Titel: Münz-Verfahren auf der k. Münze in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. LXXXV. (S. 401–422)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/ar016085

LXXXV. Münz-Verfahren auf der k. Münze in England153).

Aus dem Mechanic's Magazine. N. 62–66.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Die Weise, wie gegenwärtig das Silber auf der k. Münze geschmolzen wird, ist eine neuere Erfindung und zugleich eine sehr wichtige Verbesserung. Ehevor schmolz man das Silber in Tiegeln aus Graphit (Ipser-Tiegeln), und die sogenannten Tokens für die Bank von Ireland wurden in großer Menge auf diese Weise geschmolzen. Da die Einfuhr an Münze gänzlich aus spanischen Thalern bestand, und die Tokens denselben Fuß hatten, so konnte der Schmelzer dieselben leicht in einer Menge von 60 Pfund Troy Gew. (24 Loth auf das Pfund) schmelzen. Das Nachtheilige dieses Verfahrens zeigte sich aber bei den übrigen Münzen, zu welchen man Silber-Barren von verschiedener Feinheit nicht verwenden konnte, indem sie sich in einem und demselben Topfe nicht so zusammenschmelzen ließen, |402| daß man daraus eine Münze nach unserem englischen Schrot und Korne hätte schlagen können. Unsere Regierung fühlte diesen Nachtheil so sehr, daß sie im J. 1777 Hrn. Alehorne, Probirer des Münzmeisters (Master's Assay-Master) nach den Münzen zu Paris, Rouen, Lille, Brüssel sandte, um daselbst Erkundigungen sowohl über die Art zu prägen, als vorzüglich über die Weise Silber im Großen zu schmelzen, einzuziehen. Hr. Alehorne war zu dieser Untersuchung um so mehr geeignet, als er die englische Münze sehr genau kannte, und als praktischer Chemiker ausgebreitete und mannigfaltige Kenntnisse besaß: seine Bemerkungen über die französischen und flanderschen Münzen und Münzanstalten machen seinen Kenntnissen und seinem kritischen Geiste viele Ehre.

Es verdient bemerkt zu werden, daß in den Büchern der Münze aufgezeichnet ist: „die Silber-Tiegel wogen bei der Umprägung unter Wilhelm III. 400 Pfund Troy und darüber.“ Wie aber diese Menge Silbers geschmolzen wurde, darüber ist keine Spur mehr zu finden, und es ist eine bloße Vermuthung, daß es in Tiegeln von geschlagenem Eisen geschah. Kein Stein von einem Schmelz-Ofen, der zu einer solchen Arbeit getaugt hätte, ist im Tower übrig geblieben, und nicht der leiseste Nachhall über die Methode, die man dabei befolgte, hat sich erhalten.

Im Jahre 1758 machte man einige Versuche, Silber in Töpfen von geschlagenem Eisen zu schmelzen, und zwar mittelst eines Windofens: man fand aber diese Arbeit zu mühsam, zu unbequem und zu wenig vortheilhaft, und gab sie auf.

Im Jahre 1787, wo einiges Silber zum Ausprägen auf die Münze gebracht wurde, machte der sel. Hr. Morrison, damahls Deputy-Master und Woker, welcher die Schmelzgeschäfte leitete, neue Versuche. Der Wind-Ofen wurde wieder hervorgesucht, und wieder beseitigt. Er versuchte hierauf das Silber in großen Tiegeln von Graphit zu schmelzen, die 100 bis 120 Pfund Troy Gew. fassen konnten; allein, das wieder, holte Brechen der Tiegel, obschon man versuchte, sie durch aussen angebrachten Kitt zu schüzen, zeigte sich nicht bloß als großer Aufenthalt in der Arbeit, sondern auch als bedeutender Verlust für den Schmelzer. Man versuchte Tiegel aus Guß-Eisen; |403| allein diese floßen, und das Eisen mengte sich mit dem Silber. Die Arbeit wurde überdieß noch immer durch den k. Münzprobirer aufgehalten, weil das Metall nicht von echtem Korne war, und durch das Schmelzen und Ausschöpfen mit Löffeln aus dem Tiegel immer feiner wurde.

Abgesehen von allen diesen Schwierigkeiten entstanden noch weit größere in der Schmelz bei dem Eintragen in die Tiegel vor dem Schmelzen. Die in der Münze gewöhnliche Methode, das Metall auf das gesezliche Korn zu bringen, indem man feineres und schlechteres Silber mit einander vermengt, und soviel Fein zusezt, als nöthig ist, das verlangte Korn mit der größten Genauigkeit zu erhalten, machte es unmöglich, wenn die Barren zwischen 60 und 80 Pfund Troy wogen, Einträge zu Stande zu bringen, die nicht über 100 Pfund Troy betrugen. Man mußte daher vorläufig die größeren Silber-Barren durch Schmelzen in kleinere verwandeln, und diese mußten wieder auf dem Empfangs-Amte (office of receipt) abgewogen werden. Es wurden also aus einer Arbeit zwei gemacht; der Schmelzer hatte mehr Mühe, mehr Abgang und Auslage, und für das Amt selbst entstand, überflüßige Schreiberei und Aufsicht. Es war einleuchtend, daß dieses Verfahren bei dem Schmelzprocesse des Silbers nichts taugte, und es ward daher aufgegeben.

Man machte hierauf Versuche mit Reverberir-Oefen, nach Art derjenigen, derer man sich auf der Münze zu Lille bedient. Auch diese hatten keinen besseren Erfolg, als die vorigen, und der Reverberir-Ofen wurde wieder aufgegeben. Der Fehler lag hier darin, daß man zu feines Silber bei dieser Art von Schmelzung bekam, und daß die Legirung oxidirt wurde, welche nach englischen Münz-Gebrauche, der Schmelzer durchaus nicht zusezen darf, wie dieß auf französischen Münzen erlaubt ist154). Auf den französischen Münzen wird, sobald das Silber im Fluße ist, etwas davon herausgenommen, und probirt, und sodann Kupfer nach dem Grade der Feinheit des geschmolzenen Silbers |404| (welches während der Probe immer in Fluß erhalten wird) zugesezt, gehörig umgerührt, und alsogleich in Barren gegossen.

Der sel. Morrison, unermüdet in seinen Anstrengungen zur Vervollkommnung des ihm anvertrauten Geschäftes, stellte in den Jahren 1795 und 1798 wiederholte Versuche an, um endlich seinen Zwek-Schmelzen des Silbers in großen Mengen auf ein Mahl, ohne daß das Silber dadurch zu fein wird und verloren geht – zu erreichen. Er wandte dreierlei Oefen an, deren jeder auf verschiedene Weise gebaut war; allein, obschon er seinem Ziele näher kam, blieb noch immer eine Unvollkommenheit übrig, die daher rührte, daß das Silber mit Löffeln ausgeschöpft werden mußte, die das Metall durch ihre Kälte schreiten, und den Schmelz-Proceß höchst mühsam und langweilig machten.

Bis zum Jahre 1804 wurden keine neuen Versuche mehr angestellt: Hr. Morrison starb im Jahre 1803, und an seine Stelle trat sein Sohn als Deputy-Master and Wocker of the Mint. Der außerordentliche Mangel an Silber-Münzen und der fehlerhafte Zustand derselben, welcher von den Fehlern in der Schmelz herrührte, veranlaßte Hrn. Morrison die Versuche seines Vaters zu wiederholen. In dem Verfolge derselben hatte Hr. Morrison sein Augenmerk auf einen Ofen gerichtet, in welchem man sich der Tiegel aus Gußeisen bedienen könnte, so zwar, daß diese Tiegel 4 bis 500 Troy fassen und auf ein Mahl schmelzen, und auf eine Vorrichtung, mittelst welcher man das tölpische und Silber verwüstende Ausschöpfen mittelst des Löffels umgehen, und das Silber in Model aus Gußeisen statt der bisher aus Sand in der Münze gebräulichen gießen könnte.

Hrn. Morrison's Versuche gelangen zu seiner großen Ehre vollkommen, und die Silber-Schmelz ward in der neuen Münze (New-Mint) nach dem Ofen eingerichtet, in welchem die Versuche auf eine so genügende Weise gelungen sind. Seit 1811 ist nun Alles so im Gange, und man kann bei dieser neuen Einrichtung mit Leichtigkeit 10,000 Pfund Troy Silber täglich schmelzen, wie es im Jahre 1817 bei der lezten Umprägung mehrere Monate lang wirklich geschehen ist.

Nachdem wir eine Beschreibung der Vorrichtung zum Plätten und Streken (durch Walzen) des Silbers (Bd. 1. S. 283) |405| gegeben haben155), wollen wir jezt die Oefen der Silber-Schmelz mit den dazu gehörigen Maschinen beschreiben.

Die Figuren 13 zeigen die Maschinen zum Gießen der Silber-Barren im Perspective.

In Fig. 1, ist, AA, der Ofen, oder sind vielmehr die Oefen, in welchen das Silber geschmolzen wird. Sie sind Windöfen, und nach der gewöhnlichen Art der Schmelz-Oefen aus feuerfesten Ziegeln erbaut; um sie jedoch dauerhafter zu machen, ist das Mauerwerk mit einem Gehäuse aus Gußeisen umgeben, dessen Wände oder Platten mittelst Schrauben zusammen gehalten werden. BB, sind die Dekel auf diese Oefen: ein einzelner Schrauben-Stift hält dieselben auf der oberen Platte der Oefen nieder, und diesem Stifte gegenüber ist der Griff, a, befestigt. Wenn man diesen Griff schiebt, so bewegt sich der Dekel seitwärts auf seinem Mittelstifte, so daß er von der Mündung des Ofens wegkommt. An dem Dekel befindet sich eine Walze, welche auf der oberen Platte läuft, und demselben seine Bewegung erleichtert.

Die innere Form eines jeden Ofens ist kreisförmig, 30 Zoll tief, und hält 21 Zoll im Durchmesser; am Grunde des Ofens ist ein Rost aus Gußeisen-Stangen (deren jede beweglich ist), wodurch die Luft Zutritt erhält. Auf dem Roste befindet sich ein Untersaz aus Gußeisen, welcher concav und in der Dike eines Zolles mit Coke- oder Holzkohlen-Staub bedekt ist: auf diesem Untersaze kommt der Tiegel zu stehen, in welchem das Silber geschmolzen werden soll. Der Untersaz ist beinahe zwei Zoll dik, und in seinem Durchmesser um volle zwei Zoll breiter als der Tiegel: der Zwek desselben ist, das Untertheil des Tiegels vor der sehr großen Hize zu verwahren, welche der Luft-Strom, der durch den Rost aufsteigt, während der Ofen im Feuer steht, erzeugt, wodurch der Tiegel in Gefahr gerathen könnte, zu schmelzen. Diese Vorsicht ist wesentlich nothwendig, indem der Tiegel durch den Untersaz so bedeutend über den Rost erhöht, und von dem Feuer des Ofens ganz umgeben wird. Wenn das Feuer indessen in dem Ofen gehörig regiert |406| wird, so ist nicht zu besorgen, daß der Tiegel schmilzt. Oben oder an der Mündung des Tiegels befindet sich eine Muffel, ein 6 Zoll tiefer Ring aus Gußeisen, der genau in die Mündung des Tiegels paßt. Diese Muffel dient hier, wie bei dem Schmelzen des Goldes: sie gestattet mehr Brenn-Material in den Ofen zu bringen, als die bloße Länge des Tiegels nicht erlaubt, und bringt dadurch den Schmelz-Proceß zu größerer Vollkommenheit. Sie wird auch dadurch sehr bequem, daß sie dem Tiegel gewissermaßen eine größere Tiefe verschafft, so daß man Stüke Silber in denselben bringen kann, die, bei der wirklichen Tiefe des Topfes an und für sich, zu lang seyn würden, und nimmermehr in denselben eingetragen werden könnten. Dieser Ring oder die Muffel wird oben mit einem Dekel aus Gußeisen bedekt, damit nichts von dem Brenn-Materiale in den Tiegel fallen kann, und das Metall, während es im Fluße steht, vor der Einwirkung der atmosphärischen Luft gesichert wird. Jeder Ofen hat einen 9 Zoll breiten und 3 Zoll hohen Zug. Der Zug ist 4 Zoll von dem oberen Rande des Ofens entfernt, läuft in horizontaler Richtung fort, und erstrekt sich bis zu dem Zuge, C, der 9 Zoll im Gevierte hält, und in schiefer Richtung in den Schornstein aufsteigt, welcher sich 45 Fuß über dem Roste des Ofens verlängert.

Wenn die Thürchen des Ofens, BB, geschlossen sind, so steigt der Luftstrom, welcher bei dem Roste eintritt, durch den Körper des Ofens auf, und macht, daß das Brenn-Material (hier Cokes), welches den Tiegel umgibt, in volle Gluth geräth. Der gehörige Grad von Hize wird indessen sehr genau durch einen Dämpfer bestimmt, welcher in dem Zuge eines jeden Ofens angebracht ist, und genau in das Vierek desselben paßt, so daß man jeden verlangten Grad von Luftzug nach Belieben herstellen kann. Dieser Dämpfer ist eine Platte von geschlagenem Eisen, und in einem Rahmen befestigt, mittelst welchen er sich leicht aus- und einschieben läßt, so daß die Größe des Zuges sich dadurch leicht vermehren oder vermindern läßt. Er ist in dem Gemäuer des schief aufsteigenden Zuges, C, angebracht, ungefähr 18 Zoll über dem oberen Rande des Ofens. Die Ofen-Thürchen, BB, sind mit |407| kleinen Löchern versehen, durch welche man in den Ofen sehen kann: sie werden durch Pfropfen von Gußeisen geschlossen.

Wenn der Ofen in Gang gebracht wird, legt man einige glühende Holzkohlen auf den Rost und rings um den Tiegel, welcher immer ehe in den Ofen gebracht werden muß, als man Feuer gibt. Auf die Holzkohlen legt man ungefähr 3 Zoll hoch Cokes, schließt das Thürchen, B, und zieht den Dämpfer ungefähr zwei Zoll weit heraus. Wenn die Cokes anfangen zu brennen, trägt man noch ein Mahl soviel von denselben ein, und fährt damit so lange fort, bis der ganze Ofen mit glühenden Cokes angefüllt ist. Diese Vorsicht ist nöthig, damit der Tiegel, welcher aus Gußeisen ist, bei einer zu schnell angebrachten Hize nicht springt: man kann gewöhnlich zwei Stunden rechnen, ehe man dem Tiegel mit aller Sicherheit volle Hize geben darf. Ehe man das Silber einträgt, wird der Tiegel rothglühend gehizt, und dann untersucht, ob er während dieses Hizens (wie man es in England nennt, während des Ausbringens, bringing up) keine Sprünge bekam. Diese Prüfung geschieht dadurch, daß man eine kalte eiserne Stange von bedeutender Dike in die Mitte des Tiegels bringt, wodurch sogleich jeder Sprung dem Auge deutlich wird. Nachdem man sich überzeugt hat, daß der Tiegel gesund (ganz) ist, wird das Silber in denselben eingetragen. Mit diesem zugleich wird auch etwas grob gekörntes Holzkohlenpulver in denselben eingetragen, wodurch der Tiegel an seiner inneren Wand ausgekleidet, und das Silber vor dem Ankleben an derselben geschüzt wird. Wenn das Silber einmahl bis auf den Schmelzpunct gelangt ist, wird die Menge des Holzkohlenpulvers vermehrt, bis es beinahe einen halben Zoll tief auf der Oberfläche desselben steht: dadurch wird es so viel als möglich vor der Einwirkung der äußeren Luft geschüzt, und die Oxidation der Legierung verhütet, durch welche das Silber sonst zu fein werden würde. Nachdem das Silber vollkommen und gehörig geschmolzen wurde, wird es mit einem eisernen Rührer gehörig umgerührt, so daß die ganze Masse von gleichförmigem Korne wird. Der Tiegel wird dann mittelst des Krahnes aus dem Ofen gehoben, und zur Gießmaschine gebracht, durch welche das Silber in die Gieß-Model gegossen wird.

Fig. 3, zeigt diesen Krahn. Er wird durch eine stark |408| Säule von Gußeisen, X, gestüzt, welche in dem Gemäuer unter dem Flöze gehörig befestigt ist. Der Galgen des Krahnes, W. Y ist aus einem Stüke geflossen: er ist bei e, mit einem Halsbande versehen, welches um einen Zapfen an dem oberen Ende der Säule, X, paßt. An dem unteren Theile des Galgens ist ein ähnliches Band, welches die Säule in der Nähe ihrer Basis umfängt. Um diese beiden Stüzpuncte dreht sich der Galgen frei, so daß sein Ende, W, über jeden der beiden Oefen, BB, gebracht werden kann. Das Räderwerk des Krähnes befindet sich zwischen zwei Rahmen, zz, welche an dem Galgen mittelst drei Bolzen befestigt sind: es besteht aus einem Zahnrade, c. an dem Ende der Trommel, auf welchem die Kette sich aufwindet, und aus einem Triebstoke, b, welcher das Zahnrad treibt. Die Achse des Triebstokes hat an jedem ihrer beiden Ende eine Kurbel, durch welche sie gedreht wird. Die Kette, d, wird von der Trommel über die Rolle bei c, geführt, welche in einem Theile des Galgens unmittelbar über dem Zapfen am oberen Ende der Säule, X, angebracht ist. Von hier läuft die Kette über die Rolle, W, am Ende des Galgens, und trägt daselbst die Zange, VT, welche so vorgerichtet ist, daß sie den Tiegel zwischen ihren Haken oder Klauen, T, an ihren unteren Enden halten kann. Die beiden Schenkel der Zange werden, wie die Blätter einer Schere, durch ein Gewinde zusammengehalten, und ihre oberen Enden, V, sind mit der großen Kette mittelst einiger Kettenglieder verbunden. Der Tiegel hat oben ringsumher an seiner Kante einen hervorstehenden Rand, unter welchem die Zangen eingreifen, um den Tiegel aus dem Ofen zu heben. Nachdem der Tiegel zur gehörigen Höhe mittelst Umdrehung der Kurbel, a, aufgewunden wurde, schwingt man den Galgen des Krahnes, um den Tiegel über die Gießmaschine zu bringen, und läßt diesen sodann in dieselbe nieder: denn man kann auf diese Weise den Krahn um eine Schraube ohne Ende schwingen, die bei O, auf der Säule, X, angebracht ist; eine andere Schraube ohne Ende ist in dem Rahmen z, aufgezogen, und greift in die Zähne des Rades ein. Wenn diese Schraube mittelst einer Kurbel an dem Ende ihrer Spindel gedreht wird, so läßt sie den Galgen um die Säule sich drehen.

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Fig. 2, stellt jenen Theil der Gießmaschine vor, in welchem der Tiegel eingesezt wird: m, ist eine Achse, welche in dem Gestelle von Fig. 1, mittelst der Zapfen an ihren Enden aufgezogen ist. Auf dieser Achse ist eine Wiege befindlich, die den Tiegel aufnimmt. Diese Wiege ist so eingerichtet, daß sie sich öffnet und schließt: die Schraube, m, zieht die Theile so lange zusammen, bis sie an einander passen. Der Topf, L, ist ein gekrümmter Zahnstok, als eine Fortsezung der Hauptballen der Wiege. Wenn diese Wiege, wie in Fig. 1, sich an ihrer Stelle befindet, greift der Triebstok, R, in den Zahnstok, L, und kann dadurch so gehoben werden, daß das Metall bei der in dieser Hinsicht an dem Tiegel angebrachten Lippe oder Schnauze ausgegossen werden kann. Die Achse des Triebstokes, R, wird mittelst der Kurbel, D, getrieben durch das Räders werk, DE, FG und RI. Der Mann, der die Kurbel dreht, steht vor dem Topfe, so daß er sieht, was er thut. Das Gestell der Gießmaschine ist in der Figur so ziemlich deutlich dargestellt: es ist so eingerichtet, daß unten ein Raum für den Wagen übrig bleibt, welcher die Model, in die die Barren gegossen werden, enthält.

Fig. 4, stellt ein Modelpaar besonders dar. Die beiden Theile, R und S, passen auf einander, und bilden einen vollkommenen Model, wie Fig. 5 [Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.] , zeigt. Die obere Kante der Mündung ist etwas breite, um das Gießen zu erleichtern. Die Model sind aus Gußeisen. An dem Theile, R, befindet sich der Boden und eine Seite, und an der anderen Hälfte des Models, S, ist die andere Seite. Ehe die Model gebraucht werden, werden sie in einem eisernen Behälter, um welchen Züge laufen, gehizt, und dann innenwendig mit Leinöhl gerieben.

PQ, Fig. 1, ist der Wagen, in welchem eine Reihe dieser Model, wie 4 zeigt, eingesezt wird. Sie werden mittelst der beiden Schrauben, pp, dicht an einander geschraubt, so daß sie fest an einander stehen. Die Model ruhen auf einer Platte, welche mittelst Schrauben, q, an jedem Ende gestüzt wird, und auf diese Weise erhoben und gesenkt, und bei Modeln von verschiedener Höhe gebraucht werden kann. Der Wagen läuft auf 4 Rädern, QQ, in einer Eisenbahn. PP, ist ein Zahnstok an der Boden-Platte des Wagens; in diesen Zahnstok |410| greift ein Zahnrad, n, ein; das Zahnrad wird von einem Triebstoke getrieben, an welchem eine Kurbel, O, befestigt ist, durch deren Drehung der Wagen auf der Eisenbahn bewegt wird. Jeder der Model 4, kann unter die Lippe des Tiegels gebracht werden, und durch das Drehen der Kurbel, D, kann der Tiegel so lange geneigt werden, bis der Model voll ist.

In der Silber-Schmelz der Londoner Münze sind 8 Schmelz-Oefen, 2 Krahne und 2 Gießmaschinen. Jeder Krahn steht in der Mitte von vier Oefen so, daß er frei über die Mitte eines jeden hinreicht, und die Tiegel aus denselben zur Gießmaschine bringt. Die acht Oefen werden täglich drei Mahl beschikt, und jeder Tiegel faßt im Durchschnitte 420 Pfund Troy; in allem werden also 10,080 Pfund täglich geschmolzen. Bei jedem der 4 Oefen arbeiten vier Männer: jede Partei gießt ihre eigenen Töpfe, und von dem ersten Heizen am Morgen an gerechnet ist in etwas mehr als zehn Stunden die ganze Arbeit gethan.

Alles geschmolzene Silber kommt nun unter die Oberaufsicht des Schmelz-Aufsehers (surveyor): er erlaubt nicht, daß von dem Schmelzer der Gesellschaft der Münzer (company of moneyers) Silber abgegeben werde, außer dieselbe bringt einen geschriebenen Befehl von dem Münzprobirer (King's Assay Master), welcher ihn zur Verabfolgung beauftragt.

Das Schmelzen geschieht auf Contract mit dem Münzmeister (Master of the Mint) und seinem ersten Schreiber (Clerk), dem Schmelzer. Dieser ist dem Münzmeister für alles zur Münze bestimmte Silber (bullion), welches ihm übergeben wird, verantwortlich: dadurch wird seine Lage eben so gefährlich, als seine Verantwortlichkeit groß ist. Er findet jedoch Sicherheit für die Treue seiner Untergebenen.

Die Silber-Barren (Zaine), welche echtes Korn zeigen, werden den Münzern übergeben, die wieder contractmäßig von dem Münzmeister die weiteren Arbeiten übernehmen, und von diesem das Silber partienweise abgewogen erhalten. Auch sie müssen Caution für treue Erfüllung ihrer Pflichten leisten.

In Verweisung auf dasjenige, was wir Bd. 1. S. 233, über das Streken durch Walzen anführten, wollen wir nun die Maschine beschreiben, durch welche die Metall-Platten, so wie sie aus der Strekmühle kommen, in Streifen von solcher Breite |411| geschnitten werden, daß man aus denselben die kreisförmigen Stüke oder Bleche, welche die Münzen geben, ausschlagen kann. Diese Breite ist gewöhnlich zwei Kronen, zwei halbe Kronen und Shillings.

Fig. 6 und 7, stellen diese Maschine dar. LL, ist ein starkes eisernes Gestell, welches auf die Grundpfosten der Mühle niedergeschraubt wird, so daß das Schienenrad, D, unmittelbar über die Achse kommt, welche die Strekmühle treibt, und von einem anderen Rade auf dieser Achse getrieben werden kann. Das Rad, D, befindet sich auf der Achse, BB, welche von dem Gestelle, LL, getragen wird. AA, ist eine ähnliche Achse oben an dem Gestelle, welche von einem Schienen-Rade, C, gedreht wird, das in das Rad, D, eingreift. An dem äußersten Ende jeder dieser Achsen, A., wie B, ist ein Rad, oder ein kreisförmiges Messer, E und F, befestigt. Die Kanten dieser Messer liegen an ihren Seiten dicht an einander, und treten etwas übereinander wechselseitig vor, sind aus gut gehärtetem Stahle, und vollkommen kreisförmig zugeschliffen, passen an der Stelle, wo sie übereinander liegen, sehr genau, und sind daselbst rechtwinkelig. Wenn man, während sie sich drehen, die Kante irgend einer Metall-Platte ihnen darbiethet, so schneiden sie diese gerade so, wie eine Schere sie schneiden würde156). II, ist ein kleines Bänkchen, auf welches man die Platte stüzt, wenn man dieselbe, wo sie zerschnitten werden soll, vorwärts schiebt, und, G, ist ein auf diesem Bänkchen angebrachter Leiter: die Kante der Metallplatte wird an diesen Leiter angelegt, während dieselbe sich vorwärts gegen die Messer bewegt. Dieser Leiter ist beweglich, und die Entfernung, in welcher derselbe nach rükwärts von den Kanten der Messer oder von der Berührungslinie der beiden Messer, E, F, absteht, bestimmt die Breite des Streifens des Metalles, welcher von der Platte abgeschnitten werden soll.

Um diesen Metallstreifen „(jezt erst eigentlichen Zainen)“, die genaue Dike zu geben, welche sie haben müssen, ehe die Bleche (Bloks) ausgeschnitten werden, werden sie einem nochmahligen |412| genaueren Streken unterworfen, oder zwischen Baken (dies) von einer Maschine durchgezogen, die Hr. Barton, gegenwärtig Münz-Controleur, erfand.

Die 8te Figur stellt die Vollendungs-Walzen (finisching rollers) von dem Ende ihres Gestelles aus, dar, damit man sieht, wie sie vorgerichtet sind: denn nur darin sind sie von den größeren Walzen verschieden, a, ist einer der Zapfen oder Mittelpuncte der oberen Walze; er paßt genau in ein messingenes Halsband, welches in einer Höhlung oben an den Ständern von einer Kappe, d, mit zwei Bolzen und Nieten niedergehalten wird. Sie sind, wie in dem vorigen Falle, zur Stellung der Walzen bestimmt; die untere Walze wird aber in dieser Hinsicht bewegt. Der Zapfen, b der unteren Walze wird in einem messingenen Lager aufgenommen, welches sich in der Oeffnung des Gestelles bewegen läßt. Das Messing ruht auf einem Keile, e, welcher in einen Quer-Einschnitt durch diese Ständer paßt. Wenn man das Messing weiter in den Keil der unteren Walze eintreibt, wird sie näher an die obere Walze getrieben. Das Gestell an dem anderen Ende der Walzen wird auf dieselbe Weise verfertigt, und die Keile müssen an beiden gleichzeitig vorgerichtet werden. Um diese Keile zu bewegen, wird eine Schraube, f, an jedem derselben befestigt, und an diesen Schrauben ein sogenanntes Wurmrad, g, angebracht, welches durch Schrauben ohne Ende auf einer horizontalen Achse, die von einem Ende des Gestelles zu dem anderen läuft, und an ihrem Ende mit einer Kurbel versehen ist, getrieben wird, so daß die Schrauben und die Keile zugleich gleichmäßig bewegt werden l, ist der Tisch, auf welchen das Metall gelegt wird, um es den Walzen darzubiethen.

Die oben erwähnte Maschine des Hrn. Barton ist hier in Fig. 9 bis 15 dargestellt. Die Arbeit geschieht, wie das Drahtziehen. Fig. 911, stellen eine kleine Maschine zur Verdünnung der Enden der Metall-Streifen (Zaine, slips of metal) vor, so daß sie zwischen die Baken (dies) eintreten können, durch welche die ganzen Zaine ihrer Länge nach durchlaufen müssen. Sie besteht aus einem kleinen Walzen-Paare, welches in der 9ten Figur in einem großen Maßstabe vorgestellt. A, ist die obere, B, die untere Walze, welche drei flache |413| Seiten hat. C. ist der Zahn, der zwischen die Rollen kommt. D, ist ein Aufhälter, der sich in der Richtungslinie der Bewegung des Zaines stellen läßt. Die 10te Figur zeigt diese Maschine von dem Ende, und die folgende von der Seite der gesehen. A und B, sind die Walzen, welche gleichzeitig durch Triebstöke in Bewegung gesezt werden, a, b. F, ist ein großes Zahnrad an dem Ende der Achse der unteren Walze. Es wird von einem Triebstoke gedreht, G, welcher an einer Achse, die quer durch die Maschine läuft, befestigt ist: diese Achse hat an einem Ende ein Flugrad, an dem anderen eine Trommel, H, über welche ein Riemen läuft, durch welchen die Maschine in Bewegung gesezt wird. Auf der Mitte der Achse befindet sich eine Kurbel, und eine Stange, d, welche mit der Kurbel durch ein Gelenk verbunden ist, um sie mit dem beweglichen Blatte, B, der Schere in Verbindung zu bringen, deren anderes Blatt, L, an dem Gestelle befestigt ist. Die Entfernung der Walzen wird durch eine Schraube, ee, oben an jedem Gestelle regulirt. Diese Schrauben haben oben Triebstöke, und werden durch einen Triebstok getrieben, der zwischen dieselben eingeführt wird, und die Zähne beider Triebstöke ergreift, so daß die beiden Schrauben gleichzeitig getrieben werden, wenn das mittlere Rad mittelst eines Quergriffes, der oben an demselben angebracht ist, gedreht wird. Wenn die Metallstreifen (Zaine), welche in diese Maschine kommen, nicht genau rechtwinkelig an ihren Enden sind, so werden sie durch die Schere, welche sich immerdar bewegt, auf diese Art zugeschnitten. Nun bringt man das Ende dieser Zaine zwischen die Walzen, nicht an der Seite, an welcher sie von denselben gleichsam von selbst hineingezogen würden, sondern an der entgegengesezten: hier kommt nämlich eine der flachen Seiten der unteren Walze der oberen Walze gegenüber zu stehen, und der Zain kann zwischen den beiden Walzen vorwärts geschoben werden, bis sein Ende gegen den Aufhälter, D, stößt. Nun nehmen die Walzen, so wie sie sich drehen, und die flache Seite der unteren Walze vorüber ist, den Zain zwischen ihre kreisförmigen Umfänge, und walzen oder streken ihn an jenem Ende, welches sich zwischen dem Aufhälter und dem Berührungs-Puncte der beiden Walzen befindet, dünner.

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Figg. 12 und 13. Ein Durchschnitt zur Darstellung der Weise, wie der Zain, C, zwischen den Baken Fig. 12, durch die Zangen Fig. 13, durchgezogen wird. Die Baken sind zwei stählerne Cylinder, die äußerst hart und sehr genau zugedreht sind: sie passen in zwei Schieber, DD, und werden durch Klammerstüke gegen dieselben geschraubt. Die stählernen Cylinder werden sehr genau in ihre Lager in den Schiebern eingepaßt, so daß sie vollkommen fest stehen, und sich weder biegen noch umdrehen können, und bloß ein kleines Stük ihres Umfanges dem Zaine darbiethen. Die Schieber, DD, passen in eine Büchse, Figg 12 und 14, auf deren Boden sie flach aufliegen, und zwei Klammern, FF, werden gegen die Schieber angeschraubt, um sie in der Büchse fest zu halten. Der untere Schieber wird von zwei Schrauben, ff, festgehalten, und der obere durch eine starke Schraube, G, niedergedrükt, an welcher oben ein Zahnrad angebracht ist, welches mittelst eines Hebels und Triebstokes die Schraube sehr langsam umdreht, und dadurch die Entfernung der Baken regulirt. H, ist ein Klammer-Niet, das auf die Schraube paßt, und alles Wakeln unmöglich macht. Auch die Schieber sind seitwärts mittelst Schrauben befestigt, die durch die Seiten der Büchse laufen, und deren Spizen auf Stahlplatten drüken, welche zwischen ihnen und den Schiebern angebracht sind. Um den Schluß zwischen den Schraubenspizen, welche die untere Seite stüzen, und der Spize der Stellschraube, welche den oberen Schieber treibt, noch vollkommner zu machen, sind zwei Strek-Schrauben in den Enden der stählernen Baken zwischen den Schiebern angebracht, wodurch ein hinlänglicher Grad von Schluß zur Ueberwältigung der Federkraft der Materialien erregt wird, ehe noch die Baken auf den Zain einwirken.

Die Figur 16, stellt die Zug-Maschine im Gange im Perspective dar. Die Baken-Büchse ist an einem Ende eines langen Gestelles angebracht. Dieses Gestell trägt zwei Achsen, AA, eine an jedem Ende. Auf diesen Achsen sind Räder und über diese Ketten ohne Ende angebracht, BB, welche sich auf einer oben in dem Gestelle angebrachten Bahn bewegen. Diese Kelten werden durch ein Zahnrad, C, in Bewegung erhalten, welches auf der von der Bakenbüchse am weitesten entfernten |415| Achse befestigt ist. Dieses Zahnrad wird von einem Triebstoke, D, getrieben, auf dessen Achse sich ein Rad, E, befindet, und dieses Rad wird von einem Triebstoke, F, auf der Achse der Trommel, G, getrieben, welche von einem Laufbande bewegt wird, das von einigen Rädern in der Mühle herkommt, und durch eine Spann-Walze nach Belieben in und außer Thätigkeit gesezt werden kann. Der Zain wird von der Kette mittelst einer Zange durch die Baken gezogen.

In Figg. 13 und 15, sind die beiden Fänge der Zange, aa, welche durch den Verbindungs-Stift, c, verbunden sind. Dieser hat an jedem Ende eine kleine Walze oder ein kleines Rad, womit er oben in der Bahn des Gestelles läuft; dd, ist ein ähnliches Räderpaar, dessen Achse mit zwei Gliedern, ee, verbunden ist: diese Achse läuft zwischen den Schwänzen der Zange, ist aber nicht an denselben befestigt. Die Enden dieser Glieder haben einen doppelten Haken, wie Fig. 5 [Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.] , zeigt. Die Zangen laufen auf ihren Rädern unmittelbar über die Kette ohne Ende, so daß, wenn das Ende der Glieder, ee, niedergedrükt ist, einer dieser Haken einen Quer-Stift der Kette fängt, wie Fig. 5 [Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.] , zeigt. Die Achse des Rades, dd, welche zwischen den geneigten Theilen der Schwänze der Zange spielt, sucht dieselben von einander zu treiben, wodurch die Fange der Zange mit desto größerer Gewalt einbeißen. Die Glieder, ee, ziehen die Zange mit der Kette, BB. Die Glieder werden eine lange Streke über zwischen der Achse der Räder hingeführt, und haben ein hinlängliches Gewicht, h, an sich befestigt, welches das hakenförmig gekrümmte Ende, f, hebt, und aus der Kette los macht, außer wenn eine bedeutende Spannung an den Zangen Statt hat.

Wenn diese Maschine in Thätigkeit gesezt werden soll, ergreift ein Junge die Zange bei ihrem Griffe, wo sie aus der Kette los ist, und schiebt sie vorwärts zu der Bakenbüchse. Die Zangen laufen frei auf ihren Rädern, und ihre Fänge öffnen sich, wenn sie in dieser Richtung bewegt werden, indem zwei kleine Stifte, ii, zwischen den Gliedern befestigt sind, und auf die Außenseite der Schweife der Zange wirken, dieselben schließen, und dadurch zugleich die Fänge öffnen. Die Fänge werden dicht an die Bakenbüchse vorgeschoben, und kommen in eine |416| Höhle, N, Fig. 12, die absichtlich dazu vorgerichtet ist. Ein anderer Junge nimmt einen Zain, welcher vorläufig durch die Walzen, Fig. 9, dünn gestrekt ward, und führt denselben zwischen die Baken, und auch zwischen die Fänge der Zange, welche offen sind. Der Junge, welcher die Zange hält, nimmt nun den Griff, s, oben an dem Rüken derselben, und hält ihn fest, während er mit der anderen den Griff, r, an dem Ende der Glieder von der Zange wegzieht. Dadurch werden die Fänge der Zange auf dem zwischen denselben befindlichen Zaine geschlossen: zugleich drükt der Junge den Griff, r, nieder, und der Haken an dem Ende der Glieder, ee, wird von dem ersten Querstifte der Kette unter ihm gefangen. Dadurch geräth nun die Zange in Bewegung, und die erste Wirkung hiervon ist, daß ihre Fänge sich schließen, und in den Zain mit großer Gewalt einbeißen, indem die Achse der Räder zwischen die geneigten Flächen der Zange kommt. Nachdem die Zange sich mit aller Gewalt auf dem Zaine geschlossen hat, bewegt sie sich mit der Kette fort, und zieht die Zaine durch die Baken, welche auf den dikeren Theil derselben mir weit mehr Kraft wirken, als auf den dünnen, und so dieselben auf gleiche Dike zurükführen. Nachdem sie ganz durchgezogen sind, wird der Zug an der Zange allmählich vermindert, und da dann das Gewicht an dem anderen Ende der Glieder den Haken hebt, so kann diese wieder zu den Baken zurükgeführt werden, um daselbst einen anderen Zain zu ziehen. Das Gestell enthält zwei Paar Baken, und dasselbe Rad dient für beide. Auf der Münze befinden sich zwei Maschinen dieser Art neben einander, und nur so weit entfernt, daß ein Junge zwischen denselben arbeiten kann. Hr. Maudsley verfertigte dieselben unter der Aufsicht ihres Erfinders.

Die auf dieser Maschine gestreckten Zaine sind um vieles gleichförmiger in der Dike, als diejenigen, welche mittelst der sogenannten Adjustir-Walzen gezogen werden; folglich werden auch die einzelnen Stüke (die sogenannten Platten), dem gesezlichen Schrote um vieles näher gebracht: denn dieß war der Zwek bei dieser Erfindung. Wie wichtig dieß für die Münze geworden ist, erhellt daraus, daß dadurch das Remedium bei Goldmünzen von 40 Gran auf 12 herabgebracht worden ist. |417| Wenn die aus den auf dieser Maschine zugerichteten Zainen geschnittenen Platten gewogen, und auf das Pfund Troy Gew. gezählt werden, so beträgt die Abweichung von dem Schrotte selten über drei Gran. Es gilt bekanntlich für eine schöne Arbeit, wenn bei der Adjustir-Walzen die Abweichung unter 6 Gran Troy Gew. fällt.

Nachdem die Platten durch Bolton's Durchschlag-Presse (Bd. 1. S. 249) ausgeschnitten wurden, kommen sie in die Ausgleichungs-Kammer, wo sie Stük für Stük ausgeglichen werden. Die zu leichten Stüke werden zum Wiedereinschmelzen zurükgelegt, und die schweren, wo sie nicht zu schwer sind, werden durch Befeilen ihrer Oberfläche mit einer groben Feile oder Raspel ausgeglichen. Die außerordentliche Genauigkeit der Maschine des Hrn. Barton's hat indessen dieses eben so unelegante als unmechanische Verfahren um ein Bedeutendes abgekürzt.

Die auf diese Weise zugerichteten Platten sind wegen des Strekens und Ziehens außerordentlich hart geworden, und aller in ihnen verborgene Wärmestoff wurde ausgepreßt. Sie erhalten ihre ursprüngliche Weichheit dadurch wieder, daß man sie in einem Reverberir-Ofen kirschroth glüht, und dann in einer sehr schwachen Schwefelsäure siedet, wodurch sie vollkommen weiß werden. Nachdem sie in warmen Sägespänen öder bei einem sehr mäßigen Feuer getroknet wurden, sind sie rändel- und prägefertig.

Das Rändeln an der Kante geschieht, um das Abfeilen des Randes zu verhüten: einer Betrügerei, die an den älteren Münzen, deren Rand noch nicht mit Buchstaben oder Zierrath versehen waren, häufig begangen wurde. Der Bau der Rändel-Maschine (milling-machine) erhellt aus Figg. 17 und 18, wo sie im Aufrisse und Grundrisse gezeichnet ist. Die Theile, welche auf die Platte wirken, bestehen aus zwei stählernen Stangen oder Linealen, DD, deren anliegende Kanten ausgeschnitten oder ausgeschweift sind. Die untere Stange, die man im Grundrisse Fig. 18, sieht, ist unbeweglich, und wird mittelst zwei Klammern auf einer Eisenplatte, D, niedergehalten, welche die Basis der ganzen Maschine bildet. Die beiden senkrechten Stüke hindern die obere Stange vor dem Aufsteigen; |418| die sich jedoch frei nach vorwärts und rükwärts in der Richtung ihrer Länge bewegen kann, und in dieser Bewegung dadurch geleitet wird, daß sie in der Hälfte ihrer Dike in einer in der Platte, D, gebildeten Furche liegt. Ein Zahnstok, CC, Fig. 1, ist an dem beweglichen Lineale befestigt, welches in die Zähne des Rades, B, eingreift, das auf einer unter einem rechten Winkel quer auf dem Lineale liegenden Achse aufgezogen ist, die an ihren Enden von zwei, von der Platte, D, aufsteigenden, Pfeilern getragen wird. An einem Ende der Achse ist eine Kurbel befestigt, wodurch die Maschine in Umtrieb gesezt wird. Zwei Platten kommen, wie man in Fig. 18, sieht, auf ein Mahl in die Maschine, und das untere Lineal kann mittelst der beiden Schrauben, ff, dem oberen näher gebracht, oder von demselben entfernt werden, damit Platten von verschiedener Größe zwischen denselben aufgenommen werden können. Die Operation dieser Maschine geschieht auf eine sehr einfache Weise. Nachdem zwei Platten zwischen die Kanten der Lineale gebracht wurden, wird die Kurbel, A, bis zur Hälfte ihres Umlaufes gedreht, wodurch das obere Lineal gegen sein Ende hin so weit fortgeschoben wird, daß die Platte an ihrem ganzen Umfange oder Rande gerändelt werden kann. Die beiden gerändelten Stüke werden nun herausgenommen, und zwei frische zwischen die Lineale gebracht; die Kurbel, A, wird in entgegengesezter Richtung wieder in der Hälfte ihres Umlaufes zurükgetrieben, und führt das obere Lineal in seine vorige Lage zurük, wodurch wieder zwei Stüke gerändelt wurden, u.s.f. Die Maschine wird auf eine starke hölzerne Bank gestellt, die in eine für den Arbeiter, welcher die Kurbel dreht, bequeme Höhe gebracht werden kann. Ein Junge legt die Platten in die Maschine in der Nähe der Kurbel.

Die 19te und 20te Fig. dient zur weiteren Erläuterung der Durchschlag-Presse des Hrn. Bolton (Bd. 1. S. 249.) Fig. 19, zeigt die Weise, wie das horizontale Rad auf die Walze, F, wirkt. Sie stellt einen horizontalen Grundriß des oberen Theiles der Achse dar. S, Fig. 19, ist ein Theil des Randes des großen Rades, und, T, einer der hervorstehenden Zähne, welcher, wenn das Rad sich in der Richtung des Pfeiles dreht, die Walze, F, an dem Ende des Hebels, FD, ergreift, und den |419| Hebel in dieser Richtung dreht, wodurch die Schraube aufgewunden, und der Druker aus dem Stämpel gehoben wird. Dadurch wird auch zugleich die Stange, H, gezogen, welche mit dem Hebel mittelst eines Gewindes verbunden ist. Das andere Ende ist mit einem gekrümmten Hebel verbunden, von dessen anderem Ende eine Stange herabsteigt, an welcher ein Stämpel befestigt ist. Fig. 20, ist der Sperrkegel. Bei R, ist er an einem Gewinde, E, beweglich, und wird durch eine Feder, K, aufwärts gestoßen. An dieser Feder ist eine Schnur, O, befestigt, an deren unterem Ende ein Tretschämel angebunden ist.

Die Presse ist auf Fig. 21, im Aufrisse dargestellt, CCC, ist ein starkes Gestell aus Gußeisen, welches auf eine steinerne Grundlage niedergeschraubt wird. Der obere Theil ist zur Aufnahme der Schraube, D, senkrecht durchbohrt. Ein Präge-Stämpel aus Stahl, welcher die Münze prägt, ist mittelst einer Büchse, Fig. 4, an dem unteren Ende der Schraube befestigt, und der andere Stämpel ist in einer Büchse, Fig. 7, welche unten an der Basis der Presse festgemacht ist, eingesezt. Die schweren Gewichte an dem sogenannten Schlüssel (balance weights), RR, sind oben auf der Schraube befestigt, welche, wenn sie gedreht wird, den oberen Prägestämpel auf die Platte, welche geprägt werden soll, niederdrükt, und da diese auf dem unteren Prägestämpel liegt, zugleich auch diesen abdrukt, und so die Münze ausprägt. Die notwendige Kraft hierzu wird durch das Moment der mit Gewichten beladenen Arme, RR, erhalten. Die Schraube erhält ihre Bewegung durch das Stük, A, welches bis an die Deke der Prägestube reicht, und durch eine Dampfmaschine in Umtrieb gesezt wird, die, sammt dem nöthigen Zugehöre, sich in einem Gemache über der Prägestube befindet.

Acht solche Pressen157) stehen in einer Reihe auf dem steinernen Pflaster, auf welchem sehr starke eichene Pfeiler auf |420| gerichtet sind, die bis an die Deke reichen. Jede Presse steht zwischen vier solchen Pfeilern, welche durch eiserne Arme, die horizontal von jedem derselben zu dem gegenüberstehenden laufen, befestigt sind. Diese Arme stüzen Holzblöke, gegen welche die Enden, RR, des Schlüssels anschlagen, damit sie nicht weiter, als nothwendig ist, laufen, indem ohne diese Vorsicht die harten stählernen Prägestämpel zuweilen mit einander in Berührung kommen, und zerbrochen werden könnten. Die Platte, welche geprägt werden soll, befindet sich während des Ausprägens in einem stählernen Ringe oder Halsbande, wodurch die kreisförmige Figur derselben erhalten wird. Dieser Ring ist in W, Fig. 25, in größerem Maßstabe dargestellt. V, ist in Fig. 22 eine Feder mit drei Zinken, wodurch die Feder immer aufwärts kommt. Die Oeffnung in dem Ringe, W, paßt auf den Hals des unteren Stämpels, T, Fig. 27. Wenn der Ring auf den Hals des Prägestämpels fällt, so ist die obere Oberfläche des Ringes und des Prägestämpels in einer und derselben Ebene. Der Ring läßt sich auf dem Halse aufwärts schieben, und bildet dann eine Vertiefung oder Zelle, die gerade eine zu prägende Platte aufzunehmen vermag. Der Ring oder das Halsband, W, kann auf dem Halse des Prägestämpels mittelst der Hebel, GG, Fig. 26, auf- und abgeschoben werden. Diese sind auf Stiften aufgezogen, mit welchen sie ein Gelenk bilden, und befinden sich in einem großen Ringe, gg. der außen um die Büchse (Fig. 27) lauft, welche den Prägestämpel, T, enthält, und auf derselben, wie Fig. 21, zeigt, durch die Klemmschrauben, gg, befestigt ist. Die Hebel, GG, sind an ihren äußeren Enden gabelförmig zur Aufnahme von Zapfen an den unteren Enden der Eisenstangen, EE, welche durch Löcher in dem |421| dichten Metalle der Presse aufsteigen, und mit einem Halsbande, G, verbunden sind, welches an den oberen Theil der Schraube, D, paßt. Wenn die Schraube zurükgedreht, und der obere Prägestämpel in die Höhe gezogen wird, so heben die Stangen die äußeren Enden der kurzen Hebel, G, und die innere Seite drükt den Ring nieder. Man legt eine auszuprägende Platte auf den Prägestämpel, und wenn die Schraube so gedreht wird, daß der obere Prägestämpel auf dieselbe herabgebracht wird, um die Münze auszuprägen, so werden die Hebel, G, frei, und die dreifache Feder, V, hebt das Halsband auf, so daß es die Münze umgibt, in diesem Zustande wird nun geprägt, oder, wie man sagt, geschlagen. Unmittelbar darauf windet sich die Presse zurük, und dann treiben die Hebel, G, das Halsband nieder auf dem Halse des Prägestokes, und lassen das geprägte Stük frei. Der untere Präge-Stämpel ist in einer Büchse, Fig. 27, mittelst der Schrauben, tt, befestigt, durch welche es mit der größten Genauigkeit unter dem oberen Stämpel angebracht werden kann. Die Büchse, Fig. 27, wird auf der Basis der Presse mir vier Schrauben niedergeschraubt. Der obere Prägestämpel ist in S, Fig. 23, dargestellt, wo zugleich gezeigt wird, wie man denselben an der Schraube befestigt, vv, sind vier Schrauben, wodurch der Prägestämpel in einer Büchse, Fig. 23, festgehalten wird. Diese Büchse ist in einen Ring oder in ein Halsband eingesezt, wie die punctirten Linien, F, zeigen: Siehe auch Fig. 21. Die Arme des Halsbandes, F, sind an den Stangen, EE, mittelst zweier Nieten an jedem Ende befestigt: dadurch muß das Halsband, F, und die Büchse, 23, immer der Schraube folgen, und in genauer Berührung mit dem Ende der Schraube bleiben, die in eine Höhlung oben an der Büchse, Fig. 23, eintritt, jedoch so, daß die Schraube sich frei und unabhängig von der Büchse drehen kann.

Fig. 22, ist ein Ring, welcher mittelst seiner Schrauben, ww, an der Schraube der Presse befestigt ist. Eine Klaue, V, steigt von dem Ringe nieder, und tritt in die Höhlung, o, in der Kante der Büchse, Fig. 23, welche Höhlung beinahe drei Mahl so weit ist, als die Klaue, V, und daher der Schraube erlaubt, sich bis auf eine gewisse Streke hin zu drehen, ohne |422| die Büchse, Fig. 23, zugleich mitzudrehen; außer dieser Streke jedoch dreht sich die Schraube und die Büchse zugleich. Der Zwek dieser Vorrichtung ist, den oberen Prägestämpel auf die auszuprägende Platte in einer Schrauben-Bewegung niederzudrüken; würde sich der Stämpel aber in einer ähnlichen Bewegung heben, so würde er den feinen Abdruk abschaben und zerstören. Aus diesem Grunde ist die Höhlung, o, so weit, daß sie der Schraube gestattet, zurükzulaufen, und den Stämpel aus der unmittelbaren Berührung mit der geprägten Münze zu bringen, ehe derselbe anfängt, sich in Schraubenbewegung zurükzudrehen.

Fig. 24, ist eine Büchse, welche über die Büchse des oberen Prägestämpels geschraubt wird, wie Fig. 21, zeigt, damit derselbe fest in seiner Höhlung erhalten wird.

Die große Preßschraube ist an ihrem oberen und unteren Ende walzenförmig, wie Fig. 21, zeigt, und ihre Enden passen genau in Halsbänder, welche mittelst Schrauben fest angezogen werden. Die eigentliche Schraube ist zum Theile in dem festen Metall-Gestelle verbunden, und hat keinen anderen Zwek, als den Prägestämpel niederzutreiben: die Seitenleitung geschieht durch die Halsbänder.

Kein Land hat schönere Münze, als England; man kann den englischen halben Pfennig (Halbpence, 6 Pfenn. rhn.) eben so gut eine Medaille nennen, als die Doppel-Guinea, und man darf es wahrlich dem so oft das Ausland verhöhnenden National-Stolze der Engländer verzeihen, wenn er unsere festländischen Goldstüke und Thaler „flat heads“ (Flachköpfe) nennt. Es läßt sich allerdings auf dem festen Lande, wo man keine englische Preßschraube kennt, und schwerlich vor 100 Jahren noch eine machen wird, (ausgeführt aus England dürfen nicht einmahl halbzolldike Schrauben werden) nicht erwarten, daß unsere Münzen sobald das englische Gepräge erreichen werden, zumahl da Münzen Finanz-Quellen sind. Indessen wird vielleicht dasjenige, was unsere Münzmeister aus obigem Aufsaze weder brauchen können und wollen, noch brauchen dürfen, manchem Silber-Arbeiter und Knopf-Fabrikanten zu Nuzen kommen. A. d. Ueb.

|403|

Der englische Schmelzmeister darf das gesezliche Korn nur durch Zusaz von Fein erzeugen. A. d. Ueb.

|405|

Wir werden diese nachtragen. A. d. Ueb.

Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.
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Diese höchst einfache und sehr sinnreiche Vorrichtung läßt sich in verschiedenen Metall-Manufakturen benüzen. A. d. Ueb.

Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.
Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.
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Das Prägen der Münzen mittelst der Presse ist eine französische Erfindung, die allgemein einem Graveur, Art. Brucher, zugeschrieben wird, welcher unter Heinrich II. im Jahre 1553 mittelst derselben prägte. Die Presse wurde aber im J. 1585 unter Heinrich III. wieder aufgegeben, weil man sie zu kostbar fand, und der Hammer |420| trat wieder an seine alte Stelle. Im Jahre 1623 versuchte Briot vergebens die Presse wieder in Frankreich einzuführen; er ward nicht gehört und ging nach England, wo er glüklicher mit seinem Clienten war. Indessen ward noch durch einige 40 Jahren lang, auch in England, bald der Hammer, bald die Presse gebraucht, bis endlich in Frankreich seit dem Jahre 1645, in England seit dem Jahre 1662 die Presse bis jezt ununterbrochen fort angewendet wurde. Auszug aus einer historischen Notiz über das Münzwesen von G. H. im Mechanic's Magaz. N . 66. S. 147.

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