Titel: Gilman's, Verbesserungen bei der Dampf-Erzeugung und an Maschinen, welche durch Dampf oder elastische Flüßigkeit in Umtrieb gesezt werden.
Autor: Gilman, William
Sowerby, James William
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. XC. (S. 352–361)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/ar019090

XC. Gewisse Verbesserungen bei der Dampf-Erzeugung und an Maschinen, die entweder durch Dampf oder durch irgend eine andere elastische Flüßigkeit in Umtrieb gesezt werden, und worauf Wilh. Gilman, Mechaniker, Whitechapel Road, Middlesex, und Jak. Wilh. Sowerby, Kaufmann, in Birchin Lane, London, am 13. April 1825 sich ein Patent ertheilen ließen.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Decbr. 1825. S. 369.

Mit einer Abbildung auf Tab. VIII.

Unsere Erfindung bei der Dampf-Erzeugung besteht darin, daß man einen oder mehrere walzenförmige Dampfkessel, BB, horizontal über den Feuerherd, c, unseres Ofens legt, wie Fig. 2 und 3. zeigt. (Tab. XII.) In diesen Kesseln sind Spindeln oder Achsen, dddd, die nach der ganzen Länge derselben hinlaufen, und an welchen Blätter oder Ruder angebracht sind. Da diese Spindeln mittelst der Querspindel und dem Triebwerke, Fig. 1., unter einander verbunden sind, so bilden sie Rührer, und diese Rührer werden innerhalb der Kessel entweder mittelst der Maschine, oder auf irgend eine andere bequeme Weise mit hinlänglicher Schnelligkeit gedreht, um das Wasser, welches in diese Kessel eingeführt wird, in Dämpfe zu verwandeln. Dadurch, und mit Beihülfe der Centrifugal-Kraft, wird nämlich das Wasser in äußerst dünnen Schichten über die ganze innere Oberfläche des Metalles verbreitet, aus welchem diese Kessel gebildet sind, und, da die oben bemerkten Blätter schief angebracht sind, oder unter einem Winkel mit den Achsen oder Spindeln, so wird das Wasser dadurch von dem Ende, wo es eingelassen wird, vorwärts zu dem anderen Ende getrieben. Eben dieses Vorwärtstreiben des eingelassenen Wassers kann auch durch die eigene Schwere desselben, und ohne alle Schiefstellung der Blätter bewirkt werden, wenn die Kessel gehörig schief gestellt werden, und das Wasser an den oberen Enden eingelassen wird. Bei horizontalen |353| Kesseln kann das Wasser an einem Ende, oder an dem anderen eingelassen, und der Dampf, je nachdem man es bequemer findet, an dem entgegengesezten oder an demselben Ende ausgelassen werden. Die Rührer können entweder, wie oben beschrieben wurde, einfach, oder mit concentrischen Cylindern aus dünnem Kupferbleche, oder aus einem anderen schiklichen Metalle, die auf ihren Armen befestigt sind, wie die punctirten Linien in Fig. 2 und 3. im Durchschnitte zeigen, versehen seyn, wo dann die Blätter oder Schaufeln an dem. Umfange angebracht sind. Der Zwek dieser Vorrichtung ist, zu hindern, daß das Wasser nicht mit dem Dampfe in die Dampfröhre, P, der Maschine gelangen kann. Um das Schütteln des Wassers in den Kesseln, wenn auf Schiffen oder Wagen zum Treiben derselben Dampf erzeugt werden soll, (wodurch die Entwikelung und das Nachströmen des Dampfes gehindert, unterbrochen oder unregelmäßig gemacht werden würde), zu verhindern, bringen wir zuweilen eine Dampf-Kammer an, die von dem oberen Theile eines solchen Kessels mittelst einer Klappe oder mehrerer Klappen, die sich in diese Kammer offnen, getrennt ist. Obige concentrische Cylinder oder Kegel (wenn es dem Mechaniker gefallen sollte, den Enden derselben verschiedene Durchmesser zu geben), welche in dem Inneren des Kessels aufgezogen sind, lassen den Dampf durch die zahlreichen kleinen Löcher ein, mit welchen ihre ganze Oberfläche versehen ist. Nur ein ungefähr zwei Zoll breiter Streifen an derselben, unmittelbar an, und parallel mit der Fläche eines jeden Blattes, oder einer jeden Schaufel, ist undurchlöchert, und hilft zur Leitung des neu eingelassenen Wassers, während dasselbe das nothwendige Momentum erhält, und über die innere Fläche der Kessel verbreitet und erhizt wird. Nachdem der Dampf, durch diese kleinen Löcher in die sich drehenden inneren Cylinder eingetreten ist, zieht er durch die Verbindungs-Röhren desselben, R, Fig. 1 und 2., welche Röhren so gekrümmt sind, daß sie in dem Kessel so weit hervorragen, als die Arme der Rührer nur immer gestatten, wodurch der Dampf, der in den großen Cylinder der Maschine übertritt, (statt, wenn die Kessel klein sind, an den Seiten derselben hinzustreichen, und einen Theil des Wassers mit sich zu führen), gezwungen wird, so bald als er gebildet ist, durch die kleinen Löcher unter rechten Winkeln in die sich drehenden Cylinder einzutreten, und so diese nachtheilige Wirkung beseitigt. Die Reihen von Röhren, N. 1, 2, 3, 4, |354| in den Durchschnitts-Figuren, 2 und 3, werden von dem Wasser durchzogen, welches zum Nachfüllen der Kessel bestimmt ist, und zwar nach und nach der ganzen Länge hin von N. 1 bis N. 4. Dieses Wasser geht auch durch die anderen Röhren, die den Feuerherd zu jeder Seite ausfüttern, ehe es, nachdem es bedeutend erhizt wurde, in die Kammern der Uebertragungs-Pumpe, II, Fig. 1. übergeht. Die Druk-Pumpen, FF, Fig. 1. pumpen das kalte oder frische Nachfüllungs-Wasser ein. G, ist der Behälter für dieses Wasser. H, die Saugröhre. NN, die Einleitungs-Röhre, die bei, N, in Fig. 2 und 3. mit der ersten Röhre in der oberen Röhren-Reihe verbunden ist. Die Uebertragungs-Drukpumpen, II, empfangen das heiße Wasser durch die Röhre, K, die mit der lezten Röhre, K, (in Fig. 3.) des Röhren-Systemes, das den Feuerherd ausfüttert, in Verbindung steht: aus den Kammern dieser Pumpe wird das Wasser durch die Röhre, LLLLL, Fig. 1 und 2., in die Kessel getrieben, in welchen die Rührer dasselbe auf die oben angeführte Weise vorwärts schaffen. Diese Pumpen sind so vorgerichtet, daß, wenn sie auf irgend eine der gewöhnlichen Weisen in Thätigkeit gesezt werden, eine gewisse Menge kalten Wassers im Verhältnisse zu der Weite der Röhren und der Stärke des Zuges durch eine dieser Pumpen, F, in die obere Reihe, oder in den oberen Röhren-Verband eingetrieben wird, während welcher Zeit eben so viel heißes Wasser in der Kammer der Uebertragungs-Pumpe, I, erhalten wird, die damit in Verbindung steht, und umgekehrt. Auf diese Weise wird der Röhren-Verband immer voll erhalten, und die nothwendige Sicherheit gibt eine Sicherheits-Klappe an der Röhre, N, wie Fig. 1. zeigt. Diese Druk-Pumpen und der Behälter können in irgend eine schikliche oder bequeme Lage gebracht werden, indem an dieser Lage nichts Wesentliches gelegen ist. Bei einer anderen Modification dieses Apparates zur Dampf-Erzeugung werden die Uebertragungs-Pumpen, II, Figur 1. gar nicht gebraucht, und man läßt das Wasser in die Kessel aus jenem Röhren-Verbande, der sich von, N bis K, erstrekt, und durch die Röhre, L, laufen, welche Röhre in diesem Falle unmittelbar mit der Röhre, K, verbunden ist. Zuweilen sind die kurzen Arme oder Röhren, welche die Röhre, L mit den Kesseln verbinden, lang genug, daß man einen Sperr-Hahn an denselben anbringen kann, wodurch die Weite des Kanales, und folglich die Menge Wassers, die nachgefüllt werden |355| soll, regulirt werden kann. Die Unreinigkeiten, welche ehevor in dem Wasser schwebend, oder aufgelöst erhalten wurden, und das überflüßige Wasser, werden von den Rührern vorwärts getrieben, und von der Röhre, O, Fig. 2. aufgenommen, durch die Röhre, S, Fig. 1 und 2. geleitet, und gelegentlich durch den Hahn, N. 1, eingelassen. Hierauf wird der Durchgang dieses Hahnes geschlossen, und alsogleich der Hahn, N. 2, geöffnet, wo dann die Flüßigkeit, die zwischen den Hahnen enthalten war, abläuft, und Dampf an die Stelle derselben tritt. Diese Hähne werden durch die Maschine auf die gewöhnliche Weise geöffnet und geschlossen, und die Kessel, ohne alle Mitwirkung des Maschinen-Wärters, rein erhalten. Das überflüßige Wasser kommt in ein geschlossenes Gefäß, E, und der Dampf, der sich daraus ausscheidet, wird durch die in Fig. 1. durch eine punctirte Linie angedeutete Röhre in den Behälter des kalten Wassers, G, geleitet, wo es verdichtet und die Hize desselben erspart wird. Die Menge des eingepumpten Wassers muß nach der Menge des überflüßigen Wassers regulirt werden, welches durch, 0, abläuft, indem man die Verbindungs-Stange, welche der Hebel, T, der besagten Pumpen, FF und II, treibt, wechselt, und in einem oder in dem anderen Loche, das zur Aufnahme der Stifte angebracht, eingreifen läßt. Die Verbindungs-Röhren zwischen den Kesseln und der Dampf-Röhre, P, und der Einleitungs-Röhre des Wassers, L, bilden einzelne Durchgänge, wie die Zeichnung darstellt. Da sie Klappen haben können, die sich nach aufwärts öffnen, während die Röhren, O, ihre Klappen haben, die sich nach abwärts öffnen, bleibt, im Falle, daß ein Kessel berstete, der Dampf in dem anderen gesichert. In dem ersten Falle wird der Durchzug des Wassers nach dem Kessel frei und ohne alle Regulirung belassen; im zweiten Falle bilden die Klappen Regulatoren, je nachdem sie durch den Grad, in welchem sie sich heben, die Oeffnung weiter oder enger machen, wie die Umstände es erfordern. Dieß geschieht durch die Schraube, A, in Fig. 7. Wenn man keine Klappen braucht, kann man Hähne zu diesem Zweke anwenden, wenn man es bequemer findet, und die Dampfröhren, P, können mit einer geräumigen und gut eingerichteten Sicherheit-Klappe versehen werden. Die Kessel müssen aus sogenanntem alten Eisen (scrap iron), ohne alles Gefüge oder Nieten verfertigt werden, außer an jenem Ende, wo die Rührer eingeführt sind; sie können mit Kupfer |356| oder irgend einem anderen Metalle ausgefüttert oder überzogen seyn, oder nicht. Sie können, auf obige Weise vorgerichtet, in beliebiger Anzahl gebraucht werden, und ihr Nachfüllungs-Wasser entweder dann erhalten, nachdem dasselbe das Erwärmungs-System von N. 1 bis 5. durchlief, oder auch unmittelbar durch die Drukpumpen aus dem Behälter, 6. Eine andere Weise, den Kessel, B, und den Röhren-Verein N. 1, 2, 3 und 4 vorzurichten, besteht darin, daß man die walzenförmigen Kessel und die Röhren-Vereine quer über den Ofen anbringt, statt sie der Länge nach über den Herd, C, laufen zu lassen, wie in Fig. 2 und 3. gezeigt wurde: jener Theil des Röhren-Systemes aber, welcher die Seiten des Herdes ausfüttert, sollte, wie in den Figuren, immer der Länge nach hinlaufen. In dem Falle, wo man querlaufende Kessel und Röhren-Vereine anwendet, werden die Enden der Kessel sammt den Dampf- und Wasser-Röhren mit den Spindeln, d, und dem Triebwerke, welches die Rührer treibt, wie Fig. 1. zeigt, statt über den Ofen-Thürchen am Ende des Ofens, C, hervorzuragen, an der Längen-Seite des Ofens zu liegen kommen, und daher demjenigen, der das Feuer zu, leiten hat, außer der Hand liegen. Die gegenüberstehenden Enden der walzenförmigen Kessel, B, werden von der anderen Seite des Ofens getragen, und ragen entweder über dieselbe hinaus, oder nicht: jedoch muß die senkrechte Röhre, 0, Fig. 2. angebracht werden können, entweder außen oder innen an dem Ofen, oder innerhalb der Wand, je nachdem die Umstände es erfordern. Die Röhren-Vereine können quer oder der Länge nach über dem Feuerherde angebracht seyn, die Kessel mögen in derselben Richtung, oder der Länge nach über demselben gelagert seyn; die Enden der Röhren-Vereine können in der Wand oder in der Mauer liegen, die die äußeren Theile der Züge und des Ofens bilden, sie mögen aus Ziegel, Metall, oder aus irgend einem anderen schiklichen Materiale bestehen; oder die Enden des Röhren-Vereines können aus der Wand des Ofens hervorragen, so daß sie alle jene kegelförmigen Verbindungen (wie Fig. 5. zeigt, und wie wir sie später beschreiben werden), dem Auge darbiethen, und eben so auch die Verbindungs-Röhren, S, S, Fig. 2 und 3, die die Uebergänge von einem Röhren-Vereine zu dem anderen bilden, so daß sie nach Umständen gestellt werden können. Die Enden der Röhren sind in der Zeichnung als geschlossen dargestellt: eines oder das andere Ende desselben kann aber, nöthigen |357| Falles, mit einem Schraubenpfropfen, der nach Belieben herausgenommen werden kann, geschlossen werden, damit man die Röhren von Zeit zu Zeit von allem Bodensaze, und allem, was sich anlegt, reinigen kann. Wir wenden diese Kessel zuweilen auch ohne alle Rührer an, und füllen sie zur Hälfte oder bis auf irgend einen zwekmäßigen Grad von Völle, und lassen sie auf die oben erwähnte Weise das Nachfüll-Wasser aus dem Röhren-Vereine, oder auf irgend eine andere Weise erhalten, und bringen selbst diese walzenförmigen Kessel in mehr dann einer Reihe, oder mehr dann einem Verbande an. In jedem Falle wirken sie bei der Dampf-Erzeugung sowohl für hohen, als für niedrigen Druk kräftiger, als die ungeheuren Kessel oder Magazine, die man gegenwärtig braucht, obschon sie, bei Dampf für niedrigen Druk, in unserer Vorrichtung selten mehr als 20 Zoll im Durchmesser haben, und von diesen 20 Zoll bis auf 10 abnehmen, und selbst noch auf weniger herabsteigen, je nachdem nämlich der Dampf mehr oder minder hohen Druk gewähren soll. Sie sind daher nicht bloß bei weiten mehr sicher, sondern fordern selbst viel weniger Raum, als die Kessel, deren man sich gegenwärtig bedient. Die Verbände von Kesseln und Röhren, N. 1, 2, 3, 4, wie die Durchschnitts-Figuren 2 und 3. zeigen, bilden nach und nach Deke und Boden der Züge, welche eine sehr geringe Tiefe besizen, und mit feuerfestem Thone, oder irgend einem anderen schiklichen Stoffe belegt sind. Sie breiten sich über die ganze Breite des Ofens aus, wodurch auch die heiße Luft und die Dämpfe mehr ausgebreitet werden, und der Wärmestoff weit kräftiger von dem Wasser aufgenommen werden kann, als wenn dieses in einem vierekigen Volumen hingeleitet wird; besonders da das Wasser in jedem Röhren-Verbande nach aufwärts in der Hize abnimmt, je nachdem derselbe sich mehr dem Puncte, N, nähert, wo das frische Nachfüll-Wasser. eingelassen wird. Da die immer abnehmende Wärme des Volumens der Luft und der Dämpfe während des Durchganges derselben aus dem Feuer durch die Züge beinahe in Berührung mit dem Wasser gebracht wird, welches verhältnißmäßig an Kälte zunimmt, so gibt diese warme Luft, zugleich mit den Dämpfen, ihre Wärme an das besagte Wasser so lange ab, bis sie endlich durch den Schornstein, U, entweicht. Fig. 4. ist ein horizontaler Durchschnitt durch den Mittelpunct eines Röhren-Verbandes, und zeigt die Weise, in welcher die Röhren mit einander |358| verbunden sind. Beide Enden einer jeden Rohre sind geschlossen, und ein kegelförmiges Loch ist an der gegenüberstehenden Seite an jedem Ende eingebohrt: in diese Löcher sind hohle Doppelkegel eingepaßt, welche die Durchgänge zwischen jedem Enden-Paare bilden. Diese Kegel sind aus Kupfer, oder aus anderem tauglichen Metalle, und in ihre Löcher oder Size eingeschliffen, und machen die Verbindungen vollkommen luftdicht. Fig. 5. zeigt ein Ende eines Röhren-Verbandes, und stellt die Methode dar, wie diese kegelförmigen Verbindungen angebracht und befestigt sind. B, ist ein längliches Vierek aus irgend einem tauglichen Metalle von irgend einer beliebigen Dike und Breite mit einer starken, an dem Ende eingezapften Schraube. Nachdem die Enden eines Röhren-Verbandes in die Oeffnung des Gestelles eingeführt wurden, wo abwechselnd die hohlen Doppel-Kegel und die gekrümmten Blöke, aa, angebracht und gehörig zwischen den Röhren gestellt sind, wie die Figur zeigt, wird diese einzige Schraube vollkommen im Stande seyn, das ganze Kegel-System in seine Stelle einzutreiben, und in derselben zu erhalten. Um die Wirkung der Steinkohlen, des Holzes oder irgend eines anderen gewöhnlichen Brenn-Materiales, dessen man sich auf Dampf-Bothen oder Dampf-Wagen zur Erzeugung des Dampfes, der dieselben treiben soll, bedient, zu verstärken, mengen wir zuweilen Pech, Theer oder irgend eine harzige oder brennbare mineralische, oder vegetabilische Substanz bei, oder sprizen dieselbe in das Feuer. Um den Grundsaz zu beleuchten, nach welchem unsere Maschinen bei Anwendung der Expansivkraft des Dampfes wirken, verweisen wir auf Fig. 6. welche einen 27 Fuß hohen Cylinder mit Einem Zoll Fläche im Lichten vorstellen soll. Zur Linken befindet sich die Zahl der Fuß von unten angefangen, und gegen über sind die verhältnißmäßigen Grade des Drukes, mit welchen der Dampf, wenn er mit 500 Pfund Kraft auf jeden Quadrat-Zoll drükt, bei jeder Ausdehnung zu wirken im Stande ist, vorausgesezt, daß seine Zusammenziehung und Ausdehnung durch die Veränderung des Drukes sich eben so verhält, wie jene der Luft. Man seze, der erste Fuß sey mit Dampf von 500 Pfund auf den Zoll gefüllt, und es werde kein neuer Dampf mehr eingelassen, so wird er sich ausdehnen, und den Stämpel heben, bis er den ganzen Cylinder in einem abnehmenden Verhältnisse von Kraft nach den Zahlen zur rechten Hand gefüllt hat. Wenn man nun diese |359| Zahlen addirt, so erhält man eine Gewicht-Summe von 1939 Pfund, welche Ein Fuß solchen Dampfes durch seine Ausdehnung Einen Fuß hoch zu heben vermag. Es ist aber offenbar, daß man auf diese Weise den Dampf mit hohem Druke in einem Cylinder zu praktischen Zweken nicht anwenden kann, weil der Unterschied zwischen seiner mechanischen Kraft im Anfange der Wirkung desselben, und nahe am Ende des Stoßes des Stämpels sehr groß ist. Um diesem Nachtheile abzuhelfen, und die Kraft theilweise auszugleichen, fügen wir zwei oder mehrere Cylinder bei, je nachdem es der Fall erheischt, und vergrößern verhältnißmäßig die Fläche eines jeden nachfolgenden Cylinders nach der Verminderung der Kraft des Dampfes. Wenn also eine nicht verdichtende Dampf-Maschine mit hohem Druke mit zwei Cylindern erfordert wird, und der überflüßige Dampf in die Luft entweichen, oder auf eine andere Weise verwendet werden soll, füllen wir den ersten Cylinder nur zum Theile, oder auch ganz aus den Kesseln, bis der Stämpel in dem ersten Cylinder seine Gränze erreicht hat, nach der Stärke nämlich, die dem Dampfe bei seiner Erzeugung gegeben werden soll. Wenn nun der Stämpel in dem ersten Cylinder seine Gränze erreicht hat, nach der Stärke, die dem Dampfe bei seiner Erzeugung gegeben werden soll, und wenn er seinen Stoß vollbracht hat, wird eine Verbindung zwischen demselben und dem zweiten Cylinder eröffnet, gegen dessen Stämpel er ausdehnend wird. Nachdem der erste Cylinder gleichsam eine Dampfkammer gegen den zweiten wurde, können diese beiden Cylinder, 1) sich entweder zugleich in derselben Richtung bewegen, oder 2) in entgegengesezter. In dem ersten Falle, wenn sie sich nämlich zugleich in derselben Richtung bewegen, wird der Dampf aus den Kesseln über dem Stämpel in den ersten Cylinder eingelassen, und drükt oben auf denselben, während der Dampf unter diesem Stämpel (welcher aus den Kesseln bei dem vorigen Aufsteigen eingelassen wurde), in Folge seiner Ausdehnungs-Kraft durch eine dann offene Verbindung auf die obere Seite des Stämpels in dem zweiten Cylinder tritt, und diesen zugleich mit dem ersten Cylinder niederdrükt, und umgekehrt. In dem zweiten Falle, wenn die Stämpel zugleich der eine nieder, der andere aufwärts steigen, wirkt der Dampf aus den Kesseln auf die obere Fläche des ersten Stämpels, während der Dampf, der vorläufig unter dem Stämpel eingelassen wurde, sich gegen die untere Seite des zweiten Stämpels ausdehnt, und denselben |360| aufwärts treibt. Dadurch wird der Widerstand (wie in dem oberwähnten Falle), an der unteren Seite des ersten Stämpels vermindert, und derselbe veranlaßt zu gleicher Zeit dem Druke des Dampfes, der von den Kesseln einströmt, zu folgen, und umgekehrt. In den vorhergehenden Beschreibungen der Benüzung der Ausdehnungskraft des Dampfes mit hohem Druke in zwei Cylindern, ohne Verdichtung der ersten Hälfte eines ganzen Stoßes (auf und nieder, oder nieder und auf), oder eben so viel von den mit einem ganzen Stoße des Stämpels verbundenen Operationen, wurde das bei den einfach oder doppelt wirkenden Maschinen gewöhnliche Detail angegeben, und unter dem Ausdruke: und umgekehrt, dessen man sich oben bediente, werden die entgegengesezten Operationen in der lezten Hälfte eines ganzen Stoßes, die zur Vollendung eines doppelt wirkenden Stoßes nothwendig sind, verstanden. Wenn aber statt dessen, nur ein einziger wirkender Stoß nothwendig ist, dann wird, am Ende der ersten Hälfte des ganzen Stoßes, (d.h., wenn der Stämpel entweder hinauf oder herab gegangen, aber noch nicht zurükgekehrt ist), die Verbindung mit den Kesseln und auch mit der Atmosphäre abgeschnitten, und in demselben Augenblike werden andere Verbindungen zwischen dem oberen und unteren Theile eines jeden Stämpels hergestellt, damit das Niedersinken des Gegengewichtes (dasselbe mag aus Pumpenstangen oder aus irgend einem Bleistüke bestehen), an dem entgegengesezten Ende des Balkens den Dampf aus jedem Cylinder austreibt, und das entgegengesezte Ende an einem jeden derselben einzunehmen zwingt, um die so eben beschriebenen Operationen zu wiederholen. Als eine fernere Verbesserung der Dampfmaschine bringen wir eine oder mehrere Pumpen an dem Kessel, oder an den Kesseln an, oder an den Dampfröhren, oder an irgend einer mit den Kesseln verbundenen Kammer, um die Starke derselben zu prüfen, indem wir mit Gewalt Wasser in alle oder in einige derselben so lange eintreiben, bis dieses Wasser die gehörig beladenen Klappen hebt.

Die Patent-Träger nehmen, insofern sie bereits bekannte Theile bei ihrer Maschine benüzen. Folgendes als ihr Patent-Recht in Anspruch: 1) die Zertheilung des Wassers in dünne Schichten mittelst der Rührer, wodurch diese Schichten an die innere Wand der cylinderförmigen Kessel angeschlagen werden, wenn diese horizontal oder nur etwas geneigt sind. 2) den mit |361| Röhren ausgefütterten Feuerherd und die damit versehenen Züge, wie Fig. 1, 2 und 3. zeigt, so wie die damit verbundenen und angegebenen Modificationen um das Wasser zu hizen, ehe es in den Kessel kommt. 3) die Verbindung und Zusammenfügung der Röhren in jedem der Röhren-Verbande, wie in Fig. 5 u. 6. 4) die Drukpumpen an den Kesseln etc. zur Prüfung der Starke derselben, so oft es nothwendig ist. 5) die Anwendung des Peches etc. zur Verstärkung des Feuers. 6) die Anwendung des Dampfes mit hohem Druke in zwei oder mehreren Cylindern ohne Verdichtung.

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