Titel: Preise, welche die Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale bei ihrer lezten Sizung am 10. November 1824 ertheilte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. XXXVI./Miszelle 3 (S. 130–131)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/mi016036_3

Preise, welche die Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale bei ihrer lezten Sizung am 10. November 1824 ertheilte.

Der Preis von 4000 Franken für eine Mahl- und Schrotmühle für alle Arten von Landwirthschaften (vergl. polytechn. Journ. B. VII. S. 93. B. XIII. S. 427.) wurde Hrn. Delamolére zuerkannt. Seine Mühle, dergleichen er mehrere in der Gegend von Ehartres errichtete, ist eine Art portugiesischer Windmühle, die den Wind von rükwärts her fängt, und die sich selbst stellt. Sie kommt auf höchstens 2,600 Franken, und mahlt jährlich an 455 Hektoliter Weizenmehl und 300 Hektoliter verschiedenes Getreide. br. Hachette hat dem Berichte des Hrn. Humblot-Conte über diese Mühle, eine sehr lehrreiche historische Notiz über Wind-Mühlen mit senkrechten Flügeln beigefügt, mit Nachweisungen auf die in den Bulletins diele Gesellschaft J. 1804, S. 162, 165, J. 1817, S. 182, J. 1818, S. 62, J. 1819, S. 245 erwähnten Verbesserungen an Windmühlen. Er glaubt, Hrn. Delamolére's Mühle würde noch besser seyn, wenn, nach Hrn. Molard des jüng. Weisung, die Haupttheile derselben aus Eisen, die Flügel aus Holz statt aus Leinwand, und jene Vorrichtung mit Centrifugalkraft angebracht wäre, wodurch die Kraft des Windes durch den Wind selbst geregelt wird.

Den Preis von 2,000 Franken für Stangenkupfer zum Gebrauche der Golddrahtzieher (polytechn. Journ. B. VII. S. 99.) erhielt Hr. Gordon zu Lyon, der 29,908 Kilogrammen verfertigte, während die HHrn. Billette nur 11,021 Kilogramme in Umlauf sezten. „Die Fabrik der Lezteren zu Bonnaud, 2 Stunden von Lyon, hat 6 Werkstätte, 2 Wasserleitungen, einen Pferde-Göpel, und beschäftigt täglich 35–40 Arbeiter. Das wird gewiß genug seyn, „sagt der Bericht-Erstatter,“ um die Concurenz mit den Nürnberger Fabriken auszuhalten. „Es wird bald viel zu viel seyn. Denn wenn der ausländische Draht in Bakern eingeführt werden darf, während der Nürnberger den seinigen nirgendwo einführen kann, so werden die Nürnberger-Draht-Fabriken von Jahr zu Jahr kleiner werden, und endlich ganz verschwinden müssen. Lyoner-Treffen dürfen bei uns eingeführt werden, und der Nürnberger-Draht zu denselben soll nicht mehr nach Frankreich kommen. Warum machen wir es mit den Treffen nicht, wie die Franzosen mit dem Drahte, und lassen dieselben auch nicht mehr über die Gränzen, und ermuntern dadurch unsere Drahtzieher und unsere Posamentirer?

Der Preis von 1000 Franken für ein Mittel, armen Blinden die nüzlichste und zwekmäßigste Beschäftigung zu verschaffen, (vergl. polytechn. Journ. B. X. S. 492. B. XIII. S. 127.) wurde dem Institute für Blinde (Institution royale des Jeunes aveugles) zuerkannt, und Hr. Anastasi, selbst ein Blinder dieses Institutes und Preiswerber, erhielt eine silberne Medaille und eine Belohnung von 300 Franken. Noch ein Blinder dieses Institutes, und Hr. Roques, Lehrer an diesem Institute, warben gleichfalls mit um den Preis. Hr. Roques will die Blinden zu Musiker erziehen, und sie sodann als Organisten, Chorsänger u. d. gl. verwenden, wogegen aber die Geistlichkeit, so gern sie Blindheit um sich sieht, protestierte. Hr. Anastasi will Ziegelschläger daraus gebildet |131| gebildet wissen, indem er sich selbst zu einem geschikten Ziegelschlager bildete, und in 10 Stunden 900 große und eben so viele mittlere Dachziegel, 420 Ziegel und 480 sechsekige Platten schlug. Graf Alexis de Noailles las eine Abhandlung über zwekmäßige Beschäftigung der Blinden vor, die im nächsten Bulletin erscheinen soll.

Den Preis von 2,000 Franken für Erhaltung der Nahrungs-Mittel nach Hrn. Appert's Methode im Großen, oder durch jedes analoge Mittel, erhielt Hr. Appert selbst, indem er mehr als das Programm forderte (vergl. polytechn. Journ. B. VII. S. 24. B. XIII. S. 128.) geleistet hat. Seine Speisen parierten auf dem Lybio die Linie, und kamen nach 2 Jahren wohlerhalten zurät. Hr. Appert verkauft jährlich für mehr als 100,000 Franken nach seiner Methode conservirte Lebens-Mittel. Der Berichterstatter, Hr. Bouriat (welcher dem sel. Banks eine Flasche Milch schikte, die er 7 Jahre lang aufbewahrt hatte) klagt mit Recht über die Sorglosigkeit seiner Landsleute und der seefahrenden Völker über einen so wichtigen Gegenstand, dem nur die Engländer allein jene Aufmerksamkeit schenkten, die er so sehr verdient. (Aus dem Bulletin dieser Gesellschaft.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: