Titel: An Davy's weitere Versuche über Sicherung des Kupferbeschlages der Schiffe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. XXIX./Miszelle 21 (S. 127–129)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/mi017029_21

An Davy's weitere Versuche über Sicherung des Kupferbeschlages der Schiffe.

Sir Humphr. Davy, Baronet, hat in dem neuesten Hefte der Philosophical Transactions seine weiteren Versuche über Sicherung |128| des Kupferbeschlages der Schiffe mitgetheilt, welche das Philos. Mag. and Journ. in seinem März-Hefte aufnahm, und die Annals of Philosophy im April-Stüke S. 297. wieder abdrukten.

Kupferplatten, die auf 1/40 bis auf 1/1000 ihrer Oberfläche mit Zink, oder mit geschlagenem oder gegossenem Eisen geschüzt waren, wurden mehrere Wochen lang der Fluth im Hafen von Portsmouth ausgesezt. Wo das schüzende Metall 1/40 bis 1/150 der Oberfläche des Kupfers betrug, war das Kupfer unverdorben; wo es aber nur 1/200 bis 1/400 betrug, hatte das Kupfer an Gewicht in dem Maße der Kleinheit der schüzenden Metallfläche verloren. Aber selbst 1/1000 der Oberfläche des Kupfers mit dem schüzenden Metalle belegt zeigte noch einige gute Wirkung. Das Kupfer an den Schiffen, welches mit Zink oder Eisen beschüzt war, blieb glänzend, während das unbeschüzte erst roth, dann grün wurde, und sich endlich in Schuppen ablöste.

Glüklicherweise zeigte es sich während des Verlaufes dieser Versuche, daß das allerwohlfeilste Metall, Gußeisen, auch das kräftigste Schuzmittel des Kupfers ist. Es dauert länger als gehämmertes Eisen, und als Zink; die Reißbleiartige Masse, die durch die Einwirkung des Seewassers auf der Oberfläche desselben erzeugt wird, erhält die ursprüngliche Form des Eisens, und hindert die elektrische Wirkung des überbleibenden Metalles nicht im Mindesten.

„Ich vermuthete“ sagt Hr. Davy „die Zersezung der Alkalien in gewissen Fallen auf dem negativ elektrischen Kupfer. Dieß geschah auch wirklich. Einige Kupferplatten, die 4 Monathe lang der Wirkung des Seewassers ausgesezt, und auf 1/30 bis auf 1/80 ihrer Oberfläche mit Zink oder Eisen geschüzt waren, überzogen sich mit einer weißlichen Materie, die vorzüglich aus kohlensaurem Kalke und aus kohlensaurer Bittererde und Bittererde-Hydrat bestand. Sobald dieser Ueberzug an den Bothen nach einigen Wochen sich zeigte, hing sich See-Unkraut und Gewürme an demselben, an. Wo aber das Kupfer mittelst Eisen oder Zink in einem Verhältnisse unter 1/150 seiner Oberfläche geschüzt, und die negative elektrische Kraft des Kupfers minder gespannt, mehr neutralisirt und mehr im Gleichgewichte mit jener des Menstruums war, bildete sich kein solcher alkalischer Ueberzug, und die Oberfläche des Kupfers blieb, obschon etwas aufgelöst, rein und vollkommen frei von allem Unkraute. Durch diesen äußerst wichtigen Umstand werden die Gränzen der Schuzkraft bestimmt, und es erhellt, daß eine sehr geringe Menge des oxidirbaren Metalles wirklich vortheilhafter ist, als eine bedeutend größere.“

Eine 2 bis 3 Zoll dike Masse Gußeisen wird mehrere Jahre lang dauern, was jedoch von dem Verhältnisse dieser Masse zu jener des Kupfers und von anderen noch nicht genau bestimmten Umständen, wie z. V. von der Temperatur und Salzigkeit des See-Wassers, vielleicht auch von der Schnelligkeit der Bewegung des Schiffs abhängt, worüber man jezt Versuche anstellt.

Schwache Salzauflösungen wirken weit starker auf das Kupfer als Starke, wahrscheinlich weil sie wenig oder gar keine athmosphärische Luft enthalten, deren Sauerstoff nothwendig zu seyn scheint zum Austausche der positiven Elektricität an diese Menstrua.

Alkalische Auflösungen hindern die Einwirkung des Seewassers auf das Kupfer, oder beugen derselben vor; sie haben positiv elektrische Kraft, wodurch das Kupfer negativ wird. Selbst Kalkwasser macht die Kraft des Kupfers auf das Seewasser = o. Sir. Davy beschäftigt sich jezt mit Versuchen, animalische und vegetabilische Substanzen hiedurch vor Verderbniß zu schüzen.

„Elektrische und chemische Wirkung strebt immer ein Gleichgewicht |129| zwischen den elektrischen Kräften herzustellen, und alle Verbindungen aus Metallen und Flüssigkeiten bewirken Zersezungen, wodurch die alkalischen, metallischen und brennbaren Stoffe auf die negative Seite der Verbindung, Chlorin, Jodin, Sauerstoff und Säuren auf die positive fallen. Wenn man Kupfer in Verbindung mit Gußeisen in ein zur Hälfte mit Seewasser gefülltes Glas so stellt, daß es mit seiner Oberfläche zum Theile über das Wasser emporragt, so wird es sich mit kohlensaurem Kalke, kohlensaurer Bittererde und Soda überziehen, und die kohlensaure Soda wird sich allmählich so anhäufen, daß die ganze in der Luft befindliche Oberfläche davon überzogen wird: und wenn das Eisen in einem Glase, das damit einen Bogen bildende Kupfer in einem andern und in einem dritten Seewasser in elektrischer Verbindung mittelst Asbest oder Baumwolle zwischen den beiden vorigen sich befindet, so wird das Seewasser in diesem allmählich minder salzig, und ohne Zweifel, wenn dieser Prozeß lang anhält, vollkommen ungesalzen werden.“

Auf ähnliche Weise können sehr fein eingetheilte astronomische Instrumente aus Messing mittelst Eisen, und stählerne Instrumente mittelst Eisen oder Zink geschüzt werden: wirklich hat Hr. Pepys feine schneidende Instrumente in Griffe oder Gehäuse, die mit Zink ausgefüttert sind, gebraucht, und sie dadurch im besten Zustande erhalten.

Die Annals of Philosophy enthalten in demselben Hefte. S. 300. den Bericht eines Hrn. Horsfall, der sein Schiff auf einer Reise nach Jamaica und zurük mit Guß-Eisenstangen im Verhältnisse von 1/100 der Oberfläche des Kupfers mit sehr gutem Erfolge schüzte; das Kupfer war aber voll Muscheln. – Es soll, bei Davy's gegenwärtigen Versuchen, das Eisen oder der Zink unter dem Kupfer und in Berührung mit demselben angebracht werden, und nasses Papier auf dem Holze des Schiffes den elektrischen Umlauf mit dem Seewasser unterhalten, so daß, ohne daß man von außen etwas bemerkt, jede Kupferplatte ihren Schuz von 1/300–1/400 ihrer Oberfläche erhält.42)

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Es wäre, da man jezt so viele Versuche über Einwirkung des Meerwassers auf die Metalle anstellt, doch der Mühe werth, auch eine kleine Goldplatte, wie Hr. Prof. Wurzer vorschlug, am Kiele der Schiffe anzubringen, um zu sehen, ob das Kochsalz, wie Boyle, Athanas, Kircher, Glauber, Stahl, Senac, Rouelle, Westrumb, Scherer, Proust, und neuerlich Hr. Prof. Wurzer in Marburg versichern, wirklich Queksilber enthält. A. d. Ueb.

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