Titel: Hefen zum Brodbaken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. LVII./Miszelle 19 (S. 264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/mi016057_19

Hefen zum Brodbaken.

Bisher nahmen die Bäker in London ihre Hefen von den Brauern. Diese Hefen waren häufig von dem Hopfen sehr dunkelbraun gefärbt, und man glaubt in England allgemein, je weißer das Brod, desto besser: so daß, bloß der Weiße wegen, oft wahre Giftmischerei mit dem Brode getrieben wird. Zu Edinburgh bereiteten die Bäker ihre Hefen selbst, und nehmen, um dieselben so wenig als möglich gefärbt zu erhalten, 10 Pfund weißes Mehl, und 2 Gallons Wasser, um das Mehl mittelst desselben zu einem Teige anzurühren, den sie 7 Stunden lange ruhen lassen, worauf sie Ein Quart Hefen zusezen. In 6 oder 8 Stunden fängt diese Mischung, wenn sie an einem warmen Orte gehalten wird, an zu gähren, und gibt Hefen genug für 120 sogenannte Quartern-Leide. Die Bäker zu London, welche dieses Verfahren ihrer Collegen zu Edinburgh sehr zwekmäßig fanden, luden Hefen-Fabrikanten von Glasgow nach London ein, schossen ein Capital von 5,000 Pf. Sterl. (60,000 fl. rhein.) zu Errichtung einer solchen Hefen-Fabrik zusammen, und machten sich verbindlich keine anderen Hefen zu brauchen. Die Fabrik befand sich bald in einem blühenden Zustande; den Brauern blieben eingegen ihre Hefen, für welche sie ehevor schönes Geld lösten, liegen. Nun luden die Brauer die Bakerknechte in ihre Keller, gaben ihnen soviel Bier, als sie trinken mochten, und versprachen ihnen täglich soviel Bier zu schiken, als sie wünschten, wenn sie ihre Meister zwangen, die Hefen wieder bei den Brauern zu holen. Die Bakerknechte sagten in Corpore ihren Herren die Arbeit auf, wo sie nicht ihre Hefen wieder von den Brauern nahmen. Die Herren mußten nachgeben, die neue Fabrik gerieth in Steken, und die Bewohner London's müssen jezt schlechteres Brod auf dem Tische haben, als die Schottländer, – weil die Brauer ihre Hefen an Mann bringen wollen. (Mechanic's Magazine N. 62. S. 91.)

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