Titel: Trostgründe bei Hungertod für Mechaniker und Chemiker.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. CVI. (S. 484–492)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/ar017106

CVI. Trostgründe bei Hungertod für Mechaniker und Chemiker von ausgezeichneten Talenten; oder über die Nothwendigkeit und die Mittel, dürftige Männer von Genie im Fabrikwesen zu unterstüzen.

Aus dem London Journal Julius N. 55. S. 420.

Beschluß von S. 357. d. J.

Der erste und schwierigste Punct ist der, wie der nöthige Fond herbeigeschafft werden kann; dieser muß, nothwendig, sehr bedeutend seyn, und ist auch alsogleich nöthig; denn wir halten es für höchst wesentlich, daß die Gesellschaft mit einem Mahle in jener Würde und Wichtigkeit sich zeigen kann, zu welcher sie bestimmt ist, und erhoben zu werden verdient; daß sie in vollem Besize aller Hülfsquellen sich befinde, die zur vollen Erreichung ihres Zwekes nothwendig sind; denn nur auf diese Weise allein kann sie auf jene feste Basis gegründet werden, welche ihre endliche Nüzlichkeit verbürgt. Wenn sie nicht gleich bei ihrer Geburt, wie Minerva, in voller Kraft und Stärke hervortritt, ausgerüstet mit mächtigen und einleuchtenden Ansprüchen auf allgemeine Achtung und allgemeinen |485| Schuz, so können wir nicht mit Grunde erwarten, daß sie so leicht über jene Hindernisse hinweggelangen wird, die sich ihr in den Weg stellen: nur Wenige werden ihr treulich beistehen, und geduldig mithelfen, wenn sie sich mühsam zur Nüzlichkeit hinaufwinden muß. Es scheint nur drei mögliche Wege zu geben, diesen Fond herbeizuschaffen: nämlich erstens durch ein Anlehen auf Interessen. Zweitens durch Actien, welche auf einen Antheil des Ertrages dieses Institutes Anspruch geben, so daß dieses Institut eine Actien-Gesellschaft (a joint Stock Association) wurde. Drittens auf Actien, welche die Besizer zu Eigenthümern dieses Institutes machten, und sie zu gewissen Privilegien berechtigen. – Gegen alle diese Vorschläge lassen sich einige Einwendungen erheben. Auf die erste Weise würde allerdings die Gesellschaft am unabhängigsten seyn; allein, die Interessen des erforderlichen Capitales (von welchem drei Viertel wahrscheinlich von dem Gebäude verschlungen werden würden, wenn es seinem Zweke entsprechen soll) würde das Institut nöthigen, irgendwo nebenher noch einige Vortheile zu suchen, indem ohnedieß jährliche Ausgaben Statt haben: dadurch würde aber die Liberalität dieser Gesellschaft einen großen Abzug leiden, und die wohlthätigen Wirkungen zum Vortheile derjenigen, für welche sie bestimmt ist, würden dadurch sehr geschmälert werden. Gegen die zweite Art lassen sich dieselben Einwürfe machen: man wird immer suchen müssen von seinen Bemühungen hohe Vortheile zu ziehen, was vor Allem am sorgfältigsten vermieden werden muß. Es ist indessen offenbar, daß in sehr vielen Fällen diejenigen, welche von der Gesellschaft Vortheil ziehen, dasjenige, was vorgestrekt wurde, mit Zinsen dafür zurük bezahlen müssen; z.B. wenn die Gesellschaft ein Patent für einen Supplicanten genommen hat, muß sie den Ertrag desselben so lange hereinzubringen suchen, bis sie dafür entschädigt ist, und selbst noch etwas mehr erhalten hat; zugleich müssen aber auch diese Auslagen so gering, als bei den Interessen der Gesellschaft nur immer möglich, gehalten werden; denn die dadurch erhaltene Einnahme ist nur zur Aufrechthaltung derselben bestimmt.

Die dritte, oben vorgeschlagene, Weise wäre allerdings die bei weitem vortheilhafteste, indem man auf diese Weise ein bleibendes, in seiner Anwendung ungebundenes, Capital mit einem Mahle erhalten konnte. Allein, wenn man die Besizer der Actien zugleich zu Eigenthümern macht, so ist die freie Thätigkeit der Gesellschaft großen Theiles beeinträchtigt, und es wird gerade jener Neuerung, welcher wir mit aller Sorgfalt entgegen arbeiten wollen, das Thor geöffnet. Es ist indessen das räthlichste Mittel unter allen, und wir hoffen unter den Freunden der Wissenschaft Männer zu finden, die leinen Anstand nehmen, unter solchen Bedingungen Beiträge |486| zu liefern. Wir wollen annehmen, daß der Fond auf diese Weise bereits herbeigeschafft sey, und fortfahren, die Erfordernisse einer solchen Gesellschaft auseinander zu sezen, zugleich aber auch die Mittel zur Beseitigung jener Einwürfe berüksichtigen, die wir dagegen erregten.

Wir haben bereits den Zwek der Gesellschaft entwikelt. Zur Erreichung desselben wird erfordert:

1) ein Untersuchungs-Ausschuß zur Prüfung der Plane und Erfindungen, für welche man Belohnung oder den Schuz eines Patent-Rechtes verlangt.

2) Eine Werkstätte und ein Laboratorium, versehen mit den nöthigen Werkzeugen und Apparaten, wo, unter gewissen Bedingungen, auf Ansuchen, die nöthigen Versuche angestellt werden können.

3) Ein großes Museum für Maschinen und Modelle.

4) Eine Bibliothek zum Nachschlagen, bloß aus wissenschaftlichen Büchern bestehend, nebst Lesezimmern, in welchen alle periodische, Künste und Wissenschaften betreffende, Schriften aufgelegt sind.

5) Vorlesungen über theoretische und Experimental-Physik, praktische Mechanik, Chemie und Technologie.

6) Elementar-Schulen zum Unterrichte in den Anfangsgründen der Künste und Wissenschaften, in Verbindung mit den verschiedenen Gewerben.

Da es offenbar ist, daß der Untersuchungs-Ausschuß aus Männern bestehen muß, die in den ihnen zur Prüfung unterlegten Gegenständen wohl unterrichtet seyn müssen, so muß man auf Mittel bedacht seyn, dem Institute eine hinlängliche Anzahl solcher Männer zu verschaffen. Die Art nach welcher, unserer Annahme zu Folge, der Fond zusammengebracht werden soll, scheint es unmöglich zu machen, daß die ganze Anzahl dieser Ausschuß-Männer unter den Eigenthümern selbst gewählt werden könnte, indem in diesem Falle eine große Menge Actien von wissenschaftlich gebildeten Männern genommen werden müßte, was sowohl den ersten Absaz der Actien, als die Uebertragung derselben in der Folge, sehr erschweren würde. Es ist also rathsam, daß nur ein Theil der Eigenthümer zu diesem Untersuchungs-Ausschusse gewählt wird, der übrige aber aus Personen besteht, welche mit dem Institute nicht in Verbindung stehen; d.h. die Gesellschaft sollte sich bewerben Männer von anerkannter Geschiklichkeit zu gewinnen, die diesen Plaz als eine Ehrenstelle ansehen möchten. Auf diese Weise würde man zugleich großen Theiles gegen irgend eine Parteilichkeit von Seite des Ausschusses gesichert seyn (die der Gesellschaft von dieser Seite höchst nachtheilig werden müßte), und eine Versammlung von geistreichen Männern erhalten, die man auf eine andere Weise nicht so leicht |487| zusammenbringen würde. Nachdem die Erfindungen diesem Ausschusse vorgelegt, und von demselben darüber Bericht erstattet wurde, müßten sie vor ein Collegium von Directoren oder vor einen Rath, der seine Meinung hierüber frei zu äussern, und den Bericht des Ausschusses zu bestätigen oder zu verwerfen hat, und über die zu ertheilende Belohnung entscheidet. Dieser Rath müßte zahlreich seyn, und jährlich entweder ganz oder zum Theile neu erwählt werden; lezteres wäre vielleicht besser, wenn nämlich jedes Jahr die Hälfte neu gewählt würde.

Jener Theil des Untersuchungs-Ausschusses, welcher aus Eigenthümern besteht, sollte jährlich neu erwählt werden (oder vielleicht wäre es auch gut, wenn es noch öfter geschähe); der andere, aus Ehrenmitgliedern bestehende, wird, nach Belieben, von den Eigenthümern ballotirt. Der Ausschuß sollte öfters, (ein oder zwei Mahl in der Woche) Sizungen halten, um die Gegenstände zu prüfen, welche dem Schuze der Gesellschaft übergeben wurden. Kein Eigenthümer darf die Wahl verweigern, wenn er zu dem Ausschusse gewählt wurde, und muß, wenn er nicht irgend einen wichtigen Grund, z.B. Krankheit u. d. gl. vorzubringen hat, unter schwerer Strafe wenigstens bei jeder anderen Sizung erscheinen. Man muß aber auch dafür sorgen, und zwar durch allgemeine Uebersicht, die man vor der Wahl herumgehen läßt, daß keine untauglichen Mitglieder zu einem solchen Ausschusse gewählt werden. Der Rath könnte sich monatlich versammeln, oder so oft es nothwendig ist, um die Arbeiten des Ausschusses in Betrachtung zu ziehen und darüber zu entscheiden.

Das Laboratorium und die Werkstätte sind vielleicht die kräftigsten Hülfsmittel, die man ärmeren Talenten darbiethen kann. Sie müssen hier alle mögliche Aushülfe an Werkzeugen und Handwerksleuten finden. Wenn irgend eine Erfindung von dem Rathe die Gutheißung erhalten hat, wird der Erfinder hier mit allen Mitteln versehen, um die Modelle für die Gesellschaft zu verfertigen. Wenn bloße rohe Entwürfe vorgelegt werden, und man findet sie der Ausführung werth, so hat derjenige, der sie machte, hier alle Mittel bei Handen, die nöthigen Versuche anzustellen, und dieß zwar unter der Leitung und dem Beistande von Männern, die beides zu geben vermögen. Die Arbeiter an den Werkstätten, von welchen wir oben sprachen, sind wesentlich nothwendig. Sie sollten unter solchen Individuen ausgewählt werden, die die Vorlesungen besuchen, und zwar nach den Fortschritten, die sie in denselben gemacht haben, so daß ihnen ihre Arbeit nicht bloß Ertrag, sondern auch Ehre gewährt. Sie erhielten auf diese Weise einen Sporn, ihre Anstrengungen zu verdoppeln; sie würden dadurch von einem höchst wohlthätigen Geiste |488| des Wetteifers beseelt, und mit bleibendem Gefühle von Theilnahme an dem Wohle der Gesellschaft durchdrungen werden. Unter ähnlichen Verhältnissen könnten sie auch zu anderen Stellen an dem Institute gewählt werden. Sie haben täglich nur einige Stunden an dem Institute zuzubringen, und, wenn sie nichts anders zu thun haben, können sie zur Verfertigung von Modellen für das Museum verwendet werden, so daß, während sie Vortheile gewinnen, auch die Gesellschaft für ihre Auslagen reichlich Ersaz erhält.

Wir haben gesagt, daß die Bibliothek bloß aus wissenschaftlichen Büchern bestehen soll: dieß wollen wir für die erste Gründung des Institutes verstanden haben; denn da dieses streng auf wissenschaftliche Gegenstände beschränkt ist, und zwar vorzüglich auf Mechanik und Chemie, so scheint es uns kluge Sparsamkeit, wenn man sich anfangs bei der Bibliothek bloß auf diese beschränkt. Später, wenn der Fond größer geworden ist, und die Gesellschaft sich mehr Ausdehnung gewähren kann, mag auch die Bibliothek einen weiteren Umfang erhalten. Die Eigenthümer müssen nothwendig die Bibliothek zu ihrem Gebrauche haben, so wie die oberen Classen der Schulen. Ueber die Vorlesungen wollen wir uns nicht weiter einlassen; sie müssen oft und fleißig gehalten, durch die geeigneten Versuche erläutert, und unmittelbar mit den praktischen Künsten verbunden werden.

Die Elementar-Schulen machen einen Hauptgegenstand in dem Plane dieser Gesellschaft aus. Um sie nüzlich zu machen, glauben wir sie bloß auf den Unterricht der Handwerker in jener Kunst beschränken zu Müssen, welche sie ausüben; und da wir bloß solche Handwerke im Auge halten, die mit Mechanik verbunden sind, scheint es uns nicht, als ob bei der Ausführung einige Schwierigkeit Statt haben könnte.137) Wenn man das System des gegenseitigen Unterrichtes annimmt, und bei Anschaffung der Bücher und Apparate die gehörige |489| Sparsamkeit beobachtet, so können sie ohne viele Mühe für die Lehrer, und mir sehr mäßigen Kosten geleitet werden. Obschon es für das Wohl der Anstalt durchaus nothwendig ist, daß die Handwerker etwas für den Unterricht bezahlen, so muß doch, wenn dieser Unterricht allen zugängig seyn soll, nothwendig diese Summe so gering als möglich seyn, z.B. für Vorlesungen und für die Schule jährlich nicht über 5 bis 10 Shillings (3 bis 6 fl.) betragen. Mehr wird die arbeitende Classe nicht leicht aufbringen, oder für eine längere Zeit über ersparen wollen. Der Reiz der Neuheit mag sie vielleicht verführen Anfangs mehr zu geben; allein, wenn dieser verraucht ist, wird sie diese Abgabe zu schwer drüken.

Es ist ferner von der höchsten Wichtigkeit, den Lehrlingen die möglich größte Aufmunterung zu verschaffen; sie müssen daher zu den höchsten Stellen des Institutes gelangen können, wenn sie derselben würdig geworden sind; es müssen bedeutende Gehalte und Preise ausgesezt werden. Die Herausgabe eines Wochenblattes für dieselben und von denselben, in welchem die wöchentlichen Vorlesungen in Kürze wiederholt werden, damit sie sich den Schülern desto tiefer einprägen, und Mittheilungen der Mitglieder der Schule mit Anmerkungen und Berichtigungen der Herausgeber aufgenommen werden, würde eine große Beihülfe für dieses Institut seyn können. Die Herausgeber konnten aus den höheren Schul-Classen gewählt werden; das Blatt könnte ihrer eigenen Leitung überlassen bleiben, nur müßte es der Durchsicht einer höheren Auctorität unterliegen, damit keine falschen Grundsäze in dasselbe sich einschleichen. Der Zwek dieses Blattes wäre eine |490| Masse von Kenntnissen, die in kostbaren Werken vergraben und nur den Wohlhabenderen zugängig ist, oder bisher auf eine für nicht wissenschaftlich gebildete Leute zu abstracte Weise behandelt wurde, allgemein unter der arbeitenden Classe zu verbreiten; derselben einen Weg zu öffnen, auf welchem sie ihre eigenen Ideen mittheilen, und jene ihrer Brüder kennen lernen; und endlich, indem man sie zu Untersuchungen und Erörterungen aufmuntert, sie allmählich denken und forschen zu lehren, und Durst nach Kenntnissen in ihnen zu erregen. Wenn wir sie zu Untersuchungen und Erörterungen einladen wollen, wollen wir nicht durch dieses Blatt der speculativen Thorheit für ihre Meinungen und Streitigkeiten einen Kampfplaz öffnen; solche Erörterungen würden zu Nichts führen. Es würde auch ohne allen Nuzen seyn, wenn man jede Mittheilung ohne Unterschied, die für dieses Blatt eingesendet wird, alsogleich aufnehmen würde, obschon dieß gegenwärtig bei den meisten wohlfeilen periodischen Blättern so der Fall ist, und sie, wie man sagt, ausdrüklich zu diesem Zweke vorhanden sind, und dafür noch gelobt werden. Der Herausgeber eines solchen Werkes muß im Stande seyn und es sich gefallen lassen, über die Mittheilungen, die ihm gemacht wurden, seine Meinung zu äußern, und wo man sich geirrt hat, muß Er seinen Correspondenten sorgfältig zeigen, wie sie sich geirrt haben. Was kann es nüzen, wenn jeder seine, oft entgegengesezte, Ansicht über einen Gegenstand mittheilt, über welche wir alle nichts wissen können?

Durch einfaches Zurükführen auf einen einfachen und allgemeinen Grundsaz beseitigt man häufig jeden Irrthum, und belehrt jeden Leser, während eitle Speculationen nur Zeit und Papier verderben. Dieses Blatt sollte unter den Mitgliedern um einen geringen Preis vertheilt werden; wahrscheinlich kann es auch außer der Gesellschaft in Umlauf gebracht werden, und dann einen kleinen Zuschuß für die Casse derselben gewähren. Es sollte bei der Gesellschaft gedrukt werden, denn es wird aus mehreren Gründen räthlich und nothwendig werden, eine Drukerei bei derselben zu errichten.

Wir müssen nun von den Quellen sprechen, aus welchen wir das jährliche Einkommen ableiten wollen. Wir haben:

1) die Interessen eines fundirten Capitales, wenn wir eines erhalten, was sehr zu empfehlen ist.

2) den Ertrag von den Patenten, welche die Gesellschaft sich ertheilen ließ.

3) die Subscription für die Vorlesungen und Schulen von den Handwerkern.

4) die Erträgnisse des Laboratoriums und der Werkstätte.

5) den Ertrag des Wochenblattes.

6) Da es räthlich ist, auch für Benüzung der Bibliothek |491| und der Vorlesungen Subscription anzunehmen, so kommt auch diese in Anschlag.

Die Drukerei kann überdieß einen bedeutenden Gewinn abwerfen, wenn die Gesellschaft gewisse Werke unternimmt und herausgibt. Der Betrag dieser verschiedenen Quellen der Einnahme läßt sich nicht so leicht schäzen; wir glauben aber annehmen zu dürfen, daß, wenn er auch Anfangs gering ist, er doch bedeutend werden muß, sobald die Gesellschaft sich zu irgend einer Bedeutenheit gehoben hat, und nüzliche Geschäfte machen kann: er wird dann so ziemlich zu dem vorgesezten Zweke hinreichen. Das nöthige Capital würde vielleicht 100,000 Pfund nicht übersteigen dürfen, und diese könnten in 1000 oder mehr Actien getheilt werden. Wir glauben es wagen zu dürfen, daß die Hauptstadt Englands so viele Individuen besizt, die mit Vergnügen ein so schäzbares, nothwendiges, und nationales Unternehmen unterstüzen werden.

Wir haben nur wenig über die innere Leitung der Gesellschaft gesprochen; wir haben aber ausführlich die Grundsäze aufgestellt, nach welchem dieselbe im Allgemeinen geleitet werden muß: wenn diese in ihrem wahren Geiste ausgeführt werden, so werden sie derselben als feste Grundlage dienen. Das Uebrige gehört in das Gebieth der „Hausregeln“ (By-Lacos), worüber wir im Allgemeinen nur soviel bemerken wollen, daß sie so sehr als möglich eine herzliche Verbindung zwischen den Handwerkern und den oberen Mitgliedern der Gesellschaft herstellen und befördern, den ersteren alle mögliche Aufmunterung gewähren, und zugleich jede Neuerung von beiden Seiten soviel möglich verhüten sollen, als ob sie lediglich für die Regierung eines Staates gegründet wären. Eine Gesellschaft dieser Art soll, so viel möglich, einem Staate gleichen, der aus allen Stufen von Wissenschaft besteht, von der höchsten Mathematik an, bis zum untersten Handwerker herab, und bei der Errichtung desselben sollte man mit eben so vieler Vorsicht zu Werke gehen. Es ist leichter einem Uebel vorzubeugen, als die Folgen desselben abzuwenden; leichter einer Krankheit vorzubeugen, als dieselbe zu heilen. Es ist daher weit klüger im Anfange sich gegen jeden Mißbrauch sicher zu stellen, als auf eine Controle des hydraköpfigen Ungeheuers zu denken, wenn es sein unzerstörbares Haupt einmahl empor gerichtet hat.

Die Hauptvorstände dieser Gesellschaft sind, wie gewöhnlich, ein Präsident, Vicepräsident etc. Wir empfehlen dringend, derselben ein solches Ansehen zu geben, daß sie mit einem Mahle vor den Augen der Welt in dem gehörigen Glanze und in der gehörigen Achtung erscheinen kann, daß sie unter den Schuz des Königes gestellt und mit der Karte einverleibt wird.

|492|

Wir wollen uns nicht in ein weiteres Detail einlassen, da unser Zwek zunächst nur darin bestand, die öffentliche Aufmerksamkeit und die Gefühle der Nation auf die Nothwendigkeit zu lenken, hülflosen Talenten zu Hülfe zu kommen. Wenn wir so glüklich wären unseren Zwek zu erreichen, was wir zur Ehre unseres Landes aufrichtig hoffen, so werden wir uns glüklich dünken und stolz darauf seyn, noch ein Mahl auf diesen Gegenstand zurükzukommen, und unsere geringen Kräfte auf das Aeußerste anzustrengen, denselben zu unterstüzen. Es ist unser brennender Wunsch wie unser inniges Gebeth, daß sich wahre Freunde einer so wohlthätigen Anstalt unter denjenigen finden mögen, deren Kenntnisse und Vermögen sich am besten hierzu eignen. Ihren großmüthigen und zartfühlenden Herzen wollen wir es überlassen, überzeugt, daß man ihnen nur vom menschlichen Elende sprechen darf, um ihrer Unterstüzung sicher zu seyn, und daß wir nicht zum zweiten Mahle als Fürsprecher für unglükliche Talente auftreten dürfen.138)

|488|

In dem Berichte der Kunstschule zu Edinburgh (Report of the Edinburgh School of Arts) heißt es: „die Erfahrung des ersten Jahres, und vorzüglich der Umstand, daß die Zuhörer 48 verschiedenen Gewerben angehörten, überzeugen die Directoren, daß der beste Plan, den man einschlagen konnte, der war, daß man die Vorlesungen auf die allgemeinen Grundsäze jener Wissenschaften beschränkte, die im Allgemeinen auf Künste anwendbar sind, und nicht, wie man Anfangs versuchte, die Grundsäze der Künste im Detail lehrt.“ Als dieser Bericht abgefaßt wurde, hatte die Schule 452 Lehrlinge, welche 48 verschiedenen Gewerben angehörten. Darunter waren: 111 Schreiner und Galanterie-Tischler (Cabinet makers); 38 Schmide und Eisen-Arbeiter aus Maschinen-Fabriken; 15 Mühlen-Zimmerleute; 27 Maurer und Marmor-Schneider; 11 Taschen- und Stok-Uhrenmacher; 7 |489| Optiker; 19 Juweliere und Silberarbeiter; 12 Zinn- und Zink-Arbeiter; 12 Messing-Gießer; 5 Graveurs, die Prägestämpel schneiden (die cutters); 9 Bleiarbeiter; 7 Mahler; 6 Färber; 10 Druker; 7 Buchbinder; 12 Weber; 8 Schuhmacher; 5 Steinschleifer; 5 Kupferstecher; 4 Brauer; 3 Müller; 1 Bäker; 3 Eisengießer; 9 Drechsler; 3 Glaser; 9 Tapezierer; 17 Hufschmiede; 3 Sattler; 3 Gärber; 5 Schneider; 5 Büchsen-Macher; 4 Gärtner; 2 Musik-Instrumenten-Macher; 3 Specerey-Händler; 2 Branntwein-Händler; 2 Tabak-Händler; 3 Landmesser; 1 Angelruthen-Macher; 1 Leisten-Macher; 2 Glasbläser und Glasschleifer; 1 Modelmacher und Stuccadur-Arbeiter; 1 Hutmacher; 1 Branntweinbrenner; 1 Parfümeur; 1 Destillateur; 1 Strandwächter; 1 Messerschmid; 27 Handlungs-Diener; 5 Zöglinge aus dem Asyl für Blinde; 9 ohne bestimmtes Handwerk.

Offenbar mußte der größte Theil dieser Arbeiter diesen Unterricht ohne Absicht auf besondere praktische Anwendung suchen, und allgemeine Vorlesungen waren für sie hinreichend. Nur wenige wollten detaillirten Unterricht in ihrem Gewerbe (die wir hier durchschossen abgedrukt haben) und diesen kann er auch leicht ertheilt werden.

|492|

Wir werden unsere Bemerkungen über diesen Aufsaz in einem der nächsten Hefte mittheilen. A. d. R.

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