Titel: Ueber die von der Société d'Encouragement ausgeschriebenen Preise.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. LXXV. (S. 299–306)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/ar019075

LXXV. Ueber die von der Société d'Encouragement ausgeschriebenen Preise.

Die Société d'Encouragement theilt in ihrem Bulletin No. 256. Bemerkungen über die neulich von ihr ausgeschriebenen |300| Preise (Vergl. Polytechn. Journ., Jänner 1826, S. 195) mit, aus welchem wir für diejenigen unserer Landsleute, die sich allenfalls um diese Preise bewerben wollen, das Nöthige hier ausheben.119)

Die Gesellschaft erklärt ihr Befremden, daß, ungeachtet ihrer hohen Preise und der Wichtigkeit der Gegenstände, theils sehr wenige Preiswerber sich meldeten, theils diejenigen, die um diese Preise warben, ungeachtet der Fortschritte der Wissenschaften und Künste, weit vom Ziele entfernt blieben. Von den 29 Preis-Aufgaben erregten nur 20 die Aufmerksamkeit der Preiswerber.

Ueber Verfertigung einfacher und wohlfeiler Werkzeuge und Geräthe zur Gewinnung des Runkelrüben-Zukers (Polytechnisch. Journ. B. XIII, S. 129) ging nur eine einzige Abhandlung ein, deren Verfasser wenig Bekanntschaft mit der Runkelrüben-Zukergewinnung verräth.

Ueber eine Handmühle zum Aushülsen der Hülsenfrüchte (Polytech. Journ. B. VII, S. 108) sandte ein und derselbe Preiswerber zwei Apparate ein, wovon der eine nur zur Bereitung einer Suppe (purée) diente, die man nicht verlangte, der andere nicht dauerhaft ist.

Von den beiden Preiswerbern über Bereitung eines künstlichen Ultramarines (Polytechn. Journ. B. XVI, S. 95) scheint keiner das Programm gelesen zu haben. Die Société wollte ein echtes Ultramarin aus denselben Bestandtheilen, aus welchen echtes Ultramarin besteht, und die Preiswerber sandten Berliner-Blau und Kobalt, welche schlechter waren, als Thenard's phosphorsaure Alaun-Erde.

Eben dieß war der Fall mit den feuerfesten Schmelztiegeln. |301| (Polytechn. Journ. B. X, S. 495). Die, von zwei Preiswerbern eingesendeten, Schmelztiegel hielten nicht einmal den Fluß des Stahles aus, der leichter schmilzt als Eisen; und doch brachte der eine Preiswerber Zeugnisse bei, daß Eisen darin geschmolzen wurde!

Das für den Preis auf Austroknung des Fleisches (Polytechn. Journ., B. VII, S. 247, B. XVI, S. 100) eingesendete Muster zeigte sich bei der auf der See angestellten Probe schimmelig, von unangenehmen Geschmake, zähe und lederartig. Auch hat der Preiswerter sein Verfahren nicht beschrieben. Etwas besser war ein von einem ungenannten Preiswerber, als bloßer Versuch, eingesandtes Muster; allem, obschon die Suppe ziemlich gut war, sah das Fleisch widerlich aus, und war sehr hart.

Nicht glüklicher war die Société in Hinsicht des Preises für eine Masse, die sich wie Gyps formen läßt, und der Witterung so gut, wie Stein, zu widerstehen vermag. (Polytechn. Journ. B. VII, S. 125). Einer der Preiswerber empfahl gepülverten, lebendigen Kalk mit Käse (fromage de Marelles) abzureiben, dem er den äußeren, farbigen Theil abnahm; er hat auch Kalk und Gyps, mit Roken-Mehl gemengt, angewendet. Ein anderer sandte ein Gemenge aus Gyps und gepülverten harten Steinen, das so weich war, daß man es mit dem Nagel krazen konnte.

Ueber Erbauung der Oefen (Polytechn. Journ. V. XVI, S. 98) sind nur zwei höchst unbefriedigende Antworten eingegangen, obschon es leicht gewesen wäre, hier etwas zu leisten. Die Gesellschaft hat, nach dem lezt gegebenen Programme, den Preis bis auf 9000 Franken erhöht.

Ein einziges Modell einer Mühle zur Reinigung des Heidekornes (Polytechn. Journ. B. VII, S. 127) wurde eingesendet: diese Handmühle besteht aus zwei gefurchten Cylindern, und ist weder vollkommner noch vorteilhafter, als die gewöhnlichen Heidekorn-Mühlen.

Den Preisen für Erzeugung eines zur Fabrication der Nähnadeln geeigneten Drahtes (Polytechn. Journ. B. VII, S. 121) und Errichtung einer Nahenadel-Fabrik (Polytechn. Journ. B. VII, S. 95) schien man im vorigen Jahre näher zu kommen; allem ein Unglük vernichtete die Nadel-Fabrik zu Mérouvelle bei Aigle (Dpt. Oise), die im vorigen Jahre einstweilen die goldene |302| Medaille erster Klasse erhielt. Die HHrn. Rossignol wollen in derselben Stadt eine andere Nadel-Fabrik errichten, und die eingesendeten Muster übertreffen in mancher Hinsicht die deutschen Nadeln.“ Die Nadeln der Hrn. Rossignol sind aber aus Cäment-Stahl; die Société will auch Nadeln aus Guß-Stahl: denn nicht immer dringt die Cämentation bis in das Innerste der Nadel, so daß die Spize derselben öfters reines ungehärtetes Eisen bleibt, und sich beugt. Auch fand die Société die Nadeln der HHrn. Rossignol nicht alle gleich gehärtet, und die Spizen zu kurz und folglich zu stumpf. Der Draht-Fabrikant, welcher den HHrn. Rossignol den Draht lieferte, und um den Preis des Drahtes warb, könnte, aus obigem Grunde, denselben nicht erhalten. Ein anderer Preiswerber hat sehr guten Draht geliefert; allem dieser Draht wurde noch nicht im Großen in Nähnadel-Fabriken verarbeitet.

Ueber Vervollkommnung der Hut-Färberei (Polytechn. Journ. B. XVI, S. 97) fanden sich 5 Preiswerber, wovon einige, bloße Empiriker, die widersinnigsten Recepte einsandten; andere, Halbkenner, falsche Ideen über die Theorie vortrugen, und andere das gewöhnliche Verfahren tadelten, ohne ein besseres anzugeben. Die Société lobt vorzüglich, und als Muster, die englischen Hüte und die Triester-Hüte: (leztere scheinen ihre schöne Farbe vorzüglich der Güte des dort wohlfeilen, herrlichen orientalischen Farbe-Materiales zu verdanken. Und überdieß dürfen wir nicht vergessen, daß die Italiener seit Jahrhunderten die größten Meister im Farben waren, und noch sind. Ueb.)

Die Verbesserung der Darmsaiten zu musikalischen Instrumenten (Polytechn. Journ. B. X, S. 493) betreffend, könnte über die eingegangenen Arbeiten noch nicht Bericht erstattet werden.

Papier aus dem Papier-Maulbeerbaume (Polytechn. Journ. B. VII, S. 244) sandte nur ein Spanier, Sanyago Grimaud, nicht um mitzuwerben um den Preis, sondern bloß um ein Muster zu senden, das aber nicht nach Wunsch ausfallen könnte, weil es bloß aus den Abschnittlittgen eines alten Baumes im Garten zu Madrid verfertigt wurde. Hr. Grimaud erwartet von dem weißen Maulbeerbaume und von anderen Baumrinden noch bessere Resultate.

Ein Preiswerber hat schottische Fichten gesäet; man muß aber noch die Resultate erwarten.

|303|

Ueber Anwendung der hydraulischen Presse zum Oehl und Weinpressen etc. (Polytechn. Journ. B. VII, S. 111) haben drei Preiswerber sich gestellt: zwei derselben haben sehr sinnreiche Vorrichtungen beschrieben, die sich auch an den bereits bestehenden gewöhnlichen Pressen anbringen lassen: allem diese Vorrichtungen sind noch nicht praktisch von ihren Erfindern geprüft. Die Gebrüder Gruet, Besizer einer Oehlmühle zu Ham, haben eine solche Presse seit vier Jahren im Gange, die in 24 Stunden 2000 Kuchen und 14 Tonnen Oehl, jede zu 100 Liter, liefert. Im Vergleiche mit der englischen Presse der HHrn. Galloway, Bowman und Comp. hat die Presse der HHrn. Gruet, nach Hrn. Garnier's Berichte, indem sie mit Einem Arbeiter und Einem Gehülfen mehr leistet, als vier der besten Keil-Pressen mit vier Arbeitern, entschiedene Vorzüge. Sie kostet nur 6000 Franken, und braucht wenig Ausbesserung; überdieß fordert sie durchaus keine besondere Geschiklichkeit von Seite der Arbeiter. Ein Hr. Aimé Bris ließ zeither eine solche Mühle zu Noyelle errichten.

Die Maschine zur Verfertigung von Gläsern für optische Instrumente (Polytechn. Journ. B. VII, S. 91) fand einige Preiswerber, wovon jedoch keiner den Preis errang. Einige sandten nur kleine Modelle, andere übereilte Arbeit. Hr. Stewart, Mechaniker zu Bordeaux, war der einzige, der eine vollendete Maschine überreichte, und mit dieser so zu sagen unter den Augen der Gesellschaft zwei Gläser von angegebener Krümmung (0m 54 und 0m 55 Halbmesser) schliff. Ein Glas zeigte genau diesen Halbmesser; an dem anderen zeigte sich eine kleine Abweichung, die kaum Ein Millimeter betrug. Zwei Gläser von demselben Durchmesser waren vollkommen gleich, auch nach der Politur. Allein bei der Politur zeigten sich noch kleine Mangel, äußerst feine Runzeln, die vielleicht davon herkamen, daß Hr. Stewart Tuch statt Streich-Papieres (papier rodé) zum Poliren anwendete. Die Société belohnte daher Hrn. Stewart nur mit der goldenen Medaille.

Ueber Verbesserung von Eisengußwerken und Formen von Gußarbeiten, die noch zur weiteren Verarbeitung bestimmt sind, (Polytechn. Journ. B. X, S. 497) zeigten sich nur zwei Mitwerber. Die einen, die Hrn. Boigue, deren Werke in Bern) und Nivernois sind, haben vom 13. December 1824 bis 20 April 1825 nicht weniger als 348,960 Kilogramme Guß-Eisen abgesezt; allem sie hatten |304| ihr Verfahren nicht angegeben. Ihr Eisen war indessen besser, als jenes eines anderen Mitwerbers im Departement de la Charente, und sie erhielten, da ihr Eisen so gesucht und so hoch bezahlt wird, wie das englische, einstweilen die goldene Medaille.

Für Hausenblase oder Fischleim-Erzeugung (Polytechn. Journ. B. VII, S. 105) zeigte sich nur ein einziger Preiswerber, der die Bedingungen des Programmes nicht erfüllte. Indessen ist der von ihm überreichte Leim beinahe zu allen Zweken brauchbar, wozu man Hausenblase braucht, und besser und stärker als jeder andere Leim; eigentlich nur zu stark. Die Gesellschaft könnte daher Hrn. Grenet nur die goldene Medaille zweiter Klasse zuerkennen.

Ueber Bereitung des Hanfes und Flachses ohne Röstung (Polytechn. Journ. B. VII, S. 121), für welche die Société den Preis auf 6000 Franken erhöhte, meldeten sich nur drei Preiswerber. Hr. Barbou, der dem Ziele am nächsten kam, erhielt 1000 Franken Entschädigung, und die goldene Medaille zu 500 Franken. Seine Breche besteht aus zwei gefurchten Walzen von zwei Zoll im Durchmesser auf derselben Achse, in deren Mitte ein Triebstok angebracht ist, der sie mittelst eines Triebrades in Umtrieb sezt. Auf diesem Rade sind hölzerne Zapfen wodurch dasselbe in stätiger oder in abwechselnder Bewegung hin und her unterhalten werden kann. Ueber diesen Cylinder finden sich zwei andere, den unteren vollkommen ähnliche, die in dieselben anderthalb Linien tief eingreifen. Die Cylinder sind aus geschlagenem oder aus Guß-Eisen, und der Hanf liegt darunter in einer Lade. Es ist keine andere Vorbereitung nöthig, als daß man den Hanf in der Sonne oder in einer Trokenstube bei 20 bis 24° R. troknet. Die Resultate, die man nach dem Verfahren des Hrn. Barbou erhielt, waren diese:

13 12/16 Kilogramm gerösteten Hanfes gaben 4 2/16 Kilogr. spinnfertigen.
2 3/16 Werk.
6 7/16 Seiler-Hanf.
0 Harziger Stoff.
1 Verlust.
22 12/16 Kilogramm ungerösteten Hanfes gaben 5 Kilogr. 1/16 spinnfertigen
5 Werk.
10 9/16 Seiler-Hanf.
2 2/16 Harzigen Stoff
0 0 Verlust.

Man erhielt also nach Hm. Barbou's Methode mehr |305| spinnfertigen Hanf; die Agen waren häufiger und mehr gleichförmig, als auf der gewöhnlichen Breche; das Hecheln ging aber etwas schwieriger, und der Hanf behielt immer eine gewisse Steifheit und Rauhigkeit, eine grünliche Farbe und einen stärkeren Geruch; der Abfall bei dem Seiler-Hanfe war stärker als am gerösteten Hanfe; die grünliche Farbe läßt sich durch Einweichen in reinem Wasser beseitigen; das Verfahren des Hrn. Barbou erspart endlich Zeit und Geld. Die Kommissäre der Gesellschaft bemerkten jedoch, daß der Vortheil der größeren Menge Hanfes, die man ohne Röstung erhält, sich stets in dem Maße vermindert, als der weiter verarbeitete und verfeinerte Hanf sich in seinen Eigenschaften dem gerösteten Hanfe nähert.

Ein zweiter Preiswerber, Hr. P. J. Merck, Apotheker zu Brumath, bei Straßburg, bediente sich bloß eines chemischen Verfahrens, einer künstlichen Röstung nämlich. Er nahm 15 Kilogr. grün abgeschnittenen Hanfes, und verschloß denselben in einem mit einem Doppel-Boden versehenen Fasse, das 5 Hektoliter hielt. In das Spundloch desselben ließ er durch eine blecherne Röhre den Dampf eines Kessels, der 80 Liter hielt, und sezte den Hanf dritthalb Stunden lang der Einwirkung des Dampfes aus, wo dann das Wasser, welches aus dem verdichteten Dämpfe entstand, und anfangs grün und stinkend ablief, beinahe geruch- und farbenlos abfloß. Nun war es Zeit, den Hanf herauszunehmen, den er dann vier Tage lang in der Sonne bleichte, und mit Fluß-Wasser begoß. Dieser Hanf gab, in der Trokenstube getroknet, 3 Pf. 4 1/2 Unzen, wovon aber, bei weiterer Verarbeitung, 1 Pf. 10 Unzen verloren gingen. Dieser Versuch ward leider nicht im Großen ausgeführt.

Der dritte Preiswerber war Hr. Heyner; Mechaniker zu Penig. Ein schön verfertigtes Modell einer Breche besteht aus 11 gefurchten Cylindern von gleichem Durchmesser, in welche eben soviel andere darüber angebrachte Cylinder eingreifen. Ein Cylinder bewegt alle übrigen; die drei ersten Walzenpaare sind von Eisen, die übrigen von Holze. Ein einziger Durchgang durch diese Walzen reicht hin, um alle Agen zu beseitigen; wenn aber der Hanf grob ist, muß er nach dem ersten Durchgange 24 Stunden lang in Wasser geweicht, und dann wieder durchgezogen werden. Die Maschine ist zwar einfacher, als jene des Hrn. Christian; |306| allein sie scheint der Société schwerer zu verfertigen, und weniger dauerhaft.

Den Preis über Anbau der Corsicaner Föhren hat Hr. Le Royberger zu Neufchâtel bei Boulogne, der 12 Hektaren Dünen mit Rigair und Corsicaner Fichte bebaute, als einziger Concurrent erhalten.

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Die Société erwähnt in der Einleitung, in welcher sie die wichtigsten Gegenstande ihrer lezten Ausstellung aufführt, eines tragbaren Gas-Beleuchtungsapparates des Hrn. Jalabert, in welchem mittelst eines Drukes von 15 Atmosphären 60 Kubik-Fuß Oehlgas, in einen Raum von 4 Kubik-Fuß zusammengepreßt, aus einer Gaslampe, die Einen Kubikfuß Gas in Einer Stunde verzehrt, ein Licht so hell wie eine Carcel'sche Lampe verbreitet wird. Die Ausströmung des Gases, ohne alle Gefahr, geschieht höchst regelmäßig. Hr. Jalabert bietet sich an, jedem Liebhaber den Kubik-Fuß Gas, der für eine Lampe auf Eine Stunde vollkommen hinreicht, um 6 Centimen, d.h. um 6 Pfennige und 1 Heller, zu liefern. A. d. Ueb.

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