Titel: Seil-Brüken in Indien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. LXXXIV./Miszelle 6 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/mi016084_6

Seil-Brüken in Indien.

Das Philosophical Magazine and Journal. Januar, 1825, S. 71 theilt aus dem Calcutta John Bull folgende Notiz über die „traggaren ländlichen Seil-, Spann- und Hängebrüken“ (wie sie auf indisch heißen) mit. Das ganze Brükenbau-Material zu diesen Brüken laßt sich auf einigen Karren von einem Orte zum anderen schaffen, und diese Brüken sehen eben so niedlich und mahlerisch aus, als sie nüzlich und wohlfeil sind. Außer den beiden Puncten (ungefähr 15 Fuß von jedem Ufer des Flußes) von welchen sie von einem Ufer zu dem anderen über den Fluß hinbespannt sind, haben sie keine Stüze. Die Seile sind auf eine sehr einfache Weise gespannt mittelst einer Vorrichtung, die mit Bambus-Rohr überlegt, als Fußpfad dient. Sollte ja irgend ein Seil reißen, so ist dem Uebel in einer Viertelstunde, ohne allen weiteren Nachtheil für die Brüte, abgeholfen. Der Hauptgrundsaz, worauf der Bau derselben beruht, ist, daß ihr Gewicht ihre Stüzen immer tiefer in die Erde drükt, was bei dem indischen leichten weichen Boden eben so leicht als nothwendig wird. Die Brüke, die in der lezten Regenzeit über den Berai gespannt war, war 160 Fuß lang; ihr Fahrweg war 9 Fuß breit, und, mit Ausnahme sehr schwerer Lastwagen, konnte Alles darüber fahren. Die lezte Regenzeit war, seit 50 Jahren, eine der furchtbarsten, und die Brüke hatte auch nicht ein einziges Mahl Ausbesserung nöthig. Die Brüke zu Caramnassa war 320 Fuß lang, und 8 Fuß breit. Sechspsünder wurden darüber gefahren, und 6 Reiter konnten |395| starken Schrittes neben einander darüber reiten, ohne allen Nacktheil für die Brüke. „Wir zweifeln nicht“, sagt John Bull, „daß diese Brüken bald allgemein werden.“ Dieß mag in Indien der Fall seyn; bei uns kann es schon aus dem einzigen Grunde nicht geschehen, weil es zu natürlich, zu einfach und zu wohlfeil wäre. Es läßt sich bei einem solchen Brükenbaue nichts gewinnen, indem kein bedeutender Unterschleif dabei möglich ist.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: