Titel: Ueber die Einwirkung gewisser Flüssigkeiten auf thierische und vegetabilische, hydrhophische, Körper
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. LIII./Miszelle 13 (S. 219)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019053_13

Ueber die Einwirkung gewisser Flüssigkeiten auf thierische und vegetabilische, hydrhophische, Körper

hat Hr. H. Home Blackadder in dem Edinburgh philosophical Journal, October, 1825, S. 240 einen interessanten Aufsatz mitgetheilt, aus welchem wir einige in technischer Hinsicht interessante Thatsachen hier ausheben wollen. Er fand, daß Hygrometer, so sehr mit Oehl bestrichen, daß sie ganz durchscheinend wurden, ihre Spannung nicht verloren, und eben so wenig auch ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit einzuziehen, indem sie, geöhlt, eben so genau zeigten, wie andere, die nicht mit Oehl bestrichen wurden. Er schließt hieraus, daß Oehl nur in die Zwischenräume der hydrhopischen Körper eindringen und diese ausfüllen, nicht aber in die Theilchen dieser Körper selbst; während Wasser sowohl in die Zwischenräume derselben, als in die Theilchen selbst eindringt, und sich mit diesen verbindet, selbst wenn die Zwischenräume mit Oehl gefüllt sind; nur darf das Oehl dann nicht auf der Oberfläche des Körpers liegen, und gleichsam einen Ueberzug über denselben bilden. Daher lassen selbst mit Fett und Oehl behandelte Locken an feuchten Abenden nach, und mit Fett bestrichene Stiefel lassen, dessen ungeachtet, Wasser durch. Erfahrung hat gezeigt, daß Leder, z.B. an Geschirren der Pferde, wenn man es mit nassem Schwamme überfährt, weich und biegsam wird, ohne seinen Zusammenhang zu verlieren; vielmehr wird die Cohäsions-Kraft desselben dadurch vermehrt, wenn nur nicht zuviel Wasser in das Leder kommt. Oehl hingegen macht das Leder bloß geschmeidiger, ohne seine Cohäsionskraft zu vermehren.

Hr. Blackadder bemerkte, daß das sogenannte Papier végétal außerordentlich empfindlich für die Veränderungen in der Feuchtigkeit der Atmosphäre, und daher sehr gut zu Hygrometern zu brauchen ist. Es ist, obgleich sehr dünn, doch sehr dicht, und seine Theilchen besitzen eine große Cohäsions-Kraft. Es ist mehr durchscheinend als in Oehl getränktes Papier, und wird, in Oehl getränkt, beynahe so durchscheinend, wie Glas. Er bedient sich eines Streifchens von diesem Papiere schon seit drey Jahren als Hygrometer, und fand es empfindlicher, als jedes andere, und dauerhafter, da er dasselbe, selbst geöhlt, als Hygrometer brauchen kann.

Wir übergehen hier die von Hrn. Blackadder S. 243 angegebene Weise sich mit solchem Papiere sehr wohlfeile und sehr empfindliche Hygrometer zu verfertigen, und bemerken bloß, daß er dieses Papier végétal, in Firniß getränkt, wo es beynahe vollkommen durchsichtig wird, als ein gutes und wohlfeiles Surrogat für Glas empfiehlt, indem es zugleich biegsam, und vollkommen undurchdringbar für Wasser ist. Bey dem gewöhnlichen Firnisse aus gekochtem Leinöhle, Bleyglätte und Terpentin-Oehle zieht es noch immer Feuchtigkeit aus der Atmosphäre an; Mastix und andere Firnisse hingegen machen es vollkommen wasserdicht. Roh, wie es ist, ist es zum Copiren der Zeichnungen (Durchpausen) weit besser als öhlgetränktes Papier; so, und gefirnißt, dient es trefflich in der Camera obscura statt des mattgeschliffenen Glases, vorzüglich wenn es vor dem Firnissen von dem Buchbinder gehörig geschlagen wurde. Wenn man mit einem Griffel darauf zeichnet, erhält die Zeichnung das Ansehen, als ob sie in Glas gravirt wäre.

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