Titel: Schuhwichs von Hrn. Braconnot.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. CXII./Miszelle 12 (S. 527)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/mi016112_12

Schuhwichs von Hrn. Braconnot.

Da genauere Untersuchung der gemeinsten Dinge zuweilen auf nüzliche Resultate führen kann, so fand ich es der Mühe werth einige Muster englischer Schuhwichs (cirage anglais) zu analysiren, die mir ein sehr verständiger Stiefel-Fabrikant211) mittheilte, weil er sie für besser hielt, als irgend eine aus unseren gewöhnlichen Fabriken dieses Artikels. Ich fand, daß sie beinahe aus denselben Bestandtheilen, wie unsere gewöhnliche Schuhwichs, zusammengesezt waren, nur in anderen Verhältnissen; sie enthielten Beinschwärze (noir d'os ou d'ivoire), Phosphorsäure, und zuweilen selbst Schwefelsäure im Ueberschusse, fixes und flüchtiges Oehl, und ein Extract, das mir von Gersten-Malz-Extract nicht verschieden zu seyn schien. Es ward mir also sehr leicht, diese Wichsen nachzumachen, und ich erhielt ein noch besseres Resultat, indem ich die Mischung auf folgende Weise vereinfachte:

Gyps, durch ein Seidensieb durchgeschlagen 1 Kilogramm. (16000 baier. Grane. )
Kienruß (noir de fumù) 2 1/2 Hektogr ( 4000 )
Gersten-Malz, wie es die Brauer zum Bierbrauen gebrauchen 5 Hektogramm ( 8000 )
Baumöhl 50 Gramm. ( 800 212) )

Man läßt das Malz in beinahe siedenden Wasser weichen, um demselben alle auflösbaren Theile zu entziehen, rührt mit diesem Wasser den Gyps und Kienruß in einem Beken an, und läßt das Gemenge bis zur Dike eines Teiges verdünsten: dann sezt man das Baumöhl zu, von welchem man auch etwas mehr nehmen kann. Man kann auch diesem Gemenge einige Tropfen Citronen- oder Lavendel-Oehl zusezen. Wo kein Gyps zu haben wäre, kann man ebensoviel gemeine Thonerde statt desselben nehmen.

Diese Wichs ist die wohlfeilste und schönste; sie läßt sich sehr gleichförmig vertheilen, troknet schnell, glänzt mit der Bürste auf dem Leder gerieben sehr schön, und verbrennt das Leder nicht.

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In England und Frankreich ist das Schuster-Handwerk in Stiefel-Fabrikanten (bottiers), Schuhmacher für Männer und Schuhmacher für Weiber getheilt, und jeder bleibt bei seinen Leisten, ohne, wie bei uns, ein Jean fait tout werden zu wollen. Daher auch die bessere Qualität ihrer Arbeiten. A. d. Ueb.

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Die Verhältnisse dieser Bestandtheile im Allgemeinen ausgedrükt = 20 Theile Gyps; 5 Theile Kienruß; 10 Theile Gersten-Malz; 1 Theil Baumöhl. A. d. Ueb.

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