Titel: Callahan's, Beschreibung eines neu erfundenen Messing-Gießers, Schmiedherdes und Dampfkessels.
Autor: Callahan, John
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. III. (S. 11–17)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/ar019003

III. Beschreibung eines neu erfundenen Messing-Gießers, Schmiedherdes und Dampfkessels. Von Hrn. J. J. Callahan, Lampen-Fabrikanten und Gasleiter etc. Exeter-Street, Strand.

Aus Hrn. Gill's technical Repository. September 1825. S. 149. (Im Auszuge.)

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Herr Gill lobt im Eingange Hrn. Callahan's, in England allerdings seltenen Gemeingeist, eine nüzliche Erfindung ohne Patent bekannt zu machen. Hr. Callahan, der bei dem sel. Hrn. Penton, einem der ersten Argand'schen Lampen-Fabrikanten, arbeitete, ist Mitglied der Society of Encouragement, und wandte Franklin's selbstthätigen Speiser zum Nachfüllen des Wassers, den er zugleich sehr vereinfachte, und auf vier Zoll reducirte, wofür er auch von der Gesellschaft belohnt wurde, bei Dampfkesseln an.

Hrn. Callahan's Dampfkessel ist nur 14 Zoll lang, und 8 Zoll breit und tief. Er ist aus stark vernietetem Kupfer, und wird aus einer Röhre mit Wasser gespeiset, die aus einem Gefäße herabsteigt, welches ungefähr 9 Fuß über demselben angebracht ist. Außer Franklin's Speiser sind auch hier die gewöhnlichen Druk- und Leere-Klappen, der Aichhahn etc. vorgerichtet, nebst den Röhren, um den Dampf in die Arbeitszimmer hinauf zu leiten, wo er Wasser, die Bronzir-Flüßigkeiten u. d. gl. hizt. Der Dampf wird auch unten benüzt, indem man ihn durch bohle Körper, wie Argand'sche Lampen, Säulen für Gas-Lampen-Röhren etc. laufen läßt, um sie gleichförmig in Zeit von einer Minute zu erhizen, damit man sie lakiren kann, was auch der Hauptzwek des Hrn. Callahan bei dieser Vorrichtung gewesen ist, obschon er nebenher dabei auch den Vortheil hat, immer eine hinlängliche Menge heißen und siedenden Wassers bei der Hand zu haben, z.B. bei dem Beizen seiner Messing-Arbeiten in Scheidewasser, wobei die Arbeit abwechselnd zuerst in Säure, dann in kaltes Wasser so lang getaucht wird, bis die gehörige Wirkung dadurch hervorgebracht wird. Er findet es jedoch gut, die gebeizten Stüke am Ende der Arbeit in heißes Wasser zu tauchen, damit sie bei dem Abtroknen in |12| den Sägespänen schnell troken werden, und bei dem Lakiren keine Fleken bekommen, oder matt werden, was bei den gegenwärtigen Messing-Arbeiten, in welchen England mit den Arbeiten der Franzosen in sogenanntem Mahlergolde (or moulu) wetteifert, jezt nothwendig geworden ist.

Hrn. Callahan's Schmiedeherd weicht nicht sehr von den gewöhnlichen Herden dieser Art ab: sein Verdienst besteht vorzüglich in seiner Verbindung mit einem Dampfkessel. Man wird in den Figuren bemerken, daß die Gußeisenplatte des Herdes gleich hoch mit den Roststangen unter dem Kessel liegt; daß die Kohlen zum Theile in der Pfanne aus geschlagenem Eisen, zum Theile auf der Gußeisenplatte des Schmiedeherdesliegen, und seitwärts durch zwei bewegliche Baken aus geschlagenem Eisen zusammengehalten werden. Man wird sehen, daß eine eiserne Register-Platte vorne an dem Ende des Dampfkessels an einem Gegengewichte hängt, und mehr oder minder den unter dem Kessel zum Ofen leitenden Zug öffnen oder schließen kann. Ein Thürchen führt zur Aschengrube unten, und ein anderes ist oben im Zuge des Schornsteines unter dem Hute der Schmiede angebracht. Die Röhre, die von dem Blasebalge herabsteigt (der über dem Hute angebracht ist, so daß er in der Schmiede nicht im Wege steht), läuft nicht in die Pfanne des Schmiede-Herdes, oder der Esse, sondern ist dem Loche der Pfanne, durch welches der Wind in das Feuer eintritt, gegenüber angebracht, und läßt einen Raum von einem halben Zoll zwischen dem Ende der Röhre des Blasebalges und der Pfanne oder Esse, so daß, wenn die leztere sehr geheizt wird, wie z.B. wenn man Messing in einem Tiegel in derselben schmelzen soll, um kleinere Artikel aus Sandmodeln auszugießen, Schlagloch zu bereiten etc. die Röhre des Blasebalges nicht im Mindesten leidet. Hr. Callahan fand, daß auf diese Weise Gas-Coke, ein Feuer-Material, das schwer zu unterhalten ist, wenn es Morgens angezündet wird, häufig noch den ganzen Tag fortbrennt, und lediglich von der Luft, die horizontal durch dasselbe in den Schornstein streicht, unterhalten wird. Wenn die Thüre des Aschenloches dann geschlossen gehalten, und die Register-Platte auf die Fläche der Cokes herabgelassen wird, so bleibt das Wasser in dem Kessel beständig gehizt, da die heiße Luft frei unter und ringsum denselben herumzieht. Wenn man den Dampf in dem Kessel |13| zu irgend einer Zeit auf den gehörigen Grad von Hize bringen will, so darf man das Feuer bloß dadurch anregen, daß man die obere Thüre schließt, oder, wenn eine größere Kraft des Dampfes nöthig ist, darf man nur etwas brennende Cokes unter den Kessel schieben, und die Aschenthüre öffen, so wird der Dampf bald einen außerordentlichen Grad von Stärke erhalten. Sobald er seinen Dienst verrichtet hat, wird das Feuer wieder unter dem Kessel hervorgezogen, die Aschenthüre geschlossen, die Thüre unter dem Hute geöffnet, und die Register-Platte, wie vorher, gestellt; wo dann das Feuer fortwährend, wie gewöhnlich, sanft fortbrennt, jeden Augenblik zum Dienste bereit ist, und nur eine sehr geringe Ausgabe veranläßt, wenn man sie mit jener für anderes Feuermaterial, z.B. für Holzkohlen, vergleicht. Dieses Feuer, wenn es mit Blasebälgen angefacht wird, wirkt außerordentlich stark, und zeichnet sich durch die Dichtheit und Reinlichkeit des Brenn-Materiales aus, da dieses keine Flamme gibt, und frei von allem Schwefel ist: es dient vorzüglich gut zum Löthen, besonders da es unter dem daraufgelegten Artikel nicht nachgibt, wie dieß bei den Holzkohlen der Fall ist.

Bei dem Lakiren dichter Körper bediente Hr. Callahan sich ehevor des gewöhnlichen Lakir-Ofens, der aus einer auf dem Feuerherde aufgelegten Gußeisenplatte, und aus Baksteinen gemauerten Zügen besteht. Außer dem, daß dieser Ofen, wenn er geheizt werden soll, große Auslagen für Brenn-Material fordert, muß man auch noch lang warten, bis das Feuer gehörig brennt, da es öfters ausgeht, und nicht so frei vor Augen liegt, wie das Feuer auf dem Schmiedeherde. Er legt gegenwärtig nur eine Platte aus Gußeisen über das Feuer in der Esse, die er auf zwei eisernen Baken ruhen läßt, und erhält dadurch mittelst der Blasebälge in kurzer Zeit die gehörige Hize. Das Feuer ist immer zum Löthen seiner Waaren bei der Hand, die Löthlöffel sind im Feuer etc. Mit einem Worte, er dankt alle Bequemlichkeit bei seinen Arbeiten diesem Ofen.

Das Thürchen, welches oben unter dem Hute in den Zug des Schornsteines führt, dient zur Ableitung aller schädlichen Dämpfe von der Esse in den Schornstein, und reinigt die Luft in der Werkstätte. Wir haben bemerkt, daß Hr. Callahan seine Arbeiten aus gutem Grunde in einem oberen Zimmer |14| beizt und bronzirt, welches gleichfalls gehörig gelüftet ist, um alles salpetrige Gas und alle sauren Dämpfe frei in die Luft entweichen zu lassen; während dort, wo, wie gewöhnlich, in dem untersten Stokwerke gebeizt wird, zum Verderben der Arbeit und mit Belästigung der Arbeiter, diese Dämpfe aufsteigen, und sich in der Werkstätte verbreiten. Durch Leitung des Dampfes in die oberen Stokwerke kann er sich daselbst leicht warmes Wasser verschaffen, und auch seine Bronzir-Flüßigkeiten hizen. Das Gefäß mit kaltem Wasser, aus welchem der Dampfkessel gefüllt wird, befindet sich gleichfalls in dem oberen Gemache.

Erklärung der Zeichnung.

Tab. II. Fig. 24. zeigt den Schmiedeherd oder die Esse und den Kessel von vorne, und Fig. 25. im Durchschnitte oder von der Seite. a, ist die Platte aus Gußeisen vorne mit einem aufsteigenden Rande. b, ist die Pfanne oder Esse aus geschlagenem Eisen, c, die Röhre, welche die Luft aus den Blasebälgen herbeiführt. d, die Oeffnung an der Seite der Esse, durch welche der Wind eingelassen wird, e, der Hut der Schmiede, wie gewöhnlich auf einer flachen gekrümmten Eisenstange gebaut, deren Ende in die Mauern eingelassen sind; sie wird überdieß noch von einer eisernen Stange gestüzt, welche oben an einem Balken aufgehängt oder befestigt ist, durch die flache Eisenstange durchläuft, und mittelst einer Schraube und eines Nietes an derselben befestigt wird. f, ist die untere Thüre, die zu dem Aschenloche des Ofens g, führt, h, ist die obere Thüre unter dem Hute, hier durch punctirte Linien angedeutet. i, in Fig. 25. sind die Roststangen des Ofens, gleich hoch gestellt mit der Platte des Schmiede-Ofens a. j, ist der Ofen; k, der Kessel, der auf den beiden Seitenmauern des Ofens ruht: sein hinteres Ende nähert sich bis auf zwei und einen halben Zoll dem Hinteren Theile des Zuges in dem Schornsteine, l. m, ist eine eiserne Platte mit einem Ausschnitte, in welchen das Ende und ein Theil der Seiten des Kessels genau paßt. Sie nöthigt die erhizte Luft, da sie in die Endwand und in die Seitenwände des Ofens eingelassen ist, nachdem diese unter dem Kessel durchgegangen und bis an das Ende desselben hinaufgestiegen ist, wieder auf jeder Seite zurükzukehren, und oben über dem Kessel in den Schornstein zu entweichen: es ist hier nämlich eine Oeffnung zwischen der Platte, m, und der eisernen Platte, n, gelassen, |15| die die Vorderseite des Zuges genau schließt, und zugleich genau auf den oberen Theil des Kessels paßt. Der Zug hält neun Zoll in der Tiefe, und ist vierzehn Zoll weit, und da der Kessel vierzehn Zoll lang, und 8 Zoll breit und tief ist, so steht er nach vorne um zwei und einen halben Zoll vor, um eben so viel, als er von der Hinterwand des Zuges absteht: die Züge zu jeder Seite desselben sind drei Zoll weit.

Die Mauer steht vorne zu jeder Seite so weit hervor, daß sie dem Ende des Kessels gleich kommt, jedoch eine Höhlung über dem Hauptloche läßt, um die Dampf- und Wasserröhren zuzulassen. Eine flache eiserne Register-Platte, o, ist an einer Kette aufgehängt, die über zwei Rollen läuft, und mit einem Gegengewichte versehen ist, p, welches an dem anderen Ende der Kette hängt, und so schiebt sich die Platte in Berührung mit dem Vordertheile des Kessels und den Endmauern auf und nieder, und reguliert den Durchgang der erhizten Luft unter demselben, und zum Theile um und über den Kessel. q, ist die Röhre, welche das Wasser oben von dem Behälter herableitet zu dem Speiser des Kessels: sie ist mit einem Sperrhahne, r, versehen. s, ist die Röhre, welche den Dampf nach aufwärts leitet. Sie ist bei t, mit der Haupt-Dampfröhre, u, verbunden, und hat eine gekrümmte Röhre v. unter ihr, um alles Wasser und Flüßige, und alle Säure aufzunehmen, die allenfalls von oben Herabkommen könnte, wenn sich zufällig theilweise ein leerer Raum in dem Kessel bildet; sie läßt dieselbe bei ihrem Ende ausstießen. W, ist ein Sperrhahn in der Hauptdampfröhre, und x, eine daran eingefügte gekrümmte Röhre, die jede erforderliche Lage annimmt, wie die Sprizröhre an einer Feuermaschine: diese Beweglichkeit erhält sie durch Drehung der dampfdichten Gefüge, yy. Diese Röhre ist es, welche, wenn der Sperrhahn z, geöffnet wird, den Dampf durch irgend einen der hohlen Körper durch fahren läßt, welche vor dem Lakiren erhizt werden müssen. 1, ist die Aichröhre zur Bestimmung, ob die gehörige Menge Wassers in dem Dampfkessel enthalten ist. 2, ist eine Röhre, um nöthigen Falles, heißes Wasser aus dem Kessel abfließen zu lassen. 3, ist der Theil, welcher die Röhre, die das Wasser zuführt, mit dem Kessel verbindet. Dieser Theil ist mit dem abgeänderten Franklin'schen Speiser, und mit anderen Theilen, in Fig. 26 und 27. in vergrößertem Maßstabe besonders |16| dargestellt. q, ist die Wasserröhre, verbunden durch das Verbindungs-Gelenk, 4, mit dem Theile, 3. 5. in Figur 26. ist eine beladene kegelförmige Klappe (hier durch punctirte Linien angedeutet), so daß der breitere Theil des Kegels oben steht. An dieser Klappe befindet sich ein Draht-Stängelchen, das durch die Röhre, 6, niedersteigt, und dessen Ende unten über dem Boden dieser Röhre etwas hervorsteht. 7, ist ein gabelförmiger Hebel, welcher an dem Arme, 8, hängt, der an der unteren Seite der Platte oder des Dekels des Hauptloches, 9, befestigt ist. Von den beiden Seiten der Gabel steigen die Stangen, 10, 10, unter den Boden der Röhre, 6, hinab, und führen eine flache Platte, 11, die zwischen denselben aufgehängt ist, und mit dem Klappendrahte zusammentrifft. Dadurch wird die Klappe gehoben, sobald es nothwendig wird neues Wasser in den Kessel nachzuschütten, was man daran erkennt, daß der hohle kupferne Schwimmer, 12, der an dem Ende des gabelförmigen Hebels, 7, hängt, durch das Sinken des Wassers in dem Kessel niedergedrükt wird; wo dann unmittelbar das kürzere Ende, sammt den daran befestigten Stangen und der Platte, in die Höhe steigt, und die Klappe, 5, aus ihrer Lage hebt, wodurch dann das Wasser solang in den Kessel zustießen kann, bis es die gehörige Höhe erreicht hat, und dann die Klappe wieder schließt. 13, ist ein Gegengewicht an einem Arme, der von einer der Gabeln des Hebels, 7, ausläuft, und zwar an dem entgegengesezten Ende des Hebels: dadurch wird der Schwimmer auf der Oberfläche des Wassers schwebend erhalten. Alle diese Theile gehen leicht durch das Hauptloch des Kessels. Außer der Platte, 11, führen die Stangen, 10, 10, gleichfalls noch einen Ring, 14, der die Röhre, 6, umfaßt, und zur Leitung der Bewegungen derselben auf- und abwärts führt. 15, ist das Verbindungs-Stük für die Haupt-Dampfröhre, u, welche mittelst des Vereinigungsstükes, 16, damit verbunden wird. Oben ist die beladene Druk- oder Sicherheitsklappe, 17; die Stange der kegelförmigen Klappe wird durch ein Loch in dem Mittelpuncte der Kreuzstange, unter dem Size der Klappe, wie gewöhnlich, durchgeführt. 18, ist die Klappe für das Vacuum: der Kegel derselben wird nach unten weiter; sie wird durch ein Gegengewicht, 19, in ihrer Lage erhalten, das durch eine Stellschraube, 20, auf einem Ende des Hebels, 21, befestigt |17| ist, der sich um einen kleinen Pfeiler, 22, als um seine Unterlage dreht: dieser Pfeiler steht oben auf dem Dekel des Kessels, 9. Der kupferne Schwimmer, 12, besteht aus einem kurzen Cylinder, mit zwei verkehrt sphärischen Enden, welchen Hr. Callahan dem gewöhnlichen Marmorbloke in den Kesseln der Dampfmaschinen vorzieht.

Nach dieser Figur und Beschreibung wird sich wahrscheinlich eine ähnliche Vorrichtung leicht nachmachen lassen. Es ist wirklich merkwürdig zu sehen, wie schnell, wenn die Kohlen unter den Kessel gebracht werden, und die Luft durch das Feuer von unten durchgelassen wird, bloß durch diesen Zug, wenn man die beiden Thüren schließt (da der senkrechte Zug an 10 Fuß hoch ist), das immer heiß gehaltene Wasser zu kochen anfängt, und Dampf entwikelt. Wenn man die Arbeit unterbrechen will, öffnet man bloß die obere Thüre, und das Feuer verliert auf der Stelle seine Kraft, bis man es neuerdings wekt.

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