Titel: Preisaufgaben des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. CXII./Miszelle 4 (S. 521–522)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/mi016112_4

Preisaufgaben des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen.

Der Termin zur Lösung der im Bd. VII. S. 485 in unserem Journal speziel aufgeführten Preisaufgaben (mit Ausnahme der VIten, welcher bereis gelöst ist) wurde nochmals bis Ende Dezember 1826 verlängert. Eben so wurde der Termin, der für 1823 und 24 gegebenen Preis-Aufgaben, welche im polyt. Journale Bd. X. S. 500 beschrieben sind, mit Ausnahme der IIten, die ebenfalls gelöst ist, bis Ende Dezember 1826 verlängert. Einige Preise wurden verdoppelt, namentlich die der III. VII. und XIII. Aufgabe für 1822, und der VII. und VIII. für das Jahr 1823. Als neu hinzugekommen sind folgende:

I. „Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Ein hundert Thaler, Demjenigen, welcher eine vergleichende chemische Untersuchung der bei uns wildwachsenden, unten näher bezeichneten, Pflanzen, welche ein rothes Pigment enthalten, mit der Wurzel der Färberrröthe (Rubia tinctorum), und mit dem in dem guten Holländischen, Elsasser, oder Avignon-Krapp enthaltenen rothen Farbestoffe, liefert.“

„Sollte durch die angestellte Untersuchung in irgend einer der anzuführenden, bei uns wild wachsenden, Pflanzen sich ein rothes Pigment ergeben, welches in seinen Eigenschaften und seiner Anwendbarkeit in der Wollen-, Baumwollen- und Leinen-Färberei das Pigment des Kraps überträfe, so bestimmt der Verein als Preis die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem noch Fünfhundert Thaler. Es wird jedoch zugleich verlangt, daß die Pflanze, in welcher ein solches Pigment sich findet, sich wenigstens eben so gut als die Färberröthe, bei uns kultiviren lasse, und daß die Kulturmethode genau angegeben werde.“

Die Wurzeln folgender, bei uns einheimischer, Pflanzen sind einer Untersuchung zu unterwerfen: Die Wurzel von Rubia cordifolia, Galium tinctorum, G. verum, G. Mollugo, G. sylvaticum, G. boreale, G. rubioides, G. Aparine, Asperula tinctoria, A. arvensis, A. eynanchica, A. laevigata, Anchusa tinctoria, A. virginita.

II. Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Ein hundert Thaler, Demjenigen, welcher eine genauere und zuverläßigere Methode angibt, den Feingehalt eines mit Kupfer legirten Silbers sicherer, als durch die Kupellation mit Blei, zu bestimmen.“

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Da die Sicherstellung des Feingehalts in dem mit Kupfer legirten Silber auf dem Wege der Kupellation nicht mit absoluter Gewißheit begründet ist, so kommt es darauf an, durch eine vergleichende Untersuchung mehrerer aus chemisch reinem Silber und reinem Kupfer unter bestimmten Verhältnissen gemachten Legirungen, auszumitteln, ob durch eine chemische Analyse auf nassem Wege, oder durch Bestimmung des specifischen Gewichts der Legirung im gehämmerten und nicht gehämmerten Zustande, der Feingehalt derselben genauer, als durch die Kupellation mit Blei, ermittelt werden kann, und auf welchem kürzesten Wege ein genaueres Resultat sicher zu erlangen ist.

III. Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Zwei hundert Thaler, Demjenigen, welcher eine feste Masse zur Verfertigung von Drukformen für Kattundruker erfindet, worauf Zeichnungen eben so leicht und fein, als zeither auf Holz, gestochen werden können, ohne daß derselbe vom Wasser verändert, oder von Säuren angegriffen wird; sie darf den doppelten Preis des Birnbaumholzes nicht übersteigen.“

IV. Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Zwei hundert Thaler, für die Erfindung und Mittheilung eines Mittels, das Fusseln blauschwarz und grün gefärbter seidener Zeuge gänzlich zu beseitigen.“

Der Verein erwartet die Mittheilung eines durch Erfahrung erprobten Verfahrens, durch welches vermieden wird, daß blauschwarz und grün gefärbte seidene Zeuge nicht rauh werden, und sich auf demselben fremde Substanzen absezen, wodurch die Zeuge ein ungefälliges Aeußere erhalten.

V. Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Zwei hundert Thaler, Demjenigen, welcher eine Methode angibt, aus Rothholz und salz- oder salpetersalzsaurem Zinn auf Seide eine eben so haltbare Farbe darzustellen, als durch Kochenille.“

VI. Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Ein Tausend Thaler, Demjenigen, welcher eine sichere, untrügliche, Methode angibt, in der Küpe ächt blau und grün gefärbte Tuche so darzustellen, daß sich dieselben nicht weiß tragen, sondern ihre ursprüngliche Farbe auf den Näthen der daraus gefertigten Kleidungsstüke bis zur völligen Unbrauchbarkeit behalten.“

Die Konkurrenten haben deßhalb zwei Stüke Tuch, beide in der Küpe, das eine blau, das andere grün gefärbt, einzusenden, damit die nöthigen Prüfungen vom Vereine angestellt werden können. (Aus den Verhdl. d. Vereins z. Beförd. d. Gewerbfleißes in Preußen. Febr. 1825.)

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