Titel: Blackmore, über verbesserte Beutel-Mühlen zum Mehl-Mahlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. CIV. (S. 482–486)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/ar019104

CIV. Ueber verbesserte Beutel-Mühlen zum Mehl-Mahlen, von der Erfindung der HHrn. P. Blackmore und J. Ayton.

Aus Hrn. Gill's technical Repository. Decbr. 1825. Auch im Repertory of Patent-Inventions. Jan. 1826. S. 26.

Mit Abbildungen auf Tab. X.

Der große Vortheil, welchen das Beutel-Tuch bei Bereitung des Mehles gewährt, hat jede Verbesserung an den Beutel-Mühlen zu einem Gegenstande von hoher Wichtigkeit gemacht.

So wie die Beutel-Mühlen gegenwärtig beschaffen sind, weichen sie sehr wenig von einander ab; ihr Bau ist sehr einfach, und kürzlich folgender. Die Haupttheile derselben sind eine Art Haspels, welcher aus einer Achse besteht, die an jedem Ende |483| sechs gleich weit von einander entfernte Speichen hat. Auf den Enden dieser Speichen sind sechs hölzerne Schienen parallel mit der Achse befestigt, die einen Haspel oder ein Gestell bilden, über welches das Beutel-Tuch gezogen, und an einem Ende dieses Gestelles mittelst einer Laufschnur befestigt wird. An dem anderen Ende des Beutel-Tuches sind innenwendig sechs Augen, welche in Einschnitte eingelassen werden, die sich an dem Ende einer jeden dieser hölzernen Schienen befinden.

Außen auf diesem so gebildeten Haspel sind sechs Schienen von Buchen-Holz (die Klopfer, beaters) an dem Gehäuse befestigt, innerhalb dessen der Haspel sich dreht: diese Schienen sind ungefähr zwei Zoll von dem Haspel, und da in jedem Ende ein Schrauben-Bolzen eingezapft ist, der durch einen Einschnitt in dem Gehäuse nach der Richtung der Halbmesser läuft, so können sie jedes Mahl nach Bedarf der Umstände gestellt werden.

Nachdem das Beutel-Tuch gehörig befestigt wurde, wird das Mehl bei dem oberem Ende in den Beutel gelassen, und, da der Haspel sehr schnell gedreht wird, wird das Luch durch die Centrifugal-Kraft nach auswärts getrieben, und schlägt an die Klopfer, wodurch das Mehl durch die Zwischenräume des Beutel-Tuches durchgeschlagen, und auf die gewöhnliche Weise in dem Beutel-Kasten gesammelt wird. Anfangs läßt das Beutel-Tuch das Mehl sehr leicht durch; nachdem dasselbe aber einige Zeit über gebraucht wurde, verliert es einen Theil seiner Elasticität, und die Arbeit geht folglich viel langsamer. Hr. J. Ayton, ein Müller von Profession in Norfolkshire, hat in dieser Hinsicht eine sehr sinnreiche Vorrichtung erfunden, auf welche er sich ein Patent geben ließ.147) Diese Vorrichtung besteht in einer Reihe von Federn, welche mit einem allgemeinen Gefüge (universal joint) verbunden sind, welches, wenn es an einem gewöhnlichen Haspel angebracht wird, und wenn das eine Ende des Tuches an den Federn befestigt wird, indem man nämlich die Augen in die Haken bringt, welche sich an dem Ende einer jeden Feder befinden, die Arbeit um beinahe 50 p. C. erleichtert. Hr. J. Ayton, und Hr. P. Blackmore, |484| Beutel-Tuchmacher zu Wandsworth in Surrey, haben noch andere wohlberechnete Verbesserungen an den Beutel-Mühlen angebracht, die die Aufmerksamkeit der Müller verdienen, indem dadurch viel Beutel-Tuch erspart wird.148)

Fig. 23. zeigt in, AA, das Gestell eines verbesserten Beutel-Kastens, an welchem die Thürchen oder einschließenden Bretter weggenommen sind, damit man den inneren Theil desto deutlicher sieht. BBBB, sind die Klopfer, die so eingerichtet sind, daß sie augenbliklich, und selbst während die Mühle im Gange ist, gehörig gestellt werden können.

Fig. 24. zeigt Fig. 23. vom Ende her gesehen. C, ist eine flache Platte, oder ein eiserner Ring, der sich in einer Vertiefung in dem Hinterbrette (tailboard) befindet, und daselbst durch die vier Hälter (stays), aaaa, zurükgehalten wird. In dieser Platte sind sechs excentrische Furchen, bbbbbb, in welchen man sechs Bolzen mit vierekigen Köpfen sieht, cccccc. Diese Bolzen sind an dem anderen Ende gezapft, und werden in die Enden der Klopfer eingeschraubt, nachdem sie vorläufig durch die excentrischen Furchen, bbbbbb, und auch durch die sechs Einschnitte nach der Richtung der Halbmesser in den Vorder- und Hinter-Brettern der Maschine, die durch die punctirten Linien, dddddd, angedeutet sind, durchgelassen wurden.

Auf dem Rande der eisernen Platte, oder des Ringes befinden sich Zähne, die in den Triebstok, e, eingreifen, welcher an dem Ende der Spindel, f, befestigt ist. Die Lage und Stellung der Spindel, f, sieht man am deutlichsten in Fig. 23. Da an dem Vorderbrette (heardboard), eine ähnliche Platte befestigt ist, so befindet sich auch ein ähnlicher Triebstok in der Nahe des anderen Endes der Spindel, f, bei g, wo diese, zur Aufnahme einer Kurbel, vierekig ist, und dadurch gedreht wird. So oft also die Spindel, f, in einer gehörigen Lage gedreht wird, werden die daran befestigten Triebstöke, welche in die |485| Zähne der eisernen Platten oder Ringe, C, eingreifen, diese zum Theile in Umlauf sezen, und die exentrischen Furchen werden auf die Bolzen wirken, die in die Enden der Klopfer eingeschraubt sind, und dieselben folglich nach Umständen ausbreiten oder zusammenziehen.

D, ist die eiserne Achse eines Fächers oder einer Schwinge von 1 1/8 Zoll im Gevierte, die ihrer Form nach, der Achse eines gemeinen Haspels ähnlich ist, und an welche die Kraft auf dieselbe Weise, wie bei dem Haspel, angebracht wird. Auf dieser Achse sind die beiden Fahnen, h und i, angebracht, deren jede vier unter einem rechten Winkel befestige Arme, kk, hat.

Auf diesen Armen sind vier Stüke russischer Doks (Rusia duck) angebracht, von welcher man zwei in, ll, sieht. Diese wirken als Fächer, wenn das Beutel-Tuch darüber gezogen ist, und die Maschine in Gang gebracht wird.

E, ist ein Rand, wie er an den Haspeln gewöhnlich ist, auf welchem das Beutel-Tuch mittelst einer Laufschnur, oder sogenannten Zuges indem oberen Leder befestigt ist. Drei halbkreisförmige Arme (deren man vier, mmmm, hier sieht), verbinden diesen Rand, E,149) mit der Fahne, i, und bilden, ein Gestell, über welches man ein Nez befestigen kann, das zur gleichförmigen Verbreitung des Mehles über die innere Flache des Beutel-Tuches dient, und dadurch die Wirkung aller Theile des Beutel-Tuches gleichförmig macht, während die Fächer oder Schwingen die Luft in lebhafter Bewegung erhalten, was sehr viel dazu beiträgt, das Mehl durch die Maschen des Beutel-Tuches zu treiben.

Fig. 25. ist ein Grundriß von Ayton's Patent-Feder, oder Vorrichtung dem Beutel-Tuche Elasticität, zitternde Bewegung und bleibende Spannung zu geben. FGH, sind drei concentrische walzenförmige Ringe, welche ein allgemeines Gefüge bilden, und zwar mittelst der vier Schrauben, nn und oo. Der Mittelring oder Stiefel, H, hat eine vierekige Oeffnung in sich, um die eiserne Achse des Haspels, oder der Fahne in dieselbe einpassen zu können, die 1 1/8 Zoll im Gevierte hat: wenn diese daselbst eingepaßt ist, kann sie an irgend einer schiklichen Stelle mittelst der zwei Stellschrauben, pp, befestigt werden. Wenn man eine kleinere Achse braucht, als diese Oeffnung, muß |486| man sehr dafür sorgen, ein dünnes Stük Eisen von der halben Dike der ersparten Weite den Spizen der Schraube gegenüber so zu befestigen, daß die Achse vollkommen in der Mitte erhalten wird, was unumgänglich nothwendig ist.

qqqqqq, sind sechs elastische Federn oder Arme, die in den äußeren Ring, F, eingenietet sind; das Ende einer jeden dieser Federn bildet einen breiten Haken, ist glatt, und dient zur Aufnahme der Augen, die an dem Hinteren Leder (tail-leather) des Beutel-Tuches angebracht sind.

Fig. 26. zeigt Fig. 25. von der Seite: dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Theile, insofern man diese sehen kann.

Fig. 27. ist ein Durchschnitt von Fig. 25. nach der Linie, rs.

Nachdem diese Feder auf der Achse angebracht wurde, und die Augen in die Haken eingehenkt wurden, wird eine statt und gleichförmige Spannung erhalten, wodurch eine ununterbrochen zitternde Bewegung erzeugt wird, was die Wirkung des Beutel-Tuches sehr vermehrt. Wenn das Tuch mit der Zeit eingeht, läßt sich die Feder auf der Achse nach Maßgabe dieser Verkürzung schieben.

Obschon hier ein Nez (duck) zur Fahne empfohlen wird, kann dasselbe auch wegbleiben, ohne daß dadurch die übrigen Vorrichtungen weniger kräftig wirkten.

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Dieses Patent dd. 19. Februar 1825, ist im Repertory of Patent Inventions ausführlich beschrieben. Indessen ist die gegenwärtige frühere Beschreibung von Hrn. Gill eben so klar und vollständig.

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Hr. Ayton bemerkt am Ende seines Patentes, daß, während mit einem gewöhnlichen Beutel in zwei Stunden 5 Saks 5 Stones 6 Pfund durchgebeutelt wurden, in seinem Patent-Beutel während eben dieser Zeit 8 Saks 12 Stones, 5 Pfund durchliefen. Dieser Versuch ward öffentlich angestellt. Zeither beutelt er 4 Saks in Einer Stunde durch. Sein Beutel-Tuch ist noch brauchbar, nachdem 783 Saks durch dasselbe durchgebeutelt wurden. (Vergl. Repository a. a. O. S. 26)

|485|

Er ist im Originale nicht bezeichnet. A. d. Ueb.

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