Titel: Vorrichtungen für Schuster, Schneider, Goldarbeiter etc. um stehend arbeiten zu können.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. XXIX./Miszelle 23 (S. 130)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/mi017029_23

Vorrichtungen für Schuster, Schneider, Goldarbeiter etc. um stehend arbeiten zu können.

Schon vor einigen 30 Jahren sezte ein englischer Philanthrop einen Preis von 1200 fl. für denjenigen, der eine Vorrichtung erfinden wird, durch welche Schuster stehend arbeiten können, überzeugt, daß Hunderte derselben durch die unglükliche Stellung, die diese Arbeiter auf ihrem Dreifuße zu nehmen gezwungen sind, an Leib und Seele zu Grunde gehen. Wo ist ein Dorf, wo nicht ein sogenannter „tappiger“ Schuster der Sport seiner Gemeinde wäre? Wo war ein Aufstand, bei welchem nicht ein Schuster zunächst an der Fahne stand, von Cäsars Mord an bis zum neuesten demagogischen Umtriebe in Plundersweiler? Sogar in das Reich der idealistisch-mystischen und absolutesten Philosophie verstiegen sich die Schuster als Jakob Böhme! Die Irrenhäuser sind voll dieser Hypochonder, die Siechenhäuser sind gefüllt damit, und die Spitäler wimmeln von Schustern, denen es im Unterleibe fehlt. Schneider, Goldarbeiter, Uhrmacher, Kupferstecher, mit einem Worte, alle Handwerker, die die größte Zeit ihres Lebens sizend hinbringen müssen, werden die Opfer ihres sizenden Handwerkes. Wie viel verliert der Staat an kräftigen Menschen blos durch das weibische Handwerk des Schneiders, das den Arm des Mannes entehrt, weil es ihn schwächt, und ihn bei lebendigem Leibe zur „Hölle“ verdammt! Es muß die Zeit für Europa kommen, wo das Weib dem Manne seine Hose macht, über die sie legitimes Recht in Anspruch nimmt, und der Arm und die Kraft des Mannes nicht mehr durch das Radelspiel entweiht wird. Man fangt in England an, diese wichtigen Momente der Entnervung des männlichen Geschlechtes in reise Ueberlegung zu ziehen, und bis man die Weiber-Arbeiten den Weibern wieder übertragen wird, wie es bei Griechen und Römern der Fall war, bei den Wilden und bei den höchst kultivirten Indern noch immer der Fall ist, sucht man den Männern bei ihren entehrenden Weiber-Arbeiten wenigstens eine männliche Stellung zu geben, um sie auf der Flotte und in der Armee brauchen zu können.“ (Vergl. Mechanic's Magaz. N. 81. S. 396.)

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