Titel: Ueber eine neue Anwendung des Sodium-Oxid-Chlorure, (Soda Chlorûr) um den Gestank aus den Hallen und aus den Fischkörben zu bringen. Von Herrn Henry.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. LXXXII./Miszelle 8 (S. 384–385)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/mi017082_8

Ueber eine neue Anwendung des Sodium-Oxid-Chlorure, (Soda Chlorûr) um den Gestank aus den Hallen und aus den Fischkörben zu bringen. Von Herrn Henry.

Das Journal de Pharmacie, Mai 1825. S. 212. enthält eine Beschreibung der gelungenen Versuche, mittelst Soda-Chlorûr (oxidirt salzsaurem Natron, welches Hr. Laburraque Sodium-Oxid-Chlorur (Chlorûre d'oxide de Sodium) genannt wissen will) den pestilentialischen Gestank der Hallen zu Paris, und vorzüglich der Fischkörbe, in welchen die frischesten Fische in wenigen Augenblicken faul werden, und die die Hallen so sehr verpesten, zu vertreiben.

Hr. Henry, Chef de la pharmacie centrale, wurde von der Administration der Spitäler zu Paris eingeladen, diese Versuche anzustellen, und er wählte hierzu das bekannte Mittel des H. Laburraque, Soda Chlorûr. Zwölf solche stinkende Körbe wurden 4 Stunden lang in gewöhnlichem Wasser eingeweicht, um sie von der stinkenden Gallerte, die sie bedekte, zu befreien. Diese quoll zwar durch das Einweichen so auf, daß sie mittelst eines Besens leicht von demselben weggeschafft werden konnte; allein die Körbe stanken nach diesem Einweichen und Waschen, so wie vorher. Man versuchte nun das Soda Chlorûr an 12 Körben, goß 140 Liter. Wasser in eine Kufe, sezte demselben 1 1/2 Kilogramm (3 Pf.) Soda Chlorur von 12° Dichtigkeit zu, und tauchte die Körbe in diese Mischung ein, die man mit einer Bürste aus Queke abrieb. Nachdem die Körbe eine viertel Stunde lang in derselben gelegen waren, kamen sie geruchlos heraus. Das Alkali, welches in diesem Chlorur enthalten war, bildete mit der öhligen Gallerte, welche diese Körbe durchdrang, eine Art von Seife, und schikte sich daher besser, als Kalk-Chlorur, welches übrigens dieselbe gute Wirkung hervorbrachte. Diese Versuche wurden mehrere Mahle, immer mit demselben Erfolge, wiederholt. 600 alte Körbe, die man wegwarf, weil sie gar zu fürchterlich stanken, wurden vollkommen geruchlos. Man taucht nun alle Tage die Körbe, die des Morgens gebraucht wurden, auf eine kurze Zeit in eine um die Hälfte schwächere Mischung, und erhält sie dadurch geruchlos. Mit derselben Mischung, in welcher jedoch nur 1 p. C. Soda Chlorur enthalten war, wusch man einige Pläze in der Halle, die vor Gestank nicht mehr benüzt werden konnten, obschon man sie oft mit bloßem Wasser gewaschen hat, und diese Pläze sind jezt ganz geruchlos geworden.

Es ist offenbar, daß man von diesem, den Gestank, welcher durch Fäulniß thierischer Körper entsteht, so schnell und sicher vertreibenden Mittel noch in vielen andern Fällen erwünschten Gebrauch machen kann; und in manchen Fällen wird das wohlfeilere Kalk-Chlorur eben so gute Dienste leisten.114)

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Die Anwendung des Kalk-Chlorür (oxidirt salzsaurer Kalk) zum |385| Entfärben des Adrianopelroth, zum Bleichen der Leinwand und Baumwolle und als spezifikes Räucherungsmittel haben wir in diesem Journale bereits mitgetheilt, und dessen Bereitung auf troknem wie auf nassem Wege beschrieben. In der Heilkunde macht er, äußerlich angewendet eines der wirksamsten Mittel aus. In hohen Grad von Fäulniß übergangenen Leichnamen benimmt er den Geruch; eben so in Fäulniß übergegangenes Fleisch, das durch mehrmaliges Einlegen in mit Wasser verdünntem Chlorkalke wieder ganz geruchlos gemacht werden kann. Auf demselben Grundsaze beruht die oben angegebene; Reinigung der stinkenden Fischkörbe und der Hallen mit Sodium Chlorür. Da jezt mehrere Fleischhallen eher einem Schindanger als einer Anstalt gleichen, aus der man ohne Ekel das unentbehrlichste Nahrungsmittel bezieht, so ist den Polizeibehörden durch dieses sehr wohlfeile Präparat ein wirksames Mittel an Handen gegeben, solche aasige Hallen vollkommen reinigen zu lassen. D.

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