Titel: Verbesserung an Dampfmaschinen durch Dr. Alban.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1826, Band 19, Nr. LIII./Miszelle 5 (S. 215–216)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj019/mi019053_5

Verbesserung an Dampfmaschinen durch Dr. Alban.

Die Bremer und allgemeine Zeitung geben einen ausführlichen Bericht über die von Doktor Alban, Arzt zu Rostock, erfundene höchst wichtige Verbesserung der Dampfmaschinen. Nach manchen Versuchen entwikelte sich in Alban nach und nach die Idee: den Kessel ganz wegzulassen und den Dampf in Gefässen zu erzeugen, welche mit dem Feuer nicht unmittelbar in Berührung kommen, und da fiel er auf den glüklichen Gedanken: die dampferzeugenden Gefäße mit geschmolzenem Metall, einer Mischung von Blei und Zinn, zu umgeben, und ihnen durch dieses Medium die nöthige Hize zuführen zu lassen. Wird in diese Dampferzeuger jedesmal nur so viel Wasser durch Einsprizen eingelassen, als zur Erzeugung des zu jedem Hube des Cylinders erforderlichen Dampfes nöthig ist, so kan von Gefahr, die durch Springen entstehen könnte, nicht mehr die Rede seyn; denn der Kessel, mit der übermäßig erhizten Wassermasse, welche bei zu hoher Spannung mit der Gewalt einer Pulvermine alle Hindernisse zersprengt, existirt gar nicht mehr, und die engen Gefäße, worin der Dampf jedesmal in so kleinen Massen erzeugt wird, sind vermöge ihres Baues so stark, daß sie einen unglaublichen hohen Druk aushalten können, und da das Wasser mehr als siedend heiß hineingesprüzt wird, so sind sie auch keinem großen Wechsel unterworfen, der ein Springen besorgen lassen könnte. Um sich von der Einrichtung der Albanschen (in England patentirten) Dampferzeuger einen Begrif zu machen, denke man sich ein hohles Gefäß von Gußeisen, 4 Fuß lang, 3 1/2 Fuß hoch, und dabei nur 3 Zoll breit. Solcher Gefäße werden, nach Bedarf, mehrere in einiger Entfernung neben einander angebracht, mit leicht fließendem Metall, wie Blei und Zinn, angefüllt, und in einem zwekmäßig erbauten Ofen dem Feuer ausgesezt. In jedem dieser Gefäße befinden sich acht eiserne gebohrte Röhren, 3 Fuß lang, 1 Zoll weit, die in dem Dekel des Gefäßes befestigt sind, herabhängen, den Boden unten aber nicht berühren. Diese Dampferzeuger sind zwar nur dünn von Eisen gearbeitet, kaum so stark wie ein Büchsenlauf; allein bei dem kleinen Durchmesser des Kalibers gleichwohl so stark, daß sie einen Druk von 4 bis 6000 Pfund auf den Quadratzoll (oder da der Druk der atmosphärischen Luft 14 Pfund auf den Quadratzoll beträgt bis zu 428 Atmosphären) auszuhalten vermögen, obgleich die gewöhnliche Spannung der in ihnen erzeugten Dämpfe nur zu 600 Pfd. berechnet ist. Bei diesem Uebergewicht von Stärke verschwindet alle Gefahr |216| des Springens. Ueber den Mündungen der acht dampferzeugenden Röhren, die sich in dem Metallgefäße in einer genau abgemessenen Reihe befinden, liegt in der Entfernung eines halben Zolles eine kupferne Röhre, welche über der Mündung jeder Dampfröhre ein kleines Loch hat. Sie ist mit Wasser gefüllt, das von einer Drukpumpe, die ihre Kraft von einem Gewichte empfängt, in bestimmten Zwischenzeiten in die Röhren gesprizt wird, und sich bei der großen Hize der leztern augenbliklich in stark gespannten Dampf verwandelt, etwa so, wie ein Wassertropfen, der auf eine heiße Eisenplatte fällt, sogleich in Dampf verpuft. Der Dampf von blos kochendem Wasser nimmt schon einen 1200mal so großen Raum ein als das Wasser, das ihn erzeugte; bei hoch erhizten Dämpfen steigt dieß Verhältniß zum Erstaunen, und man kann daher begreifen, warum verschlossene Gefäße, wenn sie überheizt werden, mit so furchtbarer Gewalt plazen und alles zerschmettern. Der in diesen Röhren erzeugte Dampf wird in einer Hauptröhre gesammelt, und durch dieselbe in den Cylinder zur Hebung des Kolbens geleitet. Das Princip: „die möglichst starke Kraft gefahrlos mit geringen Kosten und in kleinerem Raume zu erzeugen,“ ist auf diese Weise durch die Albansche Erfindung gelöst. Die Ersparung an Brennmaterial ist bei der Albanschen Maschine verhältnißmäßig um so größer, je höher die Dämpfe gespannt sind, womit sie arbeitet, und gegen die sonstigen Dampfmaschinen mit großen Kesseln, die oft eine Länge von mehr als 20 Fuß haben, kommt der Raum, den sie einnimmt, wenig in Betracht. Die Hize läßt sich in dieser leztern mit wenig Brennmaterial so verstärken, daß die dadurch erzeugten Dämpfe, in einen engen Raum zusammengepreßt, ihrer gewaltigen Spannung wegen eben so viel ausrichten, als eine hundertmal größere Menge schwach gespannter Dämpfe. Eine Albansche Maschine von 10 Pferden Kraft nimmt mit Einschluß des Ofens nur einen Raum von 6 Fuß in der Länge, bei 5 Fuß Höhe und 3 Fuß Breite ein, und braucht täglich nur 6 bis 8 Bushel Steinkohlen.

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