Titel: Ueber Hängebrüken
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. XXXVI./Miszelle 20 (S. 137–138)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/mi016036_20

Ueber Hängebrüken

enthält das Edinburgh Philosophical Journal N. 21. S. 140 einen Aufsaz mit drei Abbildungen unter dem Titel: Report on the present state of the wooden bridge and Montrose, et the practicability of evecting a suspend bridge of iron in its stead. By George Buchanan , |138| Esqu. Civ. Engineer and Lecturer on Mechanics at the School of Arts, Edingburgh, welcher uns einer der wichtigsten über diese Art von Brüken zu seyn scheint, den wir bisher zu Gesichte bekammen, in unseren Blättern aber nicht mittheilen können, theils weil er zu sehr für Localverhältnisse berechnet ist, theils weil wir noch weit von jener Stufe von Cultur entfernt sind, auf welcher man fühlt, daß alles, was aus Holz ist, schlecht ist, sobald es zu demselben Zweke und mit derselben Bequemlichkeit aus Stein und Eisen seyn kann. Solange wir gegen dieses Gefühl eines jeden Verständigen keinen anderen Grund auffinden können, als: daß es auf diese Weise zu theuer kommt; so sagen wir nichts anderes, als daß wir kein Geld haben, d.h., mit anderen Worten, daß wir entweder zu faul oder zu dumm sind, um uns das nöthige Geld zu verdienen. Beleuchtet man aber auch diesem, über allen Widerspruch erhaben scheinenden Grund genauer, so wird man finden, daß das, was aus Stein und Eisen ist, länger dauert, als dasjenige, was aus Holz ist, und folglich auch im Grunde viel wohlfeiler zu stehen kommt; also eben deswegen dort, wo Geldmangel ist, um so nothwendiger zu berüksichtigen wird. Wir können diesen Aufsaz nicht genug den Brükenbaumeistern empfehlen, die in Staaten leben, in welchen man Staats-Wirthschaft nicht bloß lehrt, sondern auch übt; wo man nicht die herrlichsten Eisenerze, die schönsten Steinkohlen unbenüzt unter der Erde läßt, und die schönsten Wälder zu Pottasche niederbrennt; wo man die herrlichsten Steinbrüche hat, und, weil die Steine nicht von selbst oder auf den Pfiff eines Amphion, wie einst zur Erbauung der Mauern Thebens, hergelaufen kommen, Brüken lieber aus Holz zimmert, als aus Stein mauert, wenn je Hängebrüken eine gar zu halsbrecherische Sache wären.

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