Titel: Fuchs, über Bereitung des Wasserglases und dessen technische Anwendung.
Autor: Fuchs, Johann Nepomuk
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. CIV. (S. 465–481)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/ar017104

CIV. Ueber ein neues Product aus Kieselerde und Kali; und dessen nüzliche Anwendung als Schuzmittel gegen schnelle Verbreitung des Feuers in Theatern, als Bindemittel, zu firnißartigen Anstrichen u.s.w.

Von Dr. Joh. Nepomuk Fuchs, Professor der Mineralogie und Akademiker in München126).

Bisher waren, meines Wissens, nur zwei verschiedene Verbindungen der Kieselerde (Kieselsäure) mit den feuerbeständigen Alkalien (Kali und Natrum) bekannt; die eine mit vorwaltendem Alkali, die andere mit stark vorwaltender Kieselerde. Jene zerfließt an der Luft und löst sich in Wasser gänzlich auf, und giebt damit die sogenannte Kieselfeuchtigkeit; diese, welcher stets noch andere Körper beigemischt sind, ist in hohem Grade luftbeständig und in Wasser unauflöslich, und liefert das gemeine Glas. So vielfältig der Gebrauch von diesem Produkte ist, so gering ist er von jenem, indem er sich kaum über die Grenzen der chemischen Laboratorien hinaus erstreckt, wo die Kieselfeuchtigkeit als die vorzüglichste Auflösung der Kieselerde nicht selten dargestellt und zu verschiedenen Experimenten verwendet wird. Hiemit waren, so zu sagen, die Akten dieses Gegenstandes geschlossen, und, so viel mir bekannt ist, ahnete man gar nicht, daß es noch eine dritte Verbindung der Alkalien mit vorwaltender Kieselerde geben könne, die zwischen der eben genannten gleichsam das Mittel hält – sich zwar in Wasser auflöst, aber an der Luft nicht zerfließt, und daher sehr nüzlich werden kann. Dieses Produkt, welches ich einstweilen Wasserglas nennen will, soll den Gegenstand der gegenwärtigen Abhandlung ausmachen. – Ich erhielt es zuerst, vor ungefähr 7 Jahren, indem ich sehr fein zertheilte Kieselerde, welche aus Kieselfeuchtigkeit mit Salmiak war präcipitirt und gut ausgetrocknet worden, mit concentrirter Kalilauge übergoß. Das Kali wurde von der Kieselerde unter sehr merklicher Erhöhung der Temperatur absorbirt, und das Ganze verwandelte sich bald in eine sehr feste und durchscheinende glasartige Masse, welche sich luftbeständig zeigte127). Es war mir nicht in den Sinn gekommen, daß dasselbe auch durch Auflösen der Kieselerde in Kali, und Abdampfen der Flüssigkeit könne dargestellt werden, weil ich damals und noch lange nachher mit allen Chemikern |466| der irrigen Meinung war, daß ein luftbeständiges Produkt aus Kieselerde und Kali im Wasser unauflöslich seyn und ein auflösliches in der Luft zerfließen müsse. Erst 2 Jahre später, da ich mir eines Tages zu analytischen Zwecken, wozu ich das kieselsaure Kali zuerst in Anwendung brachte, dasselbe mit Kieselerde möglichst gesättigt verschaffen wollte, lernte ich das in Rede stehende Produkt durch den Auflösungsproceß bereiten. Ich nahm dazu frisch präcipitirte Kieselerde, übergoß sie mit so viel Kalilauge als ich zu ihrer Auflösung für nöthig hielt, und brachte sie zum Sieden. Die Kieselerde verschwand sehr bald, und ich mußte davon, zu meiner nicht geringen Verwunderung, eine noch viel größere Menge, als ich anfangs genommen hatte, nachtragen, um das vorhandene Kali völlig zu sättigen.

Nachdem dieses geschehen war, wurde die Auflösung, um sie zu concentriren, noch eine Zeit lang im Sieden erhalten, wodurch sie eine syrupartige Consistenz und auf der Oberfläche eine zähe Haut bekam, welche in der Luft zu einem durchsichtigen Glase austroknete. Alle Körper, welche mit dieser Flüssigkeit in Berührung kamen, erhielten einen glasartigen Ueberzug, welcher aus der Luft nicht nur keine Feuchtigkeit anzog, sondern vielmehr darin hart und spröde wurde. Daraus ersah ich, daß ich das nämliche Produkt vor mir hatte, was früher durch den Absorptionsproceß hervorgebracht worden war. Um aber darin noch weiter zu kommen, um dasselbe noch leichter und vollkommener zu erzeugen, und seinen Werth schäzen zu lernen, mußte noch ein anderer Zufall mitwirken. – Vor ungefähr 2 Jahren, da man hier in München beschäftigt war, das abgebrannte Schauspielhaus wieder aufzubauen, suchte man sehr angelegentlich nach einem Mittel, das zu errichtende Gebäude vor Feuer zu schützen. Nachdem schon mehrere in Vorschlag gebracht, geprüft und verworfen worden waren, kam ich auf den Gedanken, mit dem Wasserglase dahin abzielende Versuche zu machen. Dazu vereinigte sich mit mir der königliche Leibapotheker Hr. Dr. Pettenkofer, der schon früher Veranlassung gehabt hatte, manches Schuzmittel gegen das Feuer zu prüfen, und durch dessen Gewandtheit im Experimentiren das Wasserglas bald eine größere Bedeutung erhielt, als ich ihm vorher beizulegen geneigt war.

Nachdem wir durch mehrere Versuche mit diesem Körper in obiger Beziehung günstige Resultate erhalten hatten, glaubte ich nicht länger säumen zu dürfen, diesen Gegenstand öffentlich zur Sprache zu bringen. Dieses geschah am 13. März 1824, in einer öffentlichen Sizung der physikalischen Klasse der königlichen Akademie der Wissenschaften.

Das Interesse, was hierauf von mehrern Seiten, besonders von dem königlichen Finanzministerium und der Theaterbau-Commission an dieser Sache genommen wurde, war für |467| uns eine Aufforderung, unsere Versuche hierüber noch weiter fortzusezen, und vorzüglich auf eine leichte und wohlfeile Bereitungsart dieses Produktes hinzuarbeiten, welchen Zwek wir auch vollkommen erreichten.

Bereitung des Wasserglases.

Man kann das Wasserglas bereiten, indem man, wie schon gesagt, frisch präcipitirte und gut ausgewaschene Kieselerde in siedender Kalilauge bis zur Sättigung auflöst. Allein dieses Verfahren ist umständlich und kostspielig, und im Großen kaum ausführbar. Denn man muß hiezu Kieselfeuchtigkeit darstellen, und daraus mit Schwefelsäure, dem wohlfeilsten Präcipitationsmittel in diesem Falle, die Kieselerde niederschlagen. Die zu dieser Operation gebrauchte Pottasche und Schwefelsäure ist für verloren zu achten; und die präcipitirte, sehr voluminöse Kieselerde, welche so lange ausgewaschen werden muß, bis alle Säure und alles Salz entfernt ist, verursacht sehr viel lästige Arbeit. Zudem ist es keine kleine Aufgabe, Kalilauge in großer Menge so rein darzustellen und zu erhalten, wie man sie zu diesem Präparat anwenden muß, wenn es gut ausfallen soll. Es hätte daher von einer Anwendung desselben im Großen kaum die Rede seyn können, wenn es uns nicht gelungen wäre, ein vortheilhafteres Verfahren zu seiner Bereitung auszumitteln. Dazu gelangten wir allmählich durch einen kleinen Umweg. Wir bereiteten uns nämlich auf gewöhnliche Weise Kieselfeuchtigkeit, schlugen aus einem Theile derselben die Kieselerde mit Schwefelsäure nieder, und lösten diese in dem andern Theile der Kieselfeuchtigkeit auf. Man erhält auf diese Weise, ohne der Kalilauge benöthigt zu seyn, ein ziemlich gutes Produkt; allein es enthält noch ziemlich viel kohlensaures Kali, und leistet beim Gebrauche nicht ganz das, was es leisten soll. Wir konnten darum hiebei nicht stehen bleiben, und mußten vorzüglich dahin trachten, die Kohlensäure aus dieser Mischung völlig zu entfernen. Zu diesem Ende sezten wir dem Gemenge von Pottasche und Quarz etwas Kohlenpulver zu, änderten mehrmals das Verhältniß der Pottasche zum Quarz, und bemühten uns, durch eine Reihe von Versuchen ausfindig zu machen, welches das Minimum von jenem und das Maximum von diesem ist, bei welchem sie sich durch Schmelzen zu einem, im Wasser noch auflöslichen, Produkte vereinigen. Dadurch bekamen wir am Ende ein Resultat, welches unsere Erwartung weit überstieg. Wir erhielten nämlich mit 2 Theilen Pottasche und 3 Theilen Quarz ein Glas, was sich, nachdem es war pulverisirt worden, im siedenden Wasser zwar langsam, aber fast ganz auflöste. Die Auflösung fanden wir nicht nur ganz frei von Kohlensäure, sondern auch mit Kieselerde in dem Maaße gesättigt, daß sie davon nicht das Mindeste mehr aufzulösen fähig war. – Somit |468| hatten wir unsern Zweck vollkommen erreicht, und ein Verfahren ausgemittelt, nach welchem sich das Wasserglas sehr vortheilhaft darstellen läßt, so daß von dieser Seite seiner Anwendung im Großen kein Hinderniß mehr im Wege steht.

Um es immer von guter und gleicher Beschaffenheit zu erhalten, ist bei seiner Bereitung einiges wohl zu berüksichtigen, was ich nun ausführlich angeben will. Die Pottasche muß dazu gut gereinigt werden. Ist darunter viel Digestivsalz, so erhält man ein Produkt, was sich im Wasser nicht ganz auflöst und einen klebrigen Bodensaz giebt. Dieses Salz macht auch das Wasserglas zur Verwitterung geneigt. Weniger Nachtheil bringt ihm das schwefelsaure Kali, weil es durch die Kohle ganz zersezt wird, wenn das Schmelzen lange genug fortgesezt wird. Geschieht aber dieses nicht, so wird die Auflösung mit Schwefelleber verunreinigt, welche das daraus dargestellte feste Wasserglas ebenfalls zur Verwitterung bestimmt.

Der Quarz oder Sand muß auch rein seyn; wenigstens soll er keine sehr merkliche Menge von Kalk- und Thonerde enthalten, weil durch diese Erden ein Theil des Glases unauflöslich gemacht wird. Ein geringer Gehalt von Eisenoxyd verursacht keinen Schaden.

Die Pottasche und der Quarz werden, wie schon gesagt, in dem Verhältnisse = 2 : 3 angewendet, und auf 10 Theile Pottasche und 15 Theile Quarz wird ein Theil Kohle genommen. Weniger Kohle zu nehmen, oder sie ganz wegzulassen, halten wir nicht für rathsam; vielmehr haben wir manchmal, besonders wenn die Pottasche nicht gehörig gereinigt war, einen größern Zusaz von Kohle sehr vortheilhaft gefunden. Sie befördert sehr die Schmelzung und Auflösung des Glases, und entfernt daraus alle Kohlensäure, wovon sonst immer ein kleiner Theil zurückbleibt, der schlimme Folgen hat.

Im Uebrigen ist hier beinahe dasselbe zu beobachten, was bei der Bereitung des gemeinen Glases beobachtet werden muß. Die Ingredienzen müssen gut gemengt und dann bei starkem Feuer in einem feuerfesten Tiegel oder Hafen so lange geschmolzen werden, bis sie sich zu einer gleichartigen Masse vereinigt haben. Diese wird mit eisernen Löffeln ausgeschöpft, und der Tiegel sogleich wieder mit neuer Fritte gefüllt128).

Das so erhaltene rohe Glas ist gewöhnlich blasig, so hart |469| wie gemeines Glas, graulichschwarz und nur an den Kanten mehr oder weniger durchscheinend. Bisweilen hat es eine weißliche, manchmal auch gelbliche oder röthliche Farbe, was beweist, daß ihm zu wenig Kohle zugesezt worden. Wird es mehrere Wochen lang der Luft ausgesezt, so erleidet es eine kleine Veränderung, welche für seine Bestimmung eher vortheilhaft als nachtheilig ist. Es zieht nämlich daraus etwas Wasser an, wovon es allmählig ganz durchdrungen wird, ohne daß sich seine Aggregatform und sein Ansehen verändert. Nur viele Klüfte bekommt es gewöhnlich, und auf seiner Oberfläche erzeugt sich bisweilen ein zarter, staubartiger Anflug. Wird es, nachdem es diese Veränderung erlitten, wieder ins Feuer gebracht, so blähet es sich auf wie Pechstein oder Perlstein129).

Mit diesem Glase wird das Wasserglas bereitet, indem man es im Wasser auflöst. Dazu muß es vorher gepocht werden, denn sonst würde die Auflösung nur äußerst langsam von Statten gehen. Auf 1 Theil Glaspulver werden ungefähr 4 bis 5 Theile Wasser genommen. Das Wasser wird zuerst in einem Kessel zum Sieden gebracht130), und dann das Glas allmählig eingetragen; wobei man beständig umrühren muß, weil es sich sonst sehr fest an den Boden anlegen würde. Das Sieden muß ununterbrochen 3 bis 4 Stunden lang fortgesezt werden, bis sich nichts mehr auflöst, und die Flüssigkeit den gehörigen Grad von Concentration erreicht hat. Denn wird, während die Auflösung sich noch in verdünntem Zustande befindet, das Sieden unterbrochen und der Luft Zutritt gestattet, so zieht das Kali daraus Kohlensäure an, welche eine sehr nachtheilige Wirkung auf die Glasauflösung ausübt. Aus diesem Grunde ist es auch nicht gut, wenn man zum Auflösen eine zu große Menge Wasser nimmt; weil nämlich bei dem lauge fortzusezenden Sieden die Kohlensäure leicht Gelegenheit bekommen kann, auf die verdünnte Flüssigkeit einzuwirken, wodurch kohlensaures Kali erzeugt und etwas Kieselerde präcipitirt wird. Wird die Flüssigkeit, bevor noch alles Auflösliche aufgelöst ist, zu dick, so muß ihr heißes Wasser zugesezt werden. Wenn die Auflösung die Consistenz eines dünnen Syrups und ein spec. Gewicht von 1,24 oder 1,25 erreicht hat, so ist sie gehörig concentrirt und zum Gebrauche fertig. Man läßt sie nun ruhig stehen, damit sich die unaufgelösten Theile zu Boden sezen können. Während des Abkühlens bildet sich auf der Oberfläche der Flüssigkeit eine zähe Haut, welche später von selbst wieder verschwindet, oder sich sogleich auflöst, wenn sie untergetaucht |470| wird. Diese Haut zeigt sich auch schon während des Siedens, wenn die Auflösung dem eben angegebenen Grade der Concentration nahe kommt, und dient daher einigermaßen denselben zu erkennen.

Wenn das rohe Glas von der gehörigen Beschaffenheit ist, wenn es nicht viel fremde Salze, keine Schwefelleber und kein freies Kali enthält; so kann man es ohne weiters so behandeln, wie ich eben gesagt habe. Ist es aber mit dem einen oder andern dieser Körper merklich verunreinigt, so muß es davon, bevor man zu seiner Auflösung schreitet, gereinigt werden. Dieses geschieht auf folgende Weise: Das gepochte Glas wird eine Zeit lang, 3–4 Wochen, der Einwirkung der Luft ausgesezt und öfters umgeschlagen. – Ballt es sich zusammen, wie es manchmal, wenn die Luft sehr feucht ist, geschieht, so muß es wieder aufgelokert werden. – Das Glas nimmt, wie oben schon bemerkt wurde, aus der Luft Wasser in sich auf, und die fremdartigen Substanzen trennen sich davon oder wittern aus. Jezt ist es eine leichte Sache, das Glas davon zu befreien. Man übergießt es mit kaltem Wasser und rührt es öfters um. Nach Verlauf von ungefähr 3 Stunden wird die Flüssigkeit, welche alle fremden Salze und nur sehr wenig Kieselkali enthält, abgegossen und das Pulver noch Einmal mit frischem Wasser ausgewaschen. Das so behandelte Glas löst sich leicht in siedendem Wasser auf, und liefert eine Auflösung, welche nichts mehr zu wünschen übrig läßt.

Da das Wasserglas nur im flüssigen Zustande anzuwenden ist, so wird es auch in diesem zum Gebrauche aufbewahrt. Dabei ist keine besondere Sorgfalt nöthig, da es, so viel ich bis jezt weiß, in langer Zeit keine merkliche Veränderung erleidet, wenn die Auflösung gehörig concentrirt ist. Indeß möchte es doch nicht rathsam seyn, der Luft gar zu freien Zutritt zu gestatten.

Eigenschaften des Wasserglases.

Das Wasserglas stellt im tropfbaren Zustande, in welchem es füglich Glasauflösung genannt werden kann, eine etwas klebrige Flüssigkeit dar, die im concentrirten Zustande gewöhnlich etwas trübe oder opalisirend ist. Es reagirt alkalisch und hat einen schwachen alkalischen Geschmack. – Mit Wasser läßt es sich in allen Verhältnissen mischen. – Wenn das spec. Gewicht der Auflösung = 1,25 ist, so enthält sie nahe 28 Procent wasserfreie Glasmasse. Wird sie weiter abgedampft, so wird sie sehr zähe und läßt sich zu Fäden ziehen, wie geschmolzenes Glas. Zulezt troknet sie zu einer Masse ein, welche spröde, im Bruche muschlich, glasartig glänzend und durchsichtig ist, und überhaupt die größte Aehnlichkeit mit dem gemeinen Glase hat, dem sie aber an Härte nachsteht. Wird die Auflösung auf andere Körper gestrichen, so troknet sie auch bei der |471| gewöhnlichen Temperatur schnell aus und bildet einen firnißartigen Ueberzug.

Das ausgetroknete reine Wasserglas erleidet an der Luft keine merkliche Veränderung, und zieht daraus weder Wasser noch Kohlensäure an. Auch auf die concentrirte Auflösung äußert die Kohlensäure der Luft keine bemerkbare Wirkung, wiewohl sie zersezt und in eine steife Gallerte verwandelt wird, wenn man Kohlensäuregas durch sie strömen läßt. Die verdünnte Auflösung wird an der Luft mit der Zeit trübe, und zersezt sich nach und nach ganz. – Aus dem unreinen Glase wittert nach einiger Zeit ein Salzgemisch aus, welches ich aus kohlensaurem, salzsaurem und hyposchweflichtsaurem Kali zusammengesezt fand.

Im siedenden Wasser löst es sich allgemach und ohne Rückstand auf; im kalten geht aber die Auflösung so langsam von Statten, daß man glauben möchte, es sey darin ganz unauflöslich. Ganz unauflöslich wird es nur dann, wenn noch eine viel größere Menge Kieselerde damit in Verbindung gesezt wird, oder wenn andere Körper – Erden, Metalloxyde etc. hinzukommen, welche sich damit zu dreifachen oder doppelsalzartigen Verbindungen vereinigen, wie wir dergleichen mehrere im Mineralreiche antreffen131).

Im Feuer blähet es sich anfangs mit Geräusch auf und schmilzt dann ziemlich schwer zu einem dichten Glase, wobei es ungefähr 12 Procent am Gewicht verliert. Es enthält demnach im troknen Zustande noch eine bedeutende Menge Wasser.

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Der Weingeist präcipitirt und scheidet es unverändert aus seiner Auflösung ab, und giebt daher ein Mittel an die Hand, es schnell aus dem flüssigen Zustande in den festen zu versezen. Wenn die Glasauflösung sehr concentrirt ist, so wird zu dieser Operation nur sehr wenig Weingeist erfordert, der auch keine vorzügliche Stärke zu haben braucht. Dieses Mittels kann man sich bedienen, um reines Wasserglas aus einer unreinen Auflösung darzustellen. Man läßt zu diesem Zweck die durch Weingeist zum Gerinnen gebrachte Masse eine Zeit lang ruhig stehen, gießt dann die Flüssigkeit vom Präcipitate ab, knetet diesen, nachdem man ihm etwas kaltes Wasser zugesezt hat, schnell durch, und preßt ihn aus. Einiger Verlust ist dabei nicht zu vermeiden, indem von der weichen Glasmasse auch das kalte Wasser sehr bald etwas auflöst.

Die Säuren zersezen die Glasauflösung wie die Kieselfeuchtigkeit. Auf das feste Wasserglas wirken sie im verdünnten Zustande stärker und schneller ein, als im concentrirten, und scheiden daraus die Kieselerde in Pulverform ab. Manchmal habe ich dabei ein schnell vorübergehendes Aufbraußen bemerkt.

Die Salze mit alkalischen Basen, vorzüglich die kohlensauren und salzsauren, bringen in der Glasauflösung kleisterartige Niederschläge hervor, welche bei nicht zu starker Verdünnung sogleich erfolgen, und die ganze Flüssigkeit zum Gerinnen bringen, sonst aber nur allmählig zum Vorschein kommen. Besonders wirksam zeigt sich in dieser Hinsicht der Salmiak, welcher auch in der sehr verdünnten Auflösung, unter Entwiklung von Ammoniak einen flokigen Präcipitat erzeugt, welcher nach langem Auswaschen reine Kieselerde hinterläßt.

Die alkalischen Erden machen, wenn sie mit der Glasauflösung zusammenkommen, etwas Kali daraus frei und vereinigen sich mit der Kieselerde und dem übrigen Kali zu dreifachen Verbindungen, welche im Wasser völlig unauflöslich sind132). Das |473| Gemisch, welches auf diese Weise mit Kalk entsteht, scheint dem Ichthyophthalm sehr ähnlich zu seyn.

Die Thonerde verbindet sich damit ebenfalls zu einem in Wasser unauflöslichem Produkte, was vermuthlich nicht viel vom Leuzit verschieden ist. Eine ähnliche Verbindung entsteht auch, wie bekannt ist, wenn man die Auflösungen von Thon- und Kieselkali zusammengießt; allein hier befinden sich die Bestandtheile in einem andern quantitativen Verhältnisse, und zwar ungefähr so, wie ich sie im Nephelin gefunden habe.

Aehnliche Gemische entstehen auch, wenn die Glasauflösung durch Salze mit erdigen Basen präcipitirt wird. Einige dieser Präcipitate möchten jedoch nichts anders als einfache kieselsaure Verbindungen seyn. – Alle diese künstlichen Zusammensetzungen, welche gewiß nicht ohne Interesse für den Mineralogen sind, dürften, besonders in Hinsicht des quantitativen Mischungsverhältnisses, noch näher untersucht werden.

In den Auflösungen fast aller Metallsalze bringt die Glasauflösung sehr voluminöse Niederschlage hervor, welche theils nichts als kieselsaure Metalloxyde, theils Verbindungen von basischen Metallsalzen mit kieselsaurem Kali zu seyn scheinen, worin weniger Kali vorhanden ist, als im Wasserglase. – Die Kupfersalze geben damit einen blauen Niederschlag, welcher sich bald mehr bald weniger ins Grüne zieht, und seine Farbe auch in der Siedhitze behält. Dieser Niederschlag ist vermuthlich nicht wesentlich verschieden von jenem in der Natur vorkommenden kieselsauren Kupfer, welches von den Mineralogen Kupfergrün genannt wird. – Der grüne Eisenvitriol giebt einen gelbgrünen Präcipitat, welcher wahrscheinlich in der Hauptsache mit der sogenannten grünen Eisenerde übereinkommt. – Mit Kobaltsalzen entsteht ein schöner blauer Niederschlag, der seine Farbe in der Luft nicht verändert, aber nach dem Austroknen sehr blaß erscheint. Für diese Salze giebt die Glasauflösung ein sehr empfindliches Reagens ab, indem sie, wenn sie auch mit überaus viel Wasser verdünnt sind, sogleich eine blaue Farbe annehmen, so wie ihnen einige Tropfen Glasauflösung zugesezt werden133). Dieses wird durch das reine Kali nicht bewirkt.

Viele im Wasser unauflösliche Salze werden vom Wasserglase durch doppelte Verwandtschaft zersezt; z.B. schwefelsaures, kohlensaures, phosphorsaures Blei, phosphorsaure Thonerde, Gyps etc. Werden die genannten Bleisalze mit Glasauflösung übergossen und gerieben, so bildet sich eine sehr kleberige Masse, die in der Luft steinhart wird.

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Einige unauflösliche Salze, wie der kohlensaure- und phosphorsaure Kalk, welche das Wasserglas nicht zu zersezen vermag, ziehen es so an, daß es, wenn es damit eingetroknet wird, seine Auflöslichkeit im Wasser ganz oder größtentheils verliert.

Mehrere Metalloxyde verbinden sich damit und machen es unauflöslich. Vorzüglich wirksam zeigt sich in dieser Hinsicht das gelbe Bleioxyd, von welchem eine sehr geringe Menge schon hinreicht, es im Wasser völlig unauflöslich zu machen. Läßt man die Glasauflösung einige Tage über diesem Oxyde bei der gewöhnlichen Temperatur stehen, und schüttelt sie öfters um, so nimmt sie etwas davon auf und verwandelt sich nachher in eine steife Gallerte, welche in der Luft zu einer opalartigen Masse austroknet. Diese Verwandlung erfolgt viel schneller bei erhöhter Temperatur.

Eine mit festem und in der Luft gut ausgetroknetem Wasserglase vorgenommene Analyse hat mir folgendes Resultat gegeben:

Kieselerde 62
Kali 26
Wasser 12
––––
100

Bei einer andern Analyse habe ich etwas mehr Kieselerde und etwas weniger Kali erhalten. Daraus ergiebt sich, daß in dieser Verbindung 1 Mischungsgewicht Kali mit 7 bis 8 Mischungsgewichten Kieselerde vereinigt ist. – Ein ähnliches Produkt erhält man, wenn Natrum an die Stelle des Kali gesezt wird. Zur Darstellung desselben werden ungefähr 2 Theile krystallisirtes kohlensaures Natrum auf 1 Theil Quarz erfordert. Dieses Glas kommt in der Hauptsache, wie ich mich jüngst durch einige Versuche überzeugte, mit dem Kaliglase überein, übertrifft es aber, wenn ich mich nicht sehr getäuscht habe, fast durchgehends in Hinsicht der Anwendbarkeit. – Die Auflösungen dieser beiden Glasarten lassen sich in allen Verhältnissen mit einander mischen; und dieses Gemisch leistet vielleicht in einigen Fällen bessere Dienste, als jede dieser Auflösungen für sich.

Anwendung des Wasserglases.

Daß das Wasserglas mannichfaltige Anwendung gestatten werde, wird wohl niemanden entgehen, der die Eigenschaften desselben in Erwägung zieht. – Seine erste Anwendung hat es hier beim neuen königl. Hoftheater als Schuzmittel gegen das Feuer gefunden, nachdem es zuvor von einer Commission, bei welcher Hr. Ministerialrath von Schenk, Hr. Hofrath Vogel und Hr. Dr. Pettenkofer waren, in dieser Hinsicht sorgfältig war geprüft worden. Bevor ich von diesem Gebrauche des Wasserglases spreche, muß ich Einiges über Schuzmittel |475| gegen das Feuer überhaupt sagen, wovon sich einige keine ganz richtige Vorstellung zu machen scheinen.

Es giebt kein Mittel, und es wird keines jemals erfunden werden, wodurch Holz und andere brennbare Gegenstände völlig unverbrennlich gemacht oder vor der zerstörenden Wirkung des Feuers vollkommen geschüzt werden könnten. Die Zerstörung dieser Körper durch das Feuer erfolgt ja, wie bekannt ist, selbst dann, wenn sie in feuerfeste Gefäße eingeschlossen oder von Metallen umkleidet sind.

Es strömt, wenn die Hize einen gewissen Grad erreicht hat, ein Gas aus ihnen hervor, was sich in Berührung mit der Luft entzünden läßt, und sie werden in Kohle verwandelt, gerade so, wie wenn sie der troknen Destillation unterworfen werden. Wenn daher von einem Schuzmittel gegen das Feuer die Rede ist, so darf man sich darunter keine Substanz denken, wodurch die Natur der brennbaren Körper so verändert, oder die Kraft des Feuers so gelähmt werden könnte, daß seine Wirkung ganz aufgehoben würde. Es kann in dieser Hinsicht nur so viel bezwekt werden, daß, wenn ein brennbarer Körper mit einer unverbrennlichen Substanz überzogen oder impraegnirt wird, seine Entzündbarkeit dadurch mehr oder weniger herabgesezt wird, so daß er dem Feuer einige Zeit Widerstand leisten, und dieses sich nicht so schnell wie gewöhnlich fortpflanzen kann. Es ist damit zwar nicht Alles, was zu wünschen wäre, aber doch Vieles gewonnen. Mancher Unglücksfall, der sonst entstehen würde, wird dadurch verhindert, oder kann leicht in der Geburt erstikt werden. – Verschiedene Körper sind, wie man weiß, ihrer Natur nach geeignet, diesen Dienst zu versehen, allein keiner scheint alle hiezu erforderlichen Eigenschaften so in sich zu vereinigen, wie das Wasserglas, wenn es auch von einigen andern in Hinsicht des Widerstandes gegen das Feuer übertroffen werden sollte. – Seine Hauptvorzüge bestehen darin, daß es keine nachtheilige Wirkung auf die brennbaren Körper ausübt, sondern sie vielmehr gegen andere nachtheilige Einflüsse schüzt; daß es, wenn es gehörig bereitet und angebracht wird, einen vollkommen zusammenhängenden und sehr dauerhaften Ueberzug bildet, welcher durch die Atmosphärilien keine Veränderung erleidet; daß es keine großen Unkosten macht, leicht zu bereiten und ohne besondere Schwierigkeit anzuwenden ist. Um aber damit seinen Zwek nicht zu verfehlen, muß man auf seine Bereitung und Anwendung eine gewisse Sorgfalt verwenden. Da ich von der Bereitung schon umständlich gesprochen habe, so will ich nur noch in dieser Hinsicht bemerken, daß zum Anstreichen von Holz u. dgl. eine reine Glasauflösung erfordert wird, weil sonst der Anstrich verwittert und nach einiger Zeit abfällt. Indeß verursacht eine geringe Verunreinigung doch keinen bedeutenden Nachtheil. Der Anstrich bekommt zwar dadurch nach einigen Tagen einen staubartigen |476| Anflug; allein wenn dieser weggewischt wird, so erscheint kein neuer, und die Verwitterung greift nicht weiter um sich. – Wenn man Holz mit einem haltbaren Ueberzuge versehen will, so darf man die Auflösung anfangs nicht zu concentrirt anwenden, weil sie in diesem Zustande nicht in die Poren desselben eindringen, die Luft daraus nicht vertreiben und sich folglich nicht fest anlegen kann. Dabei ist es gut, wenn man den Pinsel auf derselben Stelle öfters hin und her bewegt und damit nicht zu leicht über die Oberfläche hinfährt. Zu den folgenden, 5–6mal zu wiederholenden Anstrichen hat man sich einer stärkern, aber doch nicht zu dicken Flüssigkeit zu bedienen, welche, so viel als möglich, überall gleichmäßig aufzutragen ist. Jeden Anstrich muß man, bevor man einen neuen macht, gut austroknen lassen, wozu bei trokner und warmer Luft ein Zeitraum von ungefähr 24 Stunden erfordert wird. Nach Verlauf von 2 Stunden hat zwar jeder Anstrich schon so angezogen, daß man glauben möchte, er sey ganz ausgetroknet; allein er befindet sich doch noch in einem solchen Zustande, daß er durch den darauf folgenden wieder aufgeweicht werden kann. Dadurch wird der nämliche Uebelstand herbeigeführt, welcher stets eintritt, wenn mit einer sehr concentrirten Auflösung auf Einmal eine dicke Lage aufgetragen wird, die nach einiger Zeit sehr viele kleine Sprünge bekommt, und dann nicht mehr gut haftet. Dieses trifft jedoch nur beim Kaliglase ein; das Natrumglas scheint dem Springen gar nicht unterworfen zu seyn.

Obwohl das Wasserglas schon für sich als Schuzmittel gegen das Feuer gute Dienste leistet, so sind wir doch der Meinung, daß es diese Bestimmung noch besser erfüllen werde, wenn ihm ein anderer passender Körper in Pulverform zugesezt und ein Gemeng gebildet wird, worin das Wasserglas nur die Stelle eines Bindemittels oder Leims vertritt. Der Anstrich bekommt dadurch mehr Körper, wird fester und dauerhafter, und sintert bei der Einwirkung des Feuers, wenn je der geeignete Zusaz gewählt worden, zu einer sehr haltbaren Kruste zusammen. Aus unsern hierüber angestellten Versuchen hat sich ergeben, daß Thon, Kreide, Knochenerde, Glaspulver etc. hiezu anwendbar sind; wir können aber noch nicht mit Bestimmtheit sagen, welcher von diesen Körpern vor den übrigen den Vorzug verdient. Ein Gemeng von Thon und Kreide, was schmelzbar ist, scheint vorzüglicher zu seyn, als jeder dieser Körper einzeln genommen. Die Knochenerde giebt mit dem Wasserglase eine sehr feste und besonders gut bindende Masse. Sehr viel versprachen wir uns in dieser Hinsicht von der Bleiglätte, weil sie mit dem Wasserglase ein sehr leichtflüssiges Gemisch bildet; allein sie entsprach unserer Erwartung nicht, und wir fanden dieses Gemisch wenigstens zum Anstreichen des Holzes nicht für tauglich, weil es sich beim Austroknen stark zusammenzieht, Sprünge bekommt |477| und dann bald abfällt. Ganz anders verhält sich das Bleiglas (geschmolzenes kieselsaures Bleioxyd), was unter die besten Zusäze des Wasserglases zu zählen seyn möchte. Einen vortrefflichen Zusaz giebt das rohe Glas ab, aus welchem das Wasserglas bereitet wird. Wird dieses pulverisirt und bevor es aus der Luft Wasser angezogen hat, in die Glasauflösung eingerührt und diese schnell auf irgend einen Körper aufgetragen, so giebt es in kurzer Zeit eine steinharte Kruste, welche, wenn das Glas von guter Beschaffenheit war, keiner Veränderung unterworfen ist, und dem Feuer hartnäckigen Widerstand leistet.

Daß sich noch verschiedene andere Dinge, als: Eisenschlaken, Bleischlaken, Flußspath, Feldspath etc. mit Vortheil dem Wasserglase werden beisezen lassen, fällt wohl Jedermann von selbst ein. Welcher aber von allen diesen Körpern hiezu der beste ist, und in welchem Maaße er die besten Dienste leistet, dieses muß noch durch Versuche ausgemittelt werden. Rathsam wird es immer seyn, den Körper, auf welchem man ein gemengtes Wasserglas anbringen will, zuvor mit einer reinen Auflösung desselben zu überstreichen; so wie es auch gut ist, den gemengten Ueberzug, besonders wenn er des Zusazes wegen rauh und matt erscheint, zulezt noch Einmal mit einer solchen Auflösung zu überfahren134).

Wenn man die Absicht hat, ein Schauspielhaus durch dieses Mittel vor Feuer zu sichern, so genügt es nicht, blos dessen Holzwerk damit zu überziehen, sondern es ist höchst nothwendig, das; auch die Leinwand zu den Vorhängen und Soffiten, welche die feuergefährlichsten Gegenstände sind, mit demselben gehörig versehen werden. Keines von den zu diesem Zwek in Vorschlag gebrachten Mitteln scheint hiezu so geeignet zu seyn, als das Wasserglas; denn es verhält sich gegen die vegetabilische Faser eben so indifferent, wie die Seife, und indem es in die Fäden eindringt und ihre Zwischenräume ausfüllt, sezt es sich in dem Gewebe so fest, daß es nie abfallen kann, und vermehrt selbst die Haltbarkeit desselben. Auch wird durch die Steifigkeit, welche die Leinwand dadurch erhält, der Bequemlichkeit bei ihrem Gebrauche zu Vorhängen etc. kein Abbruch gethan, indem sie sich dessen ungeachtet leicht und ohne Nachtheil rollen läßt; und in Betreff der darauf anzubringenden Mahlereien wird noch |478| der Vortheil erreicht, daß sie eine viel festere Grundlage bekommen, als ihnen die Kreide allein zu geben vermag. Um aber hiebei zu verhindern, daß nicht durch das alkalisch reagirende Wasserglas einige empfindliche Farben, z.B. das Berlinerblau, der sogenannte Kugellak etc. verändert werden, muß man zuvor die zu bemalende Fläche mit Alaunauflösung übergehen und hierauf mit Kreide dünn überziehen.

Was das Anschwängern der Leinwand mit Wasserglas anbelangt, so ist es zwar mit keiner großen Schwierigkeit verbunden, jedoch aber nicht so leicht, als man etwa glauben möchte. Es ist dazu nicht hinreichend, sie blos mit der Glasauflösung zu überstreichen oder in dieselbe zu tauchen und ohne weiters wieder herauszuziehen, sondern sie muß, wenn sie davon gehörig durchdrungen werden soll, darin unter einem starken Druke behandelt werden. Am besten wird man vielleicht seinen Zwek erreichen, wenn man sie zwischen zwei, in der Flüssigkeit befindliche Walzen wiederholentlich durchlaufen läßt. – Wenn eine nur oberflächlich mit Wasserglas bedekte Leimwand angebrannt wird, so glimmt sie, nachdem sie vom Feuer entfernt worden, noch eine Zeit lang fort; was keineswegs Statt findet, wenn sie davon ganz durchdrungen und gehörig damit angeschwängert ist. – Am wirksamsten erweiset es sich in dieser Hinsicht, wenn ihm etwas Bleiglätte zugesezt wird. Die Leinwand giebt der beim Austroknen sich zusammenziehenden Glasmasse nach, und sie kann sich daher von derselben nicht losmachen, wie sie sich von Holz und andern Körpern trennt, wenn sie diesen Zusaz erhalten hat. Ein Theil Bleiglätte, welche sehr fein zerrieben seyn muß, ist auf 14 Theile concentrirte Glasauflösung hinreichend.

Das Wasserglas halte ich für fähig, uns vielerlei andere Dienste zu leisten, insbesondere wird es wegen seiner Eigenschaft zu kleben und zu binden, zu verschiedenen Zweken Anwendung finden können. Wir haben damit ein neues Bindemittel kennen gelernt, welches die bis jezt bekannten, zum Theil ziemlich kostspieligen, nicht nur in vielen Fällen ersezen, sondern sogar in manchen an Brauchbarkeit übertreffen wird.

Man kann sich desselben anstatt des Leims bedienen, um Farben auf Holz etc. aufzutragen, und dem farbigen Ueberzuge zugleich das Ansehen eines Oelanstriches zu geben; was auch jeder, mittelst Leimwasser gemachte Anstrich erhält, wenn er auch nur zulezt mit Glasauflösung überfahren wird. Er bekommt dadurch zugleich mehr Haltbarkeit, und läßt sich, ohne Schaden zu leiden, naß abpuzen, wenn er durch Staub oder Schmuz verunreinigt worden. Man erspart hiebei das Bleiweiß, was durch Kreide und Thon vollkommen ersezt werden kann.

Das Wasserglas gibt ferner ein gutes Mittel ab, getrennte Theile von Körpern zu vereinigen, kleine Stüke zu einem größern Ganzen zu verbinden, lokern Massen Dichtigkeit und stärkern |479| Zusammenhalt zu geben, Spalte und Klüfte auszufüllen u.s.w. Man wird es daher gewiß sehr tauglich finden zum Kitten des Glases, des Porzellans und anderer irdener Geräthschaften; man wird sich ohne Zweifel desselben bedienen können, um Sandstein künstlich zu bilden, den man dann begreiflicher Weise leicht in jede beliebige Form bringen kann; was kein unbedeutender Vortheil ist135). Fast zu allen diesen Zweken verlangt |480| es aber, wenn es der Erwartung ganz entsprechen soll, einen schiklichen Zusaz. – Das Natrumglas wird vermuthlich in den meisten Fällen weit bessere Dienste leisten, als das Kaliglas. –

Ob das Wasserglas einen durchsichtig bleibenden Firniß abgeben werde, weiß ich noch nicht bestimmt. Nach meinen, bis jezt hierüber gemachten Erfahrungen muß ich es bezweifeln. Dieser Firniß sieht anfangs sehr gut aus, und hält sich, wenn er in sehr dünnen Lagen aufgetragen worden, eine Zeit lang sehr schön; allein in der Folge bekömmt er viele kleine Sprünge und wird etwas trübe. Die Versuche, welche ich vor kurzem in dieser Hinsicht mit Natrumglas und einem Gemisch von Natrum- und Kaliglas zu machen anfing, versprechen mir ein viel besseres Resultat, als das Kaliglas gegeben hat.

Von den Niederschlagen, welche die Metallauflösungen mit der Glasauflösung geben, werden sich einige als Farben benüzen lassen.

Hiemit schließe ich diese Abhandlung, mit welcher ich noch nicht so bald würde hervorgetreten seyn, wenn ich nicht dazu |481| von vielen Seiten mündlich und schriftlich wäre aufgefordert worden. Denn ich hatte vor, über diese Materie zuvor noch verschiedene Versuche zu machen, und bereits damit angefangene zu vollenden, die fast alle von der Art sind, daß sie sich sehr in die Länge ziehen. Hätte ich diese Absicht bis zu diesem Zeitpunkte erreichen können, so würde mancher Gegenstand, der hier nur oberflächlich zur Sprache kam, weiter ausgeführt und näher beleuchtet worden seyn. Dieses wird nun aber in der Folge geschehen, da ich nicht Willens bin, hiemit meine Arbeit über diese Sache zu beschließen.

Möge unterdessen diese junge Pflanze auf dem Felde der Technik, von welcher manche gute Frucht zu erwarten ist, auch durch andere Hände gepflegt, und durch keinen giftigen Hauch in ihrem Wachsthume gehemmt werden!

Diese Abhandlung ist auch in Bd. V. in Kastner's Archiv für die gesammte Naturlehre abgedruckt. Hr. Hofrath Fuchs erhielt für diese wichtige Erfindung von Sr. Majestät dem König von Baiern eine goldene Medaille und ein hundert Stük Dukaten. D.

|465|

S. Schweigger's Journ. für Chemie und Physik, B. 24. S. 378. A. d. Verf.

|468|

Wir nahmen gewöhnlich 30 Pfund Pottasche, 45 Pfund Abensberger Sand und 3 Pfund Kohlenpulver zu einem Saz, welcher in einem Passauer Tiegel 5–6 Stunden lang geschmolzen wurde. Diese Arbeit wurde anfangs in dem hiesigen königl. Münzgebäude vorgenommen und vom H. Münzwardein Meye, der sehr viel Interesse an dieser Sache nahm, geleitet. Später wurde dazu vom H. Baurath Thurn ein eigener sehr zweckmäßiger Ofen gebaut. A. d. Verf.

|469|

Daraus ist zu ersehen, daß der Wassergehalt und das Aufblähen dieser Steine im Feuer, keinen Beweis gegen ihren vulkanischen Ursprung abgeben kann. A. d. Verf.

|469|

Wir bedienten uns dazu eines dreieimerigen Kessels von Gußeisen. A. d. Verf.

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Ein ähnliches Gemisch ist auch das gemeine Glas, welches, so viel mir bekannt ist, nie blos Kieselerde und Kali, sondern stets noch andere Substanzen – am gewöhnlichsten Kalkerde, öfters auch Thonerde und Metalloxyde, enthält, wodurch es die Eigenschaft erlangt, dem Wasser und den Säuren zu widerstehen. Mit reinem Quarz und reiner Pottasche allein läßt sich kein Glas von dieser Beschaffenheit bereiten. Denn nimmt man auch auf 1 Theil Pottasche 2 Theile Quarz, so erhält man, wie ich mich selbst überzeugt habe, ein Glas, was sich noch zum Theil im Wasser auflöst; und nimmt man noch mehr Quarz, so wird das Glas so strengflüssig, daß man es nicht mehr bearbeiten kann. Uebrigens wird selbst das kalkhaltige Glas mehr oder weniger vom siedenden Wasser angegriffen, wie man längst wußte, und wie besonders Scheele dargethan hat. Ich fand, daß manches Glas, wenn es mit Wasser eine Zeit lang in einer Achatschale gerieben wird, sehr merklich alkalisch reagirt, und daß man, wenn man sehr feines Glaspulver mehrere Stunden lang mit Wasser kocht, eine alkalisch reagirende Flüssigkeit erhält, welche mit Salmiak einen flockigen Niederschlag giebt. – Einige chemische Schriftsteller geben vor, daß man mit gemeinem Glase durch eine Zugabe von Pottasche Kieselfeuchtigkeit bereiten könne; allein dieses ist schlechterdings nicht thunlich, weil es wegen der vorhandenen Kalkerde eine Masse giebt, welche im Wasser größtentheils unauflöslich ist. Eben so wenig kann das gemeine Glas zur Bereitung des Wasserglases geeignet seyn. A. d. Verf.

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Hr. Hofrath und Professor Kastner sagt bei Mittheilung einer vorläufigen Notiz über Glasfirniß (Wasserglas) in seinem Archiv Bd. V. S. 209 in einer Anmerkung: „Sollte man nicht einen ebenfalls sehr feuerfesten, aber wohlfeileren Ueberzug für Holz etc. erhalten können, wenn man das Kali, nachdem es frisch aufgetragen worden, sogleich wieder durch Kalkmilch zersezte (wobei sich erhärtender? siliciumsaurer Kalk an die Holzflächen etc. absezte) und das dadurch frei gewordene, flüssige Aezkali ablaufen ließ und sammelte, um es zu neuen Auflösungen von Kieselerde wieder zu benuzen?“ Einige darauf gemachte Versuche bewiesen deren Unthunlichkeit, weil das sich im verdünnten Zustande ausscheidende Aezkali das Holz durchdringt, wodurch die innige Bindung des siliciumsauren Kalk an das Holz aufgehoben wird. Werden gleiche Theile Kalkbrei und flüssiges Wasserglas gut zusammen gemengt und so auf Holz aufgetragen, dann wird jener Zwek erreicht; doch sind die, vom Hrn. Hofrath Fuchs angegebenen Zusäze für den beabsichtigenden Zwek viel geeigneter. D.

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Da die Kobaltauflösungen mit Thonkali einen blaß rosenrothen Niederschlag geben, welcher erst durchs Ausglühen blau wird, so können sie dienen, dieses vom Kieselkali zu unterscheiden. A. d. Verf.

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Zum Anstreichen des Holzwerkes des hiesigen Theaters wurde der Glasauflösung 1/10 gelber Thon – sogenannte Gelberde – zugesezt. Der Anstrich hat sich bis jezt – es ist bereits ein halbes Jahr verflossen – gut erhalten, und ist nur an einigen Stellen schadhaft und der Ausbesserung bedürftig geworden; was lediglich daher kam, daß die ganze Arbeit in sehr kurzer Zeit beendigt werden mußte, und daher auf die Bereitung und das Austragen des Wasserglases nicht durchgängig die nöthige Sorgfalt verwendet werden konnte. A. d. Verf.

|479|

Ein paar hierüber im Kleinen angestellte Versuche haben ein sehr gutes Resultat gegeben. Es wurde zu diesem Zwek seiner Quarzsand unter beständigem Umrühren und Kneten allmählig mit so viel Glasauflösung, in welche zuvor etwas Thon war eingerührt worden, übergossen, als nöthig war, alle seine Theile zu befeuchten, und hierauf in ein hölzernes Gefäß, was leicht zerlegt werden konnte, eingepreßt. Nachdem die Masse darin angezogen hatte, wurde sie herausgenommen, und an der Luft getroknet. – Es währt ziemlich lange, bis ein solcher Stein in seinem Innern völlig troken und fest wird; was daher kommt, daß sich auf seiner Oberfläche sehr bald eine sehr consistente Kruste bildet, welche die Feuchtigkeit aus der darunter befindlichen Masse nur sehr langsam entweichen läßt. Indeß wird durch das länger zurükgehaltene Wasser bewirkt, daß sich das Wasserglas nach und nach innig mit dem Thon und Sande verbindet, und damit gleichsam zu einem Ganzen verschmilzt, was allen äußern Einflüssen den hartnäkigsten Widerstand leistet. – Es wird nicht nöthig seyn, zur Bildung einer größern Steinmasse lauter feinen Sand zu nehmen, von welchem zu viel Glasauflösung verschlukt wird, der innere Raum kann vortheilhaft mit groben Geschieben ausgefüllt werden, welche dem Ganzen mehr Festigkeit geben, und machen, daß es etwas schneller austroknet. A. d. Verf.: Durch die Darstellung dieser, allen äußeren Einflüssen widerstehenden Steinmasse ist die Preisaufgabe des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen (vergl. polyt. Journ. Bd. VII. S. 486) auf das entsprechendste gelöst. Herr Professor Kastner in Erlangen sagt in der vorhin angeführten Anmerkung: „Sollte man den Glasfirniß (Wasserglas) nicht auch zur Befestigung der Kunststraßen-Oberflächen benuzen können? Muthmaßlich würden dergleichen mit Glasfirniß übergossene Kunststraßen-Oberflächen (zumal die Kalk- und Sandreichen) weniger stauben, als es zum Nachtheil der Reisenden so häufig der Fall ist. Es würde nämlich ein steinharter Mörtel entstehen, der die Staubtheilchen zu festen Massen verbände.“ Dieser Vorschlag schien dem Hrn. Kreisbauinspector Voit nicht technisch gedacht; da aber die Trefflichkeit des Wasserglases noch mannichfaltige, in der vorstehenden Abhandlung vom Hrn. Verf. noch nicht angedeutete, Anwendung im Leben finden wird, so sollte auch dieser Vorschlag geprüft werden. Wenn man etwas Großes auf eine Kunststraße verwenden will, so muß man ihr in allen Theilen die möglichste Vollkommenheit zu geben suchen. Unsere Straßen werden gewöhnlich mit grobem Kies beschüttet, und es gibt Stüke darunter, welche die Größe eines Hühner-Eies übertreffen. Alle diese runde Steine berühren sich nur in Puncten; werden sie aber nach der Methode des Mac. Adam zur Größe einer Nuß zerschlagen, so berühren sich die scharfkantigen Broken in Flächen und der Straßenkörper wird fester. (Wir bitten darüber die Abhandlung in diesem Journal S. 121. nachzulesen.) Nach den neuesten Beobachtungen und Erfahrungen |480| ist eine auf diese Art bereitete Straßenbeschüttung (Beschotterung in der Sprache der Wegarbeiter) von 6 Zoll Höhe dauerhafter und fester, als eine von rundem Kies, bei einer Beschüttung von 12 Zoll Höhe. Nur eine solche Beschüttung ist geeignet, mit flüssigem Wasserglas begossen zu werden, und da nicht so viele Zwischenräume dabei vorkommen, so erfodert sie auch nicht so viele konsistente Flüssigkeit, wie eine grobe Kieslage. Nach dem folgenden gemeinschaftlich angestellten Versuch ergab sich, daß die Masse vier und noch mehr Zoll tief eindringt, ehe alle Steinchen auf der Oberfläche vollkommen damit umwikelt waren. Zu dem Versuch wurde ein wasserhaltender, genau gearbeiteter Kasten 6 Zoll hoch und 1 Quadratfuß auf der Oberfläche haltend, angewendet. Dieser Kasten wurde mit zerschlagenen Steinen, wie man sie nach Mac-Adams Methode zum Chausseebau anwenden sollte, gefüllt, und so lange des konsistenten Wasserglases darauf gegossen, bis die Steine auf der Oberfläche davon überzogen waren. Der mit Steinen gefüllte Kasten wog, ehe das Wasserglas darüber gegossen wurde, 47 Pfund; mit der Masse 59 Pfund. Es sind demnach auf einen Quadratfuß Fläche 12 Pfund konsistentes Wasserglas nöthig. Bei dem Versuch war die Flüssigkeit 4 und 5 Zoll tief eingedrungen. Um nun das Fahrgeleis auf eine Meile von 24,000 Fuß, zu 18 Fuß Breite angenommen, (der Fußweg bedarf dieser Begießung nicht) zu begießen, so sind für die 432,000 □ Fuß, den □ Fuß zu 12 Pfund, 5,184,000 Pfund konsistentes Wasserglas erfoderlich. Den geringsten Preis des flüssigen Wasserglases, das Pfund zu 12 krz. angenommen, kostete die Meile einer solchen Straße blos für das Wasserglas (Eine Million, sechs und dreißig tausend acht hundert Gulden, ohne den Steinschlag, Fuhr- und Arbeitslohn zur Aufbringung des Wasserglases in Anschlag zu bringen. Daß das Begießen mit flüssigem Wasserglas nur bei anhaltendem guten Wetter mit Erfolg vorgenommen werden könnte, versteht sich wohl von selbst. D.)

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