Titel: Ueber Ausfuhr der Maschinen aus England. (Vergl. polyt. Journal Bd. XVI. S. 90.)
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. LXXXII./Miszelle 3 (S. 379–381)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/mi017082_3
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Ueber Ausfuhr der Maschinen aus England. (Vergl. polyt. Journal Bd. XVI. S. 90.)

Das London Journal of Arts theilt im May Hefte S. 327. folgenden Auszug der Aussagen der HHrn. Donkin, Bramah, Taylor, Mandsley, Hagux vor dem Ausschusse des Hauses der Gemeinen mit.

Hr. Mandsley sagte, daß, wenn unsere (die englischen – man muß hier die Engländer als redend sich denken) Ausfuhrgeseze abgeändert würden, wir im Stande wären mit der Fabrik zu Gütlich in die Schranken zu treten, und unsere Geschäfte sehr dabei gewinnen würden. Sie sezen jezt im Auslande beliebige Preise für ihre Maschinen: wir könnten die unsrigen zu 50 Prozent Gewinn auf dem festen Lande verkaufen, da sie für ihre Flammändschen 100 Proz. Gewinn machen. Hr. Donkin meint, daß immer mehr Nachfrage nach englischen Maschinen kommen würde, indem er im vorigen Jahre auf setner Reise durch Deutschland, wo das Gußeisen so exemplarisch schlecht ist, für viele 100 Pf. Bestellungen erhielt, und alle Maschinen in Deutschland um 25 Proz. theurer zu stehen kommen, als in England, weil in Deutschland das Materiale zu denselben viel schlechter und theurer ist, als in England.

England könnte einen unermeßlichen Handel mit Roheisen treiben; Frankreich läßt es aber nicht einführen, wenn wir nicht auch Maschinen ausführen lassen. Die Franzosen wollen keine Maschinen-Fabrikanten, sie wollen bloße Fabrikanten seyn.111). Sie haben 20 Proz. Zoll auf Roheisen gelegt, und wollen nur 8 Ztr. schwere Stüke: dieß ist so gut, wie Verboth, und deßwegen müssen sie ihr schlechtes Eisen verarbeiten. Ihr Eisen ist schlecht, weil sie es schlecht schmelzen, und Holzkohlen statt Steinkohlen zum Schmelzen brauchen. Die Lütticher-Fabrik hat ein ungeheures Steinkohlen-Bergwerk in ihrem Hofraume. Ein Bruder des Hrn. Cockerell hat eine große Maschinen-Fabrik zur Erzeugung solcher Maschinen zu Berlin112) errichtet, die man zur Verarbeitung der Baumwolle und Wolle nöthig hat.

Hr. Cockerell der ältere hatte ein Patent auf seine Maschinen genommen, und bekam solche Nachfrage, daß man ihm, schon vor 14 Jahren, häufig 1500 Franken für Dinge both, die er nur zu 1000 Franken angeschlagen hatte.

Hr. Haguc war 4 bis 5 Monathe zu Lüttich, Aachen, Vervais, und sagt, daß man dort keinen einzigen guten Arbeiter findet, außer Engländer.

Hr. Taylor sagte, daß Hr. Cockerell zollfrei alle jene Theile von Maschinen einführen darf, die er aus England erhalten kann; und, da er weit mehr Bestellungen hat, als er befriedigen kann, so ist gar kein Zweifel, daß er eine gute Kundschaft für die englischen |381| Maschinen-Fabrikanten seyn würde. Man hat sehr viele Oefen in Frankreich aus Mangel an Brennmaterial aufgeben müssen, was in England nie der Fall seyn kann: wir arbeiten uns hundert Mahl leichter, als die Franzosen.

Hr. Donkin betrachtet den Mangel an Canälen in Frankreich als ein großes Hinderniß in Verführung der Maschinen von einem Orte zum anderen, und glaubt, daß wenn England die Franzosen nicht mit solchen schweren Artikeln versieht, sie gezwungen seyn werden, Canäle zu schaffen. Hr. Taylor sagte, er fände das Verhältniß in den Fortschritten der Mechanik in Frankreich und in England noch immer dasselbe, wie es vor 50 Jahren war, und denkt, wir werden immer unsere Superiorität behaupten: unser National-Charakter ist immer für Verbesserung, nicht so der französische. Die Franzosen haben mit ungeheueren Schwierigkeiten bei Errichtung ihrer Fabriken zu kämpfen, die man bei uns gar nicht kennt. Weil sie keine Maschinen hatten und bekommen konnten, waren sie gezwungen, sich welche zu verfertigen, und erlangten dadurch eine Geschiklichkeit, welche sie nie erhalten haben würden, wenn wir sie damit hätten versehen dürfen. Wenn auch die Franzosen den Einfuhrzoll auf Maschinen erhöhen, so kommen doch englische Maschinen, wenn die Ausfuhr derselben erlaubt ist, genug nach Frankreich: denn Schwärzen und Bestechlichkeit ist dort an der Tages-Ordnung.

Einzelne und periodische Werke über unsere neuesten Erfindungen gehen mit den dazu gehörigen Abbildungen auf das feste Land, und verständige Arbeiter können die Maschinen nach den gegebenen Beschreibungen daselbst verfertigen. Das Ausfuhr-Verboth der Maschinen hat noch einen anderen Nachtheil: wenn ein Fremder erfahren will, wie in einer Fabrik gearbeitet wird, so sucht er die Arbeitsleute auf, und besticht diese, verdirbt ihre Moralität. Die Geseze sind also nur ein todter Buchstabe, und bewirken nichts anderes, als daß die Maschinen-Fabrikanten nicht so viele Maschinen absezen, und nicht so viel gewinnen können, als ohne sie leicht möglich wäre.

Vor vier oder fünf Jahren ging es in den Maschinen-Fabriken sehr flau: alle müssigen Hände würden beschäftigt worden seyn, wenn das Ausfuhr-Verboth der Maschinen nicht existirt hätte. Die lezten Bände der Transactions of the Society of Arts enthalten Verbesserungen an den Baumwollen-Spinnmaschinen, die sich leicht an jeder Spinnmühle anbringen lassen.

Man kann einen Arbeiter für eine Maschinen-Fabrik, die man in Frankreich oder Deutschland errichten will, bei uns gewöhnlich mit 10 bis 15 Guineen fangen, wo man ihm 3 Guineen Wochenlohn verspricht. Hr. Donkin kannte einen Papier-Macher, der bei uns sich wöchentlich 18 bis 20 Shillings verdiente; man versprach ihm in Frankreich wöchentlich 50 Shillings. Diese Versprechungen werden aber gewöhnlich nicht sehr gewissenhaft gehalten, wenn man den Engländer einmahl auf dem festen Lande hat, und mancher ging gar sehr gern wieder nach England zurük: allein, da er die brittischen Geseze übertrat, muß er auch die Strafe derselben fürchten. Ueberdieß müssen die englischen Arbeiter ihre Pässe gewöhnlich ihren Contrahenten abgeben, und da sie weder die Sprache noch die Polizei-Kniffe des festen Landes kennen, so glauben sie, sie wären daselbst so gut wie gefangen.

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Dieß ist nicht richtig. Frankreich hat bereits viele Maschinen-Fabriken.

A. d. Ueb.

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Bei uns konnten bisher, der großen Hindernisse wegen keine Maschinen-Fabriken entstehen oder wenigstens nicht gedeihen. Eine Fabrik ist bei unserm unvollkommensten Mauthsystem ein wahres Unglück für den Besizer. weil in den Haupt-Industriezweigen für rohe Stoffe und Materialien die Mauth höher, als für das fremde veredelte Fabrikat, ist. Wird diesem nicht abgeholfen dann werden die soliden Etablissements eingehen und ihre zahlreichen Arbeiter der Schikung Gottes überlassen werden müssen.

D.

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