Titel: Ueber die Unklugheit, die Ausfuhr der brittischen Maschinen auf das feste Land gesezlich zu erlauben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. CVII./Miszelle 3 (S. 495–498)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/mi017107_3

Ueber die Unklugheit, die Ausfuhr der brittischen Maschinen auf das feste Land gesezlich zu erlauben.

Wir haben die Meinungen mehrerer angesehener Maschinen-Fabrikanten und Waaren-Fabrikanten in mehreren unserer Hefte über diesen Gegenstand mitgetheilt.

Dieser Gegenstand ward Dienstags den 14ten Junius, auf Hrn. Littleton's Antrage, daß er ein Ansuchen vorzulegen habe, welches der ernsten Aufmerksamkeit des Hauses werth ist, neuerdings vor das Haus der Gemeinen gebracht. Es war ein Ansuchen der Stadt und Grafschaft Nottingham, in welchem man verlange, daß das Parliament die Geseze, welche die Ausfuhr der Maschinen verbiethen, nicht widerufen möge. Die Unterzeichneten erklärten ihre Ueberzeugung, daß dieser Ausfuhr-Verboth der Maschinen es war, der sich über so viele Zweige der englischen Manufactur verbreitete, welcher den Handel Brittanniens zu jener Höhe erhob, die ganz Europa gegenwärtig bewundert.140) Die Unterzeichneten machten |496| auf die Zahl und den Werth der Maschinen aufmerksam, deren sie sich in ihren Manufacturen bedienen, und bewiesen in aller Strenge die allgemeinen und partiellen Vortheile, die dadurch entstehen, daß diese Maschinen im Lande behalten werden. Wenn dieses Gesez, dessen Wirkungen bisher so wohlthätig waren, gegenwärtig widerrufen wird, so wird das alte England dieses Experiment bitter zu bereuen haben; denn es wird nothwendig die Künstler mit ihren Maschinen in die Fremde treiben. Die achtbaren Mitglieder des Hauses unterstüzten den Antrag-Steller, und meinten, daß, wenn man an dem alten Geseze irgend eine Abänderung treffen wollte, diese dem Handels-Ausschusse (Board of Trade) überlassen werden müßte, welcher zu bestimmen hätte, welche Maschinen ausgeführt werden dürften, oder nicht.

Hr. Bircs empfahl dem Hause diesen Gegenstand auf das Dringendste.

Hr. Huskisson war ganz von der Wichtigkeit eines Gegenstandes überzeugt, der die Empfindungen der arbeitenden Classe auf eine so lebhafte Weise in unserem Lande in Anspruch nimmt; gestand aber, daß, wenn er seine Meinung im Allgemeinen über einen Gegenstand äußern sollte, mit dessen Erwägung sich gegenwärtig ein Ausschuß beschäftigt, er sagen würde, daß die Fortdauer der alten Geseze, an welchen so viele Fabrikanten gegenwärtig zu kleben scheinen, mit der liberaleren Handels-Politik, die unser Land gegenwärtig angenommen hat, nicht im Einklange stünde. Er würde indessen auf keine Weise irgend eine bedeutende Abänderung rathen, ehe man Alles aus das Sorgfältigste erwogen, und die verschiedenen Meinungen derjenigen gehört hat, die, ihrem Geschäfte, nach am Besten beurtheilen können, was ihren Gewerben zuträglich oder nachtheilig ist. Es wird dem Ausschusse höchst dienlich seyn, Alles zu vernehmen, was Männer von Profession ihnen über diesen Gegenstand mittheilen können, und die Mitglieder desselben werden so wie diese, sich wechselseitig über jene Puncte aufklären und belehren können, welche hier in Betrachtung gezogen werden müssen. Unsere Fabrikanten behaupten z.B. allgemein, daß die großen Fortschritte, welche die Manufacturen in England gemacht haben, einzig und allein von Vervollkommnung des Maschinen-Wesens abhängen. Es wird nothwendig seyn zu untersuchen, in wiefern dieß die einzige Ursache war, oder ob nicht auch andere Ursachen zugleich mit Einfluß gehabt haben können. Er wiederholte, daß keine Veränderung unternommen werden soll, ohne daß Alles in die reiflichste Ueberlegung genommen wurde. Das Haus hat zu erwägen, daß es größten Theiles nach dem Grundsaze des freien Umlaufes der Arbeit gehandelt hat, und daß es hart halten würde hinsichtlich des Maschinen-Wesens zurükzubleiben, um so mehr, als das Patent-Wesen in England jenem in Frankreich und England, denjenigen Ländern, auf welche unsere Fabrikanten am meisten eifersüchtig sind, so sehr ähnlich ist. Wenn ein Fabrikant bei uns in England ein Patent nimmt, so versieht er sich meistens mit einer ähnlichen Schuzwehr in diesen beiden anderen Staaten. Er ist sehr geneigt, da dieser Gegenstand so große Unruhe unter den Fabrikanten verbreitet, diese Sache |497| mit der möglich größten Vorsicht und Genauigkeit behandeln zu lassen, und ferner durchaus nichts zu unternehmen, bis nicht Alles umständlich untersucht und geprüft seyn wird. Er kann indessen nicht mit seinem achtbaren Freunde übereinstimmen, wenn dieser das gegenwärtige Ansuchen dem Handels-Ausschusse zugewiesen sehen will; dieser Ausschuß ist bereits überhäuft mit Geschäften, und würde man denselben noch mit dem Auftrage belasten zu entscheiden, welche Maschinen ausgeführt werden dürfen, und welche nicht, so würde derselbe ein eben so unangenehmes als verhaßtes Geschäft zu übernehmen haben, zu welchem er überdieß, bei seinem gegenwärtigen Bestande, auch nicht geeignet ist.141) |498| Hr. Hume sagte, daß er, als Mitglied des Ausschusses über das Maschinen-Wesen, durchaus damit einverstanden ist, daß dieser Gegenstand äußerst wichtig ist, und daß alle Parteien ehe gehört werden müssen, ehe das Gesez abgeändert werden kann; obschon er übrigens bisher auf Nichts gestoßen wäre, was ihn von seiner längst gefaßten Meinung abbringen könnte, daß nämlich die Geseze hinsichtlich der Maschinen-Ausfuhr gleichen Schritt mit jenen Verbesserungen halten müssen, welche die Grundsäze und die Politik des Handels in den neueren Zeiten erhielten. Er bekenne jedoch, daß er, in diesem Augenblike, nicht auf einen Widerruf des Ausfuhr-Verbothes dringen wolle, indem der Lärm dagegen so allgemein ist: ohne diesen würde er aber diesen Widerruf vorgeschlagen haben.

Wir freuen uns herzlich die Fabrikanten Englands endlich zur Erkenntniß der Gefahr gelangt zu sehen, die ihnen allen droht, wenn die Geseze, durch welche die Ausfuhr der Maschinen verbothen ist, widerrufen würden; zu sehen, daß auch Hr. Hume, in Hinsicht auf den allgemeinen Lärm, der hierüber entstanden ist, nicht geneigt ist auf den Widerruf der Ausfuhr-Verbothe der Maschinen zu dringen, oder denselben zu beschleunigen. Wir wünschen uns Glük, daß wir Alles gethan haben, was an uns lag, um diesen höchst wichtigen Gegenstand zur Kenntniß des Publikums zu bringen, und sind überzeugt, daß, würde man weiter auf der Idee des Widerrufes des Ausfuhr-Verbothes bestehen, die Tische des Hauses mit Gegenvorstellungen überschüttet werden würden. Das Land leidet gegenwärtig genug durch die Folgen der Erlaubniß, die man den Fabrik-Arbeitern gab, sich selbst und ihre Kenntnisse und Geschiklichkeit in das Ausland zu exportiren, weil es daselbst überall an Arbeitern fehlt, die Maschinen verfertigen können, so wie bei uns, bei der großen Nachfrage an Maschinen von allen Seiten, es gleichfalls an Händen fehlt. Viele unserer Fabrik-Arbeiter, welche ausgewandert sind, haben des traurigen Lebens auf dem festen Lande herzlich satt, und können sich nicht unter das Joch desselben noch länger schmiegen; sie sehen, daß sie jezt, nachdem man sich ihrer Kenntnisse bemächtigt hat, nicht mehr so geachtet sind, wie sie es Anfangs waren; sie sehen sich in ihren Hoffnungen getäuscht, sind ihres Aufenthaltes im Auslande herzlich müde, und wünschen nichts sehnlicher als Mittel zu finden, wieder, sobald möglich, nach England zurükkehren zu können. Da es uns selbst gegenwärtig so sehr an Arbeitern fehlt, so würde die Regierung sehr klug thun, wenn sie denselben, sobald als möglich, diese Mittel verschaffte.

Was die freie Ausfuhr der Maschinen betrifft, so müssen wir gestehen, daß die möglichen Vortheile derselben wirklich höchst unbedeutend sind, wenn man sie mir den wirklichen Nachtheilen vergleicht, die sie unvermeidlich über uns bringen müssen. Allerdings werden einige Maschinen-Fabrikanten anfangs durch die freie Ausfuhr der Maschinen gewinnen; allein sie bedürfen keiner neuen Bestellungen aus dem Auslande, indem sie bereits mehr Bestellungen haben, als sie, wegen Mangels an Händen, nicht bestreiten können. Ueberdieß bestehen bereits ähnliche Maschinen-Fabriken, wie die unsrigen, auf dem festen Lande, und vermehren daselbst sich täglich. Wenn wir sie daher mit Muster-Maschinen versehen, so werden sie sich nicht mehr an uns wenden, und ihren Bedarf sich selbst verfertigen. (Aus Hrn. Gill's technical Repository. Juli 1825. S. 28.)

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Dieß ist so wahr, als 2 × 2 = 4; denn das Affen-Talent hat seit Ennuis Niemand dem Menschen abgesprochen: Simia |496| quam similis, turpissima bestia, nobis.“ Wir können es nicht einmahl den Franzosen absprechen, die jezt überall die englischen Maschinen nachäffen.

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In England hat der Minister die richtige Ansicht, über das Fabrikwesen nur Fabrikanten absprechen zu lassen, nicht Kaufleute, deren Interesse jenem der Fabrikanten gewöhnlich gegen über steht. Dieß ist indessen nicht in allen Ländern der Fall; es gibt sogar Länder, wo die Industrie nicht bloß von Finanzmännern und Kaufleuten, sondern sogar von Schreibern und Philosophen mit Füssen getreten wird. Zudem glaubt man noch, daß erhöhte Einfuhr-Zölle als Finanz-Quelle betrachten zu können; da doch die Erfahrung aller Länder und Zeiten beweiset, daß, je höher die Zölle sind, desto geringer der Ertrag der Mauth ist, und daß durch erhöhten Einfuhr-Zoll, statt durch Verbrennung der Waare, Einfuhr derjenigen Waaren erschwert wird, die man einzuführen verbiethen muß, wenn nicht das ganze Land darüber physisch und moralisch zu Grunde gehen soll. Wie kann man in einem Lande an Freiheit der Gewerbe denken, und diese einführen wollen, wo die jezt bereits bestehenden Gewerbe durch das Mauthsystem zu Grunde gerichtet werden; wo die rohen Artikel, die eingeführt werden müssen, wenn man den Arbeitslohn daran gewinnen will, höher verzollt werden müssen, als die ausländischen Fabrikate? Wahrlich, der wäre ein Thor, der in einem solchen Lande eine Fabrik errichtete, während andere Länder umher durch weise Einfuhr-Verbothe und wohlberechnete Mauthsysteme ihn einladen, sichere und einträgliche Zinsen für seine Capitalien und seinen Fleiß zu gewinnen. Freilich hatten diese Länder nicht das Unglük, durch mehr dann 12 Jahrhunderte Sclaven jenes Standes zu seyn, der dem Volke das Siegel der Unwissenheit und der Faulheit aufdrükt; sie hatten nicht das Unglük, beinahe in dem Augenblike, wo sie aus der Finsterniß hervortraten, den Genius zu verlieren, der ihnen die Fakel des Lichtes vorhielt; sie hatten Bildungs-Anstalten geschaffen für die arbeitende Classe, und die Classe der Beamten, welche die Industrie zu leiten haben, auf ihren höheren Lehranstalten zwekmäßig in Technologie, nicht in eitlen philosophischen Speculationen, unterrichten lassen; man fragt dort Gewerbsleute über die Bedürfnisse der Gewerbe, Handelsleute über die Bedürfnisse des Handels, ohne sich von Schwäzern irre führen zu lassen. Das so oft einer albernen und verderblichen Freiheit als Aegide vorgehaltene, Britannien zeigt uns hier neuerdings, wenn wir anders Augen haben zu sehen, wie das Wohl der arbeitenden Classe nur durch scheinbar, harte Geseze gegründet und erhalten werden kann: allein es scheint, daß man in manchem Lande nicht will, daß die arbeitende Classe arbeiten, und durch Arbeit zu einem höheren Wohlstande gelangen soll, als die privilegirten Faullenzer. A. e. L.

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