Titel: Uebersicht der Industrie in Frankreich. Fortsezung von S. 383 in diesem Journale.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 16, Nr. CXII./Miszelle 7 (S. 524–525)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj016/mi016112_7

Uebersicht der Industrie in Frankreich. Fortsezung von S. 383 in diesem Journale.

Der Bulletin N. 246 de la Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale gibt S. 368 eine Fortsezung seines Ueberblikes über die Industrie in Frankreich, und zwar in diesem Abschnitte über das Maschinen Wesen. Leider sind die hier gegebenen Winke so schnell hingleitend, das man sie kaum zu fassen vermag. Was nüzt es über eine Maschine ein paar Worte sprechen? Wir dürfen hier bloß bei denjenigen verweilen, die man nach dem biblischen Ausspruche „an ihren Werken erkennen“ kann. So kann z.B. ein Arbeiter an einer zweiräderigen, tragbaren, Kardätschen-Maschine des Hrn. Cartier, in 12 Stunden 180 Pfund rohe, und 360 Pfund bereits gereinigte Wolle kardätschen: der Arbeiter ist zugleich gegen allen Staub gesichert. – Diron's Baumwollen-Schlag-Maschinen204) verbreiten sich immer mehr in Frankreich, und Hr. Viard zu Rouen vervollkommnet die Baumwollen-Spinnmaschinen sehr thätig. – Hr. Gensoul zu Lyon hizt auf eine sehr wohlfeile Weise die Beken an den Seidenhaspeln, auf welchen die Seide von den Cocons abgewunden wird, mit Dampf, und tödtet eine äußerst glükliche Idee!) die Puppen in den Cocons mit Dampf. Ehevor brauchte man in eigenen künstlichen Oefen Stunden hierzu; er ist in 15 Minuten fertig. Sein „Erstiker“ (etouffoir) ist aus Kupfer und kegelförmig, damit der verdichtete Dampf nicht in Tropfen auf die Cocons fällt, sondern an den Wänden herabgleitet, wo er als Wasser unten gesammelt, und durch einen Hahn abgeleitet wird205). – Dampfmaschinen werden gegenwärtig sehr viele in Frankreich verfertigt, und man hofft, die englischen bald völlig entbehren zu können; die der HHn. Sautnier, Gengembre, Daret werden vorzüglich empfohlen. Ersterer hat eine Dampfmaschine von der Kraft von 10 Pferden für eine Steinkohlengrube gebaut, die 12 Ctr. in einer Secunde 4 Fuß hoch hebt, 10 metrische Ctr. Steinkohle in 24 Stunden zur Bedienung braucht, und in einem Augenblike ihre Drehung in die entgegengesezte verkehren kann. Hrn. Gengembre's Klappen gewähren sehr viele Sicherheit; sie spielen ohne Reibung. Hr. Dietz hat eine Dampfmaschine erfunden, |525| die von allen bisher bekannten abweicht: sie besteht aus einem doppelten hohen Rade aus Gußeisen, in welchem der Mechanismus angebracht ist. Ein Mensch reicht zu ihrer Bedienung bin. Derselbe erfand auch eine neue Räderpumpe, die sehr stark, bequem und elegant ist. Die HHn. Capron, Arnollet zu Dijon, Kermarec zu Brest, Cancel zu Cambray, Gailard zu Paris haben neue Feuersprizen verfertigt; lezterer bedient sich einer neuen Art von Schläuchen, die an ihren Rändern nicht genäht, sondern mit Nägeln aus Bronze zusammengefügt sind, die nicht rosten, und das Leder besser erhalten, als Nähte206). – Hr. Sargeant bedient sich des Dampfes um das Holz zu erweichen, und demselben alle verlangten Formen zu geben. – Die HHrn. Séguin, zu Annonay, haben mehrere Hängebrüken zu Annonay, Genève, Amberleux etc. errichtet. – Hr. Motte erfand eine sehr sinnreiche lithographische Presse, die durch Federn wirkt.

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Beschrieben und abgebildet im VI. Bd. S. 182 des polytechnischen Journals. D.

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Die Société hat in ihrem gegenwärtigen Bulletin S. 363 die Beschreibung eines neuen Verfahrens, die Puppen der Seidenraupen in ihren Cocons zu tödten, mitgetheilt, welche Hr. Louis Fontana, Hauptm. in k. sardinischen Diensten, ihr eingesendet hat. Es befindet sich bei derselben die Abbildung eines eigens dazu bestimmten Ofens, den die Société in der Absicht bekannt machte, daß man ihn mit Gensol's Verfahren vergleichen möge. Wahrscheinlich wird sie uns später die Resultate hierüber mittheilen; unsere Leser wissen nun einstweilen, wo sie Fontana's Ofen zu suchen haben. A. d. Ueb.

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Dieses ist die Erfindung eines Deutschen; des Hofkupferschmids Pflug, in Jena, dessen Verfahren man im polyt. Journal Bd. VII. S. 206 beschrieben findet. D.

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