Titel: Dumbell's, gewisse Verbesserungen an Wagen.
Autor: Dumbell, John
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. LV. (S. 265–269)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/ar017055

LV. Gewisse Verbesserungen an Wagen, die sich entweder an denselben anbringen lassen, oder zur Verbesserung im Baue derselben, im Zuge, in Beschleunigung ihrer Bewegung u. d. gl. dienen, und worauf Joh. Dumbell, Kaufmann zu Howley House, Warrington, in Lancastershire, sich am 16. Decbr. 1822. ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Arts, Manufactures and Agriculture. Juni. 1825. S. 405.75)

„Da ich bei meiner Erfindung bloß die Natur nachahme, so wird man mir erlauben, lieber auf dieses große Original hinzuweisen, als daß ich mich oder andere durch irgend eine Zeichnung oder ein Modell täusche, welches höchstens eine ärmliche Darstellung desjenigen wäre, was ich hier beschreiben und darstellen will, und zwar um so mehr, als der ganze Umfang und die große Mannigfaltigkeit der Natur zu meinem |266| Zweke taugt. Denn ich nehme zu dem Baue und zur Bewegung meiner Wagen, statt der Räder Füße (Tausendfüße), insofern dieß nämlich mit Bequemlichkeit und mit Vortheil geschehen kann. Ich betrachte die Kunst hier als die Dienerin der Natur, und will mit Kleinem anfangen und Groß enden, und so wie der Fisch den Schwanz als Steuer, den Kopf als Vorkastell dem ersten Schiffe zum Modell gegeben76), so will ich nach dem Menschen selbst und nach den Geschöpfen, die auf der Erde gehen und kriechen, Maschinen bilden, die sich von einer Stelle auf die andere bewegen; ein Fuhrwerk, das gehen und laufen, traben und galoppiren kann, einem Wagen mit Rädern, einem Schlitten oder Pfluge vorziehen. Ich richte die Füße nach dem Boden ein, über welchen ich zu gehen habe. Die gespaltenen Hufe sind weislich von der Natur gewissen Boden angemessen, die mit Schwimmhäuten verbundenen Zehen taugen für andere Stellen, der Pferdehuf wieder für andere. Wenn eine kreisförmige Bewegung nothwendig ist, kann ein Knabe, der am Wege ein Rad schlägt, und sich seiner Hände und Füße, wie der Speichen eines Rades, bedient, meine Methode demonstriren: so ist auch der Mank's Pfennig (Mank's penny), der die Beine an einem Manne oben zeigt. So können auch die Speichen in einem Wagen-Rade ohne Felgen seyn,77) oder, wenn Felgen da sind, über diese hervorstehen, und zwar in beliebiger Anzahl. Diese Felgen |267| können, damit sie leichter über die Straßen kommen, mit Eisen oder mit irgend einem harten Körper beschlagen oder beschuht seyn, und nöthigen Falles, können sie auch wie Pferde-Hüfe gestaltet seyn. Diese Hufe kann ich auch an den Felgen eines Wagenrades in solchen Entfernungen anbringen, die man eben nöthig findet, und zwar mit oder ohne Reibungs-Rollen an den Seiten derselben, oder zwischen denselben, und mit oder ohne Federn, die an den Fersen oder an den Zehen derselben wirken, so daß diese Hufe sich an einer Art von Angel bewegen, beinahe wie der Fuß eines Menschen, wo das Gewicht von der Ferse aufgenommen, und auf die Zehe übergetragen wird, und dann von der Zehe des einen Fußes auf die Ferse des anderen gelangt. Nöthigen Falles bringe ich auch in den Speichen selbst Gelenke an, die dem Schenkel, dem Kniee und dem Fuße eines Menschen gleichen, oder anderer Thiere, oder dem, was man in der Mechanik ein allgemeines Gelenk (universal joint) nennt. Unter den Werken der Kunst ist der Sporn (!), dessen Rad sich um eine Achse dreht, und den Boden berührt, ein anderes Muster meiner Verbesserung, indem es so, wie das Rad an einem Schiebkarren, für sich (per se) wirkt, oder an so vielen Rädern, (wie man diese jezt an der Kutsche braucht) angewendet werden kann, als man bequem findet, wenn nämlich der Theil des Spornes, der über die Ferse des Mannes läuft, für seinen Zwek stark gebaut, und an der Felge befestigt wird. Man kann soviel solcher Sporne anbringen, als nöthig ist, um die Peripherie eines Wagenrades ganz damit zu umgeben. Ich bediene mich auch der Stelzen, Krüken, und des Tret-Rades, wo Menschenkraft statt jener der Pferde angewendet werden kann. Ein Mann auf Stelzen kann längere Schritte mittelst derselben machen, und folglich in derselben Zeit über einen größeren Raum sich hin bewegen. In diesem Falle gebe ich dem Manne seinen Siz, worauf er, wie auf einem Schaukel-Pferde, ruhen kann, und die Krüken wende ich, wie bei dem Unterlegen der Schiffe (punting et shafting vessels) an. Ich wende Tret-Mühlen, als Wagen an, indem ich diesem Tret-Mühl-Wagen |268| entweder Räder gebe, wie die gegenwärtig gebräuchlichen, oder solche Tausendfüße, wie ich oben sagte. Diesen Wagen bringe ich an einem anderen an, und zwar entweder vorne, wo gegenwärtig die Pferde angespannt werden, oder hinten, und treibe dann diesen Wagen entweder mittelst eines Pferdes oder eines Thieres, oder mittelst mehrerer, die ich dort anspanne, wo die Pferde an den Kutschen gewöhnlich angespannt werden; oder ohne Pferde, so, wie Schiffe gesteuert werden: das Steuer ist an einem Rade oder einem Tausendfuße angebracht, bloß um mittelst desselben steuern zu können, oder an den zwei Vorderrädern, wie man diese gegenwärtig an Kutschen hat. Wo nur langsam gefahren werden soll, und wenig Kraft erforderlich ist, bringe ich das Tretrad auf derselben Achse mit den Rädern oder den Tausendfüßen an; wo aber eine größere Kraft nöthig wird, bringe ich eine oder mehrere Tretmühlen nicht in derselben Linie mit der Achse der Tausendfüße, oder der Räder an, auf welche sie zu wirken haben, sondern unter einem rechten Winkel, damit die Länge des Tretrades nicht durch die Breite der Straße beschränkt wird, sondern wie die Deichsel an dem Wagen zwischen dem Kutscher und den Pferden, hinläuft, so daß die Achse oder die Spindel des Tretrades die Stelle und die Richtung der Deichsel ausfüllt. Sie wird dann mittelst Trieb-Stöken und Schienenrädern, und Verbindungs- und Vervielfältigungs-Rädern nach Belieben mit der Achse der Tausend-Füße verbunden. Wo die Tret-Mühle für sich allein gebraucht, und nicht an Wagen angebracht wird, wie man diese gegenwärtig hat, so wie auch dort, wo eine große Kraft nöthig wird, bringe ich eine doppelte Tret-Mühle, oder zwei abgesonderte Tret-Mühlen, oder Tausendfüße oder Räder an, und lasse die Arbeiter einander gegenüber, Gesicht gegen Gesicht gekehrt, arbeiten; auf diese Weise bleibt zwischen den Mühlen oben und unten Raum genug für die Passagiere und das Gepäk, so wie für Güter und Waaren, übrig: beide Mühlen treten, rechts wie links, gleich weit auf der Straße vor: denn, obschon diese Mühlen sich ist verschiedenen Richtungen |269| drehen, so wird doch, da die eine derselben noch ein anderes Zwischenrad besizt, wodurch sie mit den Tausend-Füßen in Verbindung kommt, welches bei der anderen Mühle fehlt, jede dieser Mühlen gemeinschäftlich mit der anderen wirken, und, in Hinsicht auf den Wagen, in gleichförmig fortschreitender Weise. Mit anderen Worten, die eine Mühle ist mit den Tausendfüßen und mit dem Wagen durch zwei, die andere durch drei Räder verbunden. Diese Tret-Mühlen werden ans die gewöhnliche Weise in Umtrieb gesezt und erhalten, und an denselben wird, nach Belieben, die eine oder die andere der hier erwähnten Vorrichtungen angebracht. 78)

Wir haben über eine ähnliche Vorrichtung bereits aus dem London-Journal. April. S. 254. (polyt. Journal S. 191.) eine Notiz mitgetheilt, und wollen hier den Patent-Träger mit seinen eigenen Worten sprechen lassen. A. d. Ueb.

|266|

Make mighty things from small beginnings great

und

As fishes first to shipping did impart Their tail the rudder, and their head the prow

sind Verse, die sich in der Patent-Sprache, ohne alle Interpunction und ohne allen Absaz (denn die englischen Patente werden jezt noch, wie weiland die falschen Decretalen Isidors, ohne alle Interpunction geschrieben, so daß man heraustüpfeln kann, was man will) sonderbar genug ausnehmen.

|266|

Wir sahen wirklich zu London im Jahre 1824 mehrere sehr schwere Wagen und Karren mit Rädern ohne Felgen, die sich auf 4 Sextanten fort bewegten, von 1–4 Pferden gezogen: 1/3; Eisen war erspart daran, das Holz nicht gerechnet. A. d. Ueb.

|269|

Wir enthalten uns aller weiteren Anmerkungen über dieses PATENT; quia alioquin res patent. A. d. Ueb.

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