Titel: Ueber die Erfindung der Dampfbothe
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1825, Band 17, Nr. CVII./Miszelle 5 (S. 503–504)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj017/mi017107_5

Ueber die Erfindung der Dampfbothe

enthält das Edinburgh Journal, Julius 1825. S. 81. einen höchst interessanten Aufsaz. Ein Hr. Patrick Miller, Esqu. erzählt nicht bloß, sondern beweiset durch gleichzeitige, öffentliche, Urkunden, daß sein seliger Vater, Patrick Miller zu Dalwinston, Banquier, der Erste war, der im Oktober 1788 auf dem Teiche seines Parkes ein Both, mit welchem er auf demselben spazieren fuhr, mit Beihülfe eines Hrn. Tailor und Hrn. Symington, mit einer Watt'schen Dampfmaschine ausrüstete: dieser erste Versuch gelang vollkommen. (Vergl. Scots Magazine, Nov. 1788.) Am 25. Decbr. 1789 stellte Hr. Patrick Miller, (d. Vater), einen zweiten Versuch mit einem großen Bothe im Canale an, das beinahe 7 Meilen in einer Stunde fuhr. (Vergl. Edinburgh Newspapers. 12. Febr. 1790. Letter from Falkirk.). Auch dieser Versuch im Großen gelang. Allein, Hr. Patrick Miller verfolgte die Sache nicht weiter wegen des schlechten Benehmens eines Individuums, welchem er die Ausführung anvertraute. Die verschiedenen Versuche kosteten Hrn. Miller die kleine Summe von 30,000 Pfd.; „sie wurden später in America und in England von Individuen aufgegriffen, die, wie man beweisen kann, ihre ersten Ideen über Dampfbothe zu Dalwinston und Carron erhielten. Hierüber sind“, sagt Patrick Miller, der Sohn, „Beweise genug in meinen Händen; ich habe aber gegenwärtig keinen anderen Zwek, als jene Thatsachen zurükzurufen, die mit den Versuchen meines Vaters in unmittelbarer Verbindung stehen, und die Priorität seiner Ansprüche auf die erste praktische Anwendung der Dampfmaschine auf die Bewegung der Schiffe, die wichtigste Erfindung in der Nautik in der neueren Zeit, herzustellen.“

Hr. Miller (d. Vater), dem man auch mehrere Entdekungen in der Artillerie zu danken hat, verwendete einen großen Theil der Muße seiner Wechselstube und seines großen Vermögens auf Artillerie-Versuche und Schiffbau. Er ließ 8 Schiffe nach neuen Grundsäzen bauen, das achte, welches er bauen ließ, war ein dreifaches Schiff, in dessen Zwischenräumen er Räder, statt der Ruder, von Menschenhänden bewegt, anbringen ließ. Er beschrieb dieses Werk unter dem Titel: The Elevation, Section, Plan, and Viecos of a Triple Vessel and of Wheels, with explanations of the figures in the engraving, and a chost account of the properties and advantages of the invention, und sandte Exemplare davon in englischer und französischer Sprache an alle Höfe, und auch nach America. Der reiche Miller hatte das Unglük (?) ein gefährliches Handwerk zu treiben, („Philanthrop zu seyn“), und zu glauben, nüzliche Erfindungen müßten der Welt mitgetheilt werden, und es wäre eine Schande, ein Patent darauf zu nehmen. Man hat nirgendwo seine Schrift beachtet, vielleicht bloß, weil man nicht wußte, daß er sehr reich war. Ein Fluch des Erziehers seiner Kinder (bei Gelegenheit eines Streites mit den Mauth-Knechten auf einem Mauthbothe zu Leith), der da ausrief: „wenn ich nur unsere Dampfmaschine da hätte, ich wollte diese Perüken-Hengste etc.!“ brachte den immer ruhigen, Hrn. Banquier |504| Miller, der zufällig diesen Ausruf hörte, aus die Idee, eine Dampfmaschine aus ein Both zu sezen, und so der Erfinder der Dampfbothe zu werden: ehevor hatte er an seinem Triple-Vessel bloß Menschenkraft.

Sein Sohn bemerkt in dem oben erwähnten Aufsaze, daß man in Italien im 15ten Jahrhunderte mit kleinen Fahrzeugen auf Flüßen mittelst Ruder-Rädern fuhr, und führt ein Werk eines Robertus Valturius de re militari, 1472 Veronae, an, in welchem hiervon gesprochen wird. Wahrscheinlich hat dieser Rob. Valturius seine Notiz aus dem älterem Werke, welches Stewechius, in seinem Commentare zu Vegetius, (polyt. Journ. Bd. XVII. S. 133.) anführt.

Der schöne Aufsaz des Hrn. Patrick Miller verdiente in irgend einem der vielen periodischen Blätter der Cotta'schen Buchhandlung dem deutschen Publicum in einer Uebersezung mitgetheilt zu werden, um so mehr als Süddeutschland Hrn. Baron v. Cotta eines seiner ersten Dampfbothe verdankt.

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