Titel: Ueber die verschiedenen Arten der Flachsbewirthschaftung in Ireland.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. LIII./Miszelle 17 (S. 220–221)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019053_17

Ueber die verschiedenen Arten der Flachsbewirthschaftung in Ireland.

Hr. Wilh. Salisbury theilt im November-Hefte des technical Repository S. 276 eine Fortsezung seiner Bemerkungen über Flachsbewirthschaftung in Ireland mit, aus welcher wir hier einige Notizen ausziehen wollen. Wir übergehen seine, auch bei uns nur zu gut bekannten, Bemerkungen über die Nachtheile und Mängel der Flachsröstung, der gewöhnlichen Brechen, durch welche so viel Flachs verwüstet wird, um zu einer Thatsache überzugehen, die man in dem sogenannten „freien Groß-Britannien“ kaum für möglich halten sollte. Seit ein Paar Jahren hat man den Grund-Eigenthümern in Ireland empfohlen, Flachs-Brechmühlen zu errichten, auf welche die Unterthanen ihren Flachs zur Breche schiken, und für den Stein (14 Pfund), 1 Shilling 1 Penny (39 kr.) Brechgeld zahlen müssen. Dabei verliert nun der arme Pächter oder Bauer, das Hin- und Herfahren zur Mühle mit eingerechnet, ungefähr 20 bis 25 p. C. während eine solche Mühle der gnädigen Herrschaft einen jährlichen reinen Ertrag von 400 Pfd. Sterling (4800 fl.) gewährt. Nach den, unter den Augen des Hrn. Salisbury auf solchen Mühlen angestellten, Versuchen erhielt ein Bauer von Einem Zentner rohen gerösteten Flachses, den er zur Mühle fahren mußte, 2 Steine, oder 28 Pfund gebrochenen Flachses; mancher erhielt gar nur 8 Pfund! Also nicht einmal die Saat-Kosten! Im Durchschnitte kann man nicht mehr als 17 Pfund guten gebrochenen Flachs auf 112 Pfd. rohen gerösteten Flachs rechnen. Dessen ungeachtet hat man, wie aus dem Report of the Irish Linen Board 1823 erhellt, am 6. May 1823 nicht weniger als 15,000 Pfund Sterling zur Vertheilung auf Errichtung noch mehrerer solcher Mühlen angewiesen. Kein Wunder, daß die Flachs-Erzeugung in Ireland jährlich abnimmt.

Man ließ ein Paar Holländer nach Ireland kommen, die dort den Flachsbau lehren sollten. Diese lehrten den Flachs vor der Röstung zu troknen, damit man die Samen erspart, und den in Wasser zur Röstung eingesenkten |221| Flachs mit Morast, statt mit Steinen, zu schweren, damit er weicher werden sollte. Hr. Salisbury bemerkt, daß, wenn man den Flachs so lange auf dem Felde läßt, bis die Samen reifen, man bloß einen groben, rauhen Flachs erhält, der um die Hälfte weniger werth ist, als jener, den man vor der vollen Reife aller Samen gerauft hat. Höchstens dürfen nur die Samen der ersten Flachsblumen zur Reife kommen. Der mit Koth bedekte Flachs wollte nicht troken werden, nachdem man ihn auf der Wiese ausbreitete, und der Erfolg hiervon war, daß die ganze auf diese Weise behandelte Flachsernte verfaulte und verdarb. In Ireland, wo es im Herbste beinahe täglich regnet, läßt diese Methode, wenn sie auch in Holland taugte, sich nicht anwenden.87) Hr. Salisbury hat seinen Flachs, den er in Ireland zog, und nicht röstete, in England ehe versponnen verkauft, als der nach holländischer Art in Ireland gezogene Flachs aus den Kothgruben genommen wurde, welchen man erst im Jänner des folgenden Jahres am Feuer troknete. Der arme irische Bauer muß die Luft seiner Hütte mit den Ausdünstungen des Flachses vergiften, indem er den gerösteten Flachs an dem Torffeuer in derselben den ganzen Winter über nach und nach troknen muß.

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Man muß in Ireland eilen, vor dem Herbste mit der Flachsernte fertig zu werden.

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