Titel: Howard's, Methode Zuker zu raffiniren.
Autor: Howard, Eduard Karl
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. XCV. (S. 376–384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/ar019095

XCV. Methode, Zuker zu raffiniren, worauf E. K. Howard, Esq., in Westbourn Green, Middlesex, sich den 31sten October 1812 ein Patent ertheilen ließ.

Aus Gill's technical Repository. Sept. 1825. S. 129.129)

Auf die bekannte Thatsache, daß Wasser den am wenigsten krystallisirbaren Zuker weit leichter auflöst, als denjenigen, der am leichtesten krystallisirbar ist, und auf eine Entdekung, die ich gelegentlich machte, daß keine Zukerauflösung in Wasser (außer sie wäre bereits höchst concentrirt), ohne materielle Beeinträchtigung ihrer Farbe und Krystallisations-Fähigkeit, oder beider zugleich, während der zur Abdampfung bis zur Krystallisation nöthigen Zeit der Siedehize ausgesezt werden kann, gründete ich folgende Verfahrungs-Arten:

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Erstlich unterziehe ich den Rohzuker oder die Muscovade einer vorläufigen Bearbeitung, indem ich, so schnell als möglich, denselben mit soviel Wasser menge, daß aus dem Gemenge unter der gewöhnlichen Temperatur der Luft, ein Teig von der Consistenz eines gut abgearbeiteten Mörtels wird. Dieses Gemenge lasse ich ungefähr eine Stunde lang ruhen, oder etwas darüber, und erhize sie hierauf ein wenig, bis zu einer Temperatur von 190 bis 200° F. (+ 70 bis 74°, 5 R.). Diese Erwärmung geschieht am bequemsten in einem Gefäße, welches mit siedendem Wasser, oder mit Dampf umgeben ist, d.h., in einem Wasserbade unter dem Druke der Atmosphäre. Nachdem diese Mischung aus Zuker und Wasser auf obige Weise, und durch stätes Umrühren zu einer gleichförmigen Temperatur gebracht wurde, regulire ich die nöthige Consistenz derselben durch zugesezten Zuker oder einen dünneren Brey so, daß die Masse hinter dem Rührer sich alsogleich wieder schließt. Mit dieser Masse fülle ich, unmittelbar aus dem Wasserbade, die Formen auf irgend eine bequeme Weise, und nachdem ich die Masse in denselben erkalten ließ, (wie wenn die Formen auf die gewöhnliche Weise mit Zuker gefüllt wurden), ziehe ich den Pfropfen aus demselben aus, und lasse den Syrup ablaufen. Sobald der Syrup ausläuft, oder noch etwas früher, puze ich die breitere oder obere Fläche des Zukerhutes in der Form mit irgend einem schiklichen Instrumente so tief weg, bis ich finde, daß der Zuker ein gleichförmiges Ansehen bekommt. Den auf diese Weise von dem Zukerhute abgepuzten Zuker menge ich mit kaltem Wasser zu einem Breye von solcher Consistenz, daß er sich |378| nicht leicht hinter dem Rührer schließt, und bringe ihn dann wieder auf die abgepuzte Fläche des Zukerhutes; so bald dieser Brey etwas troken geworden ist, gieße ich sorgfältig, mit vorgerichtetem Schwimmer, oder mit irgend einer ähnlichen Schüzung, eine kalte gesättigte Auflösung von feinem Zuker in kaltem Wasser ungefähr einen halben Zoll tief auf denselben. Oder, was ich noch lieber thue, ich nehme denselben Brei bis zu jener Fläche am Zukerhute weg, die nach obigem ersten Puzen übrig blieb, und mische ihn mit Wasser zu einer dünneren Consistenz, als die eben angegebene, und trage ihn dann wieder auf obige Weise auf, und wiederhole dieselben Operationen mit dem dünnen Breye, oder mit einer kalten Auflösung von feinerem Zuker, als derjenige ist, der raffinirt werden soll, so lange, bis der Zuker sich sehr dichtkörnig zeigt, und die Oberfläche sehr hart ist, wo dann eine ungesättigte Zukerauflösung, oder selbst Wasser allein aufgegossen werden kann, ohne es jedoch einlaufen zu lassen. Ich empfehle jedoch dieses Verfahren durchaus nicht, indem es im Großen zu viele Genauigkeit und Aufmerksamkeit fordert.

Wenn der Zuker ein zu grobes oder offenes Korn hat, ist der Zuker, der zum Breye verwendet wird, desto besser, je feiner er gemahlen ist, indem dadurch ein zu schnelles und ungleichförmiges Hinabsikern der Feuchtigkeit in den Hut vermieden wird.

Es ist ferner durchaus nicht nöthig, daß derselbe Zuker, der von der Oberfläche des Zukerhutes abgenommen wurde, als Brey oder Syrup wieder auf demselben gebraucht wird; im Gegentheile ist es, um Zeit zu ersparen und auch in anderer Hinsicht, bequemer, Zuker von gleicher oder feinerer Farbe anzuwenden, den man auf dieselbe Weise durch frühere Operationen erhalten hat.

Die Zeit zur Beendigung dieser ersten Operation bestimme ich entweder dadurch, daß ich von Zeit zu Zeit einen auf diese Weise bearbeiteten Zukerhut herausziehe, oder die größere oder geringere Leichtigkeit beobachte, mit welcher die Feuchtigkeit aufgenommen wird, und die Farbe des auströpfelnden Syrupes: leztere ist, in den meisten Fällen, ein hinlängliches Kennzeichen zur Bestimmung des Grades der erhaltenen Reinigkeit. In so fern es mit Bequemlichkeit und Ersparung an Hize geschehen kann, finde ich es sehr gut die Temperatur der Stuben, in |379| welchen die Formen sich befinden, niedrig zu erhalten, ehe man den Brey einträgt, ungefähr auf 60° F, (+ 12°, R.), und sie dann wieder auf 80 bis 90° F, (+ 21 bis 25° R.) zu erhöhen, nachdem die Oberfläche des Zukerhutes zum lezten Mahle troken geworden ist. In jedem oben beschriebenen und noch zu beschreibenden Falle, wo Melasse oder Syrup durchziehen müssen, ist es nöthig, die trokene Masse des Zukerhutes in der Form zu durchbohren oder aufzubrechen, sobald sie so fest oder eisig wird, daß sie den Einteilt und Ausgang der Luft aus dem Zuker, und dadurch auch den freien Fluß der Melasse oder des Syrupes hindert.

Nachdem dieser erste Theil meines Processes auf diese Weise vollendet wurde, ziehe ich die Hüte heraus, oder zerschlage sie auf die gewöhnliche Weise, und sondere das, was man den reinen oder guten Zuker nennt, von demjenigen, der noch Melasse enthält: lezteren bewahre ich auf, um ihn wieder mit Rohzuker zu obiger Vorarbeit zu mischen. Ersteren raffinire ich, indem ich in einem schiklichen Gefäße sechs Pfund Wasser, (vorzugsweise siedend heiß), auf fünf Pfund dieses Zukers gieße, und ungefähr 6 per Cent (mehr oder minder, da es nicht sehr wesentlich ist), für die in demselben bereits enthaltene Feuchtigkeit abziehe, und nachdem durch Umrühren eine vollkommene Auflösung des Zukers bewirkt wurde, lasse ich den Schmuz und Unrath, und die unauflöslichen Unreinigkeiten sich sezen, und ziehe die Auflösung mittelst eines Hahnes, oder auf irgend eine andere schikliche Weise, von denselben in eine andere Cisterne, oder in ein gehöriges reines Gefäß ab. Die Reinigung und Scheidung der übrigen Unreinigkeiten, und des Färbestoffes geschieht mittelst meiner gewöhnlichen Verfeinerungs-Mittel, welche ich auf folgende Weise bereite. Ich lösche gut gebrannten Kalk mit siedendem Wasser, und bereite daraus einen Rahm: nachdem dieser so gleichförmig geworden ist, als die Natur des Kalkes es gestattet, seze ich ungefähr eben so viel Wasser, dem Umfange nach, zu, und lasse die Mischung einige Minuten lang aufkochen, bis der Kalk einer fein geronnenen Milch gleicht. Die fremden Stoffe und Klümpchen, die sich immer im Kalke finden, wasche ich aus, oder scheide sie durch Elutriation, und um ja sicher zu seyn, daß alle Klümpchen weggeschafft werden, lasse ich den ausgewaschenen Kalk durch ein Sieb mit so seinen Löchern laufen, daß nur die feinsten geronnenen Theilchen durch dasselbe durchziehen können. Hierauf nehme ich ungefähr zwei und ein Halbpfund Alaun auf |380| jeden Zentner festen Zuker, der raffinirt werden soll, und löse den Alaun in 16 Mahl oder ungefähr so viel, Gewichttheilen Wasser auf, welches vorzugsweise siedend heiß seyn soll. Dieser Auflösung seze ich sechzig bis achtzig Gran weiche Kreide, (whiting), auf jedes Pfund Alaun zu, und nachdem die Mischung so lange umgerührt wurde, bis alles Aufbrausen aufhört, lasse ich die in derselben schwebenden Theilchen sich sezen, und ziehe die Auflösung von dem Niederschlage ab. Dann gieße ich das, auf obige Weise bereitete, geronnene Kalkwasser mit allen Kalktheilchen, wohl aufgerüttelt, zu, und rühre während des Zugießens ohne Unterlaß die Mischung. Von diesem geronnenen Kalkwasser wird so viel zugegossen, daß Kurkume-Papier, in die Mischung eingetaucht, nur wenig seine Farbe ändert, und, wenn es troken wird, wieder seine gelbe Farbe annimmt; durch Eintauchen aber in die klare darüber stehende Flüßigkeit, nachdem Alles sich gesezt hat, kaum etwas verändert wird. Auf diese Weise sind nun meine Verfeinerungs-Mittel gehörig zubereitet, und ich lasse dieselben auf den Boden des Gefäßes sich sezen. Nachdem die darüber stehende Flüßigkeit abgegossen wurde, bringe ich diese Verfeinerungs-Mittel auf ein Brett, das wie ein Filtrum aufgestellt ist, und lasse die Feuchtigkeit ablaufen, bis die Masse beginnt sich zusammenzuziehen, und Sprünge bekommt. In diesem lezten Zustande sind dann diese Verfeinerungs-Mittel zur Clarification der zulezt abgezogenen Zuker-Auflösung, von welcher oben die Rede war, brauchbar. Von dieser Auflösung, und von jeder anderen ähnlichen Zuker-Auflösung, seze ich nach und nach, und unter Umrühren, so viel zu, daß dadurch ein gleichförmiger rahmartiger Zustand entsteht, und diese Mischung gieße ich in die ganze Menge der besagten Zuker-Auflösung, die zur Clarification bestimmt ist, unter gehörigem Umrühren, um das Verfeinerungs-Mittel gleichförmig zu vertheilen.

Der raffinirte oder geklärte Zuker bleibt dann entweder eine Nacht, oder sechs Stunden über in Ruhe, mehr oder weniger, und die helle Flüßigkeit wird von den Verfeinerungs-Mitteln abgezogen auf die gewöhnliche bekannte Weise. Das Abrauchen wird bei einer Temperatur von ungefähr 200 Graden, mehr oder minder, angefangen und fortgesezt, welche Temperatur, wie wir oben bemerkten, am besten durch Dampf hervorgebracht wird, oder durch Wasser unter dem Druke der Atmosphäre. Dieses Manchen wird so lang fortgesezt, bis die heiße Flüßigkeit |381| eine specifische Schwere von ungefähr 1,37, mehr oder weniger, erreicht hat, und in diesem Zustande übertrage ich dieselbe in irgend ein schikliches Gefäß, und rühre sie häufig um, bis sie die gehörige körnige Consistenz zur Einfüllung in die Form angenommen hat, wo ich dann die Formen mit derselben fülle. Sobald die Formen kalt werden, ziehe ich die Pfropfen aus denselben aus, und lasse den in den Zukermassen natürlich enthaltenen Syrup auf die gewöhnliche Weise auslaufen. Während dieser Operation, oder nachdem der Syrup die obere Oberfläche des Zukerhutes verlassen hat, untersuche ich denselben, und puze ihn auf die oben angegebene Weise nieder. Wenn der Zuker dann hinlänglich rein für Kaufmannsgut zu seyn scheint, nehme ich denselben, nachdem er aufgehört hat zu tröpfeln, auf die gewöhnliche Weise aus der Form, und schneide das dünnere Ende, das noch nicht rein von Syrup geworden ist, weg, und trokne den Hut auf die gewöhnliche Weise. In dem Falle, daß der Zuker noch nicht weiß genug wäre, menge ich dann jenen Zuker, welchen ich wegpuzte, wieder, wie oben bemerkt wurde, mit Wasser zu einem Breye, der auf obige Weise angewendet wird.

Wenn ferner der auf obige Weise bereitete Zukerhut nicht hinlänglich festes und dichtes Korn hätte, um den Käufer gefallen zu können, forme ich, vor dem Troknen, den Hut auf die bekannte Weise um, indem ich denselben in eine metallne oder andere Form einstampfe, wodurch ich denselben alsogleich wieder heraus bekomme.

Wenn ferner die Spize des Zukerhutes beibehalten werden muß, ohne daß der in derselben enthaltene Syrup in den Körper desselben zurükgelassen werden kann, so bringe ich eine Röhre an, die weit genug ist, um gleichsam als Fortsezung des Bodens der Form zu dienen, und befestige dieselbe an der gewöhnlichen Form, die aber eine wenigstens um Einen Zoll weitere Oeffnung haben muß, oder einen Theil einer neuen Form bildet, die besonders verfertigt werden muß. Ich nehme nun den unteren Theil des Zukers ab, der in dieser Röhre enthalten ist, und erhalte zugleich den überflüßigen Syrup, statt daß ich die Spize, wie gewöhnlich, wegnehme.

Um nun zu dem in den beiden Cisternen oder Gefäßen enthaltenen Safte zurükzukehren, wovon das eine den groben Schmuz, und die unauflösbaren Unreinigkeiten, und das andere die oben bemerkten Verfeinerungs-Mittel enthält (die Zukerauflösung, die |382| in beiden enthalten ist, wird in der nächsten oder in einer der folgenden Operationen aufgearbeitet), so seze ich zu dem ersteren dieser Säfte ungefähr gleichen Umfang siedend heißen Wassers zu, und lasse ihn dann durch ein Tuch laufen, das dicht genug ist, um alle gröberen Unreinigkeiten zurük zu halten. Ich seze hierauf die andere Flüßigkeit, welche die Verfeinerungs-Mittel enthält, zu, und entferne durch Waschen und Sezen allen Unrath, welchen sie enthalten. Dieser süßen Flüßigkeit bediene ich mich zum Anrühren des Breyes, oder (in Hinsicht des darin enthaltenen Zukers), bei Anfang des Reinigungs-Processes, von welchem oben die Rede war, statt des Wassers. Was den von dem Zuker, der meinen Verfeinerungs-Mitteln unterworfen war, abträufelnden Syrup betrifft, kann derselbe ohne allen Zusaz abgedampft werden, vorausgesezt, daß man denselben nicht sieden läßt, was am besten durch den Dampf, oder durch obiges Wasserbad geschieht: diese Syrupe werden, bei dieser Behandlung, noch bei einer zweiten und dritten, ja sogar bei einer vierten, Krystallisation noch große Krystalle liefern. Es können auch die Zuker-Abfälle, die von dem Puzen der Spizen, oder von den abgeschnittenen Spizen übrig bleiben, nebst den übrigen Resten in diesem Safte zerlassen werden im Wasserbade, um zu der zur Krystallisation nöthigen Dichtheit, oder zur körnigen Consistenz zu gelangen. Die schlechteren Syrupe können vorteilhaft mit Muscovade Zuker, statt mit Wasser, gemengt werden, wie ich bei der ersten Operation angegeben habe.

Die Brode, Hüte oder Zukermassen, welche durch die Anwendung meiner gewöhnlichen Verfeinerungs-Massen raffinirt wurden, oder jeder schon mehr verfeinerte Zuker, kann durch die Anwendung anderer Verfeinerungs-Mittel noch mehr verfeinert werden. Diese werden auf folgende Weise verfeinert. Ich nehme ungefähr 2 1/2 Pfund Alaun auf jeden Zentner festen Zuker, der verfeinert werden soll, und löse den Alaun in ungefähr sechzehn Mahl so viel Wasser (dem Gewichte nach und siedend heiß), auf; dieser Auflösung seze ich siebenzig oder achtzig Gran Kreide für jedes Pfund Alaun zu, und nachdem ich die Mischung umrührte, bis alles Aufbrausen aufhört, lasse ich die schwebenden Stoffe sich sezen, und ziehe die Auflösung von dem Bodensaze ab. Dann gieße ich in dieselbe (statt der geronnenen Kalkauflösung bei meiner gewöhnlichen Verfeinerung), eine concentrirte kaustische Soda-Auflösung oder Sodalauge, und zwar so lange, |383| bis die umgerührte Mischung einen leicht gefärbten Flek auf dem Kurkume-Papier erzeugt. Dann gieße ich das schönste Wasser hinzu, und fahre mit dem Auswaschen des Niederschlages durch abwechselndes Verbreiten und Sezen so lange fort, bis das Wasser beim Ablaufen keinen Geschmak mehr äußert, worauf ich dasselbe auf die oben beschriebene Art von dem Verfeinerungs-Mittel abziehe. In Hinsicht aus das schöne Wasser muß ich bemerken, daß ich es öfters sehr zuträglich finde, dasselbe dadurch zu reinigen, daß ich es, nach der wohl bekannten Weise, mit etwas Alaun abkoche, und mit etwas Kalk, wohl beachtend, daß kein überschüssiger äzender Kalk in der Auflösung zurük bleibt.

Insofern ich Alaun empfehle, geschieht es nicht deßwegen, als ob er besser wäre als bloße schwefelsaure Alaunerde, sondern weil Alaun, als ein bereits im Handel vorkommender Artikel, leichter zu haben ist. Eine Mischung von Kalk und Alaunerde, die der oben beschriebenen ähnlich ist, könnte, wie immer erhalten, auch bei meiner ersten Verfeinerung, und reine Alaunerde, auf was immer für eine Weise gewonnen, könnte zur zweiten dienen. Kaustische Soda ziehe ich der Pottasche in der Hinsicht vor, weil das daraus entstehende Salz sich leicht wegwaschen läßt, und dem Ammonium deßwegen, weil dieß zu theuer kommt.

Ich erzeuge den höchsten Grad von Feinheit in festem (bereits schon ziemlich raffinirtem) Zuker dadurch, daß ich den auf diese Weise zu verfeinernden Zuker in dem schönsten Wasser (vorzugsweise siedend heiß) auf die oben beschriebene Weise, und in demselben Verhältnisse auflöse. Sobald meine erste vorläufige Arbeit geschehen, und unmittelbar nachdem die Auflösung vollendet ist, menge und zertheile ich meine zweiten Verfeinerungs-Mittel so, wie es oben bei den ersten angegeben wurde, und nachdem sich die Flüßigkeit durch Ruhe geklärt Hat, schreite ich zur Abdampfung und Vollendung der Zukerhüte auf die oben beschriebene Weise.

Obschon ich bei der Zuker-Raffinirung eine Hize von 200° F. als die zwekmäßigste zur Erhaltung der Farbe und Krystallisations-Fähigkeit des Zukers angegeben habe, und diese durch Dampf oder Wasserbad erhalte, so wende ich doch, wenn Umstände es erfordern, auch eine höhere Temperatur an, obschon diese weniger vorteilhaft ist, und sorge vorzüglich dafür, daß dieselbe so gleichförmig als möglich an der Oberfläche des Kessels angebracht wird. Was das Dampf- oder Wasser-Bad betrifft, |384| so wende ich dasselbe nach den in chemischen und anderen Werken aufgestellten Grundsäzen an; was die Temperatur über dem Siedepunct betrifft, so baue ich mein Wasserbad stark, und versehe es mit einem Speise-Apparate unter gehörigem Druke, oder mit einer Drukpumpe zur Speisung, und mit einer Sicherheits-Klappe, und mit Verbindungs-Röhren, Hähnen, Aichen, und Allem, was zu Dampfkesseln nothwendig ist.

So sehr ich aber das Wasser- oder Dampfbad vorziehe, um meine Gefäße zu hizen, so bediene ich mich, nöthigen Falles, auch des freien Feuers, und sorge vorzüglich dafür, daß die Hize regelmäßig und gleichförmig auf den Kessel wirkt, da die gehörigen Grade von Hize hier weit mehr Aufmerksamkeit fordern, als bei dem Dampf- oder Wasserbade.

Wenn ich meine gewöhnlichen Verfeinerungs-Mittel bei sehr grobem, nassen oder zerfließenden Zuker anwenden soll, so muß nothwendig mehr von dem geronnenen Kalkwasser zugesezt werden, als in Hinsicht auf die zum Theile schon durch Durchseihung oder auf andere Weise verfeinerten Zuker oben bereits angegeben wurde. Es bleibt, in Hinsicht auf die nöthige Menge des Zusazes, der Einsicht des Arbeiters überlassen, der sich nach den Eigenschaften des gröberen Zukers zu benehmen wissen wird.

Diese Angaben können, nach Umständen, abgeändert, und an den bereits bestehenden Raffinerieen angewendet werden.

Hr. Gill theilt dieses in nachstehender Abhandlung verbesserte Patent mit, da es im nächsten Jahre ausgelaufen seyn wird. Wir finden es der Mittheilung werth, weil wir erwarten, daß die Runkelrüben-Zukerfabrikation bei uns endlich auch jene Aufmerksamkeit als Förderungs-Mittel der Viehzucht und der Landwirthschaft, wie in Frankreich finden wird. Für diesen wichtigen Industriezweig empfehlen wir den Unternehmern folgendes Werk: Art de fabriquer le sucre de Betteraves, contenant: 1) la description des meilleures méthodes usitées pour la culture et la conservation de cette racine; 2) l'exposition détaillée des procédés et appareils utiles pour en extraire le sucre avee de grands avantages; suivi d'un essai d'analyse chimique de la Betterave; par M. Dubrunfaut, Membre de la Société d'Encouragement. 8. Paris 1825, avec 8 pl. chez Badelier. 7. Fr. 50 Cent. In demselben wird Achard's Schrift über den europäischen Zuker, die von Anger ins Franzöf. übersetzt und von Carl Derosne mit schäzbaren Bemerkungen versehen wurde, als die beste über diesen Fabrikations-Zweig genannt, und Hr. Dubrunfaut hat in seinem Werke alle wichtigen Veränderungen und Verbesserungen, welche der Zeit durch Erfahrung sich bewahrten, aufgenommen, wo demnach Jeder, der sich auf Runkelrüben-Zuker-Fabrikation verlegen will, wohl thun wird, sich dieses Werk anzuschaffen und zu benüzen. D.

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