Titel: Trostgründe bei Hungertod für Mechaniker und Chemiker.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. LXXXI. (S. 357–377)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/ar017081

LXXXI. Trostgründe bei Hungertod für Mechaniker und Chemiker von ausgezeichneteren Talenten; oder über die Nothwendigkeit99) und die Mittel, dürftige Männer von Genie im Fabrikwesen zu unterstüzen.

Aus dem London Journal of Arts and Sciences. Mai. 1825, S. 308 und Jun. S. 372–374.

In einem Zeitalter, wo das menschliche Elend, so unbedeutend, so wenig bemitleidenswerth es auch seyn mag, sicher ist, Theilnahme und sehr oft sogar Linderung und Hülfe zu |358| finden; wo jeder Tag irgend ein neues Beispiel geneigter Wohlthätigkeit der Reichen liefert, einen Theil ihrer Schäze mit den minder Glüklichen oder Nothleidenden unter ihren Mitbürgern zu theilen; in einem solchen Zeitalter scheint es sonderbar und unerklärlich, daß die mächtigen Ansprüche des nothleidenden Genies so lange ungefühlt und unbeachtet bleiben konnten.

Es ist entehrend für den Charakter einer Gemeinde, deren Wohlstand und Gewicht von dem blühenden Zustande ihrer Manufacturen abhängt; es gereicht noch mehr denjenigen zum Vorwurfe, die sich unmittelbar mit praktischen Wissenschaften beschäftigen: daß der arme talentvolle Künstler, diese Haupt-Triebfeder ihres Glüksrades, unter allen Unglücklichen derjenige seyn muß, der am meisten aller Freunde und alles Schuzes beraubt seyn soll.

Wenn wir umherbliken wollen, so können wir auf allen Seiten Menschen sehen, an welchen die Natur mit der freigebigsten Hand ihre schönste Gabe, Stärke des Geistes, verschwendete; Menschen, die sie zu den schäzbarsten Gliedern, zur Zierde der Gesellschaft schuf, und die vergebens kämpfen, ihre Talente zu entfalten; die gerade dadurch zur Armuth und zum Elende verdammt sind, weil sie ihre Kräfte geltend machen wollen: denn, wem die Natur höhere Kraft verlieh, dem gab sie auch den unbesiegbaren Wunsch, dieselbe zu irgend einem nüzlichen Zweke zu verwenden. Allein diejenigen Menschen, die in einem Kreise steter Freuden und Lebensgenüsse sich drehen, und geschüzt gegen alle Stürme des Lebens über die Untiefen desselben hinschweben, übersehen in der Windstille, die ihnen schmeichelt, die Gefahren ihrer Reisegefährten, deren Verdienste sie eben so wenig achten, als die Leiden derselben.

Vergebens werden wir die Ursache einer eben so beispiellosen als sonderbaren, einseitigen, Apathie aufzuspüren uns bemühen; ich sage einseitigen Apathie; denn, wenn wir sehen, daß so viele Leute mit einer Art von Gierde sich beeilen, jedes neue Unglük aufzusuchen; wenn wir sehen, daß sie mit Entdekung irgend einer neuen Art von Elend, um nur etwas zu haben, wo sie helfen können, sich eben so eifrig beschäftigen, wie ein Naturhistoriker mit Entdekung irgend einer neuen Art eines Naturkörpers, oder ein Physiker mit Lösung irgend einer großen Aufgabe; so wird es uns wahrlich schwer zu entdeken, warum gerade derjenige Gegenstand, der ihre Aufmerksamkeit vor anderen zu verdienen scheint, allein so sehr vernachläßigt bleiben soll. Es ist wahrlich unbegreiflich, daß Mechaniker, die einen so großen Theil unserer Bevölkerung bilden, die mit allem Rechte die nüzlichste Classe der Gesellschaft genannt werden, deren Wohl, folglich, auch unser |359| eigenstes Interesse ist, so blindlings und so grausam hintangesezt werden können. Auch der selbstsüchtigste Kniker müßte erröthen, wenn er einen Grund dieser zur Sitte gewordenen Illiberalität auffinden wollte, und es kann keinen Grund geben, den irgend ein wohlwollender Mensch nicht mit Verachtung zurükweisen würde. Daß man hierüber noch nicht kräftig das Gefühl des Publicums in Anspruch genommen hat; daß nur zufällig dieser Gegenstand zuweilen zu seiner Kenntniß gelangt;100) dieß vermag diese traurige Erscheinung keineswegs zu erklären: denn es läßt sich doch natürlicher Weise nicht anders denken, als daß auch die leiseste Erwähnung eines solchen tiefen Elendes selbst jene Wesen zur warmen Theilnahme rühren müßte, die weit weniger vom Geiste der Wohlthätigkeit beseelt sind, als das brittische Volk.

Nicht Menschlichkeit allein, unser eigenes Interesse fordert uns hier auf. Bedenken wir doch den großen mannigfaltigen Gewinn, den Wissenschaften und Künste hätten machen können, und der dadurch rein verloren geht, daß ein Genie aus bloßem Mangel an Mitteln nicht im Stande ist, seine Entwürfe zu verfolgen! Mancher Mann von Talent hätte eine Leuchte auf unbetretenem Pfade werden können, wäre er nicht bei seinem ersten Aufschwunge zurükgerissen worden durch die bleiernen Fesseln der Armuth, die ihn zwangen seine Entdekungen in ihrer Kindheit zu lassen, und schon bei seinem ersten Versuche, weil der Freund ihm fehlte, der die Fesseln brechen helfen sollte, ihn für immer lähmten. Doch, dieß ist nur ein kleiner Theil des Gewinnes, den wir hätten machen können, oder vielmehr des Verlustes, den wir uns selbst verursachten; nur ein kleiner Theil der Leiden aller Art, die wir Talenten fühlen lassen. Wir dürfen nicht vergessen, daß, wo wir einen Mann von Talent zurükstoßen, wir eben dadurch auch jeden anderen beleidigen, und für alle verantwortlich werden. Wer mag sich alle den Kummer ausmahlen, den derjenige empfinden muß, welcher Zeit, Gesundheit, Vermögen der Erreichung eines Zwekes opferte, der das allgemeine Wohl zur Absicht hatte: des Unglüklichen, der, getrieben vom Sporne des Genies, alle seine Kräfte verschwendete, um seinem Lande irgend einen National-Vortheil zu erringen, und endlich seine mit so vielen Aufopferungen geleisteten Dienste nicht einmahl erkannt sieht: wer fühlt nicht |360| volles Mitleid bei solchem Wehe, und flucht101) dem Undanke derjenigen, die ihn in diesen traurigen Zustand brachten? Wer kann, ohne das Kehrgemälde lieber sehen zu wollen, einen Künstler vor Augen halten, der alle seine kleine Habe dem lobenswerthen Streben opferte, irgend ein Werk seines Genies zu vollenden, und der von diesem seinen Genie, welches ein Segen für das ganze Land hätte werden können und sollen, welches ihm Rang und Achtung hätte gewähren sollen, nur Armuth, Elend und Entmuthigung erntet. Begleiten wir diesen Unglüklichen auf dem Irrgange seines finsteren Verhängnisses; wir finden ihn vielleicht, mitten in seinem Elende, ermuntert seine Arbeiten wieder aufzugreifen und fortzusezen; ermuntert (so schmerzlich und widerlich auch der Gedanke ist, daß es solche Menschen geben könne, so gibt es deren doch), ermuntert von einem jener verachtenswerthen und immer speculirenden Schufte, die stets bereit sind, Unglükliche und Verlorne zu ihrem Vortheile zu benüzen; die voll Mitleid mit dem Armen sprechen, seinen Hunger mit honigsüßen Worten zu stillen suchen, und ihm einen langen Küchenzettel von Versprechungen des Dankes in schöner Perspektive zeigen. Emporgehoben aus der Tiefe, in der er versank, kehrt er mit verjüngter Kraft zu seiner Arbeit zurük, und im Vertrauen auf die Wahrscheinlichkeit der goldenen Verheißungen, die er als eben so viel Geld betrachtet, das er nur einzustreichen braucht, scheut er nun nicht länger mehr, was Klugheit ehevor ihm nicht gestatten wollte: Auslagen. Er wird ja in Bälde die Mittel besizen, alles wieder auszugleichen, und ohne Furcht und Mißtrauen wird nun alsogleich wieder Hand an's Werk gelegt. Seine großmüthigen Gönner beobachten mit Sorgfalt die Fortschritte seiner Arbeiten, und nähren die Hoffnungen, die sie in ihm erregten. Der arme Narr stürzt sich Klafter tief in Schulden; allein er freut sich der Vollendung seines Werkes. Welches Entzüken ergreift den unglüklichen Betrogenen, wenn, nach so vielen ängstlich durchwachten Nächten, nach so vielen Tagen mühevoller Arbeit er endlich an das Ziel seiner Hoffnungen gelangt! Sein Herz schlägt hoch empor in der Freude des Vorgenußes, wenn endlich die glükliche Stunde gekommen ist, in welcher er seinen geehrten Wohlthätern das gelungene Werk seiner mühevollen Arbeiten vorstellen kann, und bescheiden ihren Beifall erwartet. Sie versichern ihn, daß er ihre Erwartungen über alle Maße übertroffen hat; sie erheben seine Talente, den hohen Werth seiner |361| Erfindung in den schmeichelhaftesten Superlativen; sie wünschen ihm Glük zu dem unsterblichen Ruhme, den er erhalten wird, und – versprechen ihm die Fortdauer ihrer Gewogenheit.

Dieß ist der schöne Lohn für alle seine Anstrengungen; dieß ist die einzige Erfüllung der falschen Verheißungen, die man ihm als Lokspeise vorhielt. Es liegt ihnen nichts daran, daß sie ihn verführten, Schulden zu machen, die er, ohne ihre Versprechungen, als ehrlicher Mann sich geschämt haben würde, jemahls auf sich zu laden; es kümmert sie nichts, daß sie diejenigen waren, die seinen Charakter brandmarkten, und ihn in Verderben und Schande stürzten: sie können ja jezt die Früchte seines Genies in vollem Maße ernten, und freuen sich, daß Verdienst sich selbst lohnt. Nur für eine Art von Wohlthat, die sie ihm unwillkürlich erwiesen, ist er ihr Schuldner geworden: seine süßesten Hoffnungen hat ihre Grausamkeit mit einem Mahle zerstört; er hat den schreklichen Uebergang von vorgenossenem Wohlstande zu mehr dann bitterer Armuth, zur Schulden-Last, durchlebt; sein ehrlicher Name ist beflekt; ein Kerker ist sein Aufenthalt geworden: so haben sie Alles freundlich zu paaren gewußt, ein Leben zu enden, das dem, der es schleppen mußte, eine Last ward, die, schwerer noch für den durch so viele Anstrengungen erschöpften Körper, als die Masse des Elendes, die ihn drükt, ihn endlich in das lang ersehnte Grab versenkt.

Wer, der der Menschheit auch noch so fern verwandt seyn will, tritt nicht mit Schauder zurük vor einem solchen Gemählde! Wer sollte sich nicht ärgern, daß solche Auftritte in der Welt auch nur der Phantasie noch möglich scheinen können! Doch, leider, ist dieß keine Ausgeburt der Phantasie; es ist kein aufgepuztes Mährchen, das Elend nachäfft, um Mitleid zu weken; es ist nur ein schwacher Umriß zu oft und nur zu wirklich vorhandenen Elendes.

Jakob Croß, der unglükliche und grob beleidigte Dulder, war ein armer Mechaniker zu Paisley. Er hat zu verschiedenen Mahlen mehrere wichtige Verbesserungen an den Kunst-Weberstühlen für figurirte Gewebe erfunden, und es gelang ihm endlich, nach unermüdeten Arbeiten, dieselben so sehr zu vervollkommnen, daß der Zieh-Junge gänzlich entbehrlich an denselben geworden ist. Während seiner Arbeiten wurde er häufig von den Fabrikanten zu Paisley zur Fortsezung derselben aufgemuntert: sie kannten sein Genie, und wußten gar wohl dasselbe zu würdigen. Diese Aufmunterungen bestanden indessen lediglich in Hoffnungen reichlicher Belohnung für seine Beharrlichkeit. Endlich gelang es ihm, seinen Erfindungen die Weihe der Vollendung zu geben; allein, diese hatten ihm mehr, als seine spärliche Habe, gekostet, ehe er |362| sie der Vollendung nahe bringen konnte, und seine Belohnung dafür war in schönen Worten bezeugter Beifall seiner wohlgewogenen und großmüthigen Beschüzer: diesen Lohn spendeten sie ihm auch dann noch, als sie durch wirkliche Erfahrung von dem großen Werthe seiner Erfindung bereits überzeugt waren, und täglich hohen Gewinn von denselben ernteten. Das Bureau für Aufnahme der Fabriken in Schottland (Board of Trustees for the improvement of Manufactures in Scotland) belohnte Croß mit 100 Guineen: ein deutlicher Beweis der Brauchbarkeit dieser Erfindungen: allein der Betrag dieses großmüthigen Geschenkes ward schon früher zur Vollendung derselben verwendet, und das arme Opfer blieb noch immer in Schulden. Croß vermochte nicht, den Druk des Elendes zu ertragen, das über ihn sich häufte: seine Gesundheit, die schon früher durch den Mangel litt, den er sich auflegen mußte, um seine Arbeiten fortsezen zu können, unterlag dem Kummer und der getäuschten Hoffnung; nach zwölf monatlichem bangen Harren wenigstens einen Theil der glänzenden Hoffnungen erfüllt zu sehen, die man ihm vorhielt, starb er als hingefallenes Opfer des Geizes und niederträchtiger Undankbarkeit, und hinterließ eine junge, mutterlose und hülflose Familie als Erbe seiner Armuth und seines Ruhmes.

„ Wer, der ein Menschen-Herz in seiner Brust Trägt, kann so etwas sehen, ohne zu erröthen, Und seinen Blik zu senken, wenn er denkt, daß auch Er selbst der Menschen-Raçe angehört? “

Die vielen Erfindungen des Hrn. Croß bilden eine merkwürdige Epoche in der Geschichte der Webekunst: die Nachwelt wird sie noch bewundern, wenn der Name und die Leiden ihres unglüklichen Erfinders längst in Vergessenheit versunken seyn werden. Wir können hier bloß einen kurzen Umriß derselben liefern. Schon im Jahre 1804 begann er seine Beobachtungen über die Mängel der damahls noch in der Weberei gebräuchlichen Maschine, und seit dieser Zeit hat sein fruchtbares Genie beinahe in jedem Jahre irgend eine schäzbare Verbesserung an denselben anzubringen gewußt! Im J. 1817–18 verfertigte er zuerst das Modell eines Weberstuhles mit Zügen, bei welchem man keinen Ziehjungen nöthig hatte, und unterzog dasselbe der Beschauung und Prüfung der Fabrikanten und Weber, die, einstimmig, demselben die höchsten Lobsprüche ertheilten.

Da dieses Modell klein, und daher nothwendig unvollkommen war, so forderte man ihn auf, ein anderes in größerem und mehr brauchbarem, Maßstabe zu verfertigen; man gab ihm zu verstehen, daß man mit Vergnügen jede Auslage erstatten würde, das Unternehmen möge gelingen, oder nicht.

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So ermuthigt sezte er seine Arbeiten fort; allein, durch allerlei ungünstige Umstände mißlang für dieß Mahl seine Unternehmung, die ihm 18 Pfund, 15 Shill., 6 Den. kostete. Um ihn, wie man ihm versprochen hatte, zu entschädigen, veranstaltete man eine Subscription unter den Fabrikanten, und diese trug ihm 12 Pfund, 15 Shill., 6 Den., so daß er, außer der vielen Zeit, die er bei Verfertigung desselben verlor, noch einen reinen Verlust von 6 Pfund erlitt. Ungeachtet dieses Verlustes und der häufigen Unterbrechungen der Arbeit, die seine schwächliche Gesundheit veranlaßte, benüzte er jeden Augenblik der weilenweise wiederkehrenden Gesundheit mit ausdauerndem Fleiße, und brachte im Jahre 1820 eine größere Maschine dieser Art zu Stande. Er übergab dieselbe einem Ausschusse von Fabrikanten und Webern, die im höchsten Grade damit zufrieden waren, und dringend auf eine allgemeine Versammlung antrugen, in welcher man sich über die Art und Weise beratschlagen sollte, wie man Hrn. Croß nach Verdienst belohnen könnte.

Es kam eine Subscription zu Stande, wodurch Hr. Croß veranlaßt werden sollte, seine Arbeiten noch weiter fortsezen zu können: der Ertrag der großmüthigen Beiträge war 16 Pf. 7 Shill., 6 Den. Der arme Croß hatte aber mehr als 12 Pfund an Taglohn bezahlen müssen: mit dem Ueberreste sollte er „seine Arbeiten fortsezen,“ und seine Familie, die damahls aus 6 Individuen bestand, welche noch keinen Häller verdienen konnten, fünf Monate lang ernähren. Er brachte indessen, da seine Gesundheit auf eine kurze Zeit über sich so ziemlich erholt hatte, und die erbärmliche Aufmunterung, die er erhielt, ihn noch nicht muthlos machen konnte, noch eine größere, und in jeder Hinsicht vollkommnere, Maschine zu Stande, und stellte auch diese wieder den Ausschüssen der Fabrikanten und Weber vor. Diese waren nun alle so sehr mit seinen Arbeiten zufrieden, und so durchdrungen von seinen Verdiensten, daß sie ihm. geschriebene Zeugnisse ihres Beifalles ausstellten (eines derselben hat 18, das andere 15 Unterschriften), und eine neue General-Versammlung ausschrieben, um neuerdings die Art und Weise in Berathung zu ziehen, „wie man Hrn. Croß belohnen könne.“ Das gesammte Publicum ward in einem weit verbreiteten Rundschreiben dazu eingeladen. Man las bei dieser Versammlung eine Darstellung der102) zahlreichen Erfindungen des armen Dulders, so wie die schmeichelhaften Berichte der Weber und |364| Fabrikanten vor, die diese Maschine in Thätigkeit sahen: die Weber, die dieselbe bereits benüzten, wurden besonders hierüber befragt. Es folgte noch ein Mahl eine Subscription auf dieses Affen-Spiel von Großmuth, und der Erfolg derselben war die prachtvolle Summe von 3 Pfund, 1 Shill., 6 Den. Dieß war also die edle Erfüllung jener lotenden Verheißungen, die man diesem Unglüklichen vorhielt; jene großen Versprechungen, durch welche man ihm Zeit und Gesundheit stahl, die er für sich und seine Familie auf eine vortheilhaftere Weise hätte benüzen können.

Um die vielen Versuche anstellen zu können, die zur Vollendung seiner Erfindung nothwendig waren, verwandte er mehr als 100 Pfund, die er borgen mußte; überdieß mußte er, während der Zeit, als er sich mit diesen langwierigen Arbeiten beschäftigte, noch seine Familie ernähren, und zum Ersaze für Alles und Alles erhielt er, wie wir gesehen haben, 31 Pfund, 14 Shill., 6 Den.! Nun erst fing er an zu fühlen, wie schändlich man ihn betrogen hatte; erdrükt von den Höllen-Qualen der Gläubiger, zu deren Befriedigung er keine Möglichkeit mehr vor sich sah; ermüdet von körperlichen Leiden und von Seelenpein, in der bitteren Ueberzeugung gänzlicher Verlassenheit für die Zukunft sanken seine Kräfte unter der unendlichen Masse von Leiden; sein ohnedieß schwacher Körper ward die Beute eines Zehrfiebers, und in dem hülflosesten Zustande verschmachtete dieses Opfer seines eigenen Genies im J. 1824. noch kaum 45 Jahre alt, und glüklich nur durch seinen Tod, der ihn von aller Qual befreite. Vor seinem Tode hatte er noch das Vergnügen, seine Maschine allgemein von den großmüthigen Fabrikanten eingeführt zu sehen, und mehrere derselben gaben ihm noch schriftliche Zeugnisse103) in die andere Welt mit, daß sie sich auf dieser bei seinen Erfindungen ganz wohl befinden.

Das große Geschenk des Board of Trustees erheiterte zwar noch etwas seine lezten Tage; allein es kam zu spät, um seine zerrüttete Gesundheit wieder herstellen zu können. Ohne die wirkliche Wohlthätigkeit eines einzigen Individuums wären seine 4 Waisen (3 Mädchen und 1 Knabe) gänzlich verlassen gewesen, und würden das höchste Maß von Mangel und Elend |365| zu erdulden gehabt haben. Durch die menschenfreundliche Hülfe dieses Einen und die Verwendung eines Mädchens als Magd in einer Fabrik sind sie nun vielleicht so gut versorgt, als viele andere Kinder ihrer Nachbarn aus derselben Classe: allein, keines derselben hat bisher auch nur die mindeste Erziehung erhalten, und wenn nicht irgendwo wieder ein Wohlthäter sich findet, so scheint keine Möglichkeit vorhanden, daß sie jemahls eine erhalten werden.

Dieß ist die traurigste Geschichte Eines Individuums, und dieß ist Ein Fall, der, wie wir hoffen, als hinreichender Beweis der dringenden und schreienden Nothwendigkeit gelten kann, bei Zeiten kräftige Maßregeln zu ergreifen, wodurch die Wiederkehr eines ähnlichen Falles für immer vermieden wird. Wir halten es aber für unsere Pflicht, noch Eine ähnliche Geschichte aus den vielen anderen gleichen Inhaltes, die uns bekannt geworden sind, hier in Kürze zu erzählen, indem sie ein Individuum betrifft, welches, wo möglich, noch mehr Anspruch auf unsere Dankbarkeit und Freigebigkeit besizt, als der mißhandelte Croß. Wir meinen Heinrich Bell, der das erste Dampfboth in England auf dem Clyde erbaute, und jezt, für das hohe Geschenk, das er uns gegeben hat, alle Bitterkeiten der Armuth und des Mangels zu losten hat. Seine wenigen Mittel gestatteten ihm nicht sich die Vortheile seiner Erfindung durch Patent-Rechte zuzusichern: er begnügte sich, das erste Dampfboth ausgerüstet zu haben, und glaubte, daß es ihm die Auslagen, die er dabei hatte, ersezen würde.

Kaum hatte aber fein kleines Both Wind und Wogen besiegt, und das volle Gelingen des ersten Versuches erwiesen, als diese Idee von Leuten aufgegriffen wurde, die mehr Mittel hatten, diesen Plan im Großen auszuführen, und viele größere und bequemer ausgerüstete, Bothe waren aus der Stelle ausgerüstet. Dadurch ward sein kleines Schifflein bald überflüßig, und Er, der sein ganzes Vermögen daran sezte, und noch in schwere Schulden sich stürzen müßte, um die Richtigkeit seiner Theorie zu beweisen, und Anderen den Weg zum Reichthume zu zeigen. Er blieb ungeachtet, unbedauert und verlassen. Ungeachtet dieser fehlgeschlagenen Erwartung und seiner schwachen Gesundheit, (er erlitt eine schwere Verwundung bei dem Aufsezen einer Maschine) hat er gegenwärtig, mit einer Beharrlichkeit, die den Glanz seines Genies noch mehr verherrlicht, die ganze Kraft seiner Talente auf den Bau eines Dampfwagens hingerichtet, der, wie er hofft, von allen Mängeln frei bleiben soll, welche ähnliche Maschinen bisher hatten. Man darf sicher hoffen, daß, ehe er noch dieses Unternehmen vollendet hat, man Mittel gefunden haben wird, dem rechtlichen Eigenthümer die Wohlthat seiner Erfindung zuzusichern.

Wir haben hier nur eine unvollendete Skizze der niederschlagenden |366| Verachtung entworfen, welche mittellose Genies zu erdulden haben, und haben aus der großen Menge bloß zwei Beispiele ausgehoben, welche die Wahrheit unserer Behauptung nur zu deutlich erweisen: wir glauben, daß jene Hände, in denen die Abhülfe dieses Jammers gelegen ist, das volle Gewicht derselben fühlen werden. Wir haben die Armuth allein als das Hinderniß betrachtet, welches dem Genie im Wege steht, seine Kräfte auf eine wohlthätige Weise zu entwikeln. Dieser wichtige Gegenstand läßt sich aber auch noch von einer anderen Seite betrachten, die, obschon sie minder deutliche Beweise des Elendes darbiethet, doch nicht minder traurige und verderbliche Folgen zeigt: wie oft verläßt nicht ein unerzogener Mechaniker, der nur sehr unvollkommene Kenntnisse besizt, und doch sich einbildet viel zu verstehen, jede andere nüzliche Beschäftigung, um sich irgend einer Chimäre hinzugeben, die ihn endlich zum Untergange führt? Dieser Fall hat sehr häufig Statt, obschon die Nachricht von demselben nicht so häufig in das Publicum gelangt, und diese Verirrungen verdienen desto mehr unsere Aufmerksamkeit, je mehr sie sich bei irgend größeren natürlichen Anlagen ereignen. Tägliche Erfahrung zeigt die Gefährlichkeit eines solchen Geschenkes der Natur, das nicht zu handhaben ist, wo es nicht durch eine hinlängliche Masse von Kenntnissen, die die verderblichen Ausschweifungen desselben bis zur ruhigen Untersuchung herabzustimmen vermögen, gezähmt wird. Gänzlich dem ungeregelten Einfluße dieses gefährlichen Geschenkes überlassen, wird der nicht Wissenschaftlich gebildete Mechaniker ein Projectant, der immer nach grundlosen Planen hascht, und den einen halb verdaut verläßt, um dem anderen nachzulaufen. Häufig irre geführt durch das Gewöhnliche: Reichthum wartet auf Gelingen; verläßt er seine tägliche Arbeit, und vernachläßigt Alles, um einem Irrlichte nachzulaufen: Pepetuum mobile genannt, und ein Patent, aus dem mühevollen Ersparnisse hart verdünnter Pfennige, wird nicht bloß unnüz, sondern verderblich. Es mag wohl öfter der Fall seyn, daß seine Projecte sehr wohl gegründet sind; allein, der Mangel an Kenntniß einiger der ersten Grundprincipe wird für ihn ein unübersteigliches Hinderniß, welches, obschon es öfters an und für sich unbedeutend ist, durch die vergebenen Bemühungen, dasselbe zu beseitigen, nur um so mehr noch hinderlich wird, und verderblichen Zeit- und Geld-Verlust veranläßt. Jeder Tag bringt irgend eine neue Anstalt zur Abhülfe menschlichen Elendes in dieser oder jener Gestalt hervor: aber keine dieser Anstalten wird dringender, als jene, die dieser Art von Elend abhelfen soll, und keine wird mehr Gegenstände finden können, die ihrer wohlthätigen Absichten würdiger wären: „ihr Gewinn ist der Nuzen des Publicums, und ihre Arbeiten sind die Annehmlichkeiten des Lebens.“

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Nachdem wir durch lebendige Beispiele das Daseyn des Elendes erwiesen haben, welches wir schilderten, und folglich auch die Nothwendigkeit eines allgemeinen Zusammenwirkens zur Unterdrükung des immer wachsenden Uebels, wollen wir zur Betrachtung der schiklichsten Mittel zur Entfernung desselben übergehen, in der freudigen Hoffnung, daß unsere Bemühungen, sollten sie auch der Sache, für welche sie sprechen, noch so unwerth seyn, nur ein kleines Vorspiel desjenigen sind, was andere auf eine kräftigere Weise ausführen werden.

Wenn man die vorangeschikten Thatsachen erwägt, so scheint es, daß die Mittel, diesem Uebel abzuhelfen, folgende Zweke erfüllen müssen:

1. Es muß dem, von Armuth gedrükten, Talente Gelegenheit verschafft werden, seine Kräfte frei äußern zu können.

2. Es muß demselben, nöthigen Falles, durch einen Unterricht nachgeholfen werden, der seine Kräfte stärkt und entwikelt, denselben die zur Ausdauer nöthige Mäßigung gewährt, und das Trügerische phantastischer Plane und mißverstandener Grundsäze enthüllt.

3. Es muß den Arbeiten desselben solcher Schuz gewährt werden, daß verdienter Lohn daraus für seine Bemühungen hervorgeht.

Bei Erwägung der hier aufgestellten Säze ist es vielleicht am Besten, zuerst zu untersuchen, was man bisher für Wege eingeschlagen, oder vorgeschlagen hat, um diese Zweke zu erreichen, und dann die schiklichsten und anwendbarsten Mittel aufzusuchen, um dasjenige zu ersezen, was allenfalls noch fehlen könnte.

Ein Correspondent des London-Journal hat, soviel wir wissen, zuerst die traurigen Verhältnisse, in welchen sich soviele geistreiche Mechaniker befinden, in der Absicht dargestellt, dieselben zu beseitigen, und eine Gesellschaft als das schiklichste Mittel in dieser Hinsicht vorgeschlagen. Verschiedene Plane zur Leitung derselben wurden vorgelegt. Da diese indessen etwas außer dem Bereiche der Abwendbarkeit zu liegen scheinen, und wir an einem anderen Orte Gelegenheit finden werden, die Verfassung einer Gesellschaft zu entwikeln, die zu unserem Zweke geeignet ist, so wollen wir hier bei den Verdiensten derselben nicht länger verweilen. Eines unserer kleineren periodischen Blätter hat sich zeither dieser Sache mit Wärme angenommen, ist aber gegen den Plan einer Gesellschaft, weil er „zu sehr den Neuerungen bloßgestellt ist,“ und schlägt an der Stelle desselbe eine Ausdehnung der Patent-Geseze vor, so daß der Schuz derselben auch dem Aermsten erreichbar werden kann, Wenn wir diesen Vorschlag recht verstehen, so scheint es, als ob wir unsere Patent-Geseze nach dem Continental-Systeme umformen sollten, und wir |368| wollen, unter der Voraussezung, daß wir recht verstanden haben, die Einwürfe dagegen vortragen, die uns alsogleich und unwillkürlich auffielen. Es ist, erstlich, kaum zu erwarten, daß ein Monopol in der kurzen Zeit von 2 bis 5 Jahren, selbst wenn es unentgeltlich ertheilt würde (und dieses ist es wahrscheinlich, was man wünscht), für die Mühe und Auslagen entschädigt, die man bei Ausführung der unbedeutendsten Erfindung aufwenden muß; der kurze Schuz würde aufhören, ehe irgend eine durch Patent-Recht geschüzte Verbesserung (wir sprechen von mechanischen Verbesserungen), wenn dieselben noch so leicht eingeführt werden könnte, allgemein angenommen werden kann: auf der einen Seite verfließen Jahre, ehe sie hinlänglich bekannt wird; auf der anderen braucht es Jahre, bis ein Fabrikant von der Brauchbarkeit derselben sich hinlänglich und so sehr überzeugt, daß er seine alten Maschinen aufgibt. Dieß gilt von jeder neuen Erfindung im Maschinen-Baue: so lange der Fabrikant sein Maschinen-Wesen noch so leidentlich gut findet, widersezt er sich jeder Neuerung, außer er wird durch Concurrenz oder durch andere aufregende Verhältnisse dazu gezwungen. Ferner wird ein guter Theil derjenigen, die von einer solchen Patent-Erfindung Vortheil ziehen können, warten, bis die Patent-Zeit verlaufen ist, da sie dann die Vortheile dieser Erfindung weit wohlfeiler erlangen können. Und endlich bleibt der arme Erfinder, der keinen Freund hat, jezt, wie ehevor, gleich fern vom Ziele; er hat keinen Vortheil, keinen Nuzen von seinem Talente: sein Patent ist jezt dem Raube aller derjenigen offen, die von seiner Armuth und seinem wehrlosen Zustande Vortheil ziehen wollen (und solcher Edlen gibt es viele): und bleibt ihm keine Möglichkeit auch nur Ersaz zu finden.

Wenn aber auch diese Einwürfe wegfielen, so gewährt dieser Plan nur eine halbe Maßregel. Es ist nur für vollendete Erfindung gesorgt. Der arme Künstler braucht aber einen Freund, mit dem er sich berathen, dem er sich anvertrauen darf. Er hat nicht bloß Schuz nöthig, und Belohnung für das, was er zu Stande gebracht hat; er braucht Beistand, um die Früchte seiner praktischen Beobachtungen zur Reife zu bringen; um jene Kenntnisse zu erlangen, die ihn in den Stand sezen, diese Beobachtungen mit der gehörigen Genauigkeit anzustellen, und bei Zeiten zu bemerken, wenn er mit seinen Planen auf Abwege geräth. Man muß ihn nicht bloß belohnen, wenn er erfunden hat, man muß ihm erfinden helfen; und wie könnte man diese Pflicht besser erfüllen, als durch eine Verbindung von Individuen, welchen das Wohl talentvoller Unglüklichen redlich und warm am Herzen liegt. Man sagt dagegen, „daß dieß Eingriffen und Neuerungen die Thore öffnet.“ Das Erfindungs-Tribunal |369| von Amtswegen (Official Board of Invention), das unsere Gegner vorschlagen, wird dieß nicht minder. Nach beiden Planen muß ein solches Tribunal vorhanden seyn, und in jedem Falle muß, „um das Verdienst und den Werth der gemachten Verbesserungen vor demselben zu bestimmen“, dasselbe aus wissenschaftlich gebildeten104) Männern bestehen. Allein, die Mitglieder eines ämtlichen Tribunals (Official Board) haben kein Interesse an dem Gelingen: sie begnügen sich damit, ihre Amts-Schuldigkeit erfüllt zu haben, und es läßt sich nicht erwarten, daß ohne wechselseitiges und allgemeines Interesse eine solche Angelegenheit mit der geeigneten Aufmerksamkeit durchgeführt, gefördert und vollendet wird. Dieses ämtliche Tribunal wird, wie es uns scheint, keine andere Wirkung hervorbringen, als die, die wir so eben angegeben haben, und wir gestehen aufrichtig, daß wir, in dieser Hinsicht, keine Veränderung an den Patent-Gesezen wünschen können; denn, wenn wir bedenken, wie oft diese Geseze einer neuen Revision unterzogen wurden, wie viele Zeit, Sorgfalt und Kenntnisse man sowohl bei Abfassung, als bei Verbesserung derselben auf sie verwendet hat, und wie sie, ungeachtet alles dieses Kraftaufwandes, doch noch in vieler Hinsicht mangelhaft sind, so kann uns eine solche Veränderung an denselben nicht anders, dann als ein zweifelhafter und gefährlicher Versuch erscheinen. So weise und umsichtsvoll auch diese Geseze allerdings abgefaßt sind, so eifersüchtig sie auch jede Art von Monopol im Auge halten, so wird es ihnen doch nicht mögliche in jedem Falle zu entdeken, ob dasjenige, wofür man ihren Schuz verlangt, auch neu ist.

Wir sehen daher auch von Zeit zu Zeit verschiedenen Individuen Patente auf dieselbe Erfindung ertheilen; auf Dinge, die die ganze Welt schon vor Jahrhunderten wußte. Die Erklärung des Patentes (Specification) wird dem Publicum zwar offen vor die Augen hingelegt, und wenn der Patent-Träger ungerechte Ansprüche wagt, können die Individuen die sich dadurch gekränkt glauben, Abhülfe verlangen. Worin besteht aber diese Abhülfe? In einem Processe! Ein Patent-Träger muß dasselbe Gesez gegen den anderen Patent-Träger in Anspruch nehmen, das diesen schüzen soll; diejenigen, die die Werkzeuge ihrer täglichen Arbeit jezt als das ausschließende Eigenthum eines anderen erklärt sehen, müssen gleichfalls zu einem Processe ihre Zuflucht nehmen, und alle Auslagen und Verdrießlichkeiten eines Rechtshandels auf sich laden, um von dem Druke ihres Gegners frei zu werden, wenn sie anders nicht bei fortgeseztem Gebrauche ihres rechtmäßigen |370| Eigenthumes sich der Klage und der Strafe eines Eingriffes in die Patent-Rechte aussezen wollen.

Es ist, leider, nur zu gewiß, daß dieses Uebel wirklich Statt hat: man darf nur die jährlichen Patent-Listen flüchtig durchlaufen, um eine Menge der entscheidendsten Beweise hierüber zu finden. Es ist offenbar unmöglich, die häufigen Gesuche um Patente einer so strengen Prüfung zu unterziehen, daß man mit aller Sicherheit die Ansprüche der Bittsteller auf Originalität geltend machen kann. Man kann nicht voraussezen, daß diejenigen, deren Aufsicht diese Untersuchung anvertraut ist, mit jeder bereits vorhandenen Erfindung vertraut seyn sollten, und es ist unmöglich, alle bereits ertheilte Patente durchzusehen: würde man wissenschaftlich gebildete Leute zu diesem Behufe anstellen, so könnte man sie als partheiische Richter in dieser Angelegenheit betrachten. Es scheint also, daß dieses Uebel immer so wird bleiben müssen: das einzige Mittel, daß dasselbe nicht noch ärger wird, ist die lästige, aus diesem Grunde vielleicht aber auch zugleich nothwendige, Taxe für Talente; diese ungeheuere Ausgabe, die man für ein Patent machen muß. Wollte man die Taxe aufheben, oder auch nur herabsezen, so würden noch mehr Gesuche um Patente eingereicht, und es müßten folglich noch mehr Patente ertheilt werden; die Patente würden noch mehr und bis zur verderblichsten Unzahl vervielfältigt werden, und in demselben Verhältnisse würden die Nachtheile unüberlegter Patent-Vertheilungen zunehmen müssen.

Die Society of Arts hat einen großen Namen, große Einkünfte, und gibt jährlich einen Band heraus, in welchem die Preise, die sie ausschreibt, und die Belohnungen, die sie vertheilte, gedrukt erscheinen; man könnte also (und wenn man nach dem Scheine urtheilen will, wird man auch) glauben, daß diese Gesellschaft eine mächtige Stüze für hülflose Talente ist: es ist aber offenbar, daß sie den beiden Duldern, deren Leidensgeschichte wir oben erzahlten, keine anpassende Belohnung ertheilen konnte. Außer den Aufmunterungen, welche sie kleinen Mädchen und Jungen ertheilt, damit sie Zeichnen lernen, sehen wir in der That nichts Gutes, was sie hervorbringt. Es ist offenbar, daß sie. Erfindungen, die wirklich von wahrem Werthe sind, nicht zu belohnen im Stande ist, und es ist eben so offenbar, daß solche Erfindungen ihr gar nie werden vorgelegt werden: denn wer wird die Vortheile eines Patentes mit einem Prämium vertauschen wollen, das nicht einmahl die Auslagen ersezt, die man für seine Erfindung machen mußte; ja sogar in vielen Fällen nicht einmahl die Kosten des Modelles trägt, welches die Gesellschaft verlangt, oder die Mühe und Auslagen, um bei den langen und gedehnten Sizungen derselben die Aufwartung machen zu können. |371| Unter denjenigen, die aus ihren Arbeiten Nuzen ziehen wollen, wird man diesen Mann nicht finden. Die Jahres-Listen über die ausgeschriebenen Belohnungen biethen einen höchst unterhaltenden Contrast zwischen den Individuen dar, welche dieselben in Anspruch nahmen, und denjenigen, welchen sie erhielten. Beurtheilt man die Gesellschaft nach den einen, so wird man sie unter der Menge nüzlicher Institute Europens hoch ansezen müssen; nach den anderen aber sinkt sie zu den unbedeutendsten herab. Wir wählen aus den Büchern dieser Gesellschaft nur folgende Belohnung, die in mehreren Sizungen nach einander ausgeschrieben wurde, und die als schönes Beispiel statt aller übrigen gelten mag. N. 244. Demjenigen, der eine Maschine zur Förderung der Kohlen oder Erze aus den Gruben angeben wird, die besser ist, als irgend eine bisher gekannte und gebrauchte, und deren Anwendung wohlfeiler zu stehen kommt, die goldene Medaille oder 50 Guineen, wenn er sie der Gesellschaft mittheilt.“ Wenn diese Maschine besser seyn soll, als irgend eine bisher bekannte oder gebräuchliche, so muß sie besser seyn, als die Dampf-Maschine; so muß der Erfinder die Vortheile eines Patentes aufgeben, und der Gesellschaft noch ein Modell liefern; und dieß alles für 50 Guineen, und für die Ehre (bald hätten wir diesen wichtigen Umstand vergessen), diese Summe aus den Händen der Gesellschaft zu empfangen.

Ein anderer Preis wurde auf ein Mittel ausgeschrieben, das Auffiegen der Pulvermühlen zu verhindern. Der Preiswerber sollte aber Zeugnisse von einem oder von mehreren Pulvermüllern darlegen, daß man ihre Mühlen mit aller Sicherheit angezündet hat. Die übrigen Preisaufgaben sind größten Theiles eben so absurd, und es wundert uns durchaus nicht, daß diese Aufgaben nicht gelöst wurden.

Eine Gesellschaft, die so große Capitalien besizt, könnte, wenn sie gehörig geleitet würde, von großem Nuzen werden; allein in ihrer gegenwärtigen Verwaltung ist sie schlechter als gar keine, und kann folglich für unsere Absichten, zu gar nichts nüzen.

In dieser Rüksicht müssen wir hier auch noch zweier vereinter Gesellschaften von Capitalisten erwähnen, die unter der Firma Englischer und ausländischer Patent-Verein (The British and Foreign Patent Association) und Englische Erfindungs- und Entdekungs-Compagnie (The British Invention and Discovery Company) bestehen, und welche beide, nebst anderen Zweken, auch die Absicht haben, armen Erfindern die Mittel zu verschaffen, Patente sich ertheilen lassen zu können. Wir haben keine ausführliche Entwikelung dieser ihrer Absichten zu Gesichte bekommen, und können daher kein Urtheil über den wahrscheinlichen |372| Nuzen fällen, den sie gewähren werden; wir haben aber allen Grund zu besorgen, daß eine Gesellschaft, deren einziger Zwek es ist, von den Talenten anderer Vortheil zu ziehen, schwerlich jener Freund des nothleidenden Künstlers seyn kann, den wir suchen.

Die bisher betrachteten, vorgeschlagenen oder ausgeführten, Plane beziehen sich lediglich auf Belohnung des talentvollen Mechanikers wir glauben alles zusammengestellt zu haben, was in den neuesten Zeiten in Hinsicht auf diesen Gegenstand gethan und geschrieben wurde. Wir kommen nun auf den wichtigen Gegenstand – Bildung desselben.

Das Londoner-Institut für Mechaniker (London Mechanic's Institute) ist gegenwärtig die einzige Anstalt, die in die ser Hinsicht zu London vorhanden ist. Es scheint uns unmöglich, daß ein Institut dieser Art einzig und allein durch Beiträge derjenigen unterhalten wird, für deren Wohl es errichtet ist, wenn man nicht weit mehr Häller von dem armen Mechaniker erpressen will, als er füglich ersparen kann, und eben dadurch einen der Hauptzweke dieses Institutes verfehlt: Verbesserung des Zustandes der arbeitenden Classe. „Man kann das Londoner-Institut keinesweges als gültigen Beweis gegen uns anführen, indem dasselbe durch reichliche Geschenke einzelner großmüthiger Individuen gegründet wurde, und dadurch auch unterhalten wird. Zieht man diese Geschenke aus dem Fonde derselben weg, und läßt man ihm bloß die Beiträge der Mitglieder, so wird es nur als Beweis für unsere Behauptung dienen: denn, so zahlreich auch die Mitglieder desselben gegenwärtig sind, (und es läßt sich erwarten, daß die Zahl derselben nach einiger Zeit sich vermindern wird), so können sie doch nimmermehr die schweren Ausgaben bestreiten, die jezt schon nothwendig geworden sind.105)

Dieses Institut ist bereits der Gegenstand so verschiedener und entgegengesezter Meinungen geworden, welche in manchen Fällen so sehr mit aller Galle des Partei-Geistes durch |373| geführt wurden, daß wir fürchten, manche unserer Leser werden uns kaum das Vertrauen schenken, daß wir diesen Gegenstand mit aller Unparteilichkeit erörtern. Diejenigen, die, wie wir selbst, keiner politischen Partei angehören, und folglich (denn dieß folgt als Corollarium), keine Partei bei dieser Untersuchung bilden, werden, wir sind es überzeugt, unserer Meinung beitreten, daß, unter der gegenwärtigen Verwaltung, dieses Institut, wenn nicht ganz unnüz ist, doch wenigstens mehr Uebles, als Gutes bringt.

Die ursprüngliche Absicht dieses Institutes war wohlwollend und höchst nüzlich: „Unterricht der Mitglieder in den Grundsäzen der Kunst, die sie ausüben, und in den verschiedenen Zweigen nüzlicher Kenntnisse.“ Allein das Unglük wollte, daß dieses Institut von seiner Entstehung an unter der Leitung von Männern war, die von Vorurtheilen des Partei-Geistes mächtig ergriffen waren; der Unterricht erhielt folglich einen starken Geruch von diesem besonderen Zweige von Kenntnissen. Der würdige Präsident widersprach zwar in seiner Einweihungs-Rede, anspielend auf Bemerkungen dieser Art, die sich schon frühe im Publicum verbreiteten, „aller Absicht auf Einmengung politischer Ansichten,“ und wir wissen, daß, was seine Person betrifft, er die Wahrheit sprach; allein, wie schnell ist nicht, mit Beihülfe seiner Mitarbeiter, dieses Institut zum Werkzeuge einer Partei geworden! Freiheit und Unabhängigkeit sind der Stoff einer jeden abgehaltenen Rede geworden, und ein heftiger Partei-Geist beseelte jede Sizung.106) Man sagte den Arbeitern auf eine liebevolle Weise, wie ungerecht die Geseze dieses Landes gegen dieselben wären; die Fragen über Emancipation der Katholiken und Parlaments-Reform wurden nicht bloß geduldet, sondern in Schuz genommen und beklatscht, und es stand nicht lauge an, so bekannte sich eine Stüze dieses Institutes öffentlich zu diesen Grundsäzen, und empfahl dringend Vorlesungen über polemische Theologie und Politik. Wir sprechen hier von einer, neulich aus der Feder des Hrn. Brougham ausgeflossenen Broschüre, und sagen voraus, daß, wenn dieses Institut länger unter solcher Leitung bleibt, es zum Mistbeete der Zwietracht und Abtrünnigkeit von der wahren Kirche wird.

Dieß ist die Bildung, die der Verfasser Verbreiter zu sehen wünscht, denn hierauf legt er den größten Nachdruk, und unterstüzt seine Ansicht mit dem kindischen Argumente: „Was könnte daraus auch für ein Nachtheil erwachsen? Wenn |374| die Kirche wirklich gut, die Constitution wirklich gut ist, so kann sie durch prüfende Untersuchungen107) nicht leiden.“ Allerdings wird, dem Himmel sey Dank! unsere Kirche und unsere Constitution immer desto höher in der Achtung verständiger Männer emporsteigen, je strenger man sie untersucht und prüft. Wird aber der Narr jemahls über irgend einen Gegenstand eben so urtheilen, wie der Weise? Wird der unerzogene Mechaniker die feingesponnenen Räsonements des Atheisten aufzuwinden, oder die Unglük verbreitenden Tiraden undankbarer Unterthanen durchzuschauen vermögen? Diesem Zweken soll jedoch der Mechaniker „jeden änderten Tag eine Stunde oder zwei“ opfern: dieß ist der nüzliche Unterricht, den er empfängt. Wie kann man hier von Zeit- und Geld-Ersparungen sprechen, und in demselben Athem zeigen und rathen, wie man beide wegwerfen soll? Der Mechaniker soll jeden Augenblik dem Studium der Grundsäze seiner Kunst widmen, und den Rest dazu verwenden, Gott und seinem Könige fremd zu werden!

Dieß ist die Außenseite dieses Werkes, dessen Inneres uns den reinen Hibernicismus darstellt. Der philanthropische Verfasser wünscht keine andere Kraft im Volke, als die der Whiggs, und alles, was der Künstler an Zeit und Geld ersparte, soll dem Erwerbe der Grundsäze derselben geopfert werden. Das ist fürwahr ein tiefes Studium, und es war sehr gut ausgedacht, jeder Fabrik einen Vorleser zu empfehlen, da es nur wenigen gegönnt scheint, eine Sache |375| so tief zu ergründen, daß sie bis auf diese Grundsäze hinab gelangt wären. So erwekt man und nährt man auf die üppigste Weise den Geist der Erfindung; so erhebt man den britischen Künstler über jeden anderen in Europa. Es ist offenbar, daß diese Schrift keinen anderen Zwek hatte, als Projekten für das politische Glaubensbekenntniß des Verfassers zu machen, und daß die Volks-Erziehung nur Nebensache war: denn die Hälfte einer jeden Seite dieser Schrift ist der Freiheit und Unabhängigkeit gewidmet.108) Der arme Künstler muß für sein Lernen bezahlen; denn sonst verliert er seine Freiheit, wenn er umsonst hört; er muß die Vorlesungen über Politik hören, denn sonst verliert er seine Unabhängigkeit. Es gibt auch eine Art von Sclaverei in religiösen Meinungen; er muß also Formen verachten lernen, und der Natur und Thom. Paine folgen.

Wie kann man erwarten, daß dieses Institut unter solchen Führern gedeihen kann? Wir verstehen unter Gedeihen, eine wohlthätige Wirkung erzeugen; gedeihen mag es in einem anderen Sinne; es ist aber nicht immer die gute Sache, welcher die Meisten anhängen. Indessen ist dieß aber nicht der einzige Fehler, in welchen man bei diesem Institute verfiel; wir können die Grundsäze überhaupt nicht billigen, auf welche man es gründete. Es ist ein nicht zu billigender Geist, den man hier so ernstlich einschärft. (Denn es ist durch nichts begründet), daß man jeden unentgeltlichen Unterricht verschmähen soll. Dieß geschieht, sagt man, um bei den Mitgliedern des Hauses jene Theilnahme an dem Wohle desselben zu erhalten, die für sein Wohl so nothwendig ist. Es ist wahr, wir gestehen es, daß, wenn ein armer Künstler seinen Beitrag bezahlt hat, er sich, natürlich, interessirt fühlen wird, etwas dafür zurük zu erhalten; wie oft wird er aber seinen hart verdienten Pfennig ansehen und Anstand nehmen, indem er zwischen den Vortheilen, die er zu erwarten, und der Auslage, die er zu machen hat, schwankt, ehe er sich entscheiden kann, soviel, von seiner geringen Ernte hinzugeben. Wir glauben (ohne den unersättlichen Durst nach Kenntnissen in Betrachtung |376| zu ziehen, von welchem, wie wir hören, die Leute so sehr geplagt sind, daß die Handwerksleute noch mehr Interesse finden würden, wenn die Taxe auf ein Viertel ihres gegenwärtigen Betrages herabgesezt würde; wenn sie aber verschmähen sollten, ihren „brennenden Durst“ auf eine so wohlfeile Weise zu löschen, so könnte man ihren verwöhnten Gaumen vielleicht durch den Kizel der Ehre reizen. Ein anderer Grund, warum diese armen Leute ein Fünftel ihres jährlichen Verdienstes hergeben sollen, um, ungeachtet ihres heftigen Durstes nach Unterricht, Geschmak und Interesse an demselben zu finden, ist dieser, daß man die Lehrer anständig bezahlen kann, damit sie nicht unterlassen, ihre Pflichten regelmäßig zu erfüllen. Der lezte und unverantwortlichste Grund aber ist die Erhaltung des „Grundsazes der Unabhängigkeit unter der arbeitenden Classe.“ Dieß ist der wahre Grund: die alte Leier wird hier wieder angeschlagen. Allein, Niemand wird sich einbilden, daß die Künstler um ein Tüpfelchen mehr abhängig werden könnten, wenn man nicht wünschte, daß sie es würden. Diesen Wunsch sprechen die Eigenthümer dieses Institutes selbst aus, und ziehen auf denselben hin: wir sehen die Mitglieder dieses Institutes zu der niedrigsten Abhängigkeit von denjenigen verdammt, die so heftig gegen alle Abhängigkeit das Wort erheben. Aus solchen Gründen schließt man, daß die Leitung aller Angelegenheiten lediglich in den Händen derjenigen belassen werden sollte, für deren unmittelbaren Gewinn ein solches Institut berechnet ist. Allein, auch hierin sind wir einer anderen Meinung, und drei Viertheile der Institute für Mechaniker, die neulich in unserem Königreiche entstanden,109) bestätigen uns in unserer Meinung. Da wir sie als Schulen für Erwachsene betrachten, so sehen wir nicht ein, wie die Schüler die Leitung ihrer eigenen Tutel haben sollten, oder auch nur dazu fähig, seyn könnten.

Wenn aber auch diese Institute für Mechaniker vollkommen im Stande wären, ihre Zweke zu erfüllen, so müßten wir dieselben doch immer verwerfen, indem sie zu unserem vorliegenden Zweke nicht taugen: denn wir sind der Meinung, daß allem Elende des armen Mechanikers auf die kräftigste |377| Weise durch ein einziges Institut abgeholfen werden kann. Wie dieses einzurichten ist, so daß aller Mißbrauch, der sich in ähnliche Verbindungen eingeschlichen hat, beseitigt werden kann, ist ein schwieriges, aber, wie wir sicher hoffen, nicht unmögliches Unternehmen.110)

(Der Beschluß im nächsten Hefte.)

Alles, was geschieht, geschieht weil es nothwendig so geschehen mußte; das Nothwendigs aber geschieht nur selten irgendwo. Tausend und Eine Nacht.

|359|

Dieser Gegenstand wurde, wie es uns scheint, zuerst von einem unserer Correspondenten im September- und October-Hefte 1823. (Polytechn. Journ. Bd. XII. S. 383. Bd. XIII. S. 392.) in Anregung gebracht, der die Gründung eines Institutes für Mechaniker vorschlug, welches zeither auch wirklich errichtet wurde.

A. d. O.

|360|

Das mag in England erlaubt seyn; auf dem festen Lande darf man dieß nicht. Es gilt hier, hier und da, für Lohn, für baares, contrahirtes, Geld, daß man die Luft seines Vaterlandes athmen darf, dem man mit Freude alles opferte. A. d. Ueb.

|363|

„Unter den vielen Erfindungen des Hrn. Croß dürfen wir nur seinen Augen-Pfosten für Gaz-Aufzüge; seine Hinter-Schämel für Druk-Geschirre; seine Trommel-Maschine und Geschirre; |364| seinen langen Schweif für das Doppel-Geschirr zum Zusammenziehen der Blumen, wodurch man in vielen Fällen die Hälfte der Auslage erspart etc. anführen, die alle von großen Nuzen sind.“ A. d. O.

|364|

Wir übergehen diese hier angeführten Zeugnisse der HHrn. Wilh. Clark, Jos. Flemyna, Joh. Macpherson, die alle von den Vorzügen und Ersparnissen sprechen, die sie durch Hrn. Croß's Erfindung machten, und ihm doch nichts dafür gaben.

|369|

Und praktisch erfahrnen!!! A. d. Ueb.

|372|

Im ersten Berichte der Edinburger Kunstschule (Edinburgh School of Arts) heißt es: „Man wird einsehen, wenn man einen Blik in die Zukunft wirft, wo die Gluth der Neuheit sich gekühlt haben wird, daß man gehörig gebildete Lehrer nur unter Belohnungen wird erhalten können, wodurch die Lage derselben so gebessert wird, daß ein Mann von Erziehung es der Mühe werth finden kann, eine solche Stelle zu suchen, und daß, wenn die Beitrage niedrig bleiben sollen, was durchaus nothwendig ist, durch Subscription oder auf andere Weise neue Quellen für die Einnahme eroffnet werden mussen.

A. d. O.

|373|

Man sehe die Reden bei der Eröffnung des Institutes, vorzüglich jene Brougham's, Hume's, Tortens's etc., bei dem Gastmahle der Jahresfeier. A. d. O.

|374|

Es heißt in Hrn. Brougham's Broschüre: „Man kann sich keine größere Wohlthat denken, als diejenigen der Welt erweisen würden, die eine wohl überlegte Auswahl aus den Werken unserer besten Schriftsteller über Moral, Politik und Geschichte veranstalteten, und dieselbe in wohlfeilen Ausgaben heftweise besorgten.“ Warum sollten politische Werke nicht eben so gut, als andere in wohlfeilen Ausgaben und heftweise erscheinen.“ S. 4.

„Dem Volke erlauben, oder vielmehr dasselbe einladen, an solchen Unternehmungen Theil zu nehmen, ist nicht bloß nicht gefährlich, sondern selbst wohlthätig für den Staat.“ Und warum sollte nicht jeder Gegenstand, der die Staatswissenschaft, zum Theile oder im Allgemeinen betrifft, in wohlfeilen Ausgaben behandelt werden können?“ „Die Mißbräuche, welche sich durch die Länge der Zeit in unsere Constitution eingeschlichen haben; die Fehler, die man bei Verwaltung derselben begeht, und die Verbesserungen, welche durch veränderte Umstände, selbst in den Grundsäzen derselben, nothwendig geworden sind, können höchst zwekmäßig auf dieselbe Weise erläutert werden.“ S. 5.

„Es ist kein Grund, warum Moral-Philosophie und Politik nicht in öffentlichen Vorlesungen erklärt werden soll.“ S. 11.

„Vorlesungen über Moral und Politik werden auch dort an genehm seyn, wo es den Lehrern der Chemie und Mechanik an Feld gebricht.“ S. 27. A. d. O.

|375|

„Es scheint aber rathsam, daß selbst dort, wo man unentgeltlichen Beistand erhalten kann, etwas einer anständigen Belohnung Aehnliches herbeigeschafft werden sollte, sowohl um den Grundsaz der Unabhängigkeit unter der arbeitenden Classe aufrecht zu erhalten, als um zugleich auch für genauere und regelmäßige Erfüllung der Pflichten derselben zu sorgen.“ S. 12.

„Ich habe gesagt, daß man sowohl für die Unabhängigkeit dieser Unternehmungen, als für das Gedeihen derselben sorgen müsse. Ich, meines Theiles, bin sehr geneigt jeden Vortheil, den die Masse des Volkes in Hinsicht auf Unterricht durch Vermehrung seiner Abhängigkeit von seinen Vorgesezten erhalten soll, für etwas zweideutig zu halten: wenigstens bringt er eben soviel Unheil, als Gutes.“ S. 16 etc. A. d. O.

|376|

Wir führen hier nur die Institute zu Leeds, Manchester und Aberdeen an, die neuerlichst errichtet wurden, und die Kunstschule zu Edinburg. In dem ersten Berichte dieser Schule heißt es: „Es versteht sich, daß Leute von Erziehung den Gang, welchen der Unterricht zu nehmen hat, wenn er seinen Zwek erreichen soll, und welche Bücher in der Bibliothek hierzu am besten taugen, eher zu bestimmen im Stande sind, als Ungebildete. Der Lernende soll nichts anderes zu thun haben, als bei dem Unterrichte, so wie in einer Schule, gegenwärtig zu seyn. A. d. O.

|377|

Wir enthalten uns, bis zum Beschluße im nächsten Hefte, aller weiteren Anmerkungen über diesen Aufsaz, aus welchem mancher Leser eine ganz andere Ansicht von England gewinnen wird, als man gewöhnlich hat. A. d. Ueb.

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