Titel: Reveley's, über eine verbesserte Löthrohr-Lampe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. X. (S. 63–67)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/ar017010

X. Ueber eine verbesserte Löthrohr-Lampe von Hrn. W. H. Reveley's Erfindung; mit einleitenden Bemerkungen über den Gebrauch des Löthrohres.

Aus Gill's technical Repository. Februar. 1825. S. 88.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

„Wir ziehen eine niedrige Oehl-Lampe21) jeder Kerze aus Wachs oder aus Talg vor; die Lampe bedarf keines Puzens, und wenn der Docht einmal zugerichtet ist, so dauert er lange Zeit ohne die mindeste Veränderung; man vermeidet die abscheuliche Unreinlichkeit, Hände und Instrumente immer mit zerflossenem Wachse oder stinkendem Talge beschmiert zu haben. Ueberdieß hat man noch den großen Vortheil, die Stärke des Dochtes der Art der Operation anpassen zu können; ein höchst materieller Vortheil bei dem Gebrauche der Lampe vor jenem der Kerze.“

„Bei dem Gebrauche des Löthrohres sollte man noch Folgendes beachten. Die Spize des Schnabels des Löthrohres muß eben in die Flamme hineinreichen; dadurch wird der Luftstrom eine kegel- oder dolchförmige Flamme auf der entgegengesezten Seite bilden. Wenn er gehörig unterhalten wird wird dieser Dolch oder Kegel sehr deutlich und genau umschrieben |64| seyn. Man muß wohl Acht geben, daß der Luftstrom nirgendwo gegen irgend einen Theil des Dochtes anschlägt, und da, außer wenn die Flamme sehr bedeutend ist, nicht Luft genug auf dieselbe wirken kann, so ist es am besten, den Docht gehörig zu öffnen, damit er dann eine große Oberfläche darbiethet, und die größte Flamme erzeugt. Der Luftstrom aus der Röhre sollte dann durch den Canal oder durch die Oeffnung des Dochtes geleitet werden, so daß ein sehr vollkommner und sehr glänzender Kegel dadurch gebildet wird.“

„Dieser Rath ist nicht umsonst gegeben, und fordert noch einige besondere Rüksichten. Die Stellung des Schnabels des Löthrohres in Bezug auf die Flamme, hängt von der verlangten Wirkung ab. Wenn man eine oxidirende Flamme braucht, muß das Ende des Löthrohres in einiger Tiefe in die Flamme eingesenkt seyn; wo man aber eine reducirende Flamme nöthig hat, muß dasselbe weiter zurükgezogen werden. Hinsichtlich der Form des Dochtes ist es, außer in jenen Fällen, wo eine große Flamme erfordert wird, am besten, denselben walzenförmig und ungetheilt zu lassen. Die Flamme eines Dochtes von dieser Form ist dann am bequemsten, und läßt sich bei allen zarteren Operationen am leichtesten behandeln.“

Wir haben obige Bemerkungen über den Gebrauch des Löthrohres aus der vor Kurzem in den Annales of Philosophy erschienen Analyse des Werkes: An explanatory Dictionary of the Apparatus and Instruments employed in the various Operations of Philosophical and Experimental Chemistry entlehnt, und vermuthen, daß sie von dem gelehrten Uebersezer des vortrefflichen Werkes des Hrn. Berzelius „über den Gebrauch des Löthrohres“ herrühren. Wir haben sie um so sorgfältiger hier eingerükt, als sie den Grund enthalten, warum die Lampe des Hrn. Berzelius in der Uebersezung selbst nicht gegeben wurde, weil nämlich der Uebersezer einen cylindrischen Docht dem flachen Dochte, den Berzelius empfahl, |65| vorzieht.22) Lezteren haben wir im techn. Reposit VI. Bd. S. 99 beschrieben, wo der Dochthälter des Berzelius „als 1/2 Zoll lang und 1/8 Zoll breit“ beschrieben ist.

Wir zweifeln nicht, daß in Fällen, wo nur eine kleine Flamme zu zarten Versuchen nöthig ist, ein walzenförmiger Docht vollkommen hinreichen mag; allein, für die größeren Zweke, denen das Löthrohr entsprechen kann, ist eine Lampe mit einem flachen, und selbst mit einem getheilten Dochte durchaus nothwendig.

Wir sahen nie eine vollkommnere Löthrohr-Flamme, als jene, die der getheilte Docht an der Lampe in Tilley's tragbarem Glasbläser-Apparate hervorbringt, den wir im 4. B. S. 332 (Polytechn. Journ. B. XIII. S. 137.) beschrieben haben. Wir haben aber zeither eine Löthrohr-Lampe von Hrn. H. W. Reveley gesehen, die er zu seinem Gebrauche beim Löthen verschiedener Gegenstände von bedeutender Größe, auch zum Härten und Temperiren stählerner Bohrer anwendete, die zwei flache Dochte hatte, welche so gestellt waren, daß ihre Flammen sich vereinten, und einen Luftzug durchließen. Diese Lampe bildet einen Flammenkegel, der eine Hize von sehr bedeutendem Grade hervorzubringen vermochte, Hr. Reveley erlaubte uns seine Lampe abzubilden, was hier in Fig. 14 und 15 geschehen ist: erstere zeigt dieselbe im Durchschnitte, leztere im Grundrisse. A, ist die Büchse, welche das Oehl oder den Talg einhält. BB, sind die Dochthälter, welche bei CC, auf dem Boden der Büchse angelöthet sind. Die Dochte können entweder cylindrisch seyn, wie bei den Argand'schen Lampen, und werden dann stach gedrükt; oder sie können die flachen Dochte der Liverpooler Lampen seyn: von einem, wie von dem anderen, kann einer oder können zwei in den |66| Dochthälter eingezogen werden, je nachdem man es nöthig findet. Hr. Reveley schlägt (nach unserer Angabe) als eine Verbesserung seiner Lampe die Einführung loser flacher Röhren, als Dochthälter, vor, die man bloß in die gegenwärtigen Dochthälter einzuführen braucht; oder (wie er bereits beschlossen hatte) einen der gegenwärtigen Dochthälter so einzurichten, daß er sich rükwärts und vorwärts schieben läßt in den an dem Boden angebrachten Furchen, um sie genauer, als auf die jezige Weise, stellen zu können, so daß, z.B., wo man eine kleinere Flamme nöthig hat, die Dochte in die Dochhälter zurükgezogen werden können, damit nur ein kleines Stük aus denselben hervorsteht, wo aber dann der Abstand zwischen den beiden Dochten zu groß wird, und umgekehrt. Jede der beiden hier vorgeschlagenen Verbesserungen kann diesem Nachtheile abhelfen; aber selbst so, wie sie ist, ist sie die beste Lampe für ein Löthrohr, die ich jemals gesehen habe; sie läßt sich mit der größten Leichtigkeit zurichten, und das Einzige, was hierbei nöthig ist, ist, daß die Dochte mit Scheren eben und gerade abgeschnitten, und so lange in den Dochthältern auf- und niedergezogen werden, bis sie die beste Flamme hervorgebracht haben.

Hr. Reveley verfertigt seine Lampe aus gemeinem verzinnten Eisenbleche; löthet sie aber mit reinem Zinne, indem er fand, daß das Blei in dem gewöhnlichen Schlaglothe der Zinnarbeiter sich leicht in Oehl auflöset, und dasselbe dik und zum Verbrennen untauglich macht.

Es verdient bemerkt zu werden, daß diese Lampe des Hrn. Reveley so auffallende Aehnlichkeit mit der Weingeist-Lampe besizt, deren Hr. J. T. Cooper sich in seinem schäzbaren Apparate zur Analyse der thierischen und vegetabilischen Substanzen bedient, daß man glauben sollte, sie wären offenbar von einander copirt, wenn man nicht wüßte, daß Hr. Reveley seine Lampe während des lezten Krieges in Italien erfand, wo er in Folge des berühmten Decretes, welches Napoleon zu Milano erließ, mehrere Jahre bleiben mußte, und daß Hr. Cooper vor Bekanntmachung seiner Weingeistlampe nie etwas |67| von derselben gehört oder gesehen hat. Dieß mag als ein Beweis mehr für die Erfahrung gelten, die man so oft zufällig zu machen Gelegenheit hat, daß, wo immer Leute richtig denken, ihre Ideen nothwendig Aehnlichkeit haben müssen.23)

Hr. Reveley meint, daß man noch einen anderen Vortheil an dieser Lampe dadurch anbringen konnte, daß man sie aus zwei abgesonderten Oehl-Behältern und Docht-Hältern bildet, wie die senkrechten punctirten Linien, DD, in Fig. 14, zeigen. Diese Einrichtung, obschon sie nothwendig bei Verfertigung der Lampe mehr Mühe kostet, läßt die Dochte in der möglich größten Genauigkeit auf eine ähnliche Weise, wie bei den beiden vorigen Verbesserungen, stellen, und gewahrt noch den Vortheil, daß sie zwei sehr bequeme Lampen zu gewöhnlichem Gebrauche bilden. Indessen hat Hr. Reveley früher schon auch den Nachtheil erfahren, daß das Oehl aus dem Dochthälter durch die Capillar-Attraction zwischen ihm und dem Dochte überfließt, und fand daher einen Untersaz, nöthig, um das Oehl aufzufangen: dadurch wurde aber der freie Zutritt der Luft zur Flamme gehindert. Der Herausgeber empfahl ihm das vom sel. Dr. Milner bei seiner Cambridge-Studenten-Lampe (techn. Repos. B. II p. 102. Polytechn. Journ. B. IX. S. 67.) empfohlene Mittel: nämlich die Anwendung eines zweiten Dochthälters, der sich innerhalb des ersteren schieben läßt. Hierdurch wird diesem Nachtheile vollkommen abgeholfen, indem die Capillar-Attraction dieser beiden Dochthälter oder Röhren das überfließende Oehl in den Oehlbehälter zurükführt; er wird in Zukunft dieses Mittel bei seiner Lampe anwenden.

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Wahrscheinlich mit Baumöhl gefüllt; denn Fischthran würde eben so schlecht seyn, als Talg, des Gestankes wegen. Gill

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Eine Freiheit, die ein Uebersezer sich nie erlauben sollte. Die Pflicht des Uebersezers ist die eines Dolmetschers, der nie ein anderes Wort sprechen soll, als dasjenige, was ihm in den Mund gelegt wird. In einer Anmerkung kann er seine Meinung mittheilen, wenn er einer anderen Meinung ist, als sein Auctor. A. d. Ueb.

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Dieß ist aber sehr oft auch der Fall im Irrthume. Wie hätte es sonst sogenannte philosophische Schulen geben können? A. d. Ueb.

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