Titel: Trokenstube für die Wäsche im Spitale zu Derbyshire.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. LXXXIV. (S. 416–420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/ar017084

LXXXIV. Trokenstube für die Wäsche im Spitale123) zu Derbyshire.

Aus dem Mercure technologique. N. 63. S. 268 im Auszuge.

Mit Abbildungen auf Tab. IX.

Das Troknen und Plätten (Bägeln in Baiern) geschieht in einem großen Saale, bei einem ähnlichen Ofen, wie jener, welcher das ganze Haus heizt.

Fig 6. zeigt den Grundriß, nicht in einem streng horizontalen Durchschnitte, sondern so, daß die verschiedenen Gegenstände in verschiedenen Erhöhungen dargestellt werden. Fig. 7. (dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände) ist ein senkrechter Durchschnitt nach der Linie, AB, des Grundrisses. SS, sind drei Stufen, über welche man von dem Fußboden, AB, nach F, herab gelangt, einer Art von Vertiefung, die man in dem Grundrisse Fig. 6. sieht. Von da steigt man über zwei andere Stufen nach M, herab, wo der Heizer sich befindet, um das Feuer anzuschüren, der das Brenn-Material durch die Oeffnung, m, einschiebt. Der Herd ist mittelst einer eisernen Gloke bedekt, die, statt wie am Ofen in diesem Hanse, gewölbt zu seyn, oben mittelst einer gegossenen Platte geschlossen ist, die einer kleinen, mittelst der Thüre, D, verschlossenen, Zelle als Fußboden dient. Der obere Rand dieser Gloke dient zum Hizen der Plätt- (Bägel-) |417| Eisen, um die Wäsche zu plätten, während die Seitenwände mit eisernen Röhren, tt, umgeben sind, wie jene an dem großen Ofen des Hauses. Diese Röhren sind in einer engen Mauer eingeschlossen, die den leeren Raum, k, von demjenigen scheidet, der die Gloke unmittelbar umgibt. Die frische Luft steigt durch einen unterirdischen Gang unter M, auf, der mit der äußern Luft in Verbindung steht; sie tritt durch die Röhren, tt etc. ein, und schlägt an die erhizten Wände der Gloke; hebt sich in der Kammer für warme Luft, Fig. 7. empor, und geht dann in die Trokenstube, die die Gestelle, ddd, zum Aufhängen der zu troknenden Wäsche enthält. Die Luft zieht durch die Thüre, w, die man während des Troknens der Wäsche geschlossen hält. Längs der Trokenstube, so wie längs des Waschhauses, sind Schienen oder Falzen aus Gußeisen (Eisenbahnen) angebracht, in welchen die Gestelle fortrollen; ddd, Fig. 8. im Aufrisse, nn, sind Räderchen oder Wälzchen aus Gußeisen mit Furchen, damit die Gestelle auf den Schienen, b, laufen können, Fig. 7. Jedes Gestell hat 2 Räder rükwärts, und eines vorne. Jedes Gestell hat ferner 5 Reihen über einander befindlicher Stangen, wovon 4 doppelt sind, welches also in Allem 9 Stangen gibt, worauf die Wäsche ausgebreitet wird. Diese Gestelle werden, wie man sieht, aus dem Waschhause in die Trokenstube, und umgekehrt, gefahren, um die Wäsche darauf aufzuhängen, und von denselben abzunehmen: in jedem Falle schließen ihre Enden genau alle Oeffnungen, um der kalten Luft jeden Zutritt in die Trokenstube zu versagen. Jedes derselben wird nebenher noch durch einen an der Deke befestigten Leiter, g, in seiner Lage gehalten.

In dem Maße, als die warme Luft sich abkühlt, sinkt sie, zugleich mit den Wasserdämpfen, welche sie der Wäsche entzogen hat, herab, und entweicht durch die Röhre, C, an dem Boden der Trokenstube. Durch diese Vorrichtung muß die erhizte Luft die Stube von oben nach unten durchziehen, und gewährt auf diese Weise das kräftigste Mittel, alle Feuchtigkeit mit dem mindesten Aufwande an Brenn-Material zu beseitigen.

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Es wäre überflüßig, eine Vergleichung zwischen dieser Trokenstube und den gewöhnlichen Trokenstuben für Wäsche anstellen zu wollen. Selbst dort, wo man, statt mittelst des gewöhnlichen Feuers, bei einem eisernen Ofen troknet, weiß man nichts Besseres, als den Ofen in die Mitte dieser Stube zu stellen, oder in der lezteren die Blechröhre herum zu führen. Die obere Fläche dieses Ofens dient zum Hizen der Plätteisen, und die Wäsche wird in der Stube aufgehängt, die die Wäscherin bewohnt. Gewöhnlich ist der Ofen so gut geheizt, daß man in Gefahr ist, die trokene Wäsche an demselben zu verbrennen, was nur zu häufig zu großem Schaden geschieht. Das Waschhaus, nach diesem Plane erbaut, ist von allen diesen Mängeln befreit:

1) Kann, bei warmer Witterung, alle Verbindung zwischen der Trokenstube, aus welcher die Wärme ausströmt, und dem Orte, wo die Wäscherinnen sich befinden, unterbrochen werden, während man im Winter einen Theil der warmen Luft aus der Trokenstube dahin leiten kann.

2) Ist der Ort, wo die Eisen gehizt werden, von dem Arbeits-Zimmer vollkommen abgeschieden: der Herd öffnet sich an einem ganz abgeschiedenen Orte, so daß alle Feuersgefahr unmöglich wird.

3) Um alles Vorurtheil für das Troknen in freier Luft zu zerstreuen, wollen wir hier nur dieß bemerken, daß, da beständig ein neuer Luftstrom durch die Trokenstube streicht, in gleichen Zeiträumen eine größere Menge Luft mit der Wäsche in Berührung kommt, als wenn das Troknen in freier Luft geschähe. Und darin liegt die wesentliche Bedingung zur Erhaltung jener Weiße, die der Wäsche eigen ist. Das Licht ist überdieß das Einzige, was irgend einen nachtheiligen Einfluß in dieser Hinsicht erzeugen kann: denn man weiß, daß es eine dem Bleichen entgegengesezte Wirkung hervorbringt, indem dieses Bleichen lediglich von Feuchtigkeit und Sauerstoff abhängt.

4) Ist die Wäsche bei diesem Troknen weder dem Zimmer-Staube, noch irgend einer Gefahr vom Schmuze beflekt zu |419| werden, ausgesezt. Dieselbe Trokenstube kann auch zum bequemen und gehörigen Durchlüften der Wäsche dienen, die darin so lange hängen kann, bis man sie braucht.

Man bedient sich zuweilen auch noch eines anderen Gestelles, welches so eingerichtet ist, daß ein Theil desselben sich in einem Gewinde öffnet, so daß man ein ganzes Bett darauf legen kann. Das Ganze läuft dann in der Trokenstube auf Eisenbahnen hin. Es kann keine leichtere und zwekmässigere Methode geben, um naßgewordene Betten auszulüften.

Die Beheizung dieser Trokenstube wurde schon vor langer Zeit im Großen zum Troknen des Baumwollen-Garnes und der Baumwollen-Zeuge in der Fabrik der HHrn. Strutt angewendet: sie könnte auch Papiermachern, Töpfern, in Zuker-Raffinerien u. d. gl. dienen. Die HHrn. Strutt fanden sie wohlfeiler, als irgend eine andere. Um eine Idee von den Wirkungen derselben zu geben, wollen wir folgende, an Calico-Stüken gemachte, Erfahrung hier anführen. Man fing um 9 Uhr an, als das Feuer im vollen Gangen war, und fuhr bis um 3 Uhr Nachmittags fort, während welcher Zeit das Feuer immer unterhalten wurde.

Während dieser Zeit hat man 104 Stüke, jedes von 23 Meter in der Länge, getroknet, die, naß, 1140 Pfund wogen, und getroknet, 547 Pfund: das ausgedünstete Wasser betrug demnach 593 Pfund. Das Gewicht der hierzu verwendeten Steinkohlen betrug 338 Pfund: Ein Pfund Steinkohle verdampft demnach 1,56 Pfund Wasser. Die Luft und der Dampf entweichen aus der Trokenstube unter einer Temperatur von 41° (R?). Die Menge Wassers in einem kubischen Meter war nicht größer, als jene, welche eine mit Dämpfen gesättigte Luft unter einer Temperatur von 21° enthalten würde, so daß, wenn die warme Luft unter diesen Waaren noch mehrere Mahle umher gezogen wäre, sie in derselben Zeit, bei demselben Brenn-Materiale, noch weit mehr Wasser entzogen haben würde. Wenn das Mittel bei 41° mit Dampf gesättigt worden wäre, so wäre die Flüssigkeit bei einer Temperatur |420| von 32° hinausgetreten, und hätte, statt 593 Pfund Wasser, etwas mehr als 1200 Pfund weggeführt.

Wir geben diese Beschreibung einer Trokenstube eines Spital-Waschhauses in England nicht bloß unserer Spitäler wegen, die wir, wenigstens nach einer großen Krankenanstalt zu urtheilen, immer schlechter statt besser werden sehen; sondern der Fabriken wegen, die in manchem deutschen Lande allerdings wohl auch bald das Loos eines Spitales werden theilen müssen. Von dem Nuzen dieser Bauart der Trokenstuben in Spitälern hatte der Uebersezer Gelegenheit sich in England dadurch zu überzeugen, daß sie beinahe in allen englischen Spitälern, nicht bloß zu Derby (wo er nicht war) eingeführt ist. A. d. Ueb.

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