Titel: Philips's, Verbesserung an dem Schiffs-Compasse.
Autor: Phillips, Charles
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. LXXXVI. (S. 342–346)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/ar019086

LXXXVI. Verbesserung an dem Schiff's-Compasse, worauf Karl Philips, Esqu., zu Upnor, Parish of Tinsbury, Kentshire, sich am 15. Junius 1825 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem technical Repository. November 1825. S. 289.

Mit Abbildungen auf Tab. VIII.

Fig. 8. stellt einen Aufriß eines meiner Compasse von vorne dar. Eine Seite des Gehäuses, in welchem er befestigt ist, ist weggenommen, damit man seinen Bau desto deutlicher sehen kann. A, ist eine hohle Röhre, die als Gestell dient, welches den Compaß trägt. B, C, ist eine in der Röhre enthaltene Spiralfeder, die auf dem beweglichen Träger, a, ruht. bb, sind zwei an dem Träger, a, befestigte Griffe, durch welche derselbe und die Feder, C, innerhalb der Röhre, A, gehoben, |343| und auf jeden der Einschnitte, 1, 2, 3, 4, zur Ruhe gebracht werden kann, c, ist eine Furche oder Oeffnung durch die Röhre, A, in Verbindung mit den Einschnitten 1, 2, 3, 4. Eine ähnliche Furche ist an der entgegengesezten Seite der Röhre angebracht, in welcher der andere Griff des Trägers, a, sich bewegt. Fig. 9. stellt einen verticalen Durchschnitt durch den Mittelpunkt von Fig. 8. vor.

AA, ist die hohle Röhre, und, B, der Compaß; C, die Spiralfeder, die auf dem beweglichen Träger ruht, a, d, ist ein beweglicher Theil der Röhre, der walzenförmig ist, und genau in die innere Höhlung der Röhre, A, paßt. Ein Theil des Cylinders ist bei, e, verdünnt, um die Reibung zu beseitigen, indem es nothwendig wird, daß der Theil, d, sich in der Röhre, A, sehr leicht auf- und ab bewegt, f, ist eine Kappe, die auf die Röhre, A, wie ein Bajonett aufgesezt wird. Diese Kappe hindert die Feder, C, den Cylinder, d, aus der Röhre, A, hinauszutreiben, g, ist der Zapfen, der die Windrose, D, führt. Das untere Ende desselben ist, wie man an h, steht, mit einer Kugel versehen, die auf einer Fläche von Carneol, Achat oder irgend einem anderen harten Steine ruht, welche oben bei, i, in den obersten Theil des Cylinders eingelassen ist. In diesem Zustande wird er durch die Kappe, E, erhalten, deren oberer und innerer Theil halbkugelförmig ist, so daß sie eine Art Becher bildet, die die Kugel, h, bedekt, und diese nach allen Richtungen sich drehen läßt.

Der untere innere Theil der Kappe, E, schraubt sich an das obere Ende des Theiles, d. Der untere Theil des Zapfens, g, ist etwas kegelförmig, und paßt in eilt Loch in den Querstangen, FF, wo er durch Reibung erhalten wird.

In Fig. 8. ist G, ein bleierner Ring, der um das Gehäuse des Compasses, B, läuft, H, ist ein Leiter, der bei, II, an den Compaß mittelst Stiefelchen und Schrauben angebracht ist. Dieser Leiter läuft durch den bleiernen Ring, so wie auch durch das Messing-Stük, II, welches in den Ring eingelassen ist. Ein ähnlicher Leiter ist mit den übrigen beschriebenen Theilen, an der entgegesezten Seite des Gehäuses angebracht. KK, sind zwei an dem bleiernen Ringe, G, befestigte Griffe, mittelst welcher derselbe nach Belieben auf- und niedergehoben, und mittelst der Sperrkegel, LL, welche in die Einschnitte der Zahnstöke, mm, einfallen, in jeder beliebigen Höhe erhalten werden |344| kann. Diese Zahnstöke sind an den Seiten des Gehäuses, B, angeschraubt.

Fig. 10. stellt einen Aufriß des oberen und beweglichen Theiles der Röhre, d, dar, abgenommen von der Röhre, in welcher er sich bewegt. Diese Figur ist in natürlicher Größe und Form gezeichnet, indem sie für Compasse der größten Art berechnet ist. Die Kappe, E, ist im Durchschnitte dargestellt, damit die Kugel, N, welche auf ihrem Achat-Lager, i, ruht, besser gesehen werden kann.

Fig. 11. zeigt einen Grundriß des Ringes, G. Die Einschnitte, nn, nehmen die Zahnstöke, mm, auf, und die Furchen oder Vertiefungen, oo, erlauben den Führern, B, in Figur 8. frei durch dieselben zu laufen.

M, in Fig. 9. zeigt die Spize des sogenannten Knechtes oder Faulenzers (subber's point) aufgehängt, und auf dem Mittelpuncte, N, sich bewegend. Der Mittelpunct, N, befindet sich zwischen zwei Leitern, und kann, nach Belieben, gehoben und gesenkt werden, indem er von einer Feder zurükgehalten wird, die an dem sich bewegenden Mittelpuncte, N, befestigt ist, welcher auf einem der Leiter ruht. Fig. 12. zeigt dieß von der Vorderseite. o, ist ein Pendel-Knopf auf dem Stamme der Faulenzer-Spize, überall hin auf demselben beweglich, und durch eine Feder in dem Knopfe in jeder Lage haltbar. Er muß so gestellt werden, daß die Spize des Faulenzers, M, oben mit der oberen Kante des Compasses gleich hoch steht, was durch Hebung oder Senkung der Aufhänge-Spize, N, zwischen den Leitern so lange geschieht, bis die verlangte Stellung zum Vorscheine kommt. Der Messing-Knopf, o, wird so lange an dem Stamme geschoben, bis sein Mittelpunct mit dem Mittelpuncte des bleiernen Ringes zusammentrifft, wodurch die Faulenzer-Spize mit den Puncten des Compasses übereintrifft.

Die Vortheile dieser Verbesserungen sind folgende:

In Fig. 9. ist der obere Theil des Gestelles, d, ruhend auf dem obersten Theile der Spiral-Feder, C, dargestellt; wenn also das Abfeuern der Kanonen, oder irgend ein anderer Umstand eine heftige Erschütterung hervorbringt, z.B. die jähen Stoße der Ruder eines Dampfbothes etc.; so gibt die Spiral-Feder nach, und erlaubt dem Compasse sich sanft zu senken, wodurch das Verrüken der Windrose, oder das Ausfallen derselben aus ihrem Zapfen auch bei dem heftigsten Stoße vermieden wird. |345| Bei schönem Wetter wird die Spiralfeder, C, mittelst der Griffe, bb, Fig. 8. so lange gehoben, bis der Compaß die volle Wirkung des Spieles der Spiralfeder empfindet. Dadurch wird jeder Nachtheil, der durch einen plözlichen Stoß entstehen könnte, beseitigt, und die Windrose wird immer empfindlich seyn.

Wenn die Bewegung des Compaß-Gehäuses in senkrechter Richtung zu heftig seyn sollte, so richtet man die Spiralfeder hiernach, indem man die Griffe, bb, auf oder nieder zieht, und sie in einen der Einschnitte, 1, 2, 3, 4, stellt, bis man die gehörige Bewegung erlangt.

Um die Pendel-Bewegung des Compaß-Gehäuses zu reguliren, und der Witterung anzupassen, wird der bleierne Ring, G, nach Umständen mittelst der Griffe, litt, gehoben oder gesenkt. Wenn der Wind stark geht, muß der bleierne Ring zu einer solchen Höhe gehoben werden, daß die Bewegung bis auf jenen Grad reducirt wird, der am besten taugt; so muß, z.B. wenn das Wetter übel ist, der bleierne Ring, G, so hoch hinaufgehoben werden, als der Zahnstok, mm, zu jeder Seite es nur immer gestattet; bei gutem Wetter hingegen muß er so niedrig, als möglich, gestellt werden. Auf diese Weise kann die Pendel-Bewegung des Compasses jedes Mahl nach der Witterung gerichtet werden: die Sperrkegel, LL, werden in die Zähne der Zahnstöke einfallen, und denselben darin erhalten.

Der Zwek des bleiernen Ringes ist nämlich, ein Stell-Gewicht zu bilden, wodurch der Mittelpunct der Schwere des Compaß-Gehäuses nach Belieben entweder gehoben oder gesenkt werden kann, Durch diese einfache Vorrichtung wird die Bewegung des Compaß-Gehäuses auf seinem kugelförmigen Lager bei jeder Witterung gleichförmig gemacht.

Meine Erfindung und Verbesserung besteht also:

1) darin, daß der Schiffs-Compaß so auf Lagern, welche mit einer oder mit mehreren Federn verbunden sind, aufgehängt oder gestüzt wird, daß die Nachtheile, welche durch plözliche Stöße entstehen, gänzlich beseitigt werden, und derselbe fester steht, als nach irgend einer bisher bekannten Methode.

2) in dem beweglichen Ringe, wodurch man die Pendel-Bewegung des Compasses nach Belieben reguliren, und eine größere Empfindlichkeit desselben, als bisher möglich war, erzeugen kann. Ich muß hier bemerken, daß, obschon ich die Stüzung |346| des beweglichen Gewichtes, G mittelst Sperrkegel und Zahnstöke vorziehe, dasselbe auch mittelst drei Ketten von dem Compaß-Gehäuse aus aufgehängt werden kann, deren Glieder auf Haken an dem Gehäuse befestigt seyn können, oder noch auf verschiedene andere Arten, ohne nebenher von der Anwendung meiner Feder, wodurch die Stöße vermieden werden, abzuweichen.

3) nehme ich als mein Recht in Anspruch, den Hängepunct oder den Mittelpunct der Faulenzer-Spize beweglich zu machen, so wie den Pendel-Knopf, wodurch eine Stellung erhalten wird, die immer mit der Bewegung des Compasses übereinstimmt.

Die HHrn. Bramah versicherten Hrn. Gill in einem dem Patente beigefügten Schleiben, daß in Folge eines Befehles, vor einiger Zeit ein Versuch mit diesem Compasse auf der Fregatte Phaëton gemacht wurde, der allen Erwartungen entsprach. Der Compaß wurde durch das Abfeuern einer vollen Ladung durchaus nicht in Unordnung gebracht, während der gewöhnliche Compaß immer herabfiel. Die HHrn. Bramah verfertigen allein diese Compasse.

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