Titel: Kent's, Vergleichung der Vortheile der Ochsen und Pferde als Zugthiere.
Autor: Kent, Nathaniel
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. XIII. (S. 57–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/ar019013

XIII. Vergleichung der Vortheile der Ochsen und Pferde, als Zugthiere in der Landwirtschaft; nach Erfahrungen auf dem königl. Landgute zu Windsor. Von Nathaniel Kent, Esqu.

Aus den Transactions of the Society for the Encouragement of Arts etc. v. XVII. (Im Auszuge, nebst einigen Betrachtungen, wie dem geringen Ertrage und Werthe der Landgüter gegenwärtig aufzuhelfen ist, von dem Uebersezer.)

Hr. Gill fand in seinem technical Repository, Octob. 1825, S. 211, es der Mühe werth, seinen Landsleuten einige alte |58| Bemerkungen wieder zu Gemüthe zu führen, die Hr. Nathaniel Kent, als damahliger Intendant des großen Parkes zu Windsor (Windsor Great Park), bereits im Jahre 1798 der Society of Arts mittheilte. Wenn das englische Publicum zuweilen nöthig zu haben scheint, erinnert zu werden, daß man über dem Neuen, das man lernt, das Alte, das man bereits gelernt hat, nicht vergessen darf; so gilt dieß wohl auch von dem unsrigen. In Baiern besonders verdient der Landwirth auf die Vorzüge der Ochsen vor den Pferden, als Zugthiere in der Landwirthschaft aufmerksam gemacht zu werden, da beinahe in keinem anderen Lande Europens, Frankreich allein ausgenommen, die Viehzucht so sehr vernachläßigt ist, als in Baiern, das jährlich für beinahe eine halbe Million Rinder aus dem Auslande holt, während es für Millionen in das Ausland austreiben könnte. Es gibt Landwirthe in Baiern, die sich schämen, ihre Felder mit Ochsen zu bestellen, und wir sahen Bauernknechte in Baiern ihre Dienste, bei sehr wohlhabenden Landwirthen, die ihr Gesinde mit väterlicher Güte behandelten, bloß aus dem Grunde versagen, weil sie mit Ochsen hätten arbeiten sollen. Wenn der König von England, der König des reichsten Volkes der Erde, es nicht unter seiner Würde hält, seine Landgüter mit Ochsen zu bestellen; soll ein Bauer in Deutschland sich entehrt finden, das königliche Beispiel nachzuahmen?

Wir wollen hier eine kurze Skizze der ökonomischen Geschichte des königl. Parkes zu Windsor und der Verwaltung desselben liefern. Der König gelangte im Jahre 1791 zu dem Besize der 4000 Tagwerke, (Acres, ein Acre 1200 Wien. □ Kl.), aus welchem dieser Wald bestand. Der Boden war verschieden, theils thonig und lehmig, theils rauher oder unfruchtbarer Sand: ein großer Theil des ersteren war mit Binsen und Maulwurfshügeln, lezterer mit Farnkräutern und Moos bedekt.

Ungefähr 1000 Tagwerke des lichtesten Theiles wurden zu einem Oekonomie-Gute (Norfolk farm) abgeschieden, das nach Norfolker Wirthschaft betrieben werden sollte, und 400 Tagwerke an dem entgegengesezten Ende mit gutem Lehmboden gaben ein anderes Gütchen (Flemish-Farm), welches auf Flamänder-Art bewirthschaftet werden sollte.

Der Ueberrest war zu Anlagen und zu einem Park bestimmt, trägt aber jezt bei den vorgenommenen Verbesserungen mehr, als ehevor alle 4000 Tagwerke zusammengenommen nicht |59| ertragen hatten. Alle nassen ungesunden Stellen wurden nach Essexer-Art mittelst Abzuggräben troken gelegt, so daß sie jezt gutes Gras geben. Die Maulwurfshügel wurden vorzüglich mit der Truhe, geebnet, und die bemoosten Stellen durch wiederholtes Egen und Walzen hergerichtet. Nebenher wurde auch auf dasjenige, was die Schönheit des Parkes an und für sich in Anspruch nahm, alle nöthige Aufmerksamkeit getragen, ohne jedoch die gehörige Rüksicht auf Schonung des Holzes auch nur im Mindesten zu vernachläßigen: es wurde kein Baum umsonst umgehauen.

Der Zwek, den der König bei Errichtung dieser beiden Landwirthschaften in dem ehemahligen öden Walde hatte, war den fleißigen Armen in der Nachbarschaft Gelegenheit zu Verdienst durch Arbeit zu verschaffen, ökonomische Versuche anzustellen, und dadurch, für den Fall des Gelingens, zur Nachahmung im Königreiche zu reizen.

Man hielt bisher die Gründe des Norfolkfarm, vorzüglich auf der großen öden Streke von Bagshot-heath, für zu unfruchtbar, als daß man sie mit Vortheil urbar machen könnte, obschon ähnliche Gründe im südwestlichen Theile von Norfolk seit langer Zeit mit Vortheil bebaut worden sind. Das Akerland wird daselbst gewöhnlich in fünfjährigem Wechsel bestellt: zuerst Weizen, dann Turnips, drittens, Gerste, und diese auch in den beiden nächst folgenden Jahren. Da aber die Gerste in den beiden lezteren Jahren wenig Ertrag gibt, so wird auf dem k. Gute Norfolkfarm der fünfjährige Wechsel (ein Wechsel zu 100 Tagwerken), auf folgende Weise betrieben. Im 1) Jahre Weizen oder Roken; 2) unregelmäßiger Wechsel; 3) Turnips; 4) Gerste oder Haber; 5) Klee. Der unregelmäßige Wechsel, der bei leichtem Boden so nüzlich ist, ist theils als Ertrag, und theils zur Vorbereitung bestimmt. 40 Tagwerke werden nach demselben mit Wiken zum Abweiden bestimmt; 40 andere werden Ende Augusts mit Roken, als Frühlings-Futter für Mutterschafe und Lämmer, bestellt; die übrigen 20 Tagwerke werden mit Erdäpfel bestellt, und im nächsten Jahre kommen alle 100 für Turnips.

Da die Schafe hier in den Park gelassen werden können, so kam dieses Gut in kurzer Zeit zum Erstaunen vorwärts: ein großer Theil desselben, der ehevor nichts als Moos und Heide war, und kaum 5 Shillings das Tagwerk getragen haben würde, |60| trägt jezt mehr als der ehemahlige Pachtpreis des ganzen Parkes.

„Die seit einiger Zeit so sehr in Betrachtung gezogene Frage: ob Ochsen oder Pferde in der Landwirthschaft als Zugthiere, nüzlicher sind? hat der König unstreitig in einem größeren Maßstabe zu lösen versucht, als irgend Jemand. Er hält auf seinen Gütchen, Gärten und Parks nicht weniger als 90 Paar Ochsen, und fand sie so vortheilhaft, daß er auch nicht ein einziges Pferd mehr an demselben hält. Auf den obengenannten beiden Gütern allein werden mit Einschluß der Zugehenden und Abgehenden, 200 Ochsen gehalten. Vierzig werden jedes Jahr neu angekauft, und bleiben, bis sie drei Jahre alt werden, im Park als Ersaz-Ochsen (Succession-Ochsen); hundert und zwanzig sind beständig im Zuge, und vierzig werden jedes Jahr, nachdem sie sieben Jahre alt geworden sind, ausgemästet.“

„Die Zug-Ochsen werden gewöhnlich zu sechs auf ein Joch gerechnet: jeden Tag bekommt ein anderer Ochs des Gespannes Rasttag, so daß jeder Ochs nur fünf Tage in der Woche arbeitet. Dieser Ruhetag neben dem Sonntage bekommt dem Ochsen sehr wohl, indem man gefunden hat, daß er sich bei mäßiger Arbeit und bei gewöhnlicher Kost besser befindet, als bei reichlicherem Futter und härterer Arbeit. Das ist das erste Geheimniß, daß man bei Ochsenwirthschaft zu lernen hat: denn Ochsen kann man nicht wie Pferde halten, die bei stärkerem Futter auch stärker arbeiten können.21)

„Man erlaubt den Ochsen niemahls irgend eine Getreideart als Futter, indem dadurch die spätere Mästung erschwert werden würde. Im Sommer erhalten sie nur einige Wiken als Lekerbissen, und das Gras von harten Wiesen (sogenannten Leasows) oder Waldwiesen. Im Winter bekommen sie bloß Häksel aus zwei Drittel Heu, und einem Drittel Weizen-Stroh. In 24 Stunden fressen sie ungefähr 24 Pfund Heu und 12 Pfund Stroh. An ihren Ruhetagen streichen sie nach Belieben in dem Hofe umher, denn sie sind nicht in heißen Ställen eingeschlossen, sondern haben offene Städel, in |61| welchen sie ihre Portionen verzehren, und können nach Belieben in denselben ein- und ausgehen.22) Bei dieser Behandlung läßt sich nicht zweifeln, daß, da vier Ochsen gewöhnlich in Einem Tage mit Einem Tagwerke fertig werden, und verhältnißmäßig noch andere Nebenarbeiten verrichten, sie weit nüzlicher sind, als Pferde.“

„Die Ersaz-Ochsen laufen im ersten Jahre im Sommer im Parke umher, und im Winter sind sie in den Leasows und in Pferchen, die bald dort bald da angelegt werden, damit ihr Dünger immer so nahe, als möglich, an den Ort kommt, wo man denselben braucht.“

„Die vierzig Ochsen, welche abgehen, werden auf der besten Weide übersommert, und im folgenden Winter mit Turnips ausgemästet. Die gewöhnliche Weise dieser Mästung ist, daß man die Turnips auszieht, und sie den Ochsen entweder im Stalle, oder in Krippen in dem Hofe verfüttert: Stroh bekommen sie im Ueberfluße zu kauen, und darauf zu liegen. Im vorigen Winter machte man einen Versuch, der sehr gut ausfiel, und diesen Winter wiederholt werden soll. Er bestand darin, daß man die Ochsen den Tag über auf dem Turnips-Felde, wie Schafe, pferchte, nur mit dem Unterschiede, daß man ihnen die Turnips in Krippen vorlegte, damit sie dieselben nicht eintreten: Nachts wurden sie in eine Art von Stadel getrieben, der wieder leicht abgebrochen werden konnte, und wo sie eine gute Streu von Binsen, Farnkräutern und Laub fanden; in die Krippe wurde ihnen Gerstenstroh mit Turnips aufgestekt. Sie nahmen sehr schnell zu, und jeder Ochs machte wenigstens acht Fuhren guten Mist in diesem Nachtquartiere, den Dünger ungerechnet, den er des Tages über auf dem Felde ließ, welches, da der Boden sehr leicht war, sehr viel dadurch gewann. Das Resultat dieses Ochsen-Systemes ist, daß, nach Abzug der Auffütterungs-Kosten im ersten Jahre, und des Werthes des Grases, und der Turnips im lezten Jahre, (das Futter während der drei Zwischenjahre als Aequivalent der Arbeit gehörig in Anschlag gebracht), alle Unfälle mit eingerechnet, |62| jeder Ochs jährlich wenigstens 20 p. C. Profit gibt. Wo hat man jemahls solchen Gewinn bei einem Pferde?“

„Ich werde nicht behaupten, daß man auf allen Arten von Boden Ochsen brauchen kann; auf sehr steinigen Gründen ist dieß durchaus unmöglich;23) auch kann man nicht auf jedem Gute der Pferde gänzlich entbehren: jeder größere Güter-Besizer wird aber wenigstens mehrere Joche Ochsen mit Vortheil bei seiner Wirthschaft verwenden können. Zu Windsor werden alle Ochsen mit Kummten eingespannt, indem man gefunden hat, daß ihr Schritt dabei freier bleibt, als wenn sie unter das Joch paarweise gespannt werden. Sie arbeiten viel leichter im Kummte, als im Joche, welches man überall verbannen sollte.“ 24)

„Man verwendet die verschiedenen Raçen von Ochsen nach den verschiedenen Arten des Bodens. Auf dem Gute Norfolkfarm, wo der Boden leicht ist, braucht man den Schlag von Devonshire; auf dem Flemishfarm, wo der Boden schwer ist, braucht man die Herefordshire Raçe; im Parke selbst, wo man sie bloß zum Karrenziehen, Egen, und Walzen verwendet, den Glamorganshire Schlag. So dient jede Raçe auf dem ihr angemessenen Boden trefflich.“

„Es ist vielleicht hier nicht überflüßig einer sehr einfachen Methode zu erwähnen, deren man sich mit vielem Vortheile bedient, um die Ochsen an das Kummt zu gewöhnen. Man legt ihnen nämlich anfangs bloß einen breiten Streifen Leder um den Naken, und bindet einen Strik daran, an dessen |63| hinterem Ende man einen schweren Holzkloz befestigt. Damit läßt man den Ochsen auf die Weide, und läßt ihn auf derselben den Kloz nachschleppen. Drei oder vier Tage darauf legt man ihm das Kummt an, und er hat gelernt, dasselbe ruhig zu ertragen.“

„Ich habe oben gesagt, daß man den Ertrag eines Ochsen im Durchschnitte zu 20 p. C. annehmen darf. Wenn man annimmt, daß ein Ochs um 10 Pfund Sterl. (120 fl.) gekauft, und um 25 Pfund Sterl. (300 fl.) verkauft wird, und 10 Pf. Sterl. für das Futter in den beiden Jahren davon abzieht, so ist der Beweis klar genug. Im vorigen Jahre, wo die Saubohnen sehr wohlfeil waren, hielt man die Ochsen etwas länger, und fütterte sie im Stalle mit Bohnen-Mehl, was ihnen sehr gut anschlug, indem man sie dadurch im Durchschnitte auf beinahe 30 Pfund Sterl. (360 fl.) brachte. Ein Glamorgan-Ochs, den man um 8 Pfund kaufte (96 fl.), und den man wegen seines gedrängten runden Baues immer den kleinen Ochsen nannte, gedieh bei diesem Futter so gut, daß er zu fett ward, um ihn nach Smithfield treiben zu können. Er wurde daher einem Mezger in der Nachbarschaft um 47 Pfd. (564 fl.) verkauft.“

Auch die Schafzucht wurde auf diesen k. Gütchen nicht vernachläßigt. „Man hielt zwei Herden Mutterschaft, jede von 400 Stüken. Da der Boden leicht und troken ist, so konnten sie auch, außer bei nassem Wetter, im Winter auf dem jungen Klee gepfercht werden: ein Verfahren, das sehr zu empfehlen ist, indem man dadurch eine reiche Klee-Ernte erhält, und den Aker für den nächsten Herbst zur Weizensaat ohne alle andere Beihülfe vorbereitet. Ein anderes treffliches Verfahren ist auch dieses, auf leichten Boden, bei trokener Witterung, auf der Weizensaat unmittelbar zu pferchen, und in dieser Hinsicht, nach Umständen, um 14 Tage oder 3 Wochen früher oder später zu säen. Man hält die Pferche etwas größer, und treibt die Schafe am Morgen ein paar Mahl um die Pferche, ehe man sie ausläßt, damit sie den Boden niedertreten und festmachen, was demselben, außer dem Vortheile, den er durch ihren Dünger erhält, sehr gut bekommt.“

„Eine andere Weise zu pferchen, fand man beinahe über alle Beschreibung gut. Sie wurde zuerst im Jahre 1793 versucht; da der Schäfer aber sich einbildete, daß die Schafe dadurch litten, ward sie aufgegeben: es ist indessen kein Grund |64| für diese Meinung vorhanden, und man wird diese Methode im nächsten Winter wieder versuchen.“

„Man wählt einen trokenen geschüzten Flek, und schlägt Schollen von einem Neubruche, oder einem noch nie umgepflügten Boden, einen Fuß hoch auf einer Streke auf, die weit genug ist, um eine sehr große Pferche zu bilden. Diesen Flek bestreut man dünn mit Binsen, Baumblättern, Farnkräutern, Moos, kurzem Strohe oder Stoppeln, und wenn die Witterung rauh oder naß ist, treibt man die Herde, statt sie frei auf dem offenen Kleefelde zu halten, in diese wärmere Pferche, wo sie die gewöhnliche Menge Heues aus der Krippe erhält. Jede Nacht, in welcher die Schafe so gepfercht werden, erhalten sie frische Streu in der Pferche. Nachdem man auf diese Weise einige Zeit fortgefahren hat, werden, während des Winters, von Zeit zu Zeit, einen halben Schuh hoch Lagen von Kalk, Kreide, Bauschutt oder Asche auf dem ganzen Fleke aufgefahren, und nachdem sich diese Mischung gehörig erhizte, wird, ungefähr im April, der ganze Boden aufgegraben und durch einander gemengt, was den besten Dünger für Turnips gibt.“

„Ich habe diese Methoden zu Pferchen deßwegen so genau beschrieben, weil sie nicht überall gekannt sind, und Besizern von Parks und größeren Anlagen, wo man Baumblätter genug hat, sehr nüzlich werden können.“

„Da auf dem Norfolkfarm der Boden noch nicht mit Mergel oder Thon verbessert wurde, so mißräth der Klee zuweilen, wie dieß auch auf anderem ähnlichen Boden der Fall ist. In diesem Falle thut unser König, was jeder andere unter gleichen Umständen gleichfalls thun sollte: statt das Feld ohne Ertrag zu lassen, bestellt er es im folgenden Jahre mit Wiken, die beinahe eben soviel Ertrag geben, als Klee, und auf die der Weizen sehr freudig nachwächst.“

Man bedient sich hier des auf leichtem Boden jedem anderen vorzuziehenden, Norfolk-Pfluges, der eine reinere Furche zieht, besser stürzt als jeder andere, und der sich beinahe um einen ganzen Ochsen leichter zieht. Auch die Norfolk Ege wird hier, vorzüglich bei den sogenannten Bürsten-Turnips (brush turnips), und bei anderen Turnips-Arten, vor dem Harken desselben angewendet. Die Drill-Walze, deren man sich hier bedient, besteht aus Ringen von Gußeisen aus dem |65| Norwich-Gußhause, die auf einem runden Stüke Holz aufgezogen werden, das als Achse dient. Dieß ist eines der besten Werkzeuge zur Zubereitung eines Akers für jede Art von Getreide, wo der Boden die Anwendung gestattet. Das dadurch eingedrükte Korn wurzelt besser ein, und man erspart dadurch wenigstens ein Viertel an der Aussaat.

Flämishfarm, was auf flamändische Weise, d.h., in abwechselnden Ernten für Vieh und Menschen bewirthschaftet werden sollte, zeigte, bei dem Versuche, einen zu strengen und festen Boden, und man fand, daß vierfacher Wechsel, wie in einigen Gegenden von Gloucestershire, hier am besten thun würde; z.B. im ersten Jahre, Weizen; im zweiten Kraut oder Klee; im dritten Haber; im vierten Bohnen. Das Akerland auf diesem Gute beträgt 160 Tagwerke, also 40 Tagwerke für den Wechsel. Man nimmt den Bohnen hier den Gipfel, sobald die Blumen angesezt sind; dadurch werden die Früchte größer, häufiger, und früher reif: lezteres ist sehr wichtig, indem man dann in der Folge um 14 Tage früher Weizen bauen kann. Man baut ferner hier im Frühjahre in 20 Tagwerke oder in die Hälfte Weizen, Klee, egt ihn mit der Busch-Ege ein, und walzt ihn. Dadurch erhält man im nächsten Jahre eine schöne Klee-Ernte. Die andere Hälfte, nach dem Weizen, bleibt im Winter und Frühjahre brach, und wird dann mit Kraut bepflanzt. Dadurch erhält man den doppelten Vortheil, daß die Hälfte dieses Wechsels Sommer-, die andere Hälfte Winter-Ernte gibt. Wenn man im nächsten Jahre diese Theile wechselt, und Klee baut, wo ehevor das Kraut stand, kommt Klee und Kraut nur nach acht Jahren wieder auf denselben Boden. Man hat mehrere Jahre nach einander Kraut gebaut, hat es aber erst dieses Jahr recht bauen gelernt. Das großköpfige (trommelköpfige, drumheaded cabbage) ist das beste. Man säet es im August, sezt es im November aus, und verpflanzt es zum Gebrauche im Julius. Zur Mast steht es den Rüben nach; es gibt aber den Kühen, wie den Mutterschafen, mehr Milch, und verdient bei Milchwirthschaft, und wo man Schafe aufziehen will, gebaut zu werden. Hr. Kent schlägt vor, die Krautköpfe zu vierteln, sie über Wiesen zu streuen, die Dünger bedürfen, und auf diesen Wiesen selbst von den Mutterschafen fressen zu lassen.

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Obschon man dem eigentlichen Parke auf diese Weise viele Tagwerke entzog, so hält er doch eben so viel Wild, als zuvor, und der übrige Ertrag auf diesem Gütchen ist reiner Gewinn. Der Ertrag des auf den 140 Tagwerken gebauten Rokens und Weizens kann wenigstens auf 3360 Bushels25) geschäzt werden. Wenn man nun auf einen Menschen jährlich 6 Bushels rechnet, so finden jezt 560 Menschen hier ihr tägliches Brod: die 40 Mast-Ochsen, die Nachzucht von 800 Schafen, und wenigstens 5000 Bushel Haber, und Bohnen ungerechnet; „alles dieß ist bloß das Werk einer Ochsen-Wirthschaft.“

Der König hat auf diesen Gütchen auch eine Mühle für die Armen errichtet, die von reichen Güterbesizern nachgeahmt zu werden verdient. Sie wird von dem Abfall-Wasser des Teiches im Parke getrieben, und mahlt zwei Drittel Weizen und ein Drittel Roken für die armen Arbeitsleute auf diesen Gütern, die den Stein (14 Pfund) solchen Mehles zu 16 Pence (48 kr.) für sich und ihre Familie, also um wenigstens 20 p. C. wohlfeiler, als von den Mehlverkäufern, bekommen.“

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Es gab vielleicht keine Zeit, und es gibt vielleicht kein Land, wo dieses Beispiel eines guten Königes mehr Nachahmung verdient, als die Gegenwart in Bayern, wo der reichste Güterbesizer, wie der ärmste Bauer, beinahe stündlich, statt dem Himmel für die gesegneten Jahre zu danken, die er mit den Seinigen in einer Fülle von Lebensmitteln erlebt, in gotteslästerischem Undanke der ewigen Güte flucht. Möchte er lieber seine eigene Unwissenheit, seine Faulheit anklagen: denn der klügere, der thätigere Güterbesizer und Bauer wird in den fruchtbarsten Jahren, wie in den Fehljahren, stets in dem Verhältnisse mehr ernten, als sein Nachbar, als er klüger und thätiger, als derselbe ist.

Träfen die unheilvollen Nachtheile dieser Unwissenheit und dieser Trägheit nur einzelne Individuen, die sich dieselben zu Schulden kommen lassen, so könnte man sich darüber beruhigen: das Schrekenvolle bei diesem Unheile ist aber dieses, daß der Klügere und Thätigere dabei eben so sehr leiden muß, als der Unwissende und der Faule.

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Wir sprechen hier nicht von jener Unwissenheit in den ersten Grundsäzen einer gut eingerichteten Landwirthschaft; die Fruchtbarkeit des Bodens, die Güte des Himmels selbst, die Erbarmen mit den Schwachen im Geiste zu tragen scheint, macht sie, für den Augenblik, weniger fühlbar. Wir meynen jene Unwissenheit, in deren Folge allein man so thöricht seyn kann, nicht einzusehen: 1) daß Papier nie baares Geld ist; 2) daß Papier-Handel kein Handel, sondern ein Hazardspiel ist, in welchem jedes Mahl derjenige gewinnen muß, dem man Einsaz leistet; daß diejenigen, die dieses eben so schändliche, als einfältige, Spiel trieben, in den guten alten Zeiten unter ehrlichen Leuten, für unehrlich, für Stock-jobbers galten, die bald den Staat, bald das Publicum übervortheilen, je nachdem sie es in ihrem Interesse finden. 4) daß, durch dieses Spiel nicht bloß Staats- und Privat-Bankerotte entstehen müssen, sondern daß der Werth einer jeden Realität und selbst des baaren Geldes in dem Maße vermindert werden muß, als dieses Spiel gelingt; daß also, selbst in dem glüklichsten Falle, nur Unglük für das Land, Verderben und Untergang für Millionen aus diesem Spiele hervorgeht, während einige Duzende von Stock-jobbers den Wohlstand des ganzen Landes verschlingen. Das Traurigste, das Schmerzlichste in diesem Unglüke ist dieß, daß der nüchterne, der umsichtige, der fleißige Bürger, der verständig und thätig genug war, die Faro-Bank des Börsenspieles zu vermeiden, eben so gut mit in das Staats-Verderben hineingezogen wird, als die mit Staats-Papieren gegen das Interesse des Staates spielen, wie die Spieler selbst. Die täglich lauter, täglich schreiender werdenden Klagen, daß das Faro-Spiel mit Staats-Papieren dem Handel, der Industrie, dem Akerbaue alle Nervenkraft und alles Leben entzieht, sind weit mehr gegründet, als die ruchlosen Klagen über zu reichliche Ernten; sie sind leider, nur zu wahr, und nur zu allgemein gültig für den größten Theil der europäischen Staaten.

In unserem lieben Vaterlande Bayern leidet zwar der Handel nicht; denn Bayern hat keine Fugger, keine Welser mehr die Flotten in America besaßen, und Königreiche daselbst in Pacht nahmen; Nürnberg war von seiner Höhe lange vorher herabgesunken, ehe es Bayern's Lyon geworden ist: Bayern hat keinen Handel, so wie kein Staat in unseren Zeiten mehr Handel haben kann, der nicht Flotten besizt, und folglich seine |68| Bürger bei ihrem Frühstüke, wie bei ihrem Abend-Thee, und an jedem gefärbten Lappen, den sie an ihrem Leibe tragen, von den Kaufleuten, und öfters sogar von bloßen Krämern, in Seehafen abhängig sehen muß. Wer nicht Schiffsladungen oder wenigstens Tonnen kauft, um wieder Tonnen zu verkaufen; wer Tonnen Zentnerweise, oder gar Zentner pfundweise verkauft, der soll ja nicht glauben, daß er Kaufmann ist; er ist das, was man in Handels-Staaten einen Krämer nennt; er soll nicht vergessen, daß er nur von dem doppelten Schaden des Verkäufers und Käufers reich wird; daß er, mit einem Worte, nur ein nothwendiges Uebel für die Gesellschaft ist, und nur in sofern auf die Achtung seiner Mitbürger und den Dank seines Vaterlandes Anspruch hat, als er gewandt genug ist, dem ausländischen Verkäufer mehr abzugewinnen, als seinem Landsmanne, dem Käufer, und dadurch seinem Vaterlande, und folglich auch sich selbst jene Summen zu ersparen, die oft so einfältig in das Ausland hinausgeworfen werden. Handel könnte Bayern nur durch eine große Handels-Gesellschaft gewinnen, die im Oriente, in Ost- und West-Indien ihre Factoreien besäße, und ihre Augsburger- und Nürnberger-Fabricate daselbst gegen den leider unvermeidlich gewordenen Bedarf an Colonial-Waaren umtauschte. Dazu hat es aber bisher weniger an Geld, als an vaterländischem Geiste gefehlt: denn die „lausigen Paar Millionen“, wie Vater Max, der Allgeliebte, einst sagte: „Die hierzu nöthig sind, ließen sich wohl leicht zusammenbringen, wenn meine Krämer Handelsgeist und Vaterlandsliebe besäßen.“ Der sogenannte Handel im Inneren ist kein Handel; er ist Verkehr, und braucht, als solcher, keine Summen Geldes, sondern nur weise Maßregeln der Regierung.

Industrie wird und kann in Bayern, wie in allen Staaten, wo sie blühend geworden ist, (England und Frankreich seit den ältesten Zeiten, Oesterreich und Preußen unter Theresia und Friedrich,) lediglich nur durch Einfuhr-Verbothe jener Waaren gehoben werden, die man bei uns eben so gut verfertigen kann, als im Auslande. Erhöhung der Zölle taugt bekannten Erfahrungen zufolge, nichts; es gibt Gecken bei uns genug, denen irgend etwas bloß darum werth ist, weil es ausländisch ist, und die keinen Zoll scheuen. Man führe ja nicht das Beispiel Sachsens für freie Einfuhr an, und die Schweiz; |69| in diesen Ländern würde der Mensch buchstäblich verhungern müssen, wenn er sich nicht lieber halb zu Tode arbeiten will: der Magen ist die Dampfmaschine, die die zweifüßigen Spinn- und Webe-, und Klöppel- und Stik-Maschinen in der Schweiz, wie in Sachsen, treibt. Wir Bayern haben seit den Agilolfingern die Expansions-Kraft der Dämpfe in einem leeren Magen nie gefühlt, und arbeiten lieber mit der Faust am Pfluge oder am Schwerte, als mit den Fingern. Wer jemahls in Alt-Bayern, eine Fabrik anzulegen versuchte, der wird die Wahrheit dieser Bemerkung mit uns gefühlt haben. In Bayern können Fabriken nur durch Maschinen auf eine solche Weise bestehen, daß sie den Bedarf des Landes gegen die Einfuhr aus dem Auslande deken, und mit den Fabrikaten desselben, bei auch noch so sehr erhöhten Zöllen, Concurrenz halten können. Wenn in England der hohe Arbeitslohn Maschinen für Fabrikanten nöthig macht, so werden in Bayern Maschinen durch den Mangel an geschikten und arbeitslustigen Individuen unentbehrlich. Welcher Fabrikant des Auslandes, der in, oder vielmehr an, Bayern seinen Markt für seine Producte hat, wird so thöricht seyn, und seine Fabrik in dem blühenden Zustande, in welchem er sie durch unser Geld gegenwärtig gebracht hat, aufgeben, um bei uns die Errichtung einer neuen Fabrik zu wagen? Bei uns, wo jedem Ausländer der Markt so gut frei und offen steht, wie dem Inländer, der noch für seine Fabrik-Rechte schwere Abgaben bezahlt; wo, nach einem höchst mangelhaften Mauth-Tariffe, der Fabrikant für rohe Materialien, die er zur Verarbeitung inländischer roher Producte, z.B., Farbematerialien zum Färben inländischer Wolle, inländischer Leinwand braucht, eben so viel Mauth zahlen muß, und oft noch mehr, als für Einfuhr gleichen Gewichtes an ausländischem Tuche, ausländischer gefärbter Leinwand nicht auf der Mauth abgefordert wird! Würde heute Einfuhr ausländischer Tücher, Seidenzeuge etc. bei uns verbothen, so würden Duzende derjenigen Fabrikanten, die bisher für ihre Waaren bei uns ihren Haupt-Absaz fanden, sich mit ihren Fabriken niederlassen, und das Land würde nicht bloß das Geld, das jezt jährlich in das Ausland geht, innerhalb seiner Gränzen in Umlauf erhalten, sondern auch viele Familien fleißiger und geschikter Leute für seine Bevölkerung gewinnen: Bayern bedarf aber einer größeren Bevölkerung auf das Dringendste; denn es bildet |70| nichts, weniger, als den volkreichsten Staat im deutschen Bunde. Wer sich überzeugen will, wie sehr und wie schnell Waaren-Einfuhrverbothe Staaten, die vorher keine Fabriken hatten, und die lediglich von der Industrie des Auslandes abhiengen, zu Fabriken helfen, der werfe einen Blik auf Oesterreich, und sehe, was die Industrie in diesem Lande, wo sie weniger als Null gewesen ist, gegenwärtig geworden ist; der sehe, wie viele Fabriken Rußland seit dem Ukase, der fremde Waaren einzuführen verbiethet, seit dieser kurzen Zeit allein schon gewonnen hat. Und wer wird nicht tausend Mahl lieber Fabriken in Bayern, als in Rußland, errichten, wenn er dort eben so geschüzt wird, wie hier!

Was in Bayern, das keinen Handel besizt, dessen Industrie bei seinem gegenwärtigen Mauthsysteme mit jedem Tage in größern Verfall kömmt durch den unseligen Handel mit Papieren, durch die zahllose Menge von ausländischen Lotterie-Loosen, und durch so viele andere höchst verderbliche Anstalten, durch welche es, wo nicht kräftige Abhülfe geschieht, endlich noch um seinen lezten Häller gebracht werden muß, vorzüglich leidet, dieß sind die Güterbesizer; gleich viel, ob es Fürst oder Graf ist, oder ein armer Bauer mit einem Tagwerke. Der Werth der großen Güter, so wie einzelner kleiner Fleke von Grundstüken, ist seit einigen Jahren so sehr herabsunken, daß die Familien-Väter in der höheren Classe des Adels, wie in der niedrigsten der ärmsten Bauern, nur mit Schreken in die Zukunft sehen können. Bei wie vielen häufen sich nicht die Interessen der Schulden zur neuen Schuld, und was wird das Loos so vieler Güterbesizer werden, wann das Hypotheken-Gesez in Kraft tritt? Man schreibt dieses täglich tiefere Sinken des Werthes der Güter den geringen Kornpreisen zu, als den verkümmerten Interessen des Capital-Werthes der Güter. Daß dieses nicht der einzige, und bei weitem nicht der wichtigste, Grund ist, erhellt daraus, daß bloß der schlechte Curs die Staats-Papiere wohlfeil macht. Was macht aber den schlechten Curs? Lediglich der Umstand, daß viele Staats-Papiere zum Verkaufe dargebothen werden. Da nun gegenwärtig überall Güter um ein Spottgeld zu haben sind, so fallen die Güter desto mehr, je mehr deren zu haben sind. Diese Ursache ist gewiß nicht minder wichtig, als die geringen Kornpreise.

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Was aber das Unbegreifliche in der Thorheit unserer Zeiten ist, ist die Verblendung, mit welcher man Staats-Papiere kaufen kann, weil sie heute, um 1 p. C. wohlfeiler sind, als gestern, und Güter und liegende Gründe, die heute vielleicht um 3 p. C. wohlfeiler geworden sind, als gestern, nicht kaufen kann; da doch die Staats-Papiere, wie wir seit 30 Jahren an so vielen, vielen Staats-Papieren gesehen haben, am Ende auf die Hälfte, auf zwei Drittel, ja sogar auf ein Zehntel ihres ursprünglichen Werthes herabsinken können, während bei Gütern und liegenden Gründen dieß nimmermehr der Fall war, und nie seyn kann, vielmehr dieselben sich, alsbald wieder heben werden, und wieder heben müssen, so wie mehr Nachfrage nach denselben werden wird. Es ist fürwahr unbegreiflich, wie man lieber verlieren, lieber mit Gefahr einen Groschen, als mit Sicherheit einen Thaler gewinnen will.

Die Gefahr des Hazard-Spieles, mit welchem der Gewinn an Staats-Papieren verbunden ist, ist aber nicht die einzige Gefahr, die denjenigen droht, welche sich mit Staats-Papieren in Millionärs umwandelten und noch umwandeln wollen: es droht ihnen bei all ihren Schäzen, selbst dann, wann sie ihre Lumpen in Metall werden umgewandelt haben, eine andere, eine unvermeidliche Gefahr, von welcher sie jezt noch, im Taumel-Schlummer ihres vermeinten Glükes, sich nichts träumen zu lassen scheinen. Beschäftigt mit dem Gelde, oder vielmehr mit dem Papiere unserer Zeit, scheinen sie vergessen zu haben, was das Geld vor der Entdekung der Goldbergwerke in America war, und was es nach der Entdekung derselben geworden ist; sie ahnden folglich nicht, was es in wenigen Jahren, da diese Goldbergwerke jezt erst bergmännisch betrieben werden, und folglich wenigstens drei Mahl so viel, als ehevor, jährlich liefern werden, wird werden müssen; um so mehr wird werden müssen, als auch Sibirien jezt ein neues Mexico geworden ist, und die Welt in seinem gelben Meere ersäufen wird.

Der Werth des Geldes ist durch die jährlichen Ausbeuten an Gold und Silber, die aus America herüber geschleppt wurden, in 300 Jahren um nicht weniger als um das Zwanzigfältige gefallen. Der Taglöhner, der in Europa im Jahre 1492 noch für 6 Pfennige arbeitete, konnte im Jahre 1792 nur mehr für 8 Groschen Taglohn erhalten werden. Von |72| 1792 bis jezt ist, vorzüglich durch das imaginäre Geld, das Geld um die Hälfte seines vorigen Werthes gefallen: man zahlt jezt 36 kr. Taglohn, wo man im Jahre 1792 noch 24 kr. Taglohn bezahlte. Welche Perspective geht aus diesem Rükblike in die Vergangenheit bei den täglich mehr sich anhäufenden Bergen von Staats-Papieren, von Gold- und Silber-Barren für die Zukunft hervor? Diese: daß in 50 Jahren der Kreuzer kaum mehr zwei Pfennige werth seyn wird: daß also derjenige, der jezt seinen Söhnen eine Million hinterläßt, seinen Enkeln an derselben nur mehr eine halbe Million hinterlassen wird. Es ist durchaus falsch, daß das Gold bei den Reichen immer wächst: es wird immer weniger, je mehr es wird. Gold, gleichviel, ob geprägt oder in Barren, ist an und für sich nichts; es ist nur der Repräsentant des Werthes anderer Dinge, die in dem Maße mehr gewinnen, als dieser Repräsentant mehr verliert. Ein Gut, das im Jahre 1492 um 10,000 fl. gekauft wurde, ist jezt 200,000 fl. werth; eine Kiste Geldes mit 10,000 fl. vom Jahre 1492 würde aber, unberührt, jezt nur noch 10,000 fl., d.h. dasjenige verglichen, was man im Jahre 1492 dafür kaufen konnte, und was man jezt dafür kaufen kann, um 20 Mahl weniger geworden, folglich im reellen Werthe auf 500 fl. des reellen Werthes vom Jahre 1492 herabgegangen seyn. Wodurch sind die reichsten gegenwärtig in Europa existirenden Familien, die Northumberlands, die Esterhazys, die Lichtensteine, die Potocki, die überreichen rußischen Fürsten zu jenem soliden Reichthume gekommen, der denselben königliche Jahres-Einkünfte sichert; Einkünfte, die selbst die verheerendsten Kriege kaum schmälern konnten, und die mit jedem Jahre größer werden müssen, wie der Werth des Geldes fällt? Etwa dadurch, daß ihre Ahnherren Stock-jobberey trieben? Oder dadurch, daß sie weise genug waren, von Jahr zu Jahr, so wie es ihre Ersparnisse erlaubten, Güter zu kaufen, liegende Gründe zu kaufen, deren Werth in jedem Lande seit Jahrtausenden von einem Jahre zu dem anderen gestiegen ist? Wer immer bei Tonnen Goldes nur ein Qentchen Verstand hat, der wird, wo ihm anders das Wohl seiner Kinder und seiner Nachkommen lieb ist, eilen, denselben nicht Geld, dessen Werth immer fällt, sondern liegende Gründe zu hinterlassen, deren Werth immer und immer steigt. Eine Familie, die, im J. |73| 1492, 10,000 fl. Einkommen hatte, lebte damahls so gemächlich, wie eine Familie, die gegenwärtig 200,000 fl. jährliche Einnahme hat. Hätte sie diese 10,000 fl. Renten aber nur durch Geld allein, als die Interessen eines Geld-Capitales, das jährlich 10,000 fl. abwirft, so würde sie an diesen 10,000 Gulden des Jahres 1492 kaum mehr 500 fl. Einnahme im J. 1825 besizen. Warum dringt die Klerisey, von der Jedermann weiß, daß sie ihr Interesse kennt, und Haus zu halten nur zu gut versteht, überall so sehr auf liegende Gründe? Warum verschmäht sie die Tonnen Geldes, die man ihr darbiethet? Weil sie die Geschichte des Geldes besser kennt, als die, die damit Handel treiben.

Wenn der verderbliche Schwindel des Faro-Spieles mit den Staats-Papieren, diese Pest des gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustandes, endlich wieder aufgehört haben wird, sey es, daß die Spieler entweder durch ihren eigenen Verlust zu Verstande kommen, oder daß die Regierungen sich gezwungen sehen werden, Geseze gegen sie zu erlassen, wie gegen diejenigen, die ihres Verstandes beraubt sind, und ganze Staaten in die Gefahr des Unterganges stürzen; wenn das Geld, als Repräsentant der Realitäten, wieder seinen natürlichen Zug dorthin erhalten wird, wohin es seiner eigenen Natur nach bestimmt ist, „als Mittel zum Kaufe, nicht selbst als Waare, zu dienen“; dann wird, nach dem natürlichen Gange der Dinge, wie wir denselben aus den Annalen aller Jahrhunderte und aller Staaten kennen, zuerst der Akerbau erblühen, der die Basis jeder gediegenen Industrie (nicht der pilzartigen Luxus-Industrie) ist, und erst auf den unerschütterlichen Pfeilern des Akerbaues und einer für die Bedürfnisse des Landes berechneten Industrie kann ein Handels-System gegründet werden, das eben so unerschütterlich gegen die Stürme der Zeit dastehen wird, wie die Pfeiler, auf denen es ruht.

„Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brod essen.“ Dieß ist die Bestimmung des Menschen; nicht der Faro-Tisch an der Börse. Wer sich von dieser seiner Bestimmung entfernt, sey es als Individuum, oder als Masse, der stürzt sich und andere in einen Abgrund, aus welchem kein Engel ihn zu retten vermag. Arbeitsamkeit, und ihre Schwestern Tugend und Sittlichkeit, sind es allein, die Individuen, wie |74| ganze Staaten zu erhalten vermögen im Strome der Zeit, dessen Lauf der Verständige zu beachten weiß.

|60|

Hr. Kent hätte wohl den Grund dieses Geheimnisses angeben können, der im Magen des Ochsen liegt, welcher bekanntlich eines der ersten Mitglieder von Bacon's Academia ruminans ist.

A. d. Ueb.

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Dieß ist in unserm Klima und bei unseren Ochsen, die nicht eine so gentlemanlike Erziehung erhalten haben, unmöglich: indessen ist es gewiß, daß unsere Ställe in der Regel viel zu warm sind, und dadurch allein die Ursache vieler Krankheiten werden.

A. d. Ueb.

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In Deutschland hält man aber gerade dort mehr Ochsen, wo sie weniger Ertrag geben, z.B. in der steinreichen Pfalz, wo man sogar Kühe am Pfluge sieht. Dort läßt die Armuth und der undankbare Boden den fleißigen Landmann nie zur Wohlhabenheit gelangen; und in dem gesegneten Baiern, wo man meistens mit Pferden statt mit Ochsen pflügt, macht der Reichthum des Bodens den Bauer faul, und folglich ärmer, als er nicht seyn dürfte. A. d. Ueb.

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Wenn Hr. Kent das ungarische, oder das alt römische, Joch hier versteht, so hat er allerdings Recht. Man hat aber hier und da bei uns in Baiern eine Art, die Ochsen bei den Hörnern zu kriegen, die uns unter allen Arten, die Ochsen einzuspannen die zwekmäßigste und ein sehr praktischer Commentar zu dem alten anakreontischen Ausspruche: φυσις χερατα ταυροις, zu seyn scheint.

A. d. Ueb.

|66|

Ein Bushel ist 0,5 734 Wiener Mezen. A. d. Ueb.

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