Titel: Burstall's, Beschreibung der neuen Patent-Dampfkutsche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. I. (S. 1–5)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/ar019001

I. Beschreibung der neuen Patent-Dampfkutsche, von den Erfindern, HHrn. Timoth. Burstall, und Joh. Hill, Mechanikern,1) mitgetheilt im Edinburgh Philosophical Journal. October 1825. S. 349.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Die Erfindung dieser Dampfkutsche besteht in Verbindung und Anwendung von Grundsäzen, deren einige neu, andere allgemein bekannt und gebräuchlich sind. Die Hauptzüge derselben sind: 1) die Einrichtung der Maschine und gewisser Theile derselben zur Erzeugung der an einem solchen Wagen nothwendigen Evolutionen. 2) Der neue Bau des Kessels oder Dampf-Erzeugers, und die besondere Art von Röhre, durch welche der Dampf zu der Maschine geleitet wird; 3) die Art, den Kessel mit Wasser zu füllen mittelst, einer pneumatischen Presse.

Tab. I. Fig. 1. zeigt den Seiten-Aufriß des Wagens mit dem Kasten. Fig. 2. zeigt denselben im Grundrisse. Fig. 3. ist ein Durchschnitt des Kessels und der Maschinerie im vergrößerten Maßstabe. Fig. 4. stellt den oberen Theil des Kessels mit der Speisungs-Röhre und den Wasserbehältern dar: die punctirten Linien in dieser Figur zeigen den Feuerherd und die Züge, der Pfeil deutet die Richtung der Flamme nach dem Schornsteine an. Fig. 5, 6, 7, 8, 9, 10. sind Grundrisse und Durchschnitte verschiedener Theile der Maschine mit verschiedenen |2| Modificationen. Fig. 11. ein Grundriß der Büchse des Schiebrades mit einem Theile der Nabe. Fig. 12. eine an der Spindel des Steuerrades befestigte Platte von oben gesehen, um dem Führer die Schiefheit der beiden Achsen zu zeigen. Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände.

A, ist der Kessel aus starkem Gußeisen oder aus irgend einem anderen tauglichen Metalle. Er ist in einem starken Gehäuse aus geschlagenem Eisen oder Kupfer eingeschlossen, wie Fig. 3. im Durchschnitte zeigt, A, der Plaz für das Brenn-Material ist. aaa, sind Theile des Zuges. Der obere Theil ist, wie Fig. 4. zeigt, aus einer Menge seichter Tröge zusammengesezt zur Aufnahme einer geringen Menge Wassers in einem Zustande, in welchem es bereit ist in Dampf überzugehen, der aus dem Behälter durch die kleine Röhre, ggg, zugelassen wird. bbb, ist das äußere Gehäuse aus geschlagenem Metalle zur Aufnahme des Dampfes, der bei der Maschine verbraucht werden soll. B, ist der Schornstein, der aus der Witte der Züge aufsteigt. DD, sind die beiden Cylinder, mit ihren Stämpeln und Klappen zur abwechselnden Wirkung des Dampfes über und unter dem Stämpel auf die gewöhnliche Weise versehen. Der Kessel hängt in den Federn d, und der Dampf wird zu der Maschine durch die schnekenförmige Röhre, c, geleitet, der man deßwegen diese Form gab, damit der Kessel sich schwingen kann, ohne daß die Verbindungen der Röhren dabei leiden. E, ist die Cisterne, die Wasser für eine Station enthält, nämlich 50 bis 80 Gallons; sie ist aus starkem Kupfer und luftdicht, so daß sie einen Druk von ungefähr 60 Pfund auf den Quadrat-Zoll ertragen kann. Bei e, ist eine Luft-Pumpe angedeutet (es können deren auch mehrere seyn), die von den Balken der Maschine getrieben wird, und Luft in das Wassergefäß preßt, damit durch den Druk derselben durch eine schikliche Röhre das Wasser in den Kessel getrieben wird, so oft es in demselben fehlt, und in der Menge, in der es fehlt. FF, sind die beiden Balken, die an einem Ende mit den Stämpelstangen, und an dem anderen mit den Schaukelpfosten HH, versehen sind. In ungefähr einem Viertel der Länge der Stangen von den Stämpelstangen aus sind die zwei Verbindungs-Stangen, gg, deren untere Enden an den beiden Kurbeln befestigt sind, die unter Winkeln von 90° von einander angebracht sind, und durch die Kraft des Dampfes dem Rade eine |3| anhaltende umdrehende Bewegung ertheilen, ohne daß ein Flugrad nöthig wäre. Die vier Räder sind an dem Wagen, wie gewöhnlich, angebracht; nur daß ein Schiebrad auf dem hinteren Theile der Nabe angebracht ist mit einer Büchse, die in die Achse eingekeilt, und mit einem am Rüken mit einer Feder versehenen Sperrkegel ausgestattet ist; dadurch werden die Räder getrieben, wenn die Achse sich dreht, und zugleich, wenn der Wagen eine krumme Linie beschreiben soll, das äussere Rad schneller getrieben, als das innere, jedoch so, daß es immer dem Impulse der Maschine folgt, so bald der Wagen gerade läuft. Diese Büchse und der Sperrkegel sind in Fig. 11. besonders bezeichnet.

Fig. 5, 8, 9, 10. zeigt eine verschiedene Methode, dasselbe zu leisten, wobei noch der Vortheil ist, daß der Wagen zu gleich durch die Maschine verstärkt, und mit dieser aufgesezt wird. Die Naben sind hier mit einer Vertiefung in der Mitte gegossen, in welcher sich ein doppeltes Getriebe befindet, womit die innere Seite der Nabe correspondirt. Auf diese Getriebe wirken gleichzeitig die Stangen, und der kleine Hebel, b, mit den Spiralfedern, mm, die, je nachdem sie rechts oder links getrieben werden, den Wagen rükwärts oder vorwärts treiben. An den vorderen Naben sind zwei walzenförmige Metallringe befestigt, um welche zwei Reibungs-Laufbänder laufen, die mittelst eines durch den Fuß des Führers zu leitenden Hebels gespannt werden können, so daß der Wagen dadurch aufgehalten und selbst leicht still stehen gemacht werden kann, wenn es bergunter geht. K, ist der Siz des Führers mit dem vorne angebrachten Steuerrade, L, welches an der kleinen aufrechten Spindel, 1, befestigt ist, und die zwei kegelförmigen Triebstöke, 2, dreht, und die Spindel 3, mit ihrem kleinen Triebstoke 4, welcher, in einen Zahnstok an dem Ausschnitte eines Kreises an dem Vorderwagen eingreifend, die beiden Achsen unter jeden Winkel bringen läßt, der da nöthig ist, um die Kutsche auf der Straße umkehren zu machen: der Mittelpunct der Bewegung ist der Reißnagel.

Das Vorder- und Hinter-Gestell des Wagens ist durch die Langwied 5, verbunden, die an einem Ende bei der Gabel fest gebolzt ist, wie Fig. 2. zeigt, an dem anderen Ende durch zwei Halsbänder befestigt wird, welche die Vorder- und |4| Hinter-Räder den Ungleichheiten des Weges sich anschmiegen lassen.

Wenn man steile Streken auf der Straße hinauffahren, oder auf Eisenbahnen fahren, oder einen anderen Wagen hinten nachziehen soll, ist mehr Reibung auf der Straße nöthig, als die beiden Hinteren Räder nicht gewähren können: daher hat man eine Vorrichtung angebracht, um alle vier Räder zu treiben. Diese besteht in einem Paare kegelförmiger Räder, 4, deren eines an der Hinteren Achse, das andere an der der Länge nach hinlaufenden Spindel, 6, sich befindet, auf welcher sich unmittelbar unter dem Reibnagel 1 bei 7 eine sogenannte allgemeine Einfügung befindet. Dadurch wird die Spindel, 7, in den Stand gesezt sich zu drehen, wenn auch der Wagen gesperrt ist. An einem Ende der Spindel 7, ist eines der 2 kegelförmigen Räder, wovon das andere sich an der vorderen Achse befindet. Diese Räder stehen in demselben Verhältnisse gegen einander, in welchem sich die hinteren Räder zu den vorderen befinden, und dadurch werden ihre Umfänge mit gleicher Geschwindigkeit umgetrieben.

Fig. 6. ist ein anderer Grundriß, und Fig. 7. ein anderer Durchschnitt alle Räder zugleich zu bewegen, wo der Neidnagel über dem Mittelpuncte der Achse ist. 8, ist ein Rad, das sich darauf dreht, und das, wenn es durch das Rad 9, in Bewegung gesezt wird, mittelst des Rades 10, die Vorderachse, und dadurch die Räder in Umtrieb sezen wird.

Sicherheitsklappen, Sperrhähne zum Zulassen, Absperren und Reguliren des Dampfes etc. sind hier angebracht, können aber hier, wegen des kleinen Maßstabes, nicht in der Zeichnung dargestellt werden: jeder Mechaniker kennt sie ohnedieß.

Der Kessel, der von 250 bis auf 600 und 800° Fahrenh. geheizt wird, wird hier ein Magazin von Wärmestoff. Da die Patent-Träger das Wasser in einem besonderen Gefäße halten, und es nur dann in den Kessel bringen, wann Dampf nöthig ist, so erfüllen sie den großen Wunsch bei Anwendung des Dampfes auf gewöhnlichen Wegen jedes Mahl nur soviel Dampf zu erzeugen, als nöthig ist; so daß, wo es bergab geht, aller Dampf und alle Hize erspart, und für die nächste Streke, die bergan geht, oder wo der Weg schlecht ist, aufbewahrt werden kann.

Die Maschine ist eine Maschine mit hohem Druke, und |5| von der Kraft von 10 Pferden. Der Dampf wird in ein Zwischen-Gefäß abgelassen, und durch einen Hahn oder durch mehrere Hähne regulirt.

Diese Dampfdiligence ist nach dem Berichte eines Augenzeugen, des k. bayerschen Akademikers v. Yelin bereits ausgeführt und für die gemeinen Heerstraßen bestimmt. Nach demselben Berichterstatter wurde den 27. September die Fahrt auf der neu angelegten Eisenbahn zwischen Darlington und Stokton mittelst durch Dampfmaschinen bewegter Fuhrwerke eröffnet. Der ausführliche Bericht über den überaus glüklichen Erfolg der Dampffuhrwerke auf jener Eisenbahn ist in den Nr. 188 und 190 der in München erscheinenden Zeitschrift Flora nachzulesen. D.

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