Titel: Heathcoat's Verbesserung an den gegenwärtig in den Spitzen-Netz-Fabriken gebräuchlichen Maschinen.
Autor: Heathcoat, John
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. XXX. (S. 143–146)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/ar019030

XXX. Verbesserung an den gegenwärtig in den Spitzen-Netz- (Bobbin-Net) Fabriken gebräuchlichen Maschinen, und neue Methode gewisse Theile dieser Maschinen zu verfertigen, worauf J. Heathcoat, Spitzen-Fabrikant zu Tiverton, Devonshire, am 9. März 1824 sich ein Patent geben ließ.54)

Aus dem London Journal of Arts. N. 56. S. 18.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Der erste Gegenstand dieses Patentes betrifft die Regulirung des Nachlassens der Kette in dem Verhältnisse, als das verfertigte Spitzen-Gewebe sich auf dem Werkbaume aufrollt, damit die Maschen an dem Ende des Spitzengewebes nicht in die Länge gezogen werden; der zweite, ein Verfahren, messingene oder andere Metallplatten in Kreisausschnitten auf der Drehebank auszuschneiden. Diese Ausschnitte bilden die krummen Stücke, auf welchen sich die Spulen-Schlitten schieben.

Fig. 13 zeigt eine Spitzen-Maschine von ihrer Endseite. Sie wird durch Umdrehung getrieben, und an ihr befinden sich die verbesserten Theile. a, ist der Kettenbaum, auf welchem die Kette aufgezogen ist, und von diesem steigen die Kettenfaden gegen den Werkbaum hinauf. An dem Ende des Kettenbaumes ist auf seiner Achse ein Zahnrad, b, befestigt, welches in die Zähne eines durch Punkte angedeuteten Triebstockes eingreift. Auf der Achse dieses Triebstockes ist eine große Rolle, c, um welche zwei Spann-Schnüre, d und e, laufen, an deren Enden Gewichte angebracht sind. Die Schnur, d, ist an dem einen Ende an dem Gestelle der |144| Maschine befestigt, und wird, während sie um die Rolle, c, läuft, mittelst eines angehängten Gewichtes gespannt erhalten. Die Schnur, e, ist an dem Hebel, f, befestigt, und nachdem sie rund um die Rolle, c, in entgegengesetzter Richtung mit dem vorigen läuft, gleichfalls durch ein Gewicht gespannt gehalten. g ist eine aufrechte Stange, die sich in senkrechter Richtung schiebt, je nachdem der Hebel, h, steigt oder fällt, welcher an seinem unteren Ende gegen eine Walze drückt, und durch excentrische Zapfen an der sich drehenden Haupt-Achse, i, auf irgend eine der gewöhnlichen Weisen in Thätigkeit gesetzt wird.

Auf der sich schiebenden Stange, g, ist ein kleiner Stift, auf welchem der Hebel, f, ruht, und so wie die Stange auf- und niedersteigt, hebt sich der Hebel und fällt wieder nieder. Durch das Steigen des Hebels, f, wird die Schnur, e, und ihr Gewicht eine kurze Strecke in die Höhe gezogen, und dadurch die Rolle, c, etwas umgedreht: zu gleicher Zeit dreht der Triebstock auf der Achse der Rolle das Zahnrad, b, und den Kettenbaum, der etwas von der Kette nachläßt. Bei dem Herabsteigen des Hebels, f, wird die Schnur, e, etwas nachgelassen, und da die Schnur, d, um die Rolle durch das angehängte Gewicht straff erhalten wird, wird die Schnur, e, in ihre vorige Lage herabgezogen, ohne daß sie die Rolle rückwärts gehen macht. Auf diese Weise wird durch das allmähliche Aufsteigen des Hebels, f, der Kettenbaum fortschreitend umgetrieben, und die Kette nachgelassen.

Da indessen die Anhäufung des Spitzen-Netzes auf dem Werkbaume den Durchmesser desselben vergrößern, und folglich die Spannung der Faden vermehren würde, so daß die Maschen verzerrt würden, ist eine Vorsicht getroffen, welche für diese Vergrößerung des Durchmessers des Werkbaumes sorgt, indem sie die Umdrehung desselben von Umständen abhängen macht, welche nicht unmittelbar mit dem Fortschreiten des Kettenbaumes in Verbindung stehen.

An dem oberen Theile der Maschine befinden sich nämlich zwei kegelförmige Walzen, k, und, l, (die Fig. 14 von der Seite zeigt): an diesen ist eine Schnur oder ein Draht befestigt, und wenn die Maschine im Gange ist, wird die Schnur oder der Draht um den Kegel, k, gewunden, der sich an der Spindel des Werkbaumes befindet. So wie die senkrechte Stange, g, auf die oben beschriebene Weise aufsteigt, schiebt das Querstük oben an dieser Stange eine schiebbare Federsperre, m, hinauf, die sich an der |145| Seite des Pfeilers befindet. Diese Sperre treibt, so oft sie hinauf steigt, das Zahnrad, n, um einen Zahn vorwärts. Ein Triebstok auf der Achse dieses Zahnrades greift in die Zähne des Zahnrades, o, am Rüken des Kegels, l, und so wird, durch die wiederholten Einwirkungen der Stange, g, und der Sperre, m, der Kegel, l, nach und nach umgetrieben. Da nun die Schnur oder der Draht, welcher um den unteren Kegel, k, auf der Achse des Werkbaumes aufgerollt ist, an dem oberen Kegel, l, befestigt ist, so folgt, daß, da der Kegel, l, auf die so eben beschriebene Weise sich dreht, die Schnur oder der Draht sich auf demselben aufwikeln wird, und von dem Kegel, k, abgewunden wird, wodurch der Kegel, k, und der Werkbaum in ihren Umdrehungen langsamer werden müssen, und das Spizen-Nez auf dem Werkbaume in dem Maße aufgerollt werden wird, als es fertig wird.

Der größte Durchmesser des Kegels, l, ist derjenige Theil, auf welchem die Schnur zuerst aufgewunden wird, und da diese von dem dünneren Ende des Kegels, k, abgewikelt wird, so wird die Umdrehung des Werkbaumes folglich anfangs am schnellsten seyn. So wie sich aber das Spizen-Nez auf dem Werkbaume anhäuft, und der Durchmesser des lezteren sich vergrößert, wikelt die Schnur oder der Draht sich näher an dem dünneren Ende des Kegels, l, auf, und zieht von dem dikeren Ende des Kegels, k, ab, und macht folglich die Umdrehungen des Werkbaumes langsamer; das Spizen-Nez wird also am Ende mit derselben Geschwindigkeit aufgerollt, wie anfangs.

Die Verfertigung der krummen Stüke aus Metall in einer Drehebank geschieht auf folgende Weise. Der Patent-Träger schlägt vor, ein flaches Metall-Stük von gehöriger Dike in einem Pfeiler dem Haupte der Drehebank gegenüber anzubringen, und dasselbe mittelst Schrauben und Klammern gehörig zu befestigen, so daß es sich nicht bewegen kann. Ein doppelschneidiger Meißel wird dann in die Drehebank eingespannt, d.h., ein schneidendes Werkzeug mit zwei in gehöriger Weite von einander stehenden Spizen in solcher Entfernung von dem Mittelpuncte, daß dadurch die Krumme beschrieben wird, in welcher das Metallstük geschnitten werden soll. Wie nun die Drehebank gedreht wird, dreht sich auch das schneidende Werkzeug, und wenn der Pfeiler mit dem |146| Metallstüke der Länge nach vorgeschoben wird, so daß er gegen den Meißel kommt, wird das Stük in der verlangten Krumme geschnitten werden.

Nachdem ein Stük oder Ausschnitt auf diese Weise gebildet wurde, wird die Platte, aus welcher derselbe geschnitten wurde, in seinem Pfeiler umgekehrt, und nachdem man sie wieder in demselben befestigt hat, kann man ein zweites Stük ausschneiden u.s.f., bis die ganze Platte aufgeschnitten ist. Auf diese Weise werden die krummen Stüke gebildet, auf welchen der Spulen-Schlitten im Inneren der Maschine sich schiebt.

Man vergleiche auch dieses Journal Bd. XVIII. S. 343. D.

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