Titel: Cutbush, Bemerkungen über die Zusammensezung und Eigenschaften des Chinesischen- oder Brilliant-Feuers.
Autor: Cutbush, Jakob
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. I. (S. 3–29)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/ar017001

I. Bemerkungen über die Zusammensezung und die Eigenschaften des Chinesischen- und des sogenannten Brilliant-Feuers. Von Jakob Cutbush, A. S. U. S. A., d. o. Professor der Chemie und Mineralogie an der Militär-Akademie der V. S. West-Point. 31. Dec. 1822.

Aus Silliman'sAmerican Journal of Science and Arts in Gill's techn. Repository N. 37. S. 1. N. 38. S. 73.

Man bedient sich in der Feuerwerkern einer Menge von Compositionen, theils um der Flamme verschiedene Farben zu geben, theils um, nach Umständen, das Abbrennen des Feuerwerkes zu beschleunigen oder langsamer zu machen. Die Verbesserungen in der Feuerwerkerei beruhen vorzüglich darin, die Farben der Flamme, welche durch Verbrennung des Schießpulvers, d.h., der Kohle mit salpetersaurer Pottasche (Salpeter) entsteht, so mannigfaltig zu machen, als möglich. Man hat sich hierzu verschiedener salziger und anderer Substanzen bedient, nach deren Daseyn oder Abwesenheit gewisse Feuerwerke ihren Namen erhielten, welchen sie auch öfters nach ihrem Erfinder, nach ihrer Mischung, nach der Eigenheit ihrer Flamme oder nach anderen besonderen Eigenschaften bei dem Abbrennen derselben erhalten haben, wie z, B. Schlangen- oder Stern-Feuer, Schläger, Wirbel, gemeines oder Brilliant-Feuer, chinesisches Feuer etc. Wir beschränken uns hier auf die beiden lezteren, welche wir mit Bemerkungen und gewissen Recepten so ausstatten werden, daß wir ein vollkommenes Detail hierüber zu liefern hoffen.

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Es scheint, daß ein indischer Missionär, Incarville, die Mischung und Zubereitung des chinesischen Feuers erschlichen hat: eine Mischung, welche unseren Feuerwerken so viel Glanz und Wirkung gewährt, und welche auch bei anderen orientalischen Nationen bekannt und gebraucht ist.

Das sogenannte Brilliant-Feuer, (wovon wir mehrere Arten kennen) hat zwar großen Theiles den Charakter des chinesischen, weicht jedoch in einem wesentlichen Umstande von demselben ab. Wir wissen jezt mit Zuverlässigkeit, daß, außer den gewöhnlichen Bestandtheilen, welche zu dem Brillant-Feuer genommen werden, das, was die Chinesen Eisen-Feuer nennen, und zu ihrem Feuerwerke brauchen, und was demselben seinen ausgezeichneten Charakter gibt, nichts anderes, als in den Zustand von Sand oder kleinen Körnern gebrachtes Guß- oder Roh-Eisen ist. Obschon ich keine Gelegenheit hatte, hierüber selbst Versuche anzustellen, glaube ich doch, daß mehrere Eisen-Erze aus der Familie der unvollkommen verkalkten, wie z.B. magnetisches Eisen, beinahe dieselben Erscheinungen hervorbringen würden. Menakanit würde, wie ich vermuthe, dasselbe thun. Roheisen scheint in einem sehr ausgezeichneten Grade die Eigenschaft zu besizen, ein sehr schönes Brilliant-Feuer hervorzubringen. Das gekörnte Eisen der Chinesen hat indessen keine anderen Eigenschaften, als jedes andere Roheisen, vorausgesezt, daß es gut gekörnt ist, und in der gehörigen Menge oder in dem erforderlichen Verhältnisse den übrigen nothwendigen Bestandtheilen beigemengt wird. Das Gußeisen der Chinesen, das sie in dieser Absicht gebrauchten, ward von alten Guß-Eisen-Töpfen genommen, die sie in Körner von der Größe der Senf-Samen zerschlugen, und dann durch Siebe durchlaufen ließen, um sie nach ihrer Größe in verschiedene Nummern, wie die Schrote bei uns, zu sortiren. Das sogenannte Uebereisen außen an Eisen-Gußwerken, das man in Gießereien leicht erhalten kann, ist, wenn es vom Sande befreit ist, dessen man sich zu den Modeln daselbst gewöhnlich bedient, eben so gut. In wie fern der sogenannte Wutz |5| (Wootz)1) oder das Metall, welches man aus gewissen Eisen-Erzen in Ost-Indien erhält, und zuweilen auch indischen Stahl nennt, statt des gewöhnlichen Guß-Eisens gebraucht werden kann, sind wir nicht im Stande zu bestimmen; wenn es aber wahr ist, daß der Wutz mehr Kohlenstoff als der Stahl erhält, und weniger als Gußeisen, so wird es höchst wahrscheinlich zu demselben Zweke verwendet werden können.

Man sah, daß, wenn man Eisenfeile in das Feuer wirft, ein sehr glänzendes Licht entsteht, und verbesserte dadurch die Raketen. Die sogenannten Freuden-Raketen (honorary rockets), von welchen wir in der Folge sprechen wollen, verdanken ihr glänzendes Feuer dem Eisen, welches die Flamme derselben weit interessanter macht, als wenn Schießpulver, oder die Bestandtheile desselben für sich allein angewendet werden. Man hat sowohl Eisen-Feile als gekörntes Gußeisen bei der Composition der Raketen gebraucht, sowohl bei den Freuden- als auch gelegentlich bei den Signal-Raketen: allein es bleibt, wo man Eisen anwendet, doch immer ein Fehler bei der Mischung: das Eisen wird, wenn Feuchtigkeit hinzukömmt, leicht rostig. Einige riethen daher, um diesen Rost zu vermeiden, die Eisenfeile oder das gekörnte Eisen in geschmolzenen Schwefel zu tauchen, was, wie wir besorgen, eben so nachtheilig werden kann wegen der allmähligen Bildung von schwefelsaurem Eisen. Andere haben, auf eine mehr lobenswerthe Weise, die Anwendung einiger Tropfen Oehles empfohlen, mit welchen man die Eisen-Feile oder das gekörnte Eisen schütteln kann, so daß ein Theil desselben von lezteren aufgenommen wird.

Wir haben schon oben bemerkt, daß man bei dem chinesischen Feuer Eisen anwendet, und können hier beifügen, daß das Funkensprühen bei dem Schmieden des Eisens auf dem Amboße, die Verbrennung des Stahles in Sauerstoffgas, |6| ähnliche Erscheinungen herbeiführt. Um der vollen Wirkung des Gußeisens sicher zu seyn, je nachdem nämlich die Mischung zu irgend einem Zweke bestimmt ist, und zu Calibern von verschiedener Größe gebraucht werden soll, theilen die Chinesen nach vorläufigem Körnen und Sortiren, wie wir oben bemerkten, dasselbe in Nro. 1, 2, 3, worin die Italiäner und Franzosen, welche die besten Feuerwerke verfertigen, ihnen folgen: die Versuche der lezteren haben auf eine sehr genügende Weise die Nachricht bestätigt, welche der französische Missionar gegeben hat.

Man hat zweierlei Rakete, in welche Eisensand kommt: die einen bringen ein rothes, die anderen ein weißes Feuer hervor. Die Verhältnisse der verschiedenen Bestandtheile für diese Rakete zwischen 12 und 33 Pfund sind folgende:

Für rothes chinesisches Feuer:

Caliber: Salpeter: Schwefel: Holzkohle: Gepülv. Gußeisen N. 1.
12 – 15 Pf. 1 Pf. 6 Loth 8 Loth 14 Loth
18 – 21 – 1 – 6 – 10 – 15 – 3 Quentchen2)
24 – 37 – 1 – 8 – 12 – 16 –

Es gibt indessen noch andere Recepte für denselben Zwek.

Für weißes chinesisches Feuer:

Caliber: Salpeter: Schießpulver: Holzkohle: Gepülv. Gußeisen N. 2.
12 – 15 Pf. 1 Pf. 24 Loth 15 Loth 3 Qtch. 24 Loth
18 – 21 – 1 – 22 – 16 – 23 Loth 3 Quentch.
24 – 36 – 1 – 22 – 17 – 3 Qtch. 24 Loth

In dem ersten Recepte ist das Verhältniß des Gußeisens zu dem Salpeter wie 7 : 16, 7 1/2 : 16, oder 8 : 16; im zweiten ist die Menge größer; nämlich 12 : 16, 11 1/2 : 16. Nun können wir bemerken, daß in der Mischung für das weiße Feuer nicht blos das Eisen, sondern auch die Holzkohle viel größer ist, und daß statt des Schwefels bei dem rothen Feuer Mehlpulver gebraucht wird, welches in höherem Verhältnisse zu dem Salpeter steht, als der Schwefel in der |7| ersten Formel. Durch diese verschiedenen Verhältnisse entsteht indessen eine verschieden gefärbte Flamme. Wenn die Menge Eisens bedeutend ist, mehr Holzkohle genommen, und, außer dem Salpeter, Schießpulver zugesezt wird, so wird das Feuer der Rakete weiß seyn; wo aber weniger Eisen, und, statt des Mehlpulvers, Schwefel, und überdieß noch weniger Holzkohle gebraucht wird, da wird das Feuer roth. Es gibt mehrere Methoden rothes Feuer hervorzubringen, von welchen wir unten sprechen werden. Wo einige Raketen-Compositionen angegeben werden, wird man sehen, daß die Bestandtheile derselben verschieden sind, und selbst in den sogenannten Freuden-Raketen wird sowohl der Eisen-Sand als die Eisen-Feile in verschiedenen Verhältnissen angewendet.

Ehe wir die Bereitungen zur Bildung der verschiedenen Arten von Feuerwerk nach dem gegenwärtigen verbesserten Zustande der Recepte zu denselben vortragen, wollen wir die Wirkung bezeichnen, welche diese Mischungen besizen, und zugleich das Ursächliche ihrer Art zu bewirken im Allgemeinen angeben.

Aus den Bestandtheilen, welche in die oben angegebene Mischung einer Rakete gelangen, erhellt, daß, wenn dieselbe entzündet wird, Kohlensäure, schwefelige Säure, und wahrscheinlich auch Schwefelsäure etc. gebildet werden, und das Eisen in dem Zustande der Verbrennung ausgeschleudert wird. Daß der Glanz bei dieser Verbrennung von der Gegenwart des Eisens abhängt, welches sich hier im rohen, also nicht im weichen oder hämmerbaren Zustande befindet, ist aus der Wirkung klar; denn diese Wirkung ist auffallend stärker, als sie es bei hämmerbarem Eisen, oder selbst bei Stahle, nicht ist. Wenn das Eisen zu hämmerbarem Eisen gebildet wird, geht, wie man bemerken kann, eine große Menge Kohlenstoffes, Sauerstoffes etc. verloren; aus diesem Grunde ist die Wirkung geringer, wenn auch hämmerbares Eisen noch Funken sprüht, die aber nicht so glänzend sind; weßwegen es auch in einigen sogenannten Brilliant-Feuern gebraucht wird. Stahl bringt eine weit lebhaftere Wirkung |8| hervor, als geschlagenes Eisen, und wird daher zu demselben Zweke gebraucht: Feuerwerker ziehen aber immer Roheisen vor. Die Schönheit und der Glanz des chinesischen Feuers wird daher dem besonderen Zustande des Kohlenstoffes und Sauerstoffes in dem Gußeisen zugeschrieben, indem geschlagenes Eisen, welches in dieser Hinsicht eine schwächere Wirkung hervorbringt, jener Bestandtheile großen Theiles beraubt ist, oder, in anderen Worten, reineres Eisen ist. Der Stahl indessen, welcher kräftiger wirkt, als das geschlagene Eisen, verdankt diesen Vorzug einem anderen Zustande von Verbindung des Eisens mit dem Kohlenstoffe, in welcher das Verhältniß des Kohlenstoffes bedeutend geringer ist. Hieraus läßt sich der Unterschied der Erscheinungen der Flamme in dem Chinesischen- und in dem gewöhnlichen Brilliant-Feuer erklären.

Wir wollen es unversucht lassen, den auffallenden Unterschied bei dem Verbrennen, und folglich auch der dabei erscheinenden Flamme des Roheisens, des geschlagenen Eisens und des Stahles in den Mischungen des Chinesischen- und des Brilliant-Feuers zu erklären, und Rechenschaft darüber zu geben. Einige Thatsachen können uns indessen zu einer genaueren Kenntniß dieses Gegenstandes leiten, indem wir die Natur der verschiedenen Sorten und Abarten von Eisen betrachten. In dem weißen, grauen und schwarzen Roheisen (die beiden ersteren taugen am besten für Feuerwerke) sind Kohlenstoff und Sauerstoff, und gelegentlich auch andere Bestandtheile, wie Silicium, auf verschiedene Weise verbunden: dieses Eisen verliert, wo es zu hämmerbarem Eisen gemacht wird, ein Viertel, und zuweilen die Hälfte seines Gewichtes.

Nach Hrn. Clonot beträgt die Menge Kohlenstoffes in dem Gußeisen ein Achtel des Gewichtes desselben, und Hr. Vauquelin gibt die Menge desselben im Stahle im Durchschnitte zu 1/140 an, was aber von Hrn. Mushet's Versuchen abweicht. Ohne die Gegenwart des Sauerstoffes etc. in dem Gußeisen zu berüksichtigen, oder die Wirkung desselben |9| in Anschlag zu bringen, wenn es in gewisser Menge mit dem Eisen verbunden ist, können wir doch aus obigen Thatsachen schließen, daß Roheisen bei den Feuerwerken deßwegen den Vorzug verdient, weil es eine größere Menge Kohlenstoff enthält.

Die Versuche der HH. Berzelius und Stromeyer, durch welche dieselben eine Composition aus Eisen, Kohlenstoff und Silicium hervorbrachten; des Hrn. Daniell über graues Guß-Eisen, welches nach ihm aus Eisen, Eisen-Oxid, Kohlenstoff und Silicium besteht; des Hrn. Berzelius, welcher, nebst Kohlenstoff und Silicium, auch noch Magnesium und Braunstein in dem reinen Gußeisen fand; des Hrn. Mushet, welcher das Verhältniß des Kohlenstoffes in den verschiedenen gekohlstofften Eisenarten zeigte; des Hrn. Bergmann und anderer über das Daseyn des Siderites (phosphorsauren, oder, nach anderen, Phosphor-Eisens), wobei noch das kaltbrüchige und rothbrüchige Eisen unterschieden wird, dienen alle zur Ausmittlung der Bestandtheile des sogenannten kohlenstoffigen Eisens sowohl, als der Verhältnisse derselben in lezterem. Hr. Mushet hat gezeigt, daß weicher Guß-Stahl 1/120 Kohlenstoff, gemeiner Guß-Stahl 1/100, der härtere gemeine Guß-Stahl 1/90 Kohlenstoff enthält, und daß, wenn die Menge des Kohlenstoffes 1/50 beträgt, der Stahl zu hart zum Zuge wird; daß weißes Guß-Eisen 1/25, das geflekte 1/20, und das schwarze 1/15 enthält. Man hat gefunden, daß, wenn der Kohlenstoff 1/50 beträgt, die Härte das Maximum erreicht hat. Im Wutz oder in dem indischen Stahl kommt eine geringe Menge Aluminium und Silicium ypr, Hr. Daniell bemerkt (im Quarterly Journal of Science and Arts, B. II. S. 280), daß Säuren auf weißes Guß-Eisen nur langsam wirken, und ein Gefüge von verschieden zusammengehäuften Platten an demselben darstellen; daß das graue oder geflekte Guß-Eisen, welches weicher und weniger brüchig ist, sich leichter bohren und drehen läßt, und, mit verdünnter Kochsalzsäure behandelt, eine Masse schwarzer |10| unauflöslicher Materie darbietet, welche aus Eisen, Kohlenstoff und Silicium besteht.

Man muß also bei allen Feuerwerk-Mischungen, in welchen Eisen als Bestandtheil vorkommt, auf obige Thatsachen Rüksicht nehmen, wenn man die Wirkungen desselben gehörig würdigen, und einen Schluß über dieselben wagen will. In allen diesen Mischungen wird das Eisen zuerst durch die Hize glühend, welche durch das Abbrennen des Schießpulvers, oder des Salpeters, der Holzkohle und des Schwefels erzeugt wird; in diesem Zustande wird es ausgeschleudert, und erleidet eine vollkommene Verbrennung. Die Verbrennung des Eisens ist nichts anderes, als die Oxidirung desselben; je nachdem diese mehr oder minder schnell geschieht, ist auch die Flamme mehr oder minder brilliant. Dieß ist offenbar Thatsache: der Charakter des Feuers hängt von der Art des angewendeten Eisens ab, und dadurch unterscheidet sich das chinesische Feuer bedeutend von dem Brilliant-Feuer. Die Oxidirung des Metalles steigt niemals bis zum Maximum; denn, wenn Eisen oder Stahl in Sauerstoffgas verbrannt wird, erhalten wir blos ein schwarzes Protoxid, welches aus 28 Eisen + 8 Sauerstoff = 36, oder 100 Eisen + 28,68 = 128,68 besteht.

Noch eine andere Thatsache verdient Beachtung, nämlich: daß, obschon das Eisen durch das Abbrennen der Mischung glühend wird, wie z.B. in der Raket-Patrone, die Verbrennung des Eisens selbst nicht innerhalb der Röhre, oder nur theilweise. Statt hat, sondern den Sauerstoff aus der Atmosphäre bei seiner Verbrennung zur Beihülfe erhält: das Feuer hat immer seinen größten Brilliant-Glanz in der Luft, wo der Sauerstoff der Atmosphäre auf die glühenden und fein zertheilten Eisen-Theilchen wirkt.

Da die Bestandtheile des Gußeisens vorzüglich Eisen, Kohlenstoff und Sauerstoff sind, so dürfen wir schließen, daß, da Kohlenstoff bei seiner Verbrennung in Sauerstoffgas, wie in der atmosphärischen Luft, in Kohlensäure verwandelt wird, der Kohlenstoff des Roheisens während seiner Verbrennung |11| Kohlensäure bildet. Die Producte sind demnach Eisen-Oxid und Kohlensäure. Diese Producte werden unabhängig von denjenigen gebildet, welche aus dem Salpeter, aus der Holzkohle, aus dem Schwefel oder Schießpulver, oder aus den übrigen angewendeten Substanzen entstehen.

Daß die, sowohl durch die Abbrennung des Schießpulvers als durch die Verbrennung der Holzkohle und des Schwefels in Berührung mit dem Salpeter erzeugte, Hize das Eisen glühend macht, und daß das Eisen in diesem Zustande, und fein zertheilt, ausgeschleudert wird, dieß sind Thatsachen, welche jedem Beobachter in die Augen fallen.

Die Menge Eisens, die zur Mischung verschiedener Feuerwerke genommen wird, ist, wie man sehen wird, nach den verschiedenen Zweken, zu welchen dieselbe bestimmt ist, verschieden. Nach der Menge des Metalles ist auch die Wirkung verschieden. Hinsichtlich des Glühens dieses Metalles, und folglich auch der Verbrennung desselben, scheint dieß von der größeren oder geringeren Menge des Salpeters und der Holzkohle abzuhängen. Insofern man die Mischungen nach den Recepten macht, muß für die Reinheit der Materialien gesorgt werden. Die Verhältnisse müssen so genau als möglich genommen, und die Mischung auf das Junigste vollendet werden: widrigen Falles ist die Wirkung zweifelhaft oder ungewiß.

Es gibt vielleicht keine Mischungen, die mehr Sorgfalt und Genauigkeit fordern, als diejenigen, die für Feuerwerke bestimmt sind: denn ihre Vollkommenheit hängt von der Menge der Materialien, von dem genauen Verhältnisse eines jeden Bestandtheiles, und von der innigen Mischung des Ganzen ab.

Die Bereitung der Composition für das chinesische Feuer fordert jedoch eine besondere Methode. Die Ingredienzen müssen, den Schwefel und das gepülverte oder granulirte Eisen ausgenommen, mehreremale, (gewöhnlich dreimal) durch das Sieb.

Der Schwefel und das Gußeisen werden zuerst einzeln |12| gemengt, und dann erst mit den übrigen Bestandtheilen verbunden, und hierauf öfters mit der Hand umgekehrt. Die Patronen oder Papiergehäuse in walzenförmiger Form werden auf die gewöhnliche Weise gefüllt. Diese Gehäuse bestehen aus mehreren Lagen Papier, und werden, nachdem sie gefüllt sind, mit Mehlpulver und einer Schlaglunte zum Abbrennen vorgerichtet.

Um die Mischung des Schwefels und Eisens desto inniger zu machen, muß lezteres mit wasserfreiem Weingeist befeuchtet werden, indem das Wasser das Eisen rostig machen und seine Wirkung zerstören würde. Nachdem das Gußeisen gepülvert, oder vielmehr gekörnt wurde, wird es in mehrere Sorten getheilt, nach dem Caliber nämlich, welches man wählen will. Diese Sorten werden auf folgende Weise bezeichnet und gezählt: für Caliber unter 7/12 Zoll im Durchmesser, N. 1; für 7/12 bis 10/12 N. 2; N. 3 ist für die Caliber über die angegebene Größe.

Bei dem Einfüllen dieser Mischung muß man Sorge tragen, daß sie bei jedem zweiten Löffel jedes Mahl umgekehrt wird, indem das Eisen, als der schwerere Bestandtheil, immer geneigt ist zu Boden zu fallen. Wenn die Mischung nicht gleichförmig gemengt oder vertheilt ist, wird das Feuer unregelmäßig, und fährt in einzelnen Stößen aus.

Chinesisches Feuer in Patronen wird gewöhnlich zum Einfassen (Garniren), wie es in der Kunstsprache heißt (garnishing) des äußeren Umfanges einer Feuerwerks-Decoration verwendet, oder zur Darstellung von Pyramiden, Gallerien, Eibenbäumen, Wasserfällen, Palmen, mit einem Worte, zu einer Menge von Figuren, die mit Geschmak und Phantasie zusammengestellt werden. Für die Stüke, die sich drehen sollen, werden für das lezte Feuer, wegen der Brilliant-Flamme, öfters solche kleine Rakete angewendet. Bei ihrem Niederfallen bilden sie Blumen von mannigfaltiger Schönheit, welche, wenn sie durch das Umdrehen des Stükes, an welchem sie angebracht sind, ausgeworfen werden, die sogenannte |13| pyro-hydraulische Girandole im Sonnenstrahle nachbilden: je lebhafter die Bewegung, desto schöner die Flamme.

Es gibt gewisse Compositionen, die unter dem Namen weißes Feuer bekannt sind, die man in Patronen braucht, und wodurch Räder u. d. gl. gedreht werden. Die Bewegung geschieht nach dem Grundsaze der Raketen-Bewegung überhaupt, und hängt von einer Stoßkraft (den gasartigen Producten) ab, indem nämlich die entzündeten Stoffe gegen ein Widerstand leistendes Mittel, die Atmosphäre, wirken. Das chinesische Feuer besizt indessen in dieser Hinsicht nur wenig Stärke; wenn man dasselbe daher bei Feuerwerken braucht, welche sich drehen, sezt man demselben zwei oder mehrere Patronen weißes Feuer zu. Patronen mit chinesischem Feuer für sich allein abgebrannt, drehen kein Feuerrad.

Da der Effect, welchen das chinesische Feuer auf Rädern hervorbringt, an deren Peripherie es angebracht ist, großen Theils von der Schnelligkeit der Bewegung des Rades abhängt, so muß diese soviel möglich beschleunigt werden. Dieß geschieht, obschon dann die Dauer seiner Wirkung viel kürzer, zugleich aber auch viel glänzender ist, durch mehrere Patronen mit weißem Feuer, welche ihr Feuer den übrigen auf die gewöhnliche Weise mittelst Schlaglunten (quick-matches) mittheilen.

Die beschleunigte Bewegung, welche auf diese Weise erzeugt wird, macht, daß die Mischung mit größerer Schnelligkeit brennt, ungefähr eben so, wie Blasebälge die Hize eines Ofens vermehren. Dadurch wird auch das Metall selbst nothwendig schneller oxidirt, so wie auch die übrigen Bestandtheile schneller verbrennen.

Wir können hier bemerken, daß die verhältnißmäßige Kraft der Mischungen, oder die Kraft, durch welche Rakete etc. aufsteigen, senkrechte oder horizontale Räder sich drehen, von der Natur dieser Mischungen abhängt: der Rükgang ist, in diesem Falle, immer der treibenden Kraft angemessen; denn der Widerstand, welchen das Feuer in der |14| Luft findet, und zwar unmittelbar in der Nachbarschaft des Calibers der Patrone, veranlaßt eine Rükwirkung, welche den Rükgang erzeugt, und dadurch die Bewegung des Rades hervorbringt. Das Aufsteigen einer Rakete kann als nichts anderes, als der Rükgang derselben betrachtet werden, dessen Richtung der Raket-Stok bestimmt, der dieselbe zugleich im Gleichgewichte hält.

Unter den erprobten Recepten zur Bereitung des chinesischen Feuers, welches selbst dasjenige, das man in China hat, übertreffen soll, sind folgende die vorzüglichsten:

Mischung zum chinesischen Feuer für Caliber 3) unter 10/12 Zoll.

Mehlpulver,4) 32 Loth.
Salpeter 32
Schwefel 8
Holzkohle 8
Gepülvertes Gußeisen 28

Eine andere zu eben demselben.

Mehlpulver 32 Loth.
Schwefel 6
Holzkohle 6
Gepulvertes Gußeisen 14

Eine andere zu Palmbäumen und Wasserfällen.

Salpeter 24 Loth.
Mehlpulver 32
Schwefel 16
Holzkohle 8
Gepülvertes Gußeisen 20
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Eine andere, weiße, für Caliber von 8/12 bis 10/12 Zoll.

Salpeter 32 Loth.
Schwefel 16
Mehlpulver 32
Gepülvertes Gußeisen 24

Eine andere für sogenannte Garben (Gerbes) von 10 bis 11/12 und 1 Zoll im Caliber.

Salpeter 2 Loth.
Schwefel 2
Mehlpulver 16
Holzkohle 2
Gepülvertes Gußeisen 16

Vor der gegenwärtigen Verbesserung, d.h., vor Anwendung des Gußeisens, brauchte man gewöhnlich gemeine Eisenfeile. Eisen- und Stahlfeile wurden beide, wie wir bemerkten, zur Mischung des Brilliant-Feuers genommen. Wenn man Eisen- oder Stahl-Staub anwendet, so ist das Verhältniß zu den übrigen Substanzen verschieden: nämlich, zu dem Mehlpulver, wie 1 : 5, wie 1 : 10 etc. In einigen Recepten ist dieses Verhältniß noch größer, und in anderen geringer. Wenn man aber 15 Loth Stahl-Staub mit Mehl-Pulver, Salpeter und Schwefel in einem Verhältnisse von 11 Pfd., 1 Pfd. 4 Loth, und 8 Loth, jedes, mengt, so ist dieß das beste Verhältniß für das gewöhnliche Brilliant-Feuer.

Die sogenannten Feuer-Springbrunnen oder Feuer-Fontänen sind den obigen ähnlich: sie sind dicht mit besonderen Mischungen geladene Patronen, und ihr Caliber ist von 1/3 bis 1 1/3 Zoll im inneren Durchmesser. Sie sind 7 bis 8 äußere Durchmesser lang, und mit einer besonderen Mischung gefüllt, und jede Ladung wird mit 20 Schlägen eines kleinen Hammers eingetrieben. Die erste Ladung ist die gewöhnliche Feuerwerk-Mischung. Feuer-Fontänen (fire-jets, fire spouts) werden sowohl an fest bleibenden, als an sich drehenden Feuerwerk-Stüken angebracht.

Gewöhnliche Feuerwerk-Mischung für Caliber von 1/3 Zoll.

Mehlpulver 32 Loth.
Kohlenpulver 6 –
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Gewöhnliche Mischung für Caliber von 5/12 bis 1/2 Zoll.

Mehlpulver 32 Loth.
Kohlenpulver 7 –

Detto für Caliber über 1/2 Zoll.

Mehlpulver 32 Loth.
Kohlenpulver 8 –

Brilliant-Feuer für gewöhnliche Caliber.

Mehlpulver 32 Loth.
Eisen-Feile 8 –

Detto, viel schöner.

Mehlpulver 32 Loth.
Stahl-Feile 8 –

Detto, noch glänzender, für irgend ein Caliber.

Mehlpulver 36 Loth.
Salpeter 4 –
Stahl-Feile 10 –

Detto, noch heller, für irgend ein Caliber.

Mehlpulver 32 Loth.
Nadelstahl-Feile5) 6 –

Silber-Regen, für Caliber von ungefähr 2/3 Zoll.

Mehlpulver 32 Loth.
Salpeter 2 –
Schwefel 2 –
Feine Stahl-Feile 9 –
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Großer Jasmin, für jedes Caliber.

Mehlpulver 32 Loth.
Salpeter 2 –
Schwefel 2 –
Federstahl-Feile 12 –

Kleiner Jasmin, für jedes Caliber.

Mehlpulver 32 Loth.
Salpeter 2 –
Schwefel 2 –
Stahl-Feile 10 –

Weißes Feuer, für jedes Caliber.

Mehlpulver 32 Loth.
Salpeter 16 –
Schwefel 4 –

Detto.

Mehlpulver 32 Loth.
Schwefel 6 –

Blaues Feuer, für Parasols und Wasserfälle.

Mehlpulver 16 Loth.
Salpeter 8 –
Schwefel 12 –
Zink 12 –

Ein anderes Detto, für Caliber von 1/2 Zoll und darüber.

Salpeter 16 Loth.
Mehlpulver 8 –
Schwefel 8 –
Zink 34 –

Die mit dieser Mischung geladenen Patronen bilden bloß den Mittelpunct einiger Stüke, deren Bewegung von anderen Patronen abhängt, indem diese, da sie keine Stärke besizen, auch keine Bewegung erzeugen können.

Detto, für jedes Caliber.

Mehlpulver 32 Loth.
Salpeter 4 –
Schwefel 16 –

Strahlen-Feuer, für jedes Caliber.

Mehlpulver 32 Loth.
Steknadel-Feile6) 6 –
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Grünes Feuer, für jedes Caliber.

Mehlpulver 32 Loth.
Kupferfeile 6 1/2 –

Aurora-Feuer, für jedes Caliber.

Mehlpulver 32 Loth.
Goldpulver (poudre d'or) 6 –

Italiänische Rosen oder Fix-Sterne.

Mehlpulver 4 Loth.
Salpeter 8 –
Schwefel 2 –

Ein anderes Detto.

Mehlpulver 24 Loth.
Salpeter 32 –
Schwefel 20 –
Rohes Spießglanz 2 –

Wir haben hier eine Menge Recepte angegeben, die zur Bereitung der sogenannten Feuer-Springbrunnen dienen, um zu beweisen, daß man das sogenannte Kunstfeuer nicht blos durch Veränderung der Verhältnisse derselben Bestandtheile, sondern auch durch Hinzufügung oder Wegnahme eines oder mehrerer derselben nach den Regeln der Feuerwerkern mannigfaltig abändern kann.

Bei den zusammengesezten Feuerwerken sind die Formen, die man der Flamme des Schießpulvers oder den Bestandtheilen desselben entweder durch Beschleunigung oder durch Verzögerung ihrer Verbrennung, oder durch Veränderung des Ansehens der Flamme geben kann, (die man als Fontänen, Sterne, Regen etc. erscheinen läßt), so zahlreich, daß Kenntniß dieser Veränderungen und dieses Wechsels für den praktischen Pyrotechniker höchst wichtig ist. So finden |19| wir in der Mischung für den Feuer-Regen, daß Eichen-Kohle und Stein-Kohle derselben den Anschein des Regens gibt. Folgendes ist eines der hierher gehörigen Recepte:

Salpeter 16 Loth.
Schwefel 8 –
Mehlpulver 32 –
Eichen-Kohle 5 –
Stein-Kohle 5 –

Diese Materialien werden gemengt, in Patronen gethan, und auf die gewöhnliche Weise zum Abbrennen vorgerichtet. Wenn sie abgebrannt werden, werden sie in Form eines Regens niederfallen. Eine andere für denselben Zwek berechnete Mischung ist dem chinesischen Feuer ähnlich, und enthält eine größere Menge gepülverten Gußeisens. In dem sogenannten Sporn-Feuer (das man wegen der Form, die seine Funken annehmen, und die einem Sporn-Rädchen gleicht, so nannte, und vorzüglich auf Theatern braucht) entsteht diese demselben eigene, und vor allen übrigen Feuern ausgezeichnete Form lediglich durch Lampenschwarz. Die Mischung hierzu besteht aus

Salpeter 4 1/2 Pfund.
Schwefel 2 –
Lampenschwarz 1 1/2 –

Außer der Beimischung mehrerer salziger Materialien, die der Flamme besondere Farben mittheilen, ertheilt bekanntlich salpetersaurer Strontian der Flamme das glänzendste Roth. Eine Mischung, deren man sich in Frankreich auf den Theatern bedient, ist folgende: Man nimmt 40 Theile getrokneten salpetersauren Strontian, 13 Theile fein gepülverten Schwefel, 5 Theile chlorsaures oder hyper-oxigenirt salzsaures Kali, und 4 Theile Schwefel-Spießglanz, und mischt sie innigst in einem Mörser, wobei man jedoch bemerken muß, daß das chlorsaure Kali einzeln und für sich allein gepülvert wird. Zuweilen sezt man etwas Schwefel-Arsenik zu, und wenn das Feuer etwas düster brennen soll, muß etwas gepülverte Holzkohle zugesezt werden. Die kleinen tragbaren Miniatur-Feuer-Werke, die in Zimmern oder verschlossenen Räumen abgebrannt |20| werden, sind den obigen ziemlich ähnlich.7) Eine andere Art von Feuerwerk dient zum Parfümiren der Zimmer: man nennt sie daher Wohlgeruchs-Feuerwerke, (scented fires). Zu Rom und Athen, vorzüglich aber in Aegypten, hatte man bei öffentlichen Festen und Ceremonien große Gefäße mit Wohlgerüchen, welche bei den Atheniensern in schön geschnizte Vasen eingesezt wurden. Wir wissen nur wenig hinsichtlich der Mischungen, deren sie sich bedienten: Myrrhen und Weihrauch waren die gemeinsten und hervorstechendsten Ingredienzen. Es mag hier zureichen, nur zweier neuerer Bereitungen dieser Art zu erwähnen. Die Rauchkerzchen (pastilles or fire-crayons) sind kegelförmige Kreisel, die auf einer Platte angezündet werden. Man macht sie am besten aus

Storax Calamita 4 Loth.
Benzoe Calamita 4 –
Wachholder-Gummi 4 –
Olibanum 2 –
Mastix 2 –
Weihrauch 2 –
Bernstein 2 –
Kampfer 2 –
Salpeter 6 –
Weiden-Kohle 8 –

Im Dictionnaire de l'industrie findet sich eine ähnliche Composition unter dem Namen wohlriechende Paste; sie ist beinahe einerlei mit der vorigen, enthält aber noch Cascarille, Gewürznelken, Citronen-Oehl und Ambra-Tinctur. In den Archives des Découvertes Bd. III. S. 328, kann man Hrn. Brillat Savarin's Irrorateur zum Parfümiren der Wohnzimmer nachsehen.

Die Wohlgeruch's-Vasen, deren die Griechen und Römer sich so häufig bedienten, waren bloß irdene Gefäße, welche eine gewisse Mischung enthielten, die über Feuer gesezt wurde. Eine neuere Composition dieser Art besteht aus

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Storax 8 Loth.
Benzoe 8 –
Weihrauch 8 –
Kampfer 2 –
Wachholder-Gummi 2 –
Weiden-Kohle 2 –8)

Andere Mischungen, insofern sie Zusäze zu Schießpulver, oder einem Gemenge aus Salpeter, Schwefel, und Holzkohle bei sogenannten Schlangen, Schlägern, Sternen, römischen Lichtern, Raketen-Sternen, buntfarbigen Feuer-Regen, weißen, blauen und gelben Illuminations-Feuertöpfen etc. enthalten, zeigen, daß man die Farbe und das Ansehen der Flamme nach Belieben verändern kann, beinahe eben so üppig, als der Mahler seine Farben mischt und wechselt.

Ehe wir diesen Gegenstand schließen, müssen wir noch bemerken, daß die sogenannten bengalischen Lichter, obschon in einigen Recepten zu denselben Auripigment zugesezt wird, ihre ausgezeichnete Eigenheit dem Spießglanze zu danken haben. Die Bereitung derselben ward einige Zeit über geheim gehalten. Das wahre Recept hierzu ist folgendes:

Salpeter 3 Pfund
Schwefel – – 27 Loth
Schwefel-Spießglanz – – 15 –

Der Salpeter und der Spießglanz-Schwefel werden fein gepülvert, dann mit den Schwefelblumen gemengt, und durch ein Sieb geschlagen. Man braucht diese Mischung nicht in Patronen, sondern in irdenen, gewöhnlich flachen, Gefäßen, die so breit, als hoch sind. Man streut etwas Mehlpulver auf die Oberfläche derselben, und stekt eine Lunte hinein. Man bedekt die auf diese Weise zubereiteten Töpfe mit Papier oder Pergament um die Feuchtigkeit abzuhalten, und nimmt diesen Dekel vor dem Abbrennen ab. Bei den blauen Lichtern oder bei dem blauen Feuer wirb Zink und Schwefel |22| allein gebraucht: diese Farbe erhält die Flamme durch den Zink oder durch den Schwefel. Das vollkommenste wird auf diese Weise erzeugt.

Mehlpulver 4 Theile, oder 4 Theile
Salpeter 2 8
Schwefel 3 4
Zink-Feile 3 17

Wasserfälle und Parasols werden, wie bereits angegeben wurde, mit den obigen oder mit ähnlichen Mischungen gewacht; die gewöhnlichen blauen Lichter aber, deren man sich zuweilen für Signale bedient, bestehen, in Patronen von jedem Caliber, aus 16 Theilen Mehlpulver, 2 Theilen Salpeter, und 8 Theilen Schwefel. Kupfer und Zink im Messinge werden dem Funken- und Grünen-Feuer zugesezt, zu dessen Bereitung ungefähr 3 Theile Messing-Feile mit 16 Theilen Mehlpulver gemengt werden. Die Bernstein-Lichter bestehen aus Bernstein und Mehlpulver, im Verhältnisse von 3 des Ersteren auf 9 des Lezteren. Kupfer gibt der Flamme eine grüne Farbe. Man sezt in dieser Hinsicht öfters Grünspan und Spießglas zugleich zu. Für den sogenannten grünen Lunten zu Devisen, Namenszügen und anderen Verzierungen wird, der Regel nach, Ein Pfund Schwefel geschmolzen, dann 2 Loch gepülverter Grünspan und Ein Loth rohes Spießglas zugesezt: loker gedrehte Baumwolle wird in dieser geflossenen Mischung getränkt. Wenn diese Lunte gebraucht werden soll, wird sie auf Draht aufgezogen, und dieser Draht wird in der verlangten Form gebogen. Zum Abbrennen wird sie mit einer Mischung von Mehlpulver und Alkohol vorgerichtet, und eine Schlaglunte wird nach der ganzen Länge derselben hingebunden, so daß das Feuer sich allen Theilen zugleich mittheilen kann. Eine starke Abkochung von Injuba mit Schwefel gibt der Baumwolle die Eigenschaft mit violetter Flamme zu brennen. Schwefel allein, oder Zink mit Schwefel, gibt eine blaue Devise.

Die Mischungen zum Dienste der Raketen haben mehr als alle anderen die Aufmerksamkeit der Feuerwerker erregt: |23| man hat daher viele Recepte zu denselben. Hr. Morel, welcher viele Versuche mit verschiedenen Compositionen angestellt hat, theilte folgende, als die bewährtesten, mit:

Für den Sommer.

1. Salpeter 34 Loth.
Schwefel 7 –
Mehlpulver 3 –
Eichen-Kohle 16 –
2. Salpeter 32 Loth.
Schwefel 8 –
Holzkohle 15 –

Für den Winter.

1. Salpeter 34 Loth.
Schwefel 6 –
Mehlpulver 8 –
Eichen-Kohle 16 –
2. Salpeter 88 Loth.
Schwefel 8 –
Holz-Kohle 32 –
3. Salpeter 32 Loth.
Schwefel 4 – 3 Quentchen.
Holz-Kohle 12 –
4. Schwefel 6 Loth.
Salpeter 40 –
Holz-Kohle 17 –

Zu den Freuden-Raketen (einer besonderen Art) kommt entweder Gußeisen oder Spießglas. Die chemische Mischung ist folgende:

Salpeter 10 Loth.
Schwefel 2 1/2 –
Holz-Kohle 5 –
Mehlpulver 2 –
Gepülvertes Gußeisen 5 –

Die Holz-Kohle wird nicht sehr fein gepulvert; die sehr feinen Theile derselben werden blos zu kleinen Werken gebraucht.

Hr. Bigot hat ein verbessertes Recept zu demselben Zweke gegeben, nämlich:

|24|
Mehlpulver 2 Theile.
Salpeter 10 –
Schwefel 2 1/2–
Holz-Kohle 5 –
Gepülvertes Gußeisen 5 –

Er hat auch eine besondere Mischung angegeben, in welcher Spießglas statt des Eisens gebraucht wird. Sie besteht aus

Salpeter 16 Theilen
Schwefel 4 –
Holz-Kohle 9 –
Rohem Spießglase 2 –

Es war nicht unsere Absicht hier von den Krieg- oder Brand-Raketen, und vorzüglich von den sogenannten Congreve'schen Raketen zu sprechen. Da aber die Mischung der Congreve'schen Raketen von der gewöhnlichen, wie man sagt, in mehreren wesentlichen Stüken abweichen soll, so wird die hier gegebene Analyse wohl diese Meinung widerlegen.

General de Grave sandte eine an der französischen Küste gefundene Congreve'sche Rakete nach Paris. Die Patrone war aus grauem Papiere und angestrichen. Die größeren Raketen dieser Art sind gewöhnlich aus Eisenblech.

Der entzündbare Stoff war gelblich grau, und der Schwefel mit freiem Auge daran zu erkennen. Er brannte mit einer lebhaften Flamme, und stieß schwefelig saures Gas aus. Hr. Gay-Lussac machte die Analyse, welcher zu Folge (Archives des Decouvertes Bd. II. S. 303), die Mischung für diese Raketen besteht aus:

Salpetersaurer Pottasche 75,00
Holz-Kohle 1,6
Schwefel 23,4
–––––
100,

Nachdem Hr. Gay-Lussac diese Verhältnisse bestimmt hatte,9) machte er eine ähnliche Composition, und lud eine Patrone |25| damit: die Wirkungen waren dieselben, wie bei der englischen Rakete. Das Verhältniß der Kohle ist zu gering.

Wir haben eine allgemeine Uebersicht über die Natur und die Eigenschaften einiger Feuerwerks-Compositionen gegeben, und dürfen hier wohl bemerken, daß die meisten, wenn nicht alle (selbst die militärische Feuerwerkern mitgerechnet) mehr das Resultat der Arbeiten solcher Leute waren, die nie von feststehenden Grundsäzen geleitet wurden, und die Wirkungen und Eigenschaften der Körper durchaus nicht kannten, als das Werk eines systematisch arbeitenden Chemikers. Und doch sehen wir, daß durch einige zufällige und wiederholte Versuche diesen Leuten ihr Werk gelang, und daß sie eine Masse von Thatsachen darboten, welche, wie wir mit Grund erwarten dürfen, durch unmittelbare Beihülfe der chemischen Wissenschaft vermehrt, verbessert und vervollkommnet werden kann.10)

Die Chineser waren früher und länger mit der Feuerwerkerei bekannt, als die Italiäner und Franzosen. Barrow erwähnt in seinen Reisen nach China (Travels in China) einiger ihrer Darstellungen. Nachdem er über ihre verschiedenen Feuer gesprochen hat, bemerkt er, „daß die Mannigfaltigkeit der Farben, mit welchen die Chineser ihre Feuer zu bekleiden das Geheimniß besizen, einer der Hauptvorzüge ihrer Feuerwerkerei ist.“

Es war erst im Jahre 1739, daß, in Folge des Friedens, welcher in diesem oder in dem vorhergehenden Jahre geschlossen wurde, die Feuerwerke in Europa anfingen sich zu vervollkommnen. Man gab sehr glänzende Vorstellungen auf dem Stadthause zu Paris, am Pont-Neuf, und zu Versailles.

|26|

Der Herzog von Sully hat im Jahre 1606, Feuerwerke zu Fontainebleau gegeben, und im Jahre 1612, gab auch Morel, Commissär der Artillerie, solche.

Die Kunst, das Feuer von einem Stüke des Feuerwerkes aus einem anderen mitzutheilen, so wie dieß jezt in einem Systeme von Veränderungen geschieht, hat Ruggeri, Feuerwerker des Königs zu Boulogne, im Jahre 1743, erfunden. Die Italiäner waren indessen in der Kunst der Feuerwerkerei den, Franzosen voraus.

Gegenwärtig zerfallt die Feuerwerkerei in zwei Abtheilungen: in die Lust- und in die militärische Feuerwerkerei. Leztere ist unstreitig die nüzlichere, indem sie eine Menge Zubereitungen zum Angriffe und zur Vertheidigung in sich begreift, sowohl für den Land- als für den Seekrieg.

Die Alten scheinen nicht sehr mit der Feuerwerkerei bekannt gewesen zu seyn, was mancherlei Umständen zuzuschreiben ist. Der Salpeter war, wenn wir dem Hrn. Prof. Beckmann glauben dürfen, entweder den Alten nicht bekannt, oder, wenn er es gewesen ist, so kannte man seine Zersezung durch Holzkohle nicht; und aus dem Umstande, daß des Salpeters nirgendwo verläßige Erwähnung geschieht, außer in dem Manuscripte, welches die Anweisung zur Bereitung des Schießpulvers enthält, schließt er, daß unser Salpeter den Alten nicht bekannt war. Die Entdekung des Schießpulvers brachte eine neue Aera in der Feuerwerkerei hervor.

Die Feuerwerke der Alten bestanden hauptsächlich aus Illuminationen, zu welchen man einige besondere Compositionen anwendete, in welchen gewisse Oehle, besonders Naphtha, vorkamen. Alexander der Große war Zeuge einiger Versuche mit Naphtha zu Ekbatana.

Die Charlatane der Alten wußten mit dem Feuer allerlei Tausendkünste zu treiben. Wäre das Werk des Celsus gegen die Magier bis auf uns gekommen, so würden wir wahrscheinlich eine Menge von Dingen wissen, die mit ihren Ceremonien und Gebräuchen in Verbindung standen. Sie machten |27| bei denselben, sowohl in religiöser als in anderer Hinsicht, unter besonderen Formen Gebrauch von dem Feuer.

Figuren in Feuer darzustellen war bei den Alten gewöhnlich, und ist es noch bei den Chinesern. Als Heinrich II. zu Rheims einzog, gab es zur Feyer seines Einzuges eine ähnliche Darstellung.

Die Alten hatten indessen zweierlei Arten von Feuerwerken: die eine ward mit der Hand angezündet und unter das Volk geworfen; die andere bestand aus bloßen Illuminationen. Zu jenen gehörten Sterne, Feuerballe, Cardonen etc. Ein Schriftsteller des Alterthumes bemerkt, wo er von diesen Darstellungen spricht, daß er „viele dieser Feuerwerk-Maschinen sah, daß aber, um die Wahrheit zu sagen, wenige ihrem Zweke entsprachen, und daß gewöhnlich, nach dem Freudenrufe, das Schauspiel mit dem Tode einiger Zuschauer und mit der Verwundung von vielen sich endete.“

Die andere Art war blos für theatralische Darstellungen berechnet, die in Beleuchtungen, Transparenten, und verschiedenen Figuren von Menschen und Thieren in Feuer dargestellt bestand. Diese leztere Darstellungs-Kunst scheint die vollkommenste gewesen zu seyn. Nach der neueren Kunst wird die Figur in dieser Absicht zuerst mit Thon oder Gyps bedekt, damit das Feuer nicht auf sie wirken kann; und auf dieser Bedekung eine Menge kleiner, mit verschiedenen Compositionen gefüllter Raketen angebracht, welche die verlangte Farbe der Flamme mittheilen. Alle diese Patronen sind mittelst einer Schlag-Lunte so unter einander verbunden, daß das Feuer nach und nach, oder auf eine andere Weise, aus einer Patrone in die andere gelangt.

Eine andere Methode besteht darin, daß man Schwefel mit Stärke zu einem Teige mit Wasser anrührt, und die Figur mit dieser Mischung bedekt, nachdem man sie vorher mit Thon oder Gyps überzogen hat. Während der Teig aus Schwefel und Starke noch naß ist, wird er mit Schießpulver überstreut, und, nachdem er troken geworden, werden überall Lunten aufgelegt, so daß das Feuer sich eilig auf allen Seiten |28| verbreiten kann. Auf diese Weise kann man auch Girlanden, Festons und andere Zierathen darstellen, indem man solche Compositionen anwendet, die verschieden gefärbtes Feuer hervorbringen. In Verbindung mit diesen können auch Patronen von 1/3 Zoll im Durchmesser, und 2 1/2 Zoll Länge angewendet werden, die mit verschiedenen Compositionen gefüllt sind, wodurch sodann ein wellenförmiges Feuer entsteht. Die Ladung kann hier aus einem eigens dazu verfertigten chinesischen Feuer bestehen, welches aus 1 Pfund Schießpulver, 4 Loth Schwefel, und 10 Loch gepülverten Gußeisen Nr. 1 zusammengesezt wird, oder aus dem sogenannten alten Feuer aus 1 Pfund Mehlpulver, und 4 Loch Holz-Kohle, oder aus dem Brilliant-Feuer aus 8 Loth Eisenfeile und 1 Pfund Schießpulver. Jeder dieser Ladungen können noch die sogenannten Funken beigefügt werden, indem man zugleich Sägespäne von Fichten, Pappeln etc. zusezt, die vorläufig in eine gesättigte Auflösung von Salpeter in Wasser eingeweicht wurden, und, wenn sie beinahe troken sind, mit Schwefel überstreut werden. Zuweilen bedient man sich auch der sogenannten Haar- oder Bart-Raketen (fusées chevélues, bearded Rockets) um wogende und haarförmige Erscheinungen in der Luft hervorzubringen, die sich dann in einen Feuer-Regen enden. Diese Raketen werden aus Kielen verfertiget, welche mit der gewöhnlichen Raketen-Composition gefüllt werden, und mit etwas nassem Schießpulver vorgerichtet, welches sowohl als Lunte wie als Hälter der eingefüllten Masse dient. Wenn eine Rakete, die auf die gewöhnliche Weise geladen wird, an ihrer kegelförmigen Kappe oder an ihrem Kopfe auf dieselbe Weise, wie mit Sternen, Schlägen, Schlangen etc. besezt wird, so wird sie in der Luft die oben bemerkte Erscheinung hervorbringen.11)

|5|

Ueber die Bestandtheile und das Verhalten des Wutz oder Bombay-Stahl findet man im polyt. Journale Bd. X. S. 97 genügende Auskunft. D.

|6|

Im Originale heißt es „7 Unz. 8 Drachmen“, was 16 Loth geben würde. Eben so im folgenden Recepte. A. d. Ueb.

|14|

Unter Caliber versteht man hier den Durchmesser der Patrone oder Röhre, in welche die Mischung gethan wird. A. d. O.

|14|

Mehlpulver ist das gewöhnliche gekörnte Schießpulver im gepülverten Zustande. Man pulvert oder mahlt das Pulver entweder auf einem Tische mit einer Walze, und schlägt es dann durch ein feines Sieb; oder man füllt das Pulver in einen ledernen Sak, und schlägt es mit Hämmern. A. d. O.

|16|

Wir vermuthen, daß dieß die feinen Stahl-Theilchen sind, welche durch das Schleifen oder Spizen der Nadeln auf den trokenen Schleifsteinen los, und dann mittelst eines Magnetes aus dem Schleifer-Staube ausgezogen werden, nicht aber Feilspäne von Nadelstahl, wie Prof. Cutbusy schreibt. Wir glauben, daß Gußeisen-Staub, der durch das Trokenschleifen von Gußeisen-Waaren entsteht, und auf eine ähnliche Weise aus dem Steinstaube der Schleifereien ausgezogen wird, zur Feuerwerkerei noch weit besser ist, als der Nadel-Stahlstaub, weil er mehr Kohlenstoff enthält. Es kann kein wesentlicher Unterschied zwischen der Nadel- und Federstahl-Feile Statt haben. Gill a. a. O. S. 64.

|17|

Ohne Zweifel Steknadel-Staub, der durch das Spizen der |18| messingenen oder kupfernen Steknadeln oder Stifte auf den stählernen Walzenfeilen (den sogenannten Hubbs) entsteht, die sich schnell drehen. Er besteht also entweder aus Kupfer und Zink, oder aus Kupfer allein, und dient folglich zum Blau- oder Grün-Färben bei den sogenannten Strahlfeuern oder grünen Feuern. Gill a. a. O. S. 64.

|20|

Wir hoffen aber, daß man zu dem rothen Feuer, das man in Zimmern abbrennt, den Zusaz von gelben oder rothen Arsenik weglassen wird. A. d. Ueb.

|21|

Das vestalische Feuer der Römer war ein anderes Feuer, obschon es in irdenen Gefäßen brannte, die in der Luft aufgehängt ward. A. d. O.

|24|

Diese Untersuchung nebst allem, was über W. Congreve's Zündraketen bekannt wurde, findet man in der Abhandlung über chemische Artillerie im Bd. VI. S. 1, u. f. in diesem |25| polytechn. Journale nebst Vorschriften zu Signal-Feuer, der Zündstäbe und anderes über Mischungen und Zusäze zum Schießpulver. D.

|25|

Dieß ist bei allen Künsten aus dem Gebiete der physischen Wissenschaften der Fall. Daher soll der Gelehrte nie, auf sein Wissen stolz, den Künstler verachten, der nur gar zu oft mehr weiß, als er, und der Künstler sollte keine Gelegenheit verlieren, sich auszubilden. A. d. Ueb.

|28|

Hr. Cutbush erwähnt nun noch der Lampen-Feste (lampadaria, lamptericeae) bei den Alten, die schon bei den Aegyptern Sitte waren, und bei den Chinesern es noch gegenwärtig sind; der Encocniorum; spricht von der Vernachläßigung der |29| Beleuchtung der Städte bei den Alten, die nur bei festlichen Gelegenheiten Statt hatte, und schließt mit der wiederholten Bemerkung, daß es die Alten in der Feuerwerkerei nicht weit bringen konnten, weil sie kein Schießpulver hatten. Indessen haben wir, ungeachtet aller unserer Fortschritte in der Feuerwerkerei und in der Chemie doch noch bis zur Stunde kein griechisches Feuer

A. d. Ueb.

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