Titel: Ueber sogenannte erstickte Leinwand oder Canevaß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. XXI./Miszelle 32 (S. 112)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019021_32

Ueber sogenannte erstickte Leinwand oder Canevaß.

Einige sehr interessante Versuche, Gewebe nach Hrn. Sanderson's Methode vor dem Ersticken zu sichern, finden sich in dem Edinburgh philosophical Journal, October 1825, S. 312 beschrieben. Wenn Leinwand oder Canevaß eine längere Zeit über an feuchten Orten, in Magazinen, Gewölbern, Kellern, Schiffsräumen aufbewahrt wurde; wenn sie längere Zeit über einer beständigen Feuchtigkeit ausgesetzt war, wie z.B. Zelte, wo sie den Boden berühren, Segel, die in Stürmen naß aufgerollt werden, und so lange Zeit über liegen bleiben mußten, so bedeckt sie sich mit einer Art von Schimmel; es zeigen sich dunkle Flecken in derselben, und sie bricht an diesen Stellen. Seit mehr als einem halben Jahrhunderte sucht man diesem Nachtheile (den die Engländer Mehlthau, Mildew, nennen) abzuhelfen, alles, was man indessen bisher hierüber versuchte, beschränkt sich auf Kochen und Bleichen des zu diesen Geweben bestimmten Garnes mit Alkalien: dabey verliert man aber rohes Material und Zeit zugleich, ohne seinen Zweck vollkommen zu erreichen. Man schätzt, in diesem Aufsatze, den Verlust, den die englische Marine zuweilen in tropischen Klimaten durch ein einziges Naßwerden der Segel in einem Sturme erleidet, auf den vierten Theil der Segel. Der Nachtheil, der hieraus für die Schnelligkeit der Fahrt, und selbst für die Sicherheit des Schiffes entsteht, ist nicht zu berechnen. Im Kriege, zumal mit den Mächten, von welchen England seinen Hanf bezieht, vervielfältigt sich dieser Schaden ins Unendliche. Die HHrn. Dempster berechneten für ein einziges Kriegsjahr den Vortheil für die Marine, bey dem Gebrauche des bessern Doppel-Canevasses (twine-canvas) statt des gewöhnlichen Contract-Canevaßes, auf jährlich 150,000 Pf. Sterl.; aber auch dieser ist dem Ersticken ausgesetzt. Eben diesem Verderben sind auch Baumwollen-Gewebe ausgesetzt, an welchem bey dem Ueberschiffen soviel verloren geht. Eine einzelne Stadt, wie z.B. Dundee in Schottland, die jährlich 3,900,000 Yards (3 Fuß) Baumwollengewebe ausführt, verliert zuweilen in einem Jahre durch Ersticken ihrer Waaren an 30,000 Pf. Sterl. Die angestellten Versuche mit den, nach Hrn. Sanderson's Methode gegen das Ersticken gesicherten, Geweben gaben die glänzendsten Resultate. Allein, wir müssen sehr bedauern, daß Hr. Sanderson's Methode, die so vortrefflich ist, hier nicht beschrieben wurde. Dr. Greville erklärt die Moderflecke zum Theile als Folgen eines kleinen kryptogamischen Gewächses, dessen Art er jedoch gleichfalls nicht angibt.

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