Titel: Ueber ein durchscheinendes Siegel-Wachs zum Verpichen der Weinflaschen im Keller, und über ein Fett zur Verminderung der Reibung der Metalle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. XXI./Miszelle 19 (S. 107–108)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019021_19

Ueber ein durchscheinendes Siegel-Wachs zum Verpichen der Weinflaschen im Keller, und über ein Fett zur Verminderung der Reibung der Metalle.

Die Gebrüder Grafe, Siegellak-Fabrikanten zu Paris, rue des Fossées-Montmartre, N. 13, haben der Société d'Encouragement ein Siegel-Wachs zum Versiegeln der Weinflaschen im Keller, und eine Composition zur Verminderung der Reibung der Metalle unterlegt.

Bekanntlich werden die auf den Weinflaschen aufgeklebten Zettel theils leicht los, theils verderben sie so, daß man sie nach wenigen Wochen nicht mehr lesen und wissen kann, was in der Flasche enthalten ist.

Die HHrn. Grafe beseitigen diesen Nachtheil dadurch, daß sie aus Bourdeaux-Pech, welches sie sorgfältig klären, und dem sie etwas Terpenthin und einen fetten Körper zusezen, damit es nicht so leicht abspringt, und brüchig wird, wenn es erkaltet, eine Art Siegellak bereiten. Sie schmelzen obige Mischung, lassen sie etwas erkalten, und formen sie sodann in Modeln.

Wenn man sich dieses Siegelwachses bedienen will, schmelzt man dasselbe, und taucht den Hals der Flasche darin ein; dann legt man alsogleich das Zettelchen, welches die Sorte des Weines bezeichnet, auf den mit Wachs überzogenen Propfen, auf welchem es kleben bleibt, und taucht den Hals der Flasche noch einmahl in das Wachs. Auf diese Weise kommt dann das Zettelchen zwischen zwei Lagen Siegelwachs, welches durchscheinend ist, so daß man die Aufschrift durch dasselbe deutlich lesen kann. Wenn nach einem sehr langen Aufenthalte in einem feuchten Keller die Durchscheinenheit des Wachses gelitten haben sollte, so darf man nur den Hals der Flasche mit einem feuchten Schwamme abwischen, und über glühende Kohlen halten, so wird das Wachs augenbliklich wieder durchscheinend werden.

Das Pfund dieses Siegelwachses kostet 1 Franken 50 Cent., wozu man noch 50 Zettelchen unentgeltlich erhält. Der Preis ist also viel höher, als der des gewöhnlichen Peches, obschon man übrigens, da dieses Wachs im Schmelzen flüßiger wird, als Pech, mit gleicher Menge desselben eine größere Anzahl Flaschen verpichen kann, und die Zettelchen auch in Anschlag gebracht werden müssen. Wohlfeiler würden diese Artikel werden, wenn die HHrn. Fabrikanten das Pech gleich in den Landes de Bourdeaux reinigen ließen.41) |108| Das Fett zur Verminderung der Reibung ist nichts Neues, und wird in England so wie in Frankreich und Deutschland schon lang zu diesem Zweke verwendet. Es ist lediglich ein Gemenge aus 16 Theilen fein gepulvertem Reisblei und 8 Theilen Schweinschmalz. Man vergleiche hierüber Bulletin de la Société, October, 1820. S. 295. Dieses Fett ist übrigens sehr gut zum Schmieren der Zapfen der Maschinen, der Räder an leichten Fuhrwerken, zumahl solcher, die in Buchsen laufen. Jeder kann sich dasselbe leicht selbst bereiten. (Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement.)

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Wir besizen in Bayern, leider, nur zuviel Nadel-Wälder, und |108| könnten, würde bei uns die Theerschwellerei und Pechsiederei mit jener Geschiklichkeit und Aufmerksamkeit betrieben, wie in Schweden und in dem holzarmen Frankreich, einen bedeutenden Handel mit Pech und Theer nach Holland und Frankreich treiben. Leider ist aber unsere ganze Pechsiederei noch so, wie sie vor ungefähr 2000 Jahren in den damaligen Waldwüsten Deutschlands war, und die trefflichen Anweisungen des alten Marine-Inspectors Duhamel, der fleißigen und geistreichen Schweden in den Abhandlungen der Akademie zu Stockholm, so wie die der HHrn. Wiesenhavern, v. Uslar etc. sind so, wie Fortschritte, die die neuere Chemie in der Kunst der Kohlenbrennerei, des Pechsiedens und der Theerschwellerei gemacht hat, bei uns kaum gekannt, vielweniger benüzt und gehörig verbreitet.

A. d. Ueb.

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