Titel: Hibiscus roseus Thore, ein neues Spinn- und Papier-Material.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. LXXXII./Miszelle 6 (S. 382–383)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/mi017082_6

Hibiscus roseus Thore, ein neues Spinn- und Papier-Material.

Die vortreffliche Bibliotheca italiana gibt uns in ihrem 110 Hefte S. 196 einen neuen Beweis, wie gut es ist, wenn Techniker |383| latein verstehen (so sehr auch unser verehrte Freund Bernouilli anderer Meinung ist), oder vielmehr (damit wir unserem Freunde alle Gerechtigkeit widerfahren lassen), wie nothwendig es ist, daß die gelehrten Herren, die Latein verstehen, nicht gar zu stolz und aufgeblasen sind, um sich um Technik, z.B. nur um das Materiale zu kümmern, aus welchem man einen Strik oder eine Schnur zum beliebigen Gebrauche, a posteriori oder a priori, für jeden, der dazu Lust oder Verdienst hat, verfertigen kann. Wir lesen seit so vielen Jahrhunderten Virgil's Verse: Dum sedet, et gracili fiscellam texit hibisco (Eclog. X. 71) und: Hoedorumque gregem viridi compellere hibisco (Ecl. III. 39.) Hunderte unserer hoch- und tiefgelehrten Pedanten haben diese Verse corrigirt, emendirt und commentirt, und keiner hat diese Verse, so wenig als irgend einer seiner Leser, verstanden, weil keiner derselben vor lauter curis philologicis und flosculis aestheticis es der Mühe werth fand, auf dasjenige zu achten, was man aus dieser Pflanze erhalten kann, und weil nur wenige, die Virgil'n commentirten, das Vaterland, die Geburtsstätte dieses Mannes besuchten. Hr. Paul Barbieri, Conservator des botanischen Gartens zu Mantua, (Virgil's Vaterstadt) fand zufällig auf einer botanischen Excursion in den Sümpfen um diese Stadt eine Menge Hibiscus, den er anfangs für eine Abart des Hibiscus palustris L. hielt, später aber, in den Herbarien Bertoloni's und Moretti's, und in Savi's Flora italiana, als Hibiscus roseus erkannte. In den Sümpfen Mantua's wird diese schöne Pflanze an 12 Fuß hoch, und ist an ihrem schlanken Stängel mit einer bastartigen Materie bekleidet.

Hr. Barbieri ließ auf Anrathen des Hn. Acerbi, die halbreifen Stängel dieses Hibiscus rösten, und auch ungeröstet durch Dr. Sacco's Walzen laufen, und erhielt hieraus sehr schöne, feste, glänzende Faden, aus welchen allerlei Seiler-Arbeit, Gewebe und Strümpfe verfertigt werden konnten. Er erhielt auch herrliches Papier daraus, vorzüglich schönes grünlich-bräunliches, Papier zum Zeichnen, das auch zum Cartoniren der Bücher trefflich dient. Hr. Barbieri hofft aus dem holzigen Theile dieser Stängel sehr brauchbare Kohlen zur Schießpulver-Bereitung zu erhalten.

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