Titel: Rocken als das beste Surrogat für Kaffee.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. LIII./Miszelle 21 (S. 258–259)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/mi017053_21

Rocken als das beste Surrogat für Kaffee.

Wir finden im Mercure technologique, April 1825. S. 109. folgende Notiz über dieses alte, schon vor mehr als 100 Jahren gebrauchte (vergl. Murray Apparat. Med. Art. Seeale), Kaffee-Surrogat, das wir hier mehr zur Warnung, als zur Benüzung mittheilen. Der Todten-Erwecker dieses längst verschollenen Surrogates, das eben so schlecht ist, wie der berüchtigte Astragalus-Kaffee, wohnt an der sächsischen Gränze (zu Heide in Böhmen) und heißt Hr. Grohmann. Es ist aber bekannt in ganz Süddeutschland, daß man in Sachsen selten einen trinkbaren Kaffee bereitet; denn man kocht daselbst aus wenigen Kaffee-Bohnen mehrere Tassen Kaffee, da man doch nicht weniger als 2 Loth Mocca-Kaffee, oder 3 Loth Antillen-Kaffee auf eine gute Tasse Kaffee rechnen kann. Nur ein solcher Trank ist Kaffee, der seinen Mann wärmt, und wenigstens 12 Stunden lang im Feuer hält, wie ein ehrlicher Mann immer seyn muß, wenn er keine kalte Eidechse seyn will, und nicht durch seine Mannskraft schon, ohne alle erkünstelte Hize, natürliche Wärme genug hat, um jede Kühlheit wegzuweisen. Dieser neue, an der sächsischen Gränze geborne, Rocken-Kaffee (vor welchem der Himmel den Magen eines jeden ehrlichen Süd-Deutschen schüzen und bewahren wolle) wird auf folgende Weise bereitet: „Man schwingt und reinigt den Rocken sehr genau, und läßt denselben in Wasser kochen, bis er weich wird, ohne |259| daß er jedoch aufspringt. Hierauf trocknet man ihn an der Sonne oder im Ofen; brennt und mahlt ihn, wie Kaffee, und bewahrt ihn in Kaffee-Büchsen auf. Wenn man nun Kaffee machen will, nimmt man ein Drittel derjenigen Menge, die man sonst von Kaffee braucht auf soviel Wasser, als man sonst zu der bestimmten Anzahl von Tassen nöthig hat, kocht ihn, und gießt ihn, nachdem er klar geworden ist, ab. Diesem Absude gießt man noch ein Drittel von dem gewöhnlichen Kaffee-Absude zu, und man erhält einen starken, reinen, und sehr angenehmen Kaffee, der dem ächten indischen Kaffee ähnlich ist, „(wie Holzbirnen einer Ananas!)“ Man erspart daran zwei Drittel ächten Kaffee, und braucht viel weniger Zucker.“

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