlenstoff ist, als der europäische, und daß in dem damascirten Stahle durch ein geschikt geleitetes Erkühlen desselben eine Krystallisation bewirkt wird, wodurch der Kohlenstoff und das Eisen sich trennt. (Vergl. Bulletin de la Société d'Encouragement, 1823. S. 222. Polyt. Journal Bd. XII. S. 407.)

Gewehr-Fabrikation. Die Schlag-Flinten werden in Frankreich von den Jägern immer häufiger gebraucht. Hr. Lepage, einer der ersten Gewehr-Fabrikanten zu Paris, hat eine Carabine mit 7 Läufen verfertigt, in deren jeder 2 Kugeln geladen, und in einer Entfernung von 200 Schritten auf 10 □ Fuß weit zerstreut werden. Er hat, nach vielen Versuchen, endlich die Neigung bestimmt, die der Zug in dem gezogenen Rohre nach seiner Feinheit haben muß, um die Kugel so weit zu treiben als möglich, und zugleich so wenig als möglich zu schlagen. Er verfertigt auch Pistolen-Läufe aus Guß-Stahl. Hr. Roux zu Paris hat Pauly's Flinten sehr verbessert. Die besten Flinten-Läufe verfertigt man in Frankreich gegenwärtig zu Paris, wo die des Hrn. Alb, Renette unter die vorzüglichsten gehören.

Blei. Die Bleibergwerke stehen in Frankreich im alten Flor, und selbst die verlassenen wurden wieder neu belegt. Man zieht jezt Bleiröhren in Frankreich, so gut wie in England.

Kupfer hat Frankreich noch nicht genug, obschon man zu Forges, Dptt. de la Corréze, Kupfer-Erze entdekte. Es muß den größten Theil seines Bedarfes an Kupfer aus dem Auslande beziehen, verarbeitet dasselbe aber sehr gut. Diejenigen Staaten, welche durch die französischen Einfuhrsverbothe so sehr litten, werden demnach sehr wohl thun, wenn sie die Ausfuhr des Kupfers nach Frankreich eben so sehr erschweren. Der Käufer, der braucht, kann gedrükt werden.)

Messing hatte Frankreich noch im Jahre 1806 nicht erzeugen können. Die Messingbrennerei sing im Jahre 1810 zuerst in Frankreich an. Gegenwärtig wird sie in den Départemens |390| de l'Eure, du Haut-Rhin, des Ardennes ziemlich häufig betrieben.

Zink. Man fängt an in Frankreich ihn sehr gut zu verarbeiten. Hr. Talabot zu Paris verfertigt daraus Pipen, Badewannen etc. Baron Saillard besizt sehr gute Strekwerke zu Frommelennes und Givet in den Ardennen, und Hr. Mosselmann verlegte seine Zinkverarbeitungs-Fabrik von Lüttich nach Valcauville (Dptt. de la Manche.)

Rohe Mineral-Producte.

Marmor. Frankreich besizt sehr schöne Marmorbrüche, zu deren Bearbeitung die Société d'Encouragement durch ihre Belohnungen sehr viel beitrug; allein, „durch eine Sonderbarkeit, die man sich nicht leicht erklären kann“, sagt der Bulletin, „hat man bisher immer nur ausländische Marmor-Arten verarbeitet.“ Diese Sonderbarkeit ist sehr leicht zu erklären. Sie beruht auf der Eitelkeit jener Großen, die kein Vaterland kennen, und folglich auch keinen Werth auf die Producte desselben legen; die sich schämen unter einem Steine ihres Vaterlandes zu faulen etc., und in dem Eigensinne der Künstler, die, an fremde Steine gewohnt, die vaterländischen nicht bearbeiten können, und sehr oft auch nicht wollen, weil sie besorgen, ihre Arbeiten müßten um soviel wohlfeiler und besser werden, als der vaterländische Marmor sehr oft besser und jedes Mahl wohlfeiler ist, als der ausländische. Hr. Durand zu Paris verfertigt auch sehr schöne künstliche Marmor.

Alabaster. Frankreich bezog ehevor alle seine Alabaster, Arbeiten aus Florenz. Seit Gozzoli sich zu Paris niederließ, haben sich mehrere Fabriken gebildet, die, obschon aus italiänischem Alabaster, den sie in Blöken kommen lassen, die Hauptstadt und die Provinzen mit den daraus verfertigten Mode-Zierrathen versehen.

Stein-Salz. Während eine Gesellschaft von Capitalisten in der Gegend von Vic auf Steinkohlen schürfte, entdekte sie ein Salz-Lager, das sich auf 30 franz. □ Meilen erstrekt, und, in neun verschiedenen Lagern, über 100 Fuß Mächtigkeit hat: Frankreich hat also jezt auch ein Wieliezka, und ein Stein-Salz, das so rein ist, daß es nur 5 p. C. fremde Bestandtheile enthält. Es bedarf also keines fremden Steinsalzes mehr für seine Fabriken, und kann dasselbe selbst ausführen.

Feuer-Steine. Die Fabrikation derselben ist immer im Steigen. Ein Arbeiter braucht nur eine Minute zu einem Flintensteine, und ein guter Arbeiter kann deren 1000 in drei Tagen fertigen. Für Jagdflinten gilt das Tausend 10, für Militär-Flinten 9 Franken.

Trippel. Hr. Domet-Demont zu Döle (Jura) verfertigt aus verwittertem Jaspis so guten Trippel, wie jener aus Corfu oder der sogenannte venezianische.

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Gagath. Er wurde ehevor in Frankreich gebrochen; gegenwärtig läßt man den so häufig in diesem Lande verarbeiteten Artikel aus Spanien kommen.

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Man wird von einer Art von Herzwehe ergriffen und es schnürt des festesten Mannes Brust zusammen, wenn man ficht, wie schnell mitten |384| unter den vielen Kämpfen, in welchen Frankreich unter den Helden seiner Zeit zu ringen hatte, die Industrie dieses Landes so mächtig vorwärts ging, während sie bei uns, die wir Sieger geblieben sind, immer mehr rükwärts schreitet. Die einst so berühmten steyermärkischen und kärnthnerischen Eisenwerke, die das einst so hoch gefeierte norische Eisen lieferten, sind jezt beinahe verödet; unser bairisches Eisen hat sich noch jezt nicht über jene Mittelmäßigkeit erhoben, die es bisher hatte, und steht in einem Preise, den ein so unentbehrliches Lebebedüfniß, wie dieses, nie haben darf. Es ist Zeit, daß wir in Deutschland anfangen, den lächerlichen Kram von absoluter und idealer Philosophie wegzuwerfen, und die Kamehl-Lasten von Corporibus Juris utriusque, die uns von Karls hochnothpeinlicher Halsgerichtsordnung an bis jezt immerdar aufgeladen wurden, als das zu betrachten, was sie sind: Seifenblasen des menschlichen Geistes, um nicht mit unserem alten Dr. Martin Luther sie für noch etwas anderes zu erklären. (S. dessen Tischreden, Fol. Franks. 1568. S. 426. bis.) Der edle Menschenfreund, Graf Filangiert, war zwar auch der Meinung, daß mit Verbesserung der Gesezgebung ( perfezione della legislazione ) Alles gethan sey. Allein dagegen bemerkte Gf. Pastoret, und wie es scheint sehr richtig, daß es besser wäre, den Menschen zu zeigen, „daß es nur ihr eigener Vortheil ist, nenn sie gut und weise sind; daß man vor Allem auf gute und zwekmäßige Erziehung der Jugend sehen müsse; daß man Müssiggang und Faulheit erstiken, und die Menschen einander näher bringen müsse.“ (Pastor et loix pénales, T. II.) So lang in Deutschland mehr Leute auf Universitäten laufen um dort zu studieren, als man sogenannte studierte Geschäftsleute braucht; so lang diese auf Universitäten nicht |385| anderes als Philosophie und Jurisprudenz treiben, und die eigentlichen Wissenschaften, die sciences exactes, durch welche das Leben des Staates allein besteht. Mathematik in allen ihren Zweigen, Physik, Chemie, Technologie, Landwirthschaft, so sehr vernachläßigt, und wohl gar verachtet werden, als sie es gegenwärtig sind, so lang wird für die deutsche Industrie kein Heil seyn. Es werden nicht bloß dadurch, daß viel zu viel Leute studieren, dem Gewerbsfleiße Hände und Kapitalien entzogen, sondern dadurch, daß so studiert wird, wie studiert wird, bleiben die künftigen Staats-Beamten welche aus der Klasse der sogenannten Juristen hervorgehen, und welche Künste, Gewerbe, Landes-Kultur einst leiten und schüzen sollen, bare Ignoranten in den ersten Elementen dieser für den Staat weit nüzlicheren Zweige des menschlichen Wissens, als alles Geplauder über das Absolute, über das Ding an sich, über Ich und Nicht-Ich, sammt allen eitlen und oft gefährlichen Spekulationen über die Grund-Principien des Natur- und Völkerrechtes, das nie anders, dann als Jus fortiori factisci, bestanden hat, dem Staate nie nüzlich, wohl aber oft verderblich werden kann. In England studiert kaum der fünfzigste Theil derjenigen, die bei uns ihre Jugendkraft und ihren Verstand und ihn Herz mit den abgeschmakten philosophischen Grillen und mit den Spizfindigkeiten der ledernen Juristerei verderben, Philosophie und Jurisprudenz. Die Bildung, die die englische Jugend der wohlhabenderen Klasse (denn nur diese kann in England studieren, mit Ausnahme der künftigen Diener des Altares, meistens Sohne ärmerer Pfarrer, für welche durch Stipendien reichlich gesorgt ist) auf ihren Schulen oder im elterlichen Hause erhält, ist die klassische, auf welche man dann die zwekmäßige, Mathematik, Physik, Chemie etc, folgen läßt, ohne welche, |386| waren sie in England so vernachläßigt, wie bei uns, auch die englische Industrie auf derselben Stufe stände, wie bei uns. Man sage ja nicht daß es die Kapitalien der Engländer sind, die ihre Fabriken so blühend machten. Diese Kapitalien mußten erst durch Industrie und durch den auf derselben beruhenden Handel gewonnen werden. England war ein so armes Land, wie Deutschland, ehe es durch seine zwekmäßige Bildung zur Arbeit, reich geworden ist. England ist nicht die Insel, wo die gebratenen Vögel demjenigen in das Maul fliegen, der den Mund aufsperrt, und die Hände in den Schoß legt: jeder Pfennig muß verdient, mühsam verdient werden, ehe er in den Schaz gelegt werden kann. Die Söhne englischer Bierbrauer, Gärber, Beker, Baumwollenspinner, Töpfer, Gärtner, Pächter etc., deren Väter sich Kapitalien von 50 bis 100 Tausend Pfund Sterling erworben haben, schämen sich nicht, Brauer, Gärber, Baumwollenspinner etc., mit einem Worte, wieder dasjenige zu werden, was ihr Vater war; sie trachten nur das gewonnene Kapital ihres Vaters auf dieselbe Weise zu vergrößern, auf welche ihr Vater dasselbe gewonnen hat; sie sind unermüdet thätig, ihr Gewerbe nach den Fortschritten, die die Mechanik, die Chemie täglich bei ihnen macht, zu verbessern und zu vervollkommnen. Bei uns schämt sich der Sohn eines Brauers, eines Gärbers etc. Brauer oder Gärber zu werden, sobald sein Vater es einmahl zu einigem Wohlstande gebracht hat; er zieht auf die Universität um Jurist, und dadurch einmahl ein Actuar oder Assessor, ein Landrichter etc. zu werden. Das Gewerbe seines Vaters kommt in fremde Hände, die meistens froh sind, wenn alles nur so fort geht, wie es ehevor gewesen ist, ohne sich zu kümmern, es noch weiter zu bringen. Während bei uns eine Art von Ignominie auf der. Klasse der Gewerbsleute lastet, die alle Fortschritte |387| derselben hemmt, wird in England die Klasse der Staatsdiener über die Achsel angesehen, die man gewöhnlich poor fellows, arme Wichte nennt, und der Geist der Nation concentrirt sich zugleich mit den Kapitalien in jener Klasse, durch welche der Staat eigentlich besteht, und rükt dieselbe und den Staat zugleich unaufhaltbar vorwärts. Ein Pasteten-Bäker zu London war einst Mitglied des Parliamentes und einer der ersten Dichter Englands. Bei uns glaubt man kaum, daß ein Pasteten-Bäker Verstand haben könne, viel weniger daß er über Poesie und Staats-Angelegenheiten ein Wort mitsprechen könnte. Es fehlte bei uns bisher an zwekmäßiger Erziehung und Bildung des Volkes; trösten deke Worte hat nie ein König zu seinem Volke gesprochen, als Max Joseph bei der lezten Eröffnung der Stände-Versammlung, indem er seinen Baiern verkündete, daß der öffentliche Unterricht nicht mehr, wie bisher, vernachlässigt werden soll. Nicht Gelehrte, nicht Philosophen, nicht Juristen braucht Baiern; deren hat es ohnehin genug, vielleicht zu viele; an Mechanikern, Technikern, Chemikern fehlt es; an polytechnischen Instituten und Bildungs-Anstalten für die Landleute und für die Gewerbsleute. A. d. Ueb.

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