Titel: Eisenbahnen und Dampfwagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. XXI./Miszelle 5 (S. 102–103)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019021_5

Eisenbahnen und Dampfwagen.

Hr. Stevenson, Mechaniker zu Newcastle, hat so eben eine neue Eisenbahn von den Kohlengruben in der Nähe von Darlington nach Stockton upon Tees in Durhamshire vollendet. Die Wagen laufen auf flachen Schienen, die oben gewölbt sind (nach Birkinshaw's Methode), und werden von Dampfmaschinen getrieben, die wie jene auf der Hetton-Bahn bei Sunderland gebaut, aber stärker sind, und kräftiger treiben. Auf der Ebene läuft der Wagen in dieser Bahn 6 Meilen (3 bayerische Poststunden) in Einer Stunde; auf der Bahn zu Hetton nur 3 1/2 Meilen; der Kessel und die Räder sind nähmlich großer. Der Dampfwagen wiegt ungefähr 7 Tonnen, und hat einen zehn Fuß langen cylindrischen Kessel von 4 Fuß im Durchmesser, der mit Holz umkleidet ist, um das Ausstrahlen der Hize zu verhindern, und horizontal liegt; das Feuer ist. in dem Cylinder, und der Zug hält zwei Fuß im Durchmesser, und läuft gerade durch den Kessel in den Schornstein. Zwei arbeitende Stämpel bewegen sich senkrecht in Cylindern von 9 1/2 Zoll im Durchmesser, welche in dem Kessel eingesenkt und mit Hanf gepakt sind.

Der Dampf wirkt mit einem Druke von 30 Pfund auf jeden Quadrat-Zoll des Kessels, und die Sicherheits-Klappe ist mit 50 Pfd. beladen. Die Ein- und Auszugs-Klappen beider Cylinder werden von Stangen in Bewegung gesezt, die unten mit excentrischen Rädern verbunden sind; die abwechselnde Kraft der Stämpel wird durch parallele Bewegungen und Streichstangen zu jeder Seite der Kurbeln auf den Speichen der Räder des Wagens mitgetheilt. Die Richtung der Kurbeln auf den vorderen und hinteren Rädern ist um einen Viertel-Kreis entfernt, um die Stillstände der Schläge der Stämpel zu beseitigen; der Lauf der Kurbeln beträgt folglich 2 Fuß. Die Wagenräder haben 4 Fuß im Durchmesser, und sind an den Kanten mit einem Ranfte versehen.

Der Kessel bekommt sein Wasser durch Röhren, die dasselbe aus einem Behälter herbeileiten, welcher auf einem Karren ruht, der hinten am Wagen angehängt ist. In demselben Karren sind auch die Kohlen zu? Unterhaltung des Feuers in dem Ofen. Für eine Streke von 50 englische Meilen (27 bayerische Post-Stunden) braucht der Wagen nur 3/4 Tonne (1500 Pfd.) Steinkohlen.

Wo die Bahn Ein Zoll auf 3 Fuß aufsteigt, überwindet die Maschine, an welcher 20 Wagen, jeder mit 2 Tonnen befrachtet, angehängt sind, diesen größeren Widerstand leicht, und läuft dabei, wie oben, 6 Meilen in Einer Stunde. Bei der ersten Eröffnung der Bahn wurden 30 beladene Wagen und eine Kutsche mit Passagieren eine Streke lang mit einer Geschwindigkeit |103| von 15 Meilen (7 1/2 Post-Stunden) in Einer Stunde fortgerissen; dieß war aber ein bloßer Versuch. Indessen ist 6 englische Meilen in Einer Stunde Verbesserung genug, da die Dampfwagen auf den Eisenbahnen bei Leeds nur 2 1/2 bis 3 Meilen in Einer Stunde fahren.

Der Dampfwagen der HHrn. Burstall und Hill, welcher auf S. 1. in diesem Journale beschrieben, und auf Tab. I. abgebildet ist, ist noch nicht fertig; es mußten einige Veränderungen am Kessel gemacht werden, wornach der Bericht des Hrn. v. Yelin in der Anmerkung dieses Journals auf S. 1. zu berichten ist. Wir fügten jener Abhandlung noch die Anmerkung bei: Wenn Dampfwagen jemahls in Gang kommen können, muß die Triebkraft nicht an der Nabe, sondern an den Felgen angebracht werden,“ die wir auf den Bericht des Hr. v. Yelin strichen, nach dem obigen Berichte aber hier wieder beifügen zu müssen glauben.

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