Titel: Uebersicht der französischen Industrie. Fortsezung von Bd. XVI. S. 383. und S. 524.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. XXIX./Miszelle 2 (S. 114–118)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/mi017029_2
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Uebersicht der französischen Industrie.
Fortsezung von Bd. XVI. S. 383. und S. 524.

Uhrmacherei. Stadt- und Kirchen-Uhren verfertigen die Herren Wagner, Lepaute und Robin zu Paris, Revillon zu Makon; astronomische Uhren die Herren Pecquer (welche ein neues Räderwerk erfanden, welches auch für Dampf- und hydraulische Maschinen vielen Vortheil verspricht), Janvier (ein sehr geistreicher Mann, der sich zugleich dem Unterrichte junger Künstler mit Liebe opfert), Perrelet (der ein neues Uhrwerk erfand), die Gebrüder Berthoud, Duchennin, Rieussec, Lepaute; Fabrik-Uhren: eine der größten Uhren-Fabriken ist die seit 40 Jahren bestehende Fabrik der Herren Jappy zu Beaucourt, die im Jahre 1815 von den Rettern Frankreichs ganz niedergebrannt wurde. Seit dieser Zeit ward sie wieder neu aufgebaut, beschäftigt mehr als 1000 Arbeiter, und verfertigt monatlich 14 bis 1600 Duzend Sak-Uhren, wovon jede aus dem roden gearbeitet auf 1 Frank 40 Cent, bis 2 Franken zu stehen kommt. Die Herren Gebrüder Beurnier zu Seloncourt, bei Montbéliard, verfertigen in einer kleineren Fabrik monatlich ungefähr 340 Duzend. Zu Besançon werden die Uhren aus obigen Fabriken weiter ausgearbeitet, und jährlich ungefähr 3000 in goldenen und silbernen Gehäusen verkauft. Sogenannte Stokuhren verfertigen die Gebrüder Jappy zu Badevel, bei Montbéliard, jährlich ungefähr 4800, und eine andere Fabrik zu St. Nikolas d'Alcermont. Seine infèrieure, die schon seit 40 Jahren besteht, aber erst durch Hrn. Pons vor dem gänzlichen Falle gerettet wurde, ist durch die Thätigkeit dieses geistreichen Künstlers jezt wieder im Aufblühen, und liefert jährlich an 6000 Stokuhren. Hr. Laresche fabricirt Weker. Hr. Henriot zu Chalons sur Marne, ein Zögling Breguets, verfertigt sehr gute Uhren.

Mathematische Instrumente. Die ausgezeichnetsten Männer in diesem Fache sind gegenwärtig die Hrn. Fortin, Gambey, Benoir und Gebrüder Jecker; optische Instrumente verfertigen die Hrn. Lerebours, Eauchoix, Fresnel, Bordier-Marcet.

Musikalische Instrumente. Die besten Saiten-Instrumentenmacher sind die Hrn. Gebrüder Erard, Nadermann, Pape, Pfeiffer. Die Hrn. Erard verfertigen Fortepiano's mit 3 bis 4 Saiten, mit Tasten, bei welchen es nicht nöthig ist, die Finger von denselben vollkommen wegzuheben, um neue Töne anzuschlagen; Harfen, an welchen jede Saite 3 Töne gibt. Hr. Roller zu Paris verfertigt Piano's, die sich jeder Stimme anpassen lassen. Die Violoncells und Baßgeigen der Herren Lété und Clément zu Paris sind sehr gut und sehr wohlfeil. Hr. Simiot zu Lyon hat den Fagot und die Herren Muller und Janssen zu Paris haben die Clarinette sehr vervollkommnet. Hr. Smitschneider hat neue Hörner und Hr. Davarinville zu Paris neue Cylinder-Markirung für die Walzen der Orgelbauer erfunden.

Kupferstecherei. Man lobt sehr Hrn. Leblanc, der zugleich ein guter Mechaniker ist; die Herren Adam und Malbeste: lezterer sticht sehr schön Schrift und Musik; Hr. Massard zu Lyon; Hr. Gonord, der zeither starb, und dessen Wittwe sein Verfahren, nach Belieben verjüngte Abdrüke irgend einer Kupfertafel auf Porzellan und Faïence zu erzeugen, besizt; Hr. Cornonailles sticht auf Stahl, wie Hr. Deschamps: überhaupt fängt der Stahlstich auch in Frankreich an; der Holzschnitt hebt sich unter der Hand des Hrn. Thompson, und seiner Schülerin, der Mad. Bougon; den (von unserem Landsmanne, Hrn. Senefelder, erfundenen) Steindruk |116| vervollkommnen Graf de Laysteyrie und Engelmann: mit diesen wetteifern die Herren Delpecs, Motte und Constans, Chapuy und Desmadrys, der ihn auf Landkarten benüzt: man drukt jezt auch in Steindruk Gold auf Porzellan und auf Stoffe aller Art. Hr. Langlumé hat die Crayons vervollkommnet.

Mahlerei. Hr. Soehnée Paris mahlt auf Kupfer, Eisen und Stahl die feinsten Verzierungen, wodurch diese Metalle zugleich gegen Rost geschüzt werden; Herr Vauchelet mahlt auf Sammt; Herr Klein fixirt die Pastell-Farben; Hr. Lucas brachte die Glasmahlerei aus England zurük.

Verzierungen aus Pappendekel statt aus Gips versuchte in den neuern Zeiten in Wohnzimmern zuerst wieder Hr. Gardeur; der sel. Hr. Hirsch verfertigte ein Stein-Papier (carton pierre), und verzierte damit den Opern-Saal; seine Nachfolger, die Hrn. Vallet und Hubert, verfertigen noch größere Arbeiten aus diesem Materiale, und Romagnesi hat Statüen und große Candelabren daraus gebildet.

Zeichen-Materialien. Hr. Quenedy bedient sich der Gallerte, um sogenanntes Glaspapier (Papier-glace) und durchscheinende Oblaten zu machen, um Caméen und Chiffer darauf zu graviren. Hr. Durieux verfertigt ähnliches Papier. Hr. Moulin verfertigt dieses aus den Haaren inländischer Thiere, die eben so gut als Zobel- und Marder-Haare sind, und viel wohlfeiler zu stehen kommen. Hr. Barbier zu Versailles erfand eine Art von Schrift, die man im Dunkeln lesen kann.

Galanterie-Tischler. Die ausländischen Hölzer kommen aus der Mode. Hr. Werner zu Paris hat dazu beigetragen, den Geschmak an Möbeln aus französischem Holze zu weken und zu verbreiten. Seine Arbeiten zeichnen sich durch sorgfältige Ausführung, bequeme Formen und mäßige Preise aus. Dieser Fabrikant verdient auch das Lob, die Anwendung inländischer Marmor-Arten in die Galanterie-Tischlerei eingeführt zu haben34). Auch die Hrn. Hokeshoven, Puteaux und Remond und Schniller zu Bourges verfertigen sehr schöne Möbel. Hr. Roguin verfertigt Schreiner-Arbeit mittelst Maschinen, wofür die Societät ihm die goldene Medaille zuerkannte. Hr. Hacks verfertigt durch einen eigenen Mechanismus sehr schöne mit Bildhauer-Arbeit verzierte Nahmen.

Spielzeug für Kinder (Brechtesgadener, Nürnberger Waare). Das einzige Städtchen St. Claude am Jura verfertigt für 400,000 Franken jährlich solches Spielzeug, und im Canton Mas d'Azil (Ariége) leben mehr denn 2000 Menschen von dieser Arbeit.35) |117| Bronze-Waaren und Vergoldungen. D'arcet's Zugofen (fourneau d'appel), der im Bulletin de la Société d'Encour. 1819. S. 198. beschrieben und abgebildet ist, hat das Loos der Vergolder der Metall-Waaren sehr verbessert: sie sind jezt sicher gegen alle Queksilber-Vergiftung. Die berühmtesten Bronze-Arbeiter zu Paris sind gegenwärtig die Herren Thomire, Denière, Galle. Hr. Choiselat arbeitet vorzüglich für die Kirchen. Auch die Herren Chopin und Contamine zeichnen sich durch schöne Arbeiten aus. Hrn. de Puymarin, des Sohnes, Bronze-Medaillen sind bekannt.36)

Gold-Arbeiter-Arbeiten und Bijouterie. Einer der ersten gegenwärtigen Goldarbeiter zu Paris ist Hr. Odiod. Hr. Cahier hat ein Futteral für das heilige Oelfläschchen zu Rheims (La Sainte-Ampoule) fabricirt. Die Herren Fauconier und Lebrun verfertigen schöne Wasser- und Thekannen. In sogenannten plattirten (eigentlich plaquirten) Waaren (plaqué) zeichnet sich Hr. Levrat vorzüglich aus, der den Preis von 1500 Franken von der Société d'Encourag. im J. 1811. gewann; Hr. Tourrot, der die goldene Medaille erhielt. Auch die Herren Lelong und Orbelin verfertigen sehr schöne plaquirte Bijouterieen in Gold und Silber. Die Herren Bernadda arbeiten in Platina.

Buchdrukerei. Hrn. Heinrich Didot's Letternguß macht Epoche in der Drukerei in Frankreich; er gießt auf Ein Mal 100 bis 140 Lettern in seiner Gußmaschine, von den kleinsten bis zu den größten. Hr. Herhan hat die Stereotypen vervollkommnet, und ist noch immer mit denselben beschäftigt. Die Hrn. Firmin Didot, Söhne, leiten gegenwärtig die von ihrem Vater errichtete Drukerei, und beschäftigen sich gegenwärtig auch mit Land-Kartendruk. Hr. Julis Didot hat eine neue ganz gegossene Presse errichtet. Hr. Molé und Hr. Léger besizen sehr große Lettern-Sammlungen.

Buchbinderei. Die Herren Thouvenin und Simier sind jezt unter den ersten Buchbindern Frankreichs, vorzüglich was die Vergoldung und die dazu gehörigen Matrizen betrifft.

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Tapeten-Manufaktur. Die Gobelins übertreffen noch immer alle andern Tapeten-Manufakturen; die Savonnerie und die Tapeten-Manufaktur zu Beauvais verfertigt sehr schöne Arbeiten, so wie jene zu Aubusson (Creuse); Hr. Sandrin verfertigt auf eine neue und einfache Art brochirte Stoffe zu Ueberzügen auf Möbeln. Die Wittwe Bourgevis zu Beauvais, die Hrn. Gebrüder Roze Abraham zu Tours, Diet Philippeaux zu Amboisi (Indu und Lerre), Hecquet d'Orval zu Abbeville, Henri Laurent zu Amiens, Ternaux und Sohn und Armonville zu Paris verfertigen alle sehr schöne und sehr wohlfeile Tapeten und Teppiche. Die Herren Demenoir zu Bonneval (Eure und Loir) lassen Tapeten striken und dann bedruken; die Herren Jeannin und Brunet zu Autun verarbeiten Kühhaare zu Teppichen. Hr. Chenavart zu Paris fabrizirt sehr wohlfeile Teppiche auf englische Art, einige derselben auch aus Kühhaaren, läßt sie druken, wasserdicht machen etc. Die Herren Gebrüder Grégoire zu Paris weben Gemählde in Sammt. Die Papiertapeten-Manufakturen in Frankreich sind sehr blühend und versehen beide Indien. Hrn. Jacquemart's Fabrik ist vorzüglich berühmt: er hat eine neue grüne Farbe erfunden, die das deutsche Grün (Schweinfurter?) vollkommen ersetz. Die Herren Simon und Gohin verfertigen allerlei Papier-Zierrathe. (Bulletin de la Société d'Encouragement N. 247. S. 21. N. 248. S. 53.)

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Dieses Lob für einen Deutschen in dem Bulletin einer so achtungswerthen Gesellschaft, wie die Société d'Encouragement, die schon im Jahr 1810 einen Preis auf Verfertigung der Möbel aus inländischem Holze ausschrieb, ist eben so ehrenvoll für Hrn. Werner, als es traurig für uns ist, zu sehen, daß so viele deutsche Nahmen unter den französischen Künstlern ersten Ranges glänzen. Wären unsere Landsleute nicht bei uns geblieben, wenn man sie bei uns unterstüzt hätte? A. d. Ueb.

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Kinder-Spielzeug ist in Holland, England, Frankreich so theuer, daß mehrere Berchtesgadener und Nürnberger füglich in allen diesen Staaten Etablissements errichten und reichlichen Absaz finden könnten, selbst bei der hohen Mauth. Gehen ja die Kügelchen vom Unterberge nach Afrika und nach Ostindien. A. d. Ueb. (Wie richtig unser Correspondent hier geurtheilt hat, als er uns vor |117| einigen Wochen diese Bemerkung ertheilte, erhellt aus der Beilage der allg. Zeitung Nr. 141, nach welcher ein amerikanischer Handelsmann zu Frankfurt 12000 Duzend Schachspiele kaufen wollte. Würden unsere Berchtesgadener-Waaren-Fabrikanten statt jährlich nach M. Oettingen zu wallfahrten, Reisen nach Leipzig, Frankfurt, Amsterdam u.s.w. machen, so könnten sie sich durch eine weit bedeutendere Ausfuhr ihrer Fabrikate für den Verlust reichlich entschädigen, den sie durch die österreichische Einfuhrs-Verbote erleiden. Die Nürnberger und Geißlinger Spielzeug-Fabrikanten (die die Nachkommen der während der Reformation verfolgten ausgewanderten Berchtesgadener sind), werden ihnen den Vorsprung abgewinnen. Da das Drechslen der Schachspiele eine langweilige Arbeit ist, so dürfte es vielleicht thunlich seyn, sie aus irgend einer Metallkomposition zu gießen, in der Art, wie man jezt den größten Mann unserer Zeit in Bronze verfertigt. Dieß könnte für unsere wakern Nürnberger Roth- und Kreuzlein-Gießer ein neuer Erwerbszweig werden. Ueber den Berchtesgadener Spielwaarenhandel findet man in Dr. Schultes Reise auf den Glokner im 4. Bd. ausführlichere Nachricht. D.)

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Der Uebersezer besizt eine Medaille in Bronze, mit dem Brustbilde des berühmten Arztes und Physiologen Dr. Joh. Gall, von einem Hrn. Barre, die nichts zu wünschen übrig läßt.

A. d. Ueb.

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