Titel: Burton's, verbesserte Methode, den Anker fallen zu lassen.
Autor: Burton, G. G.
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. XC. (S. 433–438)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/ar017090

XC. Verbesserte Methode, den Anker fallen zu lassen. Von G. G. Burton, Esqu., Capitän an d. k. Flotte.

Aus den Transactions of the Society for the Encouragement of Arts, Manufactures etc. Im Repertory of Arts, Manufactures and Agriculture. Jun. 1825. S. 409.

Mit Abbildungen auf Tab. IX. (Im Auszuge.)

Hr. Burton, welcher von der Society für diese Mittheilung die große silberne Medaille erhielt, findet bei dieser Methode 5 Vortheile:

1) Kann man den Anker jeden Augenblik fallen lassen, was bei der alten Methode nicht immer möglich ist, da die Windungen des Taues sich öfters einkeilen, so daß es nothwendig wird, sie zu durchschneiden; und selbst dieß nimmt Zeit weg, und hindert auf einem beschränkten Ankerplaze, oder wo man in einer Linie vor Anker gehen muß, den bestimmten Ankerpunct mit Genauigkeit zu treffen. Wenn man augenbliklich den Anker fallen lassen kann, wird man öfters dem Zusammenstoßen zweier Schiffe vorbeugen können: da hier (wenn plözlich des Nachts irgend ein Zufall entstehen sollte), keine Vorrichtungen oder Einkeilungen zu zerschneiden, keine Umwindungen abzuwinden sind, so kann man den Anker augenbliklich fallen lassen.

2) erspart man an Kraft. Da nur Ein Mann für jeden Hälter oder Stämmer (stopper) bei dem stärksten Anker nöthig ist, wird ein Knabe für den Stiel-Hälter (skank-painter) hinreichen, und beide sind aus dem Wege.

3) Sicherheit. Da man bei der alten Methode das lausende Ende ausließ, so war nicht selten, wenn die Matrosen |434| sich nicht bei Zeiten beeilten aus dem Wege zu kommen, Leib und Leben in Gefahr; die Hangmatten-Neze (hamock-nettings) rissen beinahe immer durch die heftige Wirkung des Endes der Hälter: keiner dieser Nachtheile hat bei der neueren Methode Statt.

4) Raum. Nach der alten Methode laufen die Hälter quer über das Vorkastell, und nehmen beinahe eine Seite ein. Nun weiß jeder Seemann, daß an dem Vorkastell ohnedieß mehr Tauwerk läuft, als an jedem anderen Theile des Schiffes, vorzüglich wenn es vor Anker geht, und daß die Hälter quer über diese Taue laufen, wodurch leicht Unordnung entsteht, und die Matrosen in Gefahr gerathen, den Stämmern oder Hältern in den Weg zu kommen, während doch ihre persönliche Sicherheit fordert, daß sie fern davon bleiben sollen. Nach dem neuen Plane sind die beiden Männer ganz aus dem Wege, und da keine Einkeilungen zu zerschneiden, keine Windungen abzuwinden sind, so brauchen die beiden Matrosen nicht eher auf ihren Posten zu gehen, bis das Commando, bei dem Anker zu stehen, gegeben ist, wenn auch die Order, denselben fallen zu lassen, in wenigen Secunden darauf folgt; und wenn während eines Gefechtes vor Anker gegangen werden muß, so kann man die Anker fallen lassen, ohne daß man einen Augenblik mit den Canonen des Vorkastelles in's Gedränge kommt.

5) Zeit. Beim Anhäften der Anker wird bedeutend Zeit bei dem Durchziehen des stehenden Theils des Hälters oder Stämmers gewonnen, indem man die Pfeiler zum Ziehen vorläufig mit der ersten Windung umwunden hat, und endlich (wenn es ein Vortheil ist), kann man das eine oder das andere Ende des Hälters gehen lassen, wie man will, indem man bei diesem neuen Plane sich der Hälter auch auf die alte Weise bedienen kann.

Hr. Capitän Burton führt nun die Zeugnisse des Sir Rob. Mends und Capt. Warren an, welche für die Vorzüge seiner Methode sprechen, und fährt in folgender Entwikelung derselben fort:

|435|

„Um den Anker eines Schiffes, nachdem derselbe auf die gewöhnliche Weise bis an die Oberfläche des Wassers gelichtet wurde, in Sicherheit zu bringen, befestigt man einen Haken an einem Taue, welches über Rollen an einem hervorstehenden Balken läuft, den man das Kazen-Haupt (cat-head) nennt. Nachdem die gehörige Kraft an diesem Taue angebracht wurde, wird der Anker über die Has-Löcher (hause-holes gehoben, und endlich an der Seite des Kazen-Hauptes mittelst eines kurzen Seiles aufgehängt, das man den Hälter oder Stämmer (stopper) nennt. Ein Ende desselben wird befestigt, und das andere durch den Ring des Ankers gestekt, und mittelst drei oder vier Windungen, um irgend einen Pfosten der Zimmerung gewunden und befestigt. Ein Tau oder eine Kette, der Stielhälter (shank-painter) genannt, wird noch überdieß an dem Stiele des Ankers befestigt, dadurch der Anker in eine schiefe Lage gebracht, und so an dem Bogen (oder an der Brust) des Schiffes fest gehalten.

Wenn man ankern will, wirft man den Stielhalter aus, wo dann der Anker senkrecht von dem Kazen-Haupte an dem Halter herabhängt. Wenn das Commando: den Anker fallen zu lassen, gegeben wird, werden die Windungen des laufenden Endes des Halters um den Pfosten nachgelassen, und, nachdem der Hälter mit Vorsicht ausgeworfen wurde, fällt der Anker, und reißt das Ankertau mit sich. Das Auswerfen des Ankers ist aber keineswegs eine leichte Arbeit; denn, da die ganze Schwere des Ankers an demselben hängt, so werden mehrere Matrosen dazu erfordert, und, da diese zuweilen von der Gewalt des Ankers überwältigt werden, wird das laufende Ende des Ankers los, umschlingt die Schenkel der Matrosen, und erzeugt traurige Zufälle: zuweilen sind auch die Windungen um den Pfosten in Unordnung gerathen, und der Anker kann nicht fallen, ohne daß man den Hälter abschneidet.“

Aus diesen Gründen hat Cap. Burton folgende Methoden den Hälter auszuwerfen erfunden, die in Fig. 30. von der Seite, in Fig. 31. von vorne, in Fig. 33. von oben herab |436| mit dem an dem Hälter hängenden Anker dargestellt ist. aa, ist die Seite des Schiffes; b, das Kazen-Haupt; c, der Hälter, welcher, durch den Ring d, des Ankers laufend, denselben, ehe man ihn fallen läßt, in einer senkrechten Lage hält; e, ist der Kloz, und f, der Stiel des Ankers. Dasjenige Ende des Hälters, welches um den Pfosten an der Seite des Schiffes drei bis vier Mahl umgewunden ist, ist nach der gewöhnlichen Weise den Hälter auszuwerfen, das laufende Ende desselben, nach Capt. Burton's Methode aber das befestigte. Wenn wir nun den Hälter von diesem befestigten Ende aus verfolgen, so finden wir in Fig. 30., daß er erstens, in horizontaler Richtung nach einer Schulter oder Zwinge läuft, die an einer Seite des Kazen-Hauptes angebolzt ist. Von der steigt er herab und läuft durch den Ankerring, den er hält, indem er wieder hinaufsteigt, und an der anderen Seite des Kazen-Hauptes sich in einem Auge endet, welches an dem kurzen Ende eines Riegels, den Fig. 31. zeigt, eingehängt ist. Ein Vorsteknagel, der zwischen dem Ende des Riegels und dem Auge durch den ersteren gestekt wird, hindert das Abgleiten des Auges. Der Riegel ist an einem Drehzapfen befestigt, der denselben einen gewissen Raum nach aufwärts und abwärts durchlaufen läßt, und sein längeres Ende ist schief nach abwärts abgeschnitten. Dieses Ende wird in einer flachen Vertiefung am Ende einer mit einem Gelenke versehenen Klammer, g, (Fig. 30. g, zur Rechten in Fig. 31, 32, und das obere g, in Fig. 33.) aufgenommen, und diese Klammer wird mittelst einer anderen horizontalen Klammer und eines Stiftes, wie Fig. 30. zeigt, festgehalten.

Wenn nun zum Fallenlassen des Ankers zugerichtet werden soll, wird das Ende des Hebels Fig. 5. in das eiserne Auge oder in den Bügel, der an der Seite der Klammer, g, in das Kazen-Haupt eingelassen ist (Fig. 30 und 33.) eingeführt, wodurch dieses statt der horizontalen Klammer dient, und auf diese Art erlaubt, daß man ihren Stift herausnimmt, und sie los läßt. Zugleich wird auch der Vorsteknagel an dem Riegel weggenommen. Auf das Commando; Läßt fallen, |437| (Let go!) darf nun nur noch der Hebel aus dem Bügel gezogen werden, wo dann die Klammer, g, so lange zurükgeschnellt wird, als das längere Ende des Riegels steigt. In eben dem Maße senkt sich aber das kürzere Ende desselben abwärts, das Auge des Halters oder Stämmers gleitet ab, und macht auf diese Weise den Anker ohne alle Mühe und ohne alle Möglichkeit irgend eines Zufalles los.

Es wurde bereits bemerkt, daß, wenn irgend ein Umstand es zuträglicher machen sollte, den Anker auf die gewöhnliche Weise fallen zu lassen, dieß bei dieser Vorrichtung eben so gut geschehen kann, indem, so lange die Klammern und Vorsteknägel unberührt bleiben, das Auge des Halters oder Stämmers eben so gut gehalten wird.

Eine ähnliche Weise hat Hr. Burton zur Befestigung des Stielhälters angewendet. In Fig. 35. ist aa, die Seite des Schiffes; b, der Stielhälter, dessen Endglied in einem Loche aufgenommen wird, welches durch das Bollwerk durchgeschnitten ist, und innenwendig mittelst eines Riegels, g, befestigt wird. Dieser Riegel ist, wie der bereits oben erwähnte, ein Hebel, der sich um einen Stift dreht, und sein oberes Ende, welches schief abgestuzt ist, wird von einer sich schief abdachenden Höhlung aufgenommen, die sich an der unteren Seite einer Klammer befindet, deren Bewegung um einen Stift gleichfalls durch die Oeffnung des Bollwerkes, in welcher sie eingesenkt ist, beschränkt wird. Es ist offenbar, daß, wenn die Klammer auf den Kopf des Riegels niedergelassen, und ein Keil über der Klammer so eingetrieben wird, daß er das Loch ausfüllt, in welchem sie spielt, der Riegel unbeweglich bleibt, und die Kette, b, folglich vollkommen befestigt bleibt, wie Fig. 35. zeigt. Wenn man aber, wie in Fig. 36. diesen Keil auszieht, so macht der Druk der Kette, auf den Riegel diesen um seinen Stift sich drehen, und macht ihn folglich aus der Klammer los, da das obere Ende vorwärts, das untere rükwärts tritt, und so das Endglied der Kette über das untere Ende des Riegels abgleiten läßt. Fig. 37. |438| zeigt die innere Seite von vorne, und die Vorrichtung in derselben Lage, wie in Fig. 35.“

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