Titel: Englischer Chaussee-Bau nach MacAdam's Methode.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. XXIX./Miszelle 4 (S. 120–122)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/mi017029_4
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Englischer Chaussee-Bau nach MacAdam's Methode.

Der Bulletin de la Société d'Encouragement N. 247. S. 7. theilt folgenden Auszug aus einer Vorlesung des Sir J. Byerley bei der Société r. et centrale d'Agriculture über Hrn. MacAdam's Chaussee-Bau in England mit. Bereits sind mehr als 1000 engl. Meilen Chausseen auf diese Weise gebaut; die Erfahrung mehrerer Jahre hat die Vortrefflichkeit dieser Bauart erwiesen, und sogar gezeigt, daß sie auch in Städten statt des Pflasters mit allem Vortheile angewendet werden kann.

Wenn eine alte Straße ausgebessert werden soll, läßt Hr. MacAdam dieselbe bis auf den Grund umbrechen, alle Steine herausnehmen, zu beiden Seiten derselben aufschichten, und giebt dann der Straße die Form eines Kreis-Abschnittes. Eine Erhöhung von 3 Zoll in der Mitte reicht, nach Hrn. MacAdam's Erfahrungen, auf einer Sehne von 30 Fuß Länge hin, um dem Regen-Wasser den gehörigen Abzug zu verschaffen. Nachdem diese Wölbung mit aller möglichen Sorgfalt der Straße gegeben wurde, wird eine Lage von höchstens 3 Zoll Dike aus kleinen Stüken Steinen von der Größe einer Nuß aufgefahren: diese Beschüttung wird aus den Stein-Resten der vorigen Straße, die zu dieser Größe zerschlagen werden, hergenommen, und, nachdem sie über die ganze Straße gleichförmig aufgefahren wurde, mit einem schweren eisernen Cylinder eingestampft, worauf die Straße für die Wagen eröffnet wird. Anfangs drüken die Räder derselben ein Geleise ein: dieses wird alsogleich sorgfältig mittelst Rechen eingeebnet, und auf diese Weise wird die Straße in kurzer Zeit fest und eben. Man fährt dann eine zweite Lage solcher Stein-Beschüttung 2 Zoll hoch auf, und sezt dieses Auffahren unter obiger Behandlung so lange fort, bis die Straße ungefähr 10 Zoll hoch beschüttet ist, was für die schwersten Lastwagen hinreicht. Da die Steine klein und von gleicher Größe sind, so vereinigen sie sich an ihren Kanten, und bilden eine feste, undurchdringbare Masse.

Anfangs läßt MacAdam die Schichten mit grobem Sande überstreuen, der sorgfältig von allem Thone gereinigt wurde, indem dieser leztere durch sein Aufblähen im Regenwasser, die Straßen hindert sich zu sezen und gehörig fest zu werden.

Wenn die Straße über einen sumpfigen Boden hingeführt werden soll, so muß man Reisig in denselben eingraben, und darauf die erste Steinlage bringen: wo man Abfall von altem Eisenblech, altem Eisen, Eisenschlaken u. dgl. haben kann, erhält man dadurch einen herrlichen Straßengrund: dieses Eisen verrostet schnell durch das eindringende Wasser, und bildet mit der ersten Lage Eine Masse.

Ehe man eine neue Lage auffahrt, muß die Straße mit dem Rechen vollkommen geebnet werden, damit die Steine sich desto leichter gehörig sezen können.

Neue Straßen werden auf dieselbe Weise angelegt, wie die ältern umgeschaffen werden: jedoch mit steter Rüksicht auf die Natur des Bodens.

Man braucht auf diesen Straßen ein Viertel weniger Zugkraft, d.h., man zieht mit 3 Pferden soviel, als auf den alten Straßen mit vier. Dieser Straßenbau vermindert in den ersten Jahren die Kosten um ein Sechstel, zuweilen um ein Viertel, und kommt in den folgenden Jahren noch wohlfeiler.40)

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Der Uebersezer hat die Straßen des Hrn. MacAdam auf Straßen von mehreren hundert englischen Meilen befahren: nichts gleicht der Vortrefflichkeit derselben; sie übertreffen alle Straßen |122| des festen Landes, nur nicht die holländischen. A. d. Ueb. (In Nr. 97. des allg. Anz. der Deutschen ereifert sich ein Hr. D. F. gar gewaltig über die Verpflanzung der MacAdam'schen Methode, Straßen zu bauen, nach Deutschland, und, hält diese Art Straßen zu bauen für eine deutsche Erfindung. Wir haben blos die Frage entgegen zu stellen: oh wohl je in Deutschland mit der in vorstehender Beschreibung angeführten Vorsicht und Genauigkeit eine Straßen-Anlage statt fand? D.)

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