Titel: Bericht des Ausschusses des Hauses der Gemeinen über Ausfuhr der Maschinen aus England. (Fortsezung und Beschluß von Seite 102.)
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. LIII./Miszelle 3 (S. 211–214)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019053_3

Bericht des Ausschusses des Hauses der Gemeinen über Ausfuhr der Maschinen aus England.
(Fortsezung und Beschluß von Seite 102.)

Wenn man auch wirklich annimmt, daß dieselben Maschinen, deren man sich in England bedient, alle auf dem Continente wären, so glauben doch einige der verständigsten Fabrikanten, die man vorgerufen hat, daß der Mangel an Ordnung, an gehöriger Vertheilung der Arbeiten, an Geschiklichkeit und Beharrlichkeit der Arbeiter, an Unternehmungs-Geist bei den Meistern, zugleich mit der Geringschäzung, mit welcher man selbst große Fabrikanten auf dem festen Lande behandelt,82) und dem verhältnißmäßigen Mangel an Capital daselbst, nebst vielen anderen Umständen, die Fabriken des festen Landes hindern wird, auf irgend eine bedeutende Weise mit unseren bedeutenderen Fabriken zu concurriren. Der Ausschuß unterlegt, als der Aufmerksamkeit des Hauses würdig, folgende Aussagen des Hrn. Gallsway:

„Findet ihr im Ganzen einige wahrscheinliche Gefahr für unsere Fabriken, wenn die Franzosen eben so gute und eben so wohlfeile Maschinen bekommen, wie wir?“Die Franzosen werden stets so lang hinter uns bleiben, bis sie in ihren Sitten uns im Allgemeinen ähnlicher werden; und auch aus anderen Gründen, die ich oben angegeben habe, noch lang hinter uns zurükbleiben.“„Ein anderer Grund ist auch noch der, daß der beste Fabrikant zu Manchester, wenn er vor 7 Jahren diese Stadt verlassen hätte, und jezt zurükkäme, nicht mehr mit seinen Mitbürgern Concurrenz halten könnte, die sich jezt zu Manchester befinden, weil er nicht gleichen Schritt mit denselben gehalten hat, und die Verbesserungen |212| nicht kennt, die während dieser Zeit gemacht wurden. Dieses tägliche Fortschreiten in Kenntnissen und Erfahrungen ist es, worin unsere große Kraft und unser Vortheil besteht.“

Man muß nicht vergessen, daß dieses stäte, beinahe tägliche Fortschreiten sowohl in unserem Maschinen-Fabrik-Wesen, als in der Anwendung derselben, zugleich mit allen obigen Mitteln und Vortheilen in ununterbrochener Thätigkeit bleibt, und daß, nach der Meinung der Sachverständigen, wenn auch Europa jedes Werkzeug besizt, das man gegenwärtig in dem vereinigten Königreiche braucht, selbst mit englischen Künstlern, die es in beliebiger Anzahl nehmen darf, doch, bei den natürlichen und erworbenen Vortheilen, die unserem Lande eigen sind, die englischen Fabriken für Jahrhunderte jene Ueberlegenheit behalten werden, deren sie sich gegenwärtig erfreuen.83) Mehrere erfahrne Männer glauben, daß wenn die Ausfuhr der Maschinen erlaubt wäre, dieselbe sich sehr oft nur auf solche Maschinen beschränken würde, die bereits durch neue Erfindungen überflüßig geworden sind, und nur deßwegen noch gebraucht werden, weil man sie nicht an Mann bringen kann, wodurch dann in vielen Fällen Nachtheil für unsere Fabriken und für unseren Handel entsteht. Es ist erwiesen, und verdient beachtet zu werden, daß, wenn mehr Absaz für unsere Maschinen Statt hätte, die Geschiklichkeit und der Erfindungs-Geist unserer Arbeiter ein weiteres Feld erhalten würde, und daß, so groß und mannigfaltig auch unsere Verbesserungen in neueren Zeiten im Maschinen-Wesen geworden sind, sie, unter solchen Umständen, eine noch weit höhere Stufe von Größe erreichen müßten.

Die allgemeine Maxime der Gesezgebung Englands war bisher diese: den englischen Fabrikanten alle mögliche Aufmunterung und Unterstüzung dadurch zu ertheilen, daß man Einfuhr fremder Fabrikate auf das Strengste verboth, und die Ausfuhr englischer Producte durch Prämien, Vergütungen, Rabatte auf alle mögliche Weise begünstigte. Nur der große und wichtige Zweig des Fabrik-Wesens, Verfertigung der Maschinen und Werkzeuge, ward von dieser Maxime ausgenommen, und die Ausfuhr der Maschinen ward verbothen, obschon Fabrikation der Maschinen für die Verhältnisse dieses Landes vorzüglich geeignet ist, und eben so viele Vortheile durch Beschäftigung der Hände und Gewinn für die Fabriken-Besizer gewährt, wie jede andere Fabrikation.

Kein anderes Land hat so wichtige Erleichterungen bei der Fabrikation der Maschinen und Waaren, wie England, und es ist nicht wahrscheinlich, daß irgend ein Land derselben so lang hinaus genießen kann. Unsere Geschiklichkeit ist unübertroffen, der Fleiß und die Kraft unseres Volkes ist unerreicht geblieben; die Talente unseres Volkes, die sich in Verbesserungen des Maschinen-Wesens, wie der Fabrikate, ununterbrochen entwikeln, haben noch nicht ihres gleichen und noch keine Gränzen gefunden. Die Freiheit, die unsere Regierung jedem gestattet, sein Capital, seine Talente, seinen Fleiß auf die für ihn vortheilhafteste Weise zu verwenden, gewährt nicht zu berechnende Vortheile: Canäle wurden gegraben; Eisenbahnen wurden angelegt; bloß durch freiwillige Verbindungen derjenigen, deren Local-Kenntnisse sie in den Stand sezten, sich in die glüklichsten Verhältnisse emporzuschwingen. So etwas ist unter minder freisinnigen Regierungen platterdings unmöglich.

Ehe der Ausschuß schließt, glaubt er bemerken zu müssen, daß durch den Beschluß der lezten Sizung, durch welchen den Künstlern erlaubt wird, auszuwandern, und im Auslande zu wohnen,84) die Lage unseres Landes |213| in Bezug auf Verfertigung der Maschinen anders geworden ist, als sie ehe war. Aus den Aussagen der Sachverständigen vor dem Ausschusse in dieser Sizung, wie in der vorigen, erhellt, daß bei der Leichtigkeit, mit welcher Plane, Modelle und Zeichnungen unserer neuesten Erfindungen im Maschinen-Wesen auf das feste Land gelangen; bei der Leichtigkeit, mit welcher, nach der Aussage mehrerer Mechaniker, geschikte Arbeiter nach denselben solche Maschinen verfertigen können, es wahrscheinlich ist, daß, wenn das Maschinen-Ausfuhrverboth fortbesteht, das Ausland gezwungen seyn wird, Fabriken zur Verfertigung aller jener Werkzeuge und Maschinen zu errichten (wie dieß bereits in Frankreich und in den vereinigten Staaten der Fall ist), welche wir ihnen nicht liefern dürfen. Diesem Nachtheile könnte eine liberale Gesezgebung vorbeugen.

Hr. Heinr. Mandslay versichert: „daß die Fabriken, in welchen Dampfmaschinen und andere Maschinen auf dem festen Lande verfertigt werden, sich daselbst sehr vermehren; was nicht der Fall seyn würde, wenn man dort diese Maschinen wohlfeiler und besser aus England erhalten könnte. Jeden Monath werden, am ersten Tage desselben, Journale und Bücher nach Hamburg geschikt, und von dort nach Holland und nach allen Theilen des festen Landes versendet. Nach einer Woche wußte einer meiner Freunde schon, daß ich auf dieß und jenes ein Patent genommen hatte. Hier habe ich ein Exemplar des französischen Repertory of Arts, und dieß ist eine Zeichnung einer Maschine, nach welcher jeder dieselbe nachmachen kann. Diese Maschine war bei uns noch nicht im Gange auf der Münze, als dieses Buch in Frankreich bereits gedrukt war; ich glaube, sie befand sich damahls noch in der Werkstätte der HHrn. Bolton und Watt. So leicht erhält man solche Dinge in Frankreich!85) Hier ist eine Abbildung eines Gebläses für Schmelzwerke, von welcher eben dieß gilt. Und eben dieß gilt auch von unseren Abbildungen der Spinn-Maschinen in der Encyclopädie, von den Dampfwagen etc. Nach weit schlechteren Abbildungen, als diese, wurden Maschinen trefflich nachgemacht.“

Obschon der Ausschuß der Meinung ist, daß die Fabrikation der Werkzeuge und Maschinen nach denselben Grundsäzen behandelt werden sollte, wie andere Fabrik-Artikel, so glaubt derselbe doch, daß, da viele Fabrikanten über diesen, der Aufmerksamkeit der Gesezgebung so höchst würdigen, Gegenstand einer anderen Meinung sind; und da es möglich ist, daß es Umstände gibt, welche ein Ausfuhrverboth gewisser Werkzeuge und Maschinen in einzelnen Fällen nothwendig machen, dem Hause empfehlen zu müssen, daß, bis eine Abänderung in den dieses Verboth betreffenden Gesezen gemacht werden kann, Sr. Majestät geheimer Rath (Privy Council) fortfahren soll, nach seinem Ermessen die Ausfuhr aller jener bisher verbothenen Werkzeuge und Maschinen zu gestatten, deren Ausfuhr demselben für den Handel und die Fabriken des vereinigten Königreiches nicht nachtheilig scheint. Den 30. Junius 1825. (Aus dem Repertory of Patent-Inventions. December, 1825. S. 398.)

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Es ist merkwürdig, in dem London Journal of Arts. November, S. 270. die Aussagen eines Hrn. La Place über Maschinen-Ausfuhr vor obigem Ausschusse zu lesen. Hr. Place sagt, daß ungefähr 100 Tonnen Maschinen nach Chili ausgeführt wurden: sie bestanden vorzüglich in Strek-Mühlen und Münz-Pressen, deren Ausfuhr verbothen ist, von dem geheimen Rathe aber unter dem Rahmen Maschinen auszuführen erlaubt wurde. Man suchte ein zweites Mahl um Erlaubniß nach, eine |214| Strek-Mühle und Münz-Presse auszuführen, und erhielt keine Erlaubniß hierzu. Man versuchte es noch ein Mahl, und bath um Ausfuhr-Erlaubniß der einzelnen Theile derselben, denen man andere Nahmen gab, als sie im Geseze (Act. 26. Georg III. e. 89.) tragen: in dem Geseze nähmlich hießen die Theile der Strek-Mühlen, deren Ausfuhr verbothen ist: rods, pinions, pillars and rollers, und in dem Ansuchen nannte man die pillars, bars of wrought iron u.s.f., und nun erhielt man die Erlaubniß, diese Theile unter der neuen Benennung, die man ihnen gegeben hat, als pars of wrought iron etc. frei auszuführen: am Ende der Erlaubniß waren sogar noch die Worte: other machinery (und andere Maschinen) beigefügt. Da nun diese Worte der Erlaubniß beigefügt waren, so hat man alles, was sonst noch von Maschinen auf das Schiff gebracht werden konnte, auf demselben eingeschifft.

Hr. Place war zwei Mahl auf der Mauth. Der Ober-Beschauer (head-searcher) zeigte ihm ein Buch, in welchem der Rahme jeder Maschine und jedes Theiles einer Maschine, deren Ausfuhr verbothen ist, aufgezeichnet ist: er glaubte nun, alles, was nicht in diesem Buche verzeichnet ist, dürfte frei ausgeführt werden, und wollte ein paar Tuchscheeren nebst ihrem Gestelle ausführen: der Aufseher sah sie aber für eine Schlagpresse an, und nahm sie in Beschlag. Er sandte eine Drehebank auf die Mauth mit einer großen Stellschraube, und auch diese ward in Beschlag genommen, weil die Schraube mehr als anderthalb Zoll im Durchmesser hatte. Man wandte sich an den geheimen Rath, und bemerkte, daß Act. 25. Georg III. die Ausfuhr der Drehebänke verbiethet; Act. 26. Georg III. dieselbe erlaubt, und das Verboth, bis auf einige nahmentlich angezeigte Artikel, aufhebt, und erhielt die Erlaubniß. Hr. Place fand es nie schwer auszuführen: er machte seine Eingabe bei der Mauth, und begab sich mit der Erlaubniß auf die Werfte. Die Beschauer können bloß nach ihrer eigenen Kenntniß oder nach dem Urtheile Sachverständiger wissen, ob etwas erlaubt ist auszuführen oder nicht, und für sie ist das Gesez immer klar.

Hr. Place konnte nie Maschinen auf heimlichem Wege hinausbringen; auf obige Art aber gelang es ihm und anderen jedes Mahl. Indessen beträgt solche Ausfuhr nur Kleinigkeiten, und sie würde ungeheuer werden, vorzüglich nach Süd-Amerika, wenn sie erlaubt wäre, da die Spanier alle Maschinen, besonders auf der Münze, zerstörten, und die neue Regierung sie gern ersezen möchte. Eine englische Gesellschaft hat daselbst die Münze übernommen. Gold und Silber in Stangen oder Blöken darf, bei Todes-Strafe, nicht aus diesem Lande ausgeführt werden: Thaler aber können bei 2 1/2 p. C. Zoll, nach Belieben ausgeführt werden. Man braucht also Münz-Maschinen in diesem Lande ohne Ende, um Gold und Silber auszuprägen. Auch Mexico verlangt immer Maschinen, und wenn das Ausfuhr-Verboth nicht aufgehoben wird, kann man nur einzelne Theile hinschiken, und muß Leute nachschiken, die die verbothenen Theile daselbst hinzufügen. Die Ausfuhr der Strek-Mühlen könnte vielleicht für England nachtheilig werden, indem man mittelst derselben das Kupfer im nördlichen Chili streken lernen könnte; es ist aber nicht wahrscheinlich, daß man es von dort aus nach China und den benachbarten Inseln ausführen wird.

|211|

Die Fabrik-Canaille war ein Lieblings-Wort eines Finanz-Ministers auf dem festen Lande.

A. d. Ueb.

|212|

Vorausgesezt, daß wir fortfahren werden, so einfältig zu seyn, und englische Waaren herein zu lassen, und nicht Vaterlandsliebe und Genügsamkeit genug besizen, lieber etwas schlechter, als in der allerdings sehr eleganten englischen oder französischen Livrèe gekleidet zu seyn.

A. d. Ueb.

|212|

Der Handwerker und Künstler war ehevor in dem freien England |213| an die Scholle gebunden (glebae adstrictus), und durfte es nicht wagen, das Land zu verlassen.

A. d. Ueb.

|213|

Und, wie man aus unserem Journale sieht, auch in Deutschland. Wir sind den Franzosen in Bekanntmachung der englischen Erfindungen in der Regel um ein halbes Jahr voraus. A. d. R.

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